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Gratulieren müsst ihr mir nicht

4.2(63)
Hardcover€22.00E-Book€16.99
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About the book

Alles fängt mit einer bleiernen Müdigkeit an. Doch Lilli hat keine Zeit, müde zu sein. Seit sie denken kann, muss sie sich mehr anstrengen als andere. Zu Hause, weil sie und ihre Mutter zu zweit zurechtkommen müssen. In Freundschaften, weil sie nie so richtig dazugehört. In der Schule, weil sie immer die Zahlen verdreht. Jetzt, wo Lilli kurz vor der Matura steht, kann sie ihre Müdigkeit nur ignorieren. Bis zum Zusammenbruch. Lillis Herz, stellt sich heraus, schlägt nicht schnell genug, sie benötigt einen Herzschrittmacher. Bislang hatten Lillis Probleme alle mit dem Leben zu tun. Plötzlich muss sie ums Überleben kämpfen ... Als reichte das nicht, trennt sich kurz vor der Operation ihr Freund von ihr. Und ein gebrochenes Herz kann auch ein Herzschrittmacher nicht heilen.

Ein ergreifender Debütroman voller Humor über eine junge Frau, die, während sie gerade erst ins Leben findet, dem Tod ins Auge blicken muss. Und die sich härter und früher als die meisten Menschen mit der Frage konfrontiert sieht, was am Ende wirklich zählt.

Editions (1)

ISBN9783895611599
PublisherSchöffling
Publication Date08/22/24
Pages272

Reviews & Ratings

63 ratings

20 reviews

4.2

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  • jtk_0701
    jtk_0701

    344 Followers

    4.0

    Hier war alles dabei für mich. Von Humor, trotz schwerer Themen, bis zu kurzfristiger Ödnis, um dann voller Spannung den Horror der Krankengeschichte zu folgen. Witzig, kämpferisch, blutig, bleiern und trotzdem hoffnungsvoll. Eine komische Zimmernachbarin im Krankenhaus, die durch ihre skurrile Art, die traurige Geschichte der Protagonistin mit Humor würzt. Empathielose Ärzt*innen, die ohne große Anteilnahme und sehr nüchtern Diagnosen übermitteln. Kaputtes Gesundheitssystem, das Kranke und ihre Angehörigen verloren und hilflos fühlen lässt. Eine junge Frau, die schon von Kind auf mit ihrer Rechenschwäche zu kämpfen hat und dann kurz vor der Matura einige schwere Diagnosen erhält. Ein Freund, der sie kurz vor der großen OP verlässt. Eine Mutter, die zwischen Scheidung und neuer Ehe, allein mit einem Kind total überfordert ist und nicht immer alles richtig macht, aber genügend Liebe schenkt und für Lilli kämpft. Depressionen, die einen nach so viel Härte im Leben, erwischen können. Ich bin sehr gut in die autofiktionale Geschichte reingekommen, ein geschmeidiger Schreibstil, der es mir einfach gemacht hat dieses Buch zu lesen. Zwischendrin gibt es Rückblicke der Schul- und Kindergartenzeit, die zwar unschön waren, aber meiner Meinung nach nicht besonders ungewöhnlich. Die Erinnerungen waren etwas spannungslos, aber ich hab ziemlich schnell gemerkt, dass es die berühmte Ruhe vor dem Sturm war. Kaum waren die nicht chronologisch erzählten Kindheitserinnerungen erzählt, kam der blutige Horror. Ziemlich bildhaft und intensiv wurde der medizinische Notfall von Lilli beschrieben. Ich hatte das Blut gesehen und gerochen und musste das Buch kurz weglegen. Ich habe mitgefühlt, hatte Angst um Lillis Leben, habe mich über das marode Gesundheitssystem aufgeregt und über die Tatsache, dass die Genesung im Krankenhaus nicht immer leicht ist. Habe Lilli für ihren Kampf und ihre Kraft bewundert. Hätte Lilli so gerne in den Arm genommen. Es ist keine Story, die chronologisch erzählt wird, sonder zwischen verschiedenen Ereignissen springt und einige einschneidende Erlebnisse und psychische Verletzungen von Lilli aufzeigt. Sehr intensiv und authentisch. Ein wirklich gutes Debüt, macht Lust auf mehr. S.70 „Natürlich schämte ich mich, und es war mir peinlich, auf ein Gerät angewiesen zu sein. Natürlich war es mir unangenehm, eine Narbe auf meinem Schlüsselbein zu haben, die darauf hinwies, dass an dieser Stelle meines Körpers ein Fremdkörper eingesetzt worden war. Natürlich war es schmerzhaft, die Geschichte zu erzählen, wie ich mit meinen zwanzig Jahren zu so einem Hilfsmittel gekommen war.“ S. 156 „Wie ein schwerer Stein, der sich dem Meeresgrund nähert, sinke ich in diesen Schlaf, fühle ihn in seiner ganzen Wucht, fühle, wie er mich in seine Umarmung schließt, wie er mich umhüllt, bis ich nicht mehr weiß, ob ich überhaupt noch existiere.“ S.172 „Es fühlt sich an, als wäre mein Körper aus feinem Porzellan, und als stünde dieses Porzellan auf einer Klippe, und als würde jeder Windstoß das Porzellan um wenige Millimeter weiter in Richtung Kante schieben, bis es irgendwann fällt und auf den erbarmungslosen Untergrund trifft und dort in Millionen Teile zerschellt.“ S.178 „Der Arzt ist nicht sonderlich freundlich, er beachtet mich kaum. Er begrüßt mich nicht und verabschiedet sich auch nicht, als die Untersuchung zu Ende ist, sondern drückt den kühlen Ultraschallstab so tief in meine Eingeweide, dass ich kurz Angst habe, mich zu übergeben, und ich denke, dass die Wunde gleich aufplatzt, dass die Stelle auf meiner Haut, wo jetzt eine frische Narbe sitzt, niemals diesen Widerstand aushalten kann.“

