Der Kaiser der Freude
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Book Information
Author Description
Ocean Vuong wurde 1988 in Saigon, Vietnam, geboren und zog im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie nach Amerika, wo er heute lebt. Für seine Lyrik wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Whiting Award for Poetry (2016) und dem T.S. Eliot Prize (2017). Bei Hanser erschienen zuletzt sein Debütroman »Auf Erden sind wir kurz grandios« (2019), für den er mit dem American Book Award ausgezeichnet wurde, und die Gedichtbände »Nachthimmel mit Austrittswunden« (2020) und »Zeit ist eine Mutter« (2022).
Characteristics
5 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
„Manche Bücher erzählen nicht – sie tasten sich vor.“ Der Kaiser der Freude ist kein Roman, der dich an die Hand nimmt. Er ist einer, der dich stehen lässt – und dann leise beobachtet, ob du bereit bist, einen Schritt zu machen. Ocean Vuong schreibt Literatur, die weniger aus Handlung besteht als aus Empfindung. Seine Sätze wirken wie vorsichtig gesetzte Linien, die sich erst nach und nach zu einem Bild fügen. Es geht um Nähe, Verlust, Identität, um das leise Ringen mit sich selbst – und um die Frage, ob Freude überhaupt etwas ist, das man besitzen kann, oder nur etwas, das kurz durch einen hindurchzieht. Was dieses Buch stark macht, ist genau diese Zartheit. Vuong zwingt nichts, erklärt wenig, deutet viel an. Seine Sprache ist poetisch, aber nie ornamental – eher wie ein Flüstern, das man nur versteht, wenn man still genug wird. Viele Passagen fühlen sich weniger gelesen als erspürt an. Und doch: Genau darin liegt auch der Grund, warum ich bei 4 von 5 Sternen bleibe. Der Roman verlangt Geduld – und gibt nicht jedem Leser sofort etwas zurück. Es gibt Momente, in denen die Struktur fast zu lose wirkt, in denen man sich mehr Halt, mehr erzählerische Verdichtung wünschen würde. Nicht alles trägt gleich stark, nicht jede Passage entfaltet die gleiche Wirkung. Aber wenn es funktioniert, dann richtig. Dann trifft einen ein Satz unerwartet. Dann bleibt ein Bild hängen. Dann merkt man, dass dieses Buch nicht laut sein muss, um zu wirken. Fazit: Ein leiser, poetischer Roman mit großer emotionaler Feinheit – nicht immer zugänglich, aber genau deshalb besonders. Ein Buch, das nicht gefallen will, sondern nachwirkt. Für Leser, die… …literarische Romane lieben, die mehr fühlen als erzählen. …Sprache schätzen, die zwischen den Zeilen arbeitet. …bereit sind, sich auf ein Buch einzulassen, das Zeit braucht – und fordert. …Geschichten suchen, die nicht erklären, sondern offen lassen. Meine Zeile zum Buch „Freude ist kein Zustand – sie ist ein Moment, der dich findet, wenn du still genug bist.“

Sie fuhren vorbei an den Häusern mit den zu beiden Straßenseiten aufgereihten, leuchtenden Vierecken der Fenster und sagten eine Zeitlang nichts zueinander, unter den Lichtkegeln der vereinzelten Straßenlaternen schwebten nur ihre Atemwölkchen empor. Dann hörte sich Hai es sagen. Und sagte es noch einmal, zunächst leise, dann lauter, während Sonys Griff an seiner Schulter fester wurde. Und Sony schloss sich ihm an, und sie sagten es gemeinsam, während sie den Hügel hinuntersausten, zurück nach East Gladness, dessen Wasserturm in der nebligen Ferne eine Kette aus bunten Weihnachtslichtern trug. "Das ist kein Raumschiff", skandierten sie. "Das ist kein Raumschiff! Das ist kein Raumschiff!" Die deutsche Übersetzung des Originaltitels "The Emperor of Gladness" (wobei sich Gladness offensichtlich auf die fiktive Kleinstadt der Handlung bezieht) klingt ziemlich zynisch. Ob das so beabsichtigt war? Auf jeden Fall nimmt uns der 1988 in Saigon, Vietnam, geborene Autor, der als Kleinkind nach Amerika kam, mit an diesen recht trostlosen Ort, in dem eine litauische Großmutter mit Demenz den Protagonisten Hai vor dem Selbstmord bewahrt und in der er in einem Fastfood Restaurant mit dem sprechenden Namen "HomeMarket" fast so etwas wie eine Familie findet. "Bis heute verstand er die Ereigniskette nicht, die ihn mit leeren Händen in dieses dreckige kleine Kaff zurückgebracht hatte." Den amerikanischen Traum hätte der Protagonist leben sollen, als Erster in seiner Familie sollte er in New York City aufs College gehen. Doch bereits seit 5 Jahren ist Hai abhängig von Tabletten und schließlich kehrt er high und frustriert mit fast 20 Jahren aufs Sofa seiner Mutter zurück. Die große Enttäuschung seiner Mutter versucht er durch eine große Lüge zu überwinden: in Boston werde er ein Studium der Medizin beginnen. Und in das Leben einer Lüge begleiten wir Hai und fragen uns bang, wie die Zukunft des Protagonisten, der uns an Herz wächst, aussehen wird ... "Hab keine Angst vor dem Leben, mein Junge. Das Leben ist gut, wenn wir einander Gutes tun." Das Zitat von der letzten Seite von Dostojewskis Roman "Die Brüder Karamasow", ein Buch, welches Hai während der Geschichte begleitet, ist ein wenig titelgebend. Und es ist auch ein wenig rührend, wie der Protagonist sich um die Menschen kümmert, die sein neues Umfeld bestimmen. Die Figuren mit all ihren Träumen und Hoffnungen wirken so lebensecht, besonders Cousin Sony, der auch im Fastfood Restaurant arbeitet, eine Leidenschaft für den amerikanischen Bürgerkrieg hat und darum ringt, die Kaution für Mama Kim zusammen zu bekommen. Einzig die Beziehung zu der älteren Dame aus Litauen, die Hai vor dem Sprung von der Brücke bewahrt und ihn in ihr Haus aufnimmt, wirkt etwas konstruiert. Und das, obwohl der Roman der gleichnamigen Grazina J. Verselis gewidmet ist, der verstorbenen Großmutter des Partners von Ocean Vuong, bei welcher der Schriftsteller selbst einige Zeit gewohnt hat. Wahrscheinlich ist es vor allem der Faktor, wie die Demenzerkrankung der alten Dame dargestellt wird, die diesen Part der Geschichte unorganisch wirken lässt. In gewisser Weise wird die Erkrankung romantisiert oder verklärt skizziert. Ansonsten zeichnet sich der Schreibstil des Autoren durch starke Bilder und eine angenehm zurückhaltende Sprache aus. Die autobiographischen Züge im Roman lassen viele Szenen echt und berührend wirken. FAZIT Am Ende erhalten wir - fast wie bei den Klassikern des 19. Jahrhunderts - einen Ausblick, wie es mit den Menschen der Geschichte weitergeht. Doch wie steht es um die Zukunft des Protagonisten? Vielleicht genügt es nicht, gut mit anderen zu sein. Man muss bei sich selbst damit beginnen. Hoffentlich lässt sich der Kaiser Wurm (Hamlet lässt grüßen) wenigstens bei dem begabten Schriftsteller Ozean Vuong noch ganz lang Zeit mit der Bekanntschaft - das wünsche ich mir von Herzen. .. Eine Leseempfehlung.
Vom Leben, Träumen und den Verlusten
Ocean Vuong versteht es Tragik poetisch zu erzählen. Und eigentlich passiert auch nicht viel, doch war ich hin und weg. Wir begleiten Hai auf einem Jahr in seinem Leben. Dort treffen wir die alte Dame Grazina und ja was soll ich sagen, ich war ganz hingerissen, wie sich die Beiden helfen bei Ihren Problemen und den Anderen aber auch so akzeptieren. Ganz toll erzählt sind auch die Figuren im Homemarket. So unterschiedlich und doch ist auch hier Hilfe und Verständnis für jeden. Ich denke es ist auch in vielen Teilen autobiografisch, zumindest was man über den Autor so liest. Daher ist es fast noch umso schöner, dass Menschen welche so zu kämpfen haben, doch so selbstlos in Teilen aufeinander achten. Wer auf ein schön geschriebenes Buch mit ganz viel Tragik Lust hat, ist genau richtig. Und allein Maureen, BJ, Wayne, Russki und Sony ist es allemal wert. Hab das ganze Homemarket Team sehr ins Herz geschlossen.
Wortgewaltig, skurril, grotesk! Dieses Buch schweift für mich zu oft in aufwändige Bilderwelten ab.
Die bildhafte Darstellung fühlt sich mitunter wie eine Überreizung an: zu krass, zu dicht. Dadurch gerät der Lesefluss merklich ins Stocken. Das ist zwar teilweise sehr beeindruckend, aber auch sehr ermüdend. Der Autor verliert sich sehr oft in dieser detailverliebten Sprache. Das war leider nichts für mich. Positiv hervorheben lässt sich die zwischenmenschliche Wärme in diesem Roman. Die Freundschaft zum Homemarket Team wirkt echt und lebendig- hier entsteht eine stützende, fast familiäre Verbindung zu vermeindlich gescheiterten Existenzen. Auch die Beziehung von Hai zu Grazina ist etwas besonderes. Hai unterstützt sie in ihrer immer weiter fortschreitenden Demenz (auf seine ganz eigene Art und Weise), während Grazina ihm durch Unterkunft, Stabilität und familiäre Nähe beisteht. Trotz dessen konnte das Buch mich leider nicht emotional packen.
„Ein Talent im Kreisverkehr – Ocean Vuong und die Erschöpfung des Immergleichen“
Ich habe lange auf den neuen Roman von Ocean Vuong gewartet. Nach sieben Jahren endlich ein weiteres Buch – und doch irritieren mich schon Titel und Cover, die weder auf Englisch noch auf Deutsch wirklich greifen. Auch nach der Lektüre bleibt der Titel ein loses Bild ohne erkennbare Notwendigkeit. Im Roman selbst passiert gleichzeitig wenig und viel. Die Figuren sind überzeichnet, ein amerikanisches Diner‑Ensemble, in dem jede Person einen Knacks haben muss. Das wirkt nicht mehr exzentrisch, sondern vorhersehbar. Besonders Grazina, deren Kriegserfahrungen immer wieder eingeschoben werden, verliert durch die ständige Wiederholung an Kraft. Statt Entwicklung entsteht ein Kreisen, das ermüdet. Auch thematisch bewegt sich Vuong auf ausgetretenen Pfaden. Die Drogenszene und das soziale Milieu, das er bereits in seinem Debüt intensiv beschrieben hat, werden hier erneut bemüht – nur greller, lauter, dramatischer. Die Härte wirkt nicht mehr scharf, sondern routiniert. Und erneut tauchen die obligatorischen Nagelstudios auf, ein Motiv, das inzwischen eher wie ein Klischee wirkt als wie eine Beobachtung. Die vietnamesische Community ist vielfältiger, und die Fixierung auf dieses eine Bild bekommt einen leicht zynischen Beigeschmack ! Verwundert hat mich zudem, wie stark der queere Aspekt in Rezensionen und Ankündigungen betont wurde. Im Buch selbst findet er kaum statt – nicht einmal eine Seite lang. Das wirkt weniger wie ein inhaltlicher Schwerpunkt als wie ein Marketingversprechen, das sich im Text nicht einlöst. Im Vergleich zu Édouard Louis, Douglas Stuart und Vuong selbst fällt auf, wie sehr alle drei Autoren aus demselben Milieu schöpfen: Armut, Drogen, familiäre Brüche, soziale Härte. Es ist verständlich, dass man das verarbeitet – aber irgendwann wirkt es, als würden alle drei im selben Reservoir fischen, nur mit leicht unterschiedlichen Akzenten. Vuong schreibt weiterhin sensibel, aber mir fehlt die Präzision, die ich inzwischen suche – klare, kurze Sätze, die nur einen Impuls geben, wie ich es zuletzt in meiner MOOSLAND-Rezension beschrieben habe. Viele Szenen wirken überdehnt, fast filmisch ausgestellt, als wären sie bereits für eine Verfilmung gedacht. Auf seinen dritten Roman warte ich jedenfalls nicht mehr sehnsüchtig. Die letzten 30 Seiten habe ich überflogen – mir fehlte die Energie, ich hätte mir gewünscht, bei Seite 350 wäre Schluss ! Zum Glück habe ich mir eine schöne Ausgabe der BücherGilde Gutenberg zugelegt, die es leider nicht mehr gibt-aber die Büchergilde hat wenigstens das Buch gelesen und ein passendes Cover dazu gemacht.

"Nach langem Schweigen, aus dem er schloss, dass sie eingeschlafen war, sagte sie: Ich wollte, ich hätte dich schon vor langer Zeit gekannt. Wir hätten uns gegenseitig geholfen. Oder? Ja das hätten wir." Wir soll ich es am besten beschreiben - viele einzelne Geschichten in einer großen Geschichte. Es sind die Geschichten von Hai, von Grazinam, von Sony, von BJ, von Maureen, von Tante Kim, von Onkel Mineh, von Russki, von Wayne und von allen anderen die im HomeMarket aßen und auf der Hubbard Street lebten. Hai ein junger Mann vietnamesischer Einwanderer, drogenabhängig, einsam, erfolglos, frisch aus der Entzugsklinik entlassen und von Zuhause raus - will nicht mehr, viel sein Leben beenden - Trifft auf die 81 jährige Grazinam, Auswanderin aus Litauen, Kriegsflüchtling, träumte vom amerikanischen Traum, alleine, leidet unter einer schleichenden Demenz. Geschichten wie sie im Buch stehen. Geschichten die kommen wie sie wollen, die nicht vorhersehbar sind, die das Leben aus machen. Die echt sind. Ich fand die Geschichte anfangs unglaublich gut, sie nahm schnell Fahrt auf, ich war drin, aber irgendwann konnte ich nicht mehr so 100% folgen, ich habe den Faden immer wieder verloren. Es war an einigen Stellen zu zäh, aber dann auch wieder herzzerreißenend. Am Ende ist die Geschichte von allen berührend, aber man hätte es es auch kürzer fassen können. Aus diesem Grund ein solide...
Fesselnd, tragisch und ABSOLUT EMPFEHLENSWERT!!!!
Ich habe es mir als Hörbuch angehört. Wunderbar, passender Sprecher und sehr angenehm anzuhören. Es ist eine ruhige, tief hineingehen Geschichte. Tragisch, fesselnd, jedoch durchaus auch mit amüsanten Stellen. Ich empfehle es allerdings GEFESTIGTE, im Leben stehende Leser*innen, denn, es geht unter anderem um Suizid. Gerade der sehr ruhige Schreibstil macht es aus, dass es SEHR TIEF hineinfährt und, zumindest mich, gar nimma losließ. Es ist eines jener Lektüren, die mir wohl im Gedächtnis bleiben werden und auf jeden Fall zum Nachdenken bringen. Bei mir ist es jedenfalls zu meinen ALL-TIME-FAV'S Lebenslektüren hinzugekommen.

