Die Schule der Nacht
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Description
Eine winzige Insel vor der norwegischen Küste: Kristian Hadeland, erfolgreicher Künstler mit einer Karriere in London und einer bevorstehenden Retrospektive am MoMa in New York, hat sich in die Abgeschiedenheit zurückgezogen. Er will seinem Leben ein Ende setzen. »Tod und Vergänglichkeit«, das war das große Thema seines fotografischen Werks, mit dem er sich über sämtliche Regeln hinwegsetzte und in der Kunstwelt für Furore sorgte. Für diesen Ruhm ist er einen faustischen Bund eingegangen. Jetzt steht er vor den Trümmern eines rücksichtslosen Lebens und bittet um Erlösung. Möglicherweise vergeblich.
Karl Ove Knausgårds neuester Roman »Die Schule der Nacht« ist Teil der großangelegten Morgenstern -Serie, die LeserInnen und KritikerInnen in der ganzen Welt begeistert. Ausgangspunkt ist das plötzliche Erscheinen eines neuen Sterns am Himmel, der unheimliche Kräfte freisetzt, sämtliche physikalische Regeln sprengt und die Menschen auf ihr Innerstes zurückwirft.
Book Information
Author Description
Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als einer der wichtigsten norwegischen Autoren der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiographischen Projektes "Min Kamp" wurden weltweit zur Sensation. Sein großer »Morgenstern«-Romankosmos um das plötzliche Auftauchen eines neuen Sterns am Himmel lotet die Abgründe menschlichen Lebens aus und fasziniert mit seiner Soghaftigkeit auf ähnliche Weise. Das Essayistische ist eine treibende Kraft in Knausgårds schriftstellerischem Werk, das in 35 Sprachen übersetzt ist und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Karl Ove Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur, 2022 nahm er in Kopenhagen den Hans-Christan-Andersen-Literaturpreis entgegen. Er lebt in London.
Posts
Wie bereits Teil 2 der Morgenstern-Reihe, konzentriert sich Teil 4 wieder auf den Hintergrund einer Randfigur aus der größeren Erzählung. Dieses Mal geht es um Kristian (dessen Name zuvor nur beiläufig erwähnt wird) und nach diesem 672-Seiten-Wälzer können wir erahnen, warum er so eine mysteriöse Rolle einnimmt. Denn hier geht es um nicht weniger als um einen Pakt mit dem Teufel, der als Motiv das gesamte Buch durchzieht. Es ist unmöglich, hier kurz zusammenzufassen, was Knausgård über Hunderte Seiten mit dem Leser macht. Wie immer lässt mich der Autor mit ratternden Gedanken zurück ("mindblown" trifft es ganz gut). Wie viele Male wird er das wohl im Rahmen von "Morgenstern" noch tun? Meinetwegen könnte es ewig so weitergehen...
"Wer tot ist ist tot und kann auch nicht errettet werden." ... "Er schreibt darüber den Tod im Leben zu wählen, und das ist es ja, was Faust tut." Ich habe mich in den letzten Wochen durch über Zweitausend Seiten der Morgensternserie gelesen von denen dies der vierte Teil ist. Was tut dieser Knausgård in seinen Büchern mit uns? Fast alle seine Charaktere sind unsympathisch und Kristian ist der abstoßendste von allen. Der Roman beginnt damit, das der Protagonist sich suizidieren will, wenn er seine Lebensgeschichte fertig aufgeschrieben hat. Knausgård nimmt uns mit in den Kopf von diesem Mann und das ist wirklich kein Ort an dem man sein möchte. Saugt uns ein in dessen Gedankenwelt und lässt uns nicht mehr raus, bevor das Buch nicht zu Ende ist. Aber auch dann nicht so wirklich. Man grübelt und, in meinem Fall, fängt man gleich noch mal bei Seite eins an und blättert sich durch die Markierungen. "Zwanzig Jahre war ich geblendet gewesen, aber dann kam die Dunkelheit und jeglicher Sinn ging verloren. " Kristian wird an der Kunsthochschule in London angenommen. Sein Fach ist die Fotografie. Doch seine Bilder sind nichtssagend, ihnen fehlt die Tiefe. Sie wecken keine Emotionen und keinerlei Empathie geht von ihnen aus. So ist auch die Gefühlswelt von Kristian, alle seine Gedanken drehen sich um ihn selbst. Als er mit anhört wie ihn sein Vater als Narzisst beschreibt, bricht er mit seiner Familie. Dann begegnet er Hans, einem Künstler dessen Werke wir nicht zu fassen bekommen, der Kristian aber mehr und mehr beeinflusst und immer wieder auf mysteriöse Weise in seinem Leben auftaucht und ihn auch vor "bösen" Konsequenzen bewahrt. In diesem Zusammenhang taucht die Geschichte von Faust und Mephisto auf und gibt uns einen Wink hin zu dem wie Kristian agiert. Denn dieser will nichts mehr, als als Künstler berühmt zu werden. Dafür geht er sprichwörtlich über Leichen. Die erste ist eine tote Katze, doch es folgen weitere Serien und damit entsetzt und begeistert er die Kunstwelt. Hans hat er da schon lange nicht mehr gesehen. Jahre später, er ist inzwischen verheiratet und hat einen kleinen Sohn, den vielleicht einzigen Menschen, außer sich selbst, den er liebt, taucht Hans wieder auf. Wir sind erneut auf der kleinen Insel in Norwegen auf der das Buch begann. "Doch nun sitze ich hier. Auch wenn ich es nicht geplant habe, so als wäre ich einer Loipe gefolgt, die ein anderer gespurt hat. Das ist dann wohl das Gefühl, das man Schicksal nennt." Absolute Leseempfehlung und völlig unabhängig von den anderen Bänden zu lesen!
