Die Dame mit der bemalten Hand
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"So klein," seufzte Musa. "Ihr seht das ganze Weibsbild in den paar Sternen. Wir sehen dort nur ihre bemalte Hand." "Und wo ist der Rest?" ... Niebuhr blickte die Sterne an. Er spreizte die Finger der Rechten und blickte auch diese an und dann Meister Musa. Seine Gereiztheit schien verflogen. Etwas wie Kummer schlich sich in seine Miene. Er ballte die Hände zu Fäusten und öffnete sie wieder. Dann formulierte er mit Sorgfalt: "Wir glotzen alle in denselben Himmel und sehen verschiedene Bilder." " >Glotzen< ist kein schönes Wort," rügte Musa. "Ich meine >glotzen<! Ich meine >hilflos, blöd und hoffnungslos schauen<! Ich meine >Affen des Mundes zu Markte tragen<! Wir glotzen nach oben und erfinden große Gestalten und hängen sie in den Himmel. Ich eine Frau und du eine Hand und was weiß ich, was andere sehen. Und dann gibt es Streit. Es ist zum Erbarmen!" - Zitat, Seite 124 Es ist auch zum Erbarmen, dass diese kluge und humorvolle Schriftstellerin Christine Wunnicke für ihre hinreißende Prosa noch nicht den Deutschen Buchpreis erhalten hat, obwohl ihre Werke mehrfach nominiert wurden und sie auch zweimal in der Shortlist derselben zu finden waren. Mit dem vorliegenden Roman "Die Dame mit der bemalten Hand" war sie 2020 nominiert. Obwohl sich dieser Roman fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht liest, hat er einen historisch-realen Hintergrund. Im Jahre 1761 startete ein Forschungsteam mit fünf gelehrten Europäern die Reise in den Orient. Es war die Zeit der Aufklärung und mit der den Europäern eigenen Hybris ging man davon aus, dass der sogenannte Fortschritt in der Kultur des Orients noch nicht Einzug gehalten hätte. Tatsächlich ging man davon aus, dass die Kultur auf dem Stand der biblischen Urväter stehen geblieben sei und man die Beschreibungen des Propheten Mose ganz einfach mit den Gegebenheiten der Realität abgleichen könnte. Mit der "empirischen" Forschung beauftragt, stachen fünf Männer in die See, doch schließlich rafft die Krankheit Malaria einer nach dem anderen dahin, bis schließlich nur noch der junge Mathematiker Carsten Niebuhr aus Göttingen übrigbleibt, der beschließt von Bombay aus, wo er sich von seinem letzten Reisegefährten verabschieden musste, seine Reise fortzusetzen. Hier steigt der Roman mit einer fiktiven Geschichte in die historische Reise des Carsten Niebuhr ein. Auf der struppigen Insel Elephanta (auf der es keinen einzigen Elephanten gibt) begegnen sich der bremische Forschungsreisende, der eigentlich in Arabien sein sollte und Meister Musa (eine fiktive Figur), ein persischer Astrolabienbauer aus Jaipur, obwohl dieser in Mekka sein wollte. Während die beiden Gestrandeten auf ein Schiff zu ihrer Rettung warten unterhalten sie sich - so gut es geht - auf arabisch. Sie erzählen sich Geschichten, gehen sich auf die Nerven und blicken schlaflos in den Sternenhimmel. Vielleicht ist alles nur ein Fiebertraum, mit Affengebrüll und Ziegenfleisch als Beigabe, aber vielleicht ist es auch eine wunderbare Begegnung. Christine Wunnicke hat ein reichen Wortschatz und in diesen relativ kurzen Roman packt sie eine Geschichte von unglaublicher Dimension. Die Sprache ist dicht und mit allerlei Leckerbissen für den neugierigen Lesenden versehen. Wer sich von einer faszinierenden Geschichte über die Wunder der Verständigung mittels Sprache und menschlicher Verbindung verzaubern lassen möchte, sollte sich unbedingt diesen lebensklugen und humorvollen Roman zu Gemüte führen. FAZIT Auf die Autorin und ihr Werk aufmerksam, wurde ich durch einen Beitrag zu ihrem aktuellen Roman Wachs, durch Thoralf Czichon auf dessen YouTube Kanal LiteraturNews. Die Geschichte dieses Romans hatte mich jedoch auf Anhieb mehr angesprochen und die Lektüre hat meine Erwartungen übertroffen. Selten habe ich mich gleichzeitig so gut unterhalten und weitergebildet gefühlt. Ein amüsantes und lehrreichen Lesevergnügen! Unbedingt empfehlenswert.