"Denn sich zu erinnern heißt, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu füllen, und das bedeutete, dass der Preis für eine Erinnerung, eine Erinnerung an irgendetwas, das Leben selbst war. Wir ermorden uns selbst, dachte er, indem wir uns erinnern."
Sprachlich ein wunderbarer Lesegenuss, erzählt Ocean Vuong hier eine Geschichte von tiefen, tiefen Schmerz und großer Traurigkeit und dem Verloren sein. Zeitweilig durchaus etwas langatmig, bleibt es eine stets unaufgeregte und ruhige Erzählung, die dennoch eine subtile Wucht entfaltet. > Wir sind eine matschige Spezies. Egal, mit wem du redest, wenn das Gespräch länger als eine halbe Stunde geht, wird dir klar, dass alles, was sie tun, eine Lüge ist, an der sie sich festklammern, um nicht auseinanderzufallen. Von Gefängniswärtern über Lehrer und Manager, bis hin zu Psychiatern, sogar Väter, jeder, auch deine bescheuerten Generäle. Die Leute geben sich so einen Anschein von Stärke, sie tun so, als hätten sie einen Sinn, eine Mission und als sollte ihr ganzes Leben auf diese eine beschissene Riesentheorie zulaufen, wer sie sind. Aber was ist denn bitte passiert, hm? Robert E Lee hat all diese Männer, die an ihn glaubten, durch eine halbe Meile der Hölle geschickt, weil er zu viel Schiss hatte, zuzugeben, dass er es verkackt hat und ohne Kavallerie dasteht. Seine Generäle haben ihm geraten, in die Berge zurückzufallen, aber er wollte nicht auf sie hören. [...] Die Leute haben bloß Angst, dass die anderen auf sie herabschauen, sie verurteilen uns so. Angst, dass jemand ihren hirnrissigen Fake-Panzer durchschauen könnte, den sie ihr ganzes Leben lang um sich hochgezogen haben. Und wofür? Um die beschissene Ruhr zu kriegen, während ein Haufen Leute, die einen für Gott halten, in einem Kugelhagel marschiert? Siehst du das nicht? Wir erzählen uns alle irgendeine Geschichte, sonst könnten wir es doch gar nicht ertragen, am Leben zu bleiben und uns abzurackern, bis wir unter der Erde sind [...] In echt sind doch die meisten von uns fertig, innerlich kaputt. Jeder. Kaputt ist der Normalzustand. Man ist kaputt und normal, verstehst du? [...] Alle haben Angst. [...] Du musst niemandes Soldat sein. Du kannst jemand sein, der sein Leben lebt, und das sollte doch verdammt noch mal reichen. [...] Menschen sind gar nicht so schlecht. Es sind einfach kleine Kinder, die sich wehgetan haben und wieder heil werden wollen. Und darum erzählen sie sich dämliche Geschichten. < Seite 455 bis 456
Dieses Buch ist keins, um es schnell weg zu lesen, sondern man muss für die 500 Seiten Ruhe und Zeit einplanen. Die vorne angestellte Widmung sagt: "Für diejenigen, die uns versorgen" und deren Geschichten werden erzählt. Man wünscht ihnen allen, dass irgendwann mal etwas Bedeutungsvolles passiert, aber das geschieht in diesen Leben nicht. Da werden dann mitunter auch Erinnerungen etwas ausgeschmückt, Lügen von allen aufrecht erhalten, mit dem Ziel irgendwie größer zu sein, als man ist. Die Zerrissenheit zwischen Suchen und Sein wird hier sprachlich ruhig und bildhaft ausgeschmückt dargestellt.
Ocean Vuong erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte von Hai. Dabei zieht er uns gleich zu Beginn brutal in eine Welt voller Schmerz und Hoffnungslosigkeit. Themen wie Suizid, Krieg, Drogenmissbrauch oder Depressionen sind omnipräsent, manchmal fast zu viel. Dadurch fiel es mir sehr schwer, wirklich Nähe zu den Figuren aufzubauen. Und trotzdem: Vuong kann schreiben! Gerade in den Momenten zwischen Hai und Grazina oder in den stilleren Szenen spürt man seine ganze literarische Kraft. Da glänzt er für mich. Leider dauert es, bis der Roman diesen Kern erreicht. Erst im zweiten Teil wird er wirklich stark. Wenn es um Freundschaft, Akzeptanz und die Menschen am Rand der Gesellschaft geht. Ein Roman voller Gegensätze. Faszinierend und bedrückend zugleich. Am Ende bleibt für mich das Gefühl einer gewissen Disbalance, aber auch einige Szenen, die nachwirken und leuchten.

„Aber hab keine Angst vor dem Leben. Das Leben ist gut, wenn wir einander Gutes tun.“ „Der Kaiser der Freude“ ist ein Buch voller Ohnmacht und Alltäglichkeit, von den Schwierigkeiten und Freuden des Alltags. Von Freundschaft - ganz egal in welcher Form und dem Fünkchen Licht, das in jeder Dunkelheit existiert. Genauso ist es ein Roman ohne erkennbares Ziel. Es fühlt sich so an, als würden wir Hai, selbstmordgefährdet und medikamentenabhängig, fürsorglich und warmherzig, nur ein Stück auf seinem Weg begleiten. Und das schmerzt - gerade weil sein Schicksal so prekär wie offen ist. Hai lebt in einer heruntergekommenen Kleinstadt in New England - und sein Leben liegt in Scherben bis ihn Grazina, eine alternde immigrierte Überlebende aus dem 2. Weltkrieg, deren eigene Geister in ihrem Kopf immer stärker werden, vor dem Freitod rettet. Er zieht bei ihr ein, wird der Pfleger der an Demenz erkrankten Damen und beginnt in einem Diner zu arbeiten. Nicht dass Grazina alle Scherben wieder zusammenpuzzlen wird, nein, dass nicht. Aber sie zeigt die Schönheit im eines einzelnen Bruchstücks Mich hat die wachsende Beziehung zwischen dem jungen Hai und der über 80 Jährigen sehr berührt. Mit jeder Seite, voller Gesprächen der beiden, mal vollkommen klar, mal überlagert von Grazinas Erinnerungen aus dem 2. Weltkrieg, die sich immer mehr in den Alltag schleichen, sind sie mir mehr ans Herz gewachsen. Ihre wachsende Freundschaft, ihr Lernen voneinander, fand ich sehr eindringlich beschrieben. Für mich sind die beiden und ihre kleinen Abenteuer das Herz des Romans. Die Erzählung zentriert sich auf Hai, seine Depression und seine Tablettenabhängigkeit, seine Trauerbewältigung, seine Fehlschläge und sein eigenes Schuldbewusstsein für so viele Dinge, an denen er nur zum Teil die Schuld trägt. Manchmal ist das für den Lesenden selbst schwer zu ertragen. Der zweite zentrale Aspekt ist Hais Job im Diner, sein Verhältnis zu seinen Kollegen und die sich hier entwickelnde Freundschaft. Das war das Gegengewicht zu seiner Beziehung zu Grazina, obwohl sich zwischen Grillhähnchen und Fertigkartoffelpüree auch eine feste Gemeinschaft entwickelt - sogar mit Spinatmissbrauch. Trotzdem hat mich das Diner nicht ganz so gefesselt - die Erzählung mäanderte vor sich hin (ich bin mir bewusst, dass das von Ocean Vuong gewollt war!). Trotzdem hat es mich ab und an verloren. Alles in allem ein Roman, der grandiose Momente, weise Sätze und plastische Gedankenbilder in sich vereint - zu einem Plädoyer an das Leben und warum es wert ist, nicht aufzugeben.
"Ich hab Angst, Ma (...) Vor der Zukunft - sie wirkt so riesig. " - "Das liegt daran, dass du jung bist. Irgendwann wird sie kleiner. Aber hab keine Angst vor dem Leben, mein Junge. Das Leben ist gut, wenn wir einander Gutes tun,"... Und (beinahe) jede Person in diesem Buch - alle so liebevoll gezeichnet- versucht, Gutes zu tun. Und das war wirklich berührend. Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter. Zuweilen ist die Sprache und der Satzbau etwas holprig und ungewohnt... daher einen (kleinen) Stern Abzug.
"Das Schwerste auf der Welt ist, nur einmal zu leben. Aber es ist schön hier (...)" . So beginnt dieses Buch...
Die Bewertung und eine Rezension fällt mir schwer. Das Buch, die Geschichte, die Sprache, die Figuren sind nicht schlecht. Man bekommt einen guten Einblick in so viele unterschiedliche Lebensläufe und -realitäten. Die Stimmung war eher traurig, niedergeschlagen und schwer, ja, ich könnte depressiv sagen. Alles Außenseiter, die es in der Gesellschaft vielleicht nicht leicht haben, aber eine Gemeinschaft entwickeln, trotz der Unterschiede und Eigenheiten. Oder vielleicht genau deswegen. Aber das Buch zog sich sehr. Ich musste mich mehrmals motivieren weiterzulesen, so richtig packend war es nicht. Die Geschichte rund um Hai und Grazina hat mich am meisten berührt, aber manchmal auch wütend gemacht. Die Darstellung von außerfamiliären zufälligen Beziehungen zwischen einem Demenzkranken Menschen und meist einem jüngeren Menschen werden häufig so romantisiert in der Literatur. Da kommt einer und kümmert sich so hingebungsvoll und lieb und weiß irgendwie auch was für den Demenzkranken das Richtige ist. Und die Familie wird als hart und unliebend dargestellt. Aber als Tochter einer Demenzkranken kann ich sagen, dass man den Angehörigen eben in guten professionellen Händen wissen will, wo er*sie die beste Pflege erhält. Schade, dass mir immer wieder Bücher begegnen, die das kritisieren und abwerten. Das ist natürlich eine sehr individuelle Sichtweise, die ich jedoch nicht unerwähnt lassen wollte. Nun bin ich froh, dieses Buch in diesem Jahr abgeschlossen zu haben. Von dem Autor werde ich wohl nicht bald wieder was lesen.
Ich hab 70% von diesem Buch gelesen und bin dann einfach zum letzten Kapitel gesprungen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Es ist bei weitem nicht schlecht, viele wichtige Themen werden behandelt und die Geschichte im herzen ist auch schön, aber da ist so viel drum herum und alles zieht sich so lang und zäh, ich musste mich immer extrem zwingen weiter zu lesen. 200 Seiten weniger und eine genauere Richtung und man hätte hier wirklich was haben können. Emotional ist einfach alles über mich hinweg gerauscht und ich hab leider gar nichts wirklich gefühlt.
Lass dich drauf ein - es lohnt sich!
Inspiriert durch einen WDR Lesetipp startete ich mit etwas Respekt aber auch großer Neugier in diese Geschichte. Hai, der in einer tiefen Kriese steckt, begegnet Grazina. Sie ist Alt & Dement und zwischen ihnen wächst eine recht ungewöhnliche und doch sehr schöne Freundschaft. Die beiden Protagonisten die unterschiedlicher nicht sein können fangen sich gegenseitig auf, helfen einander und geben sich halt. Mit einem Mix aus Vergangenheit & Gegenwart zeigt diese Geschichte von Vuong mit seinem ausschweifenden, gleichzeitig emotionalen Schreibstil was Ausweglosigkeit, Psychische Probleme, Freundschaft und dazugehörigkeit ausmachen können. Anfangs habe ich zwar ein bisschen gebraucht um rein zu kommen, da es schon poetisch geschrieben ist und ich in dem Bereich nicht so die Erfahrung habe aber ich habe dieses Buch gern gelesen. Vor allem wegen der Charaktere, die ich allesamt so in mein Herz geschlossen habe & ich denke, dass mich diese Geschichte auch nachhaltig begleiten wird. Vor allem die Gespräche zwischen den beiden. Trau dich, Lass dich drauf ein. Es lohnt sich! ❤️