Daher hatte er das also. Sie hatte ihn mit Informationen gefüttert, und er hatte so getan, als zöge er sie aus dem eigenen Hut. "The School of Night" war eine Ansammlung bedeutender Menschen im elisabethanischen England, die, nun, kontrovers war? Kann man das sagen?" "Verborgene Oppositionelle," sagte Vivian. "Dissidenten. So ähnlich wie in der DDR. Sie behielten das, was sie wirklich dachten, für sich." "Allerdings. An einem ihrer Abende soll Marlowe eine Vorlesung über Atheismus gehalten haben." "Aber ist Doktor Faustus ein Audruck dafür? Darüber haben wir diskutiert". ... - Zitat, Seite 192 Mit viel Spannung wurde der 4. Band der Morgenstern Reihe von Karl Ove Knausgård erwartet. Gerade der letzte Teil "Das dritte Königreich" hatte die Grundthematik der Serie mit viel Vitalität aufgenommen und mit den wechselnden Perspektiven und seinen (teilweise beunruhigenden) philosophischen Fragestellungen in seinen Bann gezogen. Doch diese Geschichte ist (leider) ganz anders. Zwar werden Bilder und Elemente aus den vorherigen Büchern aufgegriffen und das Thema Tod (und Teufel), welches bereits eine Rolle spielte, wird hier zum Fokus. Aber dieses zentrierte Schreiben, welches sich wie verrückte Kreise in unsere Lesehirne schraubte, fehlt hier schmerzhaft und das liegt hauptsächlich an der einseitigen, sehr konzentrierten, Erzählperspektive. Denn dieser Ich-Erzähler Kristian mit dem schönen Gesicht und dem weichen Haar ist ein richtiger Kotzbrocken. Nun sind Geschichten mit Antihelden nicht unbedingt uninteressant und am Anfang verfolgen wir den 20jährigen Studenten aus Norwegen, der sich mit viel Ehrgeiz und Engagement in London der 1980er Jahre einen Namen als berühmter Fotograf machen möchte, mit Spannung. Die Begegnung mit einem älteren Künstler namens Hans, der ihm den Auftrag für das Programmheft der anstehenden Theateraufführung von "Doktor Faustus" von Marlowe, verleiht seiner Kreativität neuen Schwung. Aber als es nicht nur bei einem Raub eines Tierkadavers aus den Müllsäcken einer Tierpraxis (eine makaber amüsante Szene) bleibt, sondern eine öffentliche Fahndung zum Mord an einem Obdachlosen mit seiner Person in Verbindung gebracht wird, stellt sich für den angehenden Künstler die Frage, ob er nicht unbedacht einen teuflischen Pakt eingegangen ist ... Ohne Frage versteht es der Autor packende Szenen zu entwerfen und gekonnt Elemente aus der Zeitgeschichte, Mystik, Religion und Kunst in eine sehr aktuell wirkende Geschichte einzubauen. Aber dieser amoralische Antiheld ist auf Dauer einfach zu eindimensional und fast schon langweilig. Da die Menschen in seinem Umfeld ja nur durch seine Brille gesehen werden, bleiben sie leider auch ziemlich flach, was vor allem bei Hans, der ja eigentlich eine geheimnisvolle und charismatische Figur sein soll, total schade ist. Frauen sind im Prinzip nur vögelbar und vielleicht sollte diese Reduzierung aufs Objekt ein gewisser Kunstgriff sein, aber das jeweilige Eindringen in die Weiblichkeit war irgendwann dann auch ein abgenutzter Vorgang. Im hinteren Teil wird es dann noch einmal etwas interessanter, als sich Kristian nicht nur mit Hamlet auseinandersetzt, sondern auch den Familienvater mimt. Aber auch hier verrät der Autor uns leider nicht, wie es dazu kommen konnte, dass unserem unsozialen Erzähler plötzlich eine zauberhafte Ehefrau und ein wundervolles Kind beschieden war. Aber natürlich kennen wir unsere Klassiker und wissen, diese Geschichte wird kein rosiges Ende nehmen, oder doch? Die Verbindung mit den anderen Morgenstern Büchern ist so lose, dass man den Roman auch sehr gut als eigenständiges Werk lesen kann. Die Insel, auf der Kristian schließlich strandet und ein gewisser junger Mann können vertraut erscheinen, aber das ist eher unwesentlich. Wesentlich spannender ist die Frage, ob der Autor im kommenden Band das eine oder andere Rätsel lösen wird, oder ob Personen dann in der Handlung wieder auftauchen, die hier manchmal so plötzlich von der Bildfläche verschwanden. Was wieder vollends überzeugt, ist die geschmeidige Übersetzung von Paul Berf. FAZIT Obwohl mich die Lektüre (bei der sehr hohen Erwartung) etwas enttäuscht hat, ist das Ganze natürlich irgendwo auch Meckern auf hohem Niveau. Vielleicht hat es dem Autor einfach dazu gedrängt, mal einen konsequent amoralischen und egozentrischen Charakter in Szene zu setzen - mit allen Konsequenzen. Und das hat er durchgezogen - zu 100 Prozent. Aber für das nächste Buch erhoffe ich mir wieder mehr Perspektiven mit all den menschlichen Ambivalenzen. Der Zauber des Morgensterns - gibt es ihn noch?
Dieser Roman war für mich letztendlich der bisher schwächste der Reihe, aufgrund der teilweise sehr engstirnigen und unangenehmen Haltung des Protagonisten. Trotz alldem, freue ich mich sowieso immer auf ein neues Buch von Knausgård. Seine Art teilweise banale Alltagsgeschichten und Szenen spannend und fesselnd zu beschreiben verblüfft mich dann doch immer wieder.
