Buntschatten und Fledermäuse
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Book Information
Author Description
Axel Brauns wurde am 183. Tag des Jahres 1963 in Hamburg geboren. 1984 brach er sein Jurastudium ab, um Schriftsteller zu werden. Für seine Geduld im Kampf gegen den Autismus wird Axel Brauns belohnt: Für einen Auszug aus »Buntschatten und Fledermäuse« gewann er den Förderpreis der Stadt Hamburg 2000. Im Sommer 2002 hat Axel Brauns seine Ausbildung als Steuerfachangestellter abgeschlossen.
Posts
Autobiographie eines Autisten
Die Biographie des Hamburgers Axel Brauns habe ich jetzt schon zum dritten Mal gelesen. Als das Buch 2002 erschien, war noch nicht so viel über Autismus bekannt wie heute und Neurodiversität war noch ein Fremdwort. Axel Brauns hat eine milde Form von Autismus, sodass er in der Lage ist, sein Lebens zu reflektieren und über seine besondere Art die Welt zu empfinden zu berichten. Wiederkehrende Muster, Lichteinfälle und Beständigkeit sind ihm wichtiger als zwischenmenschliche Beziehungen. Aufgrund der Wahrnehmungsstörung versteht er Wörter falsch, was zu witzigen Wortkreationen führt (z.B. "Lolli-Wut-Schaukel"). Trotzdem schreibt er wunderschön und hat einen ganz speziellen Sprachgebrauch. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Es ist definitiv anders und erweitert auch die Sichtweise des Lesenden auf die Welt.
»Klaren Kopfes verschwand ich im Kinderzimmer und nahm Platz. In der Vertrautheit meiner vier Wände zählte ich an fünf Fingern ab, was meine Vormittage ausfüllte: Einmal die Woche besuchte ich immer noch die Beseefrau ohne Besees, zweimal in der Woche musste ich in den Kindergarten und zweimal in der Woche zur Knieheilung. Wegen all dieser Ausflüge vernachlässigte ich bereits meine Sandkiste und meine Freunde im Hofhaus. Das Mauerblümchen und die Tür zum Heizungskeller kamen zu kurz, und es war bereits lange her, dass ich im Hofhausgarten nach Kartoffeln gesucht hatte. Es gab keinen Zweifel. Für die Schule ließ sich beim besten Willen keine Zeit abzwacken. Aufgeräumt spazierte ich in die Küche und trug der Haha meine Entscheidung vor: ›Ich gehe nicht zur Schule.‹«
Leseerfahrung: ⭐️⭐️⭐️⭐️✨ In einem Song: Freister Mensch der Welt — ENNIO In einem Wort: horizonterweiternd Inhaltliches: Axel Braun beschreibt das ›Leben im Autismus‹ treffsicher als »miserable Vorbereitung für das Leben in einer Welt ohne Autismus. Die Höflichkeit hat viele Näpfchen aufgestellt, in die man treten kann. Autisten sind Meister darin, keines auszulassen« (S.9). Aus der Ich-Perspektive erzählt Buntschatten und Fledermäuse autobiografisch die kleinen und großen Geschichten des Erwachsenwerdens. Von stereotypen Verhaltensmustern — »Dinge hatten ihren Platz. Dinge durften ihren Platz nicht verändern. Das war meine Regel« (S.19) —, über fehlendes Sprachverständnis und einem Mangel an Empathie, bis zum Gefühlserleben — »Mit den Tränen war ich genauso ungeschickt wie mit den Worten« (S.32) — verbildlicht dieses Buch eine Welt, die unter denselben Sternen steht und dennoch eine gänzlich andere ist, denn »Gefühle kann man nicht auswendig lernen« (S.375), und »Es gibt Dinge, die man versteht, und es gibt Dinge, die man nicht versteht, Buntschatten gehörten zu den Dingen, die man nicht