»Großmächtiger Ruderschlag im präzisen Jetzt!« Dieses Buch, damit möchte ich gerne anfangen, macht einen Heidenspaß – wobei sich natürlich die Frage stellt, wer denn nun der Heide ist bei dieser Begegnung von Orient und Okzident. Hier treffen zwei Kulturkreise aufeinander, und das ist zum Teil historisch verbürgt, zum Teil in farbenfroher, detailverliebter Mär gar prächtig zusammengesponnen. Zusammen ergibt das eine Geschichte, die sich liest wie etwas aus 1001 Nacht und für deren Wahrheitsgehalt man doch insgeheim die Hand ins Feuer legen will, weil diese Begegnung so wunderbar und kostbar ist._ _ Bei aller Fabulierlust ist der Roman jedoch keineswegs unnötig ausschweifend – man kommt auf der letzten Seite an und staunt: nur 168 Seiten, tatsächlich? Wo die Erzählung ausschweift, tut sie das mit Bedacht und feinem Humor._ _ Treffen sich zwei Männer auf Abwegen…_ _ Carsten Niebuhr gab es wirklich, und er ging im Jahr 1761 tatsächlich als Mathematicus und Astronomus auf eine Forschungsreise, die vom Göttinger Theologen Johann David Michaelis auf die Beine gestellt und vom dänischen König finanziert wurde. Seine Aufgabe war es, den Wahrheitsgehalt biblischer Texte empirisch zu überprüfen – wie tief teilte zum Beispiel die Ebbe das Rote Meer?_ _ Zwei Dänen, zwei Deutsche und zwei Schweden wurden losgeschickt, doch nur Niebuhr sollte lebend zurückkehren. Die anderen Gelehrten starben auf der Reise nach und nach am Sumpffieber und vererbten Niebuhr ihre Fachgebiete: Sprachwissenschaft, Naturkunde, Zeichenkunst und Medizin, und so wurde aus dem Mathematiker notgedrungen ein Meister vieler Lehren._ _ Nunmehr war von unserer zahlreichen Gesellschaft Niemand mehr übrig als ich allein.«._ (Aus Niebuhrs Reisebericht)_ _ Christine Wunnicke leiht sich den echten Carsten Niebuhr aus und lässt ihn auf nicht in der Realität verwurzelte Abwege geraten – genauer gesagt auf die Insel Gharapuri vor Manbai, heute Mumbai. Dort befinden sich die Höhlen von Elephanta, eine Tempelanlage, die inzwischen zum Weltkulturerbe gehört, und in diesem Heiligtum erliegt Niebuhr fast ebenfalls dem Sumpffieber. Da trifft es sich gut, dass der persische Astronom und Astrolabienbauer Musa al-Lahuri ebenfalls auf der Insel gestrandet ist. Der war eigentlich auf dem Weg nach Mekka, fühlt sich aber jetzt bemüßigt, den bleichen Fremden aufzupäppeln._ _ Das ist der Auftakt einer so widerwilligen wie wunderbaren Freundschaft zwischen Meister Musa und “Kurdistan Nibbur” (wie Musa Niebuhrs Namen versteht) – aber auch der Auftakt eines wahren Feuerwerks von Wortwitz und urkomisch entgleister Übersetzungen. Musa ist ein wahrer Polyglott: er spricht Arabisch, Persisch und den Straßendialekt seiner Heimatstadt Jaipur, aber auch Griechich und Latein._ _ Wenn er sich in einer Situation wiederfindet, in der er dennoch Verständigungsprobleme hat, neigt er indes dazu, in ein so blumiges wie unverständliches Sanskrit zu verfallen. So hört es sich zum Beispiel an, als Musa von den Bewohnern der Insel die nötigen Materialien haben will, um den fiebernden Niebuhr am Feuer wärmen und mit einem feuchten Lappen waschen zu können:_ _ »Lasst Feuerbeschaffungsseile walten, oh Hundesöhne!« schrie Musa al-Lahuri. »Opfert ein Tuchgewirk, blitzgeschwind, denn ich will es betauen!« Wie er dieses Sanskrit verabscheute._ (Zitat)_ _ Niebuhr kann sich mit ihm nur mühsam in gebrochenem Arabisch verständigen und versucht dabei immer wieder, deutsche Redensarten unbeholfen übersetzt einzubringen, sehr zu Musas Erheiterung._ _ “Sein Arabisch war reichhaltig, falsch und lustig. Man verstand jedes Wort.”