East Gladness, ein vergessener Ort im tristen Connecticut. Hier lebt Hai, Sohn vietnamesischer Einwanderer, der an einem Wendepunkt steht: Nach dem Abbruch seines Studiums, jahrelangem Tablettenmissbrauch und einem Leben im Netz aus Lügen zieht es ihn auf eine Brücke, wo er seinem Leben ein Ende setzen will. Doch hier sieht ihn Grazina – eine demente alte Frau litauischer Herkunft, die den zweiten Weltkrieg überlebt hat und nun allein in einem baufälligen Haus am Fluss lebt. Ihre Begegnung mit Hai, so zufällig sie wirkt, ist der stille Auftakt zu einer zarten Verbindung zwischen zwei Verlorenen: ein junger Mann am Abgrund, eine alte Frau am Ende ihres Lebens, die zunächst nicht allzu viel gemein haben, doch „Die Superkraft der Jugend besteht darin, dass man dem Nichts am Nächsten ist, und darin gleicht sie dem hohen Alter.“ (S. 420). Sprachlich ist der Roman eine Wucht. Vuong schreibt mit poetischer Präzision, die zu keiner Zeit kitschig erscheint. Seine sprachliche Gewandtheit hat mich beeindruckt und zugleich berührt. Dabei greift „Der Kaiser der Freude“ Themen wie Einsamkeit, Wahlfamilien und die Fragilität menschlicher Verbindungen auf. Dargestellt ist außerdem ein Amerika, das mit dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ nur noch wenig zu tun hat. Letztlich bleibt bei mir aber doch ein zwiespältiges Gefühl. So intensiv und ergreifend die Sprache ist, so sehr fehlte es mir in der Handlung an Entwicklung. Die Grundidee – zwei Einsame, die einander ein Stück Leben schenken, gepaart mit einer sozialkritischen Darstellung des heutigen Amerikas – fand ich stark, die Handlung hat mich aber erzählerisch nicht komplett überzeugen können. Ich finde zwar, dass die Handlung auch ohne großen Spannungsbogen funktioniert und gerade von den leisen Tönen lebt, die die Trostlosigkeit und inneren Konflikte widerspiegeln, aber die Charaktere blieben mir letztlich zu wenig plastisch. Möglicherweise war auch meine Erwartungshaltung einfach zu hoch… (?) „Der Kaiser der Freude“ ist ein sprachgewaltiges Werk über das Leben am Rand der amerikanischen Gesellschaft – berührend, feinfühlig und ungeschönt. Man sollte jedoch keine Handlung mit Spannungsbogen und Entwicklungen erwarten.
In “Der Kaiser der Freude” geht es um Hai, der nach geschmissenem Studium und einem Suizidversuch im Haus der alten Grazina landet, die als Jugendliche aus Litauen in die USA ausgewandert ist. Er fängt an, im selben Schnellrestaurant wie sein Cousin Sony zu arbeiten und findet in der Belegschaft aus “seltsamen Losern” eine Ersatzfamilie. Ocean Vuong hat eine wundervolle Art, Details einzufangen und zu beschreiben und steckt voller Liebe für all seine Figuren. Er erzählt so poetisch, dass man sich manchmal in seinen Sätzen verlieren möchte. Die Protagonisten wachsen einem schnell ans Herz, die schräge Handlung zieht in ihren Bann und man möchte auch nach Ende der Handlung weiter in East Gladness bleiben. Ein toller Coming-of-Age-Roman über Freundschaft und verlorene Träume, der manchmal so weh tut wie das Leben auch. *Das Hörbuch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar von Netgalley zur Verfügung gestellt.
„Der Kaiser der Freude“ war mein meisterwartetes Buch 2025 – und endlich hielt ich es in den Händen. Kurz hatte ich Sorge, dass meine Erwartungen zu hoch gesteckt waren und ich enttäuscht zurückbleiben würde. Doch schon ab der ersten Seite war klar: Diese Sorge war unbegründet. Die Geschichte ist schwer, ja – voller Schmerz, Verlust und Schicksalsschläge. Und doch fühlt sie sich nie kalt oder erdrückend an. Ocean Vuong gelingt es mit einer seltenen Feinfühligkeit, jede Figur so lebendig, liebevoll und echt zu zeichnen, dass man meint, sie persönlich zu kennen. Trotz aller Tragik schwingt in jeder Zeile eine tiefe, stille Hoffnung mit. Es ist, als würde man eine Geschichte lesen, die gleichzeitig umarmt und aufwühlt – leise, aber intensiv. Für mich ist dieses Buch jetzt schon ein Highlight des Jahres. Lieber Ocean Vuong – ich warte jetzt schon sehnsüchtig auf dein nächstes Werk. Bis dahin tauche ich wohl noch einige Male zurück in die Welt von Hai, Grazina, Sony, Maureen, Russki, BJ und Wayne.
Durchgehört statt gefühlt
Ich habe Der Kaiser der Freude mit einer gewissen Erwartungshaltung gelesen beziehungsweise gehört, weil das Buch stark gehypt wurde und mir mehrfach empfohlen worden ist. Zudem kannte ich bereits ein früheres Werk von Ocean Vuong, mit dessen Schreibstil ich allerdings auch schon nicht richtig warm geworden bin. Leider hat sich dieser Eindruck für mich hier bestätigt. Es gibt durchaus Momente im Buch, die schön, sensibel und auch nachdenklich sind. Einzelne Szenen zwischen den Figuren haben emotionale Tiefe und zeigen, dass Vuong ein gutes Gespür für zwischenmenschliche Nuancen besitzt. Gerade diese Passagen blitzen immer wieder auf und lassen erkennen, warum viele Leserinnen und Leser seine Werke schätzen. Gleichzeitig zieht sich die Handlung für mein persönliches Empfinden jedoch sehr in die Länge. Der Aufbau wirkt stellenweise zäh, manche Abschnitte verlieren sich in Beschreibungen oder gedanklichen Schleifen, wodurch Spannung und Dynamik verloren gehen. Ich hatte mehrfach das Gefühl, dass der Weg zu den eigentlich berührenden Momenten unnötig lang ist. Dadurch entstand bei mir immer wieder Langeweile statt Neugier. Auch der Stil selbst hat mich nicht abgeholt. Die Sprache wirkt auf mich teilweise sehr geschwollen oder überladen, was dazu führte, dass ich gedanklich abgeschweift bin. Besonders im Hörbuchformat fiel mir das auf. Ich habe es zwar bis zum Ende durchgezogen, mich zwischendurch aber eher durchgehört als wirklich gefesselt gefühlt. Mehrmals stand ich kurz davor abzubrechen. Insgesamt erkenne ich an, dass das Buch literarische Qualitäten und einige starke Szenen besitzt. Für mich persönlich überwiegt jedoch das Gefühl von Langatmigkeit und stilistischer Distanz. Ich kann nachvollziehen, warum das Werk viele begeistert, aber mich hat es nicht wirklich erreicht. Eine klare Empfehlung würde ich daher nicht aussprechen. Eher ein Kann man lesen, muss man aber nicht, zumindest wenn man mit sehr poetischer und teils ausschweifender Sprache Schwierigkeiten hat.
Ein Glimmen, wo ich mir Leuchten erhofft hatte.
Leider konnte mich „Kaiser der Freude“ nicht ganz überzeugen. Ich mochte einige Einzelheiten, etwa die Dynamik zwischen dem jungen Hai und der über achtzigjährigen Grazyna, die im Laufe der Geschichte immer mehr von der Demenz und alten Erinnerungen verschluckt wird. Die liebevolle Bereitschaft der beiden, sich in ihren Eigenarten aufeinander einzulassen - sich schließlich aufeinander zu verlassen - schafft ein warmes, melancholisches, gar ulkiges Kopfkino. Vuong baut als sensibler und wertschätzender Erzähler eben denen eine Bühne, die sonst im Schatten stehen. Den Kranken. Den Süchtigen. Den Alten vor allem. Aber auch den Geringverdienern, die die Maschine am Laufen halten. Die am Fast Food Schalter stehen, lächelnd. Deren Job es ist ein komfortables Leben in Fülle vorzugaukeln, wo sie selber jeden Tag kämpfen müssen. Zum Beispiel im Home Market, wo Hai Arbeit findet, während seine Mutter nicht ahnt, dass er drogenabhängig ist. Stattdessen denkt sie, dass er Medizin in Boston studiert. Seine Kolleg*innen werden eine zweite Familie für ihn, hier gibt es eine wrestlingbesessene Chefin, seinen Cousin, der meisterlich Origamipinguine faltet und eine, die an Echsenmenschen glaubt. So gern ich die schrägen Figuren und das Setting im Hinterland der USA, fernab des amerikanischen Traums, mögen wollte: der Funke ist nie ganz übergesprungen. Vieles war mir zu gewollt und die Sprache suhlte sich immer wieder in Poesie, ohne groß zur Geschichte beizutragen. Vielleicht lags letzten Endes auch an der Übersetzung. Allein dass der Titel „Emperor of Gladness“ wortwörtlich als „Kaiser der Freude“ übersetzt wurde, ist mir ein Rätsel, wo doch Gladness der Schauplatz des Romans ist und im Deutschen komplett seine Doppeldeutigkeit verliert.
Ich habe wirklich lange gebraucht, um diesen Roman zu lesen - über ein Monat - und auch wenn ich immer wieder Zweifel hatte, hat es sich am Ende doch sehr gelohnt! Wir begleiten Hai, einen jungen Mann mit vietnamesischen Wurzeln, der nicht weiß, was die Zukunft für ihn bereit hält. Er kann nicht nach Hause zu seiner Mutter und findet bei Grazina Unterschlupf; im Gegenzug kümmert er sich um die alte, einsame Dame aus Litauen und leistet ihr Gesellschaft. Über seinen autistischen Cousin Sony findet er eine Anstellung bei HomeMarket, einem Fastfood-Lokal. Die Geschichte entfaltet sich sehr langsam, nach und nach werden Hintergründe offengelegt und viele große Themen wie Drogen-/Medikamentenmissbrauch, Umgang mit alternden Menschen und Demenz, Realitäten der Lebensmittel- und Fleischindustrie, Leistungsdruck in Einwandererfamilien uvm. angeschnitten. Ocean Vuongs Schreibstil ist sehr beschreibend poetisch, stellenweise zwar etwas ausschweifend, hat mir persönlich aber gut gefallen und wurde von Nikolaus Stingl & Anne-Kristin Mittag gekonnt ins Deutsche übertragen, so dass sich das Buch sehr gut liest – und das, obwohl es in vielerlei Hinsicht sehr „amerikanisch“ ist und es jede Menge kultureller Referenzen gibt. Besonders gern habe ich die Dialoge gelesen, die oft überraschend tiefgründig waren. Schade fand ich, dass es keine durchgehenden Spannungsbogen gab. Auch wenn viele Szenen mich nachhaltig beeindruckt haben, bin ich sehr oft „aus der Geschichte gefallen“ und hatte manchmal das Gefühl, einen Aneinanderreihung von Kurzgeschichten zu lesen, die lose über den Protagonisten Hai miteinander verbunden sind. Dadurch habe ich den Roman öfter mal zur Seite gelegt und anderen Büchern den Vortritt gewährt – es ist auf jeden Fall, eine Geschichte für die man sich genug Zeit nehmen muss! Wenn man sich aber ganz darauf einlässt, bietet es sehr viel Stoff zum Nachdenken und liebenswerte, schräge Charaktere, die einen noch lange begleiten werden.
In "Der Kaiser der Freude" schlüpfen wir ins Leben von Hai: Hais Alltag besteht - nach dem Aufenthalt in einer Entzugsklinik und einem Suizidversuch, den eine 80+ Jährige Frau beobachtet und stoppt -, darin, sich um ebendiese ältere Frau mit voranschreitender Demenz zu kümmern und seiner Arbeit in einem Diner, um sich finanziell über Wasser zu halten. Wir erleben durch ihn ein Leben in einer Kleinstadt der USA am Rande von Armut, seinen Kampf mit Verlust, Drogenabhängigkeit, Lügen und komplexer familiärer Verbundenheit. Aber auch Zusammenhalt, Mut und Freundschaften. Es ist eine mitreißende Geschichte, wunderschön geschrieben (und übersetzt), die trotz schwieriger Themen nicht unbedint an Leichtigkeit einbüßt.
Ich habe die Story als Audiobuch gehört (vielen Dank an Netgalley und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar) und empfand Fabian Busch als spannenden Sprecher. Mit einer Einschränkung: Seine Darstellung des Akzents von dem Charakter "Russki" hat bei mir sauer aufgestoßen - ich verstehe, dass er in die unterschiedlichen Stimmen und Menschen Leben einhauchen wollte, aber als deutscher Mensch eine schlechte Interpretation eines russischen Akzents zu spielen, hätte nicht sein müssen.
2009. New England. Hai, queerer Mann mit vietnamesischen Wurzeln, will mit Pillen Selbstmord begehen. Bevor er seine Tat vollzieht, lernt er Grazina die aus Litauen stammt, kennen. Er zieht in ihr Haus & wird ihr Pfleger. Sie weiht ihn in ihre Rituale & in ihre Vergangenheit ein. Sie hat den 2.Weltkrieg überlebt… *********** „Der Kaiser der Freude“ von Ocean Voung habe ich im Rahmen der 2.Buchclubrunde 2026 gelesen. Was macht es mit einer Person die die Schrecken des 2.Weltkrieges erlebt hat? Albträume verfolgen sie dem ganzen Leben. Es ist eine Mischung aus Demenz & Trauma. Grazina nimmt Tabletten, aber die Dosis ist zu gering, die Geister sind real. Hai wird ein amerikanischer Sergeant, muss mit in die Vergangenheit & holt sie in die Gegenwart zurück. Weiß Grazinas Sohn von den nächtlichen Traumsequenzen & haben sie deshalb so wenig Kontakt? Hai will sich Geld dazuverdienen & bekommt einen Job in ein Fastfood Restaurant & trifft seinen Cousin Sony, benannt nach dem 1.Fernseher des Vaters, wieder. Mindestlohn wird gezahlt, es herrscht Leistungsdruck & das Team wächst zusammen bis zu dem Punkt als die Konkurrenz ein Laden in unmittelbarer Nähe öffnet. Es gibt paar Parallelen vom Buch zu Voungs Leben. Er hat vietnamesische Wurzeln, ist queer & in Armut aufgewachsen. Der Roman hat eine sehr poetische, erzählende & erklärende Sprache. Durch keine klassischen Handlungsstränge ist es manchmal verwirrend. Voung gibt Einblicke in eine Gesellschaft die für mich bis dato fremd war. Stellenweise gibt es Komik, die für einen Lacher/Schmunzler sorgen. Leider bin ich erst bei Seite 320 in die Story reingekommen. Gründe sind die Sprache & teils die langatmige Story. Die Traumasequenzen & Fastfood-Story waren mir mitunter zu lang & zu viel. Die Einblicke in die Vergangenheit fand ich wichtig. Der Roman lag lange im Regal & habe mich gefreut, dass wir ihn nun im Buchclub lasen, aber bin enttäuscht aus der Lektüre gegangen. Ich denke es ist ein Buch zur falschen Zeit. Die Übersetzung ist wundervoll.