versteht« (S.278). »Kritisches«: Das Leben des kleinen Axels ist — durch seine Linse betrachtet — so entwaffnend logisch, dass eigene Gedanken und Gefühle plötzlich kleiner werden im Kartoffelsalat menschlicher Eigenheiten; es ist schlichtweg so, dass dieser gänzlich andere Blickwinkel auf die angenehmste Art und Weise erdet. Da ist der Umgang mit dem Tod des Dachses [Vater] und die Konfrontation mit den »Auswirkungen, [die] es hätte, wenn die Haha [Mutter] auf den Friedhof umzöge. Zweimal hatte ich solche Umzüge miterlebt. Zweimal waren die Folgen läppisch gewesen. Beim dritten Mal müssten die Auswirkungen ähnlich sein« (S.271). Da ist das Erleben von Andersartigkeit in einer Gesellschaft, die wenig Raum und Toleranz für Andersartigkeit bietet und »es fehlte so vieles, was eigentlich in mir sein sollte, dass ich ganz graue Gedanken bekam. Ich konnte machen, was ich wollte, ich fühlte mich wie ertrunken« (S.359). Da ist die Metapher eines in ein Erdloch hinabgestiegenen Jungen, dessen Hilferufe nicht erhört wurden und dessen Geschichte mit der Frage endet, was »der Junge tun [sollte], wenn er, seit er denken konnte, in dem Erdloch gefangen war?« (S.179) Persönliches: Wenn das Gefühl nach dem Lesen eines Buches ein anderes sein soll als zu Beginn, dann greift nach Buntschatten und Fledermäuse.

Sehr interessant, sehr schön und mit Poesie und kunstvollen Worten geschrieben, aber da und dort fand ich persönlich es etwas langatmig. Wenn man in diese Welt eintauchen will aber trotzdem sehr zu empfehlen, denn hier taucht man wirklich in eine andere Welt ein.
Axel Brauns beschreibt auf bezaubernde Weise die Welt des Autismus. Witzig, berührend und fesselnd.Ich kann dieses Buch sehr empfehlen.
Tolles Buch für alle die auch im Alltag mit der Realität von neurodivergenten Menschen in Berührung kommen.
Tauche ein in eine andere Welt! Sieh die Welt aus einem Spektrum heraus.
Eine nachdenkliche Autobiographie aus besonderer Perspektive erzählt.
Description
Book Information
Author Description
Axel Brauns wurde am 183. Tag des Jahres 1963 in Hamburg geboren. 1984 brach er sein Jurastudium ab, um Schriftsteller zu werden. Für seine Geduld im Kampf gegen den Autismus wird Axel Brauns belohnt: Für einen Auszug aus »Buntschatten und Fledermäuse« gewann er den Förderpreis der Stadt Hamburg 2000. Im Sommer 2002 hat Axel Brauns seine Ausbildung als Steuerfachangestellter abgeschlossen.
Posts
Autobiographie eines Autisten
Die Biographie des Hamburgers Axel Brauns habe ich jetzt schon zum dritten Mal gelesen. Als das Buch 2002 erschien, war noch nicht so viel über Autismus bekannt wie heute und Neurodiversität war noch ein Fremdwort. Axel Brauns hat eine milde Form von Autismus, sodass er in der Lage ist, sein Lebens zu reflektieren und über seine besondere Art die Welt zu empfinden zu berichten. Wiederkehrende Muster, Lichteinfälle und Beständigkeit sind ihm wichtiger als zwischenmenschliche Beziehungen. Aufgrund der Wahrnehmungsstörung versteht er Wörter falsch, was zu witzigen Wortkreationen führt (z.B. "Lolli-Wut-Schaukel"). Trotzdem schreibt er wunderschön und hat einen ganz speziellen Sprachgebrauch. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Es ist definitiv anders und erweitert auch die Sichtweise des Lesenden auf die Welt.