_ (Zitat)_ _ Hier unterhalten sich zwei Menschen aus vollkommen verschiedenen Kulturkreisen in einer Sprache, die für beide nicht die ihre ist. Dennoch geschieht eine echte Annäherung, auch wenn am Schluss offen bleibt, ob das Ganze nicht vielleicht doch nur ein Fiebertraum Niehbuhrs war. Aber es ist die Möglichkeit, die dieses Buch so bezaubernd macht. Die Möglichkeit, dass es wahr sein könnte._ _ Die Insel, auf der sich die beiden gestrandeten Reisenden wiederfinden, bietet mehr als genug Inspiration für Gedanken aller Art, so dass sich die Gespräche um die verschiedensten Themen drehen, oft mit linkischer Philosophie. Musa und Niebuhr haben zwar nicht genug kulturelle Gemeinsamkeiten, um die Verständigung einfach zu machen, aber immer mal wieder blitzt eine ehrliche zwischenmenschliche Empathie auf. Besonders die Szenen, in denen Niebuhrs Leben am seidenen Faden hängt, sind sehr rührend – dann beginnt Musa, ihm Geschichten zu erzählen, damit er nicht alleine sterben muss. Bei allen Missverständnissen ist der Austausch doch intensiv._ _ »Wir glotzen alle in den selben Himmel und sehen verschiedene Bilder.«_ »Glotzen ist kein schönes Wort«, rügte Musa._ »Ich meine ‘glotzen’! Ich meine ‘hilflos, blöd und hoffnungslos schauen’! Ich meine ‘Affen des Mundes zu Markte tragen’!« Wir glotzen nach oben und erfinden große Gestalten und hängen sie in den Himmel! Ich eine Frau und du eine Hand und was weiß ich, was andere shen. Und dann gibt es Streit. Es ist zum Erbarmen!«_ »Affen des Mundes?«_ (Zitat)_ _ Fazit_ _ Zwei Männer verschlägt es im Jahr 1764 auf die Insel Gharapuri vor Mumbai: den Bremer Mathematiker Carsten Niebuhr und den persischen Astronom und Astrolabienbauer Musa al-Lahuri. Beide wollten eigentlich ganz woanders sein – aber jetzt sind sie nun mal hier gestrandet und machen das Beste draus._ _ Erstmal muss Meister Musa den am Sumpffieber erkrankten Niebuhr wenigstens halbwegs wieder auf die Beine bringen. Dann verständigt man sich so gut es geht auf Arabisch, und das führt zu einem zum Schreien komischen Sprachgewirr, das Masus fantasievolle Geschichten noch unterhaltsamer macht. Doch nach und nach werden die Gespräche immer tiefgründiger, bis das Sumpffieber wieder aufflackert und Masu gegen das Sterben anerzählt…_ _ “Die Dame mit der bemalten Hand” ist ein ganz wunderbares Büchlein, das ich mit Sicherheit mehrmals lesen werde. Hier geht es um die Begegnung von Kulturen mit all den damit verbundenen Missverständnissen und Fallgruben, aber es liest sich auch einfach verdammt unterhaltsam. Klar wird außerdem: DEN Orient gibt es genauso wenig wie DEN Okzident. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-christine-wunnicke-die-dame-mit-der-bemalten-hand/
Das Buch erreichte mich über meinen Lesekreis per Post. Andernfalls hätte ich es mir sicher nicht ausgesucht und vermutlich auch abgebrochen. Manche Passagen sind völlig wirr, andere Passagen schön geschrieben und interessant. Da ich mich weder groß in Mathematik noch Astronomie auskenne, habe ich den wissenschaftlichen Passagen kaum folgen können und zugegebenermaßen auch nicht folgen wollen. Zudem weiß man im Laufe der Zeit nicht, was nun - in der Geschichte - Wahrheit oder Lüge ist. Aufgrund der einzelnen lesenswerten Höhepunkte hätte ich dem Buch 2 Sterne gegeben. Als ich aber dann die Danksagung gesehen und festgestellt habe, dass die Personen tatsächlich existierten, konnte dieser Realbezug dann doch noch einen Stern hinzuverdienen.
Leser*in sollte Liebhaber von orientalischen Erzählstil sein!
Es ist blumig, ausschweifend beschrieben und sehr Poetisch. Wer sich für Sternenkunde- den Orient und das Reisen Anno Dazumal interessiert, wird hellauf begeistert sein. Ich fand es sehr gut geschrieben, die Story an sich zog sich etwas. Allerdings sind die Kapitel nicht allzu lange, somit war das nicht so schlimm. An Orient- Fans, a la Geschichten aus "1000 und einer Nacht", meine ABSOLUTE LESE EMPFEHLUNG.

Macht richtig Spaß zu lesen und ist teilweise echt witzig. Ich habe eine obskure Erzählung erwartet, bei der ich die Hälfte nicht verstehe, weil ich die historischen Hintergründe nicht kenne. Stattdessen habe ich eine richtig nette Geschichte über kulturelle Unterschiede, sprachliche Missverständnisse und Freundschaft aus der Not bekommen. Besonders wie die Autorin die Unterschiede der verschiedenen Sprachen darstellt hat mir sehr gut gefallen.