The Emperor Of Gladness
Vuong schreibt erneut über (vietnamesisch-) amerikanische Identität und ist dabei teils komisch, teils poetisch. Zwischen fettigem Diner-Essen, Kriegs-Historie und dementen Halluzinationen trifft der amerikanische Traum dabei auf viele verschiedene Einzelschicksale. Mich hat "Der Kaiser der Freude" so wirklich gut unterhalten.
Ocean Vong erzählt von einer Figur, welche kurz vor dem Suizid von einer alten Dame abgehalten wird und sich zu ihrer Pflegeperson, wenn nicht sogar der engst vertrauten Person entwickelt. Besonders die Form in der asiatischen Erzähltradition hat mich besonders fasziniert. Denn obwohl keine Ereignisse und Schockmomente den Roman begleiten ist die Handlung emphatisch spannend und hat mich in einen emotionalen Sog gezogen.Ich wollte, dass dieses Buch und die Freundschaft der zwei Hauptpersonen niemals endet. Sprachlich betrachtet habe ich durchaus dem Hintergrund Vongs als Lyriker bemerkt, denn die Metaphern und Bilder, welche gekonnt in Szene gesetzt wurden waren ergreifend. Das einzige, was ich zu bemängeln habe ist die Schlachthaus-Szene, obwohl ich verstehe warum diese eingesetzt wurde. Mir ging diese Passage zu sehr ans Herz, sodass ich diesen Teil nur sehr flüchtig gelesen, wenn nicht sogar gekippt habe.
Der Kaiser der Atmosphäre – aber auch der Abschweifungen
Der Kaiser der Freude ist ein sprachlich starkes Buch, das genau die Mischung liefert, für die Ocean Vuong bekannt ist: poetisch, zart, manchmal humorvoll und zugleich tief verwurzelt im Schmerz seiner Figuren. Gleichzeitig hat das Buch für mich deutliche Schwächen. Der Stil wirkt stellenweise zu hochtrabend und überladen. Zudem verliert sich die Erzählung immer wieder in langen, detailreichen Beschreibungen, ohne dass ein klarer roter Faden sichtbar bleibt. Die Handlung tritt dadurch oft auf der Stelle – was es an einigen Stellen wirklich schwer machte, dranzubleiben. Insgesamt ein literarisch anspruchsvolles, thematisch tiefes Werk, das starke Momente hat, aber für mich nicht ganz die Balance hält.

Der amerikanische Traum?
Der neue Roman von Ocean Vuong "Der Kaiser der Freude" beschreibt das Leben verschiedener Menschen in East Gladwell. Dabei meistern sie alle die Herausforderungen, die der ärmliche und trostlose Ort und die persönlichen Umstände mit sich bringen. Dabei folgt der Leser dem Vietnamesen Hai, der bei einem Suizidversuch von der Seniorin Grazina beobachtet und gerettet wird. Daraufhin zieht er bei Grazina ein, um die demenzkranke Seniorin zu unterstützen. Um die beiden versorgen zu können, beginnt Hai in einem Fast Food Restaurant zu arbeiten. Ocean Vuong spricht in seinem Buch viele wichtige Themen an. Drogen, Depressionen, Demenz, Armut, Zugehörigkeit, abwesende Eltern und Einsamkeit beherrschen die Geschichte. Der Schreibstil ist sehr poetisch und hat mir gut gefallen, allerdings hat mir an einigen Stellen etwas die Tiefe gefehlt.
Der beste Roman in 2025 bis jetzt!
Das ist für mich schon der beste Roman des Jahres! Während ich Barbara Kingsolvers Demon Copperhead aufgesetzt, künstlich und kitschig fand, mit vielen unerträglichen Passagen zur Drogensucht, schafft es Ocean Vuong von genau dieser verzweifelten jungen Generation in den USA, den Vergessenen der Gesellschaft, humorvoll, warmherzig und verdammt cool zu erzählen. Der runtergerockte Protagonist geht eine ungewöhnliche WG mit einer alten dementen Frau ein, die sowohl zu Tränen rührt als auch zum Lachen ob mancher Lebenssituationen. In seinem Job im Schnellrestaurant lernt der junge Mann andere Verlorene kennen, deren Schicksale ihn mit ihnen verbinden. Lesen!
Lyrisch und krftvoll
East Gladness in Neuengland ist ein heruntergewirtschaftetes Örtchen, in dem die gesellschaftlichen Randgruppen und verloren gegangenen Träumer zurückgeblieben sind. In dieser Kleinstadt, in der die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, ist der vietnamesische Migrantensohn Hai bereit, seinem 19jährigen Leben ein Ende zu setzen. Sein kreiertes Lügenkonstrukt droht zusammenzubrechen und das abgebrochene Studium, samt dem anhaltenden Tablettenmissbrauch, aufzufliegen. Während er auf der Brücke stehend in die Tiefe blickt und kurz vorm Sprung steht, spricht ihn die von Demenz gezeichnete litauische Witwe Grazina an und hindert ihn am Sprung. Fortan bildet diese ungleiche Paar eine innige und achtsame Symbiose und meistert gemeinsam ihr tägliches Überleben. Als Nebenschauplatz dient ein Fast Food Restaurant, in dem Hai eine Anstelllung findet, eine nachdenklich stimmende Abwechslung und jeder der dort, vom amerikanischen Traum zurückgelassenen Angestellten, ist auf seine ganz eigene Art skurril und liebenswert. Ocean Vuongs Roman stellt eine Läuterung dar, bringt Licht in ein dunkles, degeneriertes Amerika und erzählt von Wahlfamilien, untypischen Freundschaften und der Möglichkeit der Heilung, mit dem berührenden Blick auf die eigene Identität. Sprachlich auf hohem Niveau, liest sich „Der Kaiser der Freude“ mit seinen authentisch ausgearbeiteten Charakteren, wie ein Zeitzeugnis und eröffnet dem Lesenden langsam den Blick, auf die vergessenen Seelen der vereinigten Staaten.
East Gladness, New England, 2009: Der 19-jährige Hai weiß nicht mehr weiter mit seinem Leben und spielt mit dem Gedanken, in den Fluss zu springen. Kurz bevor er diesen Gedanken in die Tat umsetzen kann, hält ihn eine Anwohnerin, die Litauerin Grazina, davon ab. Sie lebt in einem kleinen, heruntergekommenen Häuschen am Fluss und bietet Hai kurzerhand an, bei ihr einzuziehen. Ihre einzige Bedingung: Er soll ihre Tabletten richten und ab und zu die Einkäufe erledigen. Hai lässt sich auf diesen unverhofften Neuanfang ein, nicht wissend, dass Grazina dement ist und nachts von den Geistern ihrer Vergangenheit eingeholt wird. So wird er mehr und mehr zu ihrem Pfleger und fängt an, in einem nahegelegenen Diner zu arbeiten, um sich an den Haushaltskosten zu beteiligen. Die Belegschaft des Diners werden zu einer unersetzlichen Gemeinschaft für Hai, der aufgrund einer Lüge, die er seiner Mutter erzählt hat, nicht nach Hause gehen kann. "Der Kaiser der Freude" von Ocean Vuong ist ein Buch über Loser, über Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen am Boden befinden und trotzdem versuchen, ihr Leben weiterzuleben. Sie fallen wie Grazina durchs gesellschaftliche Raster und bekommen keine Unterstützung zu Hause, obwohl sie Pflege bedürften, stammen aus dem Autismus-Spektrum wie Sony, Hais Cousin, oder sind Drogenabhängig wie Hai. Der komplette Roman baut auf einer Lüge auf, die Hai seiner Mutter erzählt: Er behauptet, in Boston Medizin zu studieren, stattdessen macht er einen Entzug und landet letztlich bei Grazina. Die Geschichte ist geprägt von ungewöhnlichen Charakteren mit ausgefallenen Interessen, die viel Raum im Buch einnehmen dürfen - für meinen Geschmack häufig zu viel Raum. Mir hätte eine Konzentration des Autors auf Hai und Grazina oft besser gefallen, statt auf jede Charaktereigenschaft des Diner-Personals einzugehen. Besonders eindrücklich fand ich die Rückblenden in Hais und Sonys Vergangenheit als Söhne vietnamesischer Einwanderer. "Der Kaiser der Freude" ist ein Roman, der sich (für mich zu viel) Zeit lässt, der oft berührt und Menschen in den Mittelpunkt stellt, die sonst Außenseiter sind. Übersetzt von Anne-Kristin Mittag und Nikolaus Stingl.

Obwohl das fiktive East Gladness eine heruntergekommene Kleinstadt ist, scheinbar fernab vom American Dream, gibt es hier Hoffnung. Poetisch und auf zutiefst menschliche Art erzählt Ocean Vuong eine Geschichte voller liebenswerter Charaktere, die mir in Erinnerung bleiben werden. Zwar habe ich vor vielen Jahren „Auf Erden sind wir kurz grandios“ auch ganz gern gelesen, aber „Der Kaiser der Freude“ ist noch mal eine andere Hausnummer!
Das… ohhh ich werde jetzt meine Schwierigkeiten haben Worte zu finden, es ist irgendwie schwer zu fassen was mich daran so begeistert hat. Es ist ein Meisterwerk, ein sprachliches, psychologisches Meisterwerk. Da sind Hai und Sony und Grazina natürlich und die kämpfen sich so durch. In ihrer ganz eigenen Welt. Einer die von Armut, Drogen, einem Job im Fastfood Laden geprägt ist aber auch Zusammenhalt. Also so viel passiert eigentlich gar nicht aber wie mit einem Sog wird man in dieses Universum durch die fantastische Sprache hineingezogen. Es ist so echt, so authentisch und so ein Gefühl beim Lesen hatte ich auf die Art noch nie bei einem Roman . LESEN!!… es wird noch lange lange nachhallen.
Eine Geschichte, die am unteren Rand der Gesellschaft der USA spielt und die handelnden Figuren zum traurigen Abbild eines Landes werden,, was schon 2010 (Jahr der Handlung) auf eine traurige Entwicklung zulief. Der Autor weiß mit guten Bildern zu erzählen. Dabei lässt er sich Zeit. Und das passt ziemlich diesem Roman.
Erwartungen nicht erfüllt
Die Erwartungen an Der Kaiser der Freude hätten größer nicht sein können: bereits vor dem weltweiten Erscheinen wurde der Roman vom Spiegel unter die 100 besten Bücher der letzten hundert Jahre gewählt. Nach dem Lesen des ersten Kapitels, in dem der Schauplatz der Geschichte beschrieben wird, eine kleine Stadt in Connecticut, mit einer unglaublichen sprachlichen Gewandtheit, war ich auch überzeugt, da kommt etwas großes. Auch den Aufhänger, ein medikamentensüchtiger Studienabbrecher, dessen Rettungsanker eine über achtzigjährige Litauerin ist, die den zweiten Weltkrieg überlebt hat und nun durch ihre Demenz Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit vermischt, fand ich gelungen. Nun kommt das große Aber. Für mich hatte der Roman nichts Neues, gleichzeitig wollte er zu vieles. Es werden zu viele Themen angeschnitten (ein Kritikpunkt, den ich übrigens auch schon bei Auf Erden sind wir kurz grandios hatte), jedoch größtenteils nicht zu Ende geführt. Einige Kapitel wirken zu sehr konstruiert (beispielsweise die Schweineschlachtung oder der mittlerweile schon fast obligatorische Roadtrip), bringen die Handlung jedoch nicht wirklich weiter. Auch bleibt am Ende nicht das Gefühl, dass sich Hai weiterentwickelt hätte. Meine Erwartungen wurden also nicht erfüllt und ich kann die Einschätzung des Spiegels auch nicht nachvollziehen. Zusätzlich bleibt noch folgendes anzumerken: Mir stößt es ein wenig sauer auf und es hat auch teilweise meine Lesefreude ziemlich getrübt, dass Ocean Vuong Mitunterzeichner eines Aufrufs zum Boykott israelischer Kulturinstitutionen ist. Das ist eine Einstellung gewisser linksgerichteter Intellektuellenkreise, die ich nicht nachvollziehen kann. Vuong schreibt einerseits unglaublich sensibel, gehört gleichzeitig einer marginalisierten Gruppe an. Meine Erwartungshaltung an ihn ist daher eine entsprechend andere.
Hai, Sohn vietnamesischer Einwanderer, hat beschlossen, sich von einer Brücke in den Fluss zu stürzen. Doch dann lernt er am Ufer Grazina aus Litauen kennen, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat. Sie überredet ihn, nicht zu springen und stattdessen bei ihm einzuziehen – eine Situation, von der beide profitieren sollen, denn Grazina kämpft mit den Geistern ihrer Vergangenheit und ihrer Gesundheit, während Hai nicht zu seiner Mutter zurückkehren kann, weil er ihr ein ganz anderes Leben vorspielt. Nach „Auf Erden sind wir kurz grandios“ und zwei Gedichtbänden ist „Der Kaiser der Freude“ nun der zweite Roman von Ocean Vuong; die deutsche Übersetzung verfassten Anne-Kristin Mittag und Nikolaus Stingl. Die Handlung wird von einem allwissenden Erzähler in der dritten Person und der Vergangenheitsform erzählt. Die Sprache ist dabei, wie man es vom Autor gewohnt ist, sehr poetisch, voller Vergleiche und langer Umschreibungen. Um Grazina finanziell zu unterstützen, sucht Hai sich in einem Diner Arbeit, wo sich eine bunte Mischung an Außenseitern zusammengefunden hat, von denen jede/r seinen eigenen Träumen nachhängt: Hais Cousin Sony möchte zum Beispiel seinen Vater wiedersehen, der die Familie vor vielen Jahren verlassen hat, Chefin BJ sehnt sich nach einer Karriere als Wrestlerin. So vielfältig wie die Charaktere sind auch die Themen der Handlung: Rassismus, abwesende Eltern, enttäuschte Erwartungen, Neurodivergenz, Armut, Traumata usw. Diese Fülle habe ich nicht unbedingt als positiv wahrgenommen, denn sie lässt die Geschichte unbestimmt und schwammig wirken. Vuongs Roman ist stark in seinen zwischenmenschlichen Begegnungen, vor allem in den Szenen, in denen Hai Grazina durch die schlimmen Phasen hilft, in denen sie sich immer noch im Krieg glaubt. Darüber hinaus will das Buch einfach zu viel. Die schöne Sprache des Autors verpufft oft im Nichts, der Protagonist bleibt blass, obwohl die Handlung sehr umfangreich ist. Etwas weniger Nebenhandlung und verschachtelte Sätze, dafür etwas mehr Tiefe – das hätte „Der Kaiser der Freude“ für mich gebraucht.
Literarisch wertvoll aber etwas zäh.
Mir wurde das Buch von einer amerikanischen Freundin empfohlen, die ihre eigene Jugend in diesem Roman wiedergefunden hat, deshalb war ich neugierig. Die Geschichte ist humorvoll und gleichzeitig bedrückend. Leider habe ich sehr lange gebraucht, um das Buch durchzulesen, da es lyrisch war sehr gut aber an vielen stellen zäh und abschweifend ist. Es ist sehr anspruchsvoll zu lesen und das ist gut aber nimmt an vielen stellen die Leichtigkeit.
Characteristics
5 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Author Description
Ocean Vuong wurde 1988 in Saigon, Vietnam, geboren und zog im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie nach Amerika, wo er heute lebt. Für seine Lyrik wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Whiting Award for Poetry (2016) und dem T.S. Eliot Prize (2017). Bei Hanser erschienen zuletzt sein Debütroman »Auf Erden sind wir kurz grandios« (2019), für den er mit dem American Book Award ausgezeichnet wurde, und die Gedichtbände »Nachthimmel mit Austrittswunden« (2020) und »Zeit ist eine Mutter« (2022).
Posts
„Manche Bücher erzählen nicht – sie tasten sich vor.“ Der Kaiser der Freude ist kein Roman, der dich an die Hand nimmt. Er ist einer, der dich stehen lässt – und dann leise beobachtet, ob du bereit bist, einen Schritt zu machen. Ocean Vuong schreibt Literatur, die weniger aus Handlung besteht als aus Empfindung. Seine Sätze wirken wie vorsichtig gesetzte Linien, die sich erst nach und nach zu einem Bild fügen. Es geht um Nähe, Verlust, Identität, um das leise Ringen mit sich selbst – und um die Frage, ob Freude überhaupt etwas ist, das man besitzen kann, oder nur etwas, das kurz durch einen hindurchzieht. Was dieses Buch stark macht, ist genau diese Zartheit. Vuong zwingt nichts, erklärt wenig, deutet viel an. Seine Sprache ist poetisch, aber nie ornamental – eher wie ein Flüstern, das man nur versteht, wenn man still genug wird. Viele Passagen fühlen sich weniger gelesen als erspürt an. Und doch: Genau darin liegt auch der Grund, warum ich bei 4 von 5 Sternen bleibe. Der Roman verlangt Geduld – und gibt nicht jedem Leser sofort etwas zurück. Es gibt Momente, in denen die Struktur fast zu lose wirkt, in denen man sich mehr Halt, mehr erzählerische Verdichtung wünschen würde. Nicht alles trägt gleich stark, nicht jede Passage entfaltet die gleiche Wirkung. Aber wenn es funktioniert, dann richtig. Dann trifft einen ein Satz unerwartet. Dann bleibt ein Bild hängen. Dann merkt man, dass dieses Buch nicht laut sein muss, um zu wirken. Fazit: Ein leiser, poetischer Roman mit großer emotionaler Feinheit – nicht immer zugänglich, aber genau deshalb besonders. Ein Buch, das nicht gefallen will, sondern nachwirkt. Für Leser, die… …literarische Romane lieben, die mehr fühlen als erzählen. …Sprache schätzen, die zwischen den Zeilen arbeitet. …bereit sind, sich auf ein Buch einzulassen, das Zeit braucht – und fordert. …Geschichten suchen, die nicht erklären, sondern offen lassen. Meine Zeile zum Buch „Freude ist kein Zustand – sie ist ein Moment, der dich findet, wenn du still genug bist.“

