Der Krabbenfischer
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Book Information
Author Description
BENJAMIN WOOD, geboren 1981, lebt in Surrey. Seine Werke waren u. a. für den Costa First Novel Award und den European Literature Prize nominiert. ›Der Krabbenfischer‹ ist sein fünfter Roman und der erste, der auf Deutsch erscheint.
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Dieses Buch kommt leise daher
Wie ein langsam aufziehender Nebel. Ich konnte diese tagtägliche, schwere Arbeit spüren. Jeden Tag die gleichen Abläufe, jeden Tag der gleiche Weg, jeden Tag das Pferd, ohne Namen, anspannen. Und jeden Tag nicht zu wissen, ob der Krabbenfang ausreicht. Für ein paar Pfund. Oft ist Mittler auch kaum etwas in den Netzen. Eins ist immer in Bewegung. Das Meer und das Watt. Und dann geschieht das Erstaunliche. Edgar taucht auf. Und mit ihm scheint Tom, wie aus einem tiefen Schlaf zu erwachen. Ein Lichtblick einer Zukunft. Ein Traum, eines um die 20 jährigen, der in Erfüllung gehen kann. Für Alle, die sich dem Meer verbunden fühlen
Ein ruhig erzähltes Buch über einen jungen Mann, der in den 60ern an der englischen Küste dem traditionellen Krabbenfischen mit Pferd und Karren nachgeht. Als ein Mann in den Ort kommt, der dort einen Film drehen möchte, hat das Auswirkungen ... Ich mochte die Geschichte, Aufbau und Stil, die Charaktere, das Ende ... Ich kann gar nicht sagen, was ich an dem Buch nicht mochte. Aber irgendwie hat ein letzter Funke gefehlt 🤷♀️
Von den Träumen, Hoffnungen und der Realität des Krabbenfischers Thomas. Ich mochte ihn und seine Geradlinigkeit, Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und sein Rückgrat sehr. Gelungenes Figuren-Ensemble, grandios ausgearbeitete Atmosphäre, eine top Sprecherleistung und ein fesselnder Plot, obwohl gar nicht so viel passiert und das Ende alle Möglichkeiten offenlässt. Für mich ganz großes Kino für die Ohren.
Ausdrucksstarke Geschichte, die lange nachhallt
Thomas Flett, ein junger Krabbenfischer in den 60er Jahren in Longferry an der englischen Küste, fährt noch mit Pferd und Karren an den Strand, um auf altbewährte Weise sein Handwerk auszuüben, wie er es von seinem Großvater gelernt hat. Gerade so kommen sie über die Runden, seine nur 16 Jahre ältere Mutter und er, doch ihre Leben fühlen sich trostlos an. Heimlich hat er sich eine Gitarre beschafft und fühlt eine zuvor nicht gekannte Freude beim Spielen, doch nicht nur diesbezüglich hat er Träume. Als eines Tages ein amerikanischer Regisseur auftaucht, um sich von Thomas für eine Filmrecherche den Strand zeigen zu lassen, entwickelt sich daraus eine ungewöhnliche Freundschaft. Sprachlich eher anspruchsvoll und schonungslos realistisch in der Darstellung der ärmlichen Verhältnisse, entwirft die Geschichte zugleich geradezu poetisch die Träume und Hoffnungen seines Protagonisten. „ Es ist keine Unausweichlichkeit, die ihn an das Dasein als Krabbenfischer bindet, ein stetes Einkommen könnte er auch anderweitig erwerben, und er lebt es auch nicht als sentimentale Geste dem Mann gegenüber, der ihn großgezogen hat. Nein, da ist etwas viel Grundsätzlicheres, Einfacheres, aber er kann es nicht klar genug benennen, um es zu verstehen.“ Man liebt diesen grundehrlichen Fischer mit seiner ausdrucksstarken Sprache geradezu, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Kein Debüt, aber das erste ins Deutsche übersetzte Buch von Benjamin Wood und ich hoffe sehr, die anderen werden bald folgen. Eine Freude dieses Buch zu lesen!
Thomas Flett lebt zusammen mit seiner Mutter in sehr einfachen Verhältnissen an der englischen Küste. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, die Mutter war noch sehr jung bei seiner Geburt. Er arbeitet als Krabbenfischer. Dieses Handwerk wird schon seit Generationen in seiner Familie weitergegeben. Mit Pferd und Kutsche trotzt er bei Niedrigwasser der rauen See, um das tägliche Brot zu verdienen. Als er eines Tages nach Hause kommt und Besuch bei seiner Mutter ist, würde er am liebsten wieder gehen. Doch dann stellt sich heraus, es ist der Regisseur Edgar Acheson, der in der Gegend einen Film drehen will. Thomas soll ihm die See zeigen und selbst eine Rolle in dem Film spielen. Plötzlich scheint eine Welt jenseits seiner gewohnten Realität möglich. Möchte er diesem Versuch nachgehen oder doch seinem tristen Leben treu bleiben? Poetisch, melancholisch und bildhaft wird hier erzählt. Schon länger hat Thomas Sehnsucht nach einem anderen Leben. Heimlich lernt er Gitarre spielen und ist verliebt in die Schwester seines Freundes. Jetzt endlich bietet sich ihm die Möglichkeit auszubrechen. Seine Sehnsucht nach Veränderung ist schmerzhaft greifbar. Thomas und die anderen Protagonisten sind authentisch, ganz normale Menschen. Am Anfang hatte ich so meine Schwierigkeiten dranzubleiben und weiterzulesen. Das Ende war dann allerdings absolut stimmig und rundete das Leseerlebnis ab. Ein stiller, eindringlicher Roman, wunderbar atmosphärisch, in dem eigentlich nichts aber doch so unglaublich viel passiert. Für die Leser stiller, tiefgründiger Romane eine Empfehlung.
"Das Pferd draußen scheint ganz zufrieden in seinem Unterschlupf, hat aber keine andere Wahl - das Tier und er gleichen sich mehr, als es den Anschein hat." Denn auch Thomas hat keine andere Wahl gehabt, als das Pferd und den alten Karren zu übernehmen und weiter Krabben zu fangen, wie schon sein Opa. Thomas scheint auch ganz zufrieden mit dem kargen, harten Leben, ähnlich wie sein Pferd, dem er keinen Namen gibt um nicht zu traurig zu werden, wenn er es in einem der Senklöcher des Sandstrandes verliert, wie sein Opa vor ihm schon so einige. Doch die Arbeit langweilt ihn und immer wieder träumt er vor sich hin, pfeift eine Melodie, oder erfindet Textstrophen. Heimlich tauscht er die Taschenuhr seines Opas gegen eine Gitarre, bringt sich das Spielen bei. Seinen Vater kennt er nicht und seine Mutter ist gerade mal 16 Jahre älter als er. Einen Job hat seine Mutter nicht. "Ihr Leben ist ein geistloser, mühseliger Marsch voller Arbeit mit kleinen Abschnitten von Behaglichkeit zwischendrin..." Thomas verachtet seine Mutter ein bisschen für diese Geistlosigkeit, liest er selbst doch so gerne. Das scheint er von seinem Vater zu haben, über den nicht gesprochen wird. Dann taucht eines Tages Edgar auf und durchbricht die Lethargie des Alltags, ist voller Euphorie für ein Filmprojekt, für den der Strand von Longferry genau das richtige Setting zu sein scheint. Er engagiert Thomas, damit dieser ihm die Küstenlandschaft zeigt und die gefährlichen Senklöcher umgeht. Mit der Begeisterung Edgars, löst sich etwas in Thomas. Er merkt, es gibt eine Welt außerhalb dessen, was er bislang kennengelernt hat und nach einem einschneidenden Erlebnis, wächst sein Zutrauen in sich selbst und seinem Wunsch nach Veränderung. Ich habe diesen atmosphärischen Roman unglaublich gerne gelesen. Habe das Pferd und das Meer gerochen, den Regen und das Salz auf der Haut gespürt und mich im Nebel verloren. "Der Nebel breitet sich aus wie der Schmutz zu Hause in seinem Badewasser." Ich habe die Mühe gesehen, die es macht, die Zinkwanne mit Badewasser zu füllen, wenn man schon durchgefroren und erschöpft ist. Einzig das häufige erwähnen der eingewachsenen Fußnägel hätte ich wirklich nicht gebraucht 😅 Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für diesen ruhigen Roman, der einen nah mitnimmt in die Natur und die armselig Behausung.

Benjamin Wood gelingt mit „Der Krabbenfischer“ ein leiser, eindringlicher Roman über Herkunft, soziale Prägung und die schmerzhafte Frage nach persönlicher Freiheit. Das Buch entfaltet seine Wirkung nicht durch große äußere Handlung, sondern durch die präzise Beobachtung eines inneren Konflikts, der umso universeller wirkt, je konkreter er erzählt wird. Im Mittelpunkt steht der 20jährige Thomas Flett, der in dem fiktiven Küstenort Longferry lebt – einem Ort, der weniger Kulisse als Schicksal ist. Longferry ist vom Rhythmus des Meeres, harter Arbeit und Traditionen bestimmt. Wer hier geboren wird, scheint von Anfang an einen festgelegten Platz zu haben. Thomas arbeitet - wie schon sein Großvater - als Krabbenfischer, ein Beruf, der körperlich extrem fordernd ist und zugleich sinnbildlich für die Enge seines Lebens steht. Mit Anfang 20 ist er bereits so tief in der Routine seines täglichen Lebens sowie in einer Abhängigkeit zu seiner Mutter gefangen, dass es beim Lesen fast schmerzt; man möchte ihn bei der Hand nehmen und aus seinem Leben befreien. Seine eigentliche Leidenschaft - die er vor seiner Mutter versteckt - gilt der Folk-Musik und dem Gitarrenspiel. Dabei ist Musik ist für Thomas kein bloßes Hobby, sondern ein stiller Gegenentwurf zu dem Leben, das von ihm erwartet wird. Dann taucht Edgar auf, ein amerikanischer Regisseur auf und bringt Bewegung in die erstarrte Ordnung und Enge von Thomas’ Leben. Plötzlich eröffnen sich Möglichkeiten, die zuvor undenkbar schienen – aber auch Ängste. Wood vermeidet es klug, diesen als reine Erlösungsfigur zu inszenieren. Stattdessen fungiert sie als Katalysator, der bestehende Spannungen sichtbar macht; zwischen Thomas und der Dorfgemeinschaft, zwischen Loyalität und Selbstverwirklichung, zwischen dem Wunsch zu bleiben und dem Drang zu gehen - sich zu befreien. Und sie zeigt Thomas auf, dass auch in seinem Leben noch Platz ist für eine weitergreifende Freundschaft. Doch kommt es dann in Bezug auf Edgar noch zu einer überraschenden Wendung. Stilistisch überzeugt der Roman durch eine ruhige, dichte Sprache, die stark von Atmosphäre lebt. Wood beschreibt das Meer, und den Alltag des Krabbenfischers Thomas mit einer Genauigkeit, die nie ins Folkloristische kippt. Besonders gelungen ist die Darstellung der inneren Zerrissenheit von Thomas; seine Hoffnungen und Zweifel wirken glaubhaft, weil sie klein, tastend und oft widersprüchlich sind. Gerade darin liegt die emotionale Kraft des Romans. Die Nebenfiguren - seine Mutter sowie die Schwester seines Freundes (in die er verliebt ist, sie aber für unerreichbar hält) - erhalten die notwendige Tiefe, nehmen dabei aber weniger Raum in der Story ein, als eher in Thomas‘ Leben und Gefühlswelt. „Der Krabbenfischer“ stellt keine einfachen Antworten bereit. Wood romantisiert weder das Verlassen der Heimat noch das Bleiben. Stattdessen zeigt er, wie tief Herkunft in das Selbstbild eines Menschen eingeschrieben ist – und wie schmerzhaft jeder Versuch sein kann, sich davon zu lösen. Der Roman fragt eindringlich: Wie viel Freiheit ist möglich, ohne die eigene Vergangenheit zu verleugnen? Insgesamt ist „Der Krabbenfischer“ ein stilles, aber nachhaltiges Buch, das lange nachhallt. Benjamin Wood beweist ein feines Gespür für soziale Dynamiken und innere Prozesse. Wer sich für literarische Auseinandersetzungen mit Identität, Klasse und Herkunft interessiert, findet hier einen Roman von großer emotionaler und gedanklicher Tiefe.
„Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich wach war, bevor er hier gelandet ist.“ Das bringt gut auf den Punkt, was die Begegnung zwischen Thomas und Edgar auslöst.
Während die erste Hälfte des Romans eher sachlich und mit wenig Emotion erzählt ist, kommt mit Edgars Auftauchen neue Energie in die Geschichte. Die Beziehung zwischen den beiden bringt eine neue Dynamik. Thomas beginnt, sich selbst und seine Zukunft neu zu überdenken. Sprachlich ist der Roman gut lesbar, aber durch die wenigen Kapitel und fehlenden Absätze war es manchmal schwierig, Pausen zu machen oder die Lesestelle wiederzufinden. Gleichzeitig entsteht dadurch eine gewisse Sogwirkung und man liest automatisch größere Abschnitte am Stück. Das Ende fand ich gelungen. Es bringt eine positive Wendung und macht die Entwicklung von Thomas deutlich. Für mich ist „Der Krabbenfischer“ eine Geschichte mit einer starken Grundidee, die nicht ganz ausgeschöpft wurde.

