Ein schönes Ausländerkind: Roman
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Einwanderer-Autobiographie Die Autorin ist die Tochter eines vor dem Jugoslawienkrieg geflüchteten Paares. Sie schreibt über ihre neue Heimat Österreich, über Demütigungen in der Schule und ihre Versuche der Anpassung und vor allen Dingen über ihren Vater, der so gar keinen Platz in der neuen Heimat finden kann. Interessant
Für mich ist dieses Buch eine Liebeserklärung an den Vater. So voller Liebe. Wunderschön. Erzählt wird die Geschichte der Protagonistin und ihrer Familie. Aus Kroatien flüchtet die Familie nach Österreich. Sie kommen am Anfang bei einer Familie unter, wo sie keine Miete zahlen müssen, aber dafür im Haushalt helfen. Beide Eltern sind Akademiker, müssen in Österreich wieder als Arbeiter anfangen. Der Vater bekommt aber keine Arbeitserlaubnis und so kommt es, dass seine Frau arbeitet, während er zu Hause tagsüber den Haushalt schmeißt, immer wieder Bohnensuppe kocht und abends vor dem Computer sitzt, um Wissen aufzusaugen, welches er an die Familie weitergibt. Durch die Arbeit der Mutter ziehen sie in eine eigene Wohnung und die Tochter gibt in der Schule ihr Bestes, um als Ausländerin was erreichen zu können. Waren der Vater und die junge Protagonistin anfangs noch ein Herz und eine Seele, ändert sich das im Verlauf der Geschichte. Der Vater nervt, weil er kein Deutsch spricht, auf Schnäppchenjagd geht und im Schwimmverein beim Eltern-Kind-Wettbewerb nicht alles gibt. Das war für mich pures Lesevergnügen. Die Geschichte dieses schönen Ausländerkindes hat mich wirklich sehr gut unterhalten. Auch wenn es eigentlich keine lustige Geschichte ist, ist sie mit so viel Liebe und Leichtigkeit erzählt, dass ich Wort für Wort, Satz für Satz, Seite für Seite voller Begeisterung den Erinnerungen der jungen Protagonistin folge und am Ende überrascht war, dass ich schon am Ende des Buches angelangt war. Ich habe so gut nachfühlen können, wie der Vater in der Fremde zu einem anderen Menschen wurde. Gebückter, unsicherer und wie das Kind sich für ihn schämt. Wie schwierig es ist, als Ausländer angenommen zu werden. Und doch spüre ich in jeder Zeile, dass die erwachsene Protagonistin nachfühlt, versteht und liebt. Außerdem mochte ich die fremdsprachigen Sätze, sind es doch Sätze, die meine Eltern auch zu mir gesprochen hatten. Große Leseempfehlung für alle, die nachfühlen möchten, wie es ist, in der Fremde anzukommen und zu leben. S.17 „“Sie pticice iz gore“ ist ein kroatisches Volkslied, das Kindern zum Einschlafen vorgesungen wird. Wie so viele andere Lieder aus der Region, handelt sogar dieses Kinderlied von gebrochenen Herzen und unglücklicher Liebe, damit man auch wirklich und ganz sicher schon von klein auf zur Melancholie neigt.“ S.54 „Es gab eine Welt, in der er nicht nur das Vorbild war, das ich von zu Hause kannte, der Mensch, der mir beigebracht hatte, wie man liest, schreibt und sich vor nicht fürchtete. Sobald er die Türschwelle unseres Hauses überschritt und einen Fuß auf die Straße setzte, ließ er diesen Teil von sich zurück. Seine Körperhaltung veränderte sich, sein Gang wurde bedächtiger, sein Rücken gebückter und seine Stimme schwächer.“ S.180 „Je älter ich wurde, desto mehr Verständnis entwickelte ich für meinen Vater, desto mehr Ähnlichkeiten erkannte ich in unseren Werten, desto mehr seiner Ansichten vertrat ich tatsächlich selbst- auch wenn ich womöglich andere Worte für sie wählte. S.187 „Statt auf dem Deck eines Schiffs saß er jetzt den ganzen Tag allein in einer Wohnung und wartete darauf, dass seine Ehefrau von der Arbeit nach Hause kam. Wäre er zumindest eine Frau gewesen, aber nein, er war ein Mann. Nicht nur das: Er war ein Mann vom Balkan.“
Ein sehr berührender, autobiografischer Roman über das Leben einer nach Österreich ausgewanderten Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien. Im Fokus steht die Beziehung zwischen Tochter und Vater. Der Vater schafft es nicht im fremden Land Fuß zu fassen und verliert sich aufgrund der Perspektivlosigkeit immer mehr. Es geht um Alltagsrassismus, vielen Problemen denen Migranten ausgesetzt sind, und den sich aufgrund dessen verändernden Strukturen innerhalb einer Familie. Der Schreibstil ist sehr einfach, und unaufgeregt. Bisweilen bleibt einem trotz des Humors das Lachen im Halse stecken weil die Situation einfach nur traurig und bitter ist für die Betroffenen. Es geht um Identität, dem Wunsch nach Anerkennung, Dazugehörigkeit, Wertschätzung usw. Alles was selbstverständlich sein sollte, hier aber leider immer wieder hart erkämpft werden muss. Besonders die Scham des Vaters hat mich sehr berührt.
Das ist ein sehr tolles Buch! Die Autorin ist Anfang der 90er mit ihren Eltern aus Kroatien nach Österreich gekommen und beschreibt das Ankommen in Form vieler Erinnerungen und Anekdoten. Der Text ist humorvoll zugespitzt, aber darunter liegt ganz viel Reflexion und Beschreibung der ganzen Irritationen, mit denen die Familie zu tun hatte. Besonders ist wie sie die enge Beziehung zu ihrem Vater beschreibt, was sie trennt und was sie zusammenhält.
Ein schönes Ausländerkind
Ein Roman dieser Art hat mir gefehlt. Auch in meinem Bekanntenkreis kenne ich Menschen, die dieses Schicksal teilen. Eine Familie, in den 1990er Jahren vor dem Jugoslawien Krieg geflohen, nach Österreich gekommen, bemüht um Integration. An den einzelnen Familienmitgliedern werden die Schwierigkeiten des Dazugehörens und die diversen Hürden sichtbar. Zum Schluss stellt sich die Frage, was wäre gewesen wenn....
Bewegender Roman, der eindrücklich zeigt, welche Opfer migrantischen Familien bringen, um "anzukommen".
Toxische Pommes, vielen bekannt von ihrer gesellschaftskritischen Satire in den sozialen Medien, schildert autobiografisch wie die Ich-Erzählerin als Kind serbisch- bzw. montenegrischstämmiger Eltern in Österreich aufwächst, welche Perspektiven sich ihren Eltern bieten und wieso es enorme Wichtigkeit hat, in der Schule fleißig Glitzersticker zu sammeln, denn, so schreibt sie: "Wenn mir das gelang und ich alles richtig machte, bekam ich nicht nur einen Glitzersticker, sondern, wer weiß, vielleicht auch eines Tages die österreichische Staatsbürgerschaft." (S.84). Die Mutter, eigentlich studierte Pharmazeutin mit dem Traum, in die Forschung zu gehen, putzt als "Mädchen für alles" quasi jahrelang 24/7 auf Abruf die Wohnung einer österreichischen Familie, auf deren Grundstück sie unterkommen und welche sich diese großzügige Hilfe für Familien, die vor Krieg flüchten, durch die Übernahme sämtlicher im Haushalt anfallenden Aufgaben durch die Mutter entschädigen lassen. Weil der Vater (studierter Schiffbauingenieur) keine Arbeitserlaubnis erhält, wird er zum Hausmann und es entsteht eine enge Vater-Tochter-Beziehung, die sich im Verlauf der Jahre dramatisch verändert, da der Vater sich schambehaftet ob seiner prekären Lage und fehlenden Sprachkenntnisse in den eigenen vier Wänden isoliert. Die Schilderung der anderen, selbstbewussten, lebendigen Version des Vaters während der Ferienzeit in der alten Heimat zeigt eindrücklich, welche schmerzlichen Verluste viele Geflüchtete und Migranten auch mit Blick auf die eigene Identität erleiden. Besonders gefallen haben mir die zahlreichen Zitate in der Muttersprache der Ich-Erzählerin, die diese spielerisch als "B/K/M/S" bezeichnet und die Übersetzung stets in Klammern nachreicht. So erhält man nicht nur einen authentischen Einblick in die Familiengespräche, sondern kann vielleicht sogar als Leser:in im Ansatz erahnen, wie sich die Sprachbarriere vor allem für den Vater wohl anfühlen muss. Eine Empfehlung für alle mit und ohne Migrationsgeschichte.
Sorry Mama& Papa!
Irina hält mir den Spiegel vor. Schmerzhaft wird mir bewusst, welchen blinden Fleck ich über Jahre ignoriert habe. Schönes Ausländerkind zeigt mit viel Sarkasmus, wie herausfordernd die Integration in ein fremdes Land und eine fremde Kultur sein kann.. Als Seconda fühle ich mich oft wurzellos, nirgends wirklich Zuhause. Dass aber meine Mama& Papa alles, inklusive sich und ihre Stimme, aufgegeben haben, um mir ein Leben in Sicherheit und Freiheit zu gewähren, da habe ich zu wenig hingeschaut. Danke, Irina!
Eine tief bewegende Aufarbeitung einer Migration.
#einschönesausländerkind erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die einfach nur eines will: die perfekte Migrantin und damit gleichzeitig auch die perfekte Tochter. Aber in dieser ganz eigenen Aufarbeitung des Erwachsenwerdens in einem fremden Land geht es nicht nur um Identität, sondern um die ganz besondere Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrem Vater – charmant, stur und irgendwie total eigensinnig. Ihr Weg vom “schönen Ausländerkind” zur „echten Österreicherin“ ist alles andere als leicht. Dabei entfaltet sich eine Geschichte, die insbesondere die Entfremdung ihrer Eltern thematisiert, und die unermüdliche Bemühung der Tochter dieser entgegenzuwirken indem sie sich bestmöglich integriert und nur durch außergewöhnliche Leistungen auffällt. Besonders die Dynamik zwischen Tochter und Vater ist es, die dieses Buch zu einer schweren Kost, aber auch besonders, macht. Mal kommen sie sich näher, mal treiben sie voneinander weg. Das Ganze wird durch sarkastische Sprachspiele und fremdsprachige Einschübe noch eindringlicher vermittelt. Diese Familie hat alles gegeben, eigentlich sich aufgegeben, um in einem Land anzukommen, das nicht bereit war, ihnen die gleichen Chancen zu bieten wie sich selbst. Die Ängste, die Hoffnungslosigkeit, die Verzweiflung eines solchen Lebens, die sich deutlich im seelischen Zerfall des Vaters zeigt, ist mehr zwischen den Zeilen spürbar, als das es klar ausgesprochen wird. Ein wichtiges Buch. Ein sehr trauriges Buch. Ich habe sehr viel mehr leise geweint, als gelacht. Grandios geschrieben! „Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater.“

Wie fühlt sich Österreich für ein Kind und seine Eltern an, die vor dem Jugoslawienkrieg flüchten? Ein lakonisch-satirischer Blick auf eine Kindheit zwischen zwei Kulturen.
Als Jugendliche hatte ich eine Freundin, die als Volksschulkind mit ihren Eltern vor dem Jugoslawien Krieg geflüchtet war. Zwischen uns war es nie ein Thema, wie sie diese Flucht und ihr neues Leben in Österreich erlebt hat. In der Rückschau erscheint es mir vollkommen absurd, dass ich sie nie auch nur ansatzweise danach gefragt habe. Mit diesem Buch habe ich einen kleinen Einblick bekommen, wie es vielleicht auch meiner Freundin ergangen ist. Toxische Pommes schildert ihre Kindheit und Jugend als "Ausländerkind" in Österreich mit einem bissigen, trockenen Humor, der einem das Lachen fast ein wenig im Gesicht einfrieren lässt. Dabei versteht sie es nicht nur ihre eigene Perspektive, sondern auch jene ihrer Eltern, einzufangen. Konfrontiert mit bürokratischen Hürden und gesellschaftlichen Vorurteilen reagieren diese ganz unterschiedlich auf die Herausforderungen an ihrem neuen Wohnort, der irgendwann zu ihrer zweiten Heimat werden wird. Toxische Pommes spart dabei auch nicht aus, wie zerrissen sie selbst zwischen Heimatkultur, Solidarität den Eltern gegenüber und dem Wunsch einfach nur dazuzugehören hin- und herpendelt. Trotz schwerer Themen liest sich das Buch leichtfüßig. Eine gekonnte Mischung aus Gesellschaftskritik und persönlichem Erfahrungsbericht mit Augenzwinkern.

