Im Prinzip ist alles okay
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Description
Miryam ist dreißig Jahre alt und vor einigen Monaten Mutter geworden. Auf der Party einer alten Bekannten strahlt sie mit ihrem weißen T-Shirt um die Wette. Aber ist wirklich alles gut? Seit der Geburt ihres Kindes ist Miryam von Selbstzweifeln geplagt. Sie kann nicht stillen, leidet an postnatalen Depressionen und versucht trotzdem alles richtig zu machen. Getrieben von der Scham über ihre Herkunftsfamilie und aus Angst, ihre gewaltvolle Kindheit zu wiederholen, tut sie alles, um so heil zu wirken wie die Mütter aus ihrem Umfeld und Instagram-Feed. Sie postet weichgefilterte Selfies von sich und ihrem Kind, informiert sich zu bedürfnisorientierter Erziehung und gesunden Beikost-Snacks. Doch Miryam zieht sich immer mehr zurück. Auch online findet sie keinen richtigen Austausch. In den sozialen Medien wird zwar vieles besprochen, nicht aber die eigenen Familientraumata, die möglicherweise wieder auftauchen, sobald man selbst Mutter wird. Sie fühlt sich immer stärker überfordert, auch ihre Partnerschaft geht zu Bruch, doch schließlich findet sie ihren ganz eigenen Weg aus der Krise - und damit doch noch zu sich selbst. Dem Roman gelingt es, mit ironisch-humorvollem Ton die Emanzipation einer jungen Mutter von familiär erlernten, destruktiven Mustern zu erzählen und ihren Weg in die Selbstbestimmtheit aufzuzeigen. Der Roman widmet sich den wichtigen Themen Mutterschaft und familiäre Gewalt mit viel Ironie und Eindringlichkeit. Zwischen Fläschchen und Instagram-Filtern: Im Prinzip ist alles okay zeichnet ein Porträt einer jungen Mutter, die Elternrollen und ihre eigene Kindheit hinterfragt. Das gleichnamige Hörbuch erscheint als Download bei GOYALiT.
Book Information
Author Description
Yasmin Polat wuchs in Berlin auf. Schon während ihres Studiums begann sie, für verschiedene Medien zu schreiben, zum Beispiel für den Tagesspiegel, danach schrieb sie u. a. für die taz und zuletzt für das Focus Magazin. 2017 wurde sie zudem vom Medium Magazin in die "Top 30 unter 30"-Liste gewählt. Heute arbeitet sie als Moderatorin, Autorin und Podcast-Host, zum Beispiel bei "Verdammt Berühmt". Im Prinzip ist alles okay ist ihr erster Roman.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Ein stilles, ehrliches und überraschend tiefgehendes Buch, das gerade durch seine Unaufgeregtheit so lange nachwirkt
„Im Prinzip ist alles okay“ ist eines dieser Bücher, die sich leise anschleichen – und dann plötzlich mitten ins Herz treffen. Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, nicht einfach nur eine Geschichte zu lesen, sondern jemandem beim ehrlichen Nachdenken über das Leben zuzuhören. Es ist kein lautes Buch, kein dramatisches Feuerwerk an Ereignissen. Stattdessen wirkt es wie ein ruhiges Gespräch an einem späten Abend, wenn die Welt draußen langsamer wird und man beginnt, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Was mich besonders berührt hat, ist diese feine, fast schmerzhafte Balance zwischen „alles ist okay“ und dem unterschwelligen Wissen, dass eben nicht alles okay ist. Genau darin liegt die große Stärke des Buches: Es zeigt die Grauzonen des Lebens. Diese Momente, in denen man funktioniert, lächelt, weitermacht – und gleichzeitig innerlich Fragen mit sich herumträgt, für die es keine einfachen Antworten gibt. Die Figuren wirken dabei unglaublich nahbar. Nicht perfekt, nicht überzeichnet, sondern echt. Man erkennt sich selbst in kleinen Gedanken wieder, in Unsicherheiten, in Entscheidungen, die man trifft oder eben nicht trifft. Es sind diese stillen Parallelen, die das Lesen so intensiv machen. Man liest – und denkt plötzlich: „Das bin ich.“ Sprachlich ist das Buch zurückhaltend, fast minimalistisch, und genau dadurch so wirkungsvoll. Kein unnötiger Ballast, keine überladenen Beschreibungen – stattdessen klare, ehrliche Sätze, die Raum lassen für eigene Gefühle. Es ist diese Art von Sprache, die nicht versucht zu beeindrucken, sondern zu erreichen. Und das gelingt. Was bleibt, ist kein klassisches „Wow, was für eine Story“, sondern eher ein leises Nachhallen. Gedanken, die einen noch Tage später begleiten. Fragen, die sich festsetzen. Und vielleicht auch ein kleines bisschen mehr Verständnis für sich selbst und andere. „Im Prinzip ist alles okay“ ist kein Buch, das man einfach konsumiert. Es ist eines, das man fühlt. Und manchmal auch eines, das einen dabei erwischt, wie man innehält und sich fragt, ob bei einem selbst wirklich alles okay ist – oder ob man es sich nur oft genug gesagt hat. Ein stilles, ehrliches und überraschend tiefgehendes Buch, das gerade durch seine Unaufgeregtheit so lange nachwirkt.
Die Geschichte von Miryam wird ausschließlich von der Protagonistin erzählt. Gegenwart und Vergangenheit wechseln dabei. Die lakonisch Sprache hat mich irgendwie auf Distanz gehalten. Das Bemühen alles richtig und die Versuche sich irgendwie verständlich zu machen ist spürbar, Mirys Isolation greifbar. Ein gelungener Roman.
Werden tut weh.
Der Weg aus einem Trauma. Für mich als Mutter phasenweise schwer zu ertragen aber auch wenn ihr Weg nicht meiner wäre, hat sie am Ende einen für sie und ihre Tochter gangbaren Weg gefunden. Das Buch zeigt deutlich dass man sich eben im eigenen Leben wiederfinden muss auch wenn man dadurch vielleicht nicht den gängigen idealen entspricht.
