"Das Vaterbuch ist ein Text über Krankheit, Verlust und Verzweiflung. Wie in ‚Frausein‘ geht es um Abschied. Und um den Witz als Widerstand." Mely Kiyak
Was bleibt, wenn einem der Vater durch die Finger rieselt? Herr Kiyak, ein fabelhafter Geschichtenerzähler, bekommt Krebs und will sterben. Aber er hat eine Tochter – und was für eine: Sie macht sein Schicksal zu ihrem und lässt ihn nicht ziehen. Immerhin hat man nur einen Vater. Mely Kiyak erzählt von einer Zeit, in der es um alles geht. Von Herrn Kiyaks Überlebenskampf in Berlin und seinen Cowboystorys aus Bingöl. Von unendlichem Schabernack und großem Kummer. Sie erzählt wahrhaftig, schön und eigensinnig von Vaterliebe und Tochterangst und davon, dass es die Geschichten sind, die bleiben. Und natürlich von seinen berühmten Zwei-Zeilen-Briefen: „Ich küsse dich mein Kind. Dein Vater.“ „Das Vaterbuch ist ein Text über Krankheit, Verlust und Verzweiflung. Wie in "Frausein" geht es um Abschied. Und um den Witz als Widerstand. "Frausein" und das Vaterbuch sind zwei Texte, aber ein Erzählkörper. Ein Leid, ein Lachen, ein Sterben.“ Mely Kiyak
Ihr Vater hatte bereits die Flugtickets für seine Heimreise zu seiner Liebsten in die Türkei gebucht, er dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an, als er aufgrund von zunehmendem Husten und Luftnot in ein Krankenhaus bei Berlin muss. Herr Kiyak hat Lungenkrebs, zunächst soll er operiert werden, doch der Tumor wächst so schnell, dass doch erst eine Chemotherapie gemacht werden muss. Seine Tochter begleitet ihn durch seinen Alltag im Krankenhaus, sie spricht mit Ärzt*innen und Pflegepersonen, sie kümmert sich – und hat Angst. Angst um ihren lieben Vater, diesen Gefühlsmenschen, der so viel lacht und weint, und der als Gastarbeiter jahrelang in Deutschland in Schicht gearbeitet hat.
Mely Kiyaks Roman "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an" erschien bereits 2013 im S. Fischer Verlag und wurde nun, von der Autorin überarbeitet, im Hanser Literaturverlag neu herausgegeben. Mir ging dieses Buch unglaublich nahe, mein Herz wurde schwer bei den Schilderungen des Wesens von Mely Kiyaks Vater; die Liebe, die aus jeder Zeile für den Vater spricht, hat mich sehr bewegt. Es ist ein Abschied in Buchform und dabei etwas, das überdauert, denn es sind die Geschichten, die bleiben. So auch die, die Herr Kiyak seiner Tochter immer wieder von seiner Heimat Bingöl erzählt, von seiner Familie, die er dort zurücklassen musste, als er als Gastarbeiter nach Deutschland kam. Neben den Geschichten aus der Vergangenheit des Vaters ist die Gegenwart auch geprägt von einem Krankenhaussystem, das kühl und steril wirkt, das nicht auf Einzelne eingeht und organisatorischen Aufgaben wie die Wohnungssuche für den Vater, die an bürokratischen Hindernissen scheitern. "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an" ist ein wunderschöner und tieftrauriger, aber nie seinen Witz verlierender Roman über Krankheit, Verlust und die tiefe Liebe zwischen Kindern und ihren Eltern, den ich von Herzen empfehle.
Jan 29, 2024
5.0
Ihr Vater hatte bereits die Flugtickets für seine Heimreise zu seiner Liebsten in die Türkei gebucht, er dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an, als er aufgrund von zunehmendem Husten und Luftnot in ein Krankenhaus bei Berlin muss. Herr Kiyak hat Lungenkrebs, zunächst soll er operiert werden, doch der Tumor wächst so schnell, dass doch erst eine Chemotherapie gemacht werden muss. Seine Tochter begleitet ihn durch seinen Alltag im Krankenhaus, sie spricht mit Ärzt*innen und Pflegepersonen, sie kümmert sich – und hat Angst. Angst um ihren lieben Vater, diesen Gefühlsmenschen, der so viel lacht und weint, und der als Gastarbeiter jahrelang in Deutschland in Schicht gearbeitet hat.
Mely Kiyaks Roman "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an" erschien bereits 2013 im S. Fischer Verlag und wurde nun, von der Autorin überarbeitet, im Hanser Literaturverlag neu herausgegeben. Mir ging dieses Buch unglaublich nahe, mein Herz wurde schwer bei den Schilderungen des Wesens von Mely Kiyaks Vater; die Liebe, die aus jeder Zeile für den Vater spricht, hat mich sehr bewegt. Es ist ein Abschied in Buchform und dabei etwas, das überdauert, denn es sind die Geschichten, die bleiben. So auch die, die Herr Kiyak seiner Tochter immer wieder von seiner Heimat Bingöl erzählt, von seiner Familie, die er dort zurücklassen musste, als er als Gastarbeiter nach Deutschland kam. Neben den Geschichten aus der Vergangenheit des Vaters ist die Gegenwart auch geprägt von einem Krankenhaussystem, das kühl und steril wirkt, das nicht auf Einzelne eingeht und organisatorischen Aufgaben wie die Wohnungssuche für den Vater, die an bürokratischen Hindernissen scheitern. "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an" ist ein wunderschöner und tieftrauriger, aber nie seinen Witz verlierender Roman über Krankheit, Verlust und die tiefe Liebe zwischen Kindern und ihren Eltern, den ich von Herzen empfehle.
Mely Kiyak schreibt die beste Tatsachebprosa des Landes. Niemand ist besser. Hab es im RE zu Ende gelesen und geweint. Es ist nicht so gut, weil es „echt“ ist; ihre Kunstfertigkeit ist besser als jede Wahrheit. Zusammen mit „Frausein“ ist eines der wichtigsten Texte der letzten Jahre.
Mar 23, 2024
5.0
Mely Kiyak schreibt die beste Tatsachebprosa des Landes. Niemand ist besser. Hab es im RE zu Ende gelesen und geweint. Es ist nicht so gut, weil es „echt“ ist; ihre Kunstfertigkeit ist besser als jede Wahrheit. Zusammen mit „Frausein“ ist eines der wichtigsten Texte der letzten Jahre.
Mar 23, 2024
3 of 6 reviews
Author
About Mely Kiyak
Mely Kiyak ist Autorin von Büchern und Theatertexten. Bei Zeit Online erscheint ihre Serie „Gute Momente“, für das Gorki-Theater schreibt sie „Kiyaks Theater Kolumne“. Für ihre Arbeit wurde Mely Kiyak vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Kurt-Tucholsky-Preis. Zuletzt erschienen bei Hanser „Frausein“ (2020) und „Werden sie uns mit FlixBus deportieren?“ (2022).