Poetisches Lesehighlight
„Der Krabbenfischer“ ist der erste Roman von Benjamin Wood der ins Deutsche übersetzt wurde. Kurz gesagt, dass Cover fasst die Stimmung und den Schreibstil des Buches zusammen. In dem Buch passiert am Anfang nicht viel, alles hat seinen Ablauf. Wood schafft es diese Atmosphäre in seinem Roman zu übertragen. Es scheint als würde die Zeit stehen bleiben. Sie bewegt sich und rinnt davon. Ist die Zeit da, um zu Träumen? Auf ein besseres Leben hoffen, weit weg von Longferry. Allein im Meer zwischen den Nebel und der Pflicht die Krabben zu fangen und für den Lebensunterhalt zu sorgen? Abends durch die Musik sich in eine andere Welt zu wünschen. Ist dies, dass zukünftige Leben. Die Routine wird jäh unterbrochen als der Regisseur auftaucht. Wood schafft es 2 Außenseiter zusammenzubringen und auf wenigen Seiten Fremde zu Freunde, die leider von Freunde zu Fremde werden. Freundschaft ist stark, der Fall ebenso. Wie die Freunde zu Fremden werden, soll jede*r Leser*in selbst erfahren, mich hat es doch emotional gestimmt. Abhängigkeit, Freundschaft, Liebe sind Themen die Wood behandelt und wirksam sind. Wood schrieb ein poetisches und berührendes Buch. Die Hoffnung auf ein besseres Leben überwiegt. Ich habe viel über das Krabbenfischen gelernt und welche Schinderei der Job ist. Der Song hat mich ab dem letzten 2/3 des Buches begleitet. Für das Jahr 2025 ein Lesehighlight.

Ein ruhiges Buch, atmosphärisch und mit einem eigenen Lied (auf der Homepage des Autors zu hören). Eine Geschichte, in der es um Träume, um Sehnsüchte und Lebendigkeit geht. Mir haben Kapitel gefehlt, stellenweise fand ich es etwas langatmig und die Frauenfiguren fand ich sehr stereotyp. Deswegen 1 Stern Abzug.
Thomas verdient sich seinen ärmlichen Lebensunterhalt mit dem Krabbenfischen. Dieses Handwerk hat er von seinem Großvater gelernt. Seinen Vater kennt er nicht, doch wüsste er gerne mehr über ihn. Seine Mutter, mit der er zusammen in einem Cottage lebt, kann er kaum noch ertragen. Er führt ein trostloses Leben, dass er mit seinen 20 Jahren schon satt hat. Zusammen mit seinem Pferd geht er jeden Tag hinaus ins Watt um seinen Fang einzuholen. Doch reicht der Ertrag gerade so zum überleben. Eigentlich wäre er gerne Sänger. Heimlich spielt er auf seiner Gitarre, wenn seine Mutter das Haus mal verlässt. Doch eines Tages erscheint ein Regisseur, der Thomas verspricht dass sich sein Leben ändern könnte. Doch für Träume ist eigentlich kein Platz in Thomas Leben. Dieser kurze Roman ist wundervoll geschrieben und hat mich mit dem Schreibstil direkt eingenommen. Bildhaft und atmosphärisch erlebt man den bescheidenen Alltag von Thomas und man kann das Meer förmlich riechen. Auf 200 Seiten darf man keine ewig lange und tiefe Geschichte erwarten, jedoch lohnt es sich sie zu lesen. Sie handelt von Hoffnung und Träumen und dass ein Fremder der in unser Leben kommt, einem andere Sichtweisen auf bestimmte Dinge geben kann und einen Denkanstoß gibt. Die Geschichte ist leise und fast poetisch geschrieben und ich finde Benjamin Wood hat hier einen wirklich tollen Protagonisten geschaffen. Das Cover finde ich sehr gut gewählt und passend zum Inhalt. Ich hätte gerne noch länger gelesen und kann das Buch sehr empfehlen.
Atmosphärisch, aber zu wenig Handlung
Dieses ruhige Buch beschreibt den Wunsch nach Selbstverwirklichung, der doch immer an der Pflicht gegenüber der Familie zu scheitern droht. Dieser düstere Nebel, der immer über dem Meer zu liegen scheint, fühlt sich genauso kalt und bedrohlich an, wie das Leben das vor Thomas zu liegen scheint. Besonders die sehr poetische Sprache und die fein gezeichneten Charaktere sorgen dafür, dass man tief in die Seelen der Menschen eintaucht, besonders in Thomas, dessen innere Zerrissenheit und stille Sehnsucht unter die Haut gehen. Die Handlung entwickelt sich nur sehr langsam und blieb für mich fast an der Grenze dazu, dass hier gar nichts passiert. Die Einblicke in die Charaktere und die Atmosphäre habe ich daher sehr genossen, aber im Gesamten hat es mich emotional leider nicht erreicht.
»Es ist dem Meer egal, wer es besucht, so wie es den Krabben egal ist, wer sie aus dem Sand kratzt.«
Thomas Flett lebt mit seiner Mutter in Longferry an der Küste Englands. Jeden Tag, morgens und manchmal auch abends, reitet er mit seinem Pferd hinaus in die See um als einziger in seinen Gewerbe noch auf altbewährte Art dem Krabbenfischen nachzugehen. Dabei trotzen sie jedem Wetter, nur um über die Runden zu kommen. Thomas ist genügsam und findet sich damit ab. Doch möchte er mit seinen zwanzig Jahren eigentlich mehr erleben, insbesondere mehr Zeit seiner Leidenschaft – seiner Gitarre und generell der Musik – widmen und Joan endlich sagen, was er für sie fühlt. Als er eines Tages nach getaner Arbeit nach Hause kommt, erwartet ihn, bei seiner Mutter sitzend, der amerikanischer Regisseur Edgar Acheson, um ihn ein Angebot zu machen. Alles scheint sich für ihn zu ändern… Der Ton des Romans ist ruhig, sanft und manchmal rau – wie das Meer. Dabei sind die Sätze so bewusst gewählt, wie man es nur selten liest. Die Sprache erinnert eher an Klassiker, wie z.B. die Bücher von Siegfried Lenz und weniger an einen zeitgenössischen Roman. Atmosphärisch beschwört der Autor eine Welt herauf, die es nicht mehr gibt und erzeugt dadurch ein gleichermaßen präzises und stimmungsvolles Bild der Landschaft. Die Wahrnehmungen und Gefühle des Protagonisten, hinsichtlich seiner Arbeit oder den Wunsch, mehr über seinen Vater zu erfahren, kommen dabei nicht zu kurz und verführen die Leser*innen dazu, sich in dem Buch zu verlieren. „Der Krabbenfischer“ zeigt den tristen und doch anstrengenden Alltag Thomas‘, dem Fügen in den gewohnten Rhythmus des Alltags und das Herausbrechen aus diesem, hin zu neuen, unbekannten und doch so sehnlich herbeigesehnten Ufern. Ich habe diesen Roman geliebt und hoffe sehr, dass seine bisherigen vier Romane – besonders aufgrund der Nominierung der Longlist für den Booker Prize – nun auch nach und nach ins Deutsche übersetzt werden. Eine ganz große und unbedingte Leseempfehlung!

Ein ausdrucksvoller Roman
Thomas Fletts Leben in Longferry ist geprägt von harter Arbeit. Zusammen mit seiner Mutter lebt er in einfachen, ärmlichen Verhältnissen. Jeden Morgen fährt er mit Pferd und Kutsche hinaus ans Meer, um durch den Fang von Krabben etwas Geld zu verdienen. Seine Welt ist hart und eintönig, doch er träumt von Joan, der Schwester seines besten Freundes, und von der Musik, die er liebt. Das Gitarrespielen ist seine Zuflucht. Eines Tages taucht ein Regisseur bei ihm zu Hause auf und bittet Thomas, ihm bei seinem neuen Film zu helfen. Plötzlich scheint ein anderes Leben möglich, abwechslungsreicher und auch finanziell besser. Der Roman ist in drei große Abschnitte gegliedert, ganz ohne weitere Kapitelunterteilungen. Die Geschichte wird aus Thomas Perspektive erzählt, was es dem Leser ermöglicht, seine Gedanken, Ängste und Sehnsüchte unmittelbar mitzuerleben. Die Sprache ist bildhaft und eindringlich und macht das raue, trostlose Leben, das Thomas führt, spürbar. Das Meer, die Kälte und der Nebel, ich habe sie förmlich gefühlt. Thomas ist ein stiller, zurückhaltender junger Mann. Er erfüllt die Erwartungen seiner Familie, als Krabbenfischer in die Fußstapfen seines Großvaters zu treten. Obwohl die Handlung ruhig bleibt und ohne große Dramatik auskommt, hat mich der Roman in den Bann gezogen. Es ist ein feinfühlig, ausdrucksvoll geschriebener Roman über Träume, Mut und die Hoffnung auf Veränderung. Gerne empfehle ich dieses besondere Buch weiter.

Verloren im Nebel, aber Licht am Horizont
Thomas Flett ist ein Krabbenfischer, der seinem Handwerk nachgeht, wie er es von seinem Großvater gelernt hat. “Früher hat ihm das alles nichts ausgemacht, die Kälte, die Einsamkeit, die Schufterei, aber das war lange, bevor er irgendwelche Sehnsüchte entwickelt hat.” In diesem Buch erzählt Benjamin Wood einfühlsam und sehr bildlich vom harten Leben des Krabbenfischers, aber auch von seinen Träumen und Sehnsüchten. Sein sehnlicher Wunsch nach Veränderung ist fühlbar und sein Schwanken zwischen dem Beharren im Bekannten und den ersten vorsichtigen Schritten zur Erfüllung seiner Träume ist großartig beschrieben. Es herrscht insgesamt eine eher melancholische Grundstimmung. Der ruhige, unaufgeregte Erzählstil passt hervorragend zu dem eher in sich gekehrten Protagonisten und dem kalten, nebelverhangenen Strand. Ich konnte die kühle, feuchte, salzige Luft beinahe spüren. Ich mochte den ehrlichen, hart arbeitenden Krabbenfischer Thomas sehr gern, ebenso das Setting an der englischen Küste, die Art des Erzählens und die Grundstimmung. Für mich ein perfektes Buch für die Herbst- und Wintermonate. Absolut lesenswert. *Danke an netgalley für das Rezensionsexemplar*
DER KRABBENFISCHER Benjamin Wood Gelesen von Raschid Daniel Sidgi Longferry, England, in den Sechzigerjahren: An der Küste von Longferry fischt der 20-jährige Thomas Flett Krabben – so wie schon sein Großvater. Doch er ahnt, dass diese Tage gezählt sind. Zu oft findet er im Meer Dinge, die dort nicht hingehören: Chemikalien, Müll und die neuen zerstörerischen Fangtechniken tun ihr übriges. Thomas hält an der alten Methode fest. Jeden Morgen, zum ersten Niedrigwasser, spannt er sein Pferd an und fährt mit dem Wagen zum Strand, um mit Hand und Netz im Watt zu fischen. Ergiebig ist diese Arbeit nicht – meist füllt er keine zwei Körbe –, doch sie reicht, um mit seiner Mutter ein bescheidenes Leben zu führen. Eines Tages begegnet er dem Regisseur Edgar Acheson, der für seinen neuen Film einen Drehort sucht. Er bietet Thomas eine Arbeit an – ob dies wirklich eine Chance ist, müsst ihr selbst herausfinden … Benjamin Wood hat einen leisen, atmosphärischen Roman geschrieben, der von den Geschichten lebt, die er uns erzählt. Man spürt den dichten Nebel, das nasskalte Wetter, das durch jede Ritze zieht, und die Gefahr der Senklöcher, die wie Treibsand ganze Menschen und Tiere verschlingen können. Wir begleiten Thomas bei seiner Hoffnung auf Veränderung. Für mich war es ein Roman, den ich gern gelesen und gehört habe – der Sprecher verleiht der Geschichte mit seiner warmherzigen Stimme zusätzliche Tiefe. Eine klare Empfehlung für alle, die ruhige, atmosphärisch dichte Erzählungen mögen.

