Ein Ort, der bleibt
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Book Information
Posts
Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes ist der dritte historische Roman, den ich von der Autorin gelesen habe. Auch mit dieser Geschichte, die auf zwei Zeitebenen in Istanbul spielt, konnte sie mich überzeugen. Münster, 1933: Alfred Heilbronn ist Botaniker und Genetik-Dozent. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verliert er aufgrund seiner jüdischen Abstammung seine Professorenstelle. Da erreicht ihn ein verlockendes Stellenangebot aus Istanbul: Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Professor Heilbronn wandert mit Frau Magda und den Kindern Hans, 18, und Agnes, 13, in die Türkei aus. Die junge Mehpare kümmert sich als Alfreds Assistentin um Beete und Gewächshäuser. Alfred unterstützt sie bei ihrer Promotion, sie bringt seiner Frau Magda Türkisch bei. Familie Heilbronn wird Teil der deutschen Kolonie B und lebt sich schnell in der neuen Heimat ein. Gegenwart: Die Münsteraner Stadtplanerin Imke soll ein denkmalschutzrechtliches Guthaben über den Zustand des Botanischen Gartens in Istanbul erstellen. Schon bald kommt es zu Differenzen mit ihrem deutschen Vorgesetzten, der im gleichen Hotel untergebracht ist. Imke sucht sich eine neue Unterkunft außerhalb seiner Reichweite und lernt die herzliche und gutmütige Petek kennen, die alles in ihrer Macht Stehende tut, damit ihre politisch engagierte Tochter Yaran aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und viel über Botanik und Genetik gelernt, sehr interessant fand ich die Beschreibungen des damaligen und heutigen Istanbul und den Input zur türkischen Sprache und Kultur. Für mich war es neu, dass 1933 etwa hundertfünfzig deutschsprachige Wissenschaftler jüdischer Abstammung in die Türkei emigriert sind, um der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Alfred und Magda Heilbronn sowie Mehpare Başarman sind historische Persönlichkeiten. Die Autorin hat für die Recherche zu ihrem Roman mehrere Wochen in Istanbul verbracht und Gespräche mit den Nachkommen der Heilbronns geführt. Sehr gerne empfehle ich diesen Roman über den Verlust der Heimat und eine erfolgreiche Integration in der Türkei.
Ein Buch, das im Gedächtnis bleibt „Zusammen mit ihren Familien, ihren Assistenten, ihren Lieblingsschülern waren es wohl fast eintausend Menschen, die den Holocaust dank Atatürks Hochschulreform überlebten. Die Türkei als Exilland, zumindest für die akademische Elite.“ (S. 262/263) Hinter diesem nüchtern klingenden Satzverbirgt sich eine zutiefst bewegende Geschichte, die Sandra Lübkes eindrucksvoll und farbenfroh erzählt. Als der jüdische Botaniker Prof. Afred Heilbronn 1933 aufgrund seiner Herkunft seine Stelle in Münster verliert, drängt ihn seine Frau Magda, ein Angebot aus der Türkei anzunehmen. Unter Atatürks soll er in Istanbul ein Botanisches Institut samt Garten aufbauen. Vor Ort wird ihm die junge Botanikerin Mehpare als Assistentin zugeteilt, eine der ersten türkischen Frauen, die ein Mädchengymnasium besucht und studiert haben. „Manchmal schaue ich mir einfach nur die Bilder an – Menschen in meinem Alter … Sie blicken in die Kamera. Doch ich habe das Gefühl, sie schauen mich an. Wollen mir zu verstehen geben, wie wichtig diese Ort für sie gewesen ist. Dass seine Geschichte nicht in Vergessenheit geraten darf, sondern erzählt werden muss. Damit man versteht, was heute passiert.“ (S. 263) Fast ein Jahrhundert später wird die Städteplanerin Imke nach Istanbul geschickt, um an einem Gutachten über das alte Institutsgebäude mitzuarbeiten. Schon bei der ersten Besichtigung ist ihr klar, dass dieser Ort unbedingt erhalten werden muss, doch ihr Chef sieht das anders. Seiner Meinung nach lässt sie sich zu sehr von Dr. Ekici, dem letzten Angestellten des Instituts, und dessen Erzählungen über die Heilbronns beeinflussen. Die Geschichte wird überwiegend aus weiblicher Perspektive erzählt. Mephare widmet sich ganz der Botanik und lehnt eine Heirat, wie sie von ihrer Familie erwartet wird, entschieden ab. Magda ist auch Botanikerin, darf aber weder in Deutschland noch der Türkei lehren und bleibt auf die Rolle der Assistentin ihres Mannes beschränkt. Sie ist stellt ihre eigenen Bedürfnisse stets hinter Alfreds Arbeit – eines Mannes, der ganz Wissenschaftler ist und ohne sie vermutlich kaum überlebt hätte. Imke wiederum hat ihr ganzes Leben um ihre Mutter herumgebaut, die ohne sie kaum lebensfähig scheint. Erst in Istanbul erkennt sie, dass ihre Mutter sehr wohl allein zurechtkommt – und dass sie selbst ihren Beruf nicht weiter ausüben möchte, wenn sie dafür ihre eigenen Überzeugungen verleugnen muss. Mich hat schon lange kein biographischer Roman mehr so beeindruckt, wie „Ein Ort, der bleibt“. Besonders faszinierend fand ich die Frauenfiguren, die unterschiedlichen Zeitebenen und die kunstvolle Verknüpfung ihrer Geschichten. Trotz der oft schweren Thematik gelingt es der Autorin, eine Atmosphäre zu schaffen, in die man sich ganz fallen lassen kann. Die detailreichen Beschreibungen der Pflanzenwelt und das umfangreiche Wissen, das so mühelos vermittelt wird, machen das Lesen zu einem besonderen Erlebnis. Dabei wirkt das Buch nie trocken oder überladen, sondern weckt Neugier und schärft das Bewusstsein für weniger bekannte kulturelle Zusammenhänge und historische Entwicklungen. Es zeigt eindrücklich, wie eine zufällig zusammengewürfelte Gemeinschaft entwurzelter Menschen zu einer neuen Einheit zusammenwächst, wie sie gezwungen sind, sich eine neue Heimat aufzubauen und dabei Nationalsozialismus und Krieg zu überstehen, trotz aller Ängste, Zweifel und Bedrohungen. Ein zutiefst bewegendes Buch, das lange im Gedächtnis bleibt.

