Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade

Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade

Softcover
4.36
SchuleFranzösische RevolutionStudiumTheaterstück

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Description

Diese Ausgabe der »Suhrkamp BasisBibliothek - Arbeitstexte für Schule und Studium« bietet nicht nur Peter Weiss' Drama Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats in einer neu durchgesehenen und korrigierten Fassung, sondern auch einen Kommentar, der alle für das Verständnis des Buches erforderlichen Informationen enthält: eine Zeittafel zu Leben und Werk Peter Weiss', Interpretationsansätze, die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Textes, Literaturhinweise sowie detaillierte Wort- und Sacherläuterungen mit zahlreichen historischen Dokumenten.

Book Information

Main Genre
Young Adult Books
Sub Genre
Educational material
Format
Softcover
Pages
180
Price
10.30 €

Author Description

Peter Weiss wurde am 8. November 1916 in Nowawes bei Berlin geboren und starb am 10. Mai 1982 in Stockholm. Zwischen 1918 und 1929 lebte er in Bremen, wo er das Gymnasium besuchte. 1929 kehrte die Familie Weiss nach Berlin zurück, musste jedoch 1934 emigrieren. Die erste Station bildete London, darauf folgte 1936 die SR. In diesen Jahren widmete sich Peter Weiss vorwiegend der Malerei – 1937/1938 studierte er Malerei an der Kunstakademie in Prag. In dieser Zeit besuchte er Hermann Hesse während zweier längerer Aufenthalte in der Schweiz. Die dritte und letzte Emigrationsstation bildete 1939 Schweden, wo Peter Weiss zunächst in Alingsås, ab 1940 in Stockholm wohnte. Hier setzte er seine Tätigkeit als Maler fort. 1947 hielt er sich als Korrespondent einer schwedischen Tagesszeitung in Berlin auf. Seine Artikel versammelte er 1948 zu seiner ersten Buchpublikation. Der Band erschien posthum 1985 unter dem Titel Die Besiegten. Ab diesem Zeitraum entstanden, in schwedischer Sprache, die ersten Prosaarbeiten, Gedichte, und Dramen. Zu den wichtigsten Erzählungen aus dieser Schaffensperiode zählen Die Situation aus dem Jahre 1956 sowie das 1980 unter dem Autorenpseudonym Sinclair veröffentlichte Buch Der Fremde. Keines seiner Manuskripte wurde jedoch von einem schwedischen Verlag zur Publikation angenommen. Mitte der fünfziger Jahre begann Peter Weiss in deutscher Sprache zu schreiben. 1960 erschien sein erstes Prosabuch Der Schatten des Körpers des Kutschers. Zu Beginn der siebziger Jahre wand sich Peter Weiss wieder der Prosa zu. Zwischen 1975 und 1981 erschien der dreibändige Roman Die Ästhetik des Widerstands, deren letzter Band begleitet wird von Notizbücher 1971 – 1980. Ihm wurde posthum der Georg-Büchner-Preis für das Jahr 1982 zuerkannt.