"Es ist eine Brücke, die er will, eine Brücke zwischen Longferry und der Welt da draußen, und Mr Acheson könnte derjenige sein, der sie ihm bauen hilft." (S. 77) Holt euch eine Tasse heißen Tee, wickelt euch in eure Kuscheldecke und dann ab auf die Couch: Es wird ungemütlich! Aber im schönsten Sinn. Hinein geboren in eine Tradition der Krabbenfischer, ist Thomas' Lebenslauf gesetzt. Die Gezeiten bestimmen sein Leben, geben ihm den Rhythmus vor, in dem er sich mit Pferd und Karren durch die Tage bewegt. In ärmlichen Verhältnissen lebt er mit seiner Mutter in einem Fischerdorf im England der 1960er Jahre. Sein Großvater ist kürzlich verstorben, seinen Vater kennt Thomas nicht. Es durfte ihn nicht geben, hatte dieser Geschichtslehrer doch seine 15-jährige Schülerin geschwängert. Thomas hat sich seinem Leben ergeben. Leise Träume von einem Musiker-Dasein, doch im großen und ganzen ist er im Frieden mit sich. Bis zu dem Tag, als der amerikanische Regisseur Edgar Acheson in die Stadt kommt und große Pläne hat. Doch wie es manchmal so ist, sind große Pläne nicht immer auch realitätstauglich. Es ist ein leiser, melancholischer Roman, der es soeben auf die Longlist des #BookerPrize2025 geschafft hat. Benjamin Wood erzählt von geplatzten Träumen, entgleisten Lebenswegen und der Wahl zwischen groß denken und bescheiden bleiben. Das Ende hat mich etwas matt zurückgelassen. Es ist nicht offen, sondern eher unfertig. Für mich fehlte ein letzter gedanklicher Anker.
Kennt Ihr das, wenn man schon am Anfang eines Buches spürt, dass da wohl nicht die spannendste Geschichte auf einen zukommt, aber dafür ganz viel Atmosphäre?! So erging es mir bei ,Der Krabbenfischer' von Benjamin Wood. Der junge, gerade mal 20-jährige Thomas Flett ist Krabbenfischer. Nicht wirklich aus höchster Leidenschaft heraus, sondern weil sein Pop (Großvater) es auch war. Thomas wirkt von den äußeren Beschreibungen und seiner wortkargen Art her recht grobschlächtig, doch wirkliches Interesse und eine Leidenschaft hat er für die feinen Künste. Er übt heimlich auf seiner Gitarre, schreibt Texte und erfindet Melodien und liest sehr gerne. Mit dem harten Job des Krabbenfischens verdient er mehr schlecht als recht den Unterhalt für sich und seine Mutter. Als eines Tages der Regisseur Edgar Acheson in sein Leben tritt und ihn um Hilfe bei seinem Film bittet, kommt etwas mehr Schwung und Freude in Thomas' Leben. Edgar ist angetan von der Kargheit Longferrys, und gerade der Strand und das Meer bei Niedrigwasser bieten mit ihrer mystischen Atmosphäre gutes Material für seinen Film. Die zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verspüren schnell eine freundschaftliche Anziehung zueinander und machen sich bei Niedrigwasser auf - immer auf der Hut vor den gefährlichen Senklöchern. Dieser Roman lebt für mich durch seine poetische und bildhafte Sprache. Ich konnte die Kälte spüren, die beschriebenen Gerüche riechen, den warmen Körper des Pferdes spüren. Zum Schluss hin hat mich das Buch leider verloren. Ich für meinen Teil mochte diese Wendung am Ende nicht und hätte mir einen anderen, eventuell offenen Abschluss gewünscht. Dies ist allerdings mein subjektives Empfinden, und da mich die atmosphärischen Beschreibungen in den ersten zwei Dritteln des Romans fesseln konnten, habe ich die Geschichte von Thomas Flett trotzdem gerne gelesen.

Im Rhythmus der Gezeiten
Bei dem Buch neigt man ja dazu, es sofort mit einem Werk von Benjamin Myers zu verwechseln. Der Vorname des Autors ist der gleiche, die Aufmachung des Covers geht in eine ähnliche Richtung und auch der Inhalt würde passen. Doch Benjamin Wood hat genau das geschafft, was ich mir beim letzten Buch von Myers erhofft hatte - Atmosphäre auszustrahlen. Thomas Flett zieht tagein tagaus mit seinem Pferd und dem Wagen ans Meer, um Krabben und anderes Kleingetier aus dem Schlick zu bergen. Er kennt die Gezeiten und passt ihnen sein Leben an. Er lebt noch bei seiner Mutter, die mit 36 Jahren früh gealtert ist. Es sind die 60er Jahre in England und der fiktive Ort Longferry war damals noch ein Weiler, der für niemanden besonders interessant wäre, ausser für seine Einwohner. Heute wäre es wahrscheinlich ein idyllisches touristisches Örtchen. Thomas wirkt behäbig und etwas langsam. Sein Körper meldet sich mit Anfang 20 überproportional oft durch Schmerzen deren Behandlung er vernachlässigt. Er wirkt bisweilen etwas lethargisch und ein wenig hoffnungslos. Sein Leben scheint sich bis ans Ende seiner Tage deutlich vor ihm abzuzeichnen. Da hilft es auch nicht viel, dass er ab und an auf einer Gitarre rumzupft. Dann kommt Edgar ins Dorf und teilt Thomas seine Visionen mit. Und wie Dornröschen erwacht der Krabbenfischer aus einer Trance, und ihm wird klar, dass es so viel mehr auf der Welt zu entdecken gibt. Edgar scheint für ihn die Tür in eine andere Dimension zu öffnen. Wood hat mit Thomas eine Figur erschaffen, die uns einerseits sehr fremd ist, deren Gedanken sich aber in jedes Jahrzehnt verpflanzen lassen. Er wirkt, wie ein großer Bär der wortkarg seiner Arbeit nachgeht. Doch wenn wir ihn näher kennen lernen, entdecken wir auf einmal den Feingeist in ihm. Er hat einen Bezug zur Literatur und vor allem zur Musik. In ihm steckt ein kleiner Künstler, gefangen in einem Ort und Beruf, der nicht viel Kreativität zulässt. Wood benutzt eine wirklich angenehme und einnehmende sprachliche Form. Obwohl die Geschichte ruhig erzählt wird, hatte ich nicht einmal den Eindruck, mich zu langweilen oder verloren zu gehen. Obwohl der Protagonist alles andere als ein attraktiver und vielleicht sogar noch nicht mal sehr sympathischer Zeitgenosse ist, mochte man ihn und wünschte ihm nur das Beste. Die kleinen Dramen oder die etwas mystische Situation in der Mitte des Buches haben gut gepasst und mich voll abgeholt. Ich kann erkennen, was den Roman zu einem würdigen Kandidaten für die Longlist des Bookerprize gemacht hat. Obwohl es in einer rauen Gegend spielt, ist es ein warmes und tröstendes Buch, dass einen an die Hand nimmt und bei mir sehr viele liebevolle Gefühle ausgelöst hat. Eine Empfehlung für alle, die etwas Hoffnung und Nähe brauchen.
In “Der Krabbenfischer” von Benjamin Wood (ins Deutsche übersetzt von Werner Löcher-Lawrence) geht es um den jungen Krabbenfischer Thomas Flett, der in den 1960ern an der englischen Küste zu Hause ist. Thomas hat heimlich Gitarre spielen und singen gelernt und träumt von einem anderen Leben. Als der Filmemacher Edgar Acheson in sein Leben tritt, erlaubt sich Thomas, seinen Blick für seine Träume zu öffnen. Das Buch strahlt auf jeder Seite die Atmosphäre der Zeit aus, in der es handelt, auch der Schreibstil des Autors wirkt wie aus der Zeit gefallen. Thomas’ Einsamkeit überfällt einen beim Lesen und entschleunigt, fesselt jedoch auch zugleich. Im zweiten Teil des Buches wird man dann von der Tragik zweier konträrer Schicksale überwältigt, die noch einmal mit voller Wucht einschlagen. Ich fand die Lektüre zwar einerseits sehr deprimierend, aber der finale Hoffnungsschimmer hat das wieder wett machen können. “Der Krabbenfischer” ist für mich eine großartige Erzählung über Träume, Mut und das Leben selbst. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
In dieser Geschichte geht es um Thomas, er ist zwanzig Jahre alt und sein Leben verläuft ein wenig trist. Er kümmert sich um seine Mutter, die ein wenig schwach daher kommt und gerade einmal 36 Jahre alt ist. Die Familie hat nicht viel Geld und so liegt es an Thomas den Lebensunterhalt zu verdienen. Tagtäglich fährt er mit seinem Pferd und dem Karren raus ins Watt und sammelt Krabben ein. Um sie dann an die Händler verkaufen zu können. Ein trister Alltag, bis eines Tages ein Filmregisseur nach Longferry kommt und sein Leben auf den Kopf stellt. Das ganze spielt 1960 in England. Ich habe am Anfang etwas gebraucht, bis ich in der Geschichte drin war. Der Alltag von Thomas wird gut geschildert und die Gedankenspirale von ihm wurde deutlich. Jeden Tag das gleiche tun, früh morgens raus, zu seinem Pferd, dann den Karren anspannen und raus ins Watt. Den Gezeitenkalender lernt er immer für eine Woche auswendig, damit ihm kein Missgeschick passiert. Seine Mutter fühlt sich mit ihren jungen Jahren schon äußerst alt und nutzt ihren Sohn gerne mal aus. Der Regisseur hat nochmal neuen Wind mit hineingebracht, was mir gerade zum Ende hin sehr gut gefallen hat. Aber das plötzliche Auftauchen von ihm fand ich schon irgendwie merkwürdig. Insgesamt eine Geschichte, die dazu aufruft seinen eigenen Weg zu gehen, den Sinn zu finden und das zu tun, was einen bereichert. Kurzweilig und mit kleinen Denkanstößen. Es ist ruhig,melancholisch und stimmungsvoll geschrieben, aber es war für mich eher eine Erzählung, und deswegen hat es mich leider nicht so berührt,wie ich es mir erhofft habe.

Das Cover ist toll - es schaut wunderbar aus, die Farbgebung und das Motiv sind harmonisch und passen zum Buchinhalt. Auch die Haptik ist sehr schön und angenehm. Der Schreibstil ist sehr gut zu lesen. Reich an Details, ehrlich und in sich stimmig. Die Kapitel sind allerdings sehr lang, was Pausen etwas kompliziert gemacht hat. Protagonist Thomas ist ein spezieller Kauz, den man aber doch schnell ins Herz schließt. Die Handlung an sich finde ich etwas sonderbar. Einen roten Faden gibt es durchaus, aber es wirkt teilweise etwas unvollständig oder unausgereift. Ich habe das Gefühl, dass der Fokus beim Lesen eher auf den Stimmungen liegt und nicht auf der Handlung. Die Atmosphäre wirkt eher etwas melancholisch, was den Lesefluss aber nicht sehr gestört hat. Das Ende ist etwas aprupt und man scheint mitten aus dem Geschehen gerissen zu werden, mit dem Gefühl, dass es eigentlich noch gar nicht zu Ende sein sollte. Ich finde das Buch zwar nicht spannend, aber der atmosphärische Schreibstilmacht es zu einem schönen Leseerlebnis.
Der 20-jährige Thomas Flett arbeitet in der kleinen Stadt Longferry (im Norden Großbritanniens) als Krabbenfischer und zieht, geführt von seinem Pferd, seine Netze tagein tagaus durch den sandig nassen Küstenstrand. Von seinem Großvater angelernt, sind ihm die immer gleichen Handgriffe mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen, aber es ist ein unermüdlicher und anstrengender Beruf, der wenig einbringt und ihn jeden Tag an seine körperlichen Grenzen bringt. Es sind die 1960er Jahre und Thomas lebt zusammen mit seiner Mutter in einem bescheidenen Cottage. Seinen Vater hat er nie kennengelernt und deshalb ist es an ihm, für den Lebensunterhalt der beiden zu sorgen. Die einzigen Fluchtmöglichkeiten bieten ihm seine Bücher und seine Gitarre, auf der er heimlich übt, während er davon träumt, im heimischen Pub aufzutreten. Doch das Leben ändert sich mit der unerwarteten Ankunft des Regisseurs Edgar Acheson, der Thomas bittet, ihm die Gegend zu zeigen und ihm zu erklären, wie er seinen Beruf ausübt, da der Strand die perfekte Kulisse für seinen geplanten Film zu sein scheint - und Thomas beginnt sich zu fragen, ob genau das sein lebensverändernder Moment sein könnte, der seine Monotonie endlich durchbricht. ➸ Wenn ihr jetzt denkt, dass dies eine "Kleinstadtjunge geht nach Hollywood"-Geschichte ist, irrt ihr euch, und ich erwähne das nur, weil es für mich einer der Kernstärken des Romans ist. Es geht nicht um den amerikanischen Traum oder darum, die abgedroschene Vorstellung von Erfolg zu erfüllen, die wir jeden Tag in unseren Social-Media-Feeds sehen. Nein, denn "Der Krabbenfischer" ist ein Buch über die Suche nach authentischem Glück, das für jeden ein höchst individuelles Unterfangen ist und nicht ausschließlich mit der Anerkennung durch andere zu tun hat. Der sensible Thomas sucht nicht unbedingt nach Abenteuern, die einen um die ganze Welt führen, sondern nach emotionaler Verbundenheit, auch durch die Kunst. Wie der Autor Benjamin Wood über die Arbeit eines traditionellen Krabbenfischers schreibt, darüber, wie Thomas sein Pferd und seinen Wagen durch den dichten Nebel lenkt und er den manischen Regisseur in die regnerische Natur an den gespenstischen Strand führt ist einfach meisterhaft und originell erzählt. Thomas fühlt sich durch die schwere Arbeit vorzeitig gealtert und hat das Gefühl, dass es bereits zu spät ist, sein Leben zu ändern und obwohl das jetzt alles ziemlich schwerfällig klingt, gibt es in diesem Buch auch eine große Menge an Schönheit, auch wenn jeder Leser diese wahrscheinlich an unterschiedlichen Stellen finden wird. Die Story selbst spielt sich in einem Zeitraum von zwei Tagen ab, die mit den knapp 220 Seiten eher einer Novelle gleicht. Trotzdem liest es sich vom reichhaltigen Inhalt eher wie ein 5-Sterne-Menü als ein kleiner Snack zwischendurch. Fazit: "Der Krabbenfischer" erzählt eine Geschichte zwischen Verhängnis und Melancholie und ist eine Mischung aus "Das war schon immer so" und einer Sehnsucht dem Unbekannten. Es ist atmosphärisch, dunkel, charmant, herzzerreißend und vor allem sehr menschlich und ein Grund mehr, warum Menschen schreiben und warum wir lesen. Warum ist Benjamin Wood in Deutschland noch kein berühmter Autor? Er sollte es definitiv sein!