»Klaren Kopfes verschwand ich im Kinderzimmer und nahm Platz. In der Vertrautheit meiner vier Wände zählte ich an fünf Fingern ab, was meine Vormittage ausfüllte: Einmal die Woche besuchte ich immer noch die Beseefrau ohne Besees, zweimal in der Woche musste ich in den Kindergarten und zweimal in der Woche zur Knieheilung. Wegen all dieser Ausflüge vernachlässigte ich bereits meine Sandkiste und meine Freunde im Hofhaus. Das Mauerblümchen und die Tür zum Heizungskeller kamen zu kurz, und es war bereits lange her, dass ich im Hofhausgarten nach Kartoffeln gesucht hatte. Es gab keinen Zweifel. Für die Schule ließ sich beim besten Willen keine Zeit abzwacken. Aufgeräumt spazierte ich in die Küche und trug der Haha meine Entscheidung vor: ›Ich gehe nicht zur Schule.‹«
Leseerfahrung: ⭐️⭐️⭐️⭐️✨ In einem Song: Freister Mensch der Welt — ENNIO In einem Wort: horizonterweiternd Inhaltliches: Axel Braun beschreibt das ›Leben im Autismus‹ treffsicher als »miserable Vorbereitung für das Leben in einer Welt ohne Autismus. Die Höflichkeit hat viele Näpfchen aufgestellt, in die man treten kann. Autisten sind Meister darin, keines auszulassen« (S.9). Aus der Ich-Perspektive erzählt Buntschatten und Fledermäuse autobiografisch die kleinen und großen Geschichten des Erwachsenwerdens. Von stereotypen Verhaltensmustern — »Dinge hatten ihren Platz. Dinge durften ihren Platz nicht verändern. Das war meine Regel« (S.19) —, über fehlendes Sprachverständnis und einem Mangel an Empathie, bis zum Gefühlserleben — »Mit den Tränen war ich genauso ungeschickt wie mit den Worten« (S.32) — verbildlicht dieses Buch eine Welt, die unter denselben Sternen steht und dennoch eine gänzlich andere ist, denn »Gefühle kann man nicht auswendig lernen« (S.375), und »Es gibt Dinge, die man versteht, und es gibt Dinge, die man nicht versteht, Buntschatten gehörten zu den Dingen, die man nicht versteht« (S.278). »Kritisches«: Das Leben des kleinen Axels ist — durch seine Linse betrachtet — so entwaffnend logisch, dass eigene Gedanken und Gefühle plötzlich kleiner werden im Kartoffelsalat menschlicher Eigenheiten; es ist schlichtweg so, dass dieser gänzlich andere Blickwinkel auf die angenehmste Art und Weise erdet. Da ist der Umgang mit dem Tod des Dachses [Vater] und die Konfrontation mit den »Auswirkungen, [die] es hätte, wenn die Haha [Mutter] auf den Friedhof umzöge. Zweimal hatte ich solche Umzüge miterlebt. Zweimal waren die Folgen läppisch gewesen. Beim dritten Mal müssten die Auswirkungen ähnlich sein« (S.271). Da ist das Erleben von Andersartigkeit in einer Gesellschaft, die wenig Raum und Toleranz für Andersartigkeit bietet und »es fehlte so vieles, was eigentlich in mir sein sollte, dass ich ganz graue Gedanken bekam. Ich konnte machen, was ich wollte, ich fühlte mich wie ertrunken« (S.359). Da ist die Metapher eines in ein Erdloch hinabgestiegenen Jungen, dessen Hilferufe nicht erhört wurden und dessen Geschichte mit der Frage endet, was »der Junge tun [sollte], wenn er, seit er denken konnte, in dem Erdloch gefangen war?« (S.179) Persönliches: Wenn das Gefühl nach dem Lesen eines Buches ein anderes sein soll als zu Beginn, dann greift nach Buntschatten und Fledermäuse.

Sehr interessant, sehr schön und mit Poesie und kunstvollen Worten geschrieben, aber da und dort fand ich persönlich es etwas langatmig. Wenn man in diese Welt eintauchen will aber trotzdem sehr zu empfehlen, denn hier taucht man wirklich in eine andere Welt ein.
Axel Brauns beschreibt auf bezaubernde Weise die Welt des Autismus. Witzig, berührend und fesselnd.Ich kann dieses Buch sehr empfehlen.










