Graue Bienen
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Description
Book Information
Author Description
Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen, war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach schrieb er zahlreiche Drehbücher. Seit seinem Roman ›Picknick auf dem Eis‹ gilt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen ukrainischen Autoren. Sein Werk erscheint in 45 Sprachen. Kurkow lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in der Ukraine. 2023 wurde er als Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen.
Posts
Der Bienenzüchter Sergej
Sergej lebt im Donbass, in der grauen Zone, mit seinen Bienen, dort herrscht Krieg. Aber Sergej interessiert sich nur für das Wohlergehen seiner Bienen. Die erinnern ihn an gute Zeit, als es keinen Krieg gab, er seine Frau und seine Tochter bei sich hatte. Eines Tages macht er sich mit seinen Bienen auf den Weg, um einen Ort zu finden, an dem seine Bienen in Ruhe Nektar sammeln können. Unterwegs trifft er immer wieder auf neue Personen, die ihn mal mögen, mal nicht oder ihn für ihre eigene Sache benutzen. Das Buch ist gut geschrieben, aber eher trist, was zu Sergejs ganzen Grundstimmung passte. Ich fand den Einstieg eher schwer, aber das lesen lohnt sich.
Andreï Kurkow hat mit „Graue Bienen“ einen Roman geschrieben, der mich in seiner stillen Wucht sehr beeindruckt hat. Keine großen politischen Parolen, kein lautes Anklagen – und gerade das macht die Geschichte so eindrücklich. Normalerweise bin ich für langsame Erzählungen nicht unbedingt zu haben - hier war das anders. Sergej lebt in der sogenannten „Grauen Zone“ in der Ostukraine, einem Niemandsland zwischen den Fronten. Er kümmert sich um seine Bienen, während um ihn herum die Welt zerfällt. Die Kämpfe sind weit genug weg, um den Alltag nicht völlig zu verschlingen, aber nah genug, um jede Normalität auszuhöhlen. Sergej klammert sich an seine Routinen, und doch ist klar, dass Neutralität in einem Krieg nur eine trügerische Idee ist. Der Roman entfaltet seine Kraft in den Zwischentönen, in den beiläufigen Gesprächen, in Sergejs Blick auf die Welt, in der Art, wie er sich selbst fremd wird, je weiter er reist. Er sucht Frieden, aber wo soll er ihn finden, wenn er schlichtweg nirgends ist? Besonders gefallen hat mir die nüchterne, aber dennoch feinsinnige Darstellung seiner Beziehung zu Paschka, seinem letzten verbliebenen Nachbarn. Anfangs herrscht eher vorsichtige Koexistenz, doch mit der Zeit entwickeln sie eine Art stilles Einverständnis – eine pragmatische Nähe, die nicht viel Worte braucht. Kurkow schreibt ohne Pathos, aber mit einer Intensität, die lange nachwirkt. Ein Buch, das nicht belehrt, sondern beobachtet – und gerade deshalb so viel erzählt. Hier und da hätte man für meinen Geschmack etwas Länge wegkürzen können. Beeindruckt und bewegt bin ich trotzdem.
Still und leise hat es überzeugt
Ich muss sagen, ich habe das Buch unterschätzt. Ich habe es in einem Bücherschrank gefunden und hätte es sicherlich nicht gelesen, wenn ich es in einer Buchhandlung gesehen hätte. Das Buch überzeugt mit seiner stillen und leisen Art. Es gibt Einblicke über Anfeindungen, Liebe und Freundschaft in einem Umfeld mit dem ich mich bisher wenig beschäftigt habe. Das Buch lebt durch seine Beobachtungen, durch die Beschreibung der Umgebung und der Gedanken von Sergej. Sergej ist der Protagonist und lebt in der grauen Zone. Er lebt sein Leben einfach weiter trotz des Kriegs. Sein einziger Freund/Feind lebt noch im selben Dorf. Sergej beschließt zu gehen, um seinen Bienen ein besseren Sommer zu ermöglichen und im Herbst wieder zu kommen. Er schließt Freundschaften sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Gleichzeitig erlebt er Anfeindungen auch von beiden Seiten. Er selbst fühlt sich keiner so richtig zugehörig. Er wünscht sich nur Frieden, aber findet ihn nicht richtig. Schlussendlich kehrt er zurück in die Heimat. Der Titel "Graue Bienen" ergibt erst am Ende Sinn und passt perfekt. Das Buch hat mich umgehauen und ist eins meiner Lieblingsbücher für dieses Jahr. Auch wenn keine 5⭐️ hat es einen bleibenden Einduck hinterlassen. Ich freue mich schon, mehr von Kurkow zu lesen.