Der Titelgebende Krabbenfischer ist Thomas Flett, ein 20-Jähriger junger Mann, der mit seiner Mutter in den 60er Jahren in Longferry in lebt. Die Arbeit, die er macht ist hart und er und seine Mutter brauchen jeden Cent, den er damit verdienen kann um Schulden zu begleichen und das Nötigste zum Leben zu erwerben. Als ein amerikanischer Regisseur bei ihm auftaucht und ihm ein lukratives Jobangebot macht, drängen bei dem Protagonisten alle mühsam unterdrückten Sehnsüchte, nach einem anderen Leben, nach und nach, an die Oberfläche. Was ich an der Geschichte mochte ist, ist die interessante Perspektive eines Menschen, der im einfachen, harten Leben gefangen zu sein glaubt und dessen intellektuelles Potential, sowie musikalisches Talent verschwendet zu sein scheint. Anstatt dieses simple, bodenständige Leben zu romantisieren, wie es häufig getan wird, nach meinem Empfinden, wird ganz klar benannt und thematisiert, wie frustrierend es sein kann. Auch die Beziehung zur Mutter, die teilweise unangenehm symbiotisch dargestellt wird, war stark gezeichnet. Ein bisschen wie ein Unfall, bei dem ich eigentlich nicht zuschauen möchte. Es hatte für mich aber gerade im Mittelteil Längen. Der Regisseur blieb mir zu blass als Figur und die Geschichte dümpelte streckenweise ziemlich vor sich hin. Die Auflösung der ganzen Story am Ende war mir viel zu schwach und gleichmütig. Insgesamt ein mittelmäßiges Buch. Kann man lesen, muss man nicht.
Alte Traditionen
•Buchrezi• 🥲 Zum Inhalt: Thomas lebt mit seiner Mutter im englischen Longferry. Es sind die sechziger Jahre, und langsam hält die Modernität Einzug in das kleine Küstenörtchen. Doch für Thomas bleibt alles beim Alten. Er hält an der Tradition fest, mit Pferd und Karren Krabben zu fischen. Tag für Tag zieht er los, zusammen mit seinem Pferd, das er schlicht „Junge“ nennt, ein richtiger Name würde nur unnötig Gefühle hervorrufen. Schon sein Pop, der ihm das Fischen beigebracht hat, musste im tückischen Sand den Verlust so mancher Pferde erleben. Thomas ist Anfang zwanzig, doch das Leben hat ihn bereits gezeichnet. Auch seine Mutter, die kaum Mitte dreißig ist, hat es nie leicht gehabt. Doch Thomas trägt ein Geheimnis in sich: Durch eine geerbte Uhr konnte er sich den Traum einer einfachen Gitarre erfüllen. Heimlich singt und spielt er in jeder freien Minute und träumt von einem anderen Leben. Eines Tages jedoch steht plötzlich ein Mann in seinem Haus, der ihm ein Angebot macht. Und obwohl Thomas tief in seinen Traditionen verwurzelt ist, nimmt er es an… Mein Fazit: Dieses Buch fühlt man beinahe körperlich. Mit welcher Intensität Wetter, Meer, das Fischen, der Gestank und ja, auch eingewachsene Zehennägel 🙈 (mein einziger Kritikpunkt, da es sehr oft und sehr plastisch erwähnt wird) beschrieben werden, habe ich selten erlebt. Thomas ist ein scheuer junger Mann, tief verankert in der alten Tradition des Krabbenfischens, doch im Inneren sehnt er sich nach mehr. Das raue Leben, der permanente Geruch und auch das enge Zusammenleben mit seiner Mutter machen ihn nicht glücklich. Und dann bekommt er eine Chance auf Veränderung. Wie sich diese Möglichkeit für ihn entwickelt, müsst ihr selbst herausfinden. Besonders berührt hat mich die Beziehung zu seinem Pferd. Auch wenn Thomas versucht, sie nicht zu sehr zuzulassen, zeigt die Geschichte doch immer wieder, wie eng Mensch und Tier zu einem perfekt eingespielten Team werden können. Ein intensives Buch, mit wunderschönem Cover und einem großartigen Protagonisten. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

leise Töne, große Wirkung
„Der Krabbenfischer“ ist ein stiller, tiefgründiger Roman, der sich langsam entfaltet, und gerade darin liegt seine Stärke. Benjamin Wood erzählt stimmungsvoll, fast meditativ, und schafft eine Dichte, die an die Werke von Autoren wie Benjamin Myers erinnert. Die raue Küstenlandschaft bildet nicht nur Kulisse, sondern wird zum Resonanzraum für innere Konflikte, Erinnerungen und Verluste. Die Atmosphäre ist durchweg eindringlich - getragen von einem reduzierten, aber wirkungsvollen Stil, der auf große Gesten verzichtet und sich stattdessen auf leise Zwischentöne konzentriert. Die Figuren sind komplex und glaubwürdig gezeichnet, ohne dass alles auserzählt wird; vieles bleibt unausgesprochen und genau das macht den Reiz aus. Trotzdem gibt es kleine Schwächen: An manchen Stellen wirkt die Erzählung etwas langgezogen, und nicht alle Handlungsstränge erreichen die Tiefe, die sie andeuten. Auch die emotionale Distanz zu einigen Figuren bleibt stellenweise bestehen, was den Zugang zur Geschichte mitunter erschwert. Fazit: „Der Krabbenfischer“ ist ein ruhiges, literarisch starkes Werk über Verlust, Erinnerung und das Weiterleben. Für Leser, die Bücher mit Tiefe, Atmosphäre und feinem psychologischem Gespür schätzen, ist dieser Roman eine lohnenswerte Lektüre.
Auf »Der Krabbenfischer« habe ich schon länger ein Auge geworfen, daher habe ich den Roman mit großen Erwartungen begonnen - und konnte ihn zum Schluss fast nicht mehr aus der Hand legen. Der junge Thomas Flett lebt mit seiner Mutter in den 60er Jahren in ärmlichen Verhältnissen. Die Abwesenheit des Vaters ist allgegenwärtig und tief verankert in Thomas' Gedanken und Sein. Täglich fährt er stoisch und pflichtbewusst zum Krabbenfischen auf das Meer hinaus und aus diesem Pflichtbewusstsein heraus verheimlicht er auch seine eigentliche Leidenschaft, seinen Traum davon, Musiker zu werden. Sein Leben ist grau und trostlos, und das hat Benjamin Wood mit einer extremen Tiefe und düsteren, fast schon melancholisch Atmosphäre ergreifend umgesetzt. Vor allem durch Woods nüchternen Erzählstil, mit dem er dennoch eine einnehmende Lebendigkeit geschaffen hat, wird man als Leser:in direkt in das Geschehen und die Gedankenwelt einbezogen. Als Thomas den Regisseur Edgar Acheson kennenlernt, fängt er an sich zu verändern. In der Freundschaft zu Edgar findet er Inspiration und den Mut, um seine Musik, die er in seinem Inneren bewahrt hat, auch nach außen zu tragen. Der keimenden Selbstbestimmung steht jedoch noch immer das Pflichtbewusstsein gegenüber, letztendlich ist er doch Krabbenfischer. Plötzlich steht Thomas vor einer Entscheidung, die er nicht treffen kann. Der Roman spricht mit ruhiger Stimme über den Spagat zwischen Verantwortung und Leidenschaft, über das schmerzhafte Fehlen des Vaters und Loyalität zu einem Freund - auch wenn der sie möglicherweise gar nicht verdient hat. Alles in einem sind meine Erwartungen erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Thematisch, stilistisch und atmosphärisch hat Benjamin Wood eine Roman geschaffen, der einen Moment perfekt eingefangen hat und damit noch lange im Gedächtnis bleibt.

Atmosphärisch geschrieben
Thomas ist zwanzig und Krabbenfischer. Tag ein, Tag aus zieht er mit seinem Pferd los um Krabben zu fangen. Das Handwerk hat er von seinem Großvater gelernt, keiner hat gefragt, ob er das wirklich machen will. Thomas lebt mit seiner Mutter zusammen, das Geld reicht gerade für das nötigste. Er hat keine Freundin und auch keine Freunde, seinen Vater kennt er nicht. Alles in allem ein sehr tristes Leben. Die einzige Abwechslung ist seine Gitarre, von der die Mutter nichts wissen darf und seine heimliche Verehrung für die Schwester seines Freundes. Als ein amerikanischer Regisseur nach Longferry kommt und Thomas eine Rolle in einem Film anbietet, scheint endlich Bewegung in sein Leben zu kommen. Sein Leben kommt ihm auf einmal so klein vor. Still und leise wird diese atmosphärische Geschichte erzählt. Es sind die Feinheiten in der Erzählung, die das Buch so ansprechend machen. Ich habe das Buch fast in einem Zug durchgelesen.
Wenn Routine auch zur Zufriedenheit werden kann
Für mich ein wundervolles leises Buch. Es zeigt, dass Verpflichtung und Erbe eine Bürde, aber auch eine Befreiung sein kann. Profilierung und Selbstverwirklichung können auch Unglück bedeuten. Vielleicht ein Vergleich zwischen dem einfachen und eigentlich zufriedenen Krabbenfischer und dem anfangs vielleicht beneidenswerten, aber realitätsverschobenen Regisseur.