Darum geht es: Im Herzen Istanbuls liegt ein verwunschener Garten voller Pflanzen aus aller Welt, ein Ort der Ruhe, der Forschung und der Hoffnung. Über viele Jahre hinweg verbindet er das Leben dreier Frauen, die alle auf ihre Weise nach Freiheit, Anerkennung und einem Platz im Leben suchen. Magda kommt in den dreißiger Jahren mit ihrem jüdischen Mann nach Istanbul und hilft dabei, den Botanischen Garten aufzubauen. Nach der Schule widmet Mehpare ihr Leben der Wissenschaft und arbeitet daran, den Garten zu einem bedeutenden Ort der Forschung und des Wissens zu machen. Jahrzehnte später soll die Stadtplanerin Imke über seine Zukunft entscheiden und wird dabei auch mit ihrer eigenen Geschichte konfrontiert. Der Roman erzählt von Verlust und Neuanfang, vom Fremdsein und vom Ankommen. Vor allem aber ist es die Geschichte dreier Frauen, die lernen, ihren eigenen Weg zu gehen und über sich hinauszuwachsen. Mein Leseeindruck: Dieses wunderschöne Cover hat mich sofort begeistert. Als ich das Buch in den Händen hielt, war es um mich geschehen. Ich war von der ersten Sekunde an schockverliebt und wusste direkt, dass sich hinter diesen Seiten eine besondere Geschichte verbirgt. Sandra Lüpkes ist es gelungen, historische Ereignisse und fiktionale Elemente auf beeindruckende Weise miteinander zu verweben. Die Geschichte rund um die Familie Heilbronn, Mehpare und Imke hat mich tief bewegt, erschüttert und vollkommen gefesselt. Dieses Buch entfaltet einen Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Der Schreibstil ist eindringlich, atmosphärisch und gleichzeitig sehr nah an seinen Figuren. Dabei ist die Thematik keineswegs leicht. Man sollte definitiv Interesse an historischen Stoffen und bewegenden Schicksalen mitbringen. Gerade deshalb hat mich die Authentizität des Romans so beeindruckt. Die Autorin beschreibt das Leben ihrer Figuren mit großer Sensibilität und spürbarer Intensität. Besonders faszinierend fand ich, wie viel Herzblut und Recherche in diesem Buch steckt. Sandra Lüpkes hat sich selbst auf Spurensuche begeben und ist die Fluchtroute von Magda Heilbronn von Münster bis nach Istanbul nachgefahren. Außerdem lebte sie mehrere Monate in der Türkei, um möglichst authentisch und detailgenau schreiben zu können. Diese intensive Vorbereitung spürt man auf jeder einzelnen Seite. Besonders geliebt habe ich die Beschreibungen des Botanischen Gartens in Istanbul. Mit wie viel Liebe Sandra Lüpkes die Pflanzenwelt, die Farben, Gerüche und die besondere Atmosphäre dieses Ortes schildert, hat mich vollkommen verzaubert. Beim Lesen entstanden Bilder vor meinem inneren Auge, so lebendig und detailreich waren ihre Worte. Man hatte das Gefühl, selbst durch die Wege des Gartens zu gehen, zwischen seltenen Pflanzen zu stehen und diesen besonderen Ort mit allen Sinnen wahrzunehmen. Genau diese Bildhaftigkeit und die emotionale Tiefe haben dieses Buch für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ich habe das Buch mit einem zufriedenen Lächeln geschlossen und werde diese Geschichte sicher noch lange in Erinnerung behalten. Fazit: 5/5 ⭐️ Ein atmosphärischer und tief bewegender Roman, der mich mit seiner bildhaften Sprache, den starken Frauenfiguren und der Liebe zur Geschichte vollkommen begeistert hat.

Die Geschichte eines Botanischen Gartens in Istanbul? Warum sollte ich darüber etwas lesen oder hören? Weil Sandra Lüpkes die Autorin und Gabriele Blum die Interpretin ist, habe ich meine Bedenken zurück gestellt und das Werk in Angriff genommen - und ich habe es nicht bereut. Es spielt vor allem auf zwei Zeitebenen: 1933 - 1945 und in der Jetzt-Zeit. Basierend auf historischen Ereignissen und Persönlichkeiten wird dem Leser/Hörer auf der ersten die Aufbruchstimmung in der Türkei Atatürks im Kontrast zur Nazi-Diktatur in Deutschland vorgestellt. Es war mir neu, dass die Türkei damals auch deutsche Professoren anwarb, um die türkischen Universitäten zu modernisieren. Von den Nazis verfolgt zog es so Alfred Heilbronn, einen deutschen Botaniker, mit seiner Familie in die Türkei, um in Istanbul einen Botanischen Garten aufzubauen. Vor diesem Hintergrund hat die Autorin einen "Roman über Vergänglichkeit, Neubeginn und Hoffnung und darüber, was es heißt, in der Fremde Wurzeln zu schlagen" (Klappentext) geschrieben. Auf der aktuellen (fiktiven) Zeitebene verschlägt es die junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen – und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden. Beide Zeitebenen werden wunderbar miteinander verwoben zu einem beeindruckenden Roman. "Ein Ort, der bleibt" - ein Buch, das bleibt.