Ein wirklich genialer Roman über einen Krieg auf europäischen Boden, der (noch) nicht in den Geschichtsbüchern steht, sondern weitgehend ohne größere Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit seit 2014 andauert: der Krieg zwischen Russland und der Ukraine in der Ostukraine im sogenannten Donbass, dem Donezbecken. Dort beschiessen sich die beiden Parteien mit Artillerie und dazwischen liegt die graue Zone, aus der die meisten Menschen bereits geflohen sind. Es ist ein dünn besiedeltes Gebiet in dem sich das fiktive Dorf befindet, in dem nur noch zwei Männer geblieben sind. Sergej und Paschka, beide ursprünglich Schulfeinde und nun in ihrem 50. Lebensjahr zusammengeschweißt durch die Einsamkeit und die widrigen Umstände. Sergej, der Protagonist, ist Imker und lebt eigentlich nur von seinem Honigverkauf. Aber wie soll man in dieser trostlosen Gegend überleben, in dem die Schüsse und Einschläge schon Normalität geworden sind. Wenn die Separatisten oder Baptisten nicht die Beiden durch regelmäßige Lieferung des Notwendigsten unterstützen würden, wäre ein Leben kaum möglich. Und da selbst das Leben für die Bienen grau und trist wird, beschließt Sergej, seine Bienen dort hin zu bringen, wo es warm und friedlich ist. Auf die Krim. Dieser Roman ist einfach wunderbar erzählt. Selten war Handlungsarmut in der Einöde und der Irrsinn des Kriegs so anschaulich beschrieben. Und wie der Autor es am Ende schafft, das Leben der Menschen und der Bienen gleiche Bedeutung beizumessen, so dass man sich fragt, wer denn nun eigentlich die Grauen sind, ist schon eine raffinierte Symbolik. Eigentlich ist es nicht nur ein Roman, sondern auch ganz viel Sachbuch über einen bewaffneten Konflikt nicht weit vor unserer Haustür, über die Mentalität der Ukrainer, Russen und Tataren und über die Frage, wie wichtig Heimatverbundenheit ist in einer Zeit, die die Menschen immer wieder entwurzelt. Unbedingte Leseempfehlung.
Darum geht es: Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Er überlebt nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten. Ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung. Eines Frühlings bricht er auf: Er will die Bienen dorthin bringen, wo sie in Ruhe Nektar sammeln können. „Noch am Leben?“ „Noch am Leben.“ „Graue Bienen“ ist bereits 2019 herausgekommen und durch den russischen Angriffskrieg aktueller denn je! Hier auf #bookstagram wurde das Buch schon sehr oft empfohlen und ich kann mich nur anschließen. Der Schreibstil passt perfekt zur Handlung: trist, langweilig, eintönig und grau. Die Protagonisten haben sich mit der Situation abgefunden, und leben einfach so vor sich – ohne jegliche Hoffnung. Und zugleich ist dieser Kontrast erschreckend. Das Buch hat mich fassungslos zurückgelassen. Ich gebe eine absolute Leseempfehlung! 5 von 5 Sterne
Ein wirklich genialer Roman über einen Krieg auf europäischen Boden, der (noch) nicht in den Geschichtsbüchern steht, sondern weitgehend ohne größere Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit seit 2014 andauert: der Krieg zwischen Russland und der Ukraine in der Ostukraine im sogenannten Donbass, dem Donezbecken. Dort beschiessen sich die beiden Parteien mit Artillerie und dazwischen liegt die graue Zone, aus der die meisten Menschen bereits geflohen sind. Es ist ein dünn besiedeltes Gebiet in dem sich das fiktive Dorf befindet, in dem nur noch zwei Männer geblieben sind. Sergej und Paschka, beide ursprünglich Schulfeinde und nun in ihrem 50. Lebensjahr zusammengeschweißt durch die Einsamkeit und die widrigen Umstände. Sergej, der Protagonist, ist Imker und lebt eigentlich nur von seinem Honigverkauf. Aber wie soll man in dieser trostlosen Gegend überleben, in dem die Schüsse und Einschläge schon Normalität geworden sind. Wenn die Separatisten oder Baptisten nicht die Beiden durch regelmäßige Lieferung des Notwendigsten unterstützen würden, wäre ein Leben kaum möglich. Und da selbst das Leben für die Bienen grau und trist wird, beschließt Sergej, seine Bienen dort hin zu bringen, wo es warm und friedlich ist. Auf die Krim. Dieser Roman ist einfach wunderbar erzählt. Selten war Handlungsarmut in der Einöde und der Irrsinn des Kriegs so anschaulich beschrieben. Und wie der Autor es am Ende schafft, das Leben der Menschen und der Bienen gleiche Bedeutung beizumessen, so dass man sich fragt, wer denn nun eigentlich die Grauen sind, ist schon eine raffinierte Symbolik. Eigentlich ist es nicht nur ein Roman, sondern auch ganz viel Sachbuch über einen bewaffneten Konflikt nicht weit vor unserer Haustür, über die Mentalität der Ukrainer, Russen und Tataren und über die Frage, wie wichtig Heimatverbundenheit ist in einer Zeit, die die Menschen immer wieder entwurzelt. Unbedingte Leseempfehlung.