Hat mich umgehauen
Warum können wir nicht aus unserer Haut? Sind wir am Ende alle dazu verdammt, die selben Fehler zu machen, wie unsere Eltern? Kann man erst glücklich werden, wenn man bedingungslos verziehen hat? Muss man verzeihen? Ist Blut dicker als Wasser? Und wohin mit all der Wut? Was ist eine gute Mutter? Machen wir unsere Kinder kaputt? Müssten wir es nicht eigentlich besser machen? Im Prinzip ist alles okay versucht gar nicht erst universelle Antworten auf diese Fragen zu finden. Man begleitet als Leserin Miryam, die versucht sich durchs Erwachsenenleben zu navigieren. Mit dabei hat sie einen ziemlich klassischen Rucksack aus Glaubenssätzen, gesellschaftlichen Erwartungen und transgenerationalen Traumata, der sie regelmäßig aus der Bahn wirft. Yasmin Polat erzählt keine flockige Erfolgsgeschichte. Kein 7-Punkteplan „So kriegst du dein Leben in den Griff“. Und trotzdem lässt mich das Buch optimistisch zurück. Wir sind nicht okay. Aber es besteht Hoffnung.
„In all den Bemühungen, heile zu werden, habe ich gar nicht gemerkt, dass ich mich nur noch kaputter mache.“
Wow wow wow. Ich kann gar nicht glauben, dass dieses Buch hier einfach das Debüt der Autorin sein soll? Es ist unfassbar toll geschrieben- die Art und Weise wie sie eine so traumatische Geschichte voller Gewalt in so einer schönen und sensiblen Sprache verpackt, hat mich absolut beeindruckt. Hab hier wirklich ganz viel markiert und jede Seite, jeder Satz hatte seine Daseins-Berechtigung. Einfach wow. Aber: bitte dringend die TW zu häuslicher Gewalt beachten :)

Ein Buch, das unter die Haut geht und lange nachwirkt
„Im Prinzip ist alles okay“ ist ein Buch, das mich emotional sehr mitgenommen hat. Die Geschichte wird aus der Sicht der Protagonistin erzählt und fühlt sich dadurch unglaublich nah und echt an. Ich wollte sie so oft einfach in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles gut wird und dass sie ihren eigenen Weg gehen darf. Gleichzeitig hat mich Robert teilweise wahnsinnig gemacht. Ich wollte ihn mehr als einmal anschreien und das sagt eigentlich schon alles. Die Geschichte regt stark zum Nachdenken an über Familie, Freundschaften, Erwartungen und über sich selbst. Sie hat mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig. Ich habe das Buch zusätzlich als Hörbuch gehört und fand es sehr gut eingesprochen. Die Emotionen wurden richtig transportiert und haben die Geschichte noch intensiver gemacht. Wichtig: Bitte unbedingt die Triggerwarnung lesen. Ein starkes, ehrliches Buch, das berührt und zum Nachdenken anregt.
Traurig, großartig und heilsam
Was für ein grandioser Debütroman. Wunderbar einfühlsam aber auch sehr direkt geschrieben. Wie eine traumatische Kindheit doch das Selbstwertgefühl und die Selbstliebe prägen kann und auch zukünftige Beziehungen ist hier toll eingefangen. Dieser Roman hatte eine absolute Sogwirkung auf mich. Geht eigentlich ganz ruhig los aber nach und nach erfahren wir immer mehr über Miris Leben. Da konnte ich das Buch dann nicht mehr weglegen, auch wenn es oft richtig weh tat das alles zu lesen. Eine ganz große Leseempfehlung!
'In Prinzip ist alles okay'...da ist die Grundessenz des Romans von der Autorin Yasmin Polat 'eigentlich' schon im Titel enthalten. Es muss alles okay sein, alle denken es ist okay, es darf nicht nicht okay sein... Miryam Topal schlägt sich genau damit rum. Ihr wird suggeriert, mal mehr mal weniger direkt, das Sie sich nicht so anstellen soll. Die Traumatische Kindheit vergessen, noch besser vergeben. Den brutalen und übergriffigen Ex Freund, die toxische Ehe mit einem notorischen Lügner. Miryam ist nun schließlich mittlerweile schon dreißig Jahre alt und Mutter. Blöd nur wenn zu allen anderen schweren Päckchen, den Selbstzweifeln, der früheren Depression jetzt auch noch eine postnatale Depression dazukommt. Ein Roman der beim lesen weh tut und unterschiedliche Gefühle in einem weckt. Ich muss zugeben das ich Miri hin und wieder auch echt nervig fand und dann wiederum total mit ihr gelitten habe. Wie schwer es ist wenn von einem erwartet wird gefälligst glücklich zu sein oder wenigstens zufrieden. Aber jeder Augenblick fällt schwer und Tage kann man nur durchstehen, indem man sie einteilt und Schritt für Schritt 'abarbeitet'. Aber sicher auch nicht einfach mit jemanden zusammen zu leben der diese Probleme hat. Das wurde recht gut dargestellt, wobei Miris Partner nun nicht gerade das Paradebeispiel eines Ehemanns ist. Ich mochte dieses Buch wirklich gerne lesen und vorallem das Ende fand ich sehr gelungen. Wer also Lust auf ein forderndes Lesevergnügen hat, sollte gerne zu 'Im Prinzip ist alles okay' greifen.