Karl Ove Knausgård - ,,Die Schule der Nacht" Übersetzung: Paul Berf In Teil 4 der Morgenstern Serie geht es um Kristian Hadeland. Der erfolgreiche Künstler begibt sich zu Beginn des Romans auf eine ziemlich abgeschiedene Insel vor der Küste Norwegens, mit dem Ziel sich das Leben zu nehmen. Er blickt zurück auf sein Leben, schreibt über dieses und betrachtet dort sein Privatleben, seine Ausbildung und seine Arbeit als Künstler in London. London ist sein Lebensmittelpunkt. Dort beginnt der junge Norweger in den 80er Jahren ein Studium der Fotografie. Später wird sein Familienleben und seine Karriere im Mittelpunkt stehen. Kleine Teile spielen auf der abgeschiedenen Insel in Norwegen. Unserer Hauptfigur zu folgen ist mir nicht ganz leicht gefallen, da mir seine Haltung und seine Ansichten sehr unsympathisch waren. Gleich zu Beginn bricht er den Kontakt zu seiner Familie ab und lebt nur noch für sein Studium. Vermeintliche neue Freunde und Liebschaften behandelt er stets von oben herab und denkt nur an seinen eigenen Vorteil. Äußerlich scheint ihm egal zu sein, was andere Menschen von ihm denken. Innerlich wünscht er sich allerdings nichts mehr als das Ansehen und die Anerkennung von anderen. Das Ziel ist es ein großer Künstler zu werden, und als dieser von anderen wahrgenommen zu werden. Einzig die Sprache von Knausgård hat mich durch die Seiten gebracht. Lange habe ich darauf gewartet, das Kristian endlich erwachsen wird, und sein unangenehmes Künstlergehabe bei Seite legt, was ihm aber nie gelingen wird. Spannend wird es, als ihm eine alte Geschichte aus Studienzeiten zum Verhängnis wird. Seine Karriere und sein Ansehen als mittlerweile bekannter Künstler sind in Gefahr. Viele Personen wenden sich von ihm ab, so wie er es zeit seines Lebens selbst mit anderen Menschen getan hat. Da war es spannend zu lesen, wie er mit dieser extremen Situation und der Anspannung umgeht. Sprachlich auf einem hohen Niveau schafft es Knausgård mich dann doch bis zum Ende des Romans zu begleiten, auch wenn ich unserer Hauptfigur nur sehr widerwillig gefolgt bin. Auch in Band 4 bleibt unklar, wie sich all diese Geschichten zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen werden. Dieser Roman war für mich letztendlich der bisher schwächste der Reihe, aufgrund der teilweise sehr engstirnigen und unangenehmen Haltung des Protagonisten. Trotz alldem, freue ich mich sowieso immer auf ein neues Buch von Knausgård. Seine Art teilweise banale Alltagsgeschichten und Szenen spannend und fesselnd zu beschreiben verblüfft mich dann doch immer wieder.

Protagonist Kristian ist eine schreckliche Person. Er ist sehr von sich überzeugt, denkt bei all seinen Taten nur an sich. Ihm fehlt jegliche Empathie für seine Mitmenschen. Wir lernen ihn kennen als Student der Fotografie. Schon da ist er kein Sympathieträger. Die Anfänge sind schwer, seine Bilder sind ausdruckslos und nichtssagend. Doch seine arrogante und großkotzige Art nimmt das nicht hin und macht weiter. Wir begleiten ihn durch sein Leben, lernen seine kranken Gedanken kennen und leiden mit seinen Mitmenschen. Dieser Roman hat über 600 Seiten. In denen dreht er sich um Kristians wirre Gedanken und die Fotografie. Für mich war es oft sehr anstrengend zu lesen. So eine gestörte Persönlichkeit ertrage ich vielleicht auch nur in geringen Dosen. Seine Lebensgeschichte zog sich teilweise ganz schön, es drehte sich oft im Kreis. Teilweise war ich völlig gefangen in seiner wirren Welt (da gab es schon ein paar tolle Gedanken), teilweise einfach nur abgestoßen. Grundsätzlich find ich Romane, die sich um den Tod drehen, ziemlich interessant. Hier ging es mehr um die Person an sich. Mich hätte noch interessiert warum er so ist wie er ist. Wahrscheinlich möchte ich einfach nicht glauben, dass Menschen grundlos so werden. Leider konnte ich mich nicht für den Roman erwärmen. Das ist aber wie immer sehr subjektiv. Ich lese auch keine Thriller. Die Abgründe der menschlichen Psyche sind mir da vielleicht doch etwas zu realistisch.
