Ich hätte gedacht es geht mehr um die Beziehung untereinander und das fremdgehen und die damit verbundenen Probleme aber es ist eher wie ein Krimi aufgebaut
Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019
Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019
Simenons Reduktion auf das absolut Wesentlichste macht diesen kurzen „Roman dur“ zu einem unglaublich eindringlichen Leseerlebnis. Dieser Mann muss ein absolutes Ausnahmegenie gewesen sein. Seine Bücher soll er in durchschnittlich elf Tagen zu Papier gebracht haben. Nach dem Schreiben wurde nichts mehr daran geändert, und auch Vorschläge von Lektoren habe Simenon nicht angenommen. Inhalt Tony und Andrée, beide verheiratet, treffen sich seit einem Jahr im Blauen Zimmer des Hôtel des Voyageurs, um ihrer Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Bei einem dieser Treffen stellt Andrée ihrem Geliebten eine verhängnisvolle Frage: „Was, wenn ich frei wäre? (…) Würdest Du Dich auch befreien?“ Tony schenkt dieser Frage, die im Buch an verschiedenen Stellen wiederholt wird und mit jedem Mal intensiver unter die Haut geht, keine grosse Beachtung. Zu Unrecht. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Schon bald wird klar, dass es zu einem Verbrechen gekommen sein muss, denn die Rückblende auf jenes verhängnisvolle letzte Stelldichein von Tony und Andrée wird bald durch ein Verhör Tonys abgelöst. Tony ist in Haft, weshalb genau, das erfahren wir erst gegen Ende der Geschichte. Rückblenden und Ausschnitte aus den Verhören wechseln sich gekonnt ab, und so rollt Simenon nach und nach dieses grosse Drama auf, das sich aus der leidenschaftlichen Affäre zwischen Tony und Andrée entwickelt hat. Eine verzehrende, zerstörerische Leidenschaft Simenon hat mich schon mit „Das Gasthaus im Elsass“ und anderen Romanen begeistert. „Das blaue Zimmer“ ist aber mit Abstand das eindringlichste Werk, das ich von ihm gelesen habe. Am meisten beeindruckt hat mich, wie unglaublich lebendig er seine Charaktere gestaltet. Und das alles in kurzen, einfachen Sätzen! Statt platten Beschreibungen lernen wir die Figuren durch ihr Handeln und in ihren Dialogen kennen, und dies äusserst eindringlich. Die Geschichte ist durchgehend spannend, ich konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen. Schon auf der ersten Seite gerät man mitten hinein in diese düstere, verhängnisvolle Geschichte. Meisterhaft beschreibt Simenon auch die Beziehung zwischen Tony und seiner Frau, der blassen, grauen Maus, die alles weiss, sich aber nichts anmerken lässt. Eine typische Ehe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Obwohl die Geliebte ihn fasziniert, sexuell anzieht, liebt Tony doch auch seine Frau. Sie hat er ausgewählt, mit ihr hat er eine Tochter, ein Haus, ein Leben. Trotz all dem Verbindenden schaffen es die Eheleute aber nicht, zusammen über ihre Probleme zu sprechen, sich ihre Gefühle zu offenbaren. Diese Sprachlosigkeit und Tonys Unvermögen, seine Verzweiflung seiner Gefährtin mitzuteilen, sich mit ihr auszusprechen, haben mich fast ebenso getroffen wie die zerstörerische Kraft von Tonys Affäre. Fazit Absolut lesenswertes Drama, grandios aufgerollt. Ein Roman, der unter die Haut geht. Dicht und atmosphärisch, gewährt Simenon Einblick in das Denken und Fühlen seiner Figuren. Meisterhaft skizziert. Simenons Werk ist übrigens umgezogen und wird nun von dem kürzlich gegründeten Kampa Verlag neu aufgelegt. Ich freue mich auf mehr! Gelesen im Januar 2019