Sie fuhren vorbei an den Häusern mit den zu beiden Straßenseiten aufgereihten, leuchtenden Vierecken der Fenster und sagten eine Zeitlang nichts zueinander, unter den Lichtkegeln der vereinzelten Straßenlaternen schwebten nur ihre Atemwölkchen empor. Dann hörte sich Hai es sagen. Und sagte es noch einmal, zunächst leise, dann lauter, während Sonys Griff an seiner Schulter fester wurde. Und Sony schloss sich ihm an, und sie sagten es gemeinsam, während sie den Hügel hinuntersausten, zurück nach East Gladness, dessen Wasserturm in der nebligen Ferne eine Kette aus bunten Weihnachtslichtern trug. "Das ist kein Raumschiff", skandierten sie. "Das ist kein Raumschiff! Das ist kein Raumschiff!" Die deutsche Übersetzung des Originaltitels "The Emperor of Gladness" (wobei sich Gladness offensichtlich auf die fiktive Kleinstadt der Handlung bezieht) klingt ziemlich zynisch. Ob das so beabsichtigt war? Auf jeden Fall nimmt uns der 1988 in Saigon, Vietnam, geborene Autor, der als Kleinkind nach Amerika kam, mit an diesen recht trostlosen Ort, in dem eine litauische Großmutter mit Demenz den Protagonisten Hai vor dem Selbstmord bewahrt und in der er in einem Fastfood Restaurant mit dem sprechenden Namen "HomeMarket" fast so etwas wie eine Familie findet. "Bis heute verstand er die Ereigniskette nicht, die ihn mit leeren Händen in dieses dreckige kleine Kaff zurückgebracht hatte." Den amerikanischen Traum hätte der Protagonist leben sollen, als Erster in seiner Familie sollte er in New York City aufs College gehen. Doch bereits seit 5 Jahren ist Hai abhängig von Tabletten und schließlich kehrt er high und frustriert mit fast 20 Jahren aufs Sofa seiner Mutter zurück. Die große Enttäuschung seiner Mutter versucht er durch eine große Lüge zu überwinden: in Boston werde er ein Studium der Medizin beginnen. Und in das Leben einer Lüge begleiten wir Hai und fragen uns bang, wie die Zukunft des Protagonisten, der uns an Herz wächst, aussehen wird ... "Hab keine Angst vor dem Leben, mein Junge. Das Leben ist gut, wenn wir einander Gutes tun." Das Zitat von der letzten Seite von Dostojewskis Roman "Die Brüder Karamasow", ein Buch, welches Hai während der Geschichte begleitet, ist ein wenig titelgebend. Und es ist auch ein wenig rührend, wie der Protagonist sich um die Menschen kümmert, die sein neues Umfeld bestimmen. Die Figuren mit all ihren Träumen und Hoffnungen wirken so lebensecht, besonders Cousin Sony, der auch im Fastfood Restaurant arbeitet, eine Leidenschaft für den amerikanischen Bürgerkrieg hat und darum ringt, die Kaution für Mama Kim zusammen zu bekommen. Einzig die Beziehung zu der älteren Dame aus Litauen, die Hai vor dem Sprung von der Brücke bewahrt und ihn in ihr Haus aufnimmt, wirkt etwas konstruiert. Und das, obwohl der Roman der gleichnamigen Grazina J. Verselis gewidmet ist, der verstorbenen Großmutter des Partners von Ocean Vuong, bei welcher der Schriftsteller selbst einige Zeit gewohnt hat. Wahrscheinlich ist es vor allem der Faktor, wie die Demenzerkrankung der alten Dame dargestellt wird, die diesen Part der Geschichte unorganisch wirken lässt. In gewisser Weise wird die Erkrankung romantisiert oder verklärt skizziert. Ansonsten zeichnet sich der Schreibstil des Autoren durch starke Bilder und eine angenehm zurückhaltende Sprache aus. Die autobiographischen Züge im Roman lassen viele Szenen echt und berührend wirken. FAZIT Am Ende erhalten wir - fast wie bei den Klassikern des 19. Jahrhunderts - einen Ausblick, wie es mit den Menschen der Geschichte weitergeht. Doch wie steht es um die Zukunft des Protagonisten? Vielleicht genügt es nicht, gut mit anderen zu sein. Man muss bei sich selbst damit beginnen. Hoffentlich lässt sich der Kaiser Wurm (Hamlet lässt grüßen) wenigstens bei dem begabten Schriftsteller Ozean Vuong noch ganz lang Zeit mit der Bekanntschaft - das wünsche ich mir von Herzen. .. Eine Leseempfehlung.
Vom Leben, Träumen und den Verlusten
Ocean Vuong versteht es Tragik poetisch zu erzählen. Und eigentlich passiert auch nicht viel, doch war ich hin und weg. Wir begleiten Hai auf einem Jahr in seinem Leben. Dort treffen wir die alte Dame Grazina und ja was soll ich sagen, ich war ganz hingerissen, wie sich die Beiden helfen bei Ihren Problemen und den Anderen aber auch so akzeptieren. Ganz toll erzählt sind auch die Figuren im Homemarket. So unterschiedlich und doch ist auch hier Hilfe und Verständnis für jeden. Ich denke es ist auch in vielen Teilen autobiografisch, zumindest was man über den Autor so liest. Daher ist es fast noch umso schöner, dass Menschen welche so zu kämpfen haben, doch so selbstlos in Teilen aufeinander achten. Wer auf ein schön geschriebenes Buch mit ganz viel Tragik Lust hat, ist genau richtig. Und allein Maureen, BJ, Wayne, Russki und Sony ist es allemal wert. Hab das ganze Homemarket Team sehr ins Herz geschlossen.
Wortgewaltig, skurril, grotesk! Dieses Buch schweift für mich zu oft in aufwändige Bilderwelten ab.
Die bildhafte Darstellung fühlt sich mitunter wie eine Überreizung an: zu krass, zu dicht. Dadurch gerät der Lesefluss merklich ins Stocken. Das ist zwar teilweise sehr beeindruckend, aber auch sehr ermüdend. Der Autor verliert sich sehr oft in dieser detailverliebten Sprache. Das war leider nichts für mich. Positiv hervorheben lässt sich die zwischenmenschliche Wärme in diesem Roman. Die Freundschaft zum Homemarket Team wirkt echt und lebendig- hier entsteht eine stützende, fast familiäre Verbindung zu vermeindlich gescheiterten Existenzen. Auch die Beziehung von Hai zu Grazina ist etwas besonderes. Hai unterstützt sie in ihrer immer weiter fortschreitenden Demenz (auf seine ganz eigene Art und Weise), während Grazina ihm durch Unterkunft, Stabilität und familiäre Nähe beisteht. Trotz dessen konnte das Buch mich leider nicht emotional packen.
„Ein Talent im Kreisverkehr – Ocean Vuong und die Erschöpfung des Immergleichen“
Ich habe lange auf den neuen Roman von Ocean Vuong gewartet. Nach sieben Jahren endlich ein weiteres Buch – und doch irritieren mich schon Titel und Cover, die weder auf Englisch noch auf Deutsch wirklich greifen. Auch nach der Lektüre bleibt der Titel ein loses Bild ohne erkennbare Notwendigkeit. Im Roman selbst passiert gleichzeitig wenig und viel. Die Figuren sind überzeichnet, ein amerikanisches Diner‑Ensemble, in dem jede Person einen Knacks haben muss. Das wirkt nicht mehr exzentrisch, sondern vorhersehbar. Besonders Grazina, deren Kriegserfahrungen immer wieder eingeschoben werden, verliert durch die ständige Wiederholung an Kraft. Statt Entwicklung entsteht ein Kreisen, das ermüdet. Auch thematisch bewegt sich Vuong auf ausgetretenen Pfaden. Die Drogenszene und das soziale Milieu, das er bereits in seinem Debüt intensiv beschrieben hat, werden hier erneut bemüht – nur greller, lauter, dramatischer. Die Härte wirkt nicht mehr scharf, sondern routiniert. Und erneut tauchen die obligatorischen Nagelstudios auf, ein Motiv, das inzwischen eher wie ein Klischee wirkt als wie eine Beobachtung. Die vietnamesische Community ist vielfältiger, und die Fixierung auf dieses eine Bild bekommt einen leicht zynischen Beigeschmack ! Verwundert hat mich zudem, wie stark der queere Aspekt in Rezensionen und Ankündigungen betont wurde. Im Buch selbst findet er kaum statt – nicht einmal eine Seite lang. Das wirkt weniger wie ein inhaltlicher Schwerpunkt als wie ein Marketingversprechen, das sich im Text nicht einlöst. Im Vergleich zu Édouard Louis, Douglas Stuart und Vuong selbst fällt auf, wie sehr alle drei Autoren aus demselben Milieu schöpfen: Armut, Drogen, familiäre Brüche, soziale Härte. Es ist verständlich, dass man das verarbeitet – aber irgendwann wirkt es, als würden alle drei im selben Reservoir fischen, nur mit leicht unterschiedlichen Akzenten. Vuong schreibt weiterhin sensibel, aber mir fehlt die Präzision, die ich inzwischen suche – klare, kurze Sätze, die nur einen Impuls geben, wie ich es zuletzt in meiner MOOSLAND-Rezension beschrieben habe. Viele Szenen wirken überdehnt, fast filmisch ausgestellt, als wären sie bereits für eine Verfilmung gedacht. Auf seinen dritten Roman warte ich jedenfalls nicht mehr sehnsüchtig. Die letzten 30 Seiten habe ich überflogen – mir fehlte die Energie, ich hätte mir gewünscht, bei Seite 350 wäre Schluss ! Zum Glück habe ich mir eine schöne Ausgabe der BücherGilde Gutenberg zugelegt, die es leider nicht mehr gibt-aber die Büchergilde hat wenigstens das Buch gelesen und ein passendes Cover dazu gemacht.

"Nach langem Schweigen, aus dem er schloss, dass sie eingeschlafen war, sagte sie: Ich wollte, ich hätte dich schon vor langer Zeit gekannt. Wir hätten uns gegenseitig geholfen. Oder? Ja das hätten wir." Wir soll ich es am besten beschreiben - viele einzelne Geschichten in einer großen Geschichte. Es sind die Geschichten von Hai, von Grazinam, von Sony, von BJ, von Maureen, von Tante Kim, von Onkel Mineh, von Russki, von Wayne und von allen anderen die im HomeMarket aßen und auf der Hubbard Street lebten. Hai ein junger Mann vietnamesischer Einwanderer, drogenabhängig, einsam, erfolglos, frisch aus der Entzugsklinik entlassen und von Zuhause raus - will nicht mehr, viel sein Leben beenden - Trifft auf die 81 jährige Grazinam, Auswanderin aus Litauen, Kriegsflüchtling, träumte vom amerikanischen Traum, alleine, leidet unter einer schleichenden Demenz. Geschichten wie sie im Buch stehen. Geschichten die kommen wie sie wollen, die nicht vorhersehbar sind, die das Leben aus machen. Die echt sind. Ich fand die Geschichte anfangs unglaublich gut, sie nahm schnell Fahrt auf, ich war drin, aber irgendwann konnte ich nicht mehr so 100% folgen, ich habe den Faden immer wieder verloren. Es war an einigen Stellen zu zäh, aber dann auch wieder herzzerreißenend. Am Ende ist die Geschichte von allen berührend, aber man hätte es es auch kürzer fassen können. Aus diesem Grund ein solide...
Fesselnd, tragisch und ABSOLUT EMPFEHLENSWERT!!!!
Ich habe es mir als Hörbuch angehört. Wunderbar, passender Sprecher und sehr angenehm anzuhören. Es ist eine ruhige, tief hineingehen Geschichte. Tragisch, fesselnd, jedoch durchaus auch mit amüsanten Stellen. Ich empfehle es allerdings GEFESTIGTE, im Leben stehende Leser*innen, denn, es geht unter anderem um Suizid. Gerade der sehr ruhige Schreibstil macht es aus, dass es SEHR TIEF hineinfährt und, zumindest mich, gar nimma losließ. Es ist eines jener Lektüren, die mir wohl im Gedächtnis bleiben werden und auf jeden Fall zum Nachdenken bringen. Bei mir ist es jedenfalls zu meinen ALL-TIME-FAV'S Lebenslektüren hinzugekommen.