"Was hat uns das neue Leben gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich?" ❤️🩹❤️🩹❤️🩹 Ganz große Begeisterung für dieses Buch! Die Protagonistin flüchtet mit ihren Eltern aus Jugoslawien nach Wien, als sie noch ein kleines Kind ist. Mit falschen Erwartungen und keinen Deutschkenntnissen gelangt die Familie schnell in ein Abhängigkeitsverhältnis. Während der Mutter durch permanentes Arbeiten jegliche Energie geraubt wird, leidet der Vater an seinem Sprachdefizit und verbirgt sich in der Wohnung. Er konzentriert sein ganzes Leben darauf, seine Tochter zur perfekten Migrantin zu erziehen und entwickelt in seiner Isoliertheit zwanghafte Eigenheiten. Urkomisch und gleichzeitig tieftraurig ist dieser wunderbare Roman von Toxische Pommes, der mir überaus gut gefallen hat. Er erklärt so gut, in welch absurde Situationen man sich als Teil einer migrantischen Familie bringen kann, um bloß dazuzugehören und nicht aufzufallen. Die Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrem Vater lässt das Herz ganz warm werden, bis die ersten Stücke bröckeln und man am liebsten die Zeit anhalten möchte. Und dann ist da noch die Beziehung zwischen den Eltern, die man nur von Außen betrachtet und die für sich genommen ebenfalls einen Roman füllen könnte. Der Schreibstil der Autorin hat mich zum Fan gemacht, kann euch dieses Buch sehr empfehlen! CN: Verg3waltigung, Kr1eg, Ras$ismus, Klassismus, Able1smus, Tierquäl3rei, T0d, Gen0z1d, Su1zidgedanken
Das namenlose Mädchen, ist zwei Jahre alt, als ihre Eltern mit ihr vor dem Krieg in Kroatien, nach Österreich fliehen. Dort kommt sie bei Renate unter, die ihnen das Haus ihrer Mutter zur Verfügung stellt und dafür eine moderne Sklavin bekommt. Dieser Teil hat mich richtig wütend gemacht. Wie übergriffig Renate ist, wie sie, vor allem, die Mutter ausnutzt. Episodenhaft erzählt das Kind, welches, ja immerhin, ein schönes Ausländerkind ist, aus ihrem neuen Leben in Österreich und mit welchen Hürden und Vorurteilen die Familie zu kämpfen hat. Denn obwohl sie Klassenbeste ist, soll sie "nur" auf die Hauptschule gehen. Manchmal kommen mir einzelne Kapitel wie Abschriften aus dem Tagebuch vor. Tragischer Verlierer des Ganzen ist der Vater, der sich nicht integrieren kann und sich schämt, in der Öffentlichkeit sein schlechtes Deutsch zu sprechen. "Es war, als hätte ihm jemand die Kleider vom Leib gerissen und als müsste er auf einmal nackt durch die Welt gehen. Er wirkte verängstigt, wie ein Tier, das in Gefangenschaft gezüchtet, und erstmals in die Freiheit entlassen worden war." So sind auch Teile des Textes immer wieder auf Serbisch (?) geschrieben, was ich gut fand. Ein Roman über das Erwachsenwerden in einem erst fremden Land und über ein sehr inniges Vater-Tochter Verhältnis, bei dem sich irgendwann die Rollen ändern.
"Ich hatte den Ausländer in mir erfolgreich wegintegriert. Ich war weiß, christlich und aß gerne Schweinefleisch." (S. 13) Immer wieder ärgert es mich wahnsinnig, dass der Lehrplan für Deutsch fast ausschließlich männliche Autoren vorsieht, deren Geschichten so ausgenudelt sind, dass die Schüler:innen überhaupt keine Motivation verspüren, sie zu lesen. Der Deutschunterricht könnte so viel mehr leisten, wenn er die Stimmen und Geschichten derer zu Wort kommen ließe, die sonst oft übersehen werden – Stimmen wie die von @toxische_pommes. Deren Roman ist mehr als relevant für das Verständnis füreinander und das Zusammenleben miteinander. Nebenbei gibt es sogar noch etwas Geschichtsunterricht und Hintergrundwissen zu den Jugoslawien-Kriegen. Wir erleben gut acht Jahre aus dem Leben der Autorin, wie sie und ihre Eltern Anfang der 90er Jahre aus Ex-Jugoslawien nach Österreich fliehen, um dort zunächst als Gastarbeiterfamilie aufgenommen zu werden. Dies wird ihnen, insbesondere dem Vater, jedoch verwehrt, so dass die Mutter als Putzfrau arbeitet und der Vater zum Hausmann wird. Beide Eltern erfahren eine berufliche und gesellschaftliche Herabstufung: Hier sind sie keine Akademiker mehr, hier sind sie nur Ausländer. Der Vater, meist zu Hause isoliert, lernt die neue Sprache kaum. Es ist ein Teufelskreis aus Scham und Ausgrenzung. Schon bald bekommt auch die Erzählerin in der Volksschule zu spüren, was es heißt, ein Ausländerkind zu sein. "Du wirst doppelt so viel machen müssen, damit sie dich eines Tages vielleicht akzeptieren." Stets eine Einser-Schülerin, bekommt sie dennoch bloß eine Hauptschul-Empfehlung. Mühsam erarbeitet sich die Mutter ihren ursprünglichen Status als Pharmazeutin zurück und bekommt einen Job in einem Wiener Pharmaunternehmen in Aussicht gestellt. Doch da läuft (nach acht Jahren) ihre Arbeitserlaubnis ab. Der Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft ist wiederum erst nach zehn Jahren möglich. So schnell sitzt man zwischen zwei Gesetzen fest und muss den Staat davon überzeugen, wertvoll für ihn zu sein. So leicht und manchmal auch lustig Toxische Pommes ihre Geschichte erzählt, so nachdenklich hat sie mich doch gemacht. Wie oft zeigen wir mit dem Finger auf Menschen, die sich angeblich nicht integrieren, nicht anpassen, nicht arbeiten wollen, ohne einen Blick hinter die Kulissen zu werfen? Wir haben keine Ahnung, was es ihnen abverlangt, ihre Heimat zu verlassen, um in einem fremden Land eine neue zu finden. In den meisten Fällen haben sie einen Rucksack dabei, der bepackt ist mit Kriegstraumata und familiären Schicksalsschlägen, während sie einen Teil ihrer Identität hinter sich lassen müssen. "Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme. meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater." (S. 202)
Witzig, schockierend, regt zum Nachdenken an.
„Ein schönes Ausländerkind“ von Irina aka „Toxische Pommes“ bekommt von mir 4 von 5 Sterne. Mir war das Ende zu abrupt und finde, dass man das Buch weicher hätte ausklingen lassen. Nichtsdestotrotz war ich sehr begeistert (und schockiert), mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen, da er flüssig und angenehm zu lesen war und mir hat es immer Spaß gemacht, weiterzulesen. „An einem schwülen Freitagnachmittag beschloss ich, unter meinem Schreibtisch ein Bett zu bauen.“ – S.9. Der erste Satz des Buches hatte mich eigentlich schon sofort abgeholt, weil sind wir uns ehrlich: wer hatte in einem Bürojob nicht schon mal das Bedürfnis, ein Bett unter seinem Schreibtisch zu bauen und für kurze Zeit mal zu schlafen? Dass es aber mit dem Frust des Jobs zu tun hatte, anstelle mit reiner Müdigkeit, war recht bald herauszulesen. Das Buch hat mich aus meiner österreichischen Bubble herausgeholt, die man doch irgendwie weniger oft verlässt, als man es sich einzubilden glaubt. Dass es Menschen gibt, die andere Menschen in weniger privilegierten Situationen ausnutzen und es als „helfen“ und „unterstützen“ tarnen (Hint an Renate), ist nie okay und darüber zu lesen schockiert immer wieder. Es tat weh über den Vater zu lesen, der sich immer mehr zurückzieht, weil er das Gefühl bekommt, nicht dazuzugehören und sich stattdessen immer weiter in das Internet vergräbt. Dass es wahrscheinlich genügend Menschen gibt, denen es gleich geht und nicht das Gefühl bekommen, sich integrieren zu dürfen/wolllen, weil der Scham, etwas nicht gleich gut zu können und dafür gleich als schlecht abgestempelt zu werden, zu groß ist. Ich kann „Ein schönes Ausländerkind“ jedem empfehlen. Es hat Witz, es schockiert, es gibt einen Blick außerhalb der Bubble für Menschen wie mich, die keine Verwandten außerhalb von Österreich haben. Es hat mir aufgezeigt, dass ich mich viel zu wenig mit der Kultur und Geschichte im Osten Europas auskenne und ich das ändern möchte.

„Höflich, herzlich, ausgrenzend – Willkommen in Österreich“
„Schönes Ausländerkind“ ist ein Buch, das dich zuerst anlacht und dann ziemlich ungeniert die Wahrheit sagt. Toxische Pommes — promovierte Juristin, die während der Pandemie auf TikTok und Instagram plötzlich zur Stimme einer ganzen Generation wurde — schreibt hier so, wie man sie online kennt: schnell, scharf, und ohne Angst davor, dass jemand beleidigt sein könnte. Nur dass es diesmal tiefer geht. Viel tiefer. Im Zentrum steht die Beziehung zu ihrem Vater. Und die trifft härter als jede Pointe. Er ist einer, der ein neues Land nicht als Chance erlebt, sondern als tägliche Prüfung. Einer, der Österreich mit einer Mischung aus Hoffnung, Stolz und stiller Verzweiflung begegnet. Diese Härte, dieses „Ich halte das aus, weil ich muss“, zieht sich durch das ganze Buch. Und die Tochter steht daneben, versucht zu verstehen, zu übersetzen, zu vermitteln — und merkt gleichzeitig, wie viel sie selbst nicht greifen kann. Pommes beschreibt das mit dieser typisch österreichischen Melancholie, die immer so tut, als wäre sie Humor. Dieses „passt schon“, das eigentlich „tut weh“ bedeutet. Die Ausländerfeindlichkeit, die sie zeigt, ist selten laut. Sie steckt in Nebensätzen, in Blicken, in diesem ewigen Sortieren von Menschen. Und genau das macht das Buch so unangenehm ehrlich: Es zeigt, wie subtil man klein gemacht werden kann, ohne dass jemand die Stimme hebt. Literarisch ist das erstaunlich präzise. Kurze Szenen, klare Schnitte, ein Rhythmus, der aus der Comedy kommt, aber hier viel mehr Gewicht trägt. Sie weiß, wie man eine Pointe setzt — und wann man sie bewusst weglässt, damit der Satz wie ein kalter Luftzug im Raum stehen bleibt. Besonders die Momente mit dem Vater haben diese Schwere, die man nicht wegatmet. Da ist nichts versöhnt, nichts weichgezeichnet. Nur eine Familie die versuchen, in einem Land zu funktionieren, das ihnen ständig erklärt, wie „eh freundlich“ es ist. Das manch eine oder andere ist an Wiederholung im Buch aber nicht dass es einen stört - die subtiler Ausländerfeindlichkeit wiederholt sich ja im Land selber bis zum erbrechen ! Und das Cover mit dem Lamm sagt ja mehr als tausend Worte was es heisst in einem so „fremden“ Opfer bringen zu müssen !

Starkes Debüt über Heimat
In einem Rutsch durchgelesen. Mit Humor, Komik, toller Gabe pointiert zu beschreiben, erzählt die Autorin vom Aufwachsen in Jugoslawien und der Übersiedlung nach Österreich. Ihre Art ein „gutes Ausländerkind“ zu sein und den täglichen Kampf um Zugehörigkeit ihrer Eltern. Absolut lesenswert.
Serbisch - montenegroisch - kroatische Migrationsgeschichte
Mit 2 Jahren fliehen sie und ihre Eltern vor dem Krieg in Kroatien und suchen ihre neue Heimat in Österreich. Was es bedeutet in einem Land aufzuwachsen, in dem man sich als kleines Kind besser zurechtfindet als die eigenen Eltern, erzählt Toxische Pommes mit ihrem gewohnt trockenen Humor. Mir hat das Buch gut gefallen! "Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater." 🥺

"Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater." - Toxische Pommes, "Ein schönes Ausländerkind" In den 1990er Jahren flieht die Familie der namenlosen Protagonistin vor dem Krieg in Jugoslawien nach Österreich, in die Stadt Wiener Neustadt. Was sich die Eltern als Vorort der pulsierenden Hauptstadt Wien vorgestellt haben, entpuppt sich als etwa 50 km entfernte, ruhige Kleinstadt, die sich von dem Rummel in der Kroatischen Heimat nicht mehr unterscheiden könnte. Unter kommen sie bei Renate, in deren Nachbarhaus bis vor Kurzem noch die Großmutter wohnte und das aufgrund deren Ablebens nun leer steht. Die Familie kann dort kostenlos wohnen - allerdings muss die Mutter der Protagonistin dort für sämtliche Putz- und Haushaltstätigkeiten zur Verfügung stehen. Während die Mutter so langsam Deutsch lernt und auch eine Arbeitserlaubnis erhält und die Protagonistin zur Schule geht, wird der Vater unfreiwillig ans Haus gefesselt, er bekommt keine Arbeitserlaubnis und kümmert sich deshalb um seine Tochter. Aus dieser Konstellation entsteht eine stets abwesende Mutter, ein sich immer in sich selbst zurückziehender Vater und eine Tochter, deren Lebenszweck darin besteht, eine perfekte Migrantin zu werden. Humorvoll, traurig und bissig zugleich ist der Debütroman "Ein schönes Ausländerkind" von Irina, die unter dem Pseudonym Toxische Pommes als erfolgreiche Tiktokerin und Kabarettistin tätig ist. Autofiktional erzählt sie von ihrer eigenen Fluchtgeschichte und dem Gefühl, nie richtig anzukommen, nie wirklich dazu zu gehören, nicht in Österreich und nicht bei der noch im ehemaligen Jugoslawien wohnenden Verwandtschaft. Sie entlarvt das Narrativ der "arbeitsunwilligen" Migrant*innen, erzählt von Alltagsrassismen und von vermeintlich "guten" und "schlechten" Ausländern. Gerne bin ich der Coming-Of-Age-Geschichte der Protagonistin gefolgt, besonders berührt hat mich dabei die Vater-Tochter-Beziehung, die stets intensiv doch ihr Wesen mit den Jahren und der Entwicklung von Vater und Tochter verändert. Ein lesenswertes Debüt, lakonisch, authentisch und rührend.

