Vom Kranksein

Vom Kranksein

Softcover
3.55

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Description

Kranksein hat sein Gutes: Virginia Woolf, die große englische Schriftstellerin, denkt über eine zutiefst menschliche Erfahrung nach. Es geht Ihnen besser, wenn Sie das lesen!
Grippe, Zahnweh, Fieber: Jeder weiß, wie es ist, krank zu sein. Wir sind es als Kinder, als Erwachsene, im Alter sowieso, als Frauen, als Männer, die Stärkeren nicht anders als die Schwächeren. Und trotzdem spielt diese Erfahrung in unserer Kultur kaum eine Rolle. Dreht sich in der Literatur alles um Liebe, Kampf und Eifersucht. Sind wir hilflos, wenn wir ausdrücken sollen, wie es uns geht, wenn wir nicht gesund sind. Dabei hat Kranksein auch sein Gutes, auch das kennen wir alle: Wir werden wieder wie Kinder, genießen die ungeteilte Zuwendung anderer, sind von den Anforderungen des Alltags befreit, können ungestört lesen, in den Himmel schauen, einfach nur – sein: krank sein.Virginia Woolf war, wie so oft, selbst gerade erst krank gewesen, als sie On Being Ill schrieb. 1926 erstmals erschienen, geriet ihr Essay lange in Vergessenheit und wurde erst spät wieder entdeckt: als Kleinod von rarer sprachlicher Eleganz und verblüffendem Gedankenreichtum.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Literary Essays
Format
Softcover
Pages
80
Price
11.00 €

Author Description

Virginia Woolf (1882–1941) gilt als Englands größte Autorin der Moderne. Ihre Romane werden in einem Atemzug mit James Joyce und Marcel Proust genannt, zudem verfasste sie zahllose Essays und hinterließ umfangreiche Tagebücher. Obwohl Tochter einer wohlhabenden Intellektuellen-Familie – Thomas Hardy und Henry James gingen in ihrem Elternhaus ein und aus – hat sie nie eine Schule, geschweige denn eine Universität besucht. 1917 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Leonard den Verlag The Hogarth Press, in dem auch »Ein Zimmer für sich allein« erschien. Als Opfer sexuellen Missbrauchs in der Familie, litt sie zeitlebens unter wiederkehrenden schweren Depressionen. Am 28. März 1941 fand ihr Mann einen Brief auf dem Kaminsims, der mit den Zeilen begann: »Liebster, ich fühle deutlich, dass ich wieder verrückt werde ...« Virginia Woolfs Leiche wurde in einem nahegelegenen Fluss entdeckt.

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"Krankheit geht, das will ich gestehen [...], mit einer kindischen Offenheit einher; man sagt Dinge, platzt mit Wahrheiten heraus, die der umsichtige Anstand der Gesundheit verbirgt." (S. 19) Gesundheit ist unser höchstes Gut, so heißt es. Virginia Woolf widerspricht. In ihrem Essay "Vom Kranksein" zeigt sie, dass Krankheit mehr ist als bloßes Leiden: Sie ist ein Zustand, der uns aus dem Alltag reißt; wir kapitulieren vor den Pflichten des Lebens, legen uns in die Kissen und versuchen der Erschöpfung nachzugeben. Sie wirft uns zurück aufs Wesentliche und begrenzt den Rahmen dessen, was wir sehen, so dass wir Details erkennen, für die uns sonst der Blick fehlt: das Spiel des Lichts an der Wand, das ferne Ticken einer Uhr, das Atmen des eigenen Körpers. Im Fieber, zwischen Schlaf und Wachsein, entstehen Bilder und Gedanken, die dem gesunden Geist fremd bleiben. Krankheit öffnet eine Tür zur inneren Welt – und vielleicht verdanken wir ihr manche Kunst. Woolf beschreibt diese Empfindungen in einer Sprache, die zwischen Philosophie und Poesie schwebt. Krankheit, so ihre These, gehört zu den großen menschlichen Erfahrungen – ebenso bedeutsam wie Liebe oder Tod. Der Rückzug, den Krankheit erzwingt, könnte uns auch gesund guttun: ein Innehalten, ein Sich-Entziehen aus der Dauerbeschäftigung. Untätig sein, ohne krank zu sein – undenkbar. Doch Woolf erinnert uns daran, dass Ruhe nicht Faulheit ist, sondern ein Akt der Erkenntnis. Auch die Natur spielt in diesem Text eine stille Rolle: Sie bleibt gleichgültig gegenüber unserem Zustand – und genau darin liegt Trost. Das Leben geht weiter, ob wir fiebern oder gesunden. Ergänzt wird diese Ausgabe durch Auszüge aus Woolfs Tagebüchern, in denen sie immer wieder ihren körperlichen und seelischen Zustand beschreibt. So entsteht ein Porträt einer Schriftstellerin, die ihre Schwäche in Sprache verwandelte und uns lehrt, im Kranksein nicht nur Verlust, sondern auch Klarheit zu finden. Darum sollte man sich dieses kleine, kluge Büchlein bereithalten – vielleicht für die nächste Krankheit oder, wer weiß, die nächste Pandemie. Denn Woolfs Worte wirken wie ein ruhiger, verständiger Begleiter im fiebrigen Ausnahmezustand.

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