Auch wenn mir dieses Buch außerordentlich gut gefallen hat, wünschte ich, es hätte nie geschrieben werden müssen. Ganz einfach weil dies bedeuten würde, dass es diesen Krieg und die Annexion der Krim nie gegeben hätte bzw. geben würde. Graue Bienen erzählt von Sergej Sergejitsch, der mit seinen Bienen und seinem Feindfreund aus Kindertagen, Paschka, als einzig Verbleibender in einem kleinen Dorf in der sogenannten "Grauen Zone" im besetzten Donbass lebt. Überleben können die beiden nur dank der gelegentlichen Unterstützung von Separatisten und Baptisten. In diesem ersten Teil der Geschichte geschieht nicht wirklich viel: wo früher Kindergeschrei zu hören war, liegt nun über dem Dorf eine große Stille. Damit seine Bienen ungestört fliegen können, macht Sergej sich mit ihnen zunächst auf den Weg in die Ukraine, später dann auf die Krim. Unterwegs stellen sich ihm dabei etliche Hindernisse in den Weg, vor allem in Form russischer Checkpoints und Geheimdienstmitarbeiter. Kurkow beschreibt, wie die Schikanen der Russen immer wieder die Unschuldigen treffen: Nicht nur Sergej hat darunter zu leiden, sondern vor allem auch die Krim-Tataren. Sie werden verschleppt und misshandelt; durch Putins Propaganda ist auch die russische Bevölkerung überzeugt, dass die Tataren auf der Krim nur stören und nur angesiedelt wurden, um die Russen zu vertreiben, denn "Putin lügt nicht." Trotz all dieser Schrecken ist Graue Bienen ein sehr ruhiges Buch. Die Gewalt findet eher im Hintergrund statt. Aber bei jedem Grenzübertritt, bei jeder Begegnung mit russischen Militärs und Geheimdienstlern habe ich mit Sergej mitgezittert und so gehofft, dass alles gut geht. Sehr gelungen fand ich auch die gelegentlichen Flashbacks und Träume Sergejs. Diese liefern noch einmal eine andere Sichtweise auf viele Dinge - sie erklären manches, lassen aber gleichzeitig auch vieles bewusst ein wenig unklar. Ein äußerst gelungenes Buch und ein Autor, von dem ich gerne mehr lesen möchte.
Kurkovs Roman „Graue Bienen“ habe ich gerne gelesen. Er handelt von ganz normalen Menschen, die unter den Bedrohungen des Krieges im Donbass oder der Willkür und Korruption auf der annektierten Krim leben müssen. Ukrainer, Krimtataren, Russen, Orthodoxe, Muslime – unterschiedliche Bevölkerungsgruppen treffen aufeinander, gehen mitmenschlich miteinander um oder werden gegeneinander aufgehetzt. Und die Bienenvölker des Protagonisten bieten eine stimmige Metapher für so manches. Kurkov erzählt einfache Geschichten in einer einfachen Sprache. Ich habe das Gefühl, viel über die Ukraine erfahren zu haben. Ich werde bestimmt weitere Bücher von Kurkov lesen.
Ein wunderbar erzähltes, so entschleunigendes Buch, trotz des ernsten Themas! Ich habe wirklich jede Zeile genossen. Ich bin nur wegen der Rezis zweier "Goodreads-Friends" auf das Buch aufmerksam geworden. Danke dafür, an mir wäre sonst ein besonderes Buch mit einem außergewöhnlichen Protagonisten vorbeigegangen.
Malaja Starogradowka nennt sich der kleine Ort in der Ukraine im Niemandsland gelegen, zwischen den Fronten im Donbass. Einzige verbliebene Personen sind Sergej und sein 'Kindheitsfeind' Paschka. Man muss sich arangieren in diesem sinnlosen Krieg, selbst wenn der eine eher prorussisch, der andere ukrainische Wurzeln hat - so werden Lebensmittel getauscht, Honig verschenkt im Gegenzug ein guter Tropfen fürs Gemüt. Zunehmend wird es ungemütlicher, nach fast tagelanger Stille schlagen unberechenbar wiederholt Geschosse ein. Auf dem Feld in Blickweite der Fronten liegt ein Toter, eingeschneit in Starre. Sergej und Paschka lehnen sich den Feldstecher aus: ist er einer von uns? Wer ist 'uns' fragt man sich in diesem Konflikt, wo viele miteinander Verwandt sind, die Sinnlosigkeit des Krieges zeigt sich in solchen Fragen. Bis etwa zur Mitte des Buches wird die Geschichte ähnlich einem Bühnenstück beschrieben, derart verdichtet sind die beiden Hauptprotagonisten in ihren Häusern damit beschäftigt sich zu arangieren, miteinander auszukommen, zu überleben. Als der Frühling Einzug hält macht sich Sergej auf den Weg Richtung Süden - seine Bienen sollen ungestört fliegen können. Auf seiner erlebnisreichen Reise erlebt er die Folgen des Krieges, das Misstrauen und der Machtmissbrauch auf der Krim und gleichwohl aber auch die Herzensgüte der Menschen, die Hilfsbereitschaft der einfachen Bürger auf dem Lande. Der Eigenbrötler Sergej wächst einem ans Herz, vielleicht weil er naiv ist, weil er die Welt noch mit einer Spur Kinderaugen sehen kann. Die Träume die ihm Wiederfahren holen ihn aber jeweils wieder ein, es sind düstere Träume, graue Träume. Gern gelesen und Leseempfehlung.