“Die Vergangenheit lässt uns immer los. Nur dass wir sie nicht loslassen." Noch nie, wirklich noch nie habe ich ein Buch über solch einen unsympathischen Kotzbrocken gelesen und war auf knapp 700 Seiten gleichzeitig so fasziniert und angewidert. Ok, es war auch mein erster Knausgård. Man munkelt, seine Charaktere sind selten Sympathieträger🫣 Das perfekte Buch für einen Buddyread...hier gibt es Redebedarf...viiiel Redebedarf. Kristian Hadeland will sterben, vorher aber noch seine Geschichte aufschreiben. Und so begleiten wir ihn über gut 20 Jahre, zunächst nach London, wo er Fotografie studiert, bis hin zu seinen letzten Wochen auf einer einsamen Insel in Norwegen, wo er über 40 Jahre alt ist und sich das Leben nehmen will. Schon als junger Mann geht Hadeland arrogant, großkotzig, unsozial und kompromisslos durch sein Leben. Selbst hat er noch nichts geleistet, auch seine ersten Fotos sind relativ ausdruckslos, ohne Empathie, Fantasie und Plan, aber dennoch sieht er sich bereits in höheren Sphären, über allem und jeden erhaben. Kritik verträgt er überhaupt nicht. In seinen Gedanken macht er die Menschen dafür nieder, beleidigt sie aufs Äußerste; natürlich wagt er es nie, den Leuten seine Meinung direkt zu sagen. Er hat so eine kranke und verzerrte Wahrnehmung von sich und der Welt und egal, was passiert, Schuld sind immer die anderen. Während seiner Studienzeit in London hat er eigentlich nur eine Bezugsperson und das ist Hans, ein holländischer Künstler, der am Ende von Teil 1 spurlos verschwindet und zum Ende nochmals auftaucht. Abgesehen von Fotografie, Musik und Kunst thematisiert Knausgård hier auch William Shakespeare und Christopher Marlowe, letzterer gehörte einer Gruppe von Freidenkern an (“Die Schule der Nacht”). Vor allem sein Faust und das Teuflische in Gestalt des Mephistopheles spielen im Buch eine wichtige Rolle. Jahre später ist Hadeland verheiratet, hat einen Sohn und ist ein berühmter Fotograf mit weltweiten Ausstellungen, auch wenn seine Fotoreihen einen sehr morbiden Touch haben, der ihn jedoch schon Zeit seines Lebens begleitet. Eine Geschichte, die einen unheimlichen (im wahrsten Sinne des Wortes) Sog entfaltet, dem man sich dennoch nicht entziehen kann. Man will einfach wissen, wie es mit ihm weitergeht. Die Stimmung im Buch ist düster, unheilvoll, durchdringend; der Stil von Knausgård nüchtern, analytisch, direkt. Mich hat das Buch sehr fasziniert, und wenn ich nicht grad Fragen und Redebedarf hatte, auch oft sprachlos zurückgelassen. Ein Buch, wo auch nach der letzten Zeile die Gedanken noch weiter kreisen. Das Buch ist der vierte Band der Morgenstern-Reihe, kann aber unabhängig voneinander gelesen werden. Ich werde bestimmt noch die anderen Bände lesen, und sei es nur, um mich davon zu überzeugen, ob Knausgård wirklich nur über Widerlinge schreiben kann. Ich komme über diesen Protagonisten hier einfach nicht hinweg…
Karl Ove Knausgårds Die Schule der Nacht ist ein Roman, der wie ein kalter Nebel in den Leser einsickert – unaufhaltsam, unangenehm und am Ende erschütternd. Man mag Knausgårds Stil schätzen oder ablehnen, aber man kommt nicht umhin, ihm Respekt zu zollen: Denn was er hier auf 670 Seiten veranstaltet, ist nichts weniger als eine luzide Zerlegung des narzisstischen Künstlermythos – und zwar mit der chirurgischen Präzision eines Autors, der nicht gefallen will, sondern verstören. Im Zentrum steht Kristian Hadeland, eine jener literarischen Figuren, die man nur lieben kann, wenn man sich selbst hasst. Arrogant, selbstverliebt, völlig empathiebefreit – ein Mann, der sich mit der Selbstverständlichkeit eines Ich-bezogenen schwarzen Lochs durch sein Umfeld fräst. Schon mit Anfang zwanzig hält er sich für ein Genie, verspürt keine Dankbarkeit gegenüber der Welt, sondern fordert sie zur Unterwerfung auf. Dass er sich mit dem Teufel einlässt, muss man nicht metaphorisch lesen – es ist eher ein strukturelles Grundmotiv: die Hybris, sich über Moral, Bindung und Maß zu erheben. Faust ist nicht mehr der tragische Gelehrte, sondern ein selbstoptimierender Instagram-Künstler mit einer Leica in der Hand und einer Leere im Herzen. Knausgård erzählt das alles mit einer fast stoischen Ruhe. Da wird nicht gekreischt, nicht gezuckert, keine Szene künstlich aufgeblasen – was die Geschichte umso bedrohlicher macht. Denn das Unheil kommt nicht mit Paukenschlägen, sondern in Alltagssätzen daher. Die großen Fragen nach Schuld, Identität, Spiritualität, ja selbst nach dem Wesen des Bösen schleichen sich hier ein wie der Schimmel in einer schlecht gelüfteten Altbauwohnung: unsichtbar, aber durchdringend. Es ist faszinierend, wie beiläufig Knausgård seine Themen verwebt: Fotografie als Portal zur Vergangenheit, okkulte Anspielungen auf die „School of Night“, Shakespeare und Marlowe als Schattenfiguren der literarischen Unterwelt. Und natürlich London – düster, grau, entfremdet – als Schauplatz eines inneren Exils. Wer hier auf Katharsis oder Läuterung hofft, ist verloren. Hadeland ist kein Held, auch kein Antiheld, sondern schlicht eine Zumutung. Aber eine, die man lesen muss, um zu begreifen, wie dünn der Firnis ist, der unsere Zivilisation vom moralischen Bankrott trennt. Am Ende bleibt ein seltsames Gefühl: Verstörung, ja – aber auch Bewunderung. Denn Knausgård gelingt das seltene Kunststück, tief in die Dunkelheit zu blicken, ohne sich dabei im Pathos zu verlieren. Die Schule der Nacht ist keine angenehme Lektüre, aber eine notwendige. Eine literarische Teufelsbeschwörung, die einem noch lange nach dem letzten Satz im Nacken sitzt. Und in Zeiten wie diesen, in denen so viele Romane vor allem nett sein wollen, ist das vielleicht die größte Qualität überhaupt.
