Die Ermittlung
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Description
Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der Auschwitz-Prozeß statt, in dem die für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie Verantwortlichen vor Gericht standen. Peter Weiss hat in seinem 1965 gleichzeitig an 15 Orten uraufgeführten dokumentarischen Theaterstück die Fakten über diese Hölle auf Erden, die im Prozeß zur Sprache kamen, in Gesängen gestaltet: Gesang von der Rampe, Gesang vom Lager, Gesang vom Bunkerblock. In ihnen wurden Täter und Opfer miteinander konfrontiert, und auf diese Weise wird, gerade durch den Verzicht der Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Betonung der funktionalen Aspekte, das Grauen dieser Tötungsfabrik deutlich. Zugleich wird die Möglichkeit gezeigt, daß sich ähnliches wiederholen könnte, und die Notwendigkeit, dies zu verhindern.
Book Information
Author Description
Peter Weiss wurde am 8. November 1916 in Nowawes bei Berlin geboren und starb am 10. Mai 1982 in Stockholm. Zwischen 1918 und 1929 lebte er in Bremen, wo er das Gymnasium besuchte. 1929 kehrte die Familie Weiss nach Berlin zurück, musste jedoch 1934 emigrieren. Die erste Station bildete London, darauf folgte 1936 die SR. In diesen Jahren widmete sich Peter Weiss vorwiegend der Malerei – 1937/1938 studierte er Malerei an der Kunstakademie in Prag. In dieser Zeit besuchte er Hermann Hesse während zweier längerer Aufenthalte in der Schweiz. Die dritte und letzte Emigrationsstation bildete 1939 Schweden, wo Peter Weiss zunächst in Alingsås, ab 1940 in Stockholm wohnte. Hier setzte er seine Tätigkeit als Maler fort. 1947 hielt er sich als Korrespondent einer schwedischen Tagesszeitung in Berlin auf. Seine Artikel versammelte er 1948 zu seiner ersten Buchpublikation. Der Band erschien posthum 1985 unter dem Titel Die Besiegten. Ab diesem Zeitraum entstanden, in schwedischer Sprache, die ersten Prosaarbeiten, Gedichte, und Dramen. Zu den wichtigsten Erzählungen aus dieser Schaffensperiode zählen Die Situation aus dem Jahre 1956 sowie das 1980 unter dem Autorenpseudonym Sinclair veröffentlichte Buch Der Fremde. Keines seiner Manuskripte wurde jedoch von einem schwedischen Verlag zur Publikation angenommen. Mitte der fünfziger Jahre begann Peter Weiss in deutscher Sprache zu schreiben. 1960 erschien sein erstes Prosabuch Der Schatten des Körpers des Kutschers. Zu Beginn der siebziger Jahre wand sich Peter Weiss wieder der Prosa zu. Zwischen 1975 und 1981 erschien der dreibändige Roman Die Ästhetik des Widerstands, deren letzter Band begleitet wird von Notizbücher 1971 – 1980. Ihm wurde posthum der Georg-Büchner-Preis für das Jahr 1982 zuerkannt.
Posts
In diesem Theaterstück wird der erste Frankfurter Prozess (danke für die Korrektur) dargestellt. Die Aussagen werden hier als Gesänge bezeichnet. Die Aussagen sind sehr nüchtern und es gibt keine verbalen Reaktionen auf sie, außer dass ein Angeklagter mal dazwischenruft, dass das gelogen is und er ja von nichts wusste. Die Aussagen bestätigen vieles, was man über Auschwitz weiß, stellenweise sind die individuellen Erlebnisse absolut hart! Es lohnt sich sehr, das zu lesen!