"Denn sich zu erinnern heißt, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu füllen, und das bedeutete, dass der Preis für eine Erinnerung, eine Erinnerung an irgendetwas, das Leben selbst war. Wir ermorden uns selbst, dachte er, indem wir uns erinnern."
Sprachlich ein wunderbarer Lesegenuss, erzählt Ocean Vuong hier eine Geschichte von tiefen, tiefen Schmerz und großer Traurigkeit und dem Verloren sein. Zeitweilig durchaus etwas langatmig, bleibt es eine stets unaufgeregte und ruhige Erzählung, die dennoch eine subtile Wucht entfaltet. > Wir sind eine matschige Spezies. Egal, mit wem du redest, wenn das Gespräch länger als eine halbe Stunde geht, wird dir klar, dass alles, was sie tun, eine Lüge ist, an der sie sich festklammern, um nicht auseinanderzufallen. Von Gefängniswärtern über Lehrer und Manager, bis hin zu Psychiatern, sogar Väter, jeder, auch deine bescheuerten Generäle. Die Leute geben sich so einen Anschein von Stärke, sie tun so, als hätten sie einen Sinn, eine Mission und als sollte ihr ganzes Leben auf diese eine beschissene Riesentheorie zulaufen, wer sie sind. Aber was ist denn bitte passiert, hm? Robert E Lee hat all diese Männer, die an ihn glaubten, durch eine halbe Meile der Hölle geschickt, weil er zu viel Schiss hatte, zuzugeben, dass er es verkackt hat und ohne Kavallerie dasteht. Seine Generäle haben ihm geraten, in die Berge zurückzufallen, aber er wollte nicht auf sie hören. [...] Die Leute haben bloß Angst, dass die anderen auf sie herabschauen, sie verurteilen uns so. Angst, dass jemand ihren hirnrissigen Fake-Panzer durchschauen könnte, den sie ihr ganzes Leben lang um sich hochgezogen haben. Und wofür? Um die beschissene Ruhr zu kriegen, während ein Haufen Leute, die einen für Gott halten, in einem Kugelhagel marschiert? Siehst du das nicht? Wir erzählen uns alle irgendeine Geschichte, sonst könnten wir es doch gar nicht ertragen, am Leben zu bleiben und uns abzurackern, bis wir unter der Erde sind [...] In echt sind doch die meisten von uns fertig, innerlich kaputt. Jeder. Kaputt ist der Normalzustand. Man ist kaputt und normal, verstehst du? [...] Alle haben Angst. [...] Du musst niemandes Soldat sein. Du kannst jemand sein, der sein Leben lebt, und das sollte doch verdammt noch mal reichen. [...] Menschen sind gar nicht so schlecht. Es sind einfach kleine Kinder, die sich wehgetan haben und wieder heil werden wollen. Und darum erzählen sie sich dämliche Geschichten. < Seite 455 bis 456
Dieses Buch ist keins, um es schnell weg zu lesen, sondern man muss für die 500 Seiten Ruhe und Zeit einplanen. Die vorne angestellte Widmung sagt: "Für diejenigen, die uns versorgen" und deren Geschichten werden erzählt. Man wünscht ihnen allen, dass irgendwann mal etwas Bedeutungsvolles passiert, aber das geschieht in diesen Leben nicht. Da werden dann mitunter auch Erinnerungen etwas ausgeschmückt, Lügen von allen aufrecht erhalten, mit dem Ziel irgendwie größer zu sein, als man ist. Die Zerrissenheit zwischen Suchen und Sein wird hier sprachlich ruhig und bildhaft ausgeschmückt dargestellt.
Ocean Vuong erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte von Hai. Dabei zieht er uns gleich zu Beginn brutal in eine Welt voller Schmerz und Hoffnungslosigkeit. Themen wie Suizid, Krieg, Drogenmissbrauch oder Depressionen sind omnipräsent, manchmal fast zu viel. Dadurch fiel es mir sehr schwer, wirklich Nähe zu den Figuren aufzubauen. Und trotzdem: Vuong kann schreiben! Gerade in den Momenten zwischen Hai und Grazina oder in den stilleren Szenen spürt man seine ganze literarische Kraft. Da glänzt er für mich. Leider dauert es, bis der Roman diesen Kern erreicht. Erst im zweiten Teil wird er wirklich stark. Wenn es um Freundschaft, Akzeptanz und die Menschen am Rand der Gesellschaft geht. Ein Roman voller Gegensätze. Faszinierend und bedrückend zugleich. Am Ende bleibt für mich das Gefühl einer gewissen Disbalance, aber auch einige Szenen, die nachwirken und leuchten.

„Aber hab keine Angst vor dem Leben. Das Leben ist gut, wenn wir einander Gutes tun.“ „Der Kaiser der Freude“ ist ein Buch voller Ohnmacht und Alltäglichkeit, von den Schwierigkeiten und Freuden des Alltags. Von Freundschaft - ganz egal in welcher Form und dem Fünkchen Licht, das in jeder Dunkelheit existiert. Genauso ist es ein Roman ohne erkennbares Ziel. Es fühlt sich so an, als würden wir Hai, selbstmordgefährdet und medikamentenabhängig, fürsorglich und warmherzig, nur ein Stück auf seinem Weg begleiten. Und das schmerzt - gerade weil sein Schicksal so prekär wie offen ist. Hai lebt in einer heruntergekommenen Kleinstadt in New England - und sein Leben liegt in Scherben bis ihn Grazina, eine alternde immigrierte Überlebende aus dem 2. Weltkrieg, deren eigene Geister in ihrem Kopf immer stärker werden, vor dem Freitod rettet. Er zieht bei ihr ein, wird der Pfleger der an Demenz erkrankten Damen und beginnt in einem Diner zu arbeiten. Nicht dass Grazina alle Scherben wieder zusammenpuzzlen wird, nein, dass nicht. Aber sie zeigt die Schönheit im eines einzelnen Bruchstücks Mich hat die wachsende Beziehung zwischen dem jungen Hai und der über 80 Jährigen sehr berührt. Mit jeder Seite, voller Gesprächen der beiden, mal vollkommen klar, mal überlagert von Grazinas Erinnerungen aus dem 2. Weltkrieg, die sich immer mehr in den Alltag schleichen, sind sie mir mehr ans Herz gewachsen. Ihre wachsende Freundschaft, ihr Lernen voneinander, fand ich sehr eindringlich beschrieben. Für mich sind die beiden und ihre kleinen Abenteuer das Herz des Romans. Die Erzählung zentriert sich auf Hai, seine Depression und seine Tablettenabhängigkeit, seine Trauerbewältigung, seine Fehlschläge und sein eigenes Schuldbewusstsein für so viele Dinge, an denen er nur zum Teil die Schuld trägt. Manchmal ist das für den Lesenden selbst schwer zu ertragen. Der zweite zentrale Aspekt ist Hais Job im Diner, sein Verhältnis zu seinen Kollegen und die sich hier entwickelnde Freundschaft. Das war das Gegengewicht zu seiner Beziehung zu Grazina, obwohl sich zwischen Grillhähnchen und Fertigkartoffelpüree auch eine feste Gemeinschaft entwickelt - sogar mit Spinatmissbrauch. Trotzdem hat mich das Diner nicht ganz so gefesselt - die Erzählung mäanderte vor sich hin (ich bin mir bewusst, dass das von Ocean Vuong gewollt war!). Trotzdem hat es mich ab und an verloren. Alles in allem ein Roman, der grandiose Momente, weise Sätze und plastische Gedankenbilder in sich vereint - zu einem Plädoyer an das Leben und warum es wert ist, nicht aufzugeben.
"Ich hab Angst, Ma (...) Vor der Zukunft - sie wirkt so riesig. " - "Das liegt daran, dass du jung bist. Irgendwann wird sie kleiner. Aber hab keine Angst vor dem Leben, mein Junge. Das Leben ist gut, wenn wir einander Gutes tun,"... Und (beinahe) jede Person in diesem Buch - alle so liebevoll gezeichnet- versucht, Gutes zu tun. Und das war wirklich berührend. Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter. Zuweilen ist die Sprache und der Satzbau etwas holprig und ungewohnt... daher einen (kleinen) Stern Abzug.
"Das Schwerste auf der Welt ist, nur einmal zu leben. Aber es ist schön hier (...)" . So beginnt dieses Buch...
Die Bewertung und eine Rezension fällt mir schwer. Das Buch, die Geschichte, die Sprache, die Figuren sind nicht schlecht. Man bekommt einen guten Einblick in so viele unterschiedliche Lebensläufe und -realitäten. Die Stimmung war eher traurig, niedergeschlagen und schwer, ja, ich könnte depressiv sagen. Alles Außenseiter, die es in der Gesellschaft vielleicht nicht leicht haben, aber eine Gemeinschaft entwickeln, trotz der Unterschiede und Eigenheiten. Oder vielleicht genau deswegen. Aber das Buch zog sich sehr. Ich musste mich mehrmals motivieren weiterzulesen, so richtig packend war es nicht. Die Geschichte rund um Hai und Grazina hat mich am meisten berührt, aber manchmal auch wütend gemacht. Die Darstellung von außerfamiliären zufälligen Beziehungen zwischen einem Demenzkranken Menschen und meist einem jüngeren Menschen werden häufig so romantisiert in der Literatur. Da kommt einer und kümmert sich so hingebungsvoll und lieb und weiß irgendwie auch was für den Demenzkranken das Richtige ist. Und die Familie wird als hart und unliebend dargestellt. Aber als Tochter einer Demenzkranken kann ich sagen, dass man den Angehörigen eben in guten professionellen Händen wissen will, wo er*sie die beste Pflege erhält. Schade, dass mir immer wieder Bücher begegnen, die das kritisieren und abwerten. Das ist natürlich eine sehr individuelle Sichtweise, die ich jedoch nicht unerwähnt lassen wollte. Nun bin ich froh, dieses Buch in diesem Jahr abgeschlossen zu haben. Von dem Autor werde ich wohl nicht bald wieder was lesen.
Ich hab 70% von diesem Buch gelesen und bin dann einfach zum letzten Kapitel gesprungen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Es ist bei weitem nicht schlecht, viele wichtige Themen werden behandelt und die Geschichte im herzen ist auch schön, aber da ist so viel drum herum und alles zieht sich so lang und zäh, ich musste mich immer extrem zwingen weiter zu lesen. 200 Seiten weniger und eine genauere Richtung und man hätte hier wirklich was haben können. Emotional ist einfach alles über mich hinweg gerauscht und ich hab leider gar nichts wirklich gefühlt.
Lass dich drauf ein - es lohnt sich!
Inspiriert durch einen WDR Lesetipp startete ich mit etwas Respekt aber auch großer Neugier in diese Geschichte. Hai, der in einer tiefen Kriese steckt, begegnet Grazina. Sie ist Alt & Dement und zwischen ihnen wächst eine recht ungewöhnliche und doch sehr schöne Freundschaft. Die beiden Protagonisten die unterschiedlicher nicht sein können fangen sich gegenseitig auf, helfen einander und geben sich halt. Mit einem Mix aus Vergangenheit & Gegenwart zeigt diese Geschichte von Vuong mit seinem ausschweifenden, gleichzeitig emotionalen Schreibstil was Ausweglosigkeit, Psychische Probleme, Freundschaft und dazugehörigkeit ausmachen können. Anfangs habe ich zwar ein bisschen gebraucht um rein zu kommen, da es schon poetisch geschrieben ist und ich in dem Bereich nicht so die Erfahrung habe aber ich habe dieses Buch gern gelesen. Vor allem wegen der Charaktere, die ich allesamt so in mein Herz geschlossen habe & ich denke, dass mich diese Geschichte auch nachhaltig begleiten wird. Vor allem die Gespräche zwischen den beiden. Trau dich, Lass dich drauf ein. Es lohnt sich! ❤️