Clash of Cultures oder wie der europäische Akademiker (in Gestalt von Ekelpaket Michaelis) sich im Mäntelchen der Wissenschaft wähnt, aber kein Interesse daran hat, sich eine evtl unbebequeme Sicht auf eine fremde Kultur eröffnen zu lassen, die den eigenen Vorurteilen zuwider läuft Oder wie wir alle in unserer Kultur gefangen sind Oder wie Sprache und die Liebe zur Astronomie die Grenzen sprengen und Verwirrung stiften- ein sonderbarer Tanz Als Hörbuch ist das Stück Kunst nur mäßig geeignet. Zu dicht und reichhaltig- da entgeht recht schnell der Bezug, die Feinheit, das tiefere Verständnis. Form, Inhalt, Sprache haben mich tief beeindruckt und berührt. Ich liebe alles an diesem Buch! Lese es jetzt direkt nochmal als eBook
Ich schaue ja gern auch mal über meinen Tellerrand hinaus und daher habe ich mir vorgenommen, ab sofort jedes Jahr min. ein Buch aus der Longlist des deutschen Buchpreises zu lesen. Das Buch, auf das meine Wahl fiel, hat es sogar in die Shortlist geschafft. Zurecht, wenn ihr mich fragt. Drei Männer, eine Insel und ein Tempel Das Buch versetzt uns ins Jahr 1764. Auf der kleinen Insel Elephanta (von den Portugiesen so, nach einer Elefantenstatue auf der Insel benannt), treffen zwei Männer aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zum einen Carsten Niebuhr, ein deutscher Forschungsreisender, dessen Expedition den Auftrag hat einen ganzen Fragekatalog an biblischen Fragen in Arabien zu klären. Doch Niebuhrs Mitreisende sterben alle an Fieber und ihn selbst verschlägt es ebenso fiebergeplagt nach Bombay und dann auf die kleine Insel Elephanta. Dort trifft er auf den persischen Astronomen Musa al-Lahuri und dessen Diener Malik. Die beiden warnena uf den Weg nach Mekka als eien Windstille sie auf der Insel stranden lies. Als dann das Schiff ohne sie abfährt, müssen die drei sich wohl oder übel für einige Zeit arrangieren. Bei 168 Seiten, hält sich die Autorin nicht lange mit Vorgeplänkel auf und konfrontiert sowohl den Leser, als auch ihre Figuren zügig mit dieser Situation. Was folgt, sind Tage auf der Insel voller Gespräche und Annäherungen. Das klingt im ersten Moment vielleicht langweilig, ist es aber überhaupt nicht, denn Christine Wunnicke beschreibt dieses Zusammentreffen der Kulturen sehr pointiert und amüsant. Als Erstes wäre da natürlich die Sprachbarriere. Meister Musa spricht Sanskrit, Persisch, Arabisch, Griechisch und Latein, während Niebuhrs Arabisch eher bruchstückhaft ist. Trotzdem schafft man es irgendwie sich zu verständigen, jedoch nicht ohne Missverständnisse, was wieder zu fast schon ulkigen Gesprächen führt, z.B. wenn Niebuhr versucht ein deutsches Sprichwort ins Arabische zu übersetzten oder Meister Musa einfache befehle im umständlichen Sanskrit ausdrücken muss. Man reden häufig aneinander vorbei und finden doch immer wieder auch Gemeinsamkeiten. Doch es sind natürlich nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Missverständnisse, die Thema dieses Buches sind und unter den beiden Männern für Verwirrung sorgen. Nicht zuletzt das titelgebende Sternbild, welches in Europa als Kassiopeia gesehen wird, in Indien hingegen Teil einer viel größeren Konstellation ist und das "Himmels-W" nur die bemalte Hand darstellt. Sehr treffend stellt Niebuhr fest: "Wir glotzen alle in denselben Himmel und sehen verschiedene Bilder! [...] Wir glotzen nach oben und erfinden große Gestalten und hängen sie in den Himmel. Ich eine Frau und du eine Hand und was weiß ich, was andere sehen. Und dann gibt es Streit. Es ist zum Erbarmen!" (Die Dame mit der bemalten Hand, Christine Wunnicke, Berenberg Verlag, S. 96 (Ebook Ausgabe)) Eine Feststellung, die man in ihrer Aussage noch heute bedenkenlos unterschreiben kann. Abgesehen von diesem gelungenen Aufeinandertreffen der Kulturen, ist Wunnickes Roman aber auch sprachlich einfach schön. Das merkt man besonders, wenn Meister Musa eine seiner Geschichten erzählt, in die man regelrecht versinken kann. Der ganze Roman fühlt sich dabei an, wie eine flüchtige Momentaufnahme. Eine kurze Begegnung, die eine Zeit widerspiegelt, in der Wissen und Glaube sich erst noch arrangieren müssen und das Weltbild der Menschen sich noch im Umschwung befindet. Genau zu dieser Zeit erleben wir ein Treffen, flüchtig, wie ein Traum und vielleicht war es das auch nur. Man weiß es nicht. Fazit: Die Dame mit der bemalten Hand ist eine sehr amüsante Momentaufnahme des Aufeinandertreffens zweier sehr unterschiedlicher Menschen und Kulturen, Missverständnisse inklusive. Eine kurze poetischer Erzählung, von der an am Ende nicht genau weiß, was wahr war oder nicht, die den Leser aber trotzdem mit einem guten Gefühl zurücklässt und die ich gern gelesen habe.
Die Dame mit der bemalten Hand ist schön geschrieben und mir gefällt auch das Setting: ein anspruchsvoller historischer Roman, der in Indien spielt. Es geht um Astronomie und um Philosophie, um unterschiedliche Kulturen, eigentlich alles interessante Themen. Doch leider ist die ganze Geschichte einfach nur unheimlich langweilig und mir wurde nicht ganz klar, welchen Sinn manche Teile davon haben sollten.