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Peter Weiss lässt Marquis de Sade im Jahr 1808 im "Irrenhaus/Nervenklinik/Hospiz/totale Institution" von Charenton ein Stück über die Ermordung des Revolutionärs Jean Paul Marat (1793) inszenieren. Die Darsteller sind die Patienten der Anstalt. Das erzeugt eine ständige Spannung – man weiß nie, was zum Skript gehört und wann der echte Wahnsinn der Insassen durchbricht. Das Stück ist im Kern ein Streitgespräch zwischen zwei Extremen. ​Marat - als der politische Erlöser - ist der radikale Optimist der Tat. Er glaubt, dass man die Welt durch Veränderung der äußeren Umstände (Revolution, Gesetze, Gewalt) heilen kann. Er sitzt fast das ganze Stück über in einer Badewanne (wegen einer Hautkrankheit), was seine verletzliche, fast märtyrerhafte Position unterstreicht. ​Sade - als der radikale Individualist - hält Marats Bemühungen für naiv. Für Sade ist die Natur des Menschen grausam und unbezähmbar. Er glaubt nicht an gesellschaftlichen Fortschritt, sondern nur an die absolute Freiheit des Einzelnen – selbst wenn diese in die Selbstzerstörung oder Grausamkeit führt. Sade: „Marat diese Gefängnisse des Geistes sind viel schlimmer als die tiefsten steinernen Verliese Ich sage dir es gibt keine Gerechtigkeit nur die Natur ist gerecht und sie kennt kein Mitleid Die Natur zerstört alles was sie geschaffen hat und wir wenn wir zerstören tun nichts anderes als die Natur nachzuahmen“ Als Leser wird man in eine unangenehme Position gebracht. Man versteht Marats Idealismus, aber man sieht auch, dass seine Revolution in Blut badet. Auf der anderen Seite ist Sades Ehrlichkeit bestechend, aber seine totale Ich-Bezogenheit zutiefst verstörend. Peter Weiss liefert keine Lösung. Das Stück endet im Chaos. Die Patienten proben den Aufstand, die Grenze zwischen Spiel und Realität löst sich auf. Es ist eine Warnung davor, dass sowohl die reine politische Ideologie (Marat) als auch der reine Rückzug ins Private (Sade) in eine Sackgasse führen können, wenn sie den Bezug zur menschlichen Realität verlieren. ​Das Buch ist ein regelrechter Rausch aus Rhythmus, philosophischen Wortgefechten und ekstatischer Atmosphäre. Die Ekstase entsteht bei Weiss dadurch, dass die unterdrückten Insassen ihre Rollen mit einer Energie füllen, die über das bloße Schauspiel hinausgeht. Es ist eine Atmosphäre des permanenten Ausbruchs. Sade nutzt diesen Wahnsinn als Leinwand für seine radikale Philosophie, während die Anstaltsleitung (vertreten durch Coulmier) ständig versucht, diese ekstatischen Momente zu zensieren und zu glätten.

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Peter Weiss lässt Marquis de Sade im Jahr 1808 im "Irrenhaus/Nervenklinik/Hospiz/totale Institution" von Charenton ein Stück über die Ermordung des Revolutionärs Jean Paul Marat (1793) inszenieren. Die Darsteller sind die Patienten der Anstalt. Das erzeugt eine ständige Spannung – man weiß nie, was zum Skript gehört und wann der echte Wahnsinn der Insassen durchbricht.Das Stück ist im Kern ein Streitgespräch zwischen zwei Extremen. ​Marat - als der politische Erlöser - ist der radikale Optimist der Tat. Er glaubt, dass man die Welt durch Veränderung der äußeren Umstände (Revolution, Gesetze, Gewalt) heilen kann. Er sitzt fast das ganze Stück über in einer Badewanne (wegen einer Hautkrankheit), was seine verletzliche, fast märtyrerhafte Position unterstreicht.​Sade - als der radikale Individualist - hält Marats Bemühungen für naiv. Für Sade ist die Natur des Menschen grausam und unbezähmbar. Er glaubt nicht an gesellschaftlichen Fortschritt, sondern nur an die absolute Freiheit des Einzelnen – selbst wenn diese in die Selbstzerstörung oder Grausamkeit führt.Sade:„Maratdiese Gefängnisse des Geistessind viel schlimmer als die tiefsten steinernen VerlieseIch sage dires gibt keine Gerechtigkeitnur die Natur ist gerechtund sie kennt kein MitleidDie Natur zerstört alles was sie geschaffen hatund wirwenn wir zerstörentun nichts anderes als die Natur nachzuahmen“Als Leser wird man in eine unangenehme Position gebracht. Man versteht Marats Idealismus, aber man sieht auch, dass seine Revolution in Blut badet. Auf der anderen Seite ist Sades Ehrlichkeit bestechend, aber seine totale Ich-Bezogenheit zutiefst verstörend. Peter Weiss liefert keine Lösung. Das Stück endet im Chaos. Die Patienten proben den Aufstand, die Grenze zwischen Spiel und Realität löst sich auf. Es ist eine Warnung davor, dass sowohl die reine politische Ideologie (Marat) als auch der reine Rückzug ins Private (Sade) in eine Sackgasse führen können, wenn sie den Bezug zur menschlichen Realität verlieren. ​Das Buch ist ein regelrechter Rausch aus Rhythmus, philosophischen Wortgefechten und ekstatischer Atmosphäre. Die Ekstase entsteht bei Weiss dadurch, dass die unterdrückten Insassen ihre Rollen mit einer Energie füllen, die über das bloße Schauspiel hinausgeht. Es ist eine Atmosphäre des permanenten Ausbruchs. Sade nutzt diesen Wahnsinn als Leinwand für seine radikale Philosophie, während die Anstaltsleitung (vertreten durch Coulmier) ständig versucht, diese ekstatischen Momente zu zensieren und zu glätten.

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