Wahrhaftig toll zu lesendes Buch mit schönen Einblicken in das Leben als Mischlingskind, welche ich gut nachfühlen konnte!
Als Kind mit Balkanwurzeln war dieses Buch für mich wie eine feste Umarmung nach einem harten Arbeitstag - viele Anekdoten kamen mir bekannt vor, Gesprächsschnipsel habe ich bereits selbst schon einmal gehört/verwendet. Ein ganz schönes Buch, liebevoller Schreibstil mit teilweise wirklich lustigen Plädoyes. Besonders toll fand ich die B/S/K/M übersetzten Einschübe, das hat mich voll gefreut, da ich selbst serbokroatisch sprechen kann, jedoch nur selten bisher Bücher in der Sprache gelesen habe. Dieses Buch hat mich dazu motiviert, meine sprachlichen Skills ausbauen zu wollen. Ich erkenne nun den Mehrwert einer zweiten Muttersprache noch klarer. Irinas Werk ist neben der autobiographischen Perspektive ein tolles Beispiel für die Verarbeitung von kindlichen Berührungspunkten mit Zweisprachigkeit & "dem sich ausländisch fühlen". Kann es jede*r*m mit B/S/K/M Hintergrund wärmstens empfehlen, dieses Buch zu kaufen!
Ein tolles Debüt, das genauso detailliert und pointiert Beobachtungen und Erlebnisse wiedergibt, wie Toxische Pommes das in ihren Kurzvideos tut.
PS: Da ich auch ihr Kabarettprogramm gesehen habe, hatte ich vor dem Lesen Sorge, dass sich zu viel wiederholt. Das ist aber nicht der Fall, auch wenn's natürlich Parallelen gibt.
Wer “Toxische Pommes” (im Folgenden von mir “Pommes” genannt, weil sie ihr Buch auch so signiert hat) von ihren Internetvideos her kennt, weiß, dass es kaum eine*n Content Creator*in gibt, die beißende Gesellschaftskritik so humorvoll/ironisch/satirisch verpacken kann wie sie. Und auch beim Romandebüt der mit Vornamen eigentlich Irina heißenden Wiener Juristin dürfte so mancher/m Leser:in oft das Lachen im Hals stecken bleiben. Pommes beschreibt in ihrem Roman mit dem provokanten Titel “Ein schönes Ausländerkind” (dessen Cover mit der Fotografie eines ausgestopften Babylammes, was laut Nachwort ziemlich schwer zu finden war, nicht weniger provokativ anmutet) die Geschichte ihres eigenen Aufwachsens in autofiktionaler Form, sprich: Es handelt sich um einen Roman mit einer namenlosen Ich-Erzählerin, der sich stark an der Biographie seiner Autorin orientiert, ohne eine 1:1-realistische Abbildung derselben zu sein. Die Ich-Erzählerin beschreibt, wie sie mit ihren Eltern, die serbischer (Vater) bzw. montenegrinischer (Mutter) Abstammung sind, ihre Heimat Kroatien als kleines Kind während der Balkankriege der 1990er Jahre verlassen hat, um in Österreich sesshaft zu werden. Der Roman erzählt von der Fallhöhe, die die Immigration in ein anderes Land mit sich bringt: Die Mutter, die eigentlich studierte Pharmazeutin ist, muss in Österreich als Putzkraft/Nanny bzw. “Mädchen für alles” bei der Familie arbeiten, bei der sie kostenlos im ehemaligen Haus der Großmutter wohnen können. Der Vater, eigentlich Schiffsbauingenier, bekommt in Österreich keine Arbeitsgenehmigung und ist zu einem Dasein als unfreiwilliger Hausmann verdammt. Dies macht etwas mit seiner Psyche, er kümmert sich zwar liebevoll um seine Tochter, zieht sich aber immer mehr in sich selbst zurück. Und da sind natürlich die vielen Vorurteile, die Menschen anderer Herkunft oft entgegengebracht werden. Pommes beleuchtet sozusagen die Fallstricke der Integration. Als Immigrat:in muss man häufig um so viel besser sein als die besten “Einheimischen”, um mithalten zu können. Das bekommt auch die Ich-Erzählerin zu spüren, als sie, obwohl sie Klassenbeste in ihrer Grundschulklasse war, vom Lehrer nur eine Empfehlung für die Hauptschule bekommt. Und als sie später dank des Einsatzes ihrer Mutter doch auf dem Gymnasium landet, gibt ihre Deutschlehrerin ihr trotz Bestleistungen keine Einser, weil sie Vorurteile hat und scheinbar zwischen “guten” und “schlechten” Ausländerkindern unterscheidet. In diesem Roman geht es aber nicht nur um Fragen der Migration und Identitätsfindung in der neuen Heimat, sondern es wird uns auch eine ganz besondere Vater-Tochter-Beziehung erzählt. Während die Mutter nur mehr oder weniger als Statistin der dreiköpfigen Kleinfamilie fungiert und als Ernährerin eher mit Abwesenheit glänzen muss, ist der Vater rund um die Uhr für das Wohl und Wehe der heranwachsenden Tochter zuständig. Daraus entwickelt sich ein intensives Band zwischen den beiden. Es ist wirklich ganz rührend beschrieben, wie der Vater unfreiwillig immer kleiner und “unsichtbarer” und die Tochter immer “größer”, selbständiger und klüger wird. Aufgrund dessen driften die beiden wieder etwas auseinander, auch wenn die tiefe Beziehung trotz allem bestehen bleibt. Selten habe ich eine so anrührende Vater-Tochter-Beziehung gelesen. Durch die vielen kurzen Kapitel, die jeweils ein bestimmtes Thema behandeln, ist der Roman ziemlich kurzweilig. Man kann also auch mal schnell auf dem Klo ein Kapitel lesen, wenn man das möchte, ohne von seinen Mitmenschen für eine/n Dauersitzer:in gehalten zu werden. Auch möchte uns die Autorin scheinbar die in den Balkanländern gesprochenen Sprachen (Im Roman “B/K/M/S” genannt) näherbringen, denn es gibt viele Dialogpassagen, vor allem zwischen der Ich-Erzählerin und ihrem Vater, die auf Kroatisch (?) geschrieben und dann in Klammern auf Deutsch übersetzt wurden. Das finde ich ziemlich gut, trägt es doch zur Authentizität des Ganzen auf bezaubernde Weise bei. Ich kann nur sagen: Lest diesen Roman unbedingt. Er ist kurzweilig, authentisch, humorvoll, herzerwärmend und klug. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine Fortsetzung gibt, denn leider war er auch viel zu schnell zu Ende. Triggerwarnungen: Fremdenfeindlichkeit, Tierquälerei, Krankheit (Krebs)

Ihre Eltern und sie kommen aus Montenegro und sind zu Beginn des Jugoslawienkrieges nach Österreich eingewandert. Was sie dort erlebt haben, wie es war, sich zu integrieren, die Sprache zu lernen, um würdige Arbeitsmöglichkeiten zu kämpfen und was ihnen alles für Steine in den Weg gelegt wurden, davon erzählt dieser autobiographische Roman der Influencerin "Toxische Pommes". Ich fühlte mich nach dem Lesen angesichts meiner eigenen Privilegien sehr betroffen und beschämt und wünsche mir, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen und sich damit besser in die Situation der Einwandererfamilien reinversetzen können.
Geschichte einer jugoslawischen Ausländerfamilie
Ein sehr schönes und gut zu lesendes Buch über eine Familie, die am Beginn des jugoslawischen Krieges nach Österreich auswandert. Erzählt aus der Sicht des Kindes mit allen Vor- und Nachteilen einer Flucht aus dem Heimatland, durchaus mit Tragikomik erzählt. Absolute Leseempfehlung!
Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie, die in den 90er Jahren vor dem Krieg in Jugoslawien nach Österreich flüchtet. Vorwiegend geht es um die Vater-Tochter-Beziehung, die sich mit den Jahren stark verändert. Der Vater kann, da er keine Arbeitserlaubnis erhält, in Österreich nie richtig ankommen. Das Mädchen ist in der Schule und im Schwimmverein sehr erfolgreich, während der Vater in den vier Wänden der Wohnung ein tristes Dasein fristet. Auch die Mutter kann schlussendlich mit ihrem Studium als Pharmazeutin arbeiten. Die Erzählung stimmte mich traurig, da die anfänglich sehr gute Beziehung des kleinen Mädchens zu ihrem Papa im Buch immer schlechter und distanzierter wird. Ein Zusammenfinden wird nicht erzählt. Im letzten Drittel passiert leider nicht viel Neues, manches wiederholt sich.
💚 🐍 🍟 H I G H L I G H T 🍟 🐍 💚
»Ich habe meinen Namen in Österreich zum ersten Mal korrekt ausgesprochen, als mir mein Doktortitel verliehen wurde. Ich denke, dass ich mir meine richtige Anrede erst in diesem Moment zugestanden habe. Nun weiß ich nicht, ob es mehr wehtut, aus seinen Wurzeln gerissen zu werden oder niemals Wurzeln geschlagen zu haben.« 🎓🇦🇹 (S. 64) In ihrem Debütroman »Ein schönes Ausländerkind« schreibt TikTok Kabarettistin, Juristin und Autorin Irina aka Toxische Pommes 🍟🐍💚 über ihre Kindheit, ihre Eltern und Familie, die Flucht vor dem drohenden Krieg in Kroatien und Migration nach Österreich ihrer Eltern mit ihr als Zweijährige. Aufgenommen bei einer Familie als günstige Arbeiter*innen, kann die junge Familie in Wiener Neustadt nach der Flucht aus Kroatien ein neues Leben aufbauen. Wie schwer es ist, als studierte Fachkräfte einen Job zu erhalten und die Anerkennung des Studiums, wird schnell klar und am Beispiel von ihren Eltern auch die finanziellen, menschlichen und familiären Konsequenzen deutlich. Auch wenn ihr Vater so Irinas bester Freund und Spielkamerad werden konnte, sich als Hausmann (wider Willen) kümmerte, und als quasi Profi-Schnäppchenjäger u. a. einen großartigen Barbie-Deal klar machte, zeigt sich gerade im Kontrast der Urlaube in der Heimat deutlich, was die Sprachlosigkeit, die fehlende Arbeitserlaubnis und die Migration bedeuten kann. Wie sehr Bildung im Allgemeinen und im Besonderen vor dem Streben nach der gewünschten Staatsbürgerschaft das Leben der Familie prägen, wird ebenfalls extrem gut dargestellt: »Frau Professor Pichler war unsere Deutschlehrerin, und aus irgendeinem Grund schien sie mich leiden zu können. Egal, wie sehr ich mich im Unterricht anstrengte, gab sie mir immer nur einen »guten Zweier«. Nun war ein »Gut« natürlich eine gute Note, aber solange es noch eine bessere Note gab, war ein »Gut« eben nicht gut genug. Niemand wurde Staatsbürger, weil er »gut« war. Ich musste »sehr gut« sein. Da mein restliches Zeugnis nur aus Einsern bestand, störte mich ihre Beurteilung zudem aus rein ästhetischen Gründen.« (S. 124) 🚀 Liebevoll, ehrlich, witzig, selbst-ironisch, traurig und charmant analysiert Irina ihre Kindheit, ihre Familie, die Rollen ihrer Eltern, die Auswirkungen von Arbeitsmigration und die Opfer, die Menschen für ein sichereres Leben erbringen und ertragen. Ich habe gelacht, wütend die Luft angehalten (Ausbeutung at it’s best 😮💨 & Migrationsgesetzte at it’s worst 🥵 — Deutschland ist hier kein bisschen besser 🙂↔️), habe mitgefühlt 🥺 und vor allem ein großartiges Debüt 💚 gelesen, das mich sehr gefesselt hat (btw wie toll ist der Schreibstil ?! 🥹) und lange nachhallt. Ganz ganz große Herzensempfehlung. »Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater.« 💔 (S.202)