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"So klein," seufzte Musa. "Ihr seht das ganze Weibsbild in den paar Sternen. Wir sehen dort nur ihre bemalte Hand." "Und wo ist der Rest?" ... Niebuhr blickte die Sterne an. Er spreizte die Finger der Rechten und blickte auch diese an und dann Meister Musa. Seine Gereiztheit schien verflogen. Etwas wie Kummer schlich sich in seine Miene. Er ballte die Hände zu Fäusten und öffnete sie wieder. Dann formulierte er mit Sorgfalt: "Wir glotzen alle in denselben Himmel und sehen verschiedene Bilder." " >Glotzen< ist kein schönes Wort," rügte Musa. "Ich meine >glotzen<! Ich meine >hilflos, blöd und hoffnungslos schauen<! Ich meine >Affen des Mundes zu Markte tragen<! Wir glotzen nach oben und erfinden große Gestalten und hängen sie in den Himmel. Ich eine Frau und du eine Hand und was weiß ich, was andere sehen. Und dann gibt es Streit. Es ist zum Erbarmen!" - Zitat, Seite 124 Es ist auch zum Erbarmen, dass diese kluge und humorvolle Schriftstellerin Christine Wunnicke für ihre hinreißende Prosa noch nicht den Deutschen Buchpreis erhalten hat, obwohl ihre Werke mehrfach nominiert wurden und sie auch zweimal in der Shortlist derselben zu finden waren. Mit dem vorliegenden Roman "Die Dame mit der bemalten Hand" war sie 2020 nominiert. Obwohl sich dieser Roman fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht liest, hat er einen historisch-realen Hintergrund. Im Jahre 1761 startete ein Forschungsteam mit fünf gelehrten Europäern die Reise in den Orient. Es war die Zeit der Aufklärung und mit der den Europäern eigenen Hybris ging man davon aus, dass der sogenannte Fortschritt in der Kultur des Orients noch nicht Einzug gehalten hätte. Tatsächlich ging man davon aus, dass die Kultur auf dem Stand der biblischen Urväter stehen geblieben sei und man die Beschreibungen des Propheten Mose ganz einfach mit den Gegebenheiten der Realität abgleichen könnte. Mit der "empirischen" Forschung beauftragt, stachen fünf Männer in die See, doch schließlich rafft die Krankheit Malaria einer nach dem anderen dahin, bis schließlich nur noch der junge Mathematiker Carsten Niebuhr aus Göttingen übrigbleibt, der beschließt von Bombay aus, wo er sich von seinem letzten Reisegefährten verabschieden musste, seine Reise fortzusetzen. Hier steigt der Roman mit einer fiktiven Geschichte in die historische Reise des Carsten Niebuhr ein. Auf der struppigen Insel Elephanta (auf der es keinen einzigen Elephanten gibt) begegnen sich der bremische Forschungsreisende, der eigentlich in Arabien sein sollte und Meister Musa (eine fiktive Figur), ein persischer Astrolabienbauer aus Jaipur, obwohl dieser in Mekka sein wollte. Während die beiden Gestrandeten auf ein Schiff zu ihrer Rettung warten unterhalten sie sich - so gut es geht - auf arabisch. Sie erzählen sich Geschichten, gehen sich auf die Nerven und blicken schlaflos in den Sternenhimmel. Vielleicht ist alles nur ein Fiebertraum, mit Affengebrüll und Ziegenfleisch als Beigabe, aber vielleicht ist es auch eine wunderbare Begegnung. Christine Wunnicke hat ein reichen Wortschatz und in diesen relativ kurzen Roman packt sie eine Geschichte von unglaublicher Dimension. Die Sprache ist dicht und mit allerlei Leckerbissen für den neugierigen Lesenden versehen. Wer sich von einer faszinierenden Geschichte über die Wunder der Verständigung mittels Sprache und menschlicher Verbindung verzaubern lassen möchte, sollte sich unbedingt diesen lebensklugen und humorvollen Roman zu Gemüte führen. FAZIT Auf die Autorin und ihr Werk aufmerksam, wurde ich durch einen Beitrag zu ihrem aktuellen Roman Wachs, durch Thoralf Czichon auf dessen YouTube Kanal LiteraturNews. Die Geschichte dieses Romans hatte mich jedoch auf Anhieb mehr angesprochen und die Lektüre hat meine Erwartungen übertroffen. Selten habe ich mich gleichzeitig so gut unterhalten und weitergebildet gefühlt. Ein amüsantes und lehrreichen Lesevergnügen! Unbedingt empfehlenswert.
