Gedenken neu denken

Gedenken neu denken

Paperback
4.595

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Description

Unsere Erinnerungskultur muss sich verändern. Wie und warum, legt Susanne Siegert in diesem Buch dar. Sie plädiert für eine pluralistische, neue Gedenkarbeit mit einem Schwerpunkt auf der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration anstelle unserer »einstudierten« gemeinsamen Rückschau mit den Opfern. Es geht um weniger bekannte NS-Verbrechen, um weniger bekannte Orte, um bisher vernachlässigte Opfergruppen. Gleichzeitig zeigt dieses Buch, wie wichtig eine aktivere, vielfältigere Gedenkkultur ist, um künftige Generationen auch ohne direkte Zeitzeugenberichte zu erreichen.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
History & Archaeology
Format
Paperback
Pages
240
Price
18.50 €

Author Description

Susanne Siegert, geboren 1992, ist Journalistin und eine der bekanntesten Stimmen der digitalen Erinnerungskultur in Deutschland. Sie klärt auf Instagram und TikTok über den Holocaust auf. Für ihre innovative und engagierte Arbeit wurde sie 2024 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet, 2025 erhielt sie den Margot Friedländer Preis. Siegert lebt in Leipzig.

Posts

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All
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Ein wichtiger Beitrag zur modernen Gedenkarbeit❗️

„Aber wenn das Feuer schon brennt und niemand löscht, Menschen stattdessen wegschauen oder sogar Beifall klatschen, dann sollte man sich fragen, warum und woher das kommt.“ (S. 157) Susanne Siegert habe ich eher zufällig auf Instagram über ihren Account @keine.erinnerungskultur entdeckt. Dort hat sie mich mit ihren professionellen, kritischen und wahnsinnig gut recherchierten Beiträgen sofort überzeugt 😄 Auch ihr Buch ist mir daraufhin immer wieder begegnet und ich muss gestehen, dass ich trotz ihrer starken Online-Inhalte zunächst unsicher war, ob ein Buch zu diesem komplexen, emotional aufgeladenen und gesellschaftlich stark diskutierten Thema nicht vielleicht „zu viel“ sein könnte. Aber ich kann nur sagen: Susanne Siegert hat hier ein Werk vorgelegt, das absolut überzeugt. Ich selbst habe Geschichte und Archäologie studiert und arbeite auch in meiner täglichen Praxis teilweise mit erinnerungskulturellen und gedenkbezogenen Kontexten. Gerade deshalb empfinde ich ihre Ansätze als erfrischend, kritisch und in genau dem richtigen Maß unbequem. Denn sie zeigt deutlich: Als ehemalige Tätergesellschaft neigen wir dazu, uns auszuruhen, uns in Gewohnheiten einzurichten und es uns bequem zu machen. Und genau das lässt dieses Buch nicht zu. Dabei passiert das nicht auf eine anklagende oder moralisierende Weise. Im Gegenteil: Alles ist wissenschaftlich fundiert, sauber recherchiert und nachvollziehbar erläutert und gleichzeitig so zugänglich geschrieben, dass man sich gut vorstellen kann, es auch Schüler*innen in die Hand zu geben, damit sie ein erstes Gespür entwickeln und selbst kritische Fragen stellen. Besonders beeindruckt hat mich die Auseinandersetzung mit der Rolle der ehemaligen Tätergesellschaft. Es ist erschreckend aktuell, wie schwer wir uns noch immer damit tun, uns sowohl kollektiv als auch individuell mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen; sei es in der Familiengeschichte oder im gesellschaftlichen Kontext. Der Satz „Reicht es nicht endlich?“ begegnet einem dabei leider viel zu oft. Umso mehr werde ich „Gedenken neu denken“ künftig jedem empfehlen, der sich fragt, ob das Thema Nationalsozialismus nicht längst „abgeschlossen“ sei. Auch das Kapitel zur Vermittlungsarbeit hat mich (als Museumspädagogin) besonders angesprochen 😄 Susanne Siegert spricht mir hier aus der Seele: Immer wieder wird gefragt, warum man sich überhaupt noch mit Geschichte beschäftigen soll, während gleichzeitig erwartet wird, sie nicht auf aktuelle Konflikte zu beziehen. Dabei wird Geschichte erst dann wirklich relevant, wenn wir sie in Beziehung zur Gegenwart setzen und Strukturen erkennen, die sich wiederholen oder ähneln. Nur so kann Lernen aus der Vergangenheit überhaupt funktionieren. Und genau diese Vermittlungsarbeit muss nicht nur in Museen oder Schulen stattfinden - sie darf und soll auch auf Plattformen wie TikTok oder Instagram stattfinden, gerade wenn sie so reflektiert umgesetzt wird wie bei der Autorin. Eine große Empfehlung!!

