Clara Törnvalls Essay über Autismus bei Frauen ist ein eindringliches, persönliches Buch über die Gefahr von Fehldiagnosen bei Frauen in Medizin und Psychiatrie.
„Ich habe Probleme mit Blickkontakt. Ich kann weder Mimik deuten noch zwischen den Zeilen lesen. Da ist eine permanente Angst und lähmende Müdigkeit.“ Clara Törnvall wusste schon immer, dass etwas mit ihr nicht stimmt, doch erst mit 42 Jahren erhält sie die Diagnose. Sie ist Autistin? Sind das nicht eher sozial inkompatible Männer mit Inselbegabung? In „Die Autistinnen“ erkundet sie, warum es insbesondere bei Frauen oft zu Fehldiagnosen kommt und wer wirklich hinter der mythisch aufgeladenen Figur der Autistin steht. Dabei stößt sie unverhofft auf eigene Idole wie Beatrix Potter, Greta Thunberg und Virginia Woolf. Ein eindringlicher, überraschender und persönlicher Text, der unsere Auffassung von Normalität infrage stellt.
ISBN9783446279605
PublisherHanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
…nicht nur für Betroffene. Die Mischung aus wissenschaftlichen Fakten, Zitaten mutmaßlicher Autist*innen und Erfahrungsbericht finde ich originell, die Perspektive sehr inspirierend. An der ein oder anderen Stelle konnte ich mich wiederfinden, sodass das Buch in vielerlei Hinsicht ein echter Augenöffner ist :)
Mar 28, 2025
5.0
Ein ganz besonderes Buch…
…nicht nur für Betroffene. Die Mischung aus wissenschaftlichen Fakten, Zitaten mutmaßlicher Autist*innen und Erfahrungsbericht finde ich originell, die Perspektive sehr inspirierend. An der ein oder anderen Stelle konnte ich mich wiederfinden, sodass das Buch in vielerlei Hinsicht ein echter Augenöffner ist :)
Absolute Leseempfehlung zum Thema weiblicher Autismus
Ungefähr 1 - 1,5% der Weltbevölkerung hat Autismus. Das Spektrum ist dabei sehr groß. Es gibt Autist:innen, die nicht sprechen und nicht arbeiten können und dann gibt es die sogenannten hochfunktionalen Autist:innen. Als solche wird die Autorin Clara Törnvall mit 41 Jahren nach einem langen Leidensweg diagnostiziert.
In dem Buch "Die Autistinnen" widmet sie sich der weiblichen Form des Autismus, der insofern besonders ist, dass die Frauen und Mädchen über einen hohen sozialen Anpassungsmechanismus verfügen. Durch Beobachtung und Imitation bleiben sie unauffällig, jedoch kommt die Interaktion nicht spontan und sogenannter smalltalk talk ist für sie nicht nur sinnlos, sondern teilweise sogar unmöglich, da sie weder die Bedeutung noch den Nutzen dessen verstehen. Weitere Merkmale sind eine Hypersensibilität gegenüber bestimmter Sinneseindrücke, ein Spezialinteresse (z.B. das leidenschaftliche Sammeln von Gegenständen oder ein Themengebiet, über das man sich alles erliest), das zwanghafte Festhalten an Routinen oder bestimmten Abläufen sowie Schwierigkeiten mit sozialer Interaktion.
Damit geht oft eine Überforderung einher, denn weibliche Autisten werden oft nicht diagnostiziert und falsch behandelt. Der Autismus ist aber eine seelische Behinderung, die nicht therapierbar ist. Was bei neurologischen Nenschen ganz automatisch abläuft, muss der Autist sich mühsam aneignen. Körpersprache oder Gesichtsmimik zu deuten erfolgt also nicht intuitiv, sondern muss permanent übersetzt werden, was zu einer schnellen Erschöpfung führen kann.
Clara Törnvall schildert ihre eigenen Schwierigkeiten, die Herausforderungen, die der Alltag mit sich bringt. Busfahren ist eine immense Überanstrengung, selbst das Zähneputzen ist nichts, was von alleine kommt, sondern dessen Ausführung von ihr vorab durchdacht werden muss. Dadurch, so ist sie der Auffassung, hat ihre besondere Wahrnehmung Kapazitäten, Musik, Kunst und Schriftstellerei auf besondere Weise wahrzunehmen.
