Das blaue Zimmer
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Description
Book Information
Author Description
Georges Simenon, geboren am 13. Februar 1903 im belgischen Liège, ist der »meistgelesene, meistübersetzte, meistverfilmte, mit einem Wort: der erfolgreichste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts« (Die Zeit). Seine erstaunliche literarische Produktivität (75 Maigret-Romane, 117 weitere Romane und über 150 Erzählungen), seine Rastlosigkeit und seine Umtriebigkeit bestimmten sein Leben: Um einen Roman zu schreiben, brauchte er selten länger als zehn Tage, er bereiste die halbe Welt, war zweimal verheiratet und unterhielt Verhältnisse mit unzähligen Frauen. 1929 schuf er seine bekannteste Figur, die ihn reich und weltberühmt machte: Kommissar Maigret. Aber Simenon war nicht zufrieden, er sehnte sich nach dem »großen« Roman ohne jedes Verbrechen, der die Leser nur durch psychologische Spannung in seinen Bann ziehen sollte. Seine Romane ohne Maigret erschienen ab 1931. Sie waren zwar weniger erfolgreich als die Krimis mit dem Pfeife rauchenden Kommissar, vergrößerten aber sein literarisches Ansehen. Simenon wurde von Kritiker*innen und Schriftstellerkolleg*innen bewundert und war immer wieder für den Literaturnobelpreis im Gespräch. 1972 brach er bei seinem 193. Roman die Arbeit ab und ließ die Berufsbezeichnung »Schriftsteller« aus seinem Pass streichen. Von Simenons Romanen wurden über 500 Millionen Exemplare verkauft, und sie werden bis heute weltweit gelesen. In seinem Leben wie in seinen Büchern war Simenon immer auf der Suche nach dem, »was bei allen Menschen gleich ist«, was sie in ihrem Innersten ausmacht, und was sich nie ändert. Das macht seine Bücher bis heute so zeitlos.
Posts
Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019
Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019
Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019
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Georges Simenon, geboren am 13. Februar 1903 im belgischen Liège, ist der »meistgelesene, meistübersetzte, meistverfilmte, mit einem Wort: der erfolgreichste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts« (Die Zeit). Seine erstaunliche literarische Produktivität (75 Maigret-Romane, 117 weitere Romane und über 150 Erzählungen), seine Rastlosigkeit und seine Umtriebigkeit bestimmten sein Leben: Um einen Roman zu schreiben, brauchte er selten länger als zehn Tage, er bereiste die halbe Welt, war zweimal verheiratet und unterhielt Verhältnisse mit unzähligen Frauen. 1929 schuf er seine bekannteste Figur, die ihn reich und weltberühmt machte: Kommissar Maigret. Aber Simenon war nicht zufrieden, er sehnte sich nach dem »großen« Roman ohne jedes Verbrechen, der die Leser nur durch psychologische Spannung in seinen Bann ziehen sollte. Seine Romane ohne Maigret erschienen ab 1931. Sie waren zwar weniger erfolgreich als die Krimis mit dem Pfeife rauchenden Kommissar, vergrößerten aber sein literarisches Ansehen. Simenon wurde von Kritiker*innen und Schriftstellerkolleg*innen bewundert und war immer wieder für den Literaturnobelpreis im Gespräch. 1972 brach er bei seinem 193. Roman die Arbeit ab und ließ die Berufsbezeichnung »Schriftsteller« aus seinem Pass streichen. Von Simenons Romanen wurden über 500 Millionen Exemplare verkauft, und sie werden bis heute weltweit gelesen. In seinem Leben wie in seinen Büchern war Simenon immer auf der Suche nach dem, »was bei allen Menschen gleich ist«, was sie in ihrem Innersten ausmacht, und was sich nie ändert. Das macht seine Bücher bis heute so zeitlos.
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Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019
Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019
Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019