Im Buch passiert nicht viel, aber trotzdem ist es sehr spannend und ich wollte immer noch das nächste Kapitel lesen. Sergej lebt in der grauen Zone, wo immer mal wieder ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten aufeinander schießen. Als der Sommer kommt, reist er mit seinen 6 Bienenstöcke in Richtung der Krim und macht zwischendurch Halt in einem anderen Dorf und lernt dort die nette Galja kennen. Nirgends wird er wirklich heimisch, wird aufgenommen, aber gehört nicht wirklich dazu, so dass er am Ende des Sommers wieder in sein Heimatdorf zurückkehrt. Eine etwas melancholische Geschichte über Krieg, Dorfgemeinschaften, Konflikte zwischen Völkern/Religionszugehörigkeiten, Burokraten, Geheimdienste und Mistrauen. Es hat mir sehr gut gefallen und ich muss noch einiges davon verdauen.
„Es war nicht seine Schuld, dass sein Haus jetzt im Krieg stand. Es stand im Krieg, aber es nahm nicht daran teil. Aus seinem Hof, aus den Fenstern und hinter dem Zaun hervor wurde nicht auf Feinde geschossen, was bedeutete, dass sein Haus keine Feinde haben konnte.“ (S. 432) Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Seit drei Jahren herrscht Krieg, die Einwohner haben das kleine Dorf in der grauen Zone verlassen, nur Sergej und sein ‚Kindheitsfeind‘ Paschka sind geblieben. Die Not schweißt sie zusammen, aber dennoch beschließt Sergej, seine Bienen aus der Kriegszone zu bringen: Sie sollen in Ruhe ausschwärmen, um ihren Nektar zu sammeln: damit nicht auch noch der Honig nach Krieg schmeckt. Sein Weg führt ihn zunächst in den ukrainischen Westen, wo zwar kein Krieg herrscht, man ihn jedoch schon bald als unwillkommenen Donbass-Flüchtling vertreibt. Daraufhin macht er sich auf zur Krim, die unter russischer Herrschaft steht. Doch hier wird er Zeuge von Repressalien gegen die Tataren. Langsam und sehr zurückhaltend nähert er sich deren Kultur an und wird sogar seinem Motto „Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten“ untreu. Doch eigentlich interessiert ihn nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung und wunderbare Produktivität. Der Protagonist, aus dessen Sicht der Leser diesen atmosphärischen Roman erlebt, ist ein einfacher unpolitischer Mann, der sich erinnert und träumt.. Einfühlsam schildert der Autor die bedrohliche Stimmung und das bedrückende, teilweise lähmende Klima in manchen Gegenden, aber auch die Hilflosigkeit gegenüber der Obrigkeit. Doch „Graue Bienen“ spart die realen politischen Vorgänge aus, ohne Stellung zu beziehen. Es ist so viel und gleichzeitig so wenig politisch wie Sergejitsch und liest sich so leicht und gespickt mit leisem herzlichem Humor und Wehmut, wie sein Protagonist selbst. Es ist durchsetzt von der Schönheit, die die Natur zu bieten hat und von Situationen, in denen Menschen zusammenhalten und aus ihrer Not das beste zu machen versuchen. So rückt es auf ernsthaft liebevolle Art die ‚kleinen Leute‘ in den Vordergrund, die alle auf ihre ganz eigene Art versuchen mit dem zurechtzukommen, was von ukrainischen und russischen Machthabern verursacht wurde. Am Rande erfährt man auch das ein oder andere über Bienen, wobei die entspannende und heilende Wirkung des Schlafens auf Bienenstöcken neu für mich war. Gemerkt habe ich aber auch, dass ich viel zu wenig über den Ukraine-Konflikt wusste, was mich beim Lesen dieses Buches dazu brachte, mich außerhalb weiter zu informieren. „Graue Bienen“ von Andrej Kurkow ist ein Buch, das ich trotz ernster Thematik immer wieder gern zur Hand nahm, weil mich die leise erzählte Geschichte auf ihre ganz besondere Art für sich einnehmen konnte. Eine Empfehlung! „Erst dann wandte er sich den Bienenstöcken zu, und in diesem Moment bemerkte er eine Klangwelt um sich herum, als hätte jemand sein Gehör, das über Nacht ausgeschaltet gewesen war, wieder eingeschaltet. Die Welt um ihn herum summte zart und unaufdringlich. Dieses Summen fiel mit der Bewegung der Bienen zusammen, die leicht und fast gewichtslos aus den Fluglöchern losflogen.“ (S. 224)
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Author Description
Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen, war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach schrieb er zahlreiche Drehbücher. Seit seinem Roman ›Picknick auf dem Eis‹ gilt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen ukrainischen Autoren. Sein Werk erscheint in 45 Sprachen. Kurkow lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in der Ukraine. 2023 wurde er als Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen.