⭐️⭐️⭐️⭐️ Auf den Spuren deutsch-türkischer Geschichte
Sandra Lüpkes ist es auch in ihrem neuesten Roman wieder gelungen, Fakten aus der Geschichte so aufzubereiten, dass sie einen gelungenen und unterhaltsamen Roman ergeben. Die historischen Tatsachen rund um den Professor Alfred Heilbronn und seine Gattin Magda hat sie mit viel Recherche und ein wenig künstlerischer Freiheit zu einer spannenden Geschichte aufgearbeitet. Im Mittelpunkt steht aber neben verschiedenen historisch belegten Figuren vor allem ein Ort: der botanische Garten von Instanbul. Seine wechselvolle Geschichte ist eng verknüpft mit dem Schicksal von Alfred und Magda sowie Alfreds Assistentin Mehpare. Wie ihre Leben miteinander verwoben sind, ist ein spannender Teil dieses Romans. Doch wie kam die Familie Heilbronn eigentlich nach Istanbul? Wie so oft liegt die Wurzel dessen im aufkommenden Nationalsozialismus. Obwohl Alfred nicht sehr religiös handelt, ist seine Abstammung auf dem Papier jüdisch. Und so werden die Zeiten in den 1930er Jahren in Deutschland rauher für ihn. Er selbst sieht die Probleme noch nicht einmal kommen, doch seine Frau Magda ist da sensibler und drängt ihn, ein Angebot aus Istanbul anzunehmen, dort einen botanischen Garten anzulegen und zu pflegen. So übersiedelt die gesamte Familie an den Bosporus und findet in der sogenannten „Kolonie B“, die vorrangig aus emigrierten Deutschen besteht, eine neue Heimat. Und so erzählt der Roman vom Zurücklassen, vom Gehenlassen, aber auch von neuen Anfängen und der Integration in eine andere Kultur – so wie wir Deutschen es später von türkischen Gastarbeitern kennen, mussten auch Magda, Alfred und ihre Familie Fuß fassen und Sprachbarrieren überwinden. Neben dem historischen Erzählstrang wird in der Gegenwart auch die Geschichte von Imke erzählt. Sie soll bei der Erstellung eines Gutachtens zur Zukunft des Botanischen Gartens aus stadtplanerischer Sicht assistieren. Wir begleiten die junge Erwachsene auf ihrem beruflichen und privaten Weg, während sie einige Wochen in Istanbul verbringt. Und wie man sich denken kann, verlässt sie die Stadt mit Erfahrungen, Erlebnissen und näher bei sich selbst. Ich habe den Roman sehr gern gelesen und war wie schon bei Sandra Lüpkes bisherigen Romanen begeistert davon, wie sie es schafft historischen Figuren (die allerdings wenig bekannt sind) Leben einzuhauchen. Der historische Teil des Romans hat mir persönlich etwas mehr gefallen als der Erzählstrang in der Gegenwart und ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn es sich in Gänze um einen historischen Roman gehandelt hätte. Wer gut aufgearbeitete historische Stoffe zu schätzen weiß, wird mit diesem Buch definitiv auf seine Kosten kommen!
Eine Geschichte, die bleibt! 💚
Mit historischen Begebenheiten und realen Personen zeichnet die Autorin die Geschichte von drei Frauen und deren schicksalhafte Leben, die eng mit dem Botanischen Garten 🪴 in Istanbul verbunden ist und auf der Flucht des jüdischen Botanikers Alfred Heilbronn 1933 und dem Leben im Exil basieren. Sie bedient sich dabei auch fiktiver Elemente. Das Zusammenspiel von wahren Begebenheiten und Fiktion fand ich beeindruckend, ebenso ihre bildhafte und unaufgeregte Schreibweise 🥹📖👏💚 ~ Dass die Autorin für ihre Geschichte intensiv recherchiert hat, spürte ich in ihren Beschreibungen. Die Geschichte fühlte sich so atmosphärisch und berührend an. Die Buchcharaktere wirkten auf mich authentisch, interessant und stark. Mit einer Sensibilität für die Geschichte sowie für die Figuren und deren Schicksale fesselte die Autorin mich an dieses Buch. Die Beschreibungen der Pflanzenweilt, die sehr detailliert dargeboten wurden, habe ich regelrecht aufgesaugt 📖🤗💚🪴❤️ ~ Eine atmosphärische und ergreifende Geschichte, die von Mut, Veränderung, Suche nach Heimat, von Fremde und Freiheit handelt ❤️
Ein schöner Roman
Wir erleben zwei Zeitzonen. Mephare und die Familie Heilbronn zu den Zeiten Hitlers und Imke in der heutigen Zeit. Alfred Heilbronn ist ein berühmter Botaniker in Münster. Auf seine Meinung zählen viele. Als Professor der Uni hat er mit seiner Frau Magda und den beiden Kindern ein gutes Auskommen. Alles ändert sich, als die Nazis an die Macht kommen. Alfred flüchtet als Jude zuerst in die Türkei. Dort kann er zum Glück seiner Aufgabe weiter folgen. Seine Familie holt er schnell in die Türkei nach. Doch werden sie dort glücklich sein? Mephare ist seine Assistentin. In ihr erkennt Alfred viel Potential und unterstützt sie ebenfalls bei ihrer Doktorarbeit. Für Mephare wären aber soziale Kontakte ebenfalls wichtig. Doch wird ihr das gelingen oder ist sie auf Grund ihres Ehrgeizes zu unnahbar? Imke reist für ein Praktikum in die Türkei. Dort soll sie Kai assistieren und bei einem Gutachten über den ehemaligen botanischen Garten in Istanbul schreiben. Doch mit dem Kopf ist sie oft zu Hause bei ihrer sensiblen Mutter. Wird sie den Auftrag erfüllen können? Ein schöner Roman über starke Frauen in verschiedenen Zeiten. Mir war er zwischendurch teilweise etwas zu ausschweifend.
Große Leseempfehlung
Als der Botaniker Alfred Heilbronn unter dem Naziregime nicht mehr arbeiten darf, bleibt ihm nichts anderes übrig, als dem Ruf an die Universität nach Istanbul zu folgen, wo er die Leitung des botanischen Instituts übernimmt. Voller Vorfreude folgt ihm seine Familie. Die wissbegierige junge Studentin Mehpare wird die Assistentin von Professor Heilbronn und unterstützt ihn bei seiner Arbeit. Auch sie ist begeisterte Botanikerin. Zu Hause hält seine Frau Magda ihm den Rücken frei und nimmt an seinem Beruf regen Anteil. Ihre Rat ist Alfred immer wichtig. Magda hat selbst einen Doktortitel, hat ihren Beruf aber nie ausgeübt. Sie lernt von Mehpare ihre ersten türkischen Begriffe. Aber Istanbul bringt nicht die gewünschte Ruhe vor dem Naziregime. "So weit ist sie fort von zu Hause, und doch hat das, wovor sie geflohen ist, sie eingeholt." (Seite 231). Das Leben in der neuen Kultur ist nicht einfach, es ist geprägt von Furcht, Einsamkeit und Angst. Auch in der Türkei sind sie ausgegrenzt, das beweist der Stempel "Haymatloz" im Pass. Sie sind entwurzelt und im neuen Leben noch nicht verwurzelt. Sehr berührt hat mich das Schicksal der rumänischen Juden, die mit der Struma in die Türkei kamen. Ein sehr gut recherchiertes Buch, das mich in seinen Bann gezogen hat. Die Verbindung von Zeitgeschichte, realen Personen und einer fesselnden Geschichte macht es zu einem großen Lesevergnügen. Es geht aber nicht nur um das Istanbul der Vergangenheit, sondern auch um das Istanbul von heute. Die Städteplanerin Imke reist beruflich nach Istanbul, um ein Gutachten über den alten botanischen Garten zu erstellen. Durch eine Zufallsbekannschaft mit einer Türkin gerät sie in politische Unruhen. Das ist eines der Bücher, bei denen ich bedauert habe, irgendwann die letzte Seite aufschlagen zu müssen.