Ein stilles, intensives Buch über Träume und Sehnsucht.
„Der Krabbenfischer“ von Benjamin Wood habe ich in nur zwei Tagen verschlungen – und das, obwohl ich mir das Buch vermutlich selbst nie gekauft hätte. Umso dankbarer bin ich, dass ich es als Rezensionsexemplar lesen durfte, danke an @dumontbuchverlag 🙏 Die Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Sie ist ruhig erzählt, manchmal melancholisch, dabei aber unglaublich berührend und besonders. Man spürt förmlich das Salz des Meeres und die Schwere der Gezeiten, die Thomas’ Leben bestimmen. Was mich beeindruckt hat: Die Atmosphäre bleibt einem noch lange nach dem Lesen im Kopf. Benjamin Wood schafft es, Figuren so lebendig zu zeichnen, dass man mit ihnen fühlt – und trotzdem lässt er einen am Ende mit offenen Fragen zurück. Aber vielleicht macht genau das den Zauber dieses Buches aus. 🌊 Übrigens mag ich total die Haptik und das Cover des Buches.
Atmosphärisch, aber nicht ganz rund
Thomas ist Krabbenfischer und genau wie sein Großvater vor ihm, fährt er jeden Morgen bei Niedrigwasser ans Meer, um den Lebenunterhalt für sich und seine Mutter zu verdienen. Seine wahre Leidenschaft gilt allerdings der Musik, da sich hiermit aber nur schwer Geld verdienen lässt, geht er pflichtbewusst dem Krabbenfischen nach, wie er es von seinem Großvater gelernt hat. Als plötzlich der Filmemacher Edgar in sein Leben tritt, beginnt er dieses zu überdenken. Der Schreibstil von Benjamin Wood ist sehr atmosphärisch und bildhaft, sodass man sich selbst im Nebel am Meer stehen sieht. Das hat mir sehr gut gefallen, allerdings fehlte mir bei der Handlung ein gewisser Spannungsbogen. Auch wenn mir die Geschichte an sich gefallen hat, konnte ich daraus für mich nicht sehr viel mitnehmen. Dennoch ist das Buch sprachlich gut und wer gerne atmosphärische und poetische Bücher liest, sollte sich das Buch einmal anschauen.
Description
Book Information
Author Description
BENJAMIN WOOD, geboren 1981, lebt in Surrey. Seine Werke waren u. a. für den Costa First Novel Award und den European Literature Prize nominiert. ›Der Krabbenfischer‹ ist sein fünfter Roman und der erste, der auf Deutsch erscheint.
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Dieses Buch kommt leise daher
Wie ein langsam aufziehender Nebel. Ich konnte diese tagtägliche, schwere Arbeit spüren. Jeden Tag die gleichen Abläufe, jeden Tag der gleiche Weg, jeden Tag das Pferd, ohne Namen, anspannen. Und jeden Tag nicht zu wissen, ob der Krabbenfang ausreicht. Für ein paar Pfund. Oft ist Mittler auch kaum etwas in den Netzen. Eins ist immer in Bewegung. Das Meer und das Watt. Und dann geschieht das Erstaunliche. Edgar taucht auf. Und mit ihm scheint Tom, wie aus einem tiefen Schlaf zu erwachen. Ein Lichtblick einer Zukunft. Ein Traum, eines um die 20 jährigen, der in Erfüllung gehen kann. Für Alle, die sich dem Meer verbunden fühlen
Ein ruhig erzähltes Buch über einen jungen Mann, der in den 60ern an der englischen Küste dem traditionellen Krabbenfischen mit Pferd und Karren nachgeht. Als ein Mann in den Ort kommt, der dort einen Film drehen möchte, hat das Auswirkungen ... Ich mochte die Geschichte, Aufbau und Stil, die Charaktere, das Ende ... Ich kann gar nicht sagen, was ich an dem Buch nicht mochte. Aber irgendwie hat ein letzter Funke gefehlt 🤷♀️
Von den Träumen, Hoffnungen und der Realität des Krabbenfischers Thomas. Ich mochte ihn und seine Geradlinigkeit, Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und sein Rückgrat sehr. Gelungenes Figuren-Ensemble, grandios ausgearbeitete Atmosphäre, eine top Sprecherleistung und ein fesselnder Plot, obwohl gar nicht so viel passiert und das Ende alle Möglichkeiten offenlässt. Für mich ganz großes Kino für die Ohren.
Ausdrucksstarke Geschichte, die lange nachhallt
Thomas Flett, ein junger Krabbenfischer in den 60er Jahren in Longferry an der englischen Küste, fährt noch mit Pferd und Karren an den Strand, um auf altbewährte Weise sein Handwerk auszuüben, wie er es von seinem Großvater gelernt hat. Gerade so kommen sie über die Runden, seine nur 16 Jahre ältere Mutter und er, doch ihre Leben fühlen sich trostlos an. Heimlich hat er sich eine Gitarre beschafft und fühlt eine zuvor nicht gekannte Freude beim Spielen, doch nicht nur diesbezüglich hat er Träume. Als eines Tages ein amerikanischer Regisseur auftaucht, um sich von Thomas für eine Filmrecherche den Strand zeigen zu lassen, entwickelt sich daraus eine ungewöhnliche Freundschaft. Sprachlich eher anspruchsvoll und schonungslos realistisch in der Darstellung der ärmlichen Verhältnisse, entwirft die Geschichte zugleich geradezu poetisch die Träume und Hoffnungen seines Protagonisten. „ Es ist keine Unausweichlichkeit, die ihn an das Dasein als Krabbenfischer bindet, ein stetes Einkommen könnte er auch anderweitig erwerben, und er lebt es auch nicht als sentimentale Geste dem Mann gegenüber, der ihn großgezogen hat. Nein, da ist etwas viel Grundsätzlicheres, Einfacheres, aber er kann es nicht klar genug benennen, um es zu verstehen.“ Man liebt diesen grundehrlichen Fischer mit seiner ausdrucksstarken Sprache geradezu, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Kein Debüt, aber das erste ins Deutsche übersetzte Buch von Benjamin Wood und ich hoffe sehr, die anderen werden bald folgen. Eine Freude dieses Buch zu lesen!
Thomas Flett lebt zusammen mit seiner Mutter in sehr einfachen Verhältnissen an der englischen Küste. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, die Mutter war noch sehr jung bei seiner Geburt. Er arbeitet als Krabbenfischer. Dieses Handwerk wird schon seit Generationen in seiner Familie weitergegeben. Mit Pferd und Kutsche trotzt er bei Niedrigwasser der rauen See, um das tägliche Brot zu verdienen. Als er eines Tages nach Hause kommt und Besuch bei seiner Mutter ist, würde er am liebsten wieder gehen. Doch dann stellt sich heraus, es ist der Regisseur Edgar Acheson, der in der Gegend einen Film drehen will. Thomas soll ihm die See zeigen und selbst eine Rolle in dem Film spielen. Plötzlich scheint eine Welt jenseits seiner gewohnten Realität möglich. Möchte er diesem Versuch nachgehen oder doch seinem tristen Leben treu bleiben? Poetisch, melancholisch und bildhaft wird hier erzählt. Schon länger hat Thomas Sehnsucht nach einem anderen Leben. Heimlich lernt er Gitarre spielen und ist verliebt in die Schwester seines Freundes. Jetzt endlich bietet sich ihm die Möglichkeit auszubrechen. Seine Sehnsucht nach Veränderung ist schmerzhaft greifbar. Thomas und die anderen Protagonisten sind authentisch, ganz normale Menschen. Am Anfang hatte ich so meine Schwierigkeiten dranzubleiben und weiterzulesen. Das Ende war dann allerdings absolut stimmig und rundete das Leseerlebnis ab. Ein stiller, eindringlicher Roman, wunderbar atmosphärisch, in dem eigentlich nichts aber doch so unglaublich viel passiert. Für die Leser stiller, tiefgründiger Romane eine Empfehlung.
"Das Pferd draußen scheint ganz zufrieden in seinem Unterschlupf, hat aber keine andere Wahl - das Tier und er gleichen sich mehr, als es den Anschein hat." Denn auch Thomas hat keine andere Wahl gehabt, als das Pferd und den alten Karren zu übernehmen und weiter Krabben zu fangen, wie schon sein Opa. Thomas scheint auch ganz zufrieden mit dem kargen, harten Leben, ähnlich wie sein Pferd, dem er keinen Namen gibt um nicht zu traurig zu werden, wenn er es in einem der Senklöcher des Sandstrandes verliert, wie sein Opa vor ihm schon so einige. Doch die Arbeit langweilt ihn und immer wieder träumt er vor sich hin, pfeift eine Melodie, oder erfindet Textstrophen. Heimlich tauscht er die Taschenuhr seines Opas gegen eine Gitarre, bringt sich das Spielen bei. Seinen Vater kennt er nicht und seine Mutter ist gerade mal 16 Jahre älter als er. Einen Job hat seine Mutter nicht. "Ihr Leben ist ein geistloser, mühseliger Marsch voller Arbeit mit kleinen Abschnitten von Behaglichkeit zwischendrin..." Thomas verachtet seine Mutter ein bisschen für diese Geistlosigkeit, liest er selbst doch so gerne. Das scheint er von seinem Vater zu haben, über den nicht gesprochen wird. Dann taucht eines Tages Edgar auf und durchbricht die Lethargie des Alltags, ist voller Euphorie für ein Filmprojekt, für den der Strand von Longferry genau das richtige Setting zu sein scheint. Er engagiert Thomas, damit dieser ihm die Küstenlandschaft zeigt und die gefährlichen Senklöcher umgeht. Mit der Begeisterung Edgars, löst sich etwas in Thomas. Er merkt, es gibt eine Welt außerhalb dessen, was er bislang kennengelernt hat und nach einem einschneidenden Erlebnis, wächst sein Zutrauen in sich selbst und seinem Wunsch nach Veränderung. Ich habe diesen atmosphärischen Roman unglaublich gerne gelesen. Habe das Pferd und das Meer gerochen, den Regen und das Salz auf der Haut gespürt und mich im Nebel verloren. "Der Nebel breitet sich aus wie der Schmutz zu Hause in seinem Badewasser." Ich habe die Mühe gesehen, die es macht, die Zinkwanne mit Badewasser zu füllen, wenn man schon durchgefroren und erschöpft ist. Einzig das häufige erwähnen der eingewachsenen Fußnägel hätte ich wirklich nicht gebraucht 😅 Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für diesen ruhigen Roman, der einen nah mitnimmt in die Natur und die armselig Behausung.

Benjamin Wood gelingt mit „Der Krabbenfischer“ ein leiser, eindringlicher Roman über Herkunft, soziale Prägung und die schmerzhafte Frage nach persönlicher Freiheit. Das Buch entfaltet seine Wirkung nicht durch große äußere Handlung, sondern durch die präzise Beobachtung eines inneren Konflikts, der umso universeller wirkt, je konkreter er erzählt wird. Im Mittelpunkt steht der 20jährige Thomas Flett, der in dem fiktiven Küstenort Longferry lebt – einem Ort, der weniger Kulisse als Schicksal ist. Longferry ist vom Rhythmus des Meeres, harter Arbeit und Traditionen bestimmt. Wer hier geboren wird, scheint von Anfang an einen festgelegten Platz zu haben. Thomas arbeitet - wie schon sein Großvater - als Krabbenfischer, ein Beruf, der körperlich extrem fordernd ist und zugleich sinnbildlich für die Enge seines Lebens steht. Mit Anfang 20 ist er bereits so tief in der Routine seines täglichen Lebens sowie in einer Abhängigkeit zu seiner Mutter gefangen, dass es beim Lesen fast schmerzt; man möchte ihn bei der Hand nehmen und aus seinem Leben befreien. Seine eigentliche Leidenschaft - die er vor seiner Mutter versteckt - gilt der Folk-Musik und dem Gitarrenspiel. Dabei ist Musik ist für Thomas kein bloßes Hobby, sondern ein stiller Gegenentwurf zu dem Leben, das von ihm erwartet wird. Dann taucht Edgar auf, ein amerikanischer Regisseur auf und bringt Bewegung in die erstarrte Ordnung und Enge von Thomas’ Leben. Plötzlich eröffnen sich Möglichkeiten, die zuvor undenkbar schienen – aber auch Ängste. Wood vermeidet es klug, diesen als reine Erlösungsfigur zu inszenieren. Stattdessen fungiert sie als Katalysator, der bestehende Spannungen sichtbar macht; zwischen Thomas und der Dorfgemeinschaft, zwischen Loyalität und Selbstverwirklichung, zwischen dem Wunsch zu bleiben und dem Drang zu gehen - sich zu befreien. Und sie zeigt Thomas auf, dass auch in seinem Leben noch Platz ist für eine weitergreifende Freundschaft. Doch kommt es dann in Bezug auf Edgar noch zu einer überraschenden Wendung. Stilistisch überzeugt der Roman durch eine ruhige, dichte Sprache, die stark von Atmosphäre lebt. Wood beschreibt das Meer, und den Alltag des Krabbenfischers Thomas mit einer Genauigkeit, die nie ins Folkloristische kippt. Besonders gelungen ist die Darstellung der inneren Zerrissenheit von Thomas; seine Hoffnungen und Zweifel wirken glaubhaft, weil sie klein, tastend und oft widersprüchlich sind. Gerade darin liegt die emotionale Kraft des Romans. Die Nebenfiguren - seine Mutter sowie die Schwester seines Freundes (in die er verliebt ist, sie aber für unerreichbar hält) - erhalten die notwendige Tiefe, nehmen dabei aber weniger Raum in der Story ein, als eher in Thomas‘ Leben und Gefühlswelt. „Der Krabbenfischer“ stellt keine einfachen Antworten bereit. Wood romantisiert weder das Verlassen der Heimat noch das Bleiben. Stattdessen zeigt er, wie tief Herkunft in das Selbstbild eines Menschen eingeschrieben ist – und wie schmerzhaft jeder Versuch sein kann, sich davon zu lösen. Der Roman fragt eindringlich: Wie viel Freiheit ist möglich, ohne die eigene Vergangenheit zu verleugnen? Insgesamt ist „Der Krabbenfischer“ ein stilles, aber nachhaltiges Buch, das lange nachhallt. Benjamin Wood beweist ein feines Gespür für soziale Dynamiken und innere Prozesse. Wer sich für literarische Auseinandersetzungen mit Identität, Klasse und Herkunft interessiert, findet hier einen Roman von großer emotionaler und gedanklicher Tiefe.
„Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich wach war, bevor er hier gelandet ist.“ Das bringt gut auf den Punkt, was die Begegnung zwischen Thomas und Edgar auslöst.
Während die erste Hälfte des Romans eher sachlich und mit wenig Emotion erzählt ist, kommt mit Edgars Auftauchen neue Energie in die Geschichte. Die Beziehung zwischen den beiden bringt eine neue Dynamik. Thomas beginnt, sich selbst und seine Zukunft neu zu überdenken. Sprachlich ist der Roman gut lesbar, aber durch die wenigen Kapitel und fehlenden Absätze war es manchmal schwierig, Pausen zu machen oder die Lesestelle wiederzufinden. Gleichzeitig entsteht dadurch eine gewisse Sogwirkung und man liest automatisch größere Abschnitte am Stück. Das Ende fand ich gelungen. Es bringt eine positive Wendung und macht die Entwicklung von Thomas deutlich. Für mich ist „Der Krabbenfischer“ eine Geschichte mit einer starken Grundidee, die nicht ganz ausgeschöpft wurde.