»Großmächtiger Ruderschlag im präzisen Jetzt!« Dieses Buch, damit möchte ich gerne anfangen, macht einen Heidenspaß – wobei sich natürlich die Frage stellt, wer denn nun der Heide ist bei dieser Begegnung von Orient und Okzident. Hier treffen zwei Kulturkreise aufeinander, und das ist zum Teil historisch verbürgt, zum Teil in farbenfroher, detailverliebter Mär gar prächtig zusammengesponnen. Zusammen ergibt das eine Geschichte, die sich liest wie etwas aus 1001 Nacht und für deren Wahrheitsgehalt man doch insgeheim die Hand ins Feuer legen will, weil diese Begegnung so wunderbar und kostbar ist._ _ Bei aller Fabulierlust ist der Roman jedoch keineswegs unnötig ausschweifend – man kommt auf der letzten Seite an und staunt: nur 168 Seiten, tatsächlich? Wo die Erzählung ausschweift, tut sie das mit Bedacht und feinem Humor._ _ Treffen sich zwei Männer auf Abwegen…_ _ Carsten Niebuhr gab es wirklich, und er ging im Jahr 1761 tatsächlich als Mathematicus und Astronomus auf eine Forschungsreise, die vom Göttinger Theologen Johann David Michaelis auf die Beine gestellt und vom dänischen König finanziert wurde. Seine Aufgabe war es, den Wahrheitsgehalt biblischer Texte empirisch zu überprüfen – wie tief teilte zum Beispiel die Ebbe das Rote Meer?_ _ Zwei Dänen, zwei Deutsche und zwei Schweden wurden losgeschickt, doch nur Niebuhr sollte lebend zurückkehren. Die anderen Gelehrten starben auf der Reise nach und nach am Sumpffieber und vererbten Niebuhr ihre Fachgebiete: Sprachwissenschaft, Naturkunde, Zeichenkunst und Medizin, und so wurde aus dem Mathematiker notgedrungen ein Meister vieler Lehren._ _ Nunmehr war von unserer zahlreichen Gesellschaft Niemand mehr übrig als ich allein.«._ (Aus Niebuhrs Reisebericht)_ _ Christine Wunnicke leiht sich den echten Carsten Niebuhr aus und lässt ihn auf nicht in der Realität verwurzelte Abwege geraten – genauer gesagt auf die Insel Gharapuri vor Manbai, heute Mumbai. Dort befinden sich die Höhlen von Elephanta, eine Tempelanlage, die inzwischen zum Weltkulturerbe gehört, und in diesem Heiligtum erliegt Niebuhr fast ebenfalls dem Sumpffieber. Da trifft es sich gut, dass der persische Astronom und Astrolabienbauer Musa al-Lahuri ebenfalls auf der Insel gestrandet ist. Der war eigentlich auf dem Weg nach Mekka, fühlt sich aber jetzt bemüßigt, den bleichen Fremden aufzupäppeln._ _ Das ist der Auftakt einer so widerwilligen wie wunderbaren Freundschaft zwischen Meister Musa und “Kurdistan Nibbur” (wie Musa Niebuhrs Namen versteht) – aber auch der Auftakt eines wahren Feuerwerks von Wortwitz und urkomisch entgleister Übersetzungen. Musa ist ein wahrer Polyglott: er spricht Arabisch, Persisch und den Straßendialekt seiner Heimatstadt Jaipur, aber auch Griechich und Latein._ _ Wenn er sich in einer Situation wiederfindet, in der er dennoch Verständigungsprobleme hat, neigt er indes dazu, in ein so blumiges wie unverständliches Sanskrit zu verfallen. So hört es sich zum Beispiel an, als Musa von den Bewohnern der Insel die nötigen Materialien haben will, um den fiebernden Niebuhr am Feuer wärmen und mit einem feuchten Lappen waschen zu können:_ _ »Lasst Feuerbeschaffungsseile walten, oh Hundesöhne!« schrie Musa al-Lahuri. »Opfert ein Tuchgewirk, blitzgeschwind, denn ich will es betauen!« Wie er dieses Sanskrit verabscheute._ (Zitat)_ _ Niebuhr kann sich mit ihm nur mühsam in gebrochenem Arabisch verständigen und versucht dabei immer wieder, deutsche Redensarten unbeholfen übersetzt einzubringen, sehr zu Musas Erheiterung._ _ “Sein Arabisch war reichhaltig, falsch und lustig. Man verstand jedes Wort.”