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Eine winzige Insel vor der norwegischen Küste: Kristian Hadeland, erfolgreicher Künstler mit einer Karriere in London und einer bevorstehenden Retrospektive am MoMa in New York, hat sich in die Abgeschiedenheit zurückgezogen. Er will seinem Leben ein Ende setzen. »Tod und Vergänglichkeit«, das war das große Thema seines fotografischen Werks, mit dem er sich über sämtliche Regeln hinwegsetzte und in der Kunstwelt für Furore sorgte. Für diesen Ruhm ist er einen faustischen Bund eingegangen. Jetzt steht er vor den Trümmern eines rücksichtslosen Lebens und bittet um Erlösung. Möglicherweise vergeblich.
Karl Ove Knausgårds neuester Roman »Die Schule der Nacht« ist Teil der großangelegten Morgenstern -Serie, die LeserInnen und KritikerInnen in der ganzen Welt begeistert. Ausgangspunkt ist das plötzliche Erscheinen eines neuen Sterns am Himmel, der unheimliche Kräfte freisetzt, sämtliche physikalische Regeln sprengt und die Menschen auf ihr Innerstes zurückwirft.
Book Information
Author Description
Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als einer der wichtigsten norwegischen Autoren der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiographischen Projektes "Min Kamp" wurden weltweit zur Sensation. Sein großer »Morgenstern«-Romankosmos um das plötzliche Auftauchen eines neuen Sterns am Himmel lotet die Abgründe menschlichen Lebens aus und fasziniert mit seiner Soghaftigkeit auf ähnliche Weise. Das Essayistische ist eine treibende Kraft in Knausgårds schriftstellerischem Werk, das in 35 Sprachen übersetzt ist und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Karl Ove Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur, 2022 nahm er in Kopenhagen den Hans-Christan-Andersen-Literaturpreis entgegen. Er lebt in London.
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Wie bereits Teil 2 der Morgenstern-Reihe, konzentriert sich Teil 4 wieder auf den Hintergrund einer Randfigur aus der größeren Erzählung. Dieses Mal geht es um Kristian (dessen Name zuvor nur beiläufig erwähnt wird) und nach diesem 672-Seiten-Wälzer können wir erahnen, warum er so eine mysteriöse Rolle einnimmt. Denn hier geht es um nicht weniger als um einen Pakt mit dem Teufel, der als Motiv das gesamte Buch durchzieht. Es ist unmöglich, hier kurz zusammenzufassen, was Knausgård über Hunderte Seiten mit dem Leser macht. Wie immer lässt mich der Autor mit ratternden Gedanken zurück ("mindblown" trifft es ganz gut). Wie viele Male wird er das wohl im Rahmen von "Morgenstern" noch tun? Meinetwegen könnte es ewig so weitergehen...
"Wer tot ist ist tot und kann auch nicht errettet werden." ... "Er schreibt darüber den Tod im Leben zu wählen, und das ist es ja, was Faust tut." Ich habe mich in den letzten Wochen durch über Zweitausend Seiten der Morgensternserie gelesen von denen dies der vierte Teil ist. Was tut dieser Knausgård in seinen Büchern mit uns? Fast alle seine Charaktere sind unsympathisch und Kristian ist der abstoßendste von allen. Der Roman beginnt damit, das der Protagonist sich suizidieren will, wenn er seine Lebensgeschichte fertig aufgeschrieben hat. Knausgård nimmt uns mit in den Kopf von diesem Mann und das ist wirklich kein Ort an dem man sein möchte. Saugt uns ein in dessen Gedankenwelt und lässt uns nicht mehr raus, bevor das Buch nicht zu Ende ist. Aber auch dann nicht so wirklich. Man grübelt und, in meinem Fall, fängt man gleich noch mal bei Seite eins an und blättert sich durch die Markierungen. "Zwanzig Jahre war ich geblendet gewesen, aber dann kam die Dunkelheit und jeglicher Sinn ging verloren. " Kristian wird an der Kunsthochschule in London angenommen. Sein Fach ist die Fotografie. Doch seine Bilder sind nichtssagend, ihnen fehlt die Tiefe. Sie wecken keine Emotionen und keinerlei Empathie geht von ihnen aus. So ist auch die Gefühlswelt von Kristian, alle seine Gedanken drehen sich um ihn selbst. Als er mit anhört wie ihn sein Vater als Narzisst beschreibt, bricht er mit seiner Familie. Dann begegnet er Hans, einem Künstler dessen Werke wir nicht zu fassen bekommen, der Kristian aber mehr und mehr beeinflusst und immer wieder auf mysteriöse Weise in seinem Leben auftaucht und ihn auch vor "bösen" Konsequenzen bewahrt. In diesem Zusammenhang taucht die Geschichte von Faust und Mephisto auf und gibt uns einen Wink hin zu dem wie Kristian agiert. Denn dieser will nichts mehr, als als Künstler berühmt zu werden. Dafür geht er sprichwörtlich über Leichen. Die erste ist eine tote Katze, doch es folgen weitere Serien und damit entsetzt und begeistert er die Kunstwelt. Hans hat er da schon lange nicht mehr gesehen. Jahre später, er ist inzwischen verheiratet und hat einen kleinen Sohn, den vielleicht einzigen Menschen, außer sich selbst, den er liebt, taucht Hans wieder auf. Wir sind erneut auf der kleinen Insel in Norwegen auf der das Buch begann. "Doch nun sitze ich hier. Auch wenn ich es nicht geplant habe, so als wäre ich einer Loipe gefolgt, die ein anderer gespurt hat. Das ist dann wohl das Gefühl, das man Schicksal nennt." Absolute Leseempfehlung und völlig unabhängig von den anderen Bänden zu lesen!