„Werden tut weh“ Ein sehr emotionaler Roman über eine junge Mutter, die versucht den Schmerz ihrer Herkunftsfamilie zu durchbrechen und mit schweren Traumata im Gepäck, ihren Weg zu sich selbst und ihrer Rolle als Mutter zu finden. „Im Prinzip ist alles okay. Auch, wenn das von außen bestimmt anders aussieht“
Dieser Debütroman von Yasmin Polat ist einfach gut und behandelt so viele Themen gleichzeitig, dass es einem als LeserIn vor lauter Mitgefühl Zeitweilen richtig schwer ums Herz wird. Zu Anfang hatte ich noch leichte Schwierigkeiten mit dem Sprachstil der Protagonistin (bzw. Autorin), realisierte dann aber recht schnell, dass gerade diese ehrliche Sprache, der Story vollkommene Authentizität verleiht. Vorsicht - folgend ggf. leichte Spoiler: Die 30 jährige Miryam Topas hat leider einen ganzen Rucksack voller emotionalem Ballast zu schultern. Aufgewachsen mit zwei narzisstischen Eltern in einem gewalttätigen Elternhaus, zwingt sie eine Depression in ihren 20ern, sich mit ihren Traumata der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ihr großer Wunsch ist es, irgendwann einmal eine eigene Familie zu gründen, um alles besser zu machen. Als sie jedoch nach der Geburt Ihrer Tochter in eine postnatale Depression rutscht und sich in einer toxischen Beziehung wiederfindet, wird sie erneut mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert. Neben all diesen schwerwiegenden psychischen Belastungen, zeigt die Autorin auch auf, wie schwer es für Betroffene in der aktuellen Zeit ist, Hilfe in Form eines Therapieplatzes zu erhalten oder auch wie groß die Rolle der sozialen Medien hinsichtlich Anerkennung & Abgrenzung für junge Menschen ist. Süchte (ob Alkohol, Handy oder Shopping), Bodyshaming oder auch Mom-Bashing sind hier nur die „kleineren, alltäglichen Hürden“, welche sich Miryiam als junge Frau stellen muss, um den Kreislauf Ihres Familientraumas zu durchbrechen, um zu sich selbst zu finden. Dieser Roman hat mich sehr berührt. Zum einen, weil einem das Schicksal der Protagonistin nahe geht. Zum anderen, weil es einfach so realitätsnah geschrieben ist und ich (als junge Mutter) doch auch ab und an über diese schonungslose gesellschaftliche Offenlegung schmunzeln musste. „Ich sehe Posts von ehemaligen Freundinnen, im Urlaub, in Cafés. Ich sehe Werbung für Periodenunterwäsche, Spucktücher, Baby-Tragen, die ein halbes Vermögen kosten, weil sie mit Leoprint angeboten werden. Ich hätte auch gerne so eine. Kaufen scheint mir Teil der Lösung zu sein, um meine Identitätskrise zu mildern. Ich kaufe, also bin ich. Ich scrolle, also fühle ich nicht.“ (S.116)

Am Anfang war ich von dem Buch eher enttäuscht. Gerade die Kapitel, in denen die Protagonistin ihre Mutterrolle beschreibt, sind so dermaßen negativ und „leidend“ formuliert, dass es irgendwie schon fast nervig ist. Versteht mich nicht falsch, natürlich ist das Muttersein ein harter Job, aber wieso die Autorin in jedem Kapitel erneut all die negativen Dinge hervorhebt, war mir schleierhaft. Die Rückblenden auf ihre Vergangenheit, in der die Protagonistin emotionale und körperliche Gewalt erlebt, empfand ich als sehr greifbar und realistisch beschrieben. Das Ende war dann sehr schön und wie ein Befreiungsschlag, wo ich dann nochmal dachte: Gott sei dank hat sie die Kurve gekriegt.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und am Anfang bin ich irgendwie nicht reingekommen, bin aber froh das ich weitergehört habe! Ich habe sehr mitgefühlt mit der Protagonistin und mich in sehr vielen Punkten selbst wiedergefunden. Ihren Mann hätte ich teilweise echt umklatschen können, so viel Wut hatte ich beim Hören.
Miryam ist eine junge Mutter, die Schwierigkeiten mit der Mutterrolle hat. Auch ihre Beziehung zu Robert gestaltet sich schwierig. In Rückblenden erfährt man, dass Miryam eine schwierige Kindheit mit einem gewalttätigen Vater und einer Mutter, die die Kinder nicht wirklich schützen konnte, hatte. Ich persönlich stehe dem Buch etwas ambivalent gegenüber. Einiges fand ich sehr gelungen, etwa die Beschreibungen, wie sehr sich Miryam mit dem Muttersein schwertut und wie sie gesellschaftliche Idealvorstellungen vom Muttersein beeinflussen. Anderes hat mir (rein subjektiv) nicht gefallen. Das Ende fand ich irgendwie zu versöhnlich, und dass Miryam gleich zur Kindheitsaufarbeitungsinfluencerin wird, war irgendwie auch nicht so meins (und auch wenn es ein kleines Detail ist, aber die Sprachfähigkeiten ihrer Tochter fand ich selbst angesichts der Erwähnung, dass sie schlau sei und für ihr Alter sehr gut sprechen können, etwas too much). Insgesamt ein gutes Buch, ein halber Punkt Abzug von der Bestnote nur wegen meiner subjektiven Schwierigkeiten mit manchen Aspekten und Passagen.
Werden tut weh.
Das war das beste Buch, was ich dieses Jahr gelesen habe und ich konnte es nicht aus der Hand legen! Es war so fesselnd und nahbar geschrieben. Ich konnte Miryam sehr gut verstehen! Das Buch regt definitiv zum Nachdenken an und leistet einen tollen Beitrag zum Feminismus, Mensch-sein, Eltern-Kind-Beziehungen und vieles mehr! Spannend fand ich, dass hauptsächlich von „das Baby“ oder „das Kind“ gesprochen wurde.