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Der Bienenzüchter Sergej
Sergej lebt im Donbass, in der grauen Zone, mit seinen Bienen, dort herrscht Krieg. Aber Sergej interessiert sich nur für das Wohlergehen seiner Bienen. Die erinnern ihn an gute Zeit, als es keinen Krieg gab, er seine Frau und seine Tochter bei sich hatte. Eines Tages macht er sich mit seinen Bienen auf den Weg, um einen Ort zu finden, an dem seine Bienen in Ruhe Nektar sammeln können. Unterwegs trifft er immer wieder auf neue Personen, die ihn mal mögen, mal nicht oder ihn für ihre eigene Sache benutzen. Das Buch ist gut geschrieben, aber eher trist, was zu Sergejs ganzen Grundstimmung passte. Ich fand den Einstieg eher schwer, aber das lesen lohnt sich.
Andreï Kurkow hat mit „Graue Bienen“ einen Roman geschrieben, der mich in seiner stillen Wucht sehr beeindruckt hat. Keine großen politischen Parolen, kein lautes Anklagen – und gerade das macht die Geschichte so eindrücklich. Normalerweise bin ich für langsame Erzählungen nicht unbedingt zu haben - hier war das anders. Sergej lebt in der sogenannten „Grauen Zone“ in der Ostukraine, einem Niemandsland zwischen den Fronten. Er kümmert sich um seine Bienen, während um ihn herum die Welt zerfällt. Die Kämpfe sind weit genug weg, um den Alltag nicht völlig zu verschlingen, aber nah genug, um jede Normalität auszuhöhlen. Sergej klammert sich an seine Routinen, und doch ist klar, dass Neutralität in einem Krieg nur eine trügerische Idee ist. Der Roman entfaltet seine Kraft in den Zwischentönen, in den beiläufigen Gesprächen, in Sergejs Blick auf die Welt, in der Art, wie er sich selbst fremd wird, je weiter er reist. Er sucht Frieden, aber wo soll er ihn finden, wenn er schlichtweg nirgends ist? Besonders gefallen hat mir die nüchterne, aber dennoch feinsinnige Darstellung seiner Beziehung zu Paschka, seinem letzten verbliebenen Nachbarn. Anfangs herrscht eher vorsichtige Koexistenz, doch mit der Zeit entwickeln sie eine Art stilles Einverständnis – eine pragmatische Nähe, die nicht viel Worte braucht. Kurkow schreibt ohne Pathos, aber mit einer Intensität, die lange nachwirkt. Ein Buch, das nicht belehrt, sondern beobachtet – und gerade deshalb so viel erzählt. Hier und da hätte man für meinen Geschmack etwas Länge wegkürzen können. Beeindruckt und bewegt bin ich trotzdem.
Still und leise hat es überzeugt
Ich muss sagen, ich habe das Buch unterschätzt. Ich habe es in einem Bücherschrank gefunden und hätte es sicherlich nicht gelesen, wenn ich es in einer Buchhandlung gesehen hätte. Das Buch überzeugt mit seiner stillen und leisen Art. Es gibt Einblicke über Anfeindungen, Liebe und Freundschaft in einem Umfeld mit dem ich mich bisher wenig beschäftigt habe. Das Buch lebt durch seine Beobachtungen, durch die Beschreibung der Umgebung und der Gedanken von Sergej. Sergej ist der Protagonist und lebt in der grauen Zone. Er lebt sein Leben einfach weiter trotz des Kriegs. Sein einziger Freund/Feind lebt noch im selben Dorf. Sergej beschließt zu gehen, um seinen Bienen ein besseren Sommer zu ermöglichen und im Herbst wieder zu kommen. Er schließt Freundschaften sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Gleichzeitig erlebt er Anfeindungen auch von beiden Seiten. Er selbst fühlt sich keiner so richtig zugehörig. Er wünscht sich nur Frieden, aber findet ihn nicht richtig. Schlussendlich kehrt er zurück in die Heimat. Der Titel "Graue Bienen" ergibt erst am Ende Sinn und passt perfekt. Das Buch hat mich umgehauen und ist eins meiner Lieblingsbücher für dieses Jahr. Auch wenn keine 5⭐️ hat es einen bleibenden Einduck hinterlassen. Ich freue mich schon, mehr von Kurkow zu lesen.