Schonungslos, notwendig und tief bewegend
Peter Weiss’ "Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen" ist ein Theaterstück, das sich mit den Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz auseinandersetzt. Es basiert auf den Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965) und gibt in sachlicher Sprache Zeugenaussagen und die Aussagen der Angeklagten wieder. Das Stück verzichtet auf klassische Figuren oder eine Handlung im üblichen Sinn — es lässt die grausamen Taten durch die nüchterne Schilderung der Beteiligten für sich sprechen. Entstanden ist "Die Ermittlung" Mitte der 1960er Jahre, als die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik noch längst nicht selbstverständlich war. Der Auschwitz-Prozess war ein Meilenstein, weil er nicht nur das Ausmaß der Verbrechen öffentlich machte, es war zudem der erste Prozess, bei dem Nazi-Verbrechen von einem deutschen Gericht verhandelt wurde. Peter Weiss schuf mit seinem dokumentarischen Theater ein Werk, das nicht nur die juristische Aufarbeitung, sondern auch die gesellschaftliche Erinnerung unterstützen und fordern wollte. Zu dieser Zeit sprach man nicht über das Vergangene. Es herrschte eine "Mauer des Schweigens", die durch diesen Prozess eingerissen wurde. Zum ersten Mal wurde der deutschen Gesellschaft aufgezeigt, welch industiralisierte Tötungsmaschinerie hinter all den "Umsiedlungen" stand. "Die Ermittlung" war das erste Buch, das ich dieses Jahr beendet habe, und es wird mich sicher noch lange begleiten. Das liegt nicht nur daran, dass ich mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit intensiver damit beschäftigt habe — dieses Stück entfaltet ganz unabhängig davon eine enorme Wucht. Peter Weiss bringt darin die grausamen Verbrechen von Auschwitz auf die Bühne, ohne diese explizit darzustellen. Grundlage sind die Protokolle des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965), der eine zentrale Rolle in der juristischen und öffentlichen Aufarbeitung der NS-Verbrechen spielte. Die Ermittlung verzichtet auf klassische Erzählstrukturen oder ausgeschmückte Figuren. Stattdessen sprechen Zeugen, Überlebende und Angeklagte fast protokollhaft und sachlich. Gerade diese Nüchternheit macht das Stück so erschütternd. Das Stück folgt keiner chronologischen Erzählstruktur, sondern zeigt die einzelnen "Stationen", die man in Auschwitz durchlaufen konnte beispielsweise in "Der Gesang von der Rampe" (Ankunft und Selektion), "Der Gesang vom Fenol" (eine der zahlreichen Hinrichtungsarten) oder "Der Gesang von den Feueröfen". Beim Lesen musste ich immer wieder innehalten. Die Kälte der Aussagen, die sachliche Schilderung unvorstellbarer Grausamkeit — all das trifft einen umso mehr, weil es ohne jede literarische Beschönigung auskommt. Das Stück zwingt einen, genau hinzusehen, nicht auszuweichen und sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Nur wenig ist an den Aussagen verändert worden, beispielsweise hat Weiss einige zeitliche Verdichtungen vorgenommen, um einige Widersprüche in den Aussagen deutlicher zu machen. Mich hat sehr beeindruckt, wie es Peter Weiss schafft, ohne Pathos eine enorme emotionale Wucht zu erzeugen. Hinter der sachlichen Fassade spürt man die Dringlichkeit, die Wahrheit festzuhalten und der Opfer zu gedenken. Gerade heute wirkt das Stück dadurch aktueller denn je. Die Ermittlung ist alles andere als leichte Lektüre — aber sie ist notwendig. Für mich war es ein tief bewegender und kraftvoller Start ins Lesejahr, der mich lange nicht loslassen wird.
Peter Weiss widmet sich dem schrecklichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte in kalter, klarer, reduzierter Sprache, die unter die Haut geht. ,,Die Ermittlung" versteht sich allerdings nicht nur als reine Vergangenheitsaufarbeitung, sondern auch als direkte Kritik am Umgang mit dem Nationalsozialismus, sowohl kurz nach seinem Ende als auch in der Gegenwart.
58. Buch im Jahr 2023 Das war wirklich alles andere als eine leichte Lektüre. Ich musste es für die Uni lesen und einige meiner Kommilitoninnen konnten es nicht mal fertig lesen, da es so grausam war. Es ist tatsächlich an Brutalität kaum zu überbieten und da es ja eben um wahre Ereignisse geht ist das nur umso schlimmer. Ich finde es ist aber sehr wichtig sich dieser Grausamkeit bewusst zu sein und auf keinen Fall zu vergessen was damals passiert ist und deshalb finde ich es auch mal wichtig so etwas zu lesen. Es kommt mir falsch vor so ein Buch mit Sternen zu bewerten, deswegen mache ich das auch nicht, aber ich fand es gut zu lesen und eben wie gesagt auch wichtig.