Brett an Debütroman
Tag in Slots einteilen, immer das Gefühl zu haben von Menschen gejudge zu werden, sich nicht gesehn fühle, aber eig ist alles okay. Denn eig solltest du dankbar sein, anderen Leuten geht es viel schlechter. Dein Freund kümmert sich ums Baby, was willst du eig mehr. Miryam du hast mich gepackt. Wie du über dein Leben erzählst so gottlos ehrlich und verwunderlich. Hast mich mit in den sog gezogen, teils eig viel zu viel, sodass ich ne Pause hätte gebrauchen können, aber dann hätte ich ja nicht gewusst wie es weiter geht, wie du dich fühlst und was du machst. So lies ich deine Geschichte, in quasi, einen rutsch durch. Nicht mal 24st später war ich verfertigt. Keine Slots, kein Schlumpfeis, kein Moscota von Lidel, kein Robert oder Martha (darüber bin ich wirklich froh, denn den beiden möchte ich echt die Meinung mal sagen). Nur leider auch keine Miryam mehr, die versucht ihre Kindheit hinter sich zu lassen und eine gute Mutter für ihr Kind zu sein, was auch immer das bedeutet. Ach Miryam, zu gerne würde ich mit dir in die Drogerie gehen. Jedes Regal durchstöbern und dir sagen, wie unfassbar stolz und mutig ich dich finde. Dir Kraft geben, den Babywagen abnehmen und schieben, damit du kurz das Gefühl hast nicht alle Augen auf dich zu spüren. Du lässt mich nicht los, brichst Kreise auf und findest Wege für dich die funktionieren. Aber bei Gotte, falls du mal willst, dass Leute in deinem Umfeld ne Klatschen verdienen haben *HUST* Rober or Martha or Daniz *HUST* Gib Bescheid! Um 12 aufem Bolzplatz ohne Zuschauer*innen. Jaja, ich weiß Gewalt keine Lösung. Aber DIGGA ihr habt keine Ahnung, was bei den falsch ist🤬 Oh boy, über den Vater müssen wa übrigens gar nicht reden. Mit Geld kannst du auch keine Person darzubringen, dass sie dir verzeiht oder liebt 🤷🏼♀️ Ps: Brett, Yasmin Polat hat mehr als nur n büschen mit ihrem Debütroman überzeugt! Nur liest bitte auf jeden Fall die TW durch und Therapie absolut IMMER ne fucking gute Idee! 4,75/5⭐️
☽ ℑ𝔪 𝔓𝔯𝔦𝔫𝔷𝔦𝔭 𝔦𝔰𝔱 𝔞𝔩𝔩𝔢𝔰 𝔬𝔨𝔞𝔶 ☾ 𝑺𝒕𝒂𝒓𝒔: 5+ / 5 🅠🅤🅞🅣🅔🅢: „[…] ich könnte Papa verzeihen, […] und endlich eine Familie werden. […] Und er hat ja nicht nur schlechte Seiten. Er hat sogar echt viele gute Eigenschaften: Er ist zum Beispiel großzügig. Er hat mir eine Wohnung besorgt und mir geholfen, von meinem schlimmen Exfreund freizukommen. Er will mich eigentlich immer vor allem Übel beschützen (bis auf vor sich selbst). […]“ „Robert sei doch auch nur fertig gewesen, weil ich es ihm mit meinen Launen, meiner Depression so schwer gemacht habe. Sein „Handeln“ sei nur ein Hilfeschrei gewesen, den ich hätte erhören müssen. Es gehe so vielen Frauen auf der Welt so viel schlechter als mir.“ „Ich würde Robert in diesen Momenten so gern so richtig eine aufs Maul geben. Und dass ich das gern tun würde, macht mir Angst. […] Mein gesamter Zustand beschämt mich.“ „Und Robert ist gut im Lügen. Jeder andere Mensch würde ihm glauben. Aber ich habe nicht nur Traumata, sondern auch Skills aus meiner Kindheit mitgenommen.“ "So schlecht er auch mit mir umging - ein Teil von mir war überzeugt, ihn zu brauchen. Es gab eine Art Sicherheit in seiner Gewalt für mich, die ich mir nicht erklären konnte." "Ich glaube nicht, dass ich dramatisch, zu sensibel bin oder sonst eine dieser Eigenschaften habe." ___ Ich möchte gar nicht zu viele Worte verlieren. Ich glaube die Zitate aus dem Buch sprechen für sich. Für mich ein absolutes 𝙻𝚎𝚋𝚎𝚗𝚜𝚕𝚎𝚜𝚎𝚑𝚒𝚐𝚑𝚕𝚒𝚐𝚑𝚝. Noch nie habe ich mich so sehr in einer Geschichte wiedererkannt. Ich war fast schon schockiert darüber, wie viele Parallelen es zu meinem eigenen Leben gibt. Ein sehr emotionaler Roman, der das leben einer jungen, depressiven und traumatisierten Mutter sehr eindrücklich vermittelt. ❤️🩹 Ein sehr starkes Debüt welches keine leichte Kost beinhaltet. Getreu dem Motto: 𝓓𝓪𝓼 𝓫𝓮𝓼𝓽𝓮 𝓾𝓷𝓭 𝓰𝓵𝓮𝓲𝓬𝓱𝔃𝓮𝓲𝓽𝓲𝓰 𝓭𝓪𝓼 𝓼𝓬𝓱𝓵𝓲𝓶𝓶𝓼𝓽𝓮 𝓑𝓾𝓬𝓱 𝔀𝓪𝓼 𝓲𝓬𝓱 𝓳𝓮 𝓰𝓮𝓵𝓮𝓼𝓮𝓷 𝓱𝓪𝓫𝓮. ___

Das Buch war wortwörtlich "Im Prinzip ganz okay"
Der schreibstil war gut, jedoch ging das Lesen nicht so schnell voran. Irgendwie war es etwas langatmig. Ich empfand es als sehr schwer, die Geschichte zu lesen, da die Thematik eher bedrückend war. Es war alles sehr negativ und sollte das natürlich auch darstellen. Ich fand es aber alles ein wenig too much und irgendwann waren für mich alle Personen und Einstellungen total nervig. Erst die letzten 50 Seiten empfand ich im Buch als eher interessant und emotional. Das Ende war eigentlich ganz gut bis auf den letzten Satz, weil es am ende doch eher offen gehalten wurde. Ich hätte mir einen richtigen Abschluss gewünscht, der auch anderen Personen, die in derselben Lage sind, deutlich machen, wie man sein Leben positiv und langfristig verändern kann. Man kanns mal lesen, aber hab mir das irgendwie ein wenig anders vorgestellt.