Ein wirklich genialer Roman über einen Krieg auf europäischen Boden, der (noch) nicht in den Geschichtsbüchern steht, sondern weitgehend ohne größere Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit seit 2014 andauert: der Krieg zwischen Russland und der Ukraine in der Ostukraine im sogenannten Donbass, dem Donezbecken. Dort beschiessen sich die beiden Parteien mit Artillerie und dazwischen liegt die graue Zone, aus der die meisten Menschen bereits geflohen sind. Es ist ein dünn besiedeltes Gebiet in dem sich das fiktive Dorf befindet, in dem nur noch zwei Männer geblieben sind. Sergej und Paschka, beide ursprünglich Schulfeinde und nun in ihrem 50. Lebensjahr zusammengeschweißt durch die Einsamkeit und die widrigen Umstände. Sergej, der Protagonist, ist Imker und lebt eigentlich nur von seinem Honigverkauf. Aber wie soll man in dieser trostlosen Gegend überleben, in dem die Schüsse und Einschläge schon Normalität geworden sind. Wenn die Separatisten oder Baptisten nicht die Beiden durch regelmäßige Lieferung des Notwendigsten unterstützen würden, wäre ein Leben kaum möglich. Und da selbst das Leben für die Bienen grau und trist wird, beschließt Sergej, seine Bienen dort hin zu bringen, wo es warm und friedlich ist. Auf die Krim. Dieser Roman ist einfach wunderbar erzählt. Selten war Handlungsarmut in der Einöde und der Irrsinn des Kriegs so anschaulich beschrieben. Und wie der Autor es am Ende schafft, das Leben der Menschen und der Bienen gleiche Bedeutung beizumessen, so dass man sich fragt, wer denn nun eigentlich die Grauen sind, ist schon eine raffinierte Symbolik. Eigentlich ist es nicht nur ein Roman, sondern auch ganz viel Sachbuch über einen bewaffneten Konflikt nicht weit vor unserer Haustür, über die Mentalität der Ukrainer, Russen und Tataren und über die Frage, wie wichtig Heimatverbundenheit ist in einer Zeit, die die Menschen immer wieder entwurzelt. Unbedingte Leseempfehlung.
Darum geht es: Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Er überlebt nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten. Ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung. Eines Frühlings bricht er auf: Er will die Bienen dorthin bringen, wo sie in Ruhe Nektar sammeln können. „Noch am Leben?“ „Noch am Leben.“ „Graue Bienen“ ist bereits 2019 herausgekommen und durch den russischen Angriffskrieg aktueller denn je! Hier auf #bookstagram wurde das Buch schon sehr oft empfohlen und ich kann mich nur anschließen. Der Schreibstil passt perfekt zur Handlung: trist, langweilig, eintönig und grau. Die Protagonisten haben sich mit der Situation abgefunden, und leben einfach so vor sich – ohne jegliche Hoffnung. Und zugleich ist dieser Kontrast erschreckend. Das Buch hat mich fassungslos zurückgelassen. Ich gebe eine absolute Leseempfehlung! 5 von 5 Sterne
Ein wirklich genialer Roman über einen Krieg auf europäischen Boden, der (noch) nicht in den Geschichtsbüchern steht, sondern weitgehend ohne größere Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit seit 2014 andauert: der Krieg zwischen Russland und der Ukraine in der Ostukraine im sogenannten Donbass, dem Donezbecken. Dort beschiessen sich die beiden Parteien mit Artillerie und dazwischen liegt die graue Zone, aus der die meisten Menschen bereits geflohen sind. Es ist ein dünn besiedeltes Gebiet in dem sich das fiktive Dorf befindet, in dem nur noch zwei Männer geblieben sind. Sergej und Paschka, beide ursprünglich Schulfeinde und nun in ihrem 50. Lebensjahr zusammengeschweißt durch die Einsamkeit und die widrigen Umstände. Sergej, der Protagonist, ist Imker und lebt eigentlich nur von seinem Honigverkauf. Aber wie soll man in dieser trostlosen Gegend überleben, in dem die Schüsse und Einschläge schon Normalität geworden sind. Wenn die Separatisten oder Baptisten nicht die Beiden durch regelmäßige Lieferung des Notwendigsten unterstützen würden, wäre ein Leben kaum möglich. Und da selbst das Leben für die Bienen grau und trist wird, beschließt Sergej, seine Bienen dort hin zu bringen, wo es warm und friedlich ist. Auf die Krim. Dieser Roman ist einfach wunderbar erzählt. Selten war Handlungsarmut in der Einöde und der Irrsinn des Kriegs so anschaulich beschrieben. Und wie der Autor es am Ende schafft, das Leben der Menschen und der Bienen gleiche Bedeutung beizumessen, so dass man sich fragt, wer denn nun eigentlich die Grauen sind, ist schon eine raffinierte Symbolik. Eigentlich ist es nicht nur ein Roman, sondern auch ganz viel Sachbuch über einen bewaffneten Konflikt nicht weit vor unserer Haustür, über die Mentalität der Ukrainer, Russen und Tataren und über die Frage, wie wichtig Heimatverbundenheit ist in einer Zeit, die die Menschen immer wieder entwurzelt. Unbedingte Leseempfehlung.