„Zwischen Herkunft und Erwartung.“
In „Ein schönes Ausländerkind“ erzählt Toxische Pommes von einem Aufwachsen zwischen zwei Welten. Die Erzählerin, Tochter jugoslawischer Kriegsflüchtlinge, wächst in Österreich auf – in einem Umfeld, das sie gleichzeitig duldet und formt. Zwischen Schule, Familie, Herkunft und dem Versuch, irgendwie dazuzugehören, entsteht ein Bild, das mehr ist als nur Migrationsgeschichte. Es ist ein persönliches Protokoll von Anpassung, Wut, Liebe – und der Sehnsucht, gesehen zu werden. Der Roman verwebt Biografie und Gesellschaftskritik. Es geht um die Stolpersteine des Aufwachsens mit zwei Kulturen, um nicht gefragte Zuschreibungen, um Erwartungsdruck – von außen wie von innen. Besonders stark: die Beziehung zur Familie, vor allem zum Vater. Die Sprache bleibt roh, direkt, fast schnörkellos. Und genau das macht die Wucht des Textes aus. Die Erzählerin blickt zurück, ohne Pathos, aber mit Tiefe – auf ein Aufwachsen, das von der Frage geprägt ist: Wer darf ich sein? Das Buch hat mich sehr bewegt. Nicht weil es perfekt geschrieben ist, sondern weil es genau deshalb so echt wirkt. Die Erzählerin spricht in Momenten – nicht in durchinszenierten Kapiteln. Es ist manchmal hart, manchmal zärtlich, oft beides zugleich. Vor allem die Szenen mit dem Vater bleiben hängen: voll Stolz, voller Schmerz, voller Nähe. Ein paar Passagen wirkten für mich stilistisch zu roh oder zu oft wiederholt – aber vielleicht braucht ein Text wie dieser gerade das: einen Ton, der sich nicht glättet. Der nichts „verkaufen“ will. Sondern einfach da ist. ⭐ ⭐️⭐️⭐️ 4 von 5 Sternen Weil „Ein schönes Ausländerkind“ ehrlich, roh und notwendig ist. Weil es Dinge sichtbar macht, die oft übersehen werden. Und weil es eine Stimme hörbar macht, die nicht laut, aber klar spricht. „Ich war kein Problemkind. Ich war ein schönes Ausländerkind.“ #EinSchönesAusländerkind #ToxischePommes #ZwischenZugehörigkeitUndFremdsein #Vaterliebe

„Außerdem wollte ich meine Zeit nutzen, um zu beweisen, dass ich es auch wirklich verdient hatte, in Österreich zu leben.“ Die Geschichte eines Migrantenkinds geht ans Herz. Schade fand ich bloß, dass der Romansog ausblieb, weil der Text ohne das Nachschlagen der Fußnoten teilweise nicht zu verstehen gewesen wäre.
Ein richtig schöner Roman über die ersten Kindheitsjahre bis zur Erreichung der österreichischen Staatsbürger*innenschaft & wie eine Familie daran kaputt gehen kann. Ich kenne die Autorin nicht und verfolge sie auch nicht in den sozialen Medien, daher war die Erzählung "nur" eine von vielen Einwanderungsgeschichten, die jedoch sehr schön war und mir neue Sichtweisen über Schwimmen, Arbeit und Sprach näher gebracht hat.
"Immer und immer wieder wurde mir versichert, ich sei ein schönes Ausländerkind. Nicht nur Renate, auch unsere Nachbarn und die Familien meiner Freunde betonten regelmäßig, wir seien nicht wie die anderen." - S. 70 Toxische Pommes, alias Irina, Juristin in Wien und soziales Medienphänomen mit Hunderttausenden von Followern, legt mit "Ein schönes Ausländerkind" einen kraftvollen Debütroman vor, der nicht nur literarisch überzeugt, sondern auch gesellschaftliche Missstände schonungslos aufdeckt. Ihr einzigartiger Blickwinkel aus der "Ausländer:innen-Perspektive" in Österreich und ihr satirisches Kabarettprogramm fließen gekonnt in einen Roman ein, der mit Humor, Authentizität und kritischer Analyse besticht. Die lakonische Sprache nimmt besonders die Beziehung zwischen Vater und Tochter unter die Lupe, während Rückblenden die Familiengeschichte durch die Augen der Protagonistin enthüllen. Das Cover ist eine Anspielung auf das Kapitel „A hyperrealistic photograph of a taxidermied baby lamb staring into the void“, das sich damit auseinandersetzt, warum die Protagonistin mit Migrationserfahrung, die es geschafft hat, einen sicheren Job als Vertragsbedienstete in einer Wiener Behörde zu bekommen und damit als „integriert“ gilt, nicht glücklich ist: "Ich hatte es geschafft. Ich hatte alles erreicht, wofür meine Eltern und ich ein Leben lang hart gearbeitet hatten. Ich war perfekt. Ich war Vertragsbedienstete in einer angesehenen Behörde im ersten Wiener Gemeindebezirk. Und einen besseren Arbeitgeber als den österreichischen Staat konnte man sich nicht vorstellen: ein sicherer Job, auch in unsicheren Zeiten, feste Gehaltsstufen und klare Hierarchien. Ich hatte genug Geld, um mir gebrauchte Designertaschen zu kaufen und in Therapie zu gehen, wo ich jede Woche von einem anderen Problem erzählen konnte, das mich eigentlich kaum beschäftigte. Und trotz alledem fühlte ich mich innerlich tot." - S. 25 Der unaufgeregte, klare Schreibstil ermöglicht einen realitätsnahen Blick auf das Leben als Migrantin in Österreich. Die detaillierten Einblicke in bürokratische Hürden, Alltagsrassismus und den Weg zur Staatsbürgerschaft sind erschreckend authentisch und öffnen die Augen für gesellschaftliche Missstände, die mir zwar durch meinen beruflichen Background als Sozialarbeiterin mit u.a. Erfahrung in der Flüchtlingshilfe bewusst sind, über die man aber nicht oft genug reden/schreiben kann. Die Anspielungen auf (vermeintlich) kulturelle Unterschiede, gepaart mit der lakonischen Sprache der Autorin, bieten einen Einblick in die Vielschichtigkeit des Erlebens aus der Sicht der Protagonistin: "Meine Eltern hatten also am Balkan gelernt, von einer hässlichen Fassade nicht unbedingt auf das Innere eines Hauses zu schließen. In Österreich lernten sie, das genauso wenig von einer schönen Fassade ausgehend zu tun." - S. 39 Die Einbindung von Textpassagen in B/K/S/M (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch/Montenegrinisch) vermittelt nicht nur Authentizität, sondern betont auch die Schwierigkeiten der Kommunikation - vor allem da auch sehr viele Kraftausdrücke vorkommen, die übersetzt ins Deutsche wie die übelsten Schimpfwörter daherkommen, laut Autorin in der Originalsprache aber keinesfalls so derb aufgefasst werden. Die Rückblenden in die Vergangenheit der Eltern sowie die thematisierte Balkanreise verleihen der Geschichte Tiefe und emotionale Nuancen. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Bildungssystem, Alltagsrassismus, Prestigesprachen und Zweisprachigkeit sowie der Frage nach Heimat/Identität sind erfrischend direkt und regen zum Nachdenken an. Eine meiner liebsten Textstellen erzählt von der Unterhaltung der Mutter mit der rassistischen Lehrerin: »Zuerst meinte sie, sie verstehe nicht, warum du dich als Ausländerkind überhaupt über einen Zweier beschwerst. Und dass Ausländer bei ihr nie Einser in Deutsch bekommen« »Darauf habe ich ihr geantwortet, dass ich ihre Logik nicht verstehe.« »Und was hat die Pichler darauf geantwortet?« »Sie meinte, dass du ihr vielleicht auch einfach nicht so sympathisch bist« »Ich habe sie daraufhin gefragt, wie sie es fände, wenn sie zu mir in die Apotheke käme und ich ihr das falsche Medikament gäbe, weil sie mir vielleicht einfach nicht so sympathisch ist.« - S. 123/124 Die humorvolle Darstellung der Absurditäten, denen sich viele Menschen, die nach Österreich migrieren/flüchten, ausgesetzt sehen, bringt eine gewisse Leichtigkeit in die ansonsten ernsten Themen. Zum Ende hin hat sich bei mir kein Glücksgefühl einstellen können, denn der Preis, den jedes einzelne Familienmitglied für die Migration nach Österreich gezahlt hat, ist hoch: "Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater." - S. 185 Insgesamt gelingt es Toxische Pommes, mit "Ein schönes Ausländerkind" einen kraftvollen Debütroman vorzulegen, der literarischen Anspruch mit gesellschaftlicher Kritik verbindet. Eine Pflichtlektüre für alle, die einen authentischen Einblick in die Herausforderungen, denen Menschen mit Migrationserfahrung in Österreich begegnen, gewinnen wollen. Ich vergebe vier von 5 Sternen. "Ein schonungsloser Blick auf Alltagsrassismus in Österreich: 'Ein schönes Ausländerkind' hinterfragt Identität und Heimat." Bei dem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Dies hatte jedoch keinen Einfluss auf die Rezension.
Schön.
Nostalgisch-melancholisch. Ein wenig humorvoll. Berührend. Der Vater in diesem Buch schien mir wie eine Mischung aus meiner beiden Elternteile. Ich konnte mich und meine Familie in echt so einigen Stellen wiederfinden. Ich hätte mir vielleicht nur ein paar mehr Seiten gewünscht und dass der Prolog in einem Epilog nochmal aufgegriffen wird.
Humor, Nachdenklichkeit und 90s Vibes
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt. Ein schönes Ausländerkind verbindet Humor, Nachdenklichkeit und eine ordentliche Portion 90s-Vibes, die mich direkt in meine eigene Kindheit und Jugend zurückversetzt haben. Zwischendrin musste ich immer wieder lachen. Die witzigen Momente sind genauso gelungen wie die melancholischen. Manche Passagen waren überraschend traurig und haben Themen berührt, die mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt haben. Gleichzeitig hatte das Buch etwas augenöffnendes: Es hat nicht nur unterhalten, sondern auch Denkanstöße gegeben. Insgesamt eine sehr gelungene Mischung aus Nostalgie, Humor und Tiefgang – und definitiv eine Empfehlung!