Im Fokus steht Myriam, die nicht nur mit einer postpartalen Depression und den Dämonen ihrer Kindheit zu kämpfen hat. Stets unter Druck, die perfekte Mutter zu sein, mit der perfekten kleinen Familie, zerbröckelt die Fassade. Das Buch erzählt Myriams Geschichte von Kindesalter an. Dabei leidet die ganze Familie unter ihrem gewalttätigen Vater. Kann sich Myriam von den Schrecken der Vergangenheit losreißen und sich von dem lösen, was ihr nicht gut tut? Mitreißend, pointiert und absolut schonungslos nimmt Yasmin Polat uns auf eine Reise. Das Buch hat mich sehr berührt. Ich kann kaum glauben, dass dies ein Debüt ist. Die Autorin hat für mich einen perfekten Roman erschaffen, den jeder lesen sollte. 💜

Heulen, schreien, um mich schlagen
„Im Prinzip ist alles okay“ hat mich so umgehauen: der Schreibstil, die Themen, der Umgang, die Geschichte. Einfach alles. Ich liebe, liebe, liebe den Schreibstil der Autorin und wie sie mit solch wichtigen Themen in ihrem Roman (schonungslos) umgeht! Ich habe es hin und wieder so sehr gefühlt, ich wollte am liebsten selber direkt los heulen. Klare Empfehlung!!!
Der Debütroman von Yasmin Polat berührt.
Der Debütroman “Im Prinzip ist alles okay” von Yasmin Polat überzeugt in vollem Umfang. “Vertrauen ist die Basis für alles im Leben. Und das Gute ist: Vertrauen kann man trainieren, wie einen Muskel.” Miryam Topal ist dreißig Jahre alt, voller Selbstzweifel, leidet an postnatalen Depressionen und ist Mutter der kleinen Kaya. Sie hat unglaublichen Druck, eine perfekte Mutter zu sein, kommt Miryam doch selbst aus einer gewalttätigen Familie. Und in den sozialen Medien gibt es nur perfekte Mütter mit perfekten Kindern. Auch Miryam wirkt annähernd perfekt, mit Bildbearbeitung und Make-up Tricks ist vieles möglich. Miryam hat ein unglaubliches Bedürfnis nach Bestätigung. Sei es bei der Zubereitung eines Salats zur Selbstliebehochzeit ihrer Freundin oder durch die Wahrnehmung von Männern auf der Straße. Und doch fühlt sie sich wie „ein menschlicher Laternenpfahl“, dem man auf dem Gehweg ausweichen muss, jedoch keine Beachtung schenkt. Die Autorin schreibt in der Ich-Form über die schrecklichen Kindheitsszenarien in der Familie Topal. Die häusliche Gewalt prägt Miryam und ihren kleinen Bruder Deniz. Jedoch versucht jeder auf seine Weise dieses gewalt- und angstvolle Traumata zu verarbeiten. Miryam versucht mit psychologischer Hilfe ihren Eltern zu verzeihen und wartet darauf, dass sie sich alle in den Armen liegen und endlich eine Familie werden können. Ihr Psychologe meint, dass man nicht immer verzeihen muss, um zu heilen. Miryam ist hier ausnahmsweise nicht seiner Meinung. Seit der Geburt ihrer Tochter hat ihr Partner Robert seinen Drogenkonsum eingestellt, hofft sie und doch ist Robert ein Lügner. Solange sie seine Lügen erträgt, weiß er, dass sie ihn liebt. Dies ist keine Basis für Miryam, die bereits das Vertrauen in die Menschen verloren hat. Ihre Beziehung geht in die Brüche, wo doch Miryam versucht alles besser und anders zu machen als ihre Eltern. Liegt es wirklich nur an ihrer verkorksten Art? Oder lügt Robert wieder? Alles entgleitet Miryam und auch ihr kleiner Bruder entwickelt sich in eine Richtung, der sie nicht folgen kann. Seine Worte “Einmal die Vergangenheit hinter dir lassen, dann läuft es sich leichter auf dem vernünftigen Weg” passen zum Dalai Lama aber nicht zu ihrem kleinen Bruder Deniz. Was passiert mit ihm? Angst vor der Mutterschaft und vor allem, mit ihrer Tochter alleine zu sein begleiten Miryam. Sie weiß nichts mit dem Baby anzufangen und sitzt dissoziiert neben dem Kind. So benimmt sich doch keine gute Mutter. Ihr Alltag ist grauenvoll und doch versucht sie täglich mit ihrem Leben klarzukommen. Die Autorin zeichnet die Gefühlslage der jungen, traumatisierten Mutter unglaublich intensiv. Der einfache Schreibstil spricht mich als Leser an, ebenso die Höhen und Tiefen der Protagonisten. Die Hauptprotagonistin versucht, sich aus alten Mustern zu befreien, ihre familiäre Beziehung zu kitten funktioniert leider nicht, auflösen jedoch genau so wenig. Aufarbeitung und Annäherung stellen sich trotz ihrer Bemühungen nicht ein. Miryam kann nicht mehr in diesem Alltag leben, sie braucht Selbstliebe und vor allem Raum für sich. Die Autorin wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, bis zuletzt die Erzählstränge zusammengefügt werden. Die Hoffnung, Selbstzweifel und die Misserfolge der Protagonistin berühren. “Alles ist Gewöhnungssache, auch das Glück”. Eine Leseempfehlung für diesen Debütroman.
Emotional, schonungslos und wahnsinnig wichtig
"Werden tut weh" Zeigt eindrucksvoll wie sich dysfunktionale Familiendynamiken über Generationen wiederholen und wie man sich daraus entwickeln kann. Der Schreibstil ist an manchen Stellen etwas holprig, oft eher umgangssprachlich - und gerade das hat es mir als Leserin sehr leicht gemacht die Perspektive der Ich-Erzählerin nachvollziehen zu können. Mir ging das Buch persönlich sehr nah und es trifft mich bei vielen Themen, vor allem die Aspekte zur Mutterschaft betreffend, auf ungewohnt ungefilterte Weise. Und ehrlich - ich vermute allerspätestens in dieser Lebensphase kämpfen fast alle Frauen auf die eine oder andere Art mit eigenen und fremden Erwartungshaltungen und auch mit den Strukturen der eigenen Herkunftsfamilie - meiner Erfahrung nach ist der Austausch darüber allerdings gar nicht so gewöhnlich, wie es wichtig wäre, um eben dies zu normalisieren. In diesem Buch geht es jedoch auch um sehr viele Dinge, die keinesfalls normalisiert werden sollten, aber dennoch als Thema unbedingt enttabuiisiert gehören.
