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Anlässlich ihres 50. Todestages erscheint der Roman „Die Geschwister“, welche nicht nur ein DDR-Roman ist, sondern zugleich auch ein Generations- und Familienroman ist, der die Zeit des geteilten Deutschlands präzise und auf einer emotional-persönlichen Figurenebene beschreibt. Ein empfehlenswerter Romanfür alle, die tiefer in die deutsche Literatur eintauchen wollen und den Zeitgeist der DDR hautnah erleben möchten.
Bekannterweise kann der erste Satz im Roman sehr wichtig sein, da er oft als Einstiegspunkt dient, um in die Handlung einzuführen. In der Neuausgabe von Brigitte Reimanns Roman „Die Geschwister“ wirft mich der erste Satz (media in res) mitten ins Geschehen der Handlung und fesselt auf Anhieb meine ganze Aufmerksamkeit. #liebenwir Spulen wir aber erst einmal zurück und klären vorab: Wer ist Brigitte Reimann? Was hat die DDR damit zu tun? Und warum gehört das Buch zu einer literarischen Sensation, wenn es doch bereits im Jahr 1963 veröffentlich wurde? Sind wir hier eigentlich bei #dersendungmitderbüchermaus – na ja nicht ganz, aber wäre doch ein cooler Titel für eine Literatursendung, oder? Genug gequatscht. Los gehts. Die ZDF-Fernsehkritik „Das literarische Quartett“ beschrieb Brigitte Reimann am 24.04.1998 mit den Worten: „Die Autorin ist 1933 geboren und mit nicht ganz 40 Jahren an Krebs gestorben. Zu ihren Lebzeiten war sie ein Star im literarischen Leben der DDR. Sie war jung, sie war schön und sie war erfolgreich“. In einem biographischen Reimann-Roman heißt es: Die Autorin sei „leidenschaftlich und empfindsam, voller Neugier und Zweifel; angestrengt bis zur Erschöpfung arbeitend, streitbar in Auseinandersetzungen und immer auch auf der Suche nach der Liebe“. Und zu guter Letzt beschreibt eine Rezensentin Brigitte Reimann mit reißerischen Attributen: „rastlos, lebenshungrig, exzessiv, selbstzerstörerisch“. Eine geborene Femme Fatale, Skandalautorin oder auch die „schreibende Frida Kahlo des Ostens“. Kommen wir zur zweiten Frage: Was hat die DDR damit zu tun? Brigitte Reimann ist eine DDR-Schriftstellerin. Das bedeutet, dass die Autorin in der DDR gelebt und gearbeitet hat und ihre Werke in dieser Zeit entstanden sind wie bspw. „Die Geschwister“. Die Schriftsteller:innen wurden stark von der Regierung und der Partei beeinflusst. Es gab eine starke Zensur, die dafür sorgte, dass nur Bücher veröffentlich wurden, die der sozialistischen Ideologie entsprachen. Das ist mein Stichpunkt für die dritte und damit letzte Frage: Und warum gehört das Buch zu einer literarischen Sensation, wenn es doch bereits im Jahr 1963 veröffentlich wurde? Wie ihr euch bereits denken könnt, litt auch die Autorin Brigitte Reimann unter der Zensur. In ihrem wichtigsten Roman „Die Geschwister“, das zu ihren Lebzeiten erschien, erzählt die Autorin die autofiktionale Geschichte der jungen Malerin Elisabeth, die Ostern 1961 erfährt, dass auch ihr über alles geliebter zweiter Bruder in den Westen gehen will, weil er in der DDR keine Zukunft sieht. Dass das Buch in der DDR trotz Zensurverfahren überhaupt erschienen durfte, mag aus heutiger Sicht angesichts der darin enthaltenen kritischen Töne überraschen. Umso sensationeller ist der Pfund des originalen Manuskripts im Frühjahr 2022 im Keller des ehemaligen Wohnhauses der Autorin. Erstmalig ist der Literatur(wissenschaft) ein Vergleich der zensierten Fassung aus dem Jahr 1963 und der unzensierten Fassung aus dem Jahr 2023 möglich.