Ein Roman, der geschrieben ist wie ein Memoir. Es gibt keinen (außergewöhnlichen) Plot, außer eine relativ geradlinig erzählte Kindheit mit ihren Stationen. Nach dem Prolog (der in keinster Weise später wieder aufgegriffen wird, aber vielleicht sind das falsche Erwartungen von mir an einen Prolog), hab ich mir noch mehr Bissigkeit und Herziehen über Österreich oder "Einwanderländer" generell erhofft. Man sieht, meine Erwartungen wurden mehrmals "enttäuscht" bzw. zurückgewiesen, womit ich wiederum etwas gemeinsam hab mit den Protagonisten. Und vielleicht geht es genau darum. Trotzdem, oder gerade, Empfehlung.
"Je mehr ich mich in dieser Welt verwurzelte, desto mehr entwurzelte er sich aus allen anderen. Er hatte mich als Kleinkind nach Österreich gebracht und verstand nun nicht, warum ich so dachte wie die Menschen in diesem Land. Er hatte mir gesagt, ich solle diese Land als meine Heimat betrachten und nicht zurückblicken, schien nun aber befremdet, dass ich seinem Ratschlag folgt" Eine Geschichte von dem Wunsch den Anfang der 1990iger viele bestimmt hatten. Es ist die Zeit als im ehemaligen Jugoslawien Krieg herrscht. Entweder heißt es kämpfen, sterben, fliehen oder Asyl beantragen. Die Familie entscheidet sich für letzteres. Zur Auswahl steht der Kosovo, Amerika und Österreich. Die Entscheidung fällt auf Österreich. Doch aller Anfang ist schwer. Sie landen zu Untermiete bei Familie Hell in der Wiener Neustadt. Die Mutter putzt, der Vater verrichtet Gartenarbeit und die Tochter geht in den Kindergarten. Mit der Zeit wird das Leben besser, sie bekommen ihre eigene kleine Wohnung, die Tochter kommt in die Schule, und die typischen Rollenbilder wechseln sich. Die Mutter geht arbeiten, holt ihren Uniabschluss nach (ungewollt) und der Vater bleibt daheim und kümmert sich um Haushalt und die Tochter. Die Beziehung zwischen den beiden ist super, doch mit dem Alter ändert sich auch die Vater Tochter Beziehung. Ein wunderbarer Roman über eine Zeit, über die schon viel geschrieben worden ist, aber immer noch nicht alles erzählt wurde. Mit ein Spur Humor, Sarkasmus und ganz viel Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit und Authentizität erzählt Toxische Pommes, oder Irina wie sie bürgerlich heißt, ihre Geschichte oder die Geschichte von so vielen Familien aus dieser Zeit. Ein tolles Buch über die vielleicht perfekte Migrantenfamilie.
Ich hab mich sehr über dieses Buch gefreut, hab mich dann aber doch eher durch die Seiten gequält. Es liest sich eher wie eine Biografie, in dem die Protagonistin ihre Lebensgeschichte, angefangen mit sehr jungen Jahren und der Flucht ihrer Familie aus Jugoslawien auf dem Weg nach und den Settlen in Österreich. Sie erzählt, wie ihre Mutter sich einlebte, weiterbildete; die Sprache lernte, wie sie selbst die Schule abschloss, sportlich aktiv war und am Ende einen Bürojob landete („der perfekt integrierte Ausländer“) , während ihr Vater seine Stimme verlor, sich nicht im neuen Land einleben konnte und zu einem gewissen grad vereinsamte. Als Person die selbst in jungen Jahren mit ihrer Familie aus der Heimat auswanderte, ähneln sich unsere Geschichten und ich konnte vieles nachfühlen. Dennoch hat mich das Lesen dieses Buchs eher angestrengt, ich fand es langatmig, sehr detailliert und doch irgendwie oberflächlich. Leider keine wirkliche Empfehlung meinerseits.
Ehrlich, witzig und so eine Realität...
Dieses Buch hat mich gecatcht...ich glaube, jeder und jede die in zwei kulturellen Gesellschaften aufwächst, fühlt Dieses Buch...der Spagat der uns "schönen Ausländerkindern" auferlegt wird, ist so viel mehr als sich mancher vorstellen kann. Das Leben durch unsere Augen wird anders betrachtet und das bringt toxische Pommes mit ihrem Buch ziemlich genau auf den Punkt. Ein gelungenes Buch...
Book Information
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Einwanderer-Autobiographie Die Autorin ist die Tochter eines vor dem Jugoslawienkrieg geflüchteten Paares. Sie schreibt über ihre neue Heimat Österreich, über Demütigungen in der Schule und ihre Versuche der Anpassung und vor allen Dingen über ihren Vater, der so gar keinen Platz in der neuen Heimat finden kann. Interessant
Für mich ist dieses Buch eine Liebeserklärung an den Vater. So voller Liebe. Wunderschön. Erzählt wird die Geschichte der Protagonistin und ihrer Familie. Aus Kroatien flüchtet die Familie nach Österreich. Sie kommen am Anfang bei einer Familie unter, wo sie keine Miete zahlen müssen, aber dafür im Haushalt helfen. Beide Eltern sind Akademiker, müssen in Österreich wieder als Arbeiter anfangen. Der Vater bekommt aber keine Arbeitserlaubnis und so kommt es, dass seine Frau arbeitet, während er zu Hause tagsüber den Haushalt schmeißt, immer wieder Bohnensuppe kocht und abends vor dem Computer sitzt, um Wissen aufzusaugen, welches er an die Familie weitergibt. Durch die Arbeit der Mutter ziehen sie in eine eigene Wohnung und die Tochter gibt in der Schule ihr Bestes, um als Ausländerin was erreichen zu können. Waren der Vater und die junge Protagonistin anfangs noch ein Herz und eine Seele, ändert sich das im Verlauf der Geschichte. Der Vater nervt, weil er kein Deutsch spricht, auf Schnäppchenjagd geht und im Schwimmverein beim Eltern-Kind-Wettbewerb nicht alles gibt. Das war für mich pures Lesevergnügen. Die Geschichte dieses schönen Ausländerkindes hat mich wirklich sehr gut unterhalten. Auch wenn es eigentlich keine lustige Geschichte ist, ist sie mit so viel Liebe und Leichtigkeit erzählt, dass ich Wort für Wort, Satz für Satz, Seite für Seite voller Begeisterung den Erinnerungen der jungen Protagonistin folge und am Ende überrascht war, dass ich schon am Ende des Buches angelangt war. Ich habe so gut nachfühlen können, wie der Vater in der Fremde zu einem anderen Menschen wurde. Gebückter, unsicherer und wie das Kind sich für ihn schämt. Wie schwierig es ist, als Ausländer angenommen zu werden. Und doch spüre ich in jeder Zeile, dass die erwachsene Protagonistin nachfühlt, versteht und liebt. Außerdem mochte ich die fremdsprachigen Sätze, sind es doch Sätze, die meine Eltern auch zu mir gesprochen hatten. Große Leseempfehlung für alle, die nachfühlen möchten, wie es ist, in der Fremde anzukommen und zu leben. S.17 „“Sie pticice iz gore“ ist ein kroatisches Volkslied, das Kindern zum Einschlafen vorgesungen wird. Wie so viele andere Lieder aus der Region, handelt sogar dieses Kinderlied von gebrochenen Herzen und unglücklicher Liebe, damit man auch wirklich und ganz sicher schon von klein auf zur Melancholie neigt.“ S.54 „Es gab eine Welt, in der er nicht nur das Vorbild war, das ich von zu Hause kannte, der Mensch, der mir beigebracht hatte, wie man liest, schreibt und sich vor nicht fürchtete. Sobald er die Türschwelle unseres Hauses überschritt und einen Fuß auf die Straße setzte, ließ er diesen Teil von sich zurück. Seine Körperhaltung veränderte sich, sein Gang wurde bedächtiger, sein Rücken gebückter und seine Stimme schwächer.“ S.180 „Je älter ich wurde, desto mehr Verständnis entwickelte ich für meinen Vater, desto mehr Ähnlichkeiten erkannte ich in unseren Werten, desto mehr seiner Ansichten vertrat ich tatsächlich selbst- auch wenn ich womöglich andere Worte für sie wählte. S.187 „Statt auf dem Deck eines Schiffs saß er jetzt den ganzen Tag allein in einer Wohnung und wartete darauf, dass seine Ehefrau von der Arbeit nach Hause kam. Wäre er zumindest eine Frau gewesen, aber nein, er war ein Mann. Nicht nur das: Er war ein Mann vom Balkan.“
Ein sehr berührender, autobiografischer Roman über das Leben einer nach Österreich ausgewanderten Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien. Im Fokus steht die Beziehung zwischen Tochter und Vater. Der Vater schafft es nicht im fremden Land Fuß zu fassen und verliert sich aufgrund der Perspektivlosigkeit immer mehr. Es geht um Alltagsrassismus, vielen Problemen denen Migranten ausgesetzt sind, und den sich aufgrund dessen verändernden Strukturen innerhalb einer Familie. Der Schreibstil ist sehr einfach, und unaufgeregt. Bisweilen bleibt einem trotz des Humors das Lachen im Halse stecken weil die Situation einfach nur traurig und bitter ist für die Betroffenen. Es geht um Identität, dem Wunsch nach Anerkennung, Dazugehörigkeit, Wertschätzung usw. Alles was selbstverständlich sein sollte, hier aber leider immer wieder hart erkämpft werden muss. Besonders die Scham des Vaters hat mich sehr berührt.
Das ist ein sehr tolles Buch! Die Autorin ist Anfang der 90er mit ihren Eltern aus Kroatien nach Österreich gekommen und beschreibt das Ankommen in Form vieler Erinnerungen und Anekdoten. Der Text ist humorvoll zugespitzt, aber darunter liegt ganz viel Reflexion und Beschreibung der ganzen Irritationen, mit denen die Familie zu tun hatte. Besonders ist wie sie die enge Beziehung zu ihrem Vater beschreibt, was sie trennt und was sie zusammenhält.
Ein schönes Ausländerkind
Ein Roman dieser Art hat mir gefehlt. Auch in meinem Bekanntenkreis kenne ich Menschen, die dieses Schicksal teilen. Eine Familie, in den 1990er Jahren vor dem Jugoslawien Krieg geflohen, nach Österreich gekommen, bemüht um Integration. An den einzelnen Familienmitgliedern werden die Schwierigkeiten des Dazugehörens und die diversen Hürden sichtbar. Zum Schluss stellt sich die Frage, was wäre gewesen wenn....
Bewegender Roman, der eindrücklich zeigt, welche Opfer migrantischen Familien bringen, um "anzukommen".
Toxische Pommes, vielen bekannt von ihrer gesellschaftskritischen Satire in den sozialen Medien, schildert autobiografisch wie die Ich-Erzählerin als Kind serbisch- bzw. montenegrischstämmiger Eltern in Österreich aufwächst, welche Perspektiven sich ihren Eltern bieten und wieso es enorme Wichtigkeit hat, in der Schule fleißig Glitzersticker zu sammeln, denn, so schreibt sie: "Wenn mir das gelang und ich alles richtig machte, bekam ich nicht nur einen Glitzersticker, sondern, wer weiß, vielleicht auch eines Tages die österreichische Staatsbürgerschaft." (S.84). Die Mutter, eigentlich studierte Pharmazeutin mit dem Traum, in die Forschung zu gehen, putzt als "Mädchen für alles" quasi jahrelang 24/7 auf Abruf die Wohnung einer österreichischen Familie, auf deren Grundstück sie unterkommen und welche sich diese großzügige Hilfe für Familien, die vor Krieg flüchten, durch die Übernahme sämtlicher im Haushalt anfallenden Aufgaben durch die Mutter entschädigen lassen. Weil der Vater (studierter Schiffbauingenieur) keine Arbeitserlaubnis erhält, wird er zum Hausmann und es entsteht eine enge Vater-Tochter-Beziehung, die sich im Verlauf der Jahre dramatisch verändert, da der Vater sich schambehaftet ob seiner prekären Lage und fehlenden Sprachkenntnisse in den eigenen vier Wänden isoliert. Die Schilderung der anderen, selbstbewussten, lebendigen Version des Vaters während der Ferienzeit in der alten Heimat zeigt eindrücklich, welche schmerzlichen Verluste viele Geflüchtete und Migranten auch mit Blick auf die eigene Identität erleiden. Besonders gefallen haben mir die zahlreichen Zitate in der Muttersprache der Ich-Erzählerin, die diese spielerisch als "B/K/M/S" bezeichnet und die Übersetzung stets in Klammern nachreicht. So erhält man nicht nur einen authentischen Einblick in die Familiengespräche, sondern kann vielleicht sogar als Leser:in im Ansatz erahnen, wie sich die Sprachbarriere vor allem für den Vater wohl anfühlen muss. Eine Empfehlung für alle mit und ohne Migrationsgeschichte.
Sorry Mama& Papa!
Irina hält mir den Spiegel vor. Schmerzhaft wird mir bewusst, welchen blinden Fleck ich über Jahre ignoriert habe. Schönes Ausländerkind zeigt mit viel Sarkasmus, wie herausfordernd die Integration in ein fremdes Land und eine fremde Kultur sein kann.. Als Seconda fühle ich mich oft wurzellos, nirgends wirklich Zuhause. Dass aber meine Mama& Papa alles, inklusive sich und ihre Stimme, aufgegeben haben, um mir ein Leben in Sicherheit und Freiheit zu gewähren, da habe ich zu wenig hingeschaut. Danke, Irina!
Eine tief bewegende Aufarbeitung einer Migration.
#einschönesausländerkind erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die einfach nur eines will: die perfekte Migrantin und damit gleichzeitig auch die perfekte Tochter. Aber in dieser ganz eigenen Aufarbeitung des Erwachsenwerdens in einem fremden Land geht es nicht nur um Identität, sondern um die ganz besondere Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrem Vater – charmant, stur und irgendwie total eigensinnig. Ihr Weg vom “schönen Ausländerkind” zur „echten Österreicherin“ ist alles andere als leicht. Dabei entfaltet sich eine Geschichte, die insbesondere die Entfremdung ihrer Eltern thematisiert, und die unermüdliche Bemühung der Tochter dieser entgegenzuwirken indem sie sich bestmöglich integriert und nur durch außergewöhnliche Leistungen auffällt. Besonders die Dynamik zwischen Tochter und Vater ist es, die dieses Buch zu einer schweren Kost, aber auch besonders, macht. Mal kommen sie sich näher, mal treiben sie voneinander weg. Das Ganze wird durch sarkastische Sprachspiele und fremdsprachige Einschübe noch eindringlicher vermittelt. Diese Familie hat alles gegeben, eigentlich sich aufgegeben, um in einem Land anzukommen, das nicht bereit war, ihnen die gleichen Chancen zu bieten wie sich selbst. Die Ängste, die Hoffnungslosigkeit, die Verzweiflung eines solchen Lebens, die sich deutlich im seelischen Zerfall des Vaters zeigt, ist mehr zwischen den Zeilen spürbar, als das es klar ausgesprochen wird. Ein wichtiges Buch. Ein sehr trauriges Buch. Ich habe sehr viel mehr leise geweint, als gelacht. Grandios geschrieben! „Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater.“

Wie fühlt sich Österreich für ein Kind und seine Eltern an, die vor dem Jugoslawienkrieg flüchten? Ein lakonisch-satirischer Blick auf eine Kindheit zwischen zwei Kulturen.
Als Jugendliche hatte ich eine Freundin, die als Volksschulkind mit ihren Eltern vor dem Jugoslawien Krieg geflüchtet war. Zwischen uns war es nie ein Thema, wie sie diese Flucht und ihr neues Leben in Österreich erlebt hat. In der Rückschau erscheint es mir vollkommen absurd, dass ich sie nie auch nur ansatzweise danach gefragt habe. Mit diesem Buch habe ich einen kleinen Einblick bekommen, wie es vielleicht auch meiner Freundin ergangen ist. Toxische Pommes schildert ihre Kindheit und Jugend als "Ausländerkind" in Österreich mit einem bissigen, trockenen Humor, der einem das Lachen fast ein wenig im Gesicht einfrieren lässt. Dabei versteht sie es nicht nur ihre eigene Perspektive, sondern auch jene ihrer Eltern, einzufangen. Konfrontiert mit bürokratischen Hürden und gesellschaftlichen Vorurteilen reagieren diese ganz unterschiedlich auf die Herausforderungen an ihrem neuen Wohnort, der irgendwann zu ihrer zweiten Heimat werden wird. Toxische Pommes spart dabei auch nicht aus, wie zerrissen sie selbst zwischen Heimatkultur, Solidarität den Eltern gegenüber und dem Wunsch einfach nur dazuzugehören hin- und herpendelt. Trotz schwerer Themen liest sich das Buch leichtfüßig. Eine gekonnte Mischung aus Gesellschaftskritik und persönlichem Erfahrungsbericht mit Augenzwinkern.