Daher hatte er das also. Sie hatte ihn mit Informationen gefüttert, und er hatte so getan, als zöge er sie aus dem eigenen Hut. "The School of Night" war eine Ansammlung bedeutender Menschen im elisabethanischen England, die, nun, kontrovers war? Kann man das sagen?" "Verborgene Oppositionelle," sagte Vivian. "Dissidenten. So ähnlich wie in der DDR. Sie behielten das, was sie wirklich dachten, für sich." "Allerdings. An einem ihrer Abende soll Marlowe eine Vorlesung über Atheismus gehalten haben." "Aber ist Doktor Faustus ein Audruck dafür? Darüber haben wir diskutiert". ... - Zitat, Seite 192 Mit viel Spannung wurde der 4. Band der Morgenstern Reihe von Karl Ove Knausgård erwartet. Gerade der letzte Teil "Das dritte Königreich" hatte die Grundthematik der Serie mit viel Vitalität aufgenommen und mit den wechselnden Perspektiven und seinen (teilweise beunruhigenden) philosophischen Fragestellungen in seinen Bann gezogen. Doch diese Geschichte ist (leider) ganz anders. Zwar werden Bilder und Elemente aus den vorherigen Büchern aufgegriffen und das Thema Tod (und Teufel), welches bereits eine Rolle spielte, wird hier zum Fokus. Aber dieses zentrierte Schreiben, welches sich wie verrückte Kreise in unsere Lesehirne schraubte, fehlt hier schmerzhaft und das liegt hauptsächlich an der einseitigen, sehr konzentrierten, Erzählperspektive. Denn dieser Ich-Erzähler Kristian mit dem schönen Gesicht und dem weichen Haar ist ein richtiger Kotzbrocken. Nun sind Geschichten mit Antihelden nicht unbedingt uninteressant und am Anfang verfolgen wir den 20jährigen Studenten aus Norwegen, der sich mit viel Ehrgeiz und Engagement in London der 1980er Jahre einen Namen als berühmter Fotograf machen möchte, mit Spannung. Die Begegnung mit einem älteren Künstler namens Hans, der ihm den Auftrag für das Programmheft der anstehenden Theateraufführung von "Doktor Faustus" von Marlowe, verleiht seiner Kreativität neuen Schwung. Aber als es nicht nur bei einem Raub eines Tierkadavers aus den Müllsäcken einer Tierpraxis (eine makaber amüsante Szene) bleibt, sondern eine öffentliche Fahndung zum Mord an einem Obdachlosen mit seiner Person in Verbindung gebracht wird, stellt sich für den angehenden Künstler die Frage, ob er nicht unbedacht einen teuflischen Pakt eingegangen ist ... Ohne Frage versteht es der Autor packende Szenen zu entwerfen und gekonnt Elemente aus der Zeitgeschichte, Mystik, Religion und Kunst in eine sehr aktuell wirkende Geschichte einzubauen. Aber dieser amoralische Antiheld ist auf Dauer einfach zu eindimensional und fast schon langweilig. Da die Menschen in seinem Umfeld ja nur durch seine Brille gesehen werden, bleiben sie leider auch ziemlich flach, was vor allem bei Hans, der ja eigentlich eine geheimnisvolle und charismatische Figur sein soll, total schade ist. Frauen sind im Prinzip nur vögelbar und vielleicht sollte diese Reduzierung aufs Objekt ein gewisser Kunstgriff sein, aber das jeweilige Eindringen in die Weiblichkeit war irgendwann dann auch ein abgenutzter Vorgang. Im hinteren Teil wird es dann noch einmal etwas interessanter, als sich Kristian nicht nur mit Hamlet auseinandersetzt, sondern auch den Familienvater mimt. Aber auch hier verrät der Autor uns leider nicht, wie es dazu kommen konnte, dass unserem unsozialen Erzähler plötzlich eine zauberhafte Ehefrau und ein wundervolles Kind beschieden war. Aber natürlich kennen wir unsere Klassiker und wissen, diese Geschichte wird kein rosiges Ende nehmen, oder doch? Die Verbindung mit den anderen Morgenstern Büchern ist so lose, dass man den Roman auch sehr gut als eigenständiges Werk lesen kann. Die Insel, auf der Kristian schließlich strandet und ein gewisser junger Mann können vertraut erscheinen, aber das ist eher unwesentlich. Wesentlich spannender ist die Frage, ob der Autor im kommenden Band das eine oder andere Rätsel lösen wird, oder ob Personen dann in der Handlung wieder auftauchen, die hier manchmal so plötzlich von der Bildfläche verschwanden. Was wieder vollends überzeugt, ist die geschmeidige Übersetzung von Paul Berf. FAZIT Obwohl mich die Lektüre (bei der sehr hohen Erwartung) etwas enttäuscht hat, ist das Ganze natürlich irgendwo auch Meckern auf hohem Niveau. Vielleicht hat es dem Autor einfach dazu gedrängt, mal einen konsequent amoralischen und egozentrischen Charakter in Szene zu setzen - mit allen Konsequenzen. Und das hat er durchgezogen - zu 100 Prozent. Aber für das nächste Buch erhoffe ich mir wieder mehr Perspektiven mit all den menschlichen Ambivalenzen. Der Zauber des Morgensterns - gibt es ihn noch?
Dieser Roman war für mich letztendlich der bisher schwächste der Reihe, aufgrund der teilweise sehr engstirnigen und unangenehmen Haltung des Protagonisten. Trotz alldem, freue ich mich sowieso immer auf ein neues Buch von Knausgård. Seine Art teilweise banale Alltagsgeschichten und Szenen spannend und fesselnd zu beschreiben verblüfft mich dann doch immer wieder.