Abgebrochen bei ca. 150 Seiten
Ich hatte richtig große Erwartungen an dieses Buch: Flucht, Exil, Istanbul, ein spannender historischer Hintergrund. Der Einstieg war auch wirklich angenehm: schöner, leicht lesbarer Schreibstil und eine vielversprechende Geschichte. Leider konnte es mich dann nicht halten. Die Charaktere blieben für mich eher distanziert und ich habe keinen richtigen Bezug zu ihnen aufgebaut. Vor allem aber lag der Fokus sehr stark auf Botanik, mit vielen ausführlichen Beschreibungen und lateinischen Pflanzennamen. Mir war das einfach zu viel und dafür kam das Historische und das Istanbul-Flair viel zu kurz. Nach ca. 150 Seiten habe ich das Buch abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass es mich nicht packt und ich eher in eine Leseflaute rutsche. Für alle, die ruhige Romane ohne großen Spannungsbogen mögen und sich für Botanik interessieren, könnte es trotzdem passen. Für mich war es leider nichts. *Rezensionsexemplar / Werbung (unbezahlt)
Eine Geschichte, die bleibt. Gut recherchiert, leicht und wichtig zu erinnern
Als grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, geboren in Münster, das botanische Institut in Istanbul. Zusammen mit einer klugen jungen Frau, die sich ihre eigene Stellung als Professorin in ihrer Heimatstadt hart erarbeitete pflegte er jahrelang besagte grüne Lunge Istanbuls. Das Buch ist ein Mehrgenerationenroman. Die Autorin nimmt ihre Leserschaft mit auf Mehpares Reise, wie sie als Frau im 20. Jahrhundert Karriere machen konnte. Magdas Reise erzählt die Geschichte der Heilbronns im Krieg und im Exil und Imke muss als Stadtplanerin viele Jahrzehnte später über das Schicksal des Gartens mitentscheiden. Dabei sind die Perspektiven von Mehpare und den Heilbronns möglichst nah an den historischen Geschehnissen gehalten, während Imkes fiktive Sicht die aktuelle Debatte über den Garten deutlich hervorhebt. Der Garten, der in späteren Jahren nach dem Wissenschaftler „Alfred Heilbronn Botanik Bahçesi“ benannt wurde, liegt zwar in der Türkei, prägt aber auch einen erheblichen Teil deutscher Geschichte und ist ein Vermächtnis aus Kriegszeiten. Ohne Krieg wären die Heilbronns wohl in Münster geblieben und wären dort wegen ihrer jüdischen Herkunft verurteilt worden. Ein kleiner Garten in einem fremden Land mag für viele nicht sonderlich beachtenswert erscheinen, doch Lüpkes arbeitet mit vielen historischen Quellen und persönlichen Besuchen das Thema detailliert auf und haucht ihr Leben ein. Für mich fühlte es sich an, als wäre ich mit den Protagonist*innen selbst befreundet. Der Schreibstil war so flüssig, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Diese Geschichte vereint zwei Kulturen, zwei Länder und die Herzlichkeit des Landes las ich aus jeder Seite heraus. Auch mich brachte diese grüne Lunge für eine Weile zum Durchatmen. Eine klare Empfehlung. Auch für Lesende, die keinen Bezug zur Botanik haben.
Spannende Thematik, für mich nicht perfekt umgesetzt
Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes hat mich zunächst vor allem aufgrund seines historischen Hintergrunds angesprochen: Die Türkei als Exilort für Menschen während der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs ist ein Thema, das mich sehr interessiert. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie die Stadt İstanbul im Roman dargestellt wird. Besonders der erzählerische Ansatz, verschiedene Perspektiven auf mehreren Zeitebenen miteinander zu verknüpfen, hat mir zu Beginn gut gefallen. Dennoch habe ich mich nach knapp 150 Seiten dazu entschieden, das Buch nicht weiterzulesen. Ob ich damit etwas verpasse? Vielleicht. Die Handlung entwickelt sich für meinen Geschmack etwas zu langsam und bleibt dabei in meinen Augen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Trotz des ruhigen Erzähltempos fehlt es an der Tiefe in genau den Aspekten, die mich ursprünglich angesprochen haben. Viele Figuren bleiben für mich distanziert und schwer greifbar, und auch die Atmosphäre Istanbuls wird für mich nicht wirklich lebendig. Gleichzeitig erkenne ich, dass der Roman andere Schwerpunkte setzt – etwa auf botanische Motive und die Frage nach Verwurzelung und Zugehörigkeit. Rückblickend denke ich daher, dass meine Erwartungshaltung nicht ganz zur Ausrichtung des Buches gepasst hat. Ein Weiterlesen hätte sich für mich eher wie eine Verpflichtung als ein Vergnügen angefühlt, weshalb ich mich bewusst für einen Abbruch entschieden habe. Vielleicht war es auch einfach der falsche Zeitpunkt für mich. Nichtsdestotrotz möchte ich den sorgfältigen Umgang mit der historischen Thematik würdigen. Die gründliche Recherche ist deutlich spürbar, und ich bin überzeugt, dass der Roman viele Leser*innen erreichen wird – auch wenn er mich persönlich nicht vollständig überzeugen konnte.
