Ein wichtiger Beitrag zur modernen Gedenkarbeit❗️
„Aber wenn das Feuer schon brennt und niemand löscht, Menschen stattdessen wegschauen oder sogar Beifall klatschen, dann sollte man sich fragen, warum und woher das kommt.“ (S. 157) Susanne Siegert habe ich eher zufällig auf Instagram über ihren Account @keine.erinnerungskultur entdeckt. Dort hat sie mich mit ihren professionellen, kritischen und wahnsinnig gut recherchierten Beiträgen sofort überzeugt 😄 Auch ihr Buch ist mir daraufhin immer wieder begegnet und ich muss gestehen, dass ich trotz ihrer starken Online-Inhalte zunächst unsicher war, ob ein Buch zu diesem komplexen, emotional aufgeladenen und gesellschaftlich stark diskutierten Thema nicht vielleicht „zu viel“ sein könnte. Aber ich kann nur sagen: Susanne Siegert hat hier ein Werk vorgelegt, das absolut überzeugt. Ich selbst habe Geschichte und Archäologie studiert und arbeite auch in meiner täglichen Praxis teilweise mit erinnerungskulturellen und gedenkbezogenen Kontexten. Gerade deshalb empfinde ich ihre Ansätze als erfrischend, kritisch und in genau dem richtigen Maß unbequem. Denn sie zeigt deutlich: Als ehemalige Tätergesellschaft neigen wir dazu, uns auszuruhen, uns in Gewohnheiten einzurichten und es uns bequem zu machen. Und genau das lässt dieses Buch nicht zu. Dabei passiert das nicht auf eine anklagende oder moralisierende Weise. Im Gegenteil: Alles ist wissenschaftlich fundiert, sauber recherchiert und nachvollziehbar erläutert und gleichzeitig so zugänglich geschrieben, dass man sich gut vorstellen kann, es auch Schüler*innen in die Hand zu geben, damit sie ein erstes Gespür entwickeln und selbst kritische Fragen stellen. Besonders beeindruckt hat mich die Auseinandersetzung mit der Rolle der ehemaligen Tätergesellschaft. Es ist erschreckend aktuell, wie schwer wir uns noch immer damit tun, uns sowohl kollektiv als auch individuell mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen; sei es in der Familiengeschichte oder im gesellschaftlichen Kontext. Der Satz „Reicht es nicht endlich?“ begegnet einem dabei leider viel zu oft. Umso mehr werde ich „Gedenken neu denken“ künftig jedem empfehlen, der sich fragt, ob das Thema Nationalsozialismus nicht längst „abgeschlossen“ sei. Auch das Kapitel zur Vermittlungsarbeit hat mich (als Museumspädagogin) besonders angesprochen 😄 Susanne Siegert spricht mir hier aus der Seele: Immer wieder wird gefragt, warum man sich überhaupt noch mit Geschichte beschäftigen soll, während gleichzeitig erwartet wird, sie nicht auf aktuelle Konflikte zu beziehen. Dabei wird Geschichte erst dann wirklich relevant, wenn wir sie in Beziehung zur Gegenwart setzen und Strukturen erkennen, die sich wiederholen oder ähneln. Nur so kann Lernen aus der Vergangenheit überhaupt funktionieren. Und genau diese Vermittlungsarbeit muss nicht nur in Museen oder Schulen stattfinden - sie darf und soll auch auf Plattformen wie TikTok oder Instagram stattfinden, gerade wenn sie so reflektiert umgesetzt wird wie bei der Autorin. Eine große Empfehlung!!