"Was hat uns das neue Leben gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich?" ❤️🩹❤️🩹❤️🩹 Ganz große Begeisterung für dieses Buch! Die Protagonistin flüchtet mit ihren Eltern aus Jugoslawien nach Wien, als sie noch ein kleines Kind ist. Mit falschen Erwartungen und keinen Deutschkenntnissen gelangt die Familie schnell in ein Abhängigkeitsverhältnis. Während der Mutter durch permanentes Arbeiten jegliche Energie geraubt wird, leidet der Vater an seinem Sprachdefizit und verbirgt sich in der Wohnung. Er konzentriert sein ganzes Leben darauf, seine Tochter zur perfekten Migrantin zu erziehen und entwickelt in seiner Isoliertheit zwanghafte Eigenheiten. Urkomisch und gleichzeitig tieftraurig ist dieser wunderbare Roman von Toxische Pommes, der mir überaus gut gefallen hat. Er erklärt so gut, in welch absurde Situationen man sich als Teil einer migrantischen Familie bringen kann, um bloß dazuzugehören und nicht aufzufallen. Die Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrem Vater lässt das Herz ganz warm werden, bis die ersten Stücke bröckeln und man am liebsten die Zeit anhalten möchte. Und dann ist da noch die Beziehung zwischen den Eltern, die man nur von Außen betrachtet und die für sich genommen ebenfalls einen Roman füllen könnte. Der Schreibstil der Autorin hat mich zum Fan gemacht, kann euch dieses Buch sehr empfehlen! CN: Verg3waltigung, Kr1eg, Ras$ismus, Klassismus, Able1smus, Tierquäl3rei, T0d, Gen0z1d, Su1zidgedanken
Das namenlose Mädchen, ist zwei Jahre alt, als ihre Eltern mit ihr vor dem Krieg in Kroatien, nach Österreich fliehen. Dort kommt sie bei Renate unter, die ihnen das Haus ihrer Mutter zur Verfügung stellt und dafür eine moderne Sklavin bekommt. Dieser Teil hat mich richtig wütend gemacht. Wie übergriffig Renate ist, wie sie, vor allem, die Mutter ausnutzt. Episodenhaft erzählt das Kind, welches, ja immerhin, ein schönes Ausländerkind ist, aus ihrem neuen Leben in Österreich und mit welchen Hürden und Vorurteilen die Familie zu kämpfen hat. Denn obwohl sie Klassenbeste ist, soll sie "nur" auf die Hauptschule gehen. Manchmal kommen mir einzelne Kapitel wie Abschriften aus dem Tagebuch vor. Tragischer Verlierer des Ganzen ist der Vater, der sich nicht integrieren kann und sich schämt, in der Öffentlichkeit sein schlechtes Deutsch zu sprechen. "Es war, als hätte ihm jemand die Kleider vom Leib gerissen und als müsste er auf einmal nackt durch die Welt gehen. Er wirkte verängstigt, wie ein Tier, das in Gefangenschaft gezüchtet, und erstmals in die Freiheit entlassen worden war." So sind auch Teile des Textes immer wieder auf Serbisch (?) geschrieben, was ich gut fand. Ein Roman über das Erwachsenwerden in einem erst fremden Land und über ein sehr inniges Vater-Tochter Verhältnis, bei dem sich irgendwann die Rollen ändern.
"Ich hatte den Ausländer in mir erfolgreich wegintegriert. Ich war weiß, christlich und aß gerne Schweinefleisch." (S. 13) Immer wieder ärgert es mich wahnsinnig, dass der Lehrplan für Deutsch fast ausschließlich männliche Autoren vorsieht, deren Geschichten so ausgenudelt sind, dass die Schüler:innen überhaupt keine Motivation verspüren, sie zu lesen. Der Deutschunterricht könnte so viel mehr leisten, wenn er die Stimmen und Geschichten derer zu Wort kommen ließe, die sonst oft übersehen werden – Stimmen wie die von @toxische_pommes. Deren Roman ist mehr als relevant für das Verständnis füreinander und das Zusammenleben miteinander. Nebenbei gibt es sogar noch etwas Geschichtsunterricht und Hintergrundwissen zu den Jugoslawien-Kriegen. Wir erleben gut acht Jahre aus dem Leben der Autorin, wie sie und ihre Eltern Anfang der 90er Jahre aus Ex-Jugoslawien nach Österreich fliehen, um dort zunächst als Gastarbeiterfamilie aufgenommen zu werden. Dies wird ihnen, insbesondere dem Vater, jedoch verwehrt, so dass die Mutter als Putzfrau arbeitet und der Vater zum Hausmann wird. Beide Eltern erfahren eine berufliche und gesellschaftliche Herabstufung: Hier sind sie keine Akademiker mehr, hier sind sie nur Ausländer. Der Vater, meist zu Hause isoliert, lernt die neue Sprache kaum. Es ist ein Teufelskreis aus Scham und Ausgrenzung. Schon bald bekommt auch die Erzählerin in der Volksschule zu spüren, was es heißt, ein Ausländerkind zu sein. "Du wirst doppelt so viel machen müssen, damit sie dich eines Tages vielleicht akzeptieren." Stets eine Einser-Schülerin, bekommt sie dennoch bloß eine Hauptschul-Empfehlung. Mühsam erarbeitet sich die Mutter ihren ursprünglichen Status als Pharmazeutin zurück und bekommt einen Job in einem Wiener Pharmaunternehmen in Aussicht gestellt. Doch da läuft (nach acht Jahren) ihre Arbeitserlaubnis ab. Der Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft ist wiederum erst nach zehn Jahren möglich. So schnell sitzt man zwischen zwei Gesetzen fest und muss den Staat davon überzeugen, wertvoll für ihn zu sein. So leicht und manchmal auch lustig Toxische Pommes ihre Geschichte erzählt, so nachdenklich hat sie mich doch gemacht. Wie oft zeigen wir mit dem Finger auf Menschen, die sich angeblich nicht integrieren, nicht anpassen, nicht arbeiten wollen, ohne einen Blick hinter die Kulissen zu werfen? Wir haben keine Ahnung, was es ihnen abverlangt, ihre Heimat zu verlassen, um in einem fremden Land eine neue zu finden. In den meisten Fällen haben sie einen Rucksack dabei, der bepackt ist mit Kriegstraumata und familiären Schicksalsschlägen, während sie einen Teil ihrer Identität hinter sich lassen müssen. "Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme. meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater." (S. 202)
Witzig, schockierend, regt zum Nachdenken an.
„Ein schönes Ausländerkind“ von Irina aka „Toxische Pommes“ bekommt von mir 4 von 5 Sterne. Mir war das Ende zu abrupt und finde, dass man das Buch weicher hätte ausklingen lassen. Nichtsdestotrotz war ich sehr begeistert (und schockiert), mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen, da er flüssig und angenehm zu lesen war und mir hat es immer Spaß gemacht, weiterzulesen. „An einem schwülen Freitagnachmittag beschloss ich, unter meinem Schreibtisch ein Bett zu bauen.“ – S.9. Der erste Satz des Buches hatte mich eigentlich schon sofort abgeholt, weil sind wir uns ehrlich: wer hatte in einem Bürojob nicht schon mal das Bedürfnis, ein Bett unter seinem Schreibtisch zu bauen und für kurze Zeit mal zu schlafen? Dass es aber mit dem Frust des Jobs zu tun hatte, anstelle mit reiner Müdigkeit, war recht bald herauszulesen. Das Buch hat mich aus meiner österreichischen Bubble herausgeholt, die man doch irgendwie weniger oft verlässt, als man es sich einzubilden glaubt. Dass es Menschen gibt, die andere Menschen in weniger privilegierten Situationen ausnutzen und es als „helfen“ und „unterstützen“ tarnen (Hint an Renate), ist nie okay und darüber zu lesen schockiert immer wieder. Es tat weh über den Vater zu lesen, der sich immer mehr zurückzieht, weil er das Gefühl bekommt, nicht dazuzugehören und sich stattdessen immer weiter in das Internet vergräbt. Dass es wahrscheinlich genügend Menschen gibt, denen es gleich geht und nicht das Gefühl bekommen, sich integrieren zu dürfen/wolllen, weil der Scham, etwas nicht gleich gut zu können und dafür gleich als schlecht abgestempelt zu werden, zu groß ist. Ich kann „Ein schönes Ausländerkind“ jedem empfehlen. Es hat Witz, es schockiert, es gibt einen Blick außerhalb der Bubble für Menschen wie mich, die keine Verwandten außerhalb von Österreich haben. Es hat mir aufgezeigt, dass ich mich viel zu wenig mit der Kultur und Geschichte im Osten Europas auskenne und ich das ändern möchte.

„Höflich, herzlich, ausgrenzend – Willkommen in Österreich“
„Schönes Ausländerkind“ ist ein Buch, das dich zuerst anlacht und dann ziemlich ungeniert die Wahrheit sagt. Toxische Pommes — promovierte Juristin, die während der Pandemie auf TikTok und Instagram plötzlich zur Stimme einer ganzen Generation wurde — schreibt hier so, wie man sie online kennt: schnell, scharf, und ohne Angst davor, dass jemand beleidigt sein könnte. Nur dass es diesmal tiefer geht. Viel tiefer. Im Zentrum steht die Beziehung zu ihrem Vater. Und die trifft härter als jede Pointe. Er ist einer, der ein neues Land nicht als Chance erlebt, sondern als tägliche Prüfung. Einer, der Österreich mit einer Mischung aus Hoffnung, Stolz und stiller Verzweiflung begegnet. Diese Härte, dieses „Ich halte das aus, weil ich muss“, zieht sich durch das ganze Buch. Und die Tochter steht daneben, versucht zu verstehen, zu übersetzen, zu vermitteln — und merkt gleichzeitig, wie viel sie selbst nicht greifen kann. Pommes beschreibt das mit dieser typisch österreichischen Melancholie, die immer so tut, als wäre sie Humor. Dieses „passt schon“, das eigentlich „tut weh“ bedeutet. Die Ausländerfeindlichkeit, die sie zeigt, ist selten laut. Sie steckt in Nebensätzen, in Blicken, in diesem ewigen Sortieren von Menschen. Und genau das macht das Buch so unangenehm ehrlich: Es zeigt, wie subtil man klein gemacht werden kann, ohne dass jemand die Stimme hebt. Literarisch ist das erstaunlich präzise. Kurze Szenen, klare Schnitte, ein Rhythmus, der aus der Comedy kommt, aber hier viel mehr Gewicht trägt. Sie weiß, wie man eine Pointe setzt — und wann man sie bewusst weglässt, damit der Satz wie ein kalter Luftzug im Raum stehen bleibt. Besonders die Momente mit dem Vater haben diese Schwere, die man nicht wegatmet. Da ist nichts versöhnt, nichts weichgezeichnet. Nur eine Familie die versuchen, in einem Land zu funktionieren, das ihnen ständig erklärt, wie „eh freundlich“ es ist. Das manch eine oder andere ist an Wiederholung im Buch aber nicht dass es einen stört - die subtiler Ausländerfeindlichkeit wiederholt sich ja im Land selber bis zum erbrechen ! Und das Cover mit dem Lamm sagt ja mehr als tausend Worte was es heisst in einem so „fremden“ Opfer bringen zu müssen !

Starkes Debüt über Heimat
In einem Rutsch durchgelesen. Mit Humor, Komik, toller Gabe pointiert zu beschreiben, erzählt die Autorin vom Aufwachsen in Jugoslawien und der Übersiedlung nach Österreich. Ihre Art ein „gutes Ausländerkind“ zu sein und den täglichen Kampf um Zugehörigkeit ihrer Eltern. Absolut lesenswert.
Serbisch - montenegroisch - kroatische Migrationsgeschichte
Mit 2 Jahren fliehen sie und ihre Eltern vor dem Krieg in Kroatien und suchen ihre neue Heimat in Österreich. Was es bedeutet in einem Land aufzuwachsen, in dem man sich als kleines Kind besser zurechtfindet als die eigenen Eltern, erzählt Toxische Pommes mit ihrem gewohnt trockenen Humor. Mir hat das Buch gut gefallen! "Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater." 🥺

"Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater." - Toxische Pommes, "Ein schönes Ausländerkind" In den 1990er Jahren flieht die Familie der namenlosen Protagonistin vor dem Krieg in Jugoslawien nach Österreich, in die Stadt Wiener Neustadt. Was sich die Eltern als Vorort der pulsierenden Hauptstadt Wien vorgestellt haben, entpuppt sich als etwa 50 km entfernte, ruhige Kleinstadt, die sich von dem Rummel in der Kroatischen Heimat nicht mehr unterscheiden könnte. Unter kommen sie bei Renate, in deren Nachbarhaus bis vor Kurzem noch die Großmutter wohnte und das aufgrund deren Ablebens nun leer steht. Die Familie kann dort kostenlos wohnen - allerdings muss die Mutter der Protagonistin dort für sämtliche Putz- und Haushaltstätigkeiten zur Verfügung stehen. Während die Mutter so langsam Deutsch lernt und auch eine Arbeitserlaubnis erhält und die Protagonistin zur Schule geht, wird der Vater unfreiwillig ans Haus gefesselt, er bekommt keine Arbeitserlaubnis und kümmert sich deshalb um seine Tochter. Aus dieser Konstellation entsteht eine stets abwesende Mutter, ein sich immer in sich selbst zurückziehender Vater und eine Tochter, deren Lebenszweck darin besteht, eine perfekte Migrantin zu werden. Humorvoll, traurig und bissig zugleich ist der Debütroman "Ein schönes Ausländerkind" von Irina, die unter dem Pseudonym Toxische Pommes als erfolgreiche Tiktokerin und Kabarettistin tätig ist. Autofiktional erzählt sie von ihrer eigenen Fluchtgeschichte und dem Gefühl, nie richtig anzukommen, nie wirklich dazu zu gehören, nicht in Österreich und nicht bei der noch im ehemaligen Jugoslawien wohnenden Verwandtschaft. Sie entlarvt das Narrativ der "arbeitsunwilligen" Migrant*innen, erzählt von Alltagsrassismen und von vermeintlich "guten" und "schlechten" Ausländern. Gerne bin ich der Coming-Of-Age-Geschichte der Protagonistin gefolgt, besonders berührt hat mich dabei die Vater-Tochter-Beziehung, die stets intensiv doch ihr Wesen mit den Jahren und der Entwicklung von Vater und Tochter verändert. Ein lesenswertes Debüt, lakonisch, authentisch und rührend.