    Nov 18, 2024

  • 4.0

    ""Das ist wirklich eine bemerkenswerte Krankheitsgeschichte", meinte die Ärztin, die sonst eher wortkarg war, trocken." In dem autofiktionalen coming of age Roman, der erst 24-jährigen Autorin, erzählt uns diese vor allem von ihrer Krankengeschichte. Und die hat es wirklich in sich. Nicht nur, dass sie, seit sie 14 Jahre alt ist, unter starkem Eisenmangel leidet und daher immerzu müde ist, einen gutartigen Hirntumor hat, muss sie sich kurz nach ihrer Matura, mit 20 Jahren, einen Herzschrittmacher implantieren lassen, da ihr Herz ständig zu langsam schlägt. Flüssig und leicht zu lesen kommt dieses Drama und nimmt einen daher um so mehr mit. Sie will nicht bedauert werden, sondern einen Körper haben der funktioniert, so wie andere junge Menschen in ihrem Alter auch. Doch es kommt noch dicker. Nach Tagen mit heftigsten Bauchschmerzen liegt sie auf dem Boden, um sie ist alles voller Blut. Es ist schrecklich "mitzuerleben" wie sich Lilly quälen muss und ich habe gebannt Seite um Seite verschlungen. Der herzlose Freund, der per WhatsApp, zwei Wochen vor dem inplantieren des Schritzmachers, kurz und bündig Schluss macht, empört! Empathielose Ärzte ebenfalls! Ein bisschen was zu "meckern" habe ich allerdings auch. Einige Textpassagen, in denen es um die Schulzeit und den damit einhergehenden Schwierigkeiten ging, fand ich leider recht belanglos. Nichts, was nicht jede von uns in irgendeiner Art und Weise auch erlebt hat. Auch so manche Wiederholungen sind der noch jungen Autorin nicht vorzuwerfen, ließen meine Lesefreude aber ein bisschen sinken. Von Seiten des Verlages hätte ich mir ein anderes Cover gewünscht. Es hat so gar nichts mit dem Buch gemein. Da hätte ein Hamster schon besser gepasst. 😉 Trotz der, eigentlich kleinen Kritik, eine große Leseempfehlung für diesen Debütroman!

    Apr 6, 2025

  • 4.0

    Wenn der Körper nicht mitspielt

    Nein, gratulieren muss man Lilli wirklich nicht. Mit 20 einen Herzschrittmacher zu bekommen, weil das eigene Herz zu langsam schlägt, und dann auch noch einen gutartigen Gehirntumor diagnostiziert zu bekommen, ist nun wirklich kein Grund für Glückwünsche. Mitleid von außen, unpassende Fragen und diese typischen verwirrten Gesichter sind da leider vorprogrammiert. „Gratulieren müsst ihr mir nicht“ erzählt genau davon: vom Aufwachsen mit einem Körper, der nicht so funktioniert, wie er soll – und davon, wie schwer es ist, jung zu sein, wenn man sich zusätzlich zu den ganz normalen Problemen plötzlich mit schweren Diagnosen herumschlagen muss. Der Roman zeigt, wie es sich anfühlt, vom eigenen Körper enttäuscht zu werden, sich selbst nicht in Krankheiten verlieren zu wollen und trotzdem irgendwie ein normales Leben zu führen. Auch Depressionen haben hier ihren Platz, ehrlich und ohne Beschönigung. Besonders charmant ist die skurrile Familie, die mit ihrer unfreiwilligen Komik immer wieder für Auflockerung sorgt. Ein Buch das gekonnt zwischen Trauer und Wut, Galgenhumor und Hoffnung wechselt und so alle Emotionen einfängt. Persönlich, berührend und trotz der Schwere erstaunlich leicht erzählt – und genau deshalb so lesenswert.

    Jan 6, 2026

3 of 20 reviews

SocialReads

Page-based comments

Page 272100%
a_d_a
a_d_aJan 25, 2025

Das Buch war wunderschön geschrieben, aber man hat sehr mit der Hauptfigur mitgefühlt und vor allem mitgelitten, sodass es manchmal schwer war, weiterzulesen.

Author

About Lilli Polansky

Lilli Polansky könnte mit ihrem Namen auch leicht Schauspielerin oder EU-Kommissarin werden, doch sie entschied sich ausgerechnet dafür, einen Roman zu schreiben. Nun muss sie beinahe täglich die Frage verneinen, ob sie unter einem Pseudonym oder ihrem Spitznamen veröffentlicht. 2001 in Wien geboren, lebt und studiert sie dort heute. Für Gratulieren müsst ihr mir nicht wurde sie 2025 mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet.

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