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Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der Auschwitz-Prozeß statt, in dem die für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie Verantwortlichen vor Gericht standen. Peter Weiss hat in seinem 1965 gleichzeitig an 15 Orten uraufgeführten dokumentarischen Theaterstück die Fakten über diese Hölle auf Erden, die im Prozeß zur Sprache kamen, in Gesängen gestaltet: Gesang von der Rampe, Gesang vom Lager, Gesang vom Bunkerblock. In ihnen wurden Täter und Opfer miteinander konfrontiert, und auf diese Weise wird, gerade durch den Verzicht der Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Betonung der funktionalen Aspekte, das Grauen dieser Tötungsfabrik deutlich. Zugleich wird die Möglichkeit gezeigt, daß sich ähnliches wiederholen könnte, und die Notwendigkeit, dies zu verhindern.
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Author Description
Peter Weiss wurde am 8. November 1916 in Nowawes bei Berlin geboren und starb am 10. Mai 1982 in Stockholm. Zwischen 1918 und 1929 lebte er in Bremen, wo er das Gymnasium besuchte. 1929 kehrte die Familie Weiss nach Berlin zurück, musste jedoch 1934 emigrieren. Die erste Station bildete London, darauf folgte 1936 die SR. In diesen Jahren widmete sich Peter Weiss vorwiegend der Malerei – 1937/1938 studierte er Malerei an der Kunstakademie in Prag. In dieser Zeit besuchte er Hermann Hesse während zweier längerer Aufenthalte in der Schweiz. Die dritte und letzte Emigrationsstation bildete 1939 Schweden, wo Peter Weiss zunächst in Alingsås, ab 1940 in Stockholm wohnte. Hier setzte er seine Tätigkeit als Maler fort. 1947 hielt er sich als Korrespondent einer schwedischen Tagesszeitung in Berlin auf. Seine Artikel versammelte er 1948 zu seiner ersten Buchpublikation. Der Band erschien posthum 1985 unter dem Titel Die Besiegten. Ab diesem Zeitraum entstanden, in schwedischer Sprache, die ersten Prosaarbeiten, Gedichte, und Dramen. Zu den wichtigsten Erzählungen aus dieser Schaffensperiode zählen Die Situation aus dem Jahre 1956 sowie das 1980 unter dem Autorenpseudonym Sinclair veröffentlichte Buch Der Fremde. Keines seiner Manuskripte wurde jedoch von einem schwedischen Verlag zur Publikation angenommen. Mitte der fünfziger Jahre begann Peter Weiss in deutscher Sprache zu schreiben. 1960 erschien sein erstes Prosabuch Der Schatten des Körpers des Kutschers. Zu Beginn der siebziger Jahre wand sich Peter Weiss wieder der Prosa zu. Zwischen 1975 und 1981 erschien der dreibändige Roman Die Ästhetik des Widerstands, deren letzter Band begleitet wird von Notizbücher 1971 – 1980. Ihm wurde posthum der Georg-Büchner-Preis für das Jahr 1982 zuerkannt.
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In diesem Theaterstück wird der erste Frankfurter Prozess (danke für die Korrektur) dargestellt. Die Aussagen werden hier als Gesänge bezeichnet. Die Aussagen sind sehr nüchtern und es gibt keine verbalen Reaktionen auf sie, außer dass ein Angeklagter mal dazwischenruft, dass das gelogen is und er ja von nichts wusste. Die Aussagen bestätigen vieles, was man über Auschwitz weiß, stellenweise sind die individuellen Erlebnisse absolut hart! Es lohnt sich sehr, das zu lesen!