Wahrhaftig toll zu lesendes Buch mit schönen Einblicken in das Leben als Mischlingskind, welche ich gut nachfühlen konnte!
Als Kind mit Balkanwurzeln war dieses Buch für mich wie eine feste Umarmung nach einem harten Arbeitstag - viele Anekdoten kamen mir bekannt vor, Gesprächsschnipsel habe ich bereits selbst schon einmal gehört/verwendet. Ein ganz schönes Buch, liebevoller Schreibstil mit teilweise wirklich lustigen Plädoyes. Besonders toll fand ich die B/S/K/M übersetzten Einschübe, das hat mich voll gefreut, da ich selbst serbokroatisch sprechen kann, jedoch nur selten bisher Bücher in der Sprache gelesen habe. Dieses Buch hat mich dazu motiviert, meine sprachlichen Skills ausbauen zu wollen. Ich erkenne nun den Mehrwert einer zweiten Muttersprache noch klarer. Irinas Werk ist neben der autobiographischen Perspektive ein tolles Beispiel für die Verarbeitung von kindlichen Berührungspunkten mit Zweisprachigkeit & "dem sich ausländisch fühlen". Kann es jede*r*m mit B/S/K/M Hintergrund wärmstens empfehlen, dieses Buch zu kaufen!
Ein tolles Debüt, das genauso detailliert und pointiert Beobachtungen und Erlebnisse wiedergibt, wie Toxische Pommes das in ihren Kurzvideos tut.
PS: Da ich auch ihr Kabarettprogramm gesehen habe, hatte ich vor dem Lesen Sorge, dass sich zu viel wiederholt. Das ist aber nicht der Fall, auch wenn's natürlich Parallelen gibt.
Wer “Toxische Pommes” (im Folgenden von mir “Pommes” genannt, weil sie ihr Buch auch so signiert hat) von ihren Internetvideos her kennt, weiß, dass es kaum eine*n Content Creator*in gibt, die beißende Gesellschaftskritik so humorvoll/ironisch/satirisch verpacken kann wie sie. Und auch beim Romandebüt der mit Vornamen eigentlich Irina heißenden Wiener Juristin dürfte so mancher/m Leser:in oft das Lachen im Hals stecken bleiben. Pommes beschreibt in ihrem Roman mit dem provokanten Titel “Ein schönes Ausländerkind” (dessen Cover mit der Fotografie eines ausgestopften Babylammes, was laut Nachwort ziemlich schwer zu finden war, nicht weniger provokativ anmutet) die Geschichte ihres eigenen Aufwachsens in autofiktionaler Form, sprich: Es handelt sich um einen Roman mit einer namenlosen Ich-Erzählerin, der sich stark an der Biographie seiner Autorin orientiert, ohne eine 1:1-realistische Abbildung derselben zu sein. Die Ich-Erzählerin beschreibt, wie sie mit ihren Eltern, die serbischer (Vater) bzw. montenegrinischer (Mutter) Abstammung sind, ihre Heimat Kroatien als kleines Kind während der Balkankriege der 1990er Jahre verlassen hat, um in Österreich sesshaft zu werden. Der Roman erzählt von der Fallhöhe, die die Immigration in ein anderes Land mit sich bringt: Die Mutter, die eigentlich studierte Pharmazeutin ist, muss in Österreich als Putzkraft/Nanny bzw. “Mädchen für alles” bei der Familie arbeiten, bei der sie kostenlos im ehemaligen Haus der Großmutter wohnen können. Der Vater, eigentlich Schiffsbauingenier, bekommt in Österreich keine Arbeitsgenehmigung und ist zu einem Dasein als unfreiwilliger Hausmann verdammt. Dies macht etwas mit seiner Psyche, er kümmert sich zwar liebevoll um seine Tochter, zieht sich aber immer mehr in sich selbst zurück. Und da sind natürlich die vielen Vorurteile, die Menschen anderer Herkunft oft entgegengebracht werden. Pommes beleuchtet sozusagen die Fallstricke der Integration. Als Immigrat:in muss man häufig um so viel besser sein als die besten “Einheimischen”, um mithalten zu können. Das bekommt auch die Ich-Erzählerin zu spüren, als sie, obwohl sie Klassenbeste in ihrer Grundschulklasse war, vom Lehrer nur eine Empfehlung für die Hauptschule bekommt. Und als sie später dank des Einsatzes ihrer Mutter doch auf dem Gymnasium landet, gibt ihre Deutschlehrerin ihr trotz Bestleistungen keine Einser, weil sie Vorurteile hat und scheinbar zwischen “guten” und “schlechten” Ausländerkindern unterscheidet. In diesem Roman geht es aber nicht nur um Fragen der Migration und Identitätsfindung in der neuen Heimat, sondern es wird uns auch eine ganz besondere Vater-Tochter-Beziehung erzählt. Während die Mutter nur mehr oder weniger als Statistin der dreiköpfigen Kleinfamilie fungiert und als Ernährerin eher mit Abwesenheit glänzen muss, ist der Vater rund um die Uhr für das Wohl und Wehe der heranwachsenden Tochter zuständig. Daraus entwickelt sich ein intensives Band zwischen den beiden. Es ist wirklich ganz rührend beschrieben, wie der Vater unfreiwillig immer kleiner und “unsichtbarer” und die Tochter immer “größer”, selbständiger und klüger wird. Aufgrund dessen driften die beiden wieder etwas auseinander, auch wenn die tiefe Beziehung trotz allem bestehen bleibt. Selten habe ich eine so anrührende Vater-Tochter-Beziehung gelesen. Durch die vielen kurzen Kapitel, die jeweils ein bestimmtes Thema behandeln, ist der Roman ziemlich kurzweilig. Man kann also auch mal schnell auf dem Klo ein Kapitel lesen, wenn man das möchte, ohne von seinen Mitmenschen für eine/n Dauersitzer:in gehalten zu werden. Auch möchte uns die Autorin scheinbar die in den Balkanländern gesprochenen Sprachen (Im Roman “B/K/M/S” genannt) näherbringen, denn es gibt viele Dialogpassagen, vor allem zwischen der Ich-Erzählerin und ihrem Vater, die auf Kroatisch (?) geschrieben und dann in Klammern auf Deutsch übersetzt wurden. Das finde ich ziemlich gut, trägt es doch zur Authentizität des Ganzen auf bezaubernde Weise bei. Ich kann nur sagen: Lest diesen Roman unbedingt. Er ist kurzweilig, authentisch, humorvoll, herzerwärmend und klug. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine Fortsetzung gibt, denn leider war er auch viel zu schnell zu Ende. Triggerwarnungen: Fremdenfeindlichkeit, Tierquälerei, Krankheit (Krebs)

Ihre Eltern und sie kommen aus Montenegro und sind zu Beginn des Jugoslawienkrieges nach Österreich eingewandert. Was sie dort erlebt haben, wie es war, sich zu integrieren, die Sprache zu lernen, um würdige Arbeitsmöglichkeiten zu kämpfen und was ihnen alles für Steine in den Weg gelegt wurden, davon erzählt dieser autobiographische Roman der Influencerin "Toxische Pommes". Ich fühlte mich nach dem Lesen angesichts meiner eigenen Privilegien sehr betroffen und beschämt und wünsche mir, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen und sich damit besser in die Situation der Einwandererfamilien reinversetzen können.
Geschichte einer jugoslawischen Ausländerfamilie
Ein sehr schönes und gut zu lesendes Buch über eine Familie, die am Beginn des jugoslawischen Krieges nach Österreich auswandert. Erzählt aus der Sicht des Kindes mit allen Vor- und Nachteilen einer Flucht aus dem Heimatland, durchaus mit Tragikomik erzählt. Absolute Leseempfehlung!
Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie, die in den 90er Jahren vor dem Krieg in Jugoslawien nach Österreich flüchtet. Vorwiegend geht es um die Vater-Tochter-Beziehung, die sich mit den Jahren stark verändert. Der Vater kann, da er keine Arbeitserlaubnis erhält, in Österreich nie richtig ankommen. Das Mädchen ist in der Schule und im Schwimmverein sehr erfolgreich, während der Vater in den vier Wänden der Wohnung ein tristes Dasein fristet. Auch die Mutter kann schlussendlich mit ihrem Studium als Pharmazeutin arbeiten. Die Erzählung stimmte mich traurig, da die anfänglich sehr gute Beziehung des kleinen Mädchens zu ihrem Papa im Buch immer schlechter und distanzierter wird. Ein Zusammenfinden wird nicht erzählt. Im letzten Drittel passiert leider nicht viel Neues, manches wiederholt sich.
💚 🐍 🍟 H I G H L I G H T 🍟 🐍 💚
»Ich habe meinen Namen in Österreich zum ersten Mal korrekt ausgesprochen, als mir mein Doktortitel verliehen wurde. Ich denke, dass ich mir meine richtige Anrede erst in diesem Moment zugestanden habe. Nun weiß ich nicht, ob es mehr wehtut, aus seinen Wurzeln gerissen zu werden oder niemals Wurzeln geschlagen zu haben.« 🎓🇦🇹 (S. 64) In ihrem Debütroman »Ein schönes Ausländerkind« schreibt TikTok Kabarettistin, Juristin und Autorin Irina aka Toxische Pommes 🍟🐍💚 über ihre Kindheit, ihre Eltern und Familie, die Flucht vor dem drohenden Krieg in Kroatien und Migration nach Österreich ihrer Eltern mit ihr als Zweijährige. Aufgenommen bei einer Familie als günstige Arbeiter*innen, kann die junge Familie in Wiener Neustadt nach der Flucht aus Kroatien ein neues Leben aufbauen. Wie schwer es ist, als studierte Fachkräfte einen Job zu erhalten und die Anerkennung des Studiums, wird schnell klar und am Beispiel von ihren Eltern auch die finanziellen, menschlichen und familiären Konsequenzen deutlich. Auch wenn ihr Vater so Irinas bester Freund und Spielkamerad werden konnte, sich als Hausmann (wider Willen) kümmerte, und als quasi Profi-Schnäppchenjäger u. a. einen großartigen Barbie-Deal klar machte, zeigt sich gerade im Kontrast der Urlaube in der Heimat deutlich, was die Sprachlosigkeit, die fehlende Arbeitserlaubnis und die Migration bedeuten kann. Wie sehr Bildung im Allgemeinen und im Besonderen vor dem Streben nach der gewünschten Staatsbürgerschaft das Leben der Familie prägen, wird ebenfalls extrem gut dargestellt: »Frau Professor Pichler war unsere Deutschlehrerin, und aus irgendeinem Grund schien sie mich leiden zu können. Egal, wie sehr ich mich im Unterricht anstrengte, gab sie mir immer nur einen »guten Zweier«. Nun war ein »Gut« natürlich eine gute Note, aber solange es noch eine bessere Note gab, war ein »Gut« eben nicht gut genug. Niemand wurde Staatsbürger, weil er »gut« war. Ich musste »sehr gut« sein. Da mein restliches Zeugnis nur aus Einsern bestand, störte mich ihre Beurteilung zudem aus rein ästhetischen Gründen.« (S. 124) 🚀 Liebevoll, ehrlich, witzig, selbst-ironisch, traurig und charmant analysiert Irina ihre Kindheit, ihre Familie, die Rollen ihrer Eltern, die Auswirkungen von Arbeitsmigration und die Opfer, die Menschen für ein sichereres Leben erbringen und ertragen. Ich habe gelacht, wütend die Luft angehalten (Ausbeutung at it’s best 😮💨 & Migrationsgesetzte at it’s worst 🥵 — Deutschland ist hier kein bisschen besser 🙂↔️), habe mitgefühlt 🥺 und vor allem ein großartiges Debüt 💚 gelesen, das mich sehr gefesselt hat (btw wie toll ist der Schreibstil ?! 🥹) und lange nachhallt. Ganz ganz große Herzensempfehlung. »Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater.« 💔 (S.202)