5

Ein Muss!

Ich wusste nicht, was mich bei diesem Buch erwartet. Gedenken neu denken? Wie das? Wir haben doch die Gedenktage zum zweiten Weltkrieg, überall sehe ich #niewieder und ähnliches, was soll daran falsch sein? Jetzt habe ich das Buch gelesen und weiß: alles ist daran falsch. Warum halten deutsche Politiker lange Reden an Gedenktagen, während die Holocaustüberlebenden zu Statisten degradiert werden? Das ist nur einer der wichtigen Punkte, die Susanne Siegert hier zusammengefasst hat und in ihrem Instagram-Account massentauglich verbreitet. Dieses Buch gibt zahlreiche neue Impulse, um Gedenken tatsächlich neu zu denken, es gibt Impulse, Geschehnisse aus anderer Perspektive zu sehen und mir persönlich hat es den Impuls gegeben, auch in meiner Familie zu forschen, ohne Angst vor dem, was ich finden könnte. Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre in den Schulen werden!

4

„Unsere“ Erinnerungskultur auf dem Prüfstand - Sind wir im Gedenken an den Holocaust doch nicht so gut, wie wir glauben?

Susanne Siegert schreibt ein äußerst authentisches Buch. Wer ihre Social-Media-Kanäle kennt, weiß, was er in ihrem Buch bekommt. Nicht in allen Punkten bin ich mit der Autorin einer Meinung, aber gerade der Perspektivenwechsel erweitert den eigenen Horizont und bietet wertvolle Denkanstöße im Umgang mit Gedenkarbeit.

4

Ich hab so viel gelernt in diesem Buch und so viel mitgenommen. Bin dankbar für die Arbeit der Autorin. Und ich kann es euch allen wirklich nur ans Herz legen es zu lesen. Auch ihre Lesung war ganz toll.

4.5

Tolles Buch! Informativ und interessant ohne träge, langatmig oder spießig zu sein. Wichtiger Beitrag zur aktuellen Gedenkarbeit an den Holocaust!

5

Eines der besten Bücher zur Aufarbeitung der NS Zeit

Ich verfolge die Autorin jetzt bestimmt schon ein Jahr über Social Media und habe mich sehr gefreut, als ich ihr Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Susanne Siegert schildert in "Gedenken neu denken" sehr deutlich, was sich an der Erinnerungskultur in Deutschland an die Verbrechen der Nazizeit ändern muss und verknüpft dabei ihre persönliche Erfahrung mit Erinnerungskultur mit dem Weitblick. Sie lässt verschiedenste Opfer des Holocaust zu Wort kommen, auch die "unbequemen" Stimmen. Besonders schön fand ich, wie sie von der Aufarbeitung ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt hat und auch ein Tabu gebrochen hat, dass sie nicht wusste, wie dicht der Holocaust am Ende an ihrem Heimatort stattgefunden hat. Diese Buch ist ein Muss für alle, die nicht wissen, was ihre Verwandten während der NS-Zeit gemacht haben oder aktiv die Augen verschließen. Wir müssen heute einfach aufarbeiten und daraus Folgen und Konsequenzen für unsere heutige Welt schaffen und dieses Buch gibt einen super Einstieg dafür.