Auch wenn mir dieses Buch außerordentlich gut gefallen hat, wünschte ich, es hätte nie geschrieben werden müssen. Ganz einfach weil dies bedeuten würde, dass es diesen Krieg und die Annexion der Krim nie gegeben hätte bzw. geben würde. Graue Bienen erzählt von Sergej Sergejitsch, der mit seinen Bienen und seinem Feindfreund aus Kindertagen, Paschka, als einzig Verbleibender in einem kleinen Dorf in der sogenannten "Grauen Zone" im besetzten Donbass lebt. Überleben können die beiden nur dank der gelegentlichen Unterstützung von Separatisten und Baptisten. In diesem ersten Teil der Geschichte geschieht nicht wirklich viel: wo früher Kindergeschrei zu hören war, liegt nun über dem Dorf eine große Stille. Damit seine Bienen ungestört fliegen können, macht Sergej sich mit ihnen zunächst auf den Weg in die Ukraine, später dann auf die Krim. Unterwegs stellen sich ihm dabei etliche Hindernisse in den Weg, vor allem in Form russischer Checkpoints und Geheimdienstmitarbeiter. Kurkow beschreibt, wie die Schikanen der Russen immer wieder die Unschuldigen treffen: Nicht nur Sergej hat darunter zu leiden, sondern vor allem auch die Krim-Tataren. Sie werden verschleppt und misshandelt; durch Putins Propaganda ist auch die russische Bevölkerung überzeugt, dass die Tataren auf der Krim nur stören und nur angesiedelt wurden, um die Russen zu vertreiben, denn "Putin lügt nicht." Trotz all dieser Schrecken ist Graue Bienen ein sehr ruhiges Buch. Die Gewalt findet eher im Hintergrund statt. Aber bei jedem Grenzübertritt, bei jeder Begegnung mit russischen Militärs und Geheimdienstlern habe ich mit Sergej mitgezittert und so gehofft, dass alles gut geht. Sehr gelungen fand ich auch die gelegentlichen Flashbacks und Träume Sergejs. Diese liefern noch einmal eine andere Sichtweise auf viele Dinge - sie erklären manches, lassen aber gleichzeitig auch vieles bewusst ein wenig unklar. Ein äußerst gelungenes Buch und ein Autor, von dem ich gerne mehr lesen möchte.
Kurkovs Roman „Graue Bienen“ habe ich gerne gelesen. Er handelt von ganz normalen Menschen, die unter den Bedrohungen des Krieges im Donbass oder der Willkür und Korruption auf der annektierten Krim leben müssen. Ukrainer, Krimtataren, Russen, Orthodoxe, Muslime – unterschiedliche Bevölkerungsgruppen treffen aufeinander, gehen mitmenschlich miteinander um oder werden gegeneinander aufgehetzt. Und die Bienenvölker des Protagonisten bieten eine stimmige Metapher für so manches. Kurkov erzählt einfache Geschichten in einer einfachen Sprache. Ich habe das Gefühl, viel über die Ukraine erfahren zu haben. Ich werde bestimmt weitere Bücher von Kurkov lesen.
Ein wunderbar erzähltes, so entschleunigendes Buch, trotz des ernsten Themas! Ich habe wirklich jede Zeile genossen. Ich bin nur wegen der Rezis zweier "Goodreads-Friends" auf das Buch aufmerksam geworden. Danke dafür, an mir wäre sonst ein besonderes Buch mit einem außergewöhnlichen Protagonisten vorbeigegangen.
Malaja Starogradowka nennt sich der kleine Ort in der Ukraine im Niemandsland gelegen, zwischen den Fronten im Donbass. Einzige verbliebene Personen sind Sergej und sein 'Kindheitsfeind' Paschka. Man muss sich arangieren in diesem sinnlosen Krieg, selbst wenn der eine eher prorussisch, der andere ukrainische Wurzeln hat - so werden Lebensmittel getauscht, Honig verschenkt im Gegenzug ein guter Tropfen fürs Gemüt. Zunehmend wird es ungemütlicher, nach fast tagelanger Stille schlagen unberechenbar wiederholt Geschosse ein. Auf dem Feld in Blickweite der Fronten liegt ein Toter, eingeschneit in Starre. Sergej und Paschka lehnen sich den Feldstecher aus: ist er einer von uns? Wer ist 'uns' fragt man sich in diesem Konflikt, wo viele miteinander Verwandt sind, die Sinnlosigkeit des Krieges zeigt sich in solchen Fragen. Bis etwa zur Mitte des Buches wird die Geschichte ähnlich einem Bühnenstück beschrieben, derart verdichtet sind die beiden Hauptprotagonisten in ihren Häusern damit beschäftigt sich zu arangieren, miteinander auszukommen, zu überleben. Als der Frühling Einzug hält macht sich Sergej auf den Weg Richtung Süden - seine Bienen sollen ungestört fliegen können. Auf seiner erlebnisreichen Reise erlebt er die Folgen des Krieges, das Misstrauen und der Machtmissbrauch auf der Krim und gleichwohl aber auch die Herzensgüte der Menschen, die Hilfsbereitschaft der einfachen Bürger auf dem Lande. Der Eigenbrötler Sergej wächst einem ans Herz, vielleicht weil er naiv ist, weil er die Welt noch mit einer Spur Kinderaugen sehen kann. Die Träume die ihm Wiederfahren holen ihn aber jeweils wieder ein, es sind düstere Träume, graue Träume. Gern gelesen und Leseempfehlung.