East Gladness, ein vergessener Ort im tristen Connecticut. Hier lebt Hai, Sohn vietnamesischer Einwanderer, der an einem Wendepunkt steht: Nach dem Abbruch seines Studiums, jahrelangem Tablettenmissbrauch und einem Leben im Netz aus Lügen zieht es ihn auf eine Brücke, wo er seinem Leben ein Ende setzen will. Doch hier sieht ihn Grazina – eine demente alte Frau litauischer Herkunft, die den zweiten Weltkrieg überlebt hat und nun allein in einem baufälligen Haus am Fluss lebt. Ihre Begegnung mit Hai, so zufällig sie wirkt, ist der stille Auftakt zu einer zarten Verbindung zwischen zwei Verlorenen: ein junger Mann am Abgrund, eine alte Frau am Ende ihres Lebens, die zunächst nicht allzu viel gemein haben, doch „Die Superkraft der Jugend besteht darin, dass man dem Nichts am Nächsten ist, und darin gleicht sie dem hohen Alter.“ (S. 420). Sprachlich ist der Roman eine Wucht. Vuong schreibt mit poetischer Präzision, die zu keiner Zeit kitschig erscheint. Seine sprachliche Gewandtheit hat mich beeindruckt und zugleich berührt. Dabei greift „Der Kaiser der Freude“ Themen wie Einsamkeit, Wahlfamilien und die Fragilität menschlicher Verbindungen auf. Dargestellt ist außerdem ein Amerika, das mit dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ nur noch wenig zu tun hat. Letztlich bleibt bei mir aber doch ein zwiespältiges Gefühl. So intensiv und ergreifend die Sprache ist, so sehr fehlte es mir in der Handlung an Entwicklung. Die Grundidee – zwei Einsame, die einander ein Stück Leben schenken, gepaart mit einer sozialkritischen Darstellung des heutigen Amerikas – fand ich stark, die Handlung hat mich aber erzählerisch nicht komplett überzeugen können. Ich finde zwar, dass die Handlung auch ohne großen Spannungsbogen funktioniert und gerade von den leisen Tönen lebt, die die Trostlosigkeit und inneren Konflikte widerspiegeln, aber die Charaktere blieben mir letztlich zu wenig plastisch. Möglicherweise war auch meine Erwartungshaltung einfach zu hoch… (?) „Der Kaiser der Freude“ ist ein sprachgewaltiges Werk über das Leben am Rand der amerikanischen Gesellschaft – berührend, feinfühlig und ungeschönt. Man sollte jedoch keine Handlung mit Spannungsbogen und Entwicklungen erwarten.
In “Der Kaiser der Freude” geht es um Hai, der nach geschmissenem Studium und einem Suizidversuch im Haus der alten Grazina landet, die als Jugendliche aus Litauen in die USA ausgewandert ist. Er fängt an, im selben Schnellrestaurant wie sein Cousin Sony zu arbeiten und findet in der Belegschaft aus “seltsamen Losern” eine Ersatzfamilie. Ocean Vuong hat eine wundervolle Art, Details einzufangen und zu beschreiben und steckt voller Liebe für all seine Figuren. Er erzählt so poetisch, dass man sich manchmal in seinen Sätzen verlieren möchte. Die Protagonisten wachsen einem schnell ans Herz, die schräge Handlung zieht in ihren Bann und man möchte auch nach Ende der Handlung weiter in East Gladness bleiben. Ein toller Coming-of-Age-Roman über Freundschaft und verlorene Träume, der manchmal so weh tut wie das Leben auch. *Das Hörbuch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar von Netgalley zur Verfügung gestellt.
„Der Kaiser der Freude“ war mein meisterwartetes Buch 2025 – und endlich hielt ich es in den Händen. Kurz hatte ich Sorge, dass meine Erwartungen zu hoch gesteckt waren und ich enttäuscht zurückbleiben würde. Doch schon ab der ersten Seite war klar: Diese Sorge war unbegründet. Die Geschichte ist schwer, ja – voller Schmerz, Verlust und Schicksalsschläge. Und doch fühlt sie sich nie kalt oder erdrückend an. Ocean Vuong gelingt es mit einer seltenen Feinfühligkeit, jede Figur so lebendig, liebevoll und echt zu zeichnen, dass man meint, sie persönlich zu kennen. Trotz aller Tragik schwingt in jeder Zeile eine tiefe, stille Hoffnung mit. Es ist, als würde man eine Geschichte lesen, die gleichzeitig umarmt und aufwühlt – leise, aber intensiv. Für mich ist dieses Buch jetzt schon ein Highlight des Jahres. Lieber Ocean Vuong – ich warte jetzt schon sehnsüchtig auf dein nächstes Werk. Bis dahin tauche ich wohl noch einige Male zurück in die Welt von Hai, Grazina, Sony, Maureen, Russki, BJ und Wayne.
Durchgehört statt gefühlt
Ich habe Der Kaiser der Freude mit einer gewissen Erwartungshaltung gelesen beziehungsweise gehört, weil das Buch stark gehypt wurde und mir mehrfach empfohlen worden ist. Zudem kannte ich bereits ein früheres Werk von Ocean Vuong, mit dessen Schreibstil ich allerdings auch schon nicht richtig warm geworden bin. Leider hat sich dieser Eindruck für mich hier bestätigt. Es gibt durchaus Momente im Buch, die schön, sensibel und auch nachdenklich sind. Einzelne Szenen zwischen den Figuren haben emotionale Tiefe und zeigen, dass Vuong ein gutes Gespür für zwischenmenschliche Nuancen besitzt. Gerade diese Passagen blitzen immer wieder auf und lassen erkennen, warum viele Leserinnen und Leser seine Werke schätzen. Gleichzeitig zieht sich die Handlung für mein persönliches Empfinden jedoch sehr in die Länge. Der Aufbau wirkt stellenweise zäh, manche Abschnitte verlieren sich in Beschreibungen oder gedanklichen Schleifen, wodurch Spannung und Dynamik verloren gehen. Ich hatte mehrfach das Gefühl, dass der Weg zu den eigentlich berührenden Momenten unnötig lang ist. Dadurch entstand bei mir immer wieder Langeweile statt Neugier. Auch der Stil selbst hat mich nicht abgeholt. Die Sprache wirkt auf mich teilweise sehr geschwollen oder überladen, was dazu führte, dass ich gedanklich abgeschweift bin. Besonders im Hörbuchformat fiel mir das auf. Ich habe es zwar bis zum Ende durchgezogen, mich zwischendurch aber eher durchgehört als wirklich gefesselt gefühlt. Mehrmals stand ich kurz davor abzubrechen. Insgesamt erkenne ich an, dass das Buch literarische Qualitäten und einige starke Szenen besitzt. Für mich persönlich überwiegt jedoch das Gefühl von Langatmigkeit und stilistischer Distanz. Ich kann nachvollziehen, warum das Werk viele begeistert, aber mich hat es nicht wirklich erreicht. Eine klare Empfehlung würde ich daher nicht aussprechen. Eher ein Kann man lesen, muss man aber nicht, zumindest wenn man mit sehr poetischer und teils ausschweifender Sprache Schwierigkeiten hat.
Ein Glimmen, wo ich mir Leuchten erhofft hatte.
Leider konnte mich „Kaiser der Freude“ nicht ganz überzeugen. Ich mochte einige Einzelheiten, etwa die Dynamik zwischen dem jungen Hai und der über achtzigjährigen Grazyna, die im Laufe der Geschichte immer mehr von der Demenz und alten Erinnerungen verschluckt wird. Die liebevolle Bereitschaft der beiden, sich in ihren Eigenarten aufeinander einzulassen - sich schließlich aufeinander zu verlassen - schafft ein warmes, melancholisches, gar ulkiges Kopfkino. Vuong baut als sensibler und wertschätzender Erzähler eben denen eine Bühne, die sonst im Schatten stehen. Den Kranken. Den Süchtigen. Den Alten vor allem. Aber auch den Geringverdienern, die die Maschine am Laufen halten. Die am Fast Food Schalter stehen, lächelnd. Deren Job es ist ein komfortables Leben in Fülle vorzugaukeln, wo sie selber jeden Tag kämpfen müssen. Zum Beispiel im Home Market, wo Hai Arbeit findet, während seine Mutter nicht ahnt, dass er drogenabhängig ist. Stattdessen denkt sie, dass er Medizin in Boston studiert. Seine Kolleg*innen werden eine zweite Familie für ihn, hier gibt es eine wrestlingbesessene Chefin, seinen Cousin, der meisterlich Origamipinguine faltet und eine, die an Echsenmenschen glaubt. So gern ich die schrägen Figuren und das Setting im Hinterland der USA, fernab des amerikanischen Traums, mögen wollte: der Funke ist nie ganz übergesprungen. Vieles war mir zu gewollt und die Sprache suhlte sich immer wieder in Poesie, ohne groß zur Geschichte beizutragen. Vielleicht lags letzten Endes auch an der Übersetzung. Allein dass der Titel „Emperor of Gladness“ wortwörtlich als „Kaiser der Freude“ übersetzt wurde, ist mir ein Rätsel, wo doch Gladness der Schauplatz des Romans ist und im Deutschen komplett seine Doppeldeutigkeit verliert.
Ich habe wirklich lange gebraucht, um diesen Roman zu lesen - über ein Monat - und auch wenn ich immer wieder Zweifel hatte, hat es sich am Ende doch sehr gelohnt! Wir begleiten Hai, einen jungen Mann mit vietnamesischen Wurzeln, der nicht weiß, was die Zukunft für ihn bereit hält. Er kann nicht nach Hause zu seiner Mutter und findet bei Grazina Unterschlupf; im Gegenzug kümmert er sich um die alte, einsame Dame aus Litauen und leistet ihr Gesellschaft. Über seinen autistischen Cousin Sony findet er eine Anstellung bei HomeMarket, einem Fastfood-Lokal. Die Geschichte entfaltet sich sehr langsam, nach und nach werden Hintergründe offengelegt und viele große Themen wie Drogen-/Medikamentenmissbrauch, Umgang mit alternden Menschen und Demenz, Realitäten der Lebensmittel- und Fleischindustrie, Leistungsdruck in Einwandererfamilien uvm. angeschnitten. Ocean Vuongs Schreibstil ist sehr beschreibend poetisch, stellenweise zwar etwas ausschweifend, hat mir persönlich aber gut gefallen und wurde von Nikolaus Stingl & Anne-Kristin Mittag gekonnt ins Deutsche übertragen, so dass sich das Buch sehr gut liest – und das, obwohl es in vielerlei Hinsicht sehr „amerikanisch“ ist und es jede Menge kultureller Referenzen gibt. Besonders gern habe ich die Dialoge gelesen, die oft überraschend tiefgründig waren. Schade fand ich, dass es keine durchgehenden Spannungsbogen gab. Auch wenn viele Szenen mich nachhaltig beeindruckt haben, bin ich sehr oft „aus der Geschichte gefallen“ und hatte manchmal das Gefühl, einen Aneinanderreihung von Kurzgeschichten zu lesen, die lose über den Protagonisten Hai miteinander verbunden sind. Dadurch habe ich den Roman öfter mal zur Seite gelegt und anderen Büchern den Vortritt gewährt – es ist auf jeden Fall, eine Geschichte für die man sich genug Zeit nehmen muss! Wenn man sich aber ganz darauf einlässt, bietet es sehr viel Stoff zum Nachdenken und liebenswerte, schräge Charaktere, die einen noch lange begleiten werden.
In "Der Kaiser der Freude" schlüpfen wir ins Leben von Hai: Hais Alltag besteht - nach dem Aufenthalt in einer Entzugsklinik und einem Suizidversuch, den eine 80+ Jährige Frau beobachtet und stoppt -, darin, sich um ebendiese ältere Frau mit voranschreitender Demenz zu kümmern und seiner Arbeit in einem Diner, um sich finanziell über Wasser zu halten. Wir erleben durch ihn ein Leben in einer Kleinstadt der USA am Rande von Armut, seinen Kampf mit Verlust, Drogenabhängigkeit, Lügen und komplexer familiärer Verbundenheit. Aber auch Zusammenhalt, Mut und Freundschaften. Es ist eine mitreißende Geschichte, wunderschön geschrieben (und übersetzt), die trotz schwieriger Themen nicht unbedint an Leichtigkeit einbüßt.
Ich habe die Story als Audiobuch gehört (vielen Dank an Netgalley und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar) und empfand Fabian Busch als spannenden Sprecher. Mit einer Einschränkung: Seine Darstellung des Akzents von dem Charakter "Russki" hat bei mir sauer aufgestoßen - ich verstehe, dass er in die unterschiedlichen Stimmen und Menschen Leben einhauchen wollte, aber als deutscher Mensch eine schlechte Interpretation eines russischen Akzents zu spielen, hätte nicht sein müssen.
2009. New England. Hai, queerer Mann mit vietnamesischen Wurzeln, will mit Pillen Selbstmord begehen. Bevor er seine Tat vollzieht, lernt er Grazina die aus Litauen stammt, kennen. Er zieht in ihr Haus & wird ihr Pfleger. Sie weiht ihn in ihre Rituale & in ihre Vergangenheit ein. Sie hat den 2.Weltkrieg überlebt… *********** „Der Kaiser der Freude“ von Ocean Voung habe ich im Rahmen der 2.Buchclubrunde 2026 gelesen. Was macht es mit einer Person die die Schrecken des 2.Weltkrieges erlebt hat? Albträume verfolgen sie dem ganzen Leben. Es ist eine Mischung aus Demenz & Trauma. Grazina nimmt Tabletten, aber die Dosis ist zu gering, die Geister sind real. Hai wird ein amerikanischer Sergeant, muss mit in die Vergangenheit & holt sie in die Gegenwart zurück. Weiß Grazinas Sohn von den nächtlichen Traumsequenzen & haben sie deshalb so wenig Kontakt? Hai will sich Geld dazuverdienen & bekommt einen Job in ein Fastfood Restaurant & trifft seinen Cousin Sony, benannt nach dem 1.Fernseher des Vaters, wieder. Mindestlohn wird gezahlt, es herrscht Leistungsdruck & das Team wächst zusammen bis zu dem Punkt als die Konkurrenz ein Laden in unmittelbarer Nähe öffnet. Es gibt paar Parallelen vom Buch zu Voungs Leben. Er hat vietnamesische Wurzeln, ist queer & in Armut aufgewachsen. Der Roman hat eine sehr poetische, erzählende & erklärende Sprache. Durch keine klassischen Handlungsstränge ist es manchmal verwirrend. Voung gibt Einblicke in eine Gesellschaft die für mich bis dato fremd war. Stellenweise gibt es Komik, die für einen Lacher/Schmunzler sorgen. Leider bin ich erst bei Seite 320 in die Story reingekommen. Gründe sind die Sprache & teils die langatmige Story. Die Traumasequenzen & Fastfood-Story waren mir mitunter zu lang & zu viel. Die Einblicke in die Vergangenheit fand ich wichtig. Der Roman lag lange im Regal & habe mich gefreut, dass wir ihn nun im Buchclub lasen, aber bin enttäuscht aus der Lektüre gegangen. Ich denke es ist ein Buch zur falschen Zeit. Die Übersetzung ist wundervoll.