Poetisches Lesehighlight
„Der Krabbenfischer“ ist der erste Roman von Benjamin Wood der ins Deutsche übersetzt wurde. Kurz gesagt, dass Cover fasst die Stimmung und den Schreibstil des Buches zusammen. In dem Buch passiert am Anfang nicht viel, alles hat seinen Ablauf. Wood schafft es diese Atmosphäre in seinem Roman zu übertragen. Es scheint als würde die Zeit stehen bleiben. Sie bewegt sich und rinnt davon. Ist die Zeit da, um zu Träumen? Auf ein besseres Leben hoffen, weit weg von Longferry. Allein im Meer zwischen den Nebel und der Pflicht die Krabben zu fangen und für den Lebensunterhalt zu sorgen? Abends durch die Musik sich in eine andere Welt zu wünschen. Ist dies, dass zukünftige Leben. Die Routine wird jäh unterbrochen als der Regisseur auftaucht. Wood schafft es 2 Außenseiter zusammenzubringen und auf wenigen Seiten Fremde zu Freunde, die leider von Freunde zu Fremde werden. Freundschaft ist stark, der Fall ebenso. Wie die Freunde zu Fremden werden, soll jede*r Leser*in selbst erfahren, mich hat es doch emotional gestimmt. Abhängigkeit, Freundschaft, Liebe sind Themen die Wood behandelt und wirksam sind. Wood schrieb ein poetisches und berührendes Buch. Die Hoffnung auf ein besseres Leben überwiegt. Ich habe viel über das Krabbenfischen gelernt und welche Schinderei der Job ist. Der Song hat mich ab dem letzten 2/3 des Buches begleitet. Für das Jahr 2025 ein Lesehighlight.

Ein ruhiges Buch, atmosphärisch und mit einem eigenen Lied (auf der Homepage des Autors zu hören). Eine Geschichte, in der es um Träume, um Sehnsüchte und Lebendigkeit geht. Mir haben Kapitel gefehlt, stellenweise fand ich es etwas langatmig und die Frauenfiguren fand ich sehr stereotyp. Deswegen 1 Stern Abzug.
Thomas verdient sich seinen ärmlichen Lebensunterhalt mit dem Krabbenfischen. Dieses Handwerk hat er von seinem Großvater gelernt. Seinen Vater kennt er nicht, doch wüsste er gerne mehr über ihn. Seine Mutter, mit der er zusammen in einem Cottage lebt, kann er kaum noch ertragen. Er führt ein trostloses Leben, dass er mit seinen 20 Jahren schon satt hat. Zusammen mit seinem Pferd geht er jeden Tag hinaus ins Watt um seinen Fang einzuholen. Doch reicht der Ertrag gerade so zum überleben. Eigentlich wäre er gerne Sänger. Heimlich spielt er auf seiner Gitarre, wenn seine Mutter das Haus mal verlässt. Doch eines Tages erscheint ein Regisseur, der Thomas verspricht dass sich sein Leben ändern könnte. Doch für Träume ist eigentlich kein Platz in Thomas Leben. Dieser kurze Roman ist wundervoll geschrieben und hat mich mit dem Schreibstil direkt eingenommen. Bildhaft und atmosphärisch erlebt man den bescheidenen Alltag von Thomas und man kann das Meer förmlich riechen. Auf 200 Seiten darf man keine ewig lange und tiefe Geschichte erwarten, jedoch lohnt es sich sie zu lesen. Sie handelt von Hoffnung und Träumen und dass ein Fremder der in unser Leben kommt, einem andere Sichtweisen auf bestimmte Dinge geben kann und einen Denkanstoß gibt. Die Geschichte ist leise und fast poetisch geschrieben und ich finde Benjamin Wood hat hier einen wirklich tollen Protagonisten geschaffen. Das Cover finde ich sehr gut gewählt und passend zum Inhalt. Ich hätte gerne noch länger gelesen und kann das Buch sehr empfehlen.
Atmosphärisch, aber zu wenig Handlung
Dieses ruhige Buch beschreibt den Wunsch nach Selbstverwirklichung, der doch immer an der Pflicht gegenüber der Familie zu scheitern droht. Dieser düstere Nebel, der immer über dem Meer zu liegen scheint, fühlt sich genauso kalt und bedrohlich an, wie das Leben das vor Thomas zu liegen scheint. Besonders die sehr poetische Sprache und die fein gezeichneten Charaktere sorgen dafür, dass man tief in die Seelen der Menschen eintaucht, besonders in Thomas, dessen innere Zerrissenheit und stille Sehnsucht unter die Haut gehen. Die Handlung entwickelt sich nur sehr langsam und blieb für mich fast an der Grenze dazu, dass hier gar nichts passiert. Die Einblicke in die Charaktere und die Atmosphäre habe ich daher sehr genossen, aber im Gesamten hat es mich emotional leider nicht erreicht.
»Es ist dem Meer egal, wer es besucht, so wie es den Krabben egal ist, wer sie aus dem Sand kratzt.«
Thomas Flett lebt mit seiner Mutter in Longferry an der Küste Englands. Jeden Tag, morgens und manchmal auch abends, reitet er mit seinem Pferd hinaus in die See um als einziger in seinen Gewerbe noch auf altbewährte Art dem Krabbenfischen nachzugehen. Dabei trotzen sie jedem Wetter, nur um über die Runden zu kommen. Thomas ist genügsam und findet sich damit ab. Doch möchte er mit seinen zwanzig Jahren eigentlich mehr erleben, insbesondere mehr Zeit seiner Leidenschaft – seiner Gitarre und generell der Musik – widmen und Joan endlich sagen, was er für sie fühlt. Als er eines Tages nach getaner Arbeit nach Hause kommt, erwartet ihn, bei seiner Mutter sitzend, der amerikanischer Regisseur Edgar Acheson, um ihn ein Angebot zu machen. Alles scheint sich für ihn zu ändern… Der Ton des Romans ist ruhig, sanft und manchmal rau – wie das Meer. Dabei sind die Sätze so bewusst gewählt, wie man es nur selten liest. Die Sprache erinnert eher an Klassiker, wie z.B. die Bücher von Siegfried Lenz und weniger an einen zeitgenössischen Roman. Atmosphärisch beschwört der Autor eine Welt herauf, die es nicht mehr gibt und erzeugt dadurch ein gleichermaßen präzises und stimmungsvolles Bild der Landschaft. Die Wahrnehmungen und Gefühle des Protagonisten, hinsichtlich seiner Arbeit oder den Wunsch, mehr über seinen Vater zu erfahren, kommen dabei nicht zu kurz und verführen die Leser*innen dazu, sich in dem Buch zu verlieren. „Der Krabbenfischer“ zeigt den tristen und doch anstrengenden Alltag Thomas‘, dem Fügen in den gewohnten Rhythmus des Alltags und das Herausbrechen aus diesem, hin zu neuen, unbekannten und doch so sehnlich herbeigesehnten Ufern. Ich habe diesen Roman geliebt und hoffe sehr, dass seine bisherigen vier Romane – besonders aufgrund der Nominierung der Longlist für den Booker Prize – nun auch nach und nach ins Deutsche übersetzt werden. Eine ganz große und unbedingte Leseempfehlung!

Ein ausdrucksvoller Roman
Thomas Fletts Leben in Longferry ist geprägt von harter Arbeit. Zusammen mit seiner Mutter lebt er in einfachen, ärmlichen Verhältnissen. Jeden Morgen fährt er mit Pferd und Kutsche hinaus ans Meer, um durch den Fang von Krabben etwas Geld zu verdienen. Seine Welt ist hart und eintönig, doch er träumt von Joan, der Schwester seines besten Freundes, und von der Musik, die er liebt. Das Gitarrespielen ist seine Zuflucht. Eines Tages taucht ein Regisseur bei ihm zu Hause auf und bittet Thomas, ihm bei seinem neuen Film zu helfen. Plötzlich scheint ein anderes Leben möglich, abwechslungsreicher und auch finanziell besser. Der Roman ist in drei große Abschnitte gegliedert, ganz ohne weitere Kapitelunterteilungen. Die Geschichte wird aus Thomas Perspektive erzählt, was es dem Leser ermöglicht, seine Gedanken, Ängste und Sehnsüchte unmittelbar mitzuerleben. Die Sprache ist bildhaft und eindringlich und macht das raue, trostlose Leben, das Thomas führt, spürbar. Das Meer, die Kälte und der Nebel, ich habe sie förmlich gefühlt. Thomas ist ein stiller, zurückhaltender junger Mann. Er erfüllt die Erwartungen seiner Familie, als Krabbenfischer in die Fußstapfen seines Großvaters zu treten. Obwohl die Handlung ruhig bleibt und ohne große Dramatik auskommt, hat mich der Roman in den Bann gezogen. Es ist ein feinfühlig, ausdrucksvoll geschriebener Roman über Träume, Mut und die Hoffnung auf Veränderung. Gerne empfehle ich dieses besondere Buch weiter.

Verloren im Nebel, aber Licht am Horizont
Thomas Flett ist ein Krabbenfischer, der seinem Handwerk nachgeht, wie er es von seinem Großvater gelernt hat. “Früher hat ihm das alles nichts ausgemacht, die Kälte, die Einsamkeit, die Schufterei, aber das war lange, bevor er irgendwelche Sehnsüchte entwickelt hat.” In diesem Buch erzählt Benjamin Wood einfühlsam und sehr bildlich vom harten Leben des Krabbenfischers, aber auch von seinen Träumen und Sehnsüchten. Sein sehnlicher Wunsch nach Veränderung ist fühlbar und sein Schwanken zwischen dem Beharren im Bekannten und den ersten vorsichtigen Schritten zur Erfüllung seiner Träume ist großartig beschrieben. Es herrscht insgesamt eine eher melancholische Grundstimmung. Der ruhige, unaufgeregte Erzählstil passt hervorragend zu dem eher in sich gekehrten Protagonisten und dem kalten, nebelverhangenen Strand. Ich konnte die kühle, feuchte, salzige Luft beinahe spüren. Ich mochte den ehrlichen, hart arbeitenden Krabbenfischer Thomas sehr gern, ebenso das Setting an der englischen Küste, die Art des Erzählens und die Grundstimmung. Für mich ein perfektes Buch für die Herbst- und Wintermonate. Absolut lesenswert. *Danke an netgalley für das Rezensionsexemplar*
DER KRABBENFISCHER Benjamin Wood Gelesen von Raschid Daniel Sidgi Longferry, England, in den Sechzigerjahren: An der Küste von Longferry fischt der 20-jährige Thomas Flett Krabben – so wie schon sein Großvater. Doch er ahnt, dass diese Tage gezählt sind. Zu oft findet er im Meer Dinge, die dort nicht hingehören: Chemikalien, Müll und die neuen zerstörerischen Fangtechniken tun ihr übriges. Thomas hält an der alten Methode fest. Jeden Morgen, zum ersten Niedrigwasser, spannt er sein Pferd an und fährt mit dem Wagen zum Strand, um mit Hand und Netz im Watt zu fischen. Ergiebig ist diese Arbeit nicht – meist füllt er keine zwei Körbe –, doch sie reicht, um mit seiner Mutter ein bescheidenes Leben zu führen. Eines Tages begegnet er dem Regisseur Edgar Acheson, der für seinen neuen Film einen Drehort sucht. Er bietet Thomas eine Arbeit an – ob dies wirklich eine Chance ist, müsst ihr selbst herausfinden … Benjamin Wood hat einen leisen, atmosphärischen Roman geschrieben, der von den Geschichten lebt, die er uns erzählt. Man spürt den dichten Nebel, das nasskalte Wetter, das durch jede Ritze zieht, und die Gefahr der Senklöcher, die wie Treibsand ganze Menschen und Tiere verschlingen können. Wir begleiten Thomas bei seiner Hoffnung auf Veränderung. Für mich war es ein Roman, den ich gern gelesen und gehört habe – der Sprecher verleiht der Geschichte mit seiner warmherzigen Stimme zusätzliche Tiefe. Eine klare Empfehlung für alle, die ruhige, atmosphärisch dichte Erzählungen mögen.