Das Buch ist autobiographisch, stützt sich aber geschichtlichr Aspekte und Interviews mit weiteren Autistinnen. Es ist leicht zugänglich und unbedingt zu empfehlen für jeden, der sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Ich habe schon einiges zum Thema gelesen und kann dieses Buch zu 100% empfehlen, besonders weil es mit den Klischees aufräumt, denen man in Filmen und Unterhaltungsromanen sonst noch so begegnet.
Dec 19, 2024
5.0
Absolute Leseempfehlung zum Thema weiblicher Autismus
Ungefähr 1 - 1,5% der Weltbevölkerung hat Autismus. Das Spektrum ist dabei sehr groß. Es gibt Autist:innen, die nicht sprechen und nicht arbeiten können und dann gibt es die sogenannten hochfunktionalen Autist:innen. Als solche wird die Autorin Clara Törnvall mit 41 Jahren nach einem langen Leidensweg diagnostiziert.
In dem Buch "Die Autistinnen" widmet sie sich der weiblichen Form des Autismus, der insofern besonders ist, dass die Frauen und Mädchen über einen hohen sozialen Anpassungsmechanismus verfügen. Durch Beobachtung und Imitation bleiben sie unauffällig, jedoch kommt die Interaktion nicht spontan und sogenannter smalltalk talk ist für sie nicht nur sinnlos, sondern teilweise sogar unmöglich, da sie weder die Bedeutung noch den Nutzen dessen verstehen. Weitere Merkmale sind eine Hypersensibilität gegenüber bestimmter Sinneseindrücke, ein Spezialinteresse (z.B. das leidenschaftliche Sammeln von Gegenständen oder ein Themengebiet, über das man sich alles erliest), das zwanghafte Festhalten an Routinen oder bestimmten Abläufen sowie Schwierigkeiten mit sozialer Interaktion.
Damit geht oft eine Überforderung einher, denn weibliche Autisten werden oft nicht diagnostiziert und falsch behandelt. Der Autismus ist aber eine seelische Behinderung, die nicht therapierbar ist. Was bei neurologischen Nenschen ganz automatisch abläuft, muss der Autist sich mühsam aneignen. Körpersprache oder Gesichtsmimik zu deuten erfolgt also nicht intuitiv, sondern muss permanent übersetzt werden, was zu einer schnellen Erschöpfung führen kann.
Clara Törnvall schildert ihre eigenen Schwierigkeiten, die Herausforderungen, die der Alltag mit sich bringt. Busfahren ist eine immense Überanstrengung, selbst das Zähneputzen ist nichts, was von alleine kommt, sondern dessen Ausführung von ihr vorab durchdacht werden muss. Dadurch, so ist sie der Auffassung, hat ihre besondere Wahrnehmung Kapazitäten, Musik, Kunst und Schriftstellerei auf besondere Weise wahrzunehmen.
Das Buch ist autobiographisch, stützt sich aber geschichtlichr Aspekte und Interviews mit weiteren Autistinnen. Es ist leicht zugänglich und unbedingt zu empfehlen für jeden, der sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Ich habe schon einiges zum Thema gelesen und kann dieses Buch zu 100% empfehlen, besonders weil es mit den Klischees aufräumt, denen man in Filmen und Unterhaltungsromanen sonst noch so begegnet.
Eine sehr persönliche Betrachtung von Autistinnen, die den Blick lenkt weg von dem stereotypischen Bild des männlichen einsamen Nerds mit Hochbegabung. Für mich auch ein sehr emotionales Buch, da ich mich sehr oft wiedererkannt habe in den Zeilen. Jahreshighlight!
Apr 5, 2024
5.0
Eine sehr persönliche Betrachtung von Autistinnen, die den Blick lenkt weg von dem stereotypischen Bild des männlichen einsamen Nerds mit Hochbegabung. Für mich auch ein sehr emotionales Buch, da ich mich sehr oft wiedererkannt habe in den Zeilen. Jahreshighlight!
Diese Facebookgruppe für autistische Frauen klingt nach einem wahren Safe Space, empfindet ihr das auch so? :)
Author
About Clara Törnvall
Clara Törnvall, geboren 1976 in Stockholm, ist Kulturjournalistin und Produzentin. Im Alter von 42 Jahren wird ihr hochfunktionaler Autismus diagnostiziert. Diese für eine erwachsene Frau ungewöhnliche und seltene Diagnose veranlasste sie dazu, Die Autistinnen, ihr erstes Buch, zu schreiben. Es erscheint in zwölf Sprachen.