Book Information
Posts
Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes ist der dritte historische Roman, den ich von der Autorin gelesen habe. Auch mit dieser Geschichte, die auf zwei Zeitebenen in Istanbul spielt, konnte sie mich überzeugen. Münster, 1933: Alfred Heilbronn ist Botaniker und Genetik-Dozent. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verliert er aufgrund seiner jüdischen Abstammung seine Professorenstelle. Da erreicht ihn ein verlockendes Stellenangebot aus Istanbul: Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Professor Heilbronn wandert mit Frau Magda und den Kindern Hans, 18, und Agnes, 13, in die Türkei aus. Die junge Mehpare kümmert sich als Alfreds Assistentin um Beete und Gewächshäuser. Alfred unterstützt sie bei ihrer Promotion, sie bringt seiner Frau Magda Türkisch bei. Familie Heilbronn wird Teil der deutschen Kolonie B und lebt sich schnell in der neuen Heimat ein. Gegenwart: Die Münsteraner Stadtplanerin Imke soll ein denkmalschutzrechtliches Guthaben über den Zustand des Botanischen Gartens in Istanbul erstellen. Schon bald kommt es zu Differenzen mit ihrem deutschen Vorgesetzten, der im gleichen Hotel untergebracht ist. Imke sucht sich eine neue Unterkunft außerhalb seiner Reichweite und lernt die herzliche und gutmütige Petek kennen, die alles in ihrer Macht Stehende tut, damit ihre politisch engagierte Tochter Yaran aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und viel über Botanik und Genetik gelernt, sehr interessant fand ich die Beschreibungen des damaligen und heutigen Istanbul und den Input zur türkischen Sprache und Kultur. Für mich war es neu, dass 1933 etwa hundertfünfzig deutschsprachige Wissenschaftler jüdischer Abstammung in die Türkei emigriert sind, um der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Alfred und Magda Heilbronn sowie Mehpare Başarman sind historische Persönlichkeiten. Die Autorin hat für die Recherche zu ihrem Roman mehrere Wochen in Istanbul verbracht und Gespräche mit den Nachkommen der Heilbronns geführt. Sehr gerne empfehle ich diesen Roman über den Verlust der Heimat und eine erfolgreiche Integration in der Türkei.
Ein Buch, das im Gedächtnis bleibt „Zusammen mit ihren Familien, ihren Assistenten, ihren Lieblingsschülern waren es wohl fast eintausend Menschen, die den Holocaust dank Atatürks Hochschulreform überlebten. Die Türkei als Exilland, zumindest für die akademische Elite.“ (S. 262/263) Hinter diesem nüchtern klingenden Satzverbirgt sich eine zutiefst bewegende Geschichte, die Sandra Lübkes eindrucksvoll und farbenfroh erzählt. Als der jüdische Botaniker Prof. Afred Heilbronn 1933 aufgrund seiner Herkunft seine Stelle in Münster verliert, drängt ihn seine Frau Magda, ein Angebot aus der Türkei anzunehmen. Unter Atatürks soll er in Istanbul ein Botanisches Institut samt Garten aufbauen. Vor Ort wird ihm die junge Botanikerin Mehpare als Assistentin zugeteilt, eine der ersten türkischen Frauen, die ein Mädchengymnasium besucht und studiert haben. „Manchmal schaue ich mir einfach nur die Bilder an – Menschen in meinem Alter … Sie blicken in die Kamera. Doch ich habe das Gefühl, sie schauen mich an. Wollen mir zu verstehen geben, wie wichtig diese Ort für sie gewesen ist. Dass seine Geschichte nicht in Vergessenheit geraten darf, sondern erzählt werden muss. Damit man versteht, was heute passiert.“ (S. 263) Fast ein Jahrhundert später wird die Städteplanerin Imke nach Istanbul geschickt, um an einem Gutachten über das alte Institutsgebäude mitzuarbeiten. Schon bei der ersten Besichtigung ist ihr klar, dass dieser Ort unbedingt erhalten werden muss, doch ihr Chef sieht das anders. Seiner Meinung nach lässt sie sich zu sehr von Dr. Ekici, dem letzten Angestellten des Instituts, und dessen Erzählungen über die Heilbronns beeinflussen. Die Geschichte wird überwiegend aus weiblicher Perspektive erzählt. Mephare widmet sich ganz der Botanik und lehnt eine Heirat, wie sie von ihrer Familie erwartet wird, entschieden ab. Magda ist auch Botanikerin, darf aber weder in Deutschland noch der Türkei lehren und bleibt auf die Rolle der Assistentin ihres Mannes beschränkt. Sie ist stellt ihre eigenen Bedürfnisse stets hinter Alfreds Arbeit – eines Mannes, der ganz Wissenschaftler ist und ohne sie vermutlich kaum überlebt hätte. Imke wiederum hat ihr ganzes Leben um ihre Mutter herumgebaut, die ohne sie kaum lebensfähig scheint. Erst in Istanbul erkennt sie, dass ihre Mutter sehr wohl allein zurechtkommt – und dass sie selbst ihren Beruf nicht weiter ausüben möchte, wenn sie dafür ihre eigenen Überzeugungen verleugnen muss. Mich hat schon lange kein biographischer Roman mehr so beeindruckt, wie „Ein Ort, der bleibt“. Besonders faszinierend fand ich die Frauenfiguren, die unterschiedlichen Zeitebenen und die kunstvolle Verknüpfung ihrer Geschichten. Trotz der oft schweren Thematik gelingt es der Autorin, eine Atmosphäre zu schaffen, in die man sich ganz fallen lassen kann. Die detailreichen Beschreibungen der Pflanzenwelt und das umfangreiche Wissen, das so mühelos vermittelt wird, machen das Lesen zu einem besonderen Erlebnis. Dabei wirkt das Buch nie trocken oder überladen, sondern weckt Neugier und schärft das Bewusstsein für weniger bekannte kulturelle Zusammenhänge und historische Entwicklungen. Es zeigt eindrücklich, wie eine zufällig zusammengewürfelte Gemeinschaft entwurzelter Menschen zu einer neuen Einheit zusammenwächst, wie sie gezwungen sind, sich eine neue Heimat aufzubauen und dabei Nationalsozialismus und Krieg zu überstehen, trotz aller Ängste, Zweifel und Bedrohungen. Ein zutiefst bewegendes Buch, das lange im Gedächtnis bleibt.

