Der Großinquisitor
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Description
Der unter seinem Unglauben leidende Atheist Iwan erzählt in Dostojewskijs Roman »Die Brüder Karamasow« diese bestürzende Parabel: Christus, der den Menschen die Freiheit bringen wollte, kehrt ins Spanien der Inquisition zurück. – Der Großinquisitor wirft ihm vor, er habe die Menschen überfordert und ihnen nur Unglück gebracht. Die Kirche verheiße dagegen Glückseligkeit – unter Preisgabe der Freiheit.
Die verführerische Argumentation des Kardinals, die stumme Antwort Christi, die Entgegnung von Iwans Bruder: all das berührt bis heute Fragen des Glaubens, der Ethik, der Politik. Einer der tiefsten und einflussreichsten Texte der Weltliteratur.
Book Information
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„Der Großinquisitator“ ist ein Auszug aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Dostjoweski. In dieser kurzen Sequenz erzählt Iwan seinem Bruder Aljoscha eine von ihm erdachte Fantasie. Darin kehrt Jesus Christus in das Sevilla des 16. Jahrhunderts, das Jahrhundert der Inquisition, zurück. Die Menschen erkennen ihn und bringen ihn dazu, Wunder an ihnen zu vollbringen. Als der Kardinal-Großinquisitator das sieht lässt er Jesus festnehmen. Die Menschen lassen den Großinquisitator erfurchtsvoll gewähren. Im Kerker erklärt dieser Jesus, dass in der Menschheit kein Platz mehr für den wahren Jesus ist. Längst hat die katholische Kirche diesen Platz eingenommen und verändert… Die Erzählung liest sich zunächst als Jesus-Kritik. Er habe, so der Kardinal, dem Menschen zu viel Freiheit hinterlassen, was ihn überfordert. Doch schnell wird klar, hier vollführt Dostojewski eine Kritik am Katholizismus und dessen Würdenträgern. Die katholische Kirche habe die, den Menschen überfordernde, Freiheit gegen sie genutzt. Durch Machtergreifung, Machtmissbrauch und Dogmen habe die katholische Kirche die wahren Lehren Jesus aus der Menschheit verdrängt. Deshalb sei Jesus in der Fantasie Iwans gar nicht mehr willkommen. Jesus hört dem Großinquisitator nur zu und zeigt am Ende des langen Monologs lediglich eine Geste der Nächstenliebe: er küsst den Kardinal auf den vertrockneten Mund. In der Zwischenzeit haben sich viele Menschen der westlichen Welt die Freiheit zurückgeholt und die Religion geopfert. Religiös ist Der Großinquisitator also teilweise überholt. ABER: In der modernen Welt sehen wir zunehmend, wie Menschen mit der ihnen zurückgegebenen Freiheit (vor allem des Internets) nicht klarkommen und sich nach einfachen Antworten und starken Autokraten sehnen, die ihnen diese überfordernde Freiheit abnehmen. Nun stellt sich mir die Frage: Wäre Jesus heute vielleicht deutlich willkommener als im 16. Jahrhundert, der Fantasie von Iwan? Und ist der Akt der Nächstenliebe nicht das, was der Menschheit heute wieder so fehlt? Und so ist „Der Großinquisitator“ ein lehrreiches kurzes Stück, in welchem Religionskritik aber vor allem Philosophie steckt. Trotzdem muss ich erst noch das Gesamtwerk lesen, um mir ein wirklich abschließendes Urteil bilden zu können.
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Der unter seinem Unglauben leidende Atheist Iwan erzählt in Dostojewskijs Roman »Die Brüder Karamasow« diese bestürzende Parabel: Christus, der den Menschen die Freiheit bringen wollte, kehrt ins Spanien der Inquisition zurück. – Der Großinquisitor wirft ihm vor, er habe die Menschen überfordert und ihnen nur Unglück gebracht. Die Kirche verheiße dagegen Glückseligkeit – unter Preisgabe der Freiheit.
Die verführerische Argumentation des Kardinals, die stumme Antwort Christi, die Entgegnung von Iwans Bruder: all das berührt bis heute Fragen des Glaubens, der Ethik, der Politik. Einer der tiefsten und einflussreichsten Texte der Weltliteratur.
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„Der Großinquisitator“ ist ein Auszug aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Dostjoweski. In dieser kurzen Sequenz erzählt Iwan seinem Bruder Aljoscha eine von ihm erdachte Fantasie. Darin kehrt Jesus Christus in das Sevilla des 16. Jahrhunderts, das Jahrhundert der Inquisition, zurück. Die Menschen erkennen ihn und bringen ihn dazu, Wunder an ihnen zu vollbringen. Als der Kardinal-Großinquisitator das sieht lässt er Jesus festnehmen. Die Menschen lassen den Großinquisitator erfurchtsvoll gewähren. Im Kerker erklärt dieser Jesus, dass in der Menschheit kein Platz mehr für den wahren Jesus ist. Längst hat die katholische Kirche diesen Platz eingenommen und verändert… Die Erzählung liest sich zunächst als Jesus-Kritik. Er habe, so der Kardinal, dem Menschen zu viel Freiheit hinterlassen, was ihn überfordert. Doch schnell wird klar, hier vollführt Dostojewski eine Kritik am Katholizismus und dessen Würdenträgern. Die katholische Kirche habe die, den Menschen überfordernde, Freiheit gegen sie genutzt. Durch Machtergreifung, Machtmissbrauch und Dogmen habe die katholische Kirche die wahren Lehren Jesus aus der Menschheit verdrängt. Deshalb sei Jesus in der Fantasie Iwans gar nicht mehr willkommen. Jesus hört dem Großinquisitator nur zu und zeigt am Ende des langen Monologs lediglich eine Geste der Nächstenliebe: er küsst den Kardinal auf den vertrockneten Mund. In der Zwischenzeit haben sich viele Menschen der westlichen Welt die Freiheit zurückgeholt und die Religion geopfert. Religiös ist Der Großinquisitator also teilweise überholt. ABER: In der modernen Welt sehen wir zunehmend, wie Menschen mit der ihnen zurückgegebenen Freiheit (vor allem des Internets) nicht klarkommen und sich nach einfachen Antworten und starken Autokraten sehnen, die ihnen diese überfordernde Freiheit abnehmen. Nun stellt sich mir die Frage: Wäre Jesus heute vielleicht deutlich willkommener als im 16. Jahrhundert, der Fantasie von Iwan? Und ist der Akt der Nächstenliebe nicht das, was der Menschheit heute wieder so fehlt? Und so ist „Der Großinquisitator“ ein lehrreiches kurzes Stück, in welchem Religionskritik aber vor allem Philosophie steckt. Trotzdem muss ich erst noch das Gesamtwerk lesen, um mir ein wirklich abschließendes Urteil bilden zu können.