[CN: Depression, physische + psychische Gewalt]
»So schlecht er auch mit mir umging - ein Teil von mir war überzeugt, ihn zu brauche. Es gab eine Art Sicherheit in seiner Gewalt für mich, die ich mir nicht erklären konnte.« (S.39) 💔 Miryam ist dreißig Jahre alt, Mutter einer kleinen Tochter und hat Depressionen. Diese hat sie nicht ernst seit der Geburt ihres Babys, wie im Verlaufe des Buches deutlich wird, aber werden dadurch erneut präsenter. Schnell wird deutlich, dass Miryam und ihr jüngerer Bruder Deniz in einem von Gewalt geprägten Elternhaus aufgewachsen sind und die Gewalt auch ihre eigenen Beziehungen prägte. Lange war sie in Therapie, um die familiär-erlernten destruktiven Muster und ihre Depression zu bearbeiten. Jetzt als Mutter will sie vor allem eins: Es besser machen als ihre Eltern. Doch in ihrer aktuellen Lage - isoliert durch Kontaktabbrüche von ihr wichtigen Menschen sowie beeinflusst durch die perfekte Instagram-Sicht von Momfluencern - redet sie sich ein, dass nicht einmal ihr Kind sie mögen würde und deswegen den Vater immer bevorzugen würde. Durch den achronistischen Schreibstil setzt sich das Gesamtbild der Protagonistin mit jedem Kapitel wie bei einem Puzzle mehr und mehr zusammen, und es wird deutlich, warum das Leben für Miryam alles andere als OKAY ist. Zum Ende des Buches laufen die zeitlichen Abstände zwischen den Kapiteln immer stärker zusammen, so dass Lesende am Ende im ‚Jetzt‘ mit Miryam angekommen sind. Der Autorin gelingt es hervorragend, Miryam’s unangenehmen Gefühle zu transportieren. Ich habe mich beim Lesen sehr unwohl gefühlt und jedes Mal, wenn der jungen Frau Undankbarkeit vorgeworfen worden ist, sie aufgefordert wird die Vergangenheit einfach sein zu lassen oder das Patriachariat personifiziert durch ihren Partner, Eltern und Bruder (»Ich glaube nicht, dass ich dramatisch, zu sensibel bin oder sonst eine dieser Eigenschaften habe […]« (S.258) ) ihr einen weiteren Stoß versetzen, hätte ich sie am liebsten umarmt und ihr klargemacht, dass sie das nicht verdient hat. Dass sie sich - für mich als Lesende - zu wenig zur Wehr setzt ist als Ausdruck der Krankheit aber auch der weiblichen Sozialisation sehr gut geschrieben. Es tut nahezu weh, zu lesen, wie sehr Miryam struggelt. 💔 Ihr Scheitern fühlt sich so viel schlimmer an, weil man weiß, wie sehr sie es besser machen wollte In ihren Debütroman »Im Prinzip ist alles okay« schreibt die Journalistin und Autorin Yasmin Polat über die Emanzipation einer jungen Mutter 💜, Gewalterfahrung innerhalb der Familie, Generationentraumata und Mutterschaft. Ein emotionaler Roman, der die Gefühlslage und Situation einer jungen, depressiven und traumatisierten Mutter sehr eindrücklich vermittelt. Ich empfehle ihnen allen Personen, die sich mit Mutterschaft, Generationsttraumata und Selbstbestimmung aus einer dieser Perspektive auseinander setzen möchten und können. 💜
![[CN: Depression, physische + psychische Gewalt]](https://social-cdn.read-o.com/images/1695975642413-55.jpg)
Der Titel beschreibt die Gesellschaft so gut
„Im Prinzip ist alles okay“ war für mich am Anfang etwas schwer reinzukommen. Der Stil, die Struktur, die Stimmung, es hat ein bisschen gedauert, bis ich wirklich drin war. Aber sobald der Knoten geplatzt ist, hat mir das Buch richtig gut gefallen. Die Thematik ist unglaublich wichtig, und die Art, wie Traumata, innere Verletzungen und das Weiterfunktionieren im Alltag erzählt werden, hat mich sehr berührt. Es ist leise, aber eindringlich. Und es zeigt, wie viel man mit sich herumtragen kann, ohne dass jemand es wirklich sieht. Auch der Bezug zu sozial Media und der Druck der durch diese entsteht, finde ich sehr gut! Der Titel passt perfekt: Man sagt ständig „Im Prinzip ist alles okay“, obwohl es das oft nicht ist – und genau dieses Spannungsfeld fängt das Buch so ehrlich ein. Insgesamt ein wichtiges, sensibles Buch, das bleibt.

Das Debüt ist nichts für schwache Nerven. Die Rückblenden zeigen die tief verwurzelten Ursachen der Depression real auf und sind inhaltlich lesenswert. Die Gegenwartsebene empfand ich als anstrengend. Auch sprachlich hatte ich große Probleme. Vorallem eine Passage sehe ich fachlich äußerst kritisch. Die Protagonistin ist unglaublich nervig, zeigt aber, wie stark depressive Menschen mit ihren ewigen Selbstzweifeln ihr soziales Umfeld belasten.
TW: häusliche Gewalt, Depression Miryam ist dreißig Jahre alt und frisch gebackene Mutter. Ihr Leben mit Baby und Partner könnte perfekt sein. So wie es von all den Mami-Bloggerinnen präsentiert wird, welchen sie auf Social Media folgt. Doch die Realität sieht anders aus. Muttersein ist gar nicht so einfach. Und in der Beziehung läuft es aktuell auch nicht rosig. Immer mehr keimen alte Erinnerungen aus ihrer Kindheit auf, welche sie nur noch mehr zurückwerfen lässt und ein schwarzes Loch zieht — dabei wollte sie genau das verhindern. Sie möchte ihrer Tochter eine bessere Kindheit schenken. Was für ein unglaublich starkes Debüt! Ich habe noch ungefähr neunzig Seiten zu lesen, aber ich bin absolut (positiv) sprachlos. Die Erzählweise von Frau Polat ist schonungslos ehrlich, dennoch schafft sie es, in den passenden Situationen für einen Lacher zu sorgen. Sollte man „Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwick| @the_zuckergoscherl mit Begeisterung gelesen haben, dann wird dieses Buch auch definitiv passend sein.