Darum geht es: Im Herzen Istanbuls liegt ein verwunschener Garten voller Pflanzen aus aller Welt, ein Ort der Ruhe, der Forschung und der Hoffnung. Über viele Jahre hinweg verbindet er das Leben dreier Frauen, die alle auf ihre Weise nach Freiheit, Anerkennung und einem Platz im Leben suchen. Magda kommt in den dreißiger Jahren mit ihrem jüdischen Mann nach Istanbul und hilft dabei, den Botanischen Garten aufzubauen. Nach der Schule widmet Mehpare ihr Leben der Wissenschaft und arbeitet daran, den Garten zu einem bedeutenden Ort der Forschung und des Wissens zu machen. Jahrzehnte später soll die Stadtplanerin Imke über seine Zukunft entscheiden und wird dabei auch mit ihrer eigenen Geschichte konfrontiert. Der Roman erzählt von Verlust und Neuanfang, vom Fremdsein und vom Ankommen. Vor allem aber ist es die Geschichte dreier Frauen, die lernen, ihren eigenen Weg zu gehen und über sich hinauszuwachsen. Mein Leseeindruck: Dieses wunderschöne Cover hat mich sofort begeistert. Als ich das Buch in den Händen hielt, war es um mich geschehen. Ich war von der ersten Sekunde an schockverliebt und wusste direkt, dass sich hinter diesen Seiten eine besondere Geschichte verbirgt. Sandra Lüpkes ist es gelungen, historische Ereignisse und fiktionale Elemente auf beeindruckende Weise miteinander zu verweben. Die Geschichte rund um die Familie Heilbronn, Mehpare und Imke hat mich tief bewegt, erschüttert und vollkommen gefesselt. Dieses Buch entfaltet einen Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Der Schreibstil ist eindringlich, atmosphärisch und gleichzeitig sehr nah an seinen Figuren. Dabei ist die Thematik keineswegs leicht. Man sollte definitiv Interesse an historischen Stoffen und bewegenden Schicksalen mitbringen. Gerade deshalb hat mich die Authentizität des Romans so beeindruckt. Die Autorin beschreibt das Leben ihrer Figuren mit großer Sensibilität und spürbarer Intensität. Besonders faszinierend fand ich, wie viel Herzblut und Recherche in diesem Buch steckt. Sandra Lüpkes hat sich selbst auf Spurensuche begeben und ist die Fluchtroute von Magda Heilbronn von Münster bis nach Istanbul nachgefahren. Außerdem lebte sie mehrere Monate in der Türkei, um möglichst authentisch und detailgenau schreiben zu können. Diese intensive Vorbereitung spürt man auf jeder einzelnen Seite. Besonders geliebt habe ich die Beschreibungen des Botanischen Gartens in Istanbul. Mit wie viel Liebe Sandra Lüpkes die Pflanzenwelt, die Farben, Gerüche und die besondere Atmosphäre dieses Ortes schildert, hat mich vollkommen verzaubert. Beim Lesen entstanden Bilder vor meinem inneren Auge, so lebendig und detailreich waren ihre Worte. Man hatte das Gefühl, selbst durch die Wege des Gartens zu gehen, zwischen seltenen Pflanzen zu stehen und diesen besonderen Ort mit allen Sinnen wahrzunehmen. Genau diese Bildhaftigkeit und die emotionale Tiefe haben dieses Buch für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ich habe das Buch mit einem zufriedenen Lächeln geschlossen und werde diese Geschichte sicher noch lange in Erinnerung behalten. Fazit: 5/5 ⭐️ Ein atmosphärischer und tief bewegender Roman, der mich mit seiner bildhaften Sprache, den starken Frauenfiguren und der Liebe zur Geschichte vollkommen begeistert hat.

Die Geschichte eines Botanischen Gartens in Istanbul? Warum sollte ich darüber etwas lesen oder hören? Weil Sandra Lüpkes die Autorin und Gabriele Blum die Interpretin ist, habe ich meine Bedenken zurück gestellt und das Werk in Angriff genommen - und ich habe es nicht bereut. Es spielt vor allem auf zwei Zeitebenen: 1933 - 1945 und in der Jetzt-Zeit. Basierend auf historischen Ereignissen und Persönlichkeiten wird dem Leser/Hörer auf der ersten die Aufbruchstimmung in der Türkei Atatürks im Kontrast zur Nazi-Diktatur in Deutschland vorgestellt. Es war mir neu, dass die Türkei damals auch deutsche Professoren anwarb, um die türkischen Universitäten zu modernisieren. Von den Nazis verfolgt zog es so Alfred Heilbronn, einen deutschen Botaniker, mit seiner Familie in die Türkei, um in Istanbul einen Botanischen Garten aufzubauen. Vor diesem Hintergrund hat die Autorin einen "Roman über Vergänglichkeit, Neubeginn und Hoffnung und darüber, was es heißt, in der Fremde Wurzeln zu schlagen" (Klappentext) geschrieben. Auf der aktuellen (fiktiven) Zeitebene verschlägt es die junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen – und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden. Beide Zeitebenen werden wunderbar miteinander verwoben zu einem beeindruckenden Roman. "Ein Ort, der bleibt" - ein Buch, das bleibt.