_ (Zitat)_ _ Hier unterhalten sich zwei Menschen aus vollkommen verschiedenen Kulturkreisen in einer Sprache, die für beide nicht die ihre ist. Dennoch geschieht eine echte Annäherung, auch wenn am Schluss offen bleibt, ob das Ganze nicht vielleicht doch nur ein Fiebertraum Niehbuhrs war. Aber es ist die Möglichkeit, die dieses Buch so bezaubernd macht. Die Möglichkeit, dass es wahr sein könnte._ _ Die Insel, auf der sich die beiden gestrandeten Reisenden wiederfinden, bietet mehr als genug Inspiration für Gedanken aller Art, so dass sich die Gespräche um die verschiedensten Themen drehen, oft mit linkischer Philosophie. Musa und Niebuhr haben zwar nicht genug kulturelle Gemeinsamkeiten, um die Verständigung einfach zu machen, aber immer mal wieder blitzt eine ehrliche zwischenmenschliche Empathie auf. Besonders die Szenen, in denen Niebuhrs Leben am seidenen Faden hängt, sind sehr rührend – dann beginnt Musa, ihm Geschichten zu erzählen, damit er nicht alleine sterben muss. Bei allen Missverständnissen ist der Austausch doch intensiv._ _ »Wir glotzen alle in den selben Himmel und sehen verschiedene Bilder.«_ »Glotzen ist kein schönes Wort«, rügte Musa._ »Ich meine ‘glotzen’! Ich meine ‘hilflos, blöd und hoffnungslos schauen’! Ich meine ‘Affen des Mundes zu Markte tragen’!« Wir glotzen nach oben und erfinden große Gestalten und hängen sie in den Himmel! Ich eine Frau und du eine Hand und was weiß ich, was andere shen. Und dann gibt es Streit. Es ist zum Erbarmen!«_ »Affen des Mundes?«_ (Zitat)_ _ Fazit_ _ Zwei Männer verschlägt es im Jahr 1764 auf die Insel Gharapuri vor Mumbai: den Bremer Mathematiker Carsten Niebuhr und den persischen Astronom und Astrolabienbauer Musa al-Lahuri. Beide wollten eigentlich ganz woanders sein – aber jetzt sind sie nun mal hier gestrandet und machen das Beste draus._ _ Erstmal muss Meister Musa den am Sumpffieber erkrankten Niebuhr wenigstens halbwegs wieder auf die Beine bringen. Dann verständigt man sich so gut es geht auf Arabisch, und das führt zu einem zum Schreien komischen Sprachgewirr, das Masus fantasievolle Geschichten noch unterhaltsamer macht. Doch nach und nach werden die Gespräche immer tiefgründiger, bis das Sumpffieber wieder aufflackert und Masu gegen das Sterben anerzählt…_ _ “Die Dame mit der bemalten Hand” ist ein ganz wunderbares Büchlein, das ich mit Sicherheit mehrmals lesen werde. Hier geht es um die Begegnung von Kulturen mit all den damit verbundenen Missverständnissen und Fallgruben, aber es liest sich auch einfach verdammt unterhaltsam. Klar wird außerdem: DEN Orient gibt es genauso wenig wie DEN Okzident. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-christine-wunnicke-die-dame-mit-der-bemalten-hand/
Das Buch erreichte mich über meinen Lesekreis per Post. Andernfalls hätte ich es mir sicher nicht ausgesucht und vermutlich auch abgebrochen. Manche Passagen sind völlig wirr, andere Passagen schön geschrieben und interessant. Da ich mich weder groß in Mathematik noch Astronomie auskenne, habe ich den wissenschaftlichen Passagen kaum folgen können und zugegebenermaßen auch nicht folgen wollen. Zudem weiß man im Laufe der Zeit nicht, was nun - in der Geschichte - Wahrheit oder Lüge ist. Aufgrund der einzelnen lesenswerten Höhepunkte hätte ich dem Buch 2 Sterne gegeben. Als ich aber dann die Danksagung gesehen und festgestellt habe, dass die Personen tatsächlich existierten, konnte dieser Realbezug dann doch noch einen Stern hinzuverdienen.
Leser*in sollte Liebhaber von orientalischen Erzählstil sein!
Es ist blumig, ausschweifend beschrieben und sehr Poetisch. Wer sich für Sternenkunde- den Orient und das Reisen Anno Dazumal interessiert, wird hellauf begeistert sein. Ich fand es sehr gut geschrieben, die Story an sich zog sich etwas. Allerdings sind die Kapitel nicht allzu lange, somit war das nicht so schlimm. An Orient- Fans, a la Geschichten aus "1000 und einer Nacht", meine ABSOLUTE LESE EMPFEHLUNG.

Macht richtig Spaß zu lesen und ist teilweise echt witzig. Ich habe eine obskure Erzählung erwartet, bei der ich die Hälfte nicht verstehe, weil ich die historischen Hintergründe nicht kenne. Stattdessen habe ich eine richtig nette Geschichte über kulturelle Unterschiede, sprachliche Missverständnisse und Freundschaft aus der Not bekommen. Besonders wie die Autorin die Unterschiede der verschiedenen Sprachen darstellt hat mir sehr gut gefallen.