Mir hat das Buch und der Umgang mit der Thematik "häusliche Gewalt, insbesondere in der Kindheit" sehr gut gefallen. Auch, wenn ich solche Dinge nicht erlebt habe, waren Miryams Reaktionen und Gedanken vollkommen nachvollziehbar. Auch die Selbstzweifel, die sie dann hat, als sie Mutter geworden ist. Ich denke, auch Frauen ohne so eine Vergangenheit können sich damit identifizieren. Der Prozess der Heilung und des Loslassens ist sehr schwer, aber in kleinen Schritten möglich. Auch das wird hier aufgezeigt und ist sicherlich hilfreich für Betroffene. Lediglich die Jugendsprache, gerade in dem Alter der Protagonistin, fand ich ein wenig überzogen.
Myriam ist 30. Sie ist gerade Mutter geworden, liebt ihr Kind über alles, lebt mit ihrem Freund zusammen, der ein liebe- und verantwortungsvoller Vater ist und sollte eigentlich rundum glücklich sein. Zumindest redet sie sich das ein. Im Prinzip ist ja alles ok… die Realität allerdings ist eine Andere: sie leidet an postnataler Depression, fühlt sich von allem überfordert und als schlechte Mutter. Sie hat Angst mit ihrem Kind allein zu sein, denk sogar, dass ihr Kind sie gar nicht leiden kann, weiß nicht, wie sie die Tage füllen soll, rutscht mehr und mehr in die Isolation ab und ihre Vergangenheit holt sie immer wieder ein. Aufgewachsen mit zwei narzisstisch anmutenden Elternteilen, fällt es ihr nicht leicht ihren eigenen Wert zu sehen. Sie hat starke Selbstzweifel, möchte jedem gefallen, geht damit stark über ihre Grenzen (die sie wahrscheinlich selbst gar nicht so recht benennen kann). Die Beziehung der Eltern war geprägt von Gewalt, Myriam selbst hat davon zwar nichts (körperliches) abbekommen, dennoch aber feine Sensoren entwickelt. Auch ihre Beziehungen zu Männern sind überaus toxisch. Ihr erster Freund schlägt sie, ist permanent eifersüchtig und kontrollierend. Ihr jetziger Freund trägt selbst viele unbewusste Narben aus der Kindheit mit sich herum, was immer wieder großes Eskalationspotential bietet. - „Im Prinzip ist alles ok“ ist ein Debüt… und was für eins. Es hat mich nachhaltig beeindruckt, wie die Autorin hier verschiedene Lebenswege erfasst und vor allem wie tief sie gerade bei Myriam dabei geht. Schon der Titel hat bei mir für Aufmerksamkeit gesorgt, denn ich finde damit ist alles gesagt. Was bedeutet es „ok“ zu sein? Und was bedeutet in diesem Zusammenhang „im Prinzip“? Solch eine Formulierung sagt so viel über das Gegenüber aus: am Ende das genaue Gegenteil. Es ist ein Zustand in dem man gerade so funktioniert, manchmal besser, manchmal schlechter, aber eben nie darüber hinaus. Es hat nichts mit leben zu tun, ist auf das Nötigste beschränkt und fühlt sich besch… an. Am Beispiel von Myriam wird sehr deutlich bewusst, was es für ein Kind und die spätere Erwachsene bedeutet, Gewalt ausgesetzt zu sein, sich nicht gesehen zu fühlen, die eigene Wahrnehmung angezweifelt zu bekommen. Auch fehlende Unterstützung ist ein Problem. Trotz vorheriger Therapie und Abspaltung von der Familie, wird ihr immer wieder suggeriert nicht gut genug zu sein, undankbar zu sein, zu emotional zu sein… was dazu führt, dass sie in alte Muster zurück fällt. Sie will eine heile Familie, wobei sich dieser Wunsch sowohl auf die derzeitige, als auch auf die Herkunftsfamilie bezieht. Dies ist utopisch, zumindest wenn man die Schuld nur bei sich selbst sucht. Es ist schwer einzusehen, dass man andere Menschen nicht ändern kann und es fühlt sich erstmal egoistisch an, auf sich selbst zu schauen, aber manchmal ist das der einzige Weg sich zu retten. Auch die Frage, was seine gute Mutter ausmacht, ob Liebe bedingungslos und auf Knopfdruck funktioniert, steht im Raum. Darf eine Mutter überfordert und traurig sein? Darf eine Mutter sich um sich selbst kümmern? Darf eine Mutter Angst vor ihrem Kind haben? In Myriams Fall wird schnell klar, wie schädlich das allseits akzeptierte und propagierte Bild einer Mutter ist. Denn dies schürt Druck, vermehrt Selbstzweifel und ist nun mal auch schlichtweg falsch. Jede Mutter weiß, dass Babys und Kleinkinder anstrengend sein können, das man an seine Grenzen stößt, manchmal auch einfach nur am Boden ist, weil man nicht weiter weiß und es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dies auch auszusprechen. Yasmin Polat verarbeitet hier so viele wichtige Themen, angefangen mit einem realistischen Blick auf Mutterschaft und postnatale Depression. Themen die gern tabuisiert werden… auch toxische Familiengebilde werden analysiert, Grenzen und Bedürfnisse ausgelotet. Es wird nicht beschönigt, dafür ist dieser Roman auch nicht gedacht. Es ist kein Wohlfühlbuch, es tut teilweise weh es zu lesen und trotzdem ist es eine sehr große Empfehlung von mir. Ich finde wichtig, dass darüber geschrieben und gesprochen wird, einige werden sich sicher wiederfinden und damit vielleicht auch ein bisschen verstanden fühlen, anderen hilft es vielleicht das Gegenüber besser zu verstehen, wieder anderen wird klar, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.