5

Susanne Siegert ist für mich eine wichtige Stimme auf den sozialen Plattformen, welche sie durch ihr Debüt nochmal untermauern konnte!

Susanne Siegert beschreibt, wie sie aus persönlichem Interesse, mehr über ein KZ-Außenlager nahe ihres Elternhauses zu erfahren, anfing, Internetarchive zu durchforsten und so Geschichten erfuhr, die weit über das Schulwissen hinausgehen. Darauf aufbauend rief sie ihren Instagram Account ins Leben, wo sie über genau diese Geschichten berichtet und somit Geschichte lebendig vermittelt. Ihr Appell lautet, das Gedenkentheater hinter sich zu lassen und gebräuchliche Paroli zu hinterfragen. Stattdessen sei es wichtig, Tatorte aus der Nachbarschaft sichtbar zu machen und die Geschichte der eigenen Familie zu erforschen und zu hinterfragen. Fußend auf einer intensiven Recherchearbeit (mit allen verwendeten Quellen, was ich mir von eigentlich jedem Sachbuch wünschen würde) und zahlreichen Beispielen räumt Siegert mit verbreiteten Mythen auf und gibt auch den "ungemütlichen" Betroffenen eine wertvolle Stimme. Denn allen voran sollte sich das Gedenken an den Geschichten und Bedürfnissen der Opfer und nicht nach den Wünschen der Täter orientieren. Die hiesige Erinnerungskultur verkenne viel zu oft, das unsere Vorfahren beinahe ausnahmslos Täter waren, welche sich in unterschiedlichen Abstufungen zeigten. Auch hierfür werden Gegenbeispiele aufgezeigt, die vor allem aufzeigen, dass jede*r eine Wahl gehabt hat und dass es neben den vielen bekannten Heldentaten auch viele stille Helden gegeben hat. Gedenken und Erinnerung sind Arbeit, die unser aller Aufgabe ist. Solidarität mit den Betroffenen und das Sichtbarmachen der NS-Tatorte sind unsere Verantwortung. "Wir inszenieren das Gedenken wie ein Theaterstück zu passenden Spielzeiten, am liebsten zu Gedenktagen, ohne dass die Beschäftigung mit einer echten Aufarbeitung, geschweige denn politischen Konsequenzen verbunden wäre." S. 11f "Während Jahr für Jahr das "Nie wieder!" runtergebetet wird, Stolpersteine geputzt und Blumen abgelegt werden, um der jüdischen Opfer zu gedenken, wird NICHT thematisiert, dass die nicht jüdische Bevölkerung zu großen Teilen zuschaute oder sogar mitmachte, als jüdische Geschäfte verwüstet, Häuser geplündert und Synagogen angezündet wurden." S. 48 "Doch nicht mal zu [...] minimalen Akten der Menschlichkeit waren viele Täter:innen fähig, im Gegenteil: Sie haben sich bewusst dazu entschieden, das Leid von Menschen noch zu vergrößern, selbst in Situationen kurz vor deren Vernichtung." S. 101f "Genau deshalb müssen wir diese Beispiele, wo Menschen Handlungsspielräume ergriffen haben - oder wo eben nicht -, stärker in den Fokus rücken: weil sie das verbreitete Narrativ von Ohnmacht und Zwang hinterfragen, das viele auch nutzen, um ihre eigene Familie zu entlasten." S. 104 "Das absolute Minimum [...] wäre es, den ehemaligen Verfolgten zuzuhören. Ihre Perspektiven [...] zuzulassen und sichtbar zu machen, auch und gerade dann, wenn sie kritisieren, fordern und anklagen. Denn wer Gedenken ernst meint, muss auch hinhören, wenn es vermeintlich unbequem wird." S. 171 "Wenn Überlebende oder Angehörige ehemaliger Verfolgtengruppen mitbestimmen möchten, wie an ihre eigene Geschichte erinnert wird, gelten sie schnell als unbequem, ihre Einwände als Störfaktor, die den reibungslosen Ablauf [...] aufhalten. Sie sollen still sein und dankbar für jeden Gedenkort, jede Gedenktafel, jede Rede, egal, wie klein diese Gesten sein mögen und wie wenig sie auch mit ihrer eigenen Realität zu tun haben. Denn beim offiziellen Gedenken geht es viel zu oft nicht wirklich um die Opfer und ihre Nachkommen - sondern um uns, um das eigene gute Gewissen der ehemaligen Tätergesellschaft, die sich selbst als aufgeklärt und moralisch geläutert inszenieren will. Die, an die erinnert werden sollen, werden wieder an den Rand gedrängt." S. 178f "Wir sollten uns bewusst sein, dass wir alle diese Rolle als Korrektiv haben, zu der gehört, dass wir das Gedenken um jene Perspektiven erweitern, die nicht nur das bestätigen, was wir eh schon glauben zu wissen oder gerne hören wollen. Konkret heißt das: Wenn jede Person, egal, wo sie lebt, Tatorte vor ihrer eigenen Haustüre sichtbar macht, statt den Blick lieber in die Ferne (zum Beispiel nach Auschwitz) schweifen zu lassen, entsteht ein ganz neues Bewusstsein dafür, dass NS-Verbrechen nicht nur an heute symbolisch durch "Icons" aufgeladenen Orten stattfanden, sondern mitten in unseren Städten, Dörfern und Nachbarschaften." S. 181

