Harro und Libertas

Harro und Libertas

Softcover
4.67
BiografieHitlerWiderstandLiebesgeschichte

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Description

Harro und Libertas : Eine mutige Liebesgeschichte im Widerstand gegen das NS-Regime

Mit seinem sorgfältig recherchierten und spannend erzählten Buch Harro und Libertas hat Norman Ohler eine beeindruckende historische Leistung erbracht. Er zeigt das Ehepaar Harro und Libertas Schulze-Boysen endlich als das, was sie waren: zwei höchst bedeutsame Helden des Widerstands gegen das Naziregime, die lange sowohl in West- als auch Ostdeutschland nicht die verdiente Anerkennung fanden.

Inmitten des Berliner Bohème-Milieus der NS-Zeit lebten Harro und Libertas nicht nur einen offenen, der rigiden Moral trotzenden Lebensstil, sondern bildeten auch ein Netzwerk von Gleichgesinnten aus allen sozialen Schichten, um sich mutig dem nationalsozialistischen Terror entgegenzustellen. Eine wahre Geschichte über Liebe, Spionage und Widerstand, die international Karriere machte.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Historical Figures
Format
Softcover
Pages
496
Price
14.40 €

Author Description

Norman Ohler, 1970 geboren, ist der Autor von vier von der Presse gefeierten Romanen und zwei Sachbüchern. Sein erster Roman »Die Quotenmaschine« erschien 1995 zunächst als Hypertext im Netz und gilt als weltweit erster Internet-Roman. »Mitte« (2001) und »Stadt des Goldes« (2002) komplettieren seine Metropolentriologie. 2015 erschien »Der totale Rausch« über die kaum aufgearbeitete Rolle von Drogen im Dritten Reich. Es wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und stand auf der Bestsellerliste der New York Times. Paramount hat eine Option auf die Filmrechte erworben. 2017 erschien Ohlers historischer Kriminalroman »Die Gleichung des Lebens«, der mit lebendigem Zeitkolorit das 18. Jahrhundert wiederauferstehen lässt.

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“Die letzten Argumente / sind Strang und Fallbeil nicht, / und uns’re heut’gen Richter sind / noch nicht das Weltgericht“ Im Dezember 1942 lässt die Gestapo in einem Gebäude am Plötzensee acht verschiebbare Fleischerhaken in einer Schiene unter der Decke anbringen, um an diesen zwei Tage vor Weihnachten das Ehepaar Harro und Libertas Schulze-Boysen, deren Freund Arvid Hanack und weitere Mitglieder der sogenannten „Roten Kapelle“ einer Widerstandsgruppe gegen die Nazis hinzurichten. Der Tod an den Fleischerhaken ist ein besonders grauenvoller und geschieht, da die einzelnen Haken durch schwarze Folien voneinander getrennt sind, auch noch in Isolation von den Freunden und Mitstreiter*innen. „Jeder stirbt für sich allein“, wie schon Hans Fallada schrieb. Mehr als 50 weitere Mitglieder der losen Gruppe werden ihnen an diesem Ort in den Tod folgen und viele weitere inhaftiert und in Konzentrationslager verbracht. Scholl, Elser, Stauffenberg und Bonhoeffer sind gemeinhin die Namen, die man mit dem innerdeutschen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime verbindet und die bis in die Gegenwart Stoff für Bücher, Filme und auch Kontroversen liefern. Dass die „Rote Kapelle“ und mit ihr die Schulze-Boysens, die im Zentrum von Norman Ohlers großartigem erzählendem Sachbuch stehen, zumeist den wenigsten Menschen ein Begriff ist, liegt an unterschiedlichen Gründen: Einerseits mag die Geschichte von einer Gruppe mit über 100 Mitgliedern, die sich nicht einmal alle kennen geschweige denn eine einheitliche Weltsicht teilen, sicher nicht so catchy sein, wie die des geläuterten Geschwisterpaares, das durch ein tragisches Missgeschick entlarvt wird, aber was sicher noch weitaus mehr dazu beigetragen hat, dass diese Gruppe in der gegenwärtigen Erinnerung eine verschwindend kleine Rolle spielt, ist in Teilen Missverständnis und in Teilen nationalsozialistische Gründlichkeit. So sah das Urteil über Harro und Libertas vor, dass nicht nur deren Leben beendet werden solle, sondern auch jegliche Erinnerung an diese Leben zu tilgen sei. Zudem stuften die Nationalsozialisten die „Rote Kapelle“ als eine kommunistisch motivierte Gruppe ein und diese Erzählung wurde in der Erinnerungskultur der BRD aufgenommen und machte die Gruppe dadurch wenig reizvoll für offizielle Narrative. Natürlich ist es nicht notwendig zu begründen, warum es jedes Opfer der Nazis verdient hat, dass man sich seiner erinnert, aber es stellt sich die Frage, was sich denn neben all den prominenten Figuren des Widerstands nun lernen lasse aus der Beschäftigung mit der „Roten Kapelle“ und den Schulze-Boysens. Norman Ohler erweckt in seinem Buch zwei höchst uneindeutige Personen zum Leben. Harro stammt aus einer Familie mit langer Militärtradition, er liebt Deutschland, lebt das Leben eines Boheme, ist Luftwaffenoffizier und sieht die Zukunft des Landes weder als eine nationalsozialistische noch als eine kommunistische. Libertas, Nachfahrin eines engen (und in Verruf geratenen) Freundes des ehemaligen Kaisers, privilegierte Nutznießerin des Regimes und unpolitisch-naive Romantikerin verliebt sich in ihn und gemeinsam werden sie zum verbindenden Element verschiedenere kritischer Freundeskreise, die Juden zur Flucht verhelfen, Flugblattaktionen gegen die Nazis durchführen, Beweismaterial für die Gräueltaten der Nazis im Osten sammeln und Funksprüche mit militärischen Informationen an die Sowjetunion senden. Ohler versteht es, sich tief hineinzuversetzen in die Gefühle und Gedanken dieses Freundeskreises, der nach heutigen, woken Maßstäben wohl eher wie ein Fremder wirkt, denn auch wenn die Gestapo dies glaubte, einte die „Rote Kapelle“ keine politische Agenda oder gesellschaftliche Schicht, sondern eine humanistische Grundeinstellung, die Liebe zur Freiheit, zur Kultur und zum Leben. „Harro & Libertas“ setzt den Schulze-Boysens und ihren Mitstreiter*innen und Freunden ein Denkmal, dass mich hat mitfiebern lassen, mir in seiner großen Tragik die Tränen in die Augen getrieben hat (etwa wenn von dem Abschied zwischen Harro und seinem Vater erzählt wird oder Ohler Libertas‘ Charakter abschließend bewertet) und mich in großer Bewunderung zurückgelassen hat für diese Menschen, die alles opferten für eine gute Sache und in vollem Bewusstsein dieser Gefahr.

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