Clash of Cultures oder wie der europäische Akademiker (in Gestalt von Ekelpaket Michaelis) sich im Mäntelchen der Wissenschaft wähnt, aber kein Interesse daran hat, sich eine evtl unbebequeme Sicht auf eine fremde Kultur eröffnen zu lassen, die den eigenen Vorurteilen zuwider läuft Oder wie wir alle in unserer Kultur gefangen sind Oder wie Sprache und die Liebe zur Astronomie die Grenzen sprengen und Verwirrung stiften- ein sonderbarer Tanz Als Hörbuch ist das Stück Kunst nur mäßig geeignet. Zu dicht und reichhaltig- da entgeht recht schnell der Bezug, die Feinheit, das tiefere Verständnis. Form, Inhalt, Sprache haben mich tief beeindruckt und berührt. Ich liebe alles an diesem Buch! Lese es jetzt direkt nochmal als eBook
Ich schaue ja gern auch mal über meinen Tellerrand hinaus und daher habe ich mir vorgenommen, ab sofort jedes Jahr min. ein Buch aus der Longlist des deutschen Buchpreises zu lesen. Das Buch, auf das meine Wahl fiel, hat es sogar in die Shortlist geschafft. Zurecht, wenn ihr mich fragt. Drei Männer, eine Insel und ein Tempel Das Buch versetzt uns ins Jahr 1764. Auf der kleinen Insel Elephanta (von den Portugiesen so, nach einer Elefantenstatue auf der Insel benannt), treffen zwei Männer aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zum einen Carsten Niebuhr, ein deutscher Forschungsreisender, dessen Expedition den Auftrag hat einen ganzen Fragekatalog an biblischen Fragen in Arabien zu klären. Doch Niebuhrs Mitreisende sterben alle an Fieber und ihn selbst verschlägt es ebenso fiebergeplagt nach Bombay und dann auf die kleine Insel Elephanta. Dort trifft er auf den persischen Astronomen Musa al-Lahuri und dessen Diener Malik. Die beiden warnena uf den Weg nach Mekka als eien Windstille sie auf der Insel stranden lies. Als dann das Schiff ohne sie abfährt, müssen die drei sich wohl oder übel für einige Zeit arrangieren. Bei 168 Seiten, hält sich die Autorin nicht lange mit Vorgeplänkel auf und konfrontiert sowohl den Leser, als auch ihre Figuren zügig mit dieser Situation. Was folgt, sind Tage auf der Insel voller Gespräche und Annäherungen. Das klingt im ersten Moment vielleicht langweilig, ist es aber überhaupt nicht, denn Christine Wunnicke beschreibt dieses Zusammentreffen der Kulturen sehr pointiert und amüsant. Als Erstes wäre da natürlich die Sprachbarriere. Meister Musa spricht Sanskrit, Persisch, Arabisch, Griechisch und Latein, während Niebuhrs Arabisch eher bruchstückhaft ist. Trotzdem schafft man es irgendwie sich zu verständigen, jedoch nicht ohne Missverständnisse, was wieder zu fast schon ulkigen Gesprächen führt, z.B. wenn Niebuhr versucht ein deutsches Sprichwort ins Arabische zu übersetzten oder Meister Musa einfache befehle im umständlichen Sanskrit ausdrücken muss. Man reden häufig aneinander vorbei und finden doch immer wieder auch Gemeinsamkeiten. Doch es sind natürlich nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Missverständnisse, die Thema dieses Buches sind und unter den beiden Männern für Verwirrung sorgen. Nicht zuletzt das titelgebende Sternbild, welches in Europa als Kassiopeia gesehen wird, in Indien hingegen Teil einer viel größeren Konstellation ist und das "Himmels-W" nur die bemalte Hand darstellt. Sehr treffend stellt Niebuhr fest: "Wir glotzen alle in denselben Himmel und sehen verschiedene Bilder! [...] Wir glotzen nach oben und erfinden große Gestalten und hängen sie in den Himmel. Ich eine Frau und du eine Hand und was weiß ich, was andere sehen. Und dann gibt es Streit. Es ist zum Erbarmen!" (Die Dame mit der bemalten Hand, Christine Wunnicke, Berenberg Verlag, S. 96 (Ebook Ausgabe)) Eine Feststellung, die man in ihrer Aussage noch heute bedenkenlos unterschreiben kann. Abgesehen von diesem gelungenen Aufeinandertreffen der Kulturen, ist Wunnickes Roman aber auch sprachlich einfach schön. Das merkt man besonders, wenn Meister Musa eine seiner Geschichten erzählt, in die man regelrecht versinken kann. Der ganze Roman fühlt sich dabei an, wie eine flüchtige Momentaufnahme. Eine kurze Begegnung, die eine Zeit widerspiegelt, in der Wissen und Glaube sich erst noch arrangieren müssen und das Weltbild der Menschen sich noch im Umschwung befindet. Genau zu dieser Zeit erleben wir ein Treffen, flüchtig, wie ein Traum und vielleicht war es das auch nur. Man weiß es nicht. Fazit: Die Dame mit der bemalten Hand ist eine sehr amüsante Momentaufnahme des Aufeinandertreffens zweier sehr unterschiedlicher Menschen und Kulturen, Missverständnisse inklusive. Eine kurze poetischer Erzählung, von der an am Ende nicht genau weiß, was wahr war oder nicht, die den Leser aber trotzdem mit einem guten Gefühl zurücklässt und die ich gern gelesen habe.
Die Dame mit der bemalten Hand ist schön geschrieben und mir gefällt auch das Setting: ein anspruchsvoller historischer Roman, der in Indien spielt. Es geht um Astronomie und um Philosophie, um unterschiedliche Kulturen, eigentlich alles interessante Themen. Doch leider ist die ganze Geschichte einfach nur unheimlich langweilig und mir wurde nicht ganz klar, welchen Sinn manche Teile davon haben sollten.