Karl Ove Knausgård - ,,Die Schule der Nacht" Übersetzung: Paul Berf In Teil 4 der Morgenstern Serie geht es um Kristian Hadeland. Der erfolgreiche Künstler begibt sich zu Beginn des Romans auf eine ziemlich abgeschiedene Insel vor der Küste Norwegens, mit dem Ziel sich das Leben zu nehmen. Er blickt zurück auf sein Leben, schreibt über dieses und betrachtet dort sein Privatleben, seine Ausbildung und seine Arbeit als Künstler in London. London ist sein Lebensmittelpunkt. Dort beginnt der junge Norweger in den 80er Jahren ein Studium der Fotografie. Später wird sein Familienleben und seine Karriere im Mittelpunkt stehen. Kleine Teile spielen auf der abgeschiedenen Insel in Norwegen. Unserer Hauptfigur zu folgen ist mir nicht ganz leicht gefallen, da mir seine Haltung und seine Ansichten sehr unsympathisch waren. Gleich zu Beginn bricht er den Kontakt zu seiner Familie ab und lebt nur noch für sein Studium. Vermeintliche neue Freunde und Liebschaften behandelt er stets von oben herab und denkt nur an seinen eigenen Vorteil. Äußerlich scheint ihm egal zu sein, was andere Menschen von ihm denken. Innerlich wünscht er sich allerdings nichts mehr als das Ansehen und die Anerkennung von anderen. Das Ziel ist es ein großer Künstler zu werden, und als dieser von anderen wahrgenommen zu werden. Einzig die Sprache von Knausgård hat mich durch die Seiten gebracht. Lange habe ich darauf gewartet, das Kristian endlich erwachsen wird, und sein unangenehmes Künstlergehabe bei Seite legt, was ihm aber nie gelingen wird. Spannend wird es, als ihm eine alte Geschichte aus Studienzeiten zum Verhängnis wird. Seine Karriere und sein Ansehen als mittlerweile bekannter Künstler sind in Gefahr. Viele Personen wenden sich von ihm ab, so wie er es zeit seines Lebens selbst mit anderen Menschen getan hat. Da war es spannend zu lesen, wie er mit dieser extremen Situation und der Anspannung umgeht. Sprachlich auf einem hohen Niveau schafft es Knausgård mich dann doch bis zum Ende des Romans zu begleiten, auch wenn ich unserer Hauptfigur nur sehr widerwillig gefolgt bin. Auch in Band 4 bleibt unklar, wie sich all diese Geschichten zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen werden. Dieser Roman war für mich letztendlich der bisher schwächste der Reihe, aufgrund der teilweise sehr engstirnigen und unangenehmen Haltung des Protagonisten. Trotz alldem, freue ich mich sowieso immer auf ein neues Buch von Knausgård. Seine Art teilweise banale Alltagsgeschichten und Szenen spannend und fesselnd zu beschreiben verblüfft mich dann doch immer wieder.

Protagonist Kristian ist eine schreckliche Person. Er ist sehr von sich überzeugt, denkt bei all seinen Taten nur an sich. Ihm fehlt jegliche Empathie für seine Mitmenschen. Wir lernen ihn kennen als Student der Fotografie. Schon da ist er kein Sympathieträger. Die Anfänge sind schwer, seine Bilder sind ausdruckslos und nichtssagend. Doch seine arrogante und großkotzige Art nimmt das nicht hin und macht weiter. Wir begleiten ihn durch sein Leben, lernen seine kranken Gedanken kennen und leiden mit seinen Mitmenschen. Dieser Roman hat über 600 Seiten. In denen dreht er sich um Kristians wirre Gedanken und die Fotografie. Für mich war es oft sehr anstrengend zu lesen. So eine gestörte Persönlichkeit ertrage ich vielleicht auch nur in geringen Dosen. Seine Lebensgeschichte zog sich teilweise ganz schön, es drehte sich oft im Kreis. Teilweise war ich völlig gefangen in seiner wirren Welt (da gab es schon ein paar tolle Gedanken), teilweise einfach nur abgestoßen. Grundsätzlich find ich Romane, die sich um den Tod drehen, ziemlich interessant. Hier ging es mehr um die Person an sich. Mich hätte noch interessiert warum er so ist wie er ist. Wahrscheinlich möchte ich einfach nicht glauben, dass Menschen grundlos so werden. Leider konnte ich mich nicht für den Roman erwärmen. Das ist aber wie immer sehr subjektiv. Ich lese auch keine Thriller. Die Abgründe der menschlichen Psyche sind mir da vielleicht doch etwas zu realistisch.
