Harro und Libertas

Harro und Libertas

Hardback
4.67
BiografieHitlerWiderstandLiebesgeschichte

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Description

Liebe und Widerstand in Hitlers Berlin.

Im April 1933 wird Harro Schulze-Boysen, der 23-jährige Herausgeber der unabhängigen Zeitschrift Gegner, von der SS verhaftet und schwer misshandelt. Sein bester Freund, der Jude Henry Erlanger, überlebt die Torturen nicht. Fortan sinnt Harro auf Rache. Als er ein Jahr später die bezaubernde Libertas aus einer alteingesessenen deutschen Adelsfamilie trifft, ist es nicht nur um die beiden geschehen, sondern gemeinsam knüpfen sie ein Netzwerk, das sich länger als jede andere Gruppierung dem Naziterror entgegenstellt.

Bis zur Entdeckung der Gruppe – von der Gestapo »Rote Kapelle« genannt – im Sommer 1942 vereinen Harro und Libertas über 150 meist junge, häufig künstlerisch veranlagte Menschen, wobei Frauen mit 40 Prozent stark repräsentiert sind – eine Besonderheit im deutschen Widerstand. Unterstützung für jüdische Freunde, geheim verbreitete Flugschriften, eine spektakuläre Zettelklebeaktion im Herzen Berlins sowie die Weitergabe militärischer Informationen aus Harros Dienststelle, dem Reichsluftfahrtministerium, an die Alliierten gehören zu ihren zahlreichen, brandgefährlichen Aktionen. Gleichzeitig leben Libertas und Harro einen offenen Liebes- und Lebensstil und weigern sich, ihre Freiheiten, auch was das intime Zusammenleben betrifft, der rigiden NS-Moral unterzuordnen. Es ist der Widerstand der Berliner Boheme.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Historical Figures
Format
Hardback
Pages
496
Price
24.70 €

Author Description

Norman Ohler, 1970 geboren, ist der Autor von vier von der Presse gefeierten Romanen und zwei Sachbüchern. Sein erster Roman »Die Quotenmaschine« erschien 1995 zunächst als Hypertext im Netz und gilt als weltweit erster Internet-Roman. »Mitte« (2001) und »Stadt des Goldes« (2002) komplettieren seine Metropolentriologie. 2015 erschien »Der totale Rausch« über die kaum aufgearbeitete Rolle von Drogen im Dritten Reich. Es wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und stand auf der Bestsellerliste der New York Times. Paramount hat eine Option auf die Filmrechte erworben. 2017 erschien Ohlers historischer Kriminalroman »Die Gleichung des Lebens«, der mit lebendigem Zeitkolorit das 18. Jahrhundert wiederauferstehen lässt.

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“Die letzten Argumente / sind Strang und Fallbeil nicht, / und uns’re heut’gen Richter sind / noch nicht das Weltgericht“ Im Dezember 1942 lässt die Gestapo in einem Gebäude am Plötzensee acht verschiebbare Fleischerhaken in einer Schiene unter der Decke anbringen, um an diesen zwei Tage vor Weihnachten das Ehepaar Harro und Libertas Schulze-Boysen, deren Freund Arvid Hanack und weitere Mitglieder der sogenannten „Roten Kapelle“ einer Widerstandsgruppe gegen die Nazis hinzurichten. Der Tod an den Fleischerhaken ist ein besonders grauenvoller und geschieht, da die einzelnen Haken durch schwarze Folien voneinander getrennt sind, auch noch in Isolation von den Freunden und Mitstreiter*innen. „Jeder stirbt für sich allein“, wie schon Hans Fallada schrieb. Mehr als 50 weitere Mitglieder der losen Gruppe werden ihnen an diesem Ort in den Tod folgen und viele weitere inhaftiert und in Konzentrationslager verbracht. Scholl, Elser, Stauffenberg und Bonhoeffer sind gemeinhin die Namen, die man mit dem innerdeutschen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime verbindet und die bis in die Gegenwart Stoff für Bücher, Filme und auch Kontroversen liefern. Dass die „Rote Kapelle“ und mit ihr die Schulze-Boysens, die im Zentrum von Norman Ohlers großartigem erzählendem Sachbuch stehen, zumeist den wenigsten Menschen ein Begriff ist, liegt an unterschiedlichen Gründen: Einerseits mag die Geschichte von einer Gruppe mit über 100 Mitgliedern, die sich nicht einmal alle kennen geschweige denn eine einheitliche Weltsicht teilen, sicher nicht so catchy sein, wie die des geläuterten Geschwisterpaares, das durch ein tragisches Missgeschick entlarvt wird, aber was sicher noch weitaus mehr dazu beigetragen hat, dass diese Gruppe in der gegenwärtigen Erinnerung eine verschwindend kleine Rolle spielt, ist in Teilen Missverständnis und in Teilen nationalsozialistische Gründlichkeit. So sah das Urteil über Harro und Libertas vor, dass nicht nur deren Leben beendet werden solle, sondern auch jegliche Erinnerung an diese Leben zu tilgen sei. Zudem stuften die Nationalsozialisten die „Rote Kapelle“ als eine kommunistisch motivierte Gruppe ein und diese Erzählung wurde in der Erinnerungskultur der BRD aufgenommen und machte die Gruppe dadurch wenig reizvoll für offizielle Narrative. Natürlich ist es nicht notwendig zu begründen, warum es jedes Opfer der Nazis verdient hat, dass man sich seiner erinnert, aber es stellt sich die Frage, was sich denn neben all den prominenten Figuren des Widerstands nun lernen lasse aus der Beschäftigung mit der „Roten Kapelle“ und den Schulze-Boysens. Norman Ohler erweckt in seinem Buch zwei höchst uneindeutige Personen zum Leben. Harro stammt aus einer Familie mit langer Militärtradition, er liebt Deutschland, lebt das Leben eines Boheme, ist Luftwaffenoffizier und sieht die Zukunft des Landes weder als eine nationalsozialistische noch als eine kommunistische. Libertas, Nachfahrin eines engen (und in Verruf geratenen) Freundes des ehemaligen Kaisers, privilegierte Nutznießerin des Regimes und unpolitisch-naive Romantikerin verliebt sich in ihn und gemeinsam werden sie zum verbindenden Element verschiedenere kritischer Freundeskreise, die Juden zur Flucht verhelfen, Flugblattaktionen gegen die Nazis durchführen, Beweismaterial für die Gräueltaten der Nazis im Osten sammeln und Funksprüche mit militärischen Informationen an die Sowjetunion senden. Ohler versteht es, sich tief hineinzuversetzen in die Gefühle und Gedanken dieses Freundeskreises, der nach heutigen, woken Maßstäben wohl eher wie ein Fremder wirkt, denn auch wenn die Gestapo dies glaubte, einte die „Rote Kapelle“ keine politische Agenda oder gesellschaftliche Schicht, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die Liebe zur Freiheit, zur Kultur und zum Leben. „Harro & Libertas“ setzt den Schulze-Boysens und ihren Mitstreiter*innen und Freunden ein Denkmal, dass mich hat mitfiebern lassen, mir in seiner großen Tragik die Tränen in die Augen getrieben hat (etwa wenn von dem Abschied zwischen Harro und seinem Vater erzählt wird oder Ohler Libertas‘ Charakter abschließend bewertet) und mich in großer Bewunderung zurückgelassen hat für diese Menschen, die alles opferten für eine gute Sache und in vollem Bewusstsein dieser Gefahr.

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