Feb 22, 2023
Anlässlich ihres 50. Todestages erscheint der Roman „Die Geschwister“, welche nicht nur ein DDR-Roman ist, sondern zugleich auch ein Generations- und Familienroman ist, der die Zeit des geteilten Deutschlands präzise und auf einer emotional-persönlichen Figurenebene beschreibt. Ein empfehlenswerter Romanfür alle, die tiefer in die deutsche Literatur eintauchen wollen und den Zeitgeist der DDR hautnah erleben möchten.
Bekannterweise kann der erste Satz im Roman sehr wichtig sein, da er oft als Einstiegspunkt dient, um in die Handlung einzuführen. In der Neuausgabe von Brigitte Reimanns Roman „Die Geschwister“ wirft mich der erste Satz (media in res) mitten ins Geschehen der Handlung und fesselt auf Anhieb meine ganze Aufmerksamkeit. #liebenwir Spulen wir aber erst einmal zurück und klären vorab: Wer ist Brigitte Reimann? Was hat die DDR damit zu tun? Und warum gehört das Buch zu einer literarischen Sensation, wenn es doch bereits im Jahr 1963 veröffentlich wurde? Sind wir hier eigentlich bei #dersendungmitderbüchermaus – na ja nicht ganz, aber wäre doch ein cooler Titel für eine Literatursendung, oder? Genug gequatscht. Los gehts. Die ZDF-Fernsehkritik „Das literarische Quartett“ beschrieb Brigitte Reimann am 24.04.1998 mit den Worten: „Die Autorin ist 1933 geboren und mit nicht ganz 40 Jahren an Krebs gestorben. Zu ihren Lebzeiten war sie ein Star im literarischen Leben der DDR. Sie war jung, sie war schön und sie war erfolgreich“. In einem biographischen Reimann-Roman heißt es: Die Autorin sei „leidenschaftlich und empfindsam, voller Neugier und Zweifel; angestrengt bis zur Erschöpfung arbeitend, streitbar in Auseinandersetzungen und immer auch auf der Suche nach der Liebe“. Und zu guter Letzt beschreibt eine Rezensentin Brigitte Reimann mit reißerischen Attributen: „rastlos, lebenshungrig, exzessiv, selbstzerstörerisch“. Eine geborene Femme Fatale, Skandalautorin oder auch die „schreibende Frida Kahlo des Ostens“. Kommen wir zur zweiten Frage: Was hat die DDR damit zu tun? Brigitte Reimann ist eine DDR-Schriftstellerin. Das bedeutet, dass die Autorin in der DDR gelebt und gearbeitet hat und ihre Werke in dieser Zeit entstanden sind wie bspw. „Die Geschwister“. Die Schriftsteller:innen wurden stark von der Regierung und der Partei beeinflusst. Es gab eine starke Zensur, die dafür sorgte, dass nur Bücher veröffentlich wurden, die der sozialistischen Ideologie entsprachen. Das ist mein Stichpunkt für die dritte und damit letzte Frage: Und warum gehört das Buch zu einer literarischen Sensation, wenn es doch bereits im Jahr 1963 veröffentlich wurde? Wie ihr euch bereits denken könnt, litt auch die Autorin Brigitte Reimann unter der Zensur. In ihrem wichtigsten Roman „Die Geschwister“, das zu ihren Lebzeiten erschien, erzählt die Autorin die autofiktionale Geschichte der jungen Malerin Elisabeth, die Ostern 1961 erfährt, dass auch ihr über alles geliebter zweiter Bruder in den Westen gehen will, weil er in der DDR keine Zukunft sieht. Dass das Buch in der DDR trotz Zensurverfahren überhaupt erschienen durfte, mag aus heutiger Sicht angesichts der darin enthaltenen kritischen Töne überraschen. Umso sensationeller ist der Pfund des originalen Manuskripts im Frühjahr 2022 im Keller des ehemaligen Wohnhauses der Autorin. Erstmalig ist der Literatur(wissenschaft) ein Vergleich der zensierten Fassung aus dem Jahr 1963 und der unzensierten Fassung aus dem Jahr 2023 möglich.
Feb 22, 2023