⭐️⭐️⭐️⭐️ Auf den Spuren deutsch-türkischer Geschichte
Sandra Lüpkes ist es auch in ihrem neuesten Roman wieder gelungen, Fakten aus der Geschichte so aufzubereiten, dass sie einen gelungenen und unterhaltsamen Roman ergeben. Die historischen Tatsachen rund um den Professor Alfred Heilbronn und seine Gattin Magda hat sie mit viel Recherche und ein wenig künstlerischer Freiheit zu einer spannenden Geschichte aufgearbeitet. Im Mittelpunkt steht aber neben verschiedenen historisch belegten Figuren vor allem ein Ort: der botanische Garten von Instanbul. Seine wechselvolle Geschichte ist eng verknüpft mit dem Schicksal von Alfred und Magda sowie Alfreds Assistentin Mehpare. Wie ihre Leben miteinander verwoben sind, ist ein spannender Teil dieses Romans. Doch wie kam die Familie Heilbronn eigentlich nach Istanbul? Wie so oft liegt die Wurzel dessen im aufkommenden Nationalsozialismus. Obwohl Alfred nicht sehr religiös handelt, ist seine Abstammung auf dem Papier jüdisch. Und so werden die Zeiten in den 1930er Jahren in Deutschland rauher für ihn. Er selbst sieht die Probleme noch nicht einmal kommen, doch seine Frau Magda ist da sensibler und drängt ihn, ein Angebot aus Istanbul anzunehmen, dort einen botanischen Garten anzulegen und zu pflegen. So übersiedelt die gesamte Familie an den Bosporus und findet in der sogenannten „Kolonie B“, die vorrangig aus emigrierten Deutschen besteht, eine neue Heimat. Und so erzählt der Roman vom Zurücklassen, vom Gehenlassen, aber auch von neuen Anfängen und der Integration in eine andere Kultur – so wie wir Deutschen es später von türkischen Gastarbeitern kennen, mussten auch Magda, Alfred und ihre Familie Fuß fassen und Sprachbarrieren überwinden. Neben dem historischen Erzählstrang wird in der Gegenwart auch die Geschichte von Imke erzählt. Sie soll bei der Erstellung eines Gutachtens zur Zukunft des Botanischen Gartens aus stadtplanerischer Sicht assistieren. Wir begleiten die junge Erwachsene auf ihrem beruflichen und privaten Weg, während sie einige Wochen in Istanbul verbringt. Und wie man sich denken kann, verlässt sie die Stadt mit Erfahrungen, Erlebnissen und näher bei sich selbst. Ich habe den Roman sehr gern gelesen und war wie schon bei Sandra Lüpkes bisherigen Romanen begeistert davon, wie sie es schafft historischen Figuren (die allerdings wenig bekannt sind) Leben einzuhauchen. Der historische Teil des Romans hat mir persönlich etwas mehr gefallen als der Erzählstrang in der Gegenwart und ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn es sich in Gänze um einen historischen Roman gehandelt hätte. Wer gut aufgearbeitete historische Stoffe zu schätzen weiß, wird mit diesem Buch definitiv auf seine Kosten kommen!
Eine Geschichte, die bleibt! 💚
Mit historischen Begebenheiten und realen Personen zeichnet die Autorin die Geschichte von drei Frauen und deren schicksalhafte Leben, die eng mit dem Botanischen Garten 🪴 in Istanbul verbunden ist und auf der Flucht des jüdischen Botanikers Alfred Heilbronn 1933 und dem Leben im Exil basieren. Sie bedient sich dabei auch fiktiver Elemente. Das Zusammenspiel von wahren Begebenheiten und Fiktion fand ich beeindruckend, ebenso ihre bildhafte und unaufgeregte Schreibweise 🥹📖👏💚 ~ Dass die Autorin für ihre Geschichte intensiv recherchiert hat, spürte ich in ihren Beschreibungen. Die Geschichte fühlte sich so atmosphärisch und berührend an. Die Buchcharaktere wirkten auf mich authentisch, interessant und stark. Mit einer Sensibilität für die Geschichte sowie für die Figuren und deren Schicksale fesselte die Autorin mich an dieses Buch. Die Beschreibungen der Pflanzenweilt, die sehr detailliert dargeboten wurden, habe ich regelrecht aufgesaugt 📖🤗💚🪴❤️ ~ Eine atmosphärische und ergreifende Geschichte, die von Mut, Veränderung, Suche nach Heimat, von Fremde und Freiheit handelt ❤️
Ein schöner Roman
Wir erleben zwei Zeitzonen. Mephare und die Familie Heilbronn zu den Zeiten Hitlers und Imke in der heutigen Zeit. Alfred Heilbronn ist ein berühmter Botaniker in Münster. Auf seine Meinung zählen viele. Als Professor der Uni hat er mit seiner Frau Magda und den beiden Kindern ein gutes Auskommen. Alles ändert sich, als die Nazis an die Macht kommen. Alfred flüchtet als Jude zuerst in die Türkei. Dort kann er zum Glück seiner Aufgabe weiter folgen. Seine Familie holt er schnell in die Türkei nach. Doch werden sie dort glücklich sein? Mephare ist seine Assistentin. In ihr erkennt Alfred viel Potential und unterstützt sie ebenfalls bei ihrer Doktorarbeit. Für Mephare wären aber soziale Kontakte ebenfalls wichtig. Doch wird ihr das gelingen oder ist sie auf Grund ihres Ehrgeizes zu unnahbar? Imke reist für ein Praktikum in die Türkei. Dort soll sie Kai assistieren und bei einem Gutachten über den ehemaligen botanischen Garten in Istanbul schreiben. Doch mit dem Kopf ist sie oft zu Hause bei ihrer sensiblen Mutter. Wird sie den Auftrag erfüllen können? Ein schöner Roman über starke Frauen in verschiedenen Zeiten. Mir war er zwischendurch teilweise etwas zu ausschweifend.
Große Leseempfehlung
Als der Botaniker Alfred Heilbronn unter dem Naziregime nicht mehr arbeiten darf, bleibt ihm nichts anderes übrig, als dem Ruf an die Universität nach Istanbul zu folgen, wo er die Leitung des botanischen Instituts übernimmt. Voller Vorfreude folgt ihm seine Familie. Die wissbegierige junge Studentin Mehpare wird die Assistentin von Professor Heilbronn und unterstützt ihn bei seiner Arbeit. Auch sie ist begeisterte Botanikerin. Zu Hause hält seine Frau Magda ihm den Rücken frei und nimmt an seinem Beruf regen Anteil. Ihre Rat ist Alfred immer wichtig. Magda hat selbst einen Doktortitel, hat ihren Beruf aber nie ausgeübt. Sie lernt von Mehpare ihre ersten türkischen Begriffe. Aber Istanbul bringt nicht die gewünschte Ruhe vor dem Naziregime. "So weit ist sie fort von zu Hause, und doch hat das, wovor sie geflohen ist, sie eingeholt." (Seite 231). Das Leben in der neuen Kultur ist nicht einfach, es ist geprägt von Furcht, Einsamkeit und Angst. Auch in der Türkei sind sie ausgegrenzt, das beweist der Stempel "Haymatloz" im Pass. Sie sind entwurzelt und im neuen Leben noch nicht verwurzelt. Sehr berührt hat mich das Schicksal der rumänischen Juden, die mit der Struma in die Türkei kamen. Ein sehr gut recherchiertes Buch, das mich in seinen Bann gezogen hat. Die Verbindung von Zeitgeschichte, realen Personen und einer fesselnden Geschichte macht es zu einem großen Lesevergnügen. Es geht aber nicht nur um das Istanbul der Vergangenheit, sondern auch um das Istanbul von heute. Die Städteplanerin Imke reist beruflich nach Istanbul, um ein Gutachten über den alten botanischen Garten zu erstellen. Durch eine Zufallsbekannschaft mit einer Türkin gerät sie in politische Unruhen. Das ist eines der Bücher, bei denen ich bedauert habe, irgendwann die letzte Seite aufschlagen zu müssen.