"Es ist eine Brücke, die er will, eine Brücke zwischen Longferry und der Welt da draußen, und Mr Acheson könnte derjenige sein, der sie ihm bauen hilft." (S. 77) Holt euch eine Tasse heißen Tee, wickelt euch in eure Kuscheldecke und dann ab auf die Couch: Es wird ungemütlich! Aber im schönsten Sinn. Hinein geboren in eine Tradition der Krabbenfischer, ist Thomas' Lebenslauf gesetzt. Die Gezeiten bestimmen sein Leben, geben ihm den Rhythmus vor, in dem er sich mit Pferd und Karren durch die Tage bewegt. In ärmlichen Verhältnissen lebt er mit seiner Mutter in einem Fischerdorf im England der 1960er Jahre. Sein Großvater ist kürzlich verstorben, seinen Vater kennt Thomas nicht. Es durfte ihn nicht geben, hatte dieser Geschichtslehrer doch seine 15-jährige Schülerin geschwängert. Thomas hat sich seinem Leben ergeben. Leise Träume von einem Musiker-Dasein, doch im großen und ganzen ist er im Frieden mit sich. Bis zu dem Tag, als der amerikanische Regisseur Edgar Acheson in die Stadt kommt und große Pläne hat. Doch wie es manchmal so ist, sind große Pläne nicht immer auch realitätstauglich. Es ist ein leiser, melancholischer Roman, der es soeben auf die Longlist des #BookerPrize2025 geschafft hat. Benjamin Wood erzählt von geplatzten Träumen, entgleisten Lebenswegen und der Wahl zwischen groß denken und bescheiden bleiben. Das Ende hat mich etwas matt zurückgelassen. Es ist nicht offen, sondern eher unfertig. Für mich fehlte ein letzter gedanklicher Anker.
Kennt Ihr das, wenn man schon am Anfang eines Buches spürt, dass da wohl nicht die spannendste Geschichte auf einen zukommt, aber dafür ganz viel Atmosphäre?! So erging es mir bei ,Der Krabbenfischer' von Benjamin Wood. Der junge, gerade mal 20-jährige Thomas Flett ist Krabbenfischer. Nicht wirklich aus höchster Leidenschaft heraus, sondern weil sein Pop (Großvater) es auch war. Thomas wirkt von den äußeren Beschreibungen und seiner wortkargen Art her recht grobschlächtig, doch wirkliches Interesse und eine Leidenschaft hat er für die feinen Künste. Er übt heimlich auf seiner Gitarre, schreibt Texte und erfindet Melodien und liest sehr gerne. Mit dem harten Job des Krabbenfischens verdient er mehr schlecht als recht den Unterhalt für sich und seine Mutter. Als eines Tages der Regisseur Edgar Acheson in sein Leben tritt und ihn um Hilfe bei seinem Film bittet, kommt etwas mehr Schwung und Freude in Thomas' Leben. Edgar ist angetan von der Kargheit Longferrys, und gerade der Strand und das Meer bei Niedrigwasser bieten mit ihrer mystischen Atmosphäre gutes Material für seinen Film. Die zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verspüren schnell eine freundschaftliche Anziehung zueinander und machen sich bei Niedrigwasser auf - immer auf der Hut vor den gefährlichen Senklöchern. Dieser Roman lebt für mich durch seine poetische und bildhafte Sprache. Ich konnte die Kälte spüren, die beschriebenen Gerüche riechen, den warmen Körper des Pferdes spüren. Zum Schluss hin hat mich das Buch leider verloren. Ich für meinen Teil mochte diese Wendung am Ende nicht und hätte mir einen anderen, eventuell offenen Abschluss gewünscht. Dies ist allerdings mein subjektives Empfinden, und da mich die atmosphärischen Beschreibungen in den ersten zwei Dritteln des Romans fesseln konnten, habe ich die Geschichte von Thomas Flett trotzdem gerne gelesen.

Im Rhythmus der Gezeiten
Bei dem Buch neigt man ja dazu, es sofort mit einem Werk von Benjamin Myers zu verwechseln. Der Vorname des Autors ist der gleiche, die Aufmachung des Covers geht in eine ähnliche Richtung und auch der Inhalt würde passen. Doch Benjamin Wood hat genau das geschafft, was ich mir beim letzten Buch von Myers erhofft hatte - Atmosphäre auszustrahlen. Thomas Flett zieht tagein tagaus mit seinem Pferd und dem Wagen ans Meer, um Krabben und anderes Kleingetier aus dem Schlick zu bergen. Er kennt die Gezeiten und passt ihnen sein Leben an. Er lebt noch bei seiner Mutter, die mit 36 Jahren früh gealtert ist. Es sind die 60er Jahre in England und der fiktive Ort Longferry war damals noch ein Weiler, der für niemanden besonders interessant wäre, ausser für seine Einwohner. Heute wäre es wahrscheinlich ein idyllisches touristisches Örtchen. Thomas wirkt behäbig und etwas langsam. Sein Körper meldet sich mit Anfang 20 überproportional oft durch Schmerzen deren Behandlung er vernachlässigt. Er wirkt bisweilen etwas lethargisch und ein wenig hoffnungslos. Sein Leben scheint sich bis ans Ende seiner Tage deutlich vor ihm abzuzeichnen. Da hilft es auch nicht viel, dass er ab und an auf einer Gitarre rumzupft. Dann kommt Edgar ins Dorf und teilt Thomas seine Visionen mit. Und wie Dornröschen erwacht der Krabbenfischer aus einer Trance, und ihm wird klar, dass es so viel mehr auf der Welt zu entdecken gibt. Edgar scheint für ihn die Tür in eine andere Dimension zu öffnen. Wood hat mit Thomas eine Figur erschaffen, die uns einerseits sehr fremd ist, deren Gedanken sich aber in jedes Jahrzehnt verpflanzen lassen. Er wirkt, wie ein großer Bär der wortkarg seiner Arbeit nachgeht. Doch wenn wir ihn näher kennen lernen, entdecken wir auf einmal den Feingeist in ihm. Er hat einen Bezug zur Literatur und vor allem zur Musik. In ihm steckt ein kleiner Künstler, gefangen in einem Ort und Beruf, der nicht viel Kreativität zulässt. Wood benutzt eine wirklich angenehme und einnehmende sprachliche Form. Obwohl die Geschichte ruhig erzählt wird, hatte ich nicht einmal den Eindruck, mich zu langweilen oder verloren zu gehen. Obwohl der Protagonist alles andere als ein attraktiver und vielleicht sogar noch nicht mal sehr sympathischer Zeitgenosse ist, mochte man ihn und wünschte ihm nur das Beste. Die kleinen Dramen oder die etwas mystische Situation in der Mitte des Buches haben gut gepasst und mich voll abgeholt. Ich kann erkennen, was den Roman zu einem würdigen Kandidaten für die Longlist des Bookerprize gemacht hat. Obwohl es in einer rauen Gegend spielt, ist es ein warmes und tröstendes Buch, dass einen an die Hand nimmt und bei mir sehr viele liebevolle Gefühle ausgelöst hat. Eine Empfehlung für alle, die etwas Hoffnung und Nähe brauchen.
In “Der Krabbenfischer” von Benjamin Wood (ins Deutsche übersetzt von Werner Löcher-Lawrence) geht es um den jungen Krabbenfischer Thomas Flett, der in den 1960ern an der englischen Küste zu Hause ist. Thomas hat heimlich Gitarre spielen und singen gelernt und träumt von einem anderen Leben. Als der Filmemacher Edgar Acheson in sein Leben tritt, erlaubt sich Thomas, seinen Blick für seine Träume zu öffnen. Das Buch strahlt auf jeder Seite die Atmosphäre der Zeit aus, in der es handelt, auch der Schreibstil des Autors wirkt wie aus der Zeit gefallen. Thomas’ Einsamkeit überfällt einen beim Lesen und entschleunigt, fesselt jedoch auch zugleich. Im zweiten Teil des Buches wird man dann von der Tragik zweier konträrer Schicksale überwältigt, die noch einmal mit voller Wucht einschlagen. Ich fand die Lektüre zwar einerseits sehr deprimierend, aber der finale Hoffnungsschimmer hat das wieder wett machen können. “Der Krabbenfischer” ist für mich eine großartige Erzählung über Träume, Mut und das Leben selbst. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
In dieser Geschichte geht es um Thomas, er ist zwanzig Jahre alt und sein Leben verläuft ein wenig trist. Er kümmert sich um seine Mutter, die ein wenig schwach daher kommt und gerade einmal 36 Jahre alt ist. Die Familie hat nicht viel Geld und so liegt es an Thomas den Lebensunterhalt zu verdienen. Tagtäglich fährt er mit seinem Pferd und dem Karren raus ins Watt und sammelt Krabben ein. Um sie dann an die Händler verkaufen zu können. Ein trister Alltag, bis eines Tages ein Filmregisseur nach Longferry kommt und sein Leben auf den Kopf stellt. Das ganze spielt 1960 in England. Ich habe am Anfang etwas gebraucht, bis ich in der Geschichte drin war. Der Alltag von Thomas wird gut geschildert und die Gedankenspirale von ihm wurde deutlich. Jeden Tag das gleiche tun, früh morgens raus, zu seinem Pferd, dann den Karren anspannen und raus ins Watt. Den Gezeitenkalender lernt er immer für eine Woche auswendig, damit ihm kein Missgeschick passiert. Seine Mutter fühlt sich mit ihren jungen Jahren schon äußerst alt und nutzt ihren Sohn gerne mal aus. Der Regisseur hat nochmal neuen Wind mit hineingebracht, was mir gerade zum Ende hin sehr gut gefallen hat. Aber das plötzliche Auftauchen von ihm fand ich schon irgendwie merkwürdig. Insgesamt eine Geschichte, die dazu aufruft seinen eigenen Weg zu gehen, den Sinn zu finden und das zu tun, was einen bereichert. Kurzweilig und mit kleinen Denkanstößen. Es ist ruhig,melancholisch und stimmungsvoll geschrieben, aber es war für mich eher eine Erzählung, und deswegen hat es mich leider nicht so berührt,wie ich es mir erhofft habe.

Das Cover ist toll - es schaut wunderbar aus, die Farbgebung und das Motiv sind harmonisch und passen zum Buchinhalt. Auch die Haptik ist sehr schön und angenehm. Der Schreibstil ist sehr gut zu lesen. Reich an Details, ehrlich und in sich stimmig. Die Kapitel sind allerdings sehr lang, was Pausen etwas kompliziert gemacht hat. Protagonist Thomas ist ein spezieller Kauz, den man aber doch schnell ins Herz schließt. Die Handlung an sich finde ich etwas sonderbar. Einen roten Faden gibt es durchaus, aber es wirkt teilweise etwas unvollständig oder unausgereift. Ich habe das Gefühl, dass der Fokus beim Lesen eher auf den Stimmungen liegt und nicht auf der Handlung. Die Atmosphäre wirkt eher etwas melancholisch, was den Lesefluss aber nicht sehr gestört hat. Das Ende ist etwas aprupt und man scheint mitten aus dem Geschehen gerissen zu werden, mit dem Gefühl, dass es eigentlich noch gar nicht zu Ende sein sollte. Ich finde das Buch zwar nicht spannend, aber der atmosphärische Schreibstilmacht es zu einem schönen Leseerlebnis.
Der 20-jährige Thomas Flett arbeitet in der kleinen Stadt Longferry (im Norden Großbritanniens) als Krabbenfischer und zieht, geführt von seinem Pferd, seine Netze tagein tagaus durch den sandig nassen Küstenstrand. Von seinem Großvater angelernt, sind ihm die immer gleichen Handgriffe mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen, aber es ist ein unermüdlicher und anstrengender Beruf, der wenig einbringt und ihn jeden Tag an seine körperlichen Grenzen bringt. Es sind die 1960er Jahre und Thomas lebt zusammen mit seiner Mutter in einem bescheidenen Cottage. Seinen Vater hat er nie kennengelernt und deshalb ist es an ihm, für den Lebensunterhalt der beiden zu sorgen. Die einzigen Fluchtmöglichkeiten bieten ihm seine Bücher und seine Gitarre, auf der er heimlich übt, während er davon träumt, im heimischen Pub aufzutreten. Doch das Leben ändert sich mit der unerwarteten Ankunft des Regisseurs Edgar Acheson, der Thomas bittet, ihm die Gegend zu zeigen und ihm zu erklären, wie er seinen Beruf ausübt, da der Strand die perfekte Kulisse für seinen geplanten Film zu sein scheint - und Thomas beginnt sich zu fragen, ob genau das sein lebensverändernder Moment sein könnte, der seine Monotonie endlich durchbricht. ➸ Wenn ihr jetzt denkt, dass dies eine "Kleinstadtjunge geht nach Hollywood"-Geschichte ist, irrt ihr euch, und ich erwähne das nur, weil es für mich einer der Kernstärken des Romans ist. Es geht nicht um den amerikanischen Traum oder darum, die abgedroschene Vorstellung von Erfolg zu erfüllen, die wir jeden Tag in unseren Social-Media-Feeds sehen. Nein, denn "Der Krabbenfischer" ist ein Buch über die Suche nach authentischem Glück, das für jeden ein höchst individuelles Unterfangen ist und nicht ausschließlich mit der Anerkennung durch andere zu tun hat. Der sensible Thomas sucht nicht unbedingt nach Abenteuern, die einen um die ganze Welt führen, sondern nach emotionaler Verbundenheit, auch durch die Kunst. Wie der Autor Benjamin Wood über die Arbeit eines traditionellen Krabbenfischers schreibt, darüber, wie Thomas sein Pferd und seinen Wagen durch den dichten Nebel lenkt und er den manischen Regisseur in die regnerische Natur an den gespenstischen Strand führt ist einfach meisterhaft und originell erzählt. Thomas fühlt sich durch die schwere Arbeit vorzeitig gealtert und hat das Gefühl, dass es bereits zu spät ist, sein Leben zu ändern und obwohl das jetzt alles ziemlich schwerfällig klingt, gibt es in diesem Buch auch eine große Menge an Schönheit, auch wenn jeder Leser diese wahrscheinlich an unterschiedlichen Stellen finden wird. Die Story selbst spielt sich in einem Zeitraum von zwei Tagen ab, die mit den knapp 220 Seiten eher einer Novelle gleicht. Trotzdem liest es sich vom reichhaltigen Inhalt eher wie ein 5-Sterne-Menü als ein kleiner Snack zwischendurch. Fazit: "Der Krabbenfischer" erzählt eine Geschichte zwischen Verhängnis und Melancholie und ist eine Mischung aus "Das war schon immer so" und einer Sehnsucht dem Unbekannten. Es ist atmosphärisch, dunkel, charmant, herzzerreißend und vor allem sehr menschlich und ein Grund mehr, warum Menschen schreiben und warum wir lesen. Warum ist Benjamin Wood in Deutschland noch kein berühmter Autor? Er sollte es definitiv sein!