Schonungslos, notwendig und tief bewegend
Peter Weiss’ "Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen" ist ein Theaterstück, das sich mit den Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz auseinandersetzt. Es basiert auf den Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965) und gibt in sachlicher Sprache Zeugenaussagen und die Aussagen der Angeklagten wieder. Das Stück verzichtet auf klassische Figuren oder eine Handlung im üblichen Sinn — es lässt die grausamen Taten durch die nüchterne Schilderung der Beteiligten für sich sprechen. Entstanden ist "Die Ermittlung" Mitte der 1960er Jahre, als die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik noch längst nicht selbstverständlich war. Der Auschwitz-Prozess war ein Meilenstein, weil er nicht nur das Ausmaß der Verbrechen öffentlich machte, es war zudem der erste Prozess, bei dem Nazi-Verbrechen von einem deutschen Gericht verhandelt wurde. Peter Weiss schuf mit seinem dokumentarischen Theater ein Werk, das nicht nur die juristische Aufarbeitung, sondern auch die gesellschaftliche Erinnerung unterstützen und fordern wollte. Zu dieser Zeit sprach man nicht über das Vergangene. Es herrschte eine "Mauer des Schweigens", die durch diesen Prozess eingerissen wurde. Zum ersten Mal wurde der deutschen Gesellschaft aufgezeigt, welch industiralisierte Tötungsmaschinerie hinter all den "Umsiedlungen" stand. "Die Ermittlung" war das erste Buch, das ich dieses Jahr beendet habe, und es wird mich sicher noch lange begleiten. Das liegt nicht nur daran, dass ich mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit intensiver damit beschäftigt habe — dieses Stück entfaltet ganz unabhängig davon eine enorme Wucht. Peter Weiss bringt darin die grausamen Verbrechen von Auschwitz auf die Bühne, ohne diese explizit darzustellen. Grundlage sind die Protokolle des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965), der eine zentrale Rolle in der juristischen und öffentlichen Aufarbeitung der NS-Verbrechen spielte. Die Ermittlung verzichtet auf klassische Erzählstrukturen oder ausgeschmückte Figuren. Stattdessen sprechen Zeugen, Überlebende und Angeklagte fast protokollhaft und sachlich. Gerade diese Nüchternheit macht das Stück so erschütternd. Das Stück folgt keiner chronologischen Erzählstruktur, sondern zeigt die einzelnen "Stationen", die man in Auschwitz durchlaufen konnte beispielsweise in "Der Gesang von der Rampe" (Ankunft und Selektion), "Der Gesang vom Fenol" (eine der zahlreichen Hinrichtungsarten) oder "Der Gesang von den Feueröfen". Beim Lesen musste ich immer wieder innehalten. Die Kälte der Aussagen, die sachliche Schilderung unvorstellbarer Grausamkeit — all das trifft einen umso mehr, weil es ohne jede literarische Beschönigung auskommt. Das Stück zwingt einen, genau hinzusehen, nicht auszuweichen und sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Nur wenig ist an den Aussagen verändert worden, beispielsweise hat Weiss einige zeitliche Verdichtungen vorgenommen, um einige Widersprüche in den Aussagen deutlicher zu machen. Mich hat sehr beeindruckt, wie es Peter Weiss schafft, ohne Pathos eine enorme emotionale Wucht zu erzeugen. Hinter der sachlichen Fassade spürt man die Dringlichkeit, die Wahrheit festzuhalten und der Opfer zu gedenken. Gerade heute wirkt das Stück dadurch aktueller denn je. Die Ermittlung ist alles andere als leichte Lektüre — aber sie ist notwendig. Für mich war es ein tief bewegender und kraftvoller Start ins Lesejahr, der mich lange nicht loslassen wird.
Peter Weiss widmet sich dem schrecklichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte in kalter, klarer, reduzierter Sprache, die unter die Haut geht. ,,Die Ermittlung" versteht sich allerdings nicht nur als reine Vergangenheitsaufarbeitung, sondern auch als direkte Kritik am Umgang mit dem Nationalsozialismus, sowohl kurz nach seinem Ende als auch in der Gegenwart.
58. Buch im Jahr 2023 Das war wirklich alles andere als eine leichte Lektüre. Ich musste es für die Uni lesen und einige meiner Kommilitoninnen konnten es nicht mal fertig lesen, da es so grausam war. Es ist tatsächlich an Brutalität kaum zu überbieten und da es ja eben um wahre Ereignisse geht ist das nur umso schlimmer. Ich finde es ist aber sehr wichtig sich dieser Grausamkeit bewusst zu sein und auf keinen Fall zu vergessen was damals passiert ist und deshalb finde ich es auch mal wichtig so etwas zu lesen. Es kommt mir falsch vor so ein Buch mit Sternen zu bewerten, deswegen mache ich das auch nicht, aber ich fand es gut zu lesen und eben wie gesagt auch wichtig.