3

Ein unglaublich wichtiges und gutes Buch obwohl manche Aussagen im Zusammenhang mit Palästina problematisch bis mindestens an Rassismus grenzend sind.

5

Einfach nur WOW!

5

Eine Einladung, wie man mit der Vergangenheit umgehen kann

Mit dem Buch lädt Susanne Siegert aktiv zur Selbstreflektion ein, ohne mit dem Finger auf irgendwen zu zeigen (der/die es nicht verdient hätte): Dabei geht es vor allem um die Frage wie wir als Deutsche, wie wir als Menschen mit der Vergangenheit als Tätervolk, aber eigentlich mit jeder Vergangenheit, die Opfer mit sich brachte, umgehen können, ohne in (Selbst-)Mitleid zu versinken. Daneben gelingt es der Autorin sagenhaft, ihr Ziel zu erreichen und viel Wissen zu vermitteln, das die Meisten nie in der Schule gelernt haben, obwohl doch so viel über den Holocaust gesprochen wird.

3

Wichtiges Buch zu Gedenken - mit Schwächen

Inhaltlich finde ich das Buch wertvoll und wichtig, aber in einigen Passagen hätte ich mir mehr Sensibilität und Differenzierung in Bezug auf aktuelle Konflikte gewünscht (insbesondere Israel-Palästina). Mir fiel es nicht leicht genau auszudrücken, was mich gestört hat, weil ich die Arbeit der Autorin zur Vergangenheitsaufarbeitung, auch auf Social Media, wirklich schätze. Trotzdem wirkten einzelne Kommentare im Zusammenhang mit Israel-Palästina für mich stellenweise unpassend bzw. zu stark parallelisierend.

5

Erinnerungskultur neu gestalten

Susanne Siegert zeigt in diesem Buch, wie wir unsere Erinnerungskultur überdenken müssen und neu gestalten können. Sie regt dazu an, dass wir uns mit unserer Familiengeschichte in der NS-Zeit offen auseinandersetzen und uns über Tatorte vor der eigenen Haustür informieren. Orte des Verbrechens waren nicht nur die bekannten und weit entfernten "Holocaust-Icons", sondern manchmal viel näher am eigenen Zuhause als einem bewusst ist (oder auch bewusst sein möchte).

4

Wichtige neue Ansätze.

5

Sehr informatives und spannendes Buch, regt zum Nachdenken und selber recherchieren an. Viele neue Informationen und Fakten, die auf eine „neue“ Art eingeordnet werden.

5

Spannende Perspektiven auf eines der wichtigsten Themen unserer Zeit

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