“Die Vergangenheit lässt uns immer los. Nur dass wir sie nicht loslassen." Noch nie, wirklich noch nie habe ich ein Buch über solch einen unsympathischen Kotzbrocken gelesen und war auf knapp 700 Seiten gleichzeitig so fasziniert und angewidert. Ok, es war auch mein erster Knausgård. Man munkelt, seine Charaktere sind selten Sympathieträger🫣 Das perfekte Buch für einen Buddyread...hier gibt es Redebedarf...viiiel Redebedarf. Kristian Hadeland will sterben, vorher aber noch seine Geschichte aufschreiben. Und so begleiten wir ihn über gut 20 Jahre, zunächst nach London, wo er Fotografie studiert, bis hin zu seinen letzten Wochen auf einer einsamen Insel in Norwegen, wo er über 40 Jahre alt ist und sich das Leben nehmen will. Schon als junger Mann geht Hadeland arrogant, großkotzig, unsozial und kompromisslos durch sein Leben. Selbst hat er noch nichts geleistet, auch seine ersten Fotos sind relativ ausdruckslos, ohne Empathie, Fantasie und Plan, aber dennoch sieht er sich bereits in höheren Sphären, über allem und jeden erhaben. Kritik verträgt er überhaupt nicht. In seinen Gedanken macht er die Menschen dafür nieder, beleidigt sie aufs Äußerste; natürlich wagt er es nie, den Leuten seine Meinung direkt zu sagen. Er hat so eine kranke und verzerrte Wahrnehmung von sich und der Welt und egal, was passiert, Schuld sind immer die anderen. Während seiner Studienzeit in London hat er eigentlich nur eine Bezugsperson und das ist Hans, ein holländischer Künstler, der am Ende von Teil 1 spurlos verschwindet und zum Ende nochmals auftaucht. Abgesehen von Fotografie, Musik und Kunst thematisiert Knausgård hier auch William Shakespeare und Christopher Marlowe, letzterer gehörte einer Gruppe von Freidenkern an (“Die Schule der Nacht”). Vor allem sein Faust und das Teuflische in Gestalt des Mephistopheles spielen im Buch eine wichtige Rolle. Jahre später ist Hadeland verheiratet, hat einen Sohn und ist ein berühmter Fotograf mit weltweiten Ausstellungen, auch wenn seine Fotoreihen einen sehr morbiden Touch haben, der ihn jedoch schon Zeit seines Lebens begleitet. Eine Geschichte, die einen unheimlichen (im wahrsten Sinne des Wortes) Sog entfaltet, dem man sich dennoch nicht entziehen kann. Man will einfach wissen, wie es mit ihm weitergeht. Die Stimmung im Buch ist düster, unheilvoll, durchdringend; der Stil von Knausgård nüchtern, analytisch, direkt. Mich hat das Buch sehr fasziniert, und wenn ich nicht grad Fragen und Redebedarf hatte, auch oft sprachlos zurückgelassen. Ein Buch, wo auch nach der letzten Zeile die Gedanken noch weiter kreisen. Das Buch ist der vierte Band der Morgenstern-Reihe, kann aber unabhängig voneinander gelesen werden. Ich werde bestimmt noch die anderen Bände lesen, und sei es nur, um mich davon zu überzeugen, ob Knausgård wirklich nur über Widerlinge schreiben kann. Ich komme über diesen Protagonisten hier einfach nicht hinweg…
Karl Ove Knausgårds Die Schule der Nacht ist ein Roman, der wie ein kalter Nebel in den Leser einsickert – unaufhaltsam, unangenehm und am Ende erschütternd. Man mag Knausgårds Stil schätzen oder ablehnen, aber man kommt nicht umhin, ihm Respekt zu zollen: Denn was er hier auf 670 Seiten veranstaltet, ist nichts weniger als eine luzide Zerlegung des narzisstischen Künstlermythos – und zwar mit der chirurgischen Präzision eines Autors, der nicht gefallen will, sondern verstören. Im Zentrum steht Kristian Hadeland, eine jener literarischen Figuren, die man nur lieben kann, wenn man sich selbst hasst. Arrogant, selbstverliebt, völlig empathiebefreit – ein Mann, der sich mit der Selbstverständlichkeit eines Ich-bezogenen schwarzen Lochs durch sein Umfeld fräst. Schon mit Anfang zwanzig hält er sich für ein Genie, verspürt keine Dankbarkeit gegenüber der Welt, sondern fordert sie zur Unterwerfung auf. Dass er sich mit dem Teufel einlässt, muss man nicht metaphorisch lesen – es ist eher ein strukturelles Grundmotiv: die Hybris, sich über Moral, Bindung und Maß zu erheben. Faust ist nicht mehr der tragische Gelehrte, sondern ein selbstoptimierender Instagram-Künstler mit einer Leica in der Hand und einer Leere im Herzen. Knausgård erzählt das alles mit einer fast stoischen Ruhe. Da wird nicht gekreischt, nicht gezuckert, keine Szene künstlich aufgeblasen – was die Geschichte umso bedrohlicher macht. Denn das Unheil kommt nicht mit Paukenschlägen, sondern in Alltagssätzen daher. Die großen Fragen nach Schuld, Identität, Spiritualität, ja selbst nach dem Wesen des Bösen schleichen sich hier ein wie der Schimmel in einer schlecht gelüfteten Altbauwohnung: unsichtbar, aber durchdringend. Es ist faszinierend, wie beiläufig Knausgård seine Themen verwebt: Fotografie als Portal zur Vergangenheit, okkulte Anspielungen auf die „School of Night“, Shakespeare und Marlowe als Schattenfiguren der literarischen Unterwelt. Und natürlich London – düster, grau, entfremdet – als Schauplatz eines inneren Exils. Wer hier auf Katharsis oder Läuterung hofft, ist verloren. Hadeland ist kein Held, auch kein Antiheld, sondern schlicht eine Zumutung. Aber eine, die man lesen muss, um zu begreifen, wie dünn der Firnis ist, der unsere Zivilisation vom moralischen Bankrott trennt. Am Ende bleibt ein seltsames Gefühl: Verstörung, ja – aber auch Bewunderung. Denn Knausgård gelingt das seltene Kunststück, tief in die Dunkelheit zu blicken, ohne sich dabei im Pathos zu verlieren. Die Schule der Nacht ist keine angenehme Lektüre, aber eine notwendige. Eine literarische Teufelsbeschwörung, die einem noch lange nach dem letzten Satz im Nacken sitzt. Und in Zeiten wie diesen, in denen so viele Romane vor allem nett sein wollen, ist das vielleicht die größte Qualität überhaupt.