„Zwischen Herkunft und Erwartung.“
In „Ein schönes Ausländerkind“ erzählt Toxische Pommes von einem Aufwachsen zwischen zwei Welten. Die Erzählerin, Tochter jugoslawischer Kriegsflüchtlinge, wächst in Österreich auf – in einem Umfeld, das sie gleichzeitig duldet und formt. Zwischen Schule, Familie, Herkunft und dem Versuch, irgendwie dazuzugehören, entsteht ein Bild, das mehr ist als nur Migrationsgeschichte. Es ist ein persönliches Protokoll von Anpassung, Wut, Liebe – und der Sehnsucht, gesehen zu werden. Der Roman verwebt Biografie und Gesellschaftskritik. Es geht um die Stolpersteine des Aufwachsens mit zwei Kulturen, um nicht gefragte Zuschreibungen, um Erwartungsdruck – von außen wie von innen. Besonders stark: die Beziehung zur Familie, vor allem zum Vater. Die Sprache bleibt roh, direkt, fast schnörkellos. Und genau das macht die Wucht des Textes aus. Die Erzählerin blickt zurück, ohne Pathos, aber mit Tiefe – auf ein Aufwachsen, das von der Frage geprägt ist: Wer darf ich sein? Das Buch hat mich sehr bewegt. Nicht weil es perfekt geschrieben ist, sondern weil es genau deshalb so echt wirkt. Die Erzählerin spricht in Momenten – nicht in durchinszenierten Kapiteln. Es ist manchmal hart, manchmal zärtlich, oft beides zugleich. Vor allem die Szenen mit dem Vater bleiben hängen: voll Stolz, voller Schmerz, voller Nähe. Ein paar Passagen wirkten für mich stilistisch zu roh oder zu oft wiederholt – aber vielleicht braucht ein Text wie dieser gerade das: einen Ton, der sich nicht glättet. Der nichts „verkaufen“ will. Sondern einfach da ist. ⭐ ⭐️⭐️⭐️ 4 von 5 Sternen Weil „Ein schönes Ausländerkind“ ehrlich, roh und notwendig ist. Weil es Dinge sichtbar macht, die oft übersehen werden. Und weil es eine Stimme hörbar macht, die nicht laut, aber klar spricht. „Ich war kein Problemkind. Ich war ein schönes Ausländerkind.“ #EinSchönesAusländerkind #ToxischePommes #ZwischenZugehörigkeitUndFremdsein #Vaterliebe

„Außerdem wollte ich meine Zeit nutzen, um zu beweisen, dass ich es auch wirklich verdient hatte, in Österreich zu leben.“ Die Geschichte eines Migrantenkinds geht ans Herz. Schade fand ich bloß, dass der Romansog ausblieb, weil der Text ohne das Nachschlagen der Fußnoten teilweise nicht zu verstehen gewesen wäre.
Ein richtig schöner Roman über die ersten Kindheitsjahre bis zur Erreichung der österreichischen Staatsbürger*innenschaft & wie eine Familie daran kaputt gehen kann. Ich kenne die Autorin nicht und verfolge sie auch nicht in den sozialen Medien, daher war die Erzählung "nur" eine von vielen Einwanderungsgeschichten, die jedoch sehr schön war und mir neue Sichtweisen über Schwimmen, Arbeit und Sprach näher gebracht hat.
"Immer und immer wieder wurde mir versichert, ich sei ein schönes Ausländerkind. Nicht nur Renate, auch unsere Nachbarn und die Familien meiner Freunde betonten regelmäßig, wir seien nicht wie die anderen." - S. 70 Toxische Pommes, alias Irina, Juristin in Wien und soziales Medienphänomen mit Hunderttausenden von Followern, legt mit "Ein schönes Ausländerkind" einen kraftvollen Debütroman vor, der nicht nur literarisch überzeugt, sondern auch gesellschaftliche Missstände schonungslos aufdeckt. Ihr einzigartiger Blickwinkel aus der "Ausländer:innen-Perspektive" in Österreich und ihr satirisches Kabarettprogramm fließen gekonnt in einen Roman ein, der mit Humor, Authentizität und kritischer Analyse besticht. Die lakonische Sprache nimmt besonders die Beziehung zwischen Vater und Tochter unter die Lupe, während Rückblenden die Familiengeschichte durch die Augen der Protagonistin enthüllen. Das Cover ist eine Anspielung auf das Kapitel „A hyperrealistic photograph of a taxidermied baby lamb staring into the void“, das sich damit auseinandersetzt, warum die Protagonistin mit Migrationserfahrung, die es geschafft hat, einen sicheren Job als Vertragsbedienstete in einer Wiener Behörde zu bekommen und damit als „integriert“ gilt, nicht glücklich ist: "Ich hatte es geschafft. Ich hatte alles erreicht, wofür meine Eltern und ich ein Leben lang hart gearbeitet hatten. Ich war perfekt. Ich war Vertragsbedienstete in einer angesehenen Behörde im ersten Wiener Gemeindebezirk. Und einen besseren Arbeitgeber als den österreichischen Staat konnte man sich nicht vorstellen: ein sicherer Job, auch in unsicheren Zeiten, feste Gehaltsstufen und klare Hierarchien. Ich hatte genug Geld, um mir gebrauchte Designertaschen zu kaufen und in Therapie zu gehen, wo ich jede Woche von einem anderen Problem erzählen konnte, das mich eigentlich kaum beschäftigte. Und trotz alledem fühlte ich mich innerlich tot." - S. 25 Der unaufgeregte, klare Schreibstil ermöglicht einen realitätsnahen Blick auf das Leben als Migrantin in Österreich. Die detaillierten Einblicke in bürokratische Hürden, Alltagsrassismus und den Weg zur Staatsbürgerschaft sind erschreckend authentisch und öffnen die Augen für gesellschaftliche Missstände, die mir zwar durch meinen beruflichen Background als Sozialarbeiterin mit u.a. Erfahrung in der Flüchtlingshilfe bewusst sind, über die man aber nicht oft genug reden/schreiben kann. Die Anspielungen auf (vermeintlich) kulturelle Unterschiede, gepaart mit der lakonischen Sprache der Autorin, bieten einen Einblick in die Vielschichtigkeit des Erlebens aus der Sicht der Protagonistin: "Meine Eltern hatten also am Balkan gelernt, von einer hässlichen Fassade nicht unbedingt auf das Innere eines Hauses zu schließen. In Österreich lernten sie, das genauso wenig von einer schönen Fassade ausgehend zu tun." - S. 39 Die Einbindung von Textpassagen in B/K/S/M (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch/Montenegrinisch) vermittelt nicht nur Authentizität, sondern betont auch die Schwierigkeiten der Kommunikation - vor allem da auch sehr viele Kraftausdrücke vorkommen, die übersetzt ins Deutsche wie die übelsten Schimpfwörter daherkommen, laut Autorin in der Originalsprache aber keinesfalls so derb aufgefasst werden. Die Rückblenden in die Vergangenheit der Eltern sowie die thematisierte Balkanreise verleihen der Geschichte Tiefe und emotionale Nuancen. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Bildungssystem, Alltagsrassismus, Prestigesprachen und Zweisprachigkeit sowie der Frage nach Heimat/Identität sind erfrischend direkt und regen zum Nachdenken an. Eine meiner liebsten Textstellen erzählt von der Unterhaltung der Mutter mit der rassistischen Lehrerin: »Zuerst meinte sie, sie verstehe nicht, warum du dich als Ausländerkind überhaupt über einen Zweier beschwerst. Und dass Ausländer bei ihr nie Einser in Deutsch bekommen« »Darauf habe ich ihr geantwortet, dass ich ihre Logik nicht verstehe.« »Und was hat die Pichler darauf geantwortet?« »Sie meinte, dass du ihr vielleicht auch einfach nicht so sympathisch bist« »Ich habe sie daraufhin gefragt, wie sie es fände, wenn sie zu mir in die Apotheke käme und ich ihr das falsche Medikament gäbe, weil sie mir vielleicht einfach nicht so sympathisch ist.« - S. 123/124 Die humorvolle Darstellung der Absurditäten, denen sich viele Menschen, die nach Österreich migrieren/flüchten, ausgesetzt sehen, bringt eine gewisse Leichtigkeit in die ansonsten ernsten Themen. Zum Ende hin hat sich bei mir kein Glücksgefühl einstellen können, denn der Preis, den jedes einzelne Familienmitglied für die Migration nach Österreich gezahlt hat, ist hoch: "Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich? Meinen Vater." - S. 185 Insgesamt gelingt es Toxische Pommes, mit "Ein schönes Ausländerkind" einen kraftvollen Debütroman vorzulegen, der literarischen Anspruch mit gesellschaftlicher Kritik verbindet. Eine Pflichtlektüre für alle, die einen authentischen Einblick in die Herausforderungen, denen Menschen mit Migrationserfahrung in Österreich begegnen, gewinnen wollen. Ich vergebe vier von 5 Sternen. "Ein schonungsloser Blick auf Alltagsrassismus in Österreich: 'Ein schönes Ausländerkind' hinterfragt Identität und Heimat." Bei dem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Dies hatte jedoch keinen Einfluss auf die Rezension.
Schön.
Nostalgisch-melancholisch. Ein wenig humorvoll. Berührend. Der Vater in diesem Buch schien mir wie eine Mischung aus meiner beiden Elternteile. Ich konnte mich und meine Familie in echt so einigen Stellen wiederfinden. Ich hätte mir vielleicht nur ein paar mehr Seiten gewünscht und dass der Prolog in einem Epilog nochmal aufgegriffen wird.
Humor, Nachdenklichkeit und 90s Vibes
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt. Ein schönes Ausländerkind verbindet Humor, Nachdenklichkeit und eine ordentliche Portion 90s-Vibes, die mich direkt in meine eigene Kindheit und Jugend zurückversetzt haben. Zwischendrin musste ich immer wieder lachen. Die witzigen Momente sind genauso gelungen wie die melancholischen. Manche Passagen waren überraschend traurig und haben Themen berührt, die mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt haben. Gleichzeitig hatte das Buch etwas augenöffnendes: Es hat nicht nur unterhalten, sondern auch Denkanstöße gegeben. Insgesamt eine sehr gelungene Mischung aus Nostalgie, Humor und Tiefgang – und definitiv eine Empfehlung!

Ein Roman, der geschrieben ist wie ein Memoir. Es gibt keinen (außergewöhnlichen) Plot, außer eine relativ geradlinig erzählte Kindheit mit ihren Stationen. Nach dem Prolog (der in keinster Weise später wieder aufgegriffen wird, aber vielleicht sind das falsche Erwartungen von mir an einen Prolog), hab ich mir noch mehr Bissigkeit und Herziehen über Österreich oder "Einwanderländer" generell erhofft. Man sieht, meine Erwartungen wurden mehrmals "enttäuscht" bzw. zurückgewiesen, womit ich wiederum etwas gemeinsam hab mit den Protagonisten. Und vielleicht geht es genau darum. Trotzdem, oder gerade, Empfehlung.
"Je mehr ich mich in dieser Welt verwurzelte, desto mehr entwurzelte er sich aus allen anderen. Er hatte mich als Kleinkind nach Österreich gebracht und verstand nun nicht, warum ich so dachte wie die Menschen in diesem Land. Er hatte mir gesagt, ich solle diese Land als meine Heimat betrachten und nicht zurückblicken, schien nun aber befremdet, dass ich seinem Ratschlag folgt" Eine Geschichte von dem Wunsch den Anfang der 1990iger viele bestimmt hatten. Es ist die Zeit als im ehemaligen Jugoslawien Krieg herrscht. Entweder heißt es kämpfen, sterben, fliehen oder Asyl beantragen. Die Familie entscheidet sich für letzteres. Zur Auswahl steht der Kosovo, Amerika und Österreich. Die Entscheidung fällt auf Österreich. Doch aller Anfang ist schwer. Sie landen zu Untermiete bei Familie Hell in der Wiener Neustadt. Die Mutter putzt, der Vater verrichtet Gartenarbeit und die Tochter geht in den Kindergarten. Mit der Zeit wird das Leben besser, sie bekommen ihre eigene kleine Wohnung, die Tochter kommt in die Schule, und die typischen Rollenbilder wechseln sich. Die Mutter geht arbeiten, holt ihren Uniabschluss nach (ungewollt) und der Vater bleibt daheim und kümmert sich um Haushalt und die Tochter. Die Beziehung zwischen den beiden ist super, doch mit dem Alter ändert sich auch die Vater Tochter Beziehung. Ein wunderbarer Roman über eine Zeit, über die schon viel geschrieben worden ist, aber immer noch nicht alles erzählt wurde. Mit ein Spur Humor, Sarkasmus und ganz viel Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit und Authentizität erzählt Toxische Pommes, oder Irina wie sie bürgerlich heißt, ihre Geschichte oder die Geschichte von so vielen Familien aus dieser Zeit. Ein tolles Buch über die vielleicht perfekte Migrantenfamilie.
Ich hab mich sehr über dieses Buch gefreut, hab mich dann aber doch eher durch die Seiten gequält. Es liest sich eher wie eine Biografie, in dem die Protagonistin ihre Lebensgeschichte, angefangen mit sehr jungen Jahren und der Flucht ihrer Familie aus Jugoslawien auf dem Weg nach und den Settlen in Österreich. Sie erzählt, wie ihre Mutter sich einlebte, weiterbildete; die Sprache lernte, wie sie selbst die Schule abschloss, sportlich aktiv war und am Ende einen Bürojob landete („der perfekt integrierte Ausländer“) , während ihr Vater seine Stimme verlor, sich nicht im neuen Land einleben konnte und zu einem gewissen grad vereinsamte. Als Person die selbst in jungen Jahren mit ihrer Familie aus der Heimat auswanderte, ähneln sich unsere Geschichten und ich konnte vieles nachfühlen. Dennoch hat mich das Lesen dieses Buchs eher angestrengt, ich fand es langatmig, sehr detailliert und doch irgendwie oberflächlich. Leider keine wirkliche Empfehlung meinerseits.
Ehrlich, witzig und so eine Realität...
Dieses Buch hat mich gecatcht...ich glaube, jeder und jede die in zwei kulturellen Gesellschaften aufwächst, fühlt Dieses Buch...der Spagat der uns "schönen Ausländerkindern" auferlegt wird, ist so viel mehr als sich mancher vorstellen kann. Das Leben durch unsere Augen wird anders betrachtet und das bringt toxische Pommes mit ihrem Buch ziemlich genau auf den Punkt. Ein gelungenes Buch...






















