Abgebrochen bei ca. 150 Seiten
Ich hatte richtig große Erwartungen an dieses Buch: Flucht, Exil, Istanbul, ein spannender historischer Hintergrund. Der Einstieg war auch wirklich angenehm: schöner, leicht lesbarer Schreibstil und eine vielversprechende Geschichte. Leider konnte es mich dann nicht halten. Die Charaktere blieben für mich eher distanziert und ich habe keinen richtigen Bezug zu ihnen aufgebaut. Vor allem aber lag der Fokus sehr stark auf Botanik, mit vielen ausführlichen Beschreibungen und lateinischen Pflanzennamen. Mir war das einfach zu viel und dafür kam das Historische und das Istanbul-Flair viel zu kurz. Nach ca. 150 Seiten habe ich das Buch abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass es mich nicht packt und ich eher in eine Leseflaute rutsche. Für alle, die ruhige Romane ohne großen Spannungsbogen mögen und sich für Botanik interessieren, könnte es trotzdem passen. Für mich war es leider nichts. *Rezensionsexemplar / Werbung (unbezahlt)
Eine Geschichte, die bleibt. Gut recherchiert, leicht und wichtig zu erinnern
Als grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, geboren in Münster, das botanische Institut in Istanbul. Zusammen mit einer klugen jungen Frau, die sich ihre eigene Stellung als Professorin in ihrer Heimatstadt hart erarbeitete pflegte er jahrelang besagte grüne Lunge Istanbuls. Das Buch ist ein Mehrgenerationenroman. Die Autorin nimmt ihre Leserschaft mit auf Mehpares Reise, wie sie als Frau im 20. Jahrhundert Karriere machen konnte. Magdas Reise erzählt die Geschichte der Heilbronns im Krieg und im Exil und Imke muss als Stadtplanerin viele Jahrzehnte später über das Schicksal des Gartens mitentscheiden. Dabei sind die Perspektiven von Mehpare und den Heilbronns möglichst nah an den historischen Geschehnissen gehalten, während Imkes fiktive Sicht die aktuelle Debatte über den Garten deutlich hervorhebt. Der Garten, der in späteren Jahren nach dem Wissenschaftler „Alfred Heilbronn Botanik Bahçesi“ benannt wurde, liegt zwar in der Türkei, prägt aber auch einen erheblichen Teil deutscher Geschichte und ist ein Vermächtnis aus Kriegszeiten. Ohne Krieg wären die Heilbronns wohl in Münster geblieben und wären dort wegen ihrer jüdischen Herkunft verurteilt worden. Ein kleiner Garten in einem fremden Land mag für viele nicht sonderlich beachtenswert erscheinen, doch Lüpkes arbeitet mit vielen historischen Quellen und persönlichen Besuchen das Thema detailliert auf und haucht ihr Leben ein. Für mich fühlte es sich an, als wäre ich mit den Protagonist*innen selbst befreundet. Der Schreibstil war so flüssig, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Diese Geschichte vereint zwei Kulturen, zwei Länder und die Herzlichkeit des Landes las ich aus jeder Seite heraus. Auch mich brachte diese grüne Lunge für eine Weile zum Durchatmen. Eine klare Empfehlung. Auch für Lesende, die keinen Bezug zur Botanik haben.
Spannende Thematik, für mich nicht perfekt umgesetzt
Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes hat mich zunächst vor allem aufgrund seines historischen Hintergrunds angesprochen: Die Türkei als Exilort für Menschen während der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs ist ein Thema, das mich sehr interessiert. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie die Stadt İstanbul im Roman dargestellt wird. Besonders der erzählerische Ansatz, verschiedene Perspektiven auf mehreren Zeitebenen miteinander zu verknüpfen, hat mir zu Beginn gut gefallen. Dennoch habe ich mich nach knapp 150 Seiten dazu entschieden, das Buch nicht weiterzulesen. Ob ich damit etwas verpasse? Vielleicht. Die Handlung entwickelt sich für meinen Geschmack etwas zu langsam und bleibt dabei in meinen Augen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Trotz des ruhigen Erzähltempos fehlt es an der Tiefe in genau den Aspekten, die mich ursprünglich angesprochen haben. Viele Figuren bleiben für mich distanziert und schwer greifbar, und auch die Atmosphäre Istanbuls wird für mich nicht wirklich lebendig. Gleichzeitig erkenne ich, dass der Roman andere Schwerpunkte setzt – etwa auf botanische Motive und die Frage nach Verwurzelung und Zugehörigkeit. Rückblickend denke ich daher, dass meine Erwartungshaltung nicht ganz zur Ausrichtung des Buches gepasst hat. Ein Weiterlesen hätte sich für mich eher wie eine Verpflichtung als ein Vergnügen angefühlt, weshalb ich mich bewusst für einen Abbruch entschieden habe. Vielleicht war es auch einfach der falsche Zeitpunkt für mich. Nichtsdestotrotz möchte ich den sorgfältigen Umgang mit der historischen Thematik würdigen. Die gründliche Recherche ist deutlich spürbar, und ich bin überzeugt, dass der Roman viele Leser*innen erreichen wird – auch wenn er mich persönlich nicht vollständig überzeugen konnte.














