Der Mann, der alles sah

Der Mann, der alles sah

Hardback
4.17
Abbey RoadNationalsozialismusLondonWas Das Leben Kostet

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

London 1988. Der junge Historiker Saul Adler wird auf der Abbey Road angefahren. Nur leicht verletzt steht er auf und posiert für seine Freundin Jennifer Moreau auf dem Zebrastreifen, berühmt geworden durch das Beatles-Album. Das Foto nimmt er mit nach Ostberlin, wo er über den frühen Widerstand gegen den Nationalsozialismus forschen will. Dort begegnet Saul dem Übersetzer Walter Müller und dessen Schwester Luna, deren größter Wunsch es ist, endlich die Penny Lane in Liverpool zu sehen. Mit beiden beginnt Saul eine Affäre - und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Die Geschichte holt Saul ein, seine eigene und die Europas. Zeit und Raum lösen sich auf, Wahrheiten stehen auf schwankendem Grund, und keiner sieht, was der andere sieht. Bis Saul dreißig Jahre später wieder auf der Abbey Road steht - und allmählich begreift, was er, der so vieles zu sehen meinte, nicht erkannt hat, und was die anderen in ihm gesehen haben. Ein Roman darüber, wie wir unsere eigene und die kollektive Geschichte (zurecht)erzählen und wie wenig wir uns selbst über den Weg trauen können, im Leben und in der Liebe.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
288
Price
23.70 €

Author Description

Deborah Levy, geboren 1959 in Südafrika, ist Romanautorin, Dramatikerin und Lyrikerin. 1968 emigrierte ihre Familie nach Großbritannien. Levy besuchte bis 1981 das Dartington College of Arts und begann, Theaterstücke zu schreiben. In Cardiff leitete sie die Manact Theatre Company. Sie verfasste neben einer großen Anzahl von Theaterstücken und Beiträgen für Radio und Fernsehen Erzählungen und Romane. Ihre Stücke werden u. a. von der Royal Shakespeare Company aufgeführt. Ihre Romane Heim schwimmen und Heiße Milch standen auf der Shortlist für den Man Booker Prize. Deborah Levy lebt und arbeitet in London.

Posts

1
All
4

London, 1988: Der 28-jährige Historiker Saul Adler möchte mit seiner Freundin und Fotografin Jennifer das Foto des Beatles-Albumcover auf der Abbey Road nachstellen. Bevor diese eintrifft, wird er jedoch von einem Auto angefahren. Jennifer schießt nach ihrer Ankunft trotz der leichten Verletzung Sauls das Foto und trennt sich kurz darauf von ihm. Saul wird das Foto als Gastgeschenk in die DDR mitnehmen, wo er bei Familie Müller unterkommt, um Forschung zum ostdeutschen Kommunismus zu betreiben. In Ostberlin angekommen entspinnt sich mit Walter, dem erwachsenen Sohn der Müllers, auf der Familiendatscha außerhalb Berlins eine Romanze. Auch mit Luna, Walters Schwester, wird Saul ein Wochenende auf der Datscha verbringen. Es wird recht bald klar, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Immer wieder sind Risse in der Matrix eingestreut - kleine Ungereimtheiten, kurze Zukunftsvisionen und unerklärliche, entrückte kleine Gegenstände, Andeutungen oder Verhaltensweisen. Der Grund dafür wird im zweiten Teil des Buchs offenbart, der im Juni 2016, ebenfalls in London auf der Abbey Road beginnt. Jeder weitere Hinweis wäre hier jedoch ein Spoiler, daher sei nur so viel gesagt: Deborah Levy gelingt es, uns auf ganz geschickte Art und Weise im Kopf von Saul Adler viele kleine Bruchstücke der Vergangenheit sammeln zu lassen und damit nach und nach Erkenntnisse über dessen Leben zu gewinnen. Die Erzählstruktur ist wirklich außergewöhnlich und hat mich völlig überrascht und begeistert. Die Autorin schafft es zudem, eine brüchige Realität darzustellen, die sich dem Griff der Leserin meist entzieht. Das Gespenst ist ein immer wieder aufleuchtendes Motiv, das nicht nur in Jennifers Fotografien steckt, sondern auch und vor allem in Erinnerungsfetzen, die Saul heimsuchen. Auch die lauernde Überwachung durch die Stasi wird in Variationen aufgegriffen und trägt zur allgemein fiebertraumartigen Grundstimmung der Geschichte bei: Diffuse Ängste, wirre Anspielungen und eine schwindelnde Durchlässigkeit muss im ersten Teil ausgehalten werden, bis sich die Dinge im zweiten Teil zusammenfügen. Ich finde, dass einen zudem die 80ies-Vibes direkt anspringen und auch für 90ies Kids richtiggehend nostalgisch fühlbar werden. Eine brillante Lektüre, die mit ganz außergewöhnlicher Ästhetik im Kopf hängen bleibt und nach der Auflösung am liebsten gleich nochmals gelesen werden will.

Create Post