Hell und laut

Hell und laut

Hardback
4.415

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Das Leben der ersten deutschen Dichterin vor dem schillernden Panorama des Frühmittelalters Warum kann Hrotsvit sich einfach nicht anpassen? Immer bringt ihr Eigensinn sie in Schwierigkeiten. Statt der Predigt zu lauschen, korrigiert sie das Latein des Priesters. Statt harmloser Muster webt sie einen nackten König, der ein Schwein reitet. Statt die vereinbarte Ehe mit einem grausamen Herzog einzugehen, versucht sie zu fliehen. Niemand verurteilt es, wenn ihr Verlobter sie schlägt oder mächtige Hofmitglieder sich an ihr vergehen wollen. Immer wieder soll sie sich einem fremdbestimmten Leben fügen, wie es sich für eine Frau gehört. Doch Hrotsvit hat andere Pläne. Ihr Herz gehört den Büchern, und sie will selbst Stimme sein für all die ungehörten Frauen. So gelangt sie über Umwege ans Stift Gandersheim, wo sie Dramen verfasst, in denen Frauen ihre Vergewaltiger beschämen und offenbaren, dass sie über das verfügen, was ihnen von der Kirche abgesprochen wird: eine Seele. Liutprand ist verbittert: Von den Mächtigen wird er nur benutzt, muss ihre Launen ertragen und ihre skrupellosen Befehle ausführen. Dabei hat Gott ihn auserwählt, Großes zu schaffen. Sicher vergibt er ihm, dass er das Keuschheitsgelübde bricht. Das ist schließlich nicht seine Schuld. Außerdem hat er Talent: scharfsinnig und böse ist sein Humor, wortgewandt seine Zunge. Damit lässt sich Karriere machen. Und Liutprand will aufsteigen, so hoch es geht, um nie wieder als Stiefelabtreter herzuhalten. Dafür geht er sogar über Leichen. Und dann trifft er diese Hrotsvit, die ungewöhnlich klug ist für eine Frau … Ein mitreißender Roman über das Leben der Hrotsvit von Gandersheim, die als erste deutsche Dichterin gilt und deren bemerkenswerte Dramen an #MeToo erinnern – und das im 10. Jahrhundert.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
432
Price
24.70 €

Author Description

Sarah Raich, geboren 1979, besuchte das nach Hrotsvit benannte Roswitha-Gymnasium in Bad Gandersheim, entdeckte aber erst Jahre später die feministischen Texte Hrotsvits für sich und fragt sich, warum diese außergewöhnliche Dichterin zu Unrecht vergessen wurde. Zu ihren bisherigen Veröffentlichungen gehören die Kurzgeschichtensammlung Dieses makellose Blau sowie die Jugendromane All That’s Left und Equilon.

Posts

2
All
5

"Wenn Sie nun nicht mehr Hrotsvit von Reinhausen sein konnte, dann könnte sie Hrotsvit von Gandersheim werden, die helle, laute Stimme des Stifts." Frauen kommen bis heute in der Welt der Literatur nicht gleichberechtigt mit Männern vor. Sarah Raich hat in diesem Roman der ersten deutschen Dichterin ein Denkmal gesetzt, die vielleicht auch eine der ersten deutschen Feministinnen war. Sie verleiht einer starken Frau eine Stimme, die auch heute noch wichtig ist, gehört zu werden. "Sie wollte Herzen und Seelen bewegen. Sie wollte Männer zum Verstummen bringen." Sarah Raich erzählt die Geschichte einer eigenwilligen Frau die unabhängig sein möchte und sich gegen die Zwänge des Patriarchats im frühen Mittelalter auflehnt. Sie versucht mutig zu sein hat sie doch so viele Wörter auf ihrer Seele, die heraus wollen. "Alles muss gewagt werden, alles muss gewagt werden." Inspiriert von den Texten der griechischen Dichterin Sappho, wagt sich Hrotsvit daran, eigene Gedichte zu schreiben. Sie möchte gehört werden diese Hrotsvit und sie möchte anderen Frauen ihre Stimme geben. "Ihr müsst lauter sein, noch viel lauter." Auch die Schuldgefühle, die so viele Frauen nach einer Vergewaltigung empfinden, wandelt sie in Verse um. "Wenn die Seele nicht zustimmt, dann gibt es keine Schuld." Mir haben ganz besonders die Teile des Romans gefallen, in denen es um die Geschichte von Hrotsvit ging. Wut hatte ich auf manch unsympathischen Wegbegleiter. Etwas verloren hat mich die Geschichte, wenn es um diesen Wiederling ging. Absolute Leseempfehlung 🫶

4.5

Die erste deutsche Dichterin

Es ist sehr bedauerlich, dass das Wissen über Hrotsvit von Gandersheim, die erste deutsche Dichterin, bisher nicht in das Allgemeinwissen unserer Gesellschaft übergegangen ist. Umso besser und wichtiger ist es daher, dass Sarah Raich sich ihrer Geschichte angenommen und diese in eine nicht nur informative und gut recherchierte, sondern auch bewegende und wunderbar lesbare Form gegossen hat. Teilweise war ich wirklich überrascht von den fortschrittlichen, freiheitlichen und feministischen Gedanken, die Hrotsvit schon seit ihrer Kindheit hegt. Sie will sich nicht an die Erwartungen ihres Elternhauses anpassen, will nicht heiraten und als Ehefrau und Mutter Einfluss üben, sondern als Schriftstellerin. Den Weg und auch die Hindernisse dorthin hat Sarah Raich durch die insgesamt zwölf männlichen und weiblichen Blickwinkel spürbar gemacht. Ich hatte wirklich den Eindruck, mit den Figuren in der mittelalterlichen Welt unterwegs zu sein, ihnen nahe kommen zu können und trotzdem gleichermaßen Sympathien und Antipathien empfinden zu können. Viele Figuren begleiten wir bis zu ihrem Tod, was bei manchen sehr traurig war, bei einigen aber auch eine „Genugtuung“ auslöste wie ich sie meist nur aus Serien kenne. Einige Erweckungsmomente kamen für meinen Geschmack etwas zu unvermittelt, andererseits ist die Lektüre mit ihren über 400 Seiten absolut nicht vorschnell oder oberflächlich. „Hell und laut“ bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte, weiter in die geografische oder individuelle Geschichte einzutauchen. Trotz der Komplexität und der weit entfernten Lebensrealitäten fühlte ich mich nie überfordert, sondern durch die Erzählstimmen immer an die Hand genommen. Die Sprache ist dabei hochwertig, aber nur teilweise historisiert, was das Lesen sehr vereinfachte. Sicher kann diese moderne Umsetzung auch kritisiert werden, für mich ergab sich jedoch auch immer der unterschwellige Hinweis, dass diese Geschichte auch genauso gut in der Gegenwart spielen könnte. Ich bin auf jeden Fall froh, Hrotsvit kennengelernt zu haben und nun wieder etwas mehr über die weibliche Perspektive der Geschichtsschreibung erfahren zu haben.

Create Post