The Emperor Of Gladness
Vuong schreibt erneut über (vietnamesisch-) amerikanische Identität und ist dabei teils komisch, teils poetisch. Zwischen fettigem Diner-Essen, Kriegs-Historie und dementen Halluzinationen trifft der amerikanische Traum dabei auf viele verschiedene Einzelschicksale. Mich hat "Der Kaiser der Freude" so wirklich gut unterhalten.
Ocean Vong erzählt von einer Figur, welche kurz vor dem Suizid von einer alten Dame abgehalten wird und sich zu ihrer Pflegeperson, wenn nicht sogar der engst vertrauten Person entwickelt. Besonders die Form in der asiatischen Erzähltradition hat mich besonders fasziniert. Denn obwohl keine Ereignisse und Schockmomente den Roman begleiten ist die Handlung emphatisch spannend und hat mich in einen emotionalen Sog gezogen.Ich wollte, dass dieses Buch und die Freundschaft der zwei Hauptpersonen niemals endet. Sprachlich betrachtet habe ich durchaus dem Hintergrund Vongs als Lyriker bemerkt, denn die Metaphern und Bilder, welche gekonnt in Szene gesetzt wurden waren ergreifend. Das einzige, was ich zu bemängeln habe ist die Schlachthaus-Szene, obwohl ich verstehe warum diese eingesetzt wurde. Mir ging diese Passage zu sehr ans Herz, sodass ich diesen Teil nur sehr flüchtig gelesen, wenn nicht sogar gekippt habe.
Der Kaiser der Atmosphäre – aber auch der Abschweifungen
Der Kaiser der Freude ist ein sprachlich starkes Buch, das genau die Mischung liefert, für die Ocean Vuong bekannt ist: poetisch, zart, manchmal humorvoll und zugleich tief verwurzelt im Schmerz seiner Figuren. Gleichzeitig hat das Buch für mich deutliche Schwächen. Der Stil wirkt stellenweise zu hochtrabend und überladen. Zudem verliert sich die Erzählung immer wieder in langen, detailreichen Beschreibungen, ohne dass ein klarer roter Faden sichtbar bleibt. Die Handlung tritt dadurch oft auf der Stelle – was es an einigen Stellen wirklich schwer machte, dranzubleiben. Insgesamt ein literarisch anspruchsvolles, thematisch tiefes Werk, das starke Momente hat, aber für mich nicht ganz die Balance hält.

Der amerikanische Traum?
Der neue Roman von Ocean Vuong "Der Kaiser der Freude" beschreibt das Leben verschiedener Menschen in East Gladwell. Dabei meistern sie alle die Herausforderungen, die der ärmliche und trostlose Ort und die persönlichen Umstände mit sich bringen. Dabei folgt der Leser dem Vietnamesen Hai, der bei einem Suizidversuch von der Seniorin Grazina beobachtet und gerettet wird. Daraufhin zieht er bei Grazina ein, um die demenzkranke Seniorin zu unterstützen. Um die beiden versorgen zu können, beginnt Hai in einem Fast Food Restaurant zu arbeiten. Ocean Vuong spricht in seinem Buch viele wichtige Themen an. Drogen, Depressionen, Demenz, Armut, Zugehörigkeit, abwesende Eltern und Einsamkeit beherrschen die Geschichte. Der Schreibstil ist sehr poetisch und hat mir gut gefallen, allerdings hat mir an einigen Stellen etwas die Tiefe gefehlt.
Der beste Roman in 2025 bis jetzt!
Das ist für mich schon der beste Roman des Jahres! Während ich Barbara Kingsolvers Demon Copperhead aufgesetzt, künstlich und kitschig fand, mit vielen unerträglichen Passagen zur Drogensucht, schafft es Ocean Vuong von genau dieser verzweifelten jungen Generation in den USA, den Vergessenen der Gesellschaft, humorvoll, warmherzig und verdammt cool zu erzählen. Der runtergerockte Protagonist geht eine ungewöhnliche WG mit einer alten dementen Frau ein, die sowohl zu Tränen rührt als auch zum Lachen ob mancher Lebenssituationen. In seinem Job im Schnellrestaurant lernt der junge Mann andere Verlorene kennen, deren Schicksale ihn mit ihnen verbinden. Lesen!
Lyrisch und krftvoll
East Gladness in Neuengland ist ein heruntergewirtschaftetes Örtchen, in dem die gesellschaftlichen Randgruppen und verloren gegangenen Träumer zurückgeblieben sind. In dieser Kleinstadt, in der die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, ist der vietnamesische Migrantensohn Hai bereit, seinem 19jährigen Leben ein Ende zu setzen. Sein kreiertes Lügenkonstrukt droht zusammenzubrechen und das abgebrochene Studium, samt dem anhaltenden Tablettenmissbrauch, aufzufliegen. Während er auf der Brücke stehend in die Tiefe blickt und kurz vorm Sprung steht, spricht ihn die von Demenz gezeichnete litauische Witwe Grazina an und hindert ihn am Sprung. Fortan bildet diese ungleiche Paar eine innige und achtsame Symbiose und meistert gemeinsam ihr tägliches Überleben. Als Nebenschauplatz dient ein Fast Food Restaurant, in dem Hai eine Anstelllung findet, eine nachdenklich stimmende Abwechslung und jeder der dort, vom amerikanischen Traum zurückgelassenen Angestellten, ist auf seine ganz eigene Art skurril und liebenswert. Ocean Vuongs Roman stellt eine Läuterung dar, bringt Licht in ein dunkles, degeneriertes Amerika und erzählt von Wahlfamilien, untypischen Freundschaften und der Möglichkeit der Heilung, mit dem berührenden Blick auf die eigene Identität. Sprachlich auf hohem Niveau, liest sich „Der Kaiser der Freude“ mit seinen authentisch ausgearbeiteten Charakteren, wie ein Zeitzeugnis und eröffnet dem Lesenden langsam den Blick, auf die vergessenen Seelen der vereinigten Staaten.
East Gladness, New England, 2009: Der 19-jährige Hai weiß nicht mehr weiter mit seinem Leben und spielt mit dem Gedanken, in den Fluss zu springen. Kurz bevor er diesen Gedanken in die Tat umsetzen kann, hält ihn eine Anwohnerin, die Litauerin Grazina, davon ab. Sie lebt in einem kleinen, heruntergekommenen Häuschen am Fluss und bietet Hai kurzerhand an, bei ihr einzuziehen. Ihre einzige Bedingung: Er soll ihre Tabletten richten und ab und zu die Einkäufe erledigen. Hai lässt sich auf diesen unverhofften Neuanfang ein, nicht wissend, dass Grazina dement ist und nachts von den Geistern ihrer Vergangenheit eingeholt wird. So wird er mehr und mehr zu ihrem Pfleger und fängt an, in einem nahegelegenen Diner zu arbeiten, um sich an den Haushaltskosten zu beteiligen. Die Belegschaft des Diners werden zu einer unersetzlichen Gemeinschaft für Hai, der aufgrund einer Lüge, die er seiner Mutter erzählt hat, nicht nach Hause gehen kann. "Der Kaiser der Freude" von Ocean Vuong ist ein Buch über Loser, über Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen am Boden befinden und trotzdem versuchen, ihr Leben weiterzuleben. Sie fallen wie Grazina durchs gesellschaftliche Raster und bekommen keine Unterstützung zu Hause, obwohl sie Pflege bedürften, stammen aus dem Autismus-Spektrum wie Sony, Hais Cousin, oder sind Drogenabhängig wie Hai. Der komplette Roman baut auf einer Lüge auf, die Hai seiner Mutter erzählt: Er behauptet, in Boston Medizin zu studieren, stattdessen macht er einen Entzug und landet letztlich bei Grazina. Die Geschichte ist geprägt von ungewöhnlichen Charakteren mit ausgefallenen Interessen, die viel Raum im Buch einnehmen dürfen - für meinen Geschmack häufig zu viel Raum. Mir hätte eine Konzentration des Autors auf Hai und Grazina oft besser gefallen, statt auf jede Charaktereigenschaft des Diner-Personals einzugehen. Besonders eindrücklich fand ich die Rückblenden in Hais und Sonys Vergangenheit als Söhne vietnamesischer Einwanderer. "Der Kaiser der Freude" ist ein Roman, der sich (für mich zu viel) Zeit lässt, der oft berührt und Menschen in den Mittelpunkt stellt, die sonst Außenseiter sind. Übersetzt von Anne-Kristin Mittag und Nikolaus Stingl.

Obwohl das fiktive East Gladness eine heruntergekommene Kleinstadt ist, scheinbar fernab vom American Dream, gibt es hier Hoffnung. Poetisch und auf zutiefst menschliche Art erzählt Ocean Vuong eine Geschichte voller liebenswerter Charaktere, die mir in Erinnerung bleiben werden. Zwar habe ich vor vielen Jahren „Auf Erden sind wir kurz grandios“ auch ganz gern gelesen, aber „Der Kaiser der Freude“ ist noch mal eine andere Hausnummer!
Das… ohhh ich werde jetzt meine Schwierigkeiten haben Worte zu finden, es ist irgendwie schwer zu fassen was mich daran so begeistert hat. Es ist ein Meisterwerk, ein sprachliches, psychologisches Meisterwerk. Da sind Hai und Sony und Grazina natürlich und die kämpfen sich so durch. In ihrer ganz eigenen Welt. Einer die von Armut, Drogen, einem Job im Fastfood Laden geprägt ist aber auch Zusammenhalt. Also so viel passiert eigentlich gar nicht aber wie mit einem Sog wird man in dieses Universum durch die fantastische Sprache hineingezogen. Es ist so echt, so authentisch und so ein Gefühl beim Lesen hatte ich auf die Art noch nie bei einem Roman . LESEN!!… es wird noch lange lange nachhallen.
Eine Geschichte, die am unteren Rand der Gesellschaft der USA spielt und die handelnden Figuren zum traurigen Abbild eines Landes werden,, was schon 2010 (Jahr der Handlung) auf eine traurige Entwicklung zulief. Der Autor weiß mit guten Bildern zu erzählen. Dabei lässt er sich Zeit. Und das passt ziemlich diesem Roman.
Erwartungen nicht erfüllt
Die Erwartungen an Der Kaiser der Freude hätten größer nicht sein können: bereits vor dem weltweiten Erscheinen wurde der Roman vom Spiegel unter die 100 besten Bücher der letzten hundert Jahre gewählt. Nach dem Lesen des ersten Kapitels, in dem der Schauplatz der Geschichte beschrieben wird, eine kleine Stadt in Connecticut, mit einer unglaublichen sprachlichen Gewandtheit, war ich auch überzeugt, da kommt etwas großes. Auch den Aufhänger, ein medikamentensüchtiger Studienabbrecher, dessen Rettungsanker eine über achtzigjährige Litauerin ist, die den zweiten Weltkrieg überlebt hat und nun durch ihre Demenz Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit vermischt, fand ich gelungen. Nun kommt das große Aber. Für mich hatte der Roman nichts Neues, gleichzeitig wollte er zu vieles. Es werden zu viele Themen angeschnitten (ein Kritikpunkt, den ich übrigens auch schon bei Auf Erden sind wir kurz grandios hatte), jedoch größtenteils nicht zu Ende geführt. Einige Kapitel wirken zu sehr konstruiert (beispielsweise die Schweineschlachtung oder der mittlerweile schon fast obligatorische Roadtrip), bringen die Handlung jedoch nicht wirklich weiter. Auch bleibt am Ende nicht das Gefühl, dass sich Hai weiterentwickelt hätte. Meine Erwartungen wurden also nicht erfüllt und ich kann die Einschätzung des Spiegels auch nicht nachvollziehen. Zusätzlich bleibt noch folgendes anzumerken: Mir stößt es ein wenig sauer auf und es hat auch teilweise meine Lesefreude ziemlich getrübt, dass Ocean Vuong Mitunterzeichner eines Aufrufs zum Boykott israelischer Kulturinstitutionen ist. Das ist eine Einstellung gewisser linksgerichteter Intellektuellenkreise, die ich nicht nachvollziehen kann. Vuong schreibt einerseits unglaublich sensibel, gehört gleichzeitig einer marginalisierten Gruppe an. Meine Erwartungshaltung an ihn ist daher eine entsprechend andere.
Hai, Sohn vietnamesischer Einwanderer, hat beschlossen, sich von einer Brücke in den Fluss zu stürzen. Doch dann lernt er am Ufer Grazina aus Litauen kennen, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat. Sie überredet ihn, nicht zu springen und stattdessen bei ihm einzuziehen – eine Situation, von der beide profitieren sollen, denn Grazina kämpft mit den Geistern ihrer Vergangenheit und ihrer Gesundheit, während Hai nicht zu seiner Mutter zurückkehren kann, weil er ihr ein ganz anderes Leben vorspielt. Nach „Auf Erden sind wir kurz grandios“ und zwei Gedichtbänden ist „Der Kaiser der Freude“ nun der zweite Roman von Ocean Vuong; die deutsche Übersetzung verfassten Anne-Kristin Mittag und Nikolaus Stingl. Die Handlung wird von einem allwissenden Erzähler in der dritten Person und der Vergangenheitsform erzählt. Die Sprache ist dabei, wie man es vom Autor gewohnt ist, sehr poetisch, voller Vergleiche und langer Umschreibungen. Um Grazina finanziell zu unterstützen, sucht Hai sich in einem Diner Arbeit, wo sich eine bunte Mischung an Außenseitern zusammengefunden hat, von denen jede/r seinen eigenen Träumen nachhängt: Hais Cousin Sony möchte zum Beispiel seinen Vater wiedersehen, der die Familie vor vielen Jahren verlassen hat, Chefin BJ sehnt sich nach einer Karriere als Wrestlerin. So vielfältig wie die Charaktere sind auch die Themen der Handlung: Rassismus, abwesende Eltern, enttäuschte Erwartungen, Neurodivergenz, Armut, Traumata usw. Diese Fülle habe ich nicht unbedingt als positiv wahrgenommen, denn sie lässt die Geschichte unbestimmt und schwammig wirken. Vuongs Roman ist stark in seinen zwischenmenschlichen Begegnungen, vor allem in den Szenen, in denen Hai Grazina durch die schlimmen Phasen hilft, in denen sie sich immer noch im Krieg glaubt. Darüber hinaus will das Buch einfach zu viel. Die schöne Sprache des Autors verpufft oft im Nichts, der Protagonist bleibt blass, obwohl die Handlung sehr umfangreich ist. Etwas weniger Nebenhandlung und verschachtelte Sätze, dafür etwas mehr Tiefe – das hätte „Der Kaiser der Freude“ für mich gebraucht.
Literarisch wertvoll aber etwas zäh.
Mir wurde das Buch von einer amerikanischen Freundin empfohlen, die ihre eigene Jugend in diesem Roman wiedergefunden hat, deshalb war ich neugierig. Die Geschichte ist humorvoll und gleichzeitig bedrückend. Leider habe ich sehr lange gebraucht, um das Buch durchzulesen, da es lyrisch war sehr gut aber an vielen stellen zäh und abschweifend ist. Es ist sehr anspruchsvoll zu lesen und das ist gut aber nimmt an vielen stellen die Leichtigkeit.
















































