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Der Bichel hatte nicht gelogen: Sie sah ihre Zukunft. Das war das Letzte, was ihr durch den Kopf ging. - Zitat, Seite 15 Andrea Maria Schenkel ist mit "Der Erdspiegel" zu ihren schriftstellerischen Wurzeln zurück gekehrt. Wie in ihrem Debüt "Tannöd", ein historischer Krimi über den bis heute ungeklärten Mehrfachmord in Hinterkaifeck, widmet sie sich einem Kriminalfall, der schon zu seiner Zeit für Aufsehen und großes Entsetzen in der Öffentlichkeit sorgte. Dabei ist die literarische Herangehensweise der Autorin keinesfalls sensationslüstern oder spektakulär, eher nüchtern und stark auf die realistische Darstellung der Lebensrealität der damaligen Zeit konzentriert. Der zurück genommene und schlichte Stil erinnert beim Lesen an Gemälde, welche ein Portrait aus dem Leben gegriffen darstellen. Das recht schmale Büchlein lässt sich leicht und schnell lesen, auch wenn die Sprache dem Lokalkolorit der historischen Handlung angepasst ist. Der Mörder ist von Anfang an dem Lesenden bekannt. Der charismatische Viehändler Büchel ist ein beliebter Geschichtenerzähler und trotz seines einfachen Hintergrunds als Ratgeber für alle Lebenslagen geschätzt. Das erinnert an manche selbsternannten Experten, die im Internet und darüber hinaus, sogar medizinische Ratschläge geben und von vielen gefeiert werden, obwohl sie nicht über die erforderlichen Kenntnisse verfügen, um fundiertes Wissen weiter zu geben. Nur wer ganz genau hinschaut, dem fallen die kalten Augen des Bichelbauern auf und erahnt, dass hinter der scheinbar selbstlosen Freundlichkeit noch etwas anderes lauert. So wirkt dieser alte Kriminalfall verblüffend aktuell. Ideale Lektüre für einen düsteren Herbstabend oder eine Kriminacht. FAZIT Nach dem faszinierenden Debüt "Tannöd" hatte ich die Autorin aus den Augen verloren, um so interessanter war jetzt das Wiederentdecken mit einem historischen Hintergrund, der von der Kulisse vertraut erscheint. Wer in der Gegend von Regensburg wohnt, oder die Stadt bereits bei einem Besuch erkundet hat, wird sich besonders leicht einfühlen können. Der leichte Grusel und die unterschwellig bedrohliche Stimmung der Geschichte passt perfekt in den Leseherbst. Sehr lesenswerter historischer Krimi.
Oct 11, 2024
Der Bichel hatte nicht gelogen: Sie sah ihre Zukunft. Das war das Letzte, was ihr durch den Kopf ging. - Zitat, Seite 15 Andrea Maria Schenkel ist mit "Der Erdspiegel" zu ihren schriftstellerischen Wurzeln zurück gekehrt. Wie in ihrem Debüt "Tannöd", ein historischer Krimi über den bis heute ungeklärten Mehrfachmord in Hinterkaifeck, widmet sie sich einem Kriminalfall, der schon zu seiner Zeit für Aufsehen und großes Entsetzen in der Öffentlichkeit sorgte. Dabei ist die literarische Herangehensweise der Autorin keinesfalls sensationslüstern oder spektakulär, eher nüchtern und stark auf die realistische Darstellung der Lebensrealität der damaligen Zeit konzentriert. Der zurück genommene und schlichte Stil erinnert beim Lesen an Gemälde, welche ein Portrait aus dem Leben gegriffen darstellen. Das recht schmale Büchlein lässt sich leicht und schnell lesen, auch wenn die Sprache dem Lokalkolorit der historischen Handlung angepasst ist. Der Mörder ist von Anfang an dem Lesenden bekannt. Der charismatische Viehändler Büchel ist ein beliebter Geschichtenerzähler und trotz seines einfachen Hintergrunds als Ratgeber für alle Lebenslagen geschätzt. Das erinnert an manche selbsternannten Experten, die im Internet und darüber hinaus, sogar medizinische Ratschläge geben und von vielen gefeiert werden, obwohl sie nicht über die erforderlichen Kenntnisse verfügen, um fundiertes Wissen weiter zu geben. Nur wer ganz genau hinschaut, dem fallen die kalten Augen des Bichelbauern auf und erahnt, dass hinter der scheinbar selbstlosen Freundlichkeit noch etwas anderes lauert. So wirkt dieser alte Kriminalfall verblüffend aktuell. Ideale Lektüre für einen düsteren Herbstabend oder eine Kriminacht. FAZIT Nach dem faszinierenden Debüt "Tannöd" hatte ich die Autorin aus den Augen verloren, um so interessanter war jetzt das Wiederentdecken mit einem historischen Hintergrund, der von der Kulisse vertraut erscheint. Wer in der Gegend von Regensburg wohnt, oder die Stadt bereits bei einem Besuch erkundet hat, wird sich besonders leicht einfühlen können. Der leichte Grusel und die unterschwellig bedrohliche Stimmung der Geschichte passt perfekt in den Leseherbst. Sehr lesenswerter historischer Krimi.
Oct 11, 2024