Im Buch passiert nicht viel, aber trotzdem ist es sehr spannend und ich wollte immer noch das nächste Kapitel lesen. Sergej lebt in der grauen Zone, wo immer mal wieder ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten aufeinander schießen. Als der Sommer kommt, reist er mit seinen 6 Bienenstöcke in Richtung der Krim und macht zwischendurch Halt in einem anderen Dorf und lernt dort die nette Galja kennen. Nirgends wird er wirklich heimisch, wird aufgenommen, aber gehört nicht wirklich dazu, so dass er am Ende des Sommers wieder in sein Heimatdorf zurückkehrt. Eine etwas melancholische Geschichte über Krieg, Dorfgemeinschaften, Konflikte zwischen Völkern/Religionszugehörigkeiten, Burokraten, Geheimdienste und Mistrauen. Es hat mir sehr gut gefallen und ich muss noch einiges davon verdauen.
„Es war nicht seine Schuld, dass sein Haus jetzt im Krieg stand. Es stand im Krieg, aber es nahm nicht daran teil. Aus seinem Hof, aus den Fenstern und hinter dem Zaun hervor wurde nicht auf Feinde geschossen, was bedeutete, dass sein Haus keine Feinde haben konnte.“ (S. 432) Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Seit drei Jahren herrscht Krieg, die Einwohner haben das kleine Dorf in der grauen Zone verlassen, nur Sergej und sein ‚Kindheitsfeind‘ Paschka sind geblieben. Die Not schweißt sie zusammen, aber dennoch beschließt Sergej, seine Bienen aus der Kriegszone zu bringen: Sie sollen in Ruhe ausschwärmen, um ihren Nektar zu sammeln: damit nicht auch noch der Honig nach Krieg schmeckt. Sein Weg führt ihn zunächst in den ukrainischen Westen, wo zwar kein Krieg herrscht, man ihn jedoch schon bald als unwillkommenen Donbass-Flüchtling vertreibt. Daraufhin macht er sich auf zur Krim, die unter russischer Herrschaft steht. Doch hier wird er Zeuge von Repressalien gegen die Tataren. Langsam und sehr zurückhaltend nähert er sich deren Kultur an und wird sogar seinem Motto „Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten“ untreu. Doch eigentlich interessiert ihn nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung und wunderbare Produktivität. Der Protagonist, aus dessen Sicht der Leser diesen atmosphärischen Roman erlebt, ist ein einfacher unpolitischer Mann, der sich erinnert und träumt.. Einfühlsam schildert der Autor die bedrohliche Stimmung und das bedrückende, teilweise lähmende Klima in manchen Gegenden, aber auch die Hilflosigkeit gegenüber der Obrigkeit. Doch „Graue Bienen“ spart die realen politischen Vorgänge aus, ohne Stellung zu beziehen. Es ist so viel und gleichzeitig so wenig politisch wie Sergejitsch und liest sich so leicht und gespickt mit leisem herzlichem Humor und Wehmut, wie sein Protagonist selbst. Es ist durchsetzt von der Schönheit, die die Natur zu bieten hat und von Situationen, in denen Menschen zusammenhalten und aus ihrer Not das beste zu machen versuchen. So rückt es auf ernsthaft liebevolle Art die ‚kleinen Leute‘ in den Vordergrund, die alle auf ihre ganz eigene Art versuchen mit dem zurechtzukommen, was von ukrainischen und russischen Machthabern verursacht wurde. Am Rande erfährt man auch das ein oder andere über Bienen, wobei die entspannende und heilende Wirkung des Schlafens auf Bienenstöcken neu für mich war. Gemerkt habe ich aber auch, dass ich viel zu wenig über den Ukraine-Konflikt wusste, was mich beim Lesen dieses Buches dazu brachte, mich außerhalb weiter zu informieren. „Graue Bienen“ von Andrej Kurkow ist ein Buch, das ich trotz ernster Thematik immer wieder gern zur Hand nahm, weil mich die leise erzählte Geschichte auf ihre ganz besondere Art für sich einnehmen konnte. Eine Empfehlung! „Erst dann wandte er sich den Bienenstöcken zu, und in diesem Moment bemerkte er eine Klangwelt um sich herum, als hätte jemand sein Gehör, das über Nacht ausgeschaltet gewesen war, wieder eingeschaltet. Die Welt um ihn herum summte zart und unaufdringlich. Dieses Summen fiel mit der Bewegung der Bienen zusammen, die leicht und fast gewichtslos aus den Fluglöchern losflogen.“ (S. 224)