Der Titelgebende Krabbenfischer ist Thomas Flett, ein 20-Jähriger junger Mann, der mit seiner Mutter in den 60er Jahren in Longferry in lebt. Die Arbeit, die er macht ist hart und er und seine Mutter brauchen jeden Cent, den er damit verdienen kann um Schulden zu begleichen und das Nötigste zum Leben zu erwerben. Als ein amerikanischer Regisseur bei ihm auftaucht und ihm ein lukratives Jobangebot macht, drängen bei dem Protagonisten alle mühsam unterdrückten Sehnsüchte, nach einem anderen Leben, nach und nach, an die Oberfläche. Was ich an der Geschichte mochte ist, ist die interessante Perspektive eines Menschen, der im einfachen, harten Leben gefangen zu sein glaubt und dessen intellektuelles Potential, sowie musikalisches Talent verschwendet zu sein scheint. Anstatt dieses simple, bodenständige Leben zu romantisieren, wie es häufig getan wird, nach meinem Empfinden, wird ganz klar benannt und thematisiert, wie frustrierend es sein kann. Auch die Beziehung zur Mutter, die teilweise unangenehm symbiotisch dargestellt wird, war stark gezeichnet. Ein bisschen wie ein Unfall, bei dem ich eigentlich nicht zuschauen möchte. Es hatte für mich aber gerade im Mittelteil Längen. Der Regisseur blieb mir zu blass als Figur und die Geschichte dümpelte streckenweise ziemlich vor sich hin. Die Auflösung der ganzen Story am Ende war mir viel zu schwach und gleichmütig. Insgesamt ein mittelmäßiges Buch. Kann man lesen, muss man nicht.
Alte Traditionen
•Buchrezi• 🥲 Zum Inhalt: Thomas lebt mit seiner Mutter im englischen Longferry. Es sind die sechziger Jahre, und langsam hält die Modernität Einzug in das kleine Küstenörtchen. Doch für Thomas bleibt alles beim Alten. Er hält an der Tradition fest, mit Pferd und Karren Krabben zu fischen. Tag für Tag zieht er los, zusammen mit seinem Pferd, das er schlicht „Junge“ nennt, ein richtiger Name würde nur unnötig Gefühle hervorrufen. Schon sein Pop, der ihm das Fischen beigebracht hat, musste im tückischen Sand den Verlust so mancher Pferde erleben. Thomas ist Anfang zwanzig, doch das Leben hat ihn bereits gezeichnet. Auch seine Mutter, die kaum Mitte dreißig ist, hat es nie leicht gehabt. Doch Thomas trägt ein Geheimnis in sich: Durch eine geerbte Uhr konnte er sich den Traum einer einfachen Gitarre erfüllen. Heimlich singt und spielt er in jeder freien Minute und träumt von einem anderen Leben. Eines Tages jedoch steht plötzlich ein Mann in seinem Haus, der ihm ein Angebot macht. Und obwohl Thomas tief in seinen Traditionen verwurzelt ist, nimmt er es an… Mein Fazit: Dieses Buch fühlt man beinahe körperlich. Mit welcher Intensität Wetter, Meer, das Fischen, der Gestank und ja, auch eingewachsene Zehennägel 🙈 (mein einziger Kritikpunkt, da es sehr oft und sehr plastisch erwähnt wird) beschrieben werden, habe ich selten erlebt. Thomas ist ein scheuer junger Mann, tief verankert in der alten Tradition des Krabbenfischens, doch im Inneren sehnt er sich nach mehr. Das raue Leben, der permanente Geruch und auch das enge Zusammenleben mit seiner Mutter machen ihn nicht glücklich. Und dann bekommt er eine Chance auf Veränderung. Wie sich diese Möglichkeit für ihn entwickelt, müsst ihr selbst herausfinden. Besonders berührt hat mich die Beziehung zu seinem Pferd. Auch wenn Thomas versucht, sie nicht zu sehr zuzulassen, zeigt die Geschichte doch immer wieder, wie eng Mensch und Tier zu einem perfekt eingespielten Team werden können. Ein intensives Buch, mit wunderschönem Cover und einem großartigen Protagonisten. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

leise Töne, große Wirkung
„Der Krabbenfischer“ ist ein stiller, tiefgründiger Roman, der sich langsam entfaltet, und gerade darin liegt seine Stärke. Benjamin Wood erzählt stimmungsvoll, fast meditativ, und schafft eine Dichte, die an die Werke von Autoren wie Benjamin Myers erinnert. Die raue Küstenlandschaft bildet nicht nur Kulisse, sondern wird zum Resonanzraum für innere Konflikte, Erinnerungen und Verluste. Die Atmosphäre ist durchweg eindringlich - getragen von einem reduzierten, aber wirkungsvollen Stil, der auf große Gesten verzichtet und sich stattdessen auf leise Zwischentöne konzentriert. Die Figuren sind komplex und glaubwürdig gezeichnet, ohne dass alles auserzählt wird; vieles bleibt unausgesprochen und genau das macht den Reiz aus. Trotzdem gibt es kleine Schwächen: An manchen Stellen wirkt die Erzählung etwas langgezogen, und nicht alle Handlungsstränge erreichen die Tiefe, die sie andeuten. Auch die emotionale Distanz zu einigen Figuren bleibt stellenweise bestehen, was den Zugang zur Geschichte mitunter erschwert. Fazit: „Der Krabbenfischer“ ist ein ruhiges, literarisch starkes Werk über Verlust, Erinnerung und das Weiterleben. Für Leser, die Bücher mit Tiefe, Atmosphäre und feinem psychologischem Gespür schätzen, ist dieser Roman eine lohnenswerte Lektüre.
Auf »Der Krabbenfischer« habe ich schon länger ein Auge geworfen, daher habe ich den Roman mit großen Erwartungen begonnen - und konnte ihn zum Schluss fast nicht mehr aus der Hand legen. Der junge Thomas Flett lebt mit seiner Mutter in den 60er Jahren in ärmlichen Verhältnissen. Die Abwesenheit des Vaters ist allgegenwärtig und tief verankert in Thomas' Gedanken und Sein. Täglich fährt er stoisch und pflichtbewusst zum Krabbenfischen auf das Meer hinaus und aus diesem Pflichtbewusstsein heraus verheimlicht er auch seine eigentliche Leidenschaft, seinen Traum davon, Musiker zu werden. Sein Leben ist grau und trostlos, und das hat Benjamin Wood mit einer extremen Tiefe und düsteren, fast schon melancholisch Atmosphäre ergreifend umgesetzt. Vor allem durch Woods nüchternen Erzählstil, mit dem er dennoch eine einnehmende Lebendigkeit geschaffen hat, wird man als Leser:in direkt in das Geschehen und die Gedankenwelt einbezogen. Als Thomas den Regisseur Edgar Acheson kennenlernt, fängt er an sich zu verändern. In der Freundschaft zu Edgar findet er Inspiration und den Mut, um seine Musik, die er in seinem Inneren bewahrt hat, auch nach außen zu tragen. Der keimenden Selbstbestimmung steht jedoch noch immer das Pflichtbewusstsein gegenüber, letztendlich ist er doch Krabbenfischer. Plötzlich steht Thomas vor einer Entscheidung, die er nicht treffen kann. Der Roman spricht mit ruhiger Stimme über den Spagat zwischen Verantwortung und Leidenschaft, über das schmerzhafte Fehlen des Vaters und Loyalität zu einem Freund - auch wenn der sie möglicherweise gar nicht verdient hat. Alles in einem sind meine Erwartungen erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Thematisch, stilistisch und atmosphärisch hat Benjamin Wood eine Roman geschaffen, der einen Moment perfekt eingefangen hat und damit noch lange im Gedächtnis bleibt.

Atmosphärisch geschrieben
Thomas ist zwanzig und Krabbenfischer. Tag ein, Tag aus zieht er mit seinem Pferd los um Krabben zu fangen. Das Handwerk hat er von seinem Großvater gelernt, keiner hat gefragt, ob er das wirklich machen will. Thomas lebt mit seiner Mutter zusammen, das Geld reicht gerade für das nötigste. Er hat keine Freundin und auch keine Freunde, seinen Vater kennt er nicht. Alles in allem ein sehr tristes Leben. Die einzige Abwechslung ist seine Gitarre, von der die Mutter nichts wissen darf und seine heimliche Verehrung für die Schwester seines Freundes. Als ein amerikanischer Regisseur nach Longferry kommt und Thomas eine Rolle in einem Film anbietet, scheint endlich Bewegung in sein Leben zu kommen. Sein Leben kommt ihm auf einmal so klein vor. Still und leise wird diese atmosphärische Geschichte erzählt. Es sind die Feinheiten in der Erzählung, die das Buch so ansprechend machen. Ich habe das Buch fast in einem Zug durchgelesen.
Wenn Routine auch zur Zufriedenheit werden kann
Für mich ein wundervolles leises Buch. Es zeigt, dass Verpflichtung und Erbe eine Bürde, aber auch eine Befreiung sein kann. Profilierung und Selbstverwirklichung können auch Unglück bedeuten. Vielleicht ein Vergleich zwischen dem einfachen und eigentlich zufriedenen Krabbenfischer und dem anfangs vielleicht beneidenswerten, aber realitätsverschobenen Regisseur.

Ein stilles, intensives Buch über Träume und Sehnsucht.
„Der Krabbenfischer“ von Benjamin Wood habe ich in nur zwei Tagen verschlungen – und das, obwohl ich mir das Buch vermutlich selbst nie gekauft hätte. Umso dankbarer bin ich, dass ich es als Rezensionsexemplar lesen durfte, danke an @dumontbuchverlag 🙏 Die Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Sie ist ruhig erzählt, manchmal melancholisch, dabei aber unglaublich berührend und besonders. Man spürt förmlich das Salz des Meeres und die Schwere der Gezeiten, die Thomas’ Leben bestimmen. Was mich beeindruckt hat: Die Atmosphäre bleibt einem noch lange nach dem Lesen im Kopf. Benjamin Wood schafft es, Figuren so lebendig zu zeichnen, dass man mit ihnen fühlt – und trotzdem lässt er einen am Ende mit offenen Fragen zurück. Aber vielleicht macht genau das den Zauber dieses Buches aus. 🌊 Übrigens mag ich total die Haptik und das Cover des Buches.
Atmosphärisch, aber nicht ganz rund
Thomas ist Krabbenfischer und genau wie sein Großvater vor ihm, fährt er jeden Morgen bei Niedrigwasser ans Meer, um den Lebenunterhalt für sich und seine Mutter zu verdienen. Seine wahre Leidenschaft gilt allerdings der Musik, da sich hiermit aber nur schwer Geld verdienen lässt, geht er pflichtbewusst dem Krabbenfischen nach, wie er es von seinem Großvater gelernt hat. Als plötzlich der Filmemacher Edgar in sein Leben tritt, beginnt er dieses zu überdenken. Der Schreibstil von Benjamin Wood ist sehr atmosphärisch und bildhaft, sodass man sich selbst im Nebel am Meer stehen sieht. Das hat mir sehr gut gefallen, allerdings fehlte mir bei der Handlung ein gewisser Spannungsbogen. Auch wenn mir die Geschichte an sich gefallen hat, konnte ich daraus für mich nicht sehr viel mitnehmen. Dennoch ist das Buch sprachlich gut und wer gerne atmosphärische und poetische Bücher liest, sollte sich das Buch einmal anschauen.









