Ein Buch über eine junge Mutter, die komplett an den Anforderungen des Mutterseins zerschellt. Myriam steht in Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis, eine gute Mutter zu sein und auf gar keinen Fall die Fehler ihrer Eltern zu wiederholen, den Erwartungen der Mitmenschen, wie eine gute Mutter zu sein hat und ihren eigenen Traumata aus vergangenen Beziehungen und Kindheit. Unter diesem Druck kann sie nicht bestehen und driftet in eine Postnatale Depression ab. Myriam kann sich nicht mehr um ihr Kind kümmern. Sie ist als Mutter gescheitert. Ihr Umfeld redet ihr das ein und sie denkt das auch. So wie Myriam geht es wahrscheinlich vielen Müttern, eine stumme Dunkelziffer von Frauen, die aus Angst verurteilt zu werden nicht darüber sprechen. Genau deshalb ist dieses Buch unglaublich wichtig. Es zeigt, dass Mutterschaft sehr von toxischen Vorstellungen und Konventionen zerfressen ist. Eine "perfekte Mutter" in den Augen der Gesellschaft zu sein ist schlichtweg unmöglich. Man verliert sich damit selbst und vor allem die Kinder. Keine Elternschaft ist gleich. Für manche Eltern ist es vielleicht einfacher, getrennt zu leben. Manche erziehen ihr Kind komplett allein. Nur wenn man selbst gesund und glücklich ist, hat man eine Chance, eine gute Mutter/Vater zu sein.
Im Prinzip ein unterhaltsames Buch, das einen guten Einblick in die Psyche der Protagonistin, ihre schwierige Kindheit und ihre Probleme im Erwachsenenalter als Frau und Mutter liefert. Sprachlich hat es mich nicht ganz überzeugt. Außerdem waren manche Szenen und Dialoge für meinen Geschmack zu übertrieben und wirkten konstruiert.
Schonungslos, sprachgewaltig
Anhand des Klappentextes habe ich die verschiedenen, sehr tiefgehenden Themen gar nicht erwartet und war froh, es nicht während des Wochenbetts gelesen zu haben. Der Inhalt ist wirklich harte Kost, der Schreibstil war anfangs gewöhnungsbedürftig, da wirklich so schonungslos, auch der Protagonistin selbst gegenüber. Bin dann doch schnell reingekommen und konnte das Buch nur noch schwer aus der Hand legen. Auch im Nachgang hat es mich noch lange beschäftigt.
Intensiv
Es tut einem innerlich weh das Buch zu lesen. Die Gedanken der Protagonistin sind sehr hart gegenüber sich selbst und die Personen in Ihrem Leben (außer einer Ausnahme), scheinen wenig Empathie für sie zu haben. Ich finde die Dynamiken zwischen den Personen sehr eindrücklich beschrieben. Teilweise hat man die Situationen lebhaft vor Augen. Man fiebert mit bis zur letzten Seite, ob wohl im Prinzip noch alles okay wird :)
Miryam hat in ihrem Leben schon viel durchgemacht. Doch auch als frischgebackene Mutter ist es schwer für sie, ihr Glück zu finden. Im Roman werden, aus der Perspektive der Protagonistin, verschiedene Momente ihres verkorksten Lebens aufgegriffen. Wir erfahren, wie sie von einem schwierigen Elternhaus in die nächste toxische Beziehung torkelt und schließlich bei dem Vater ihres Kindes landet. Wenn man den so reden hört, kann man auch hier nicht auf ein respekt- oder gar liebevolles Miteinander schließen: „Nur weil dein Vater scheiße war, nervst du jetzt alle. Geh mal lieber in die Wanne, Miryam, du musst mal deine Psychosen einweichen und uns hier in Ruhe frühstücken lassen.“ Ich habe mich von der anfänglichen Eloquenz der Ich-Erzählerin einwickeln lassen und war schnell von den niveaulosen Dialogen genervt. Sie wird beispielsweise als „Du Opfer“ angesprochen und lässt das ohne weitere Gedanken oder Reaktionen so stehen. Es wird klar, dass sie es im Leben schwerhatte, und ich verstehe, dass sie daran zu knabbern hat. Doch, wie dies vermittelt wird, ist übertrieben (alle Menschen sind fies zu ihr, sogar die Chefin, die gar nichts zur Sache tut) oder realitätsfern (selbst ein Psychologe verurteilt sie beim ersten Gespräch). „Im Prinzip ist alles okay“, aber ein Lesegenuss wollte sich bei mir nicht einstellen.
miriyam erlebt in ihrer kindheit häusliche gewalt. der vater wird regelmäßig gegenüber ihrer mutter handgreiflich. und die kleine miriyam denkt, sie ist daran schuld. viele jahre später ist sie mutter einer kleinen tochter und steckt in einer tiefen depression. doch das zu erkennen ist gar nicht so leicht. schon gar nicht, wenn das umfeld nicht wie gewünscht reagiert. und so handelt das buch von der inneren verzweiflung der protagonistin, die versucht auszubrechen, alles besser zu machen und sich einzureden, dass im prinzip alles okay ist. mich hat das buch sehr berührt. es hat beim lesen geschmerzt, weil es einen nerv in mir getroffen hat. ich konnte so gut mit ihr mitfühlen, auch ohne, ihre erfahrungen zu teilen. es hat mein herz zuschnüren lassen und ich musste einige lesepausen einlegen & gleichzeitig wollte ich wissen wie es weitergeht. ❤️🩹 die sprache, der schreibstil und die kunst, das buch so lebendig und echt wirken zu lassen, machen yasmin polats debüt einzigartig. großartig einzigartig.
Im Prinzip ists ganz okay.
📌 "Ich wollte immer eine Familie, in der ich es besser mache als meine Eltern. Warum also weine ich seit Monaten?" (S. 98) Miryam leidet an postnataler Depression und versucht Tag für Tag ihr neues Leben als Mutter zu bewältigen. Die Tage hat sie dazu in drei Zeitslots eingeteilt, durch die sie sich hangelt und an denen sie sich orientiert. Erfüllter Kinderwunsch oder ungeplante Schwangerschaft hin oder her, das Leben als junge Mutter ist nun mal nicht nur eitel Sonnenschein und Glückseligkeit, sondern auch purer Streß und Verlust der eigenen Identität - und Figur. Darüber hat Yasmin Polat schonungslos ehrlich diesen Roman geschrieben. Und über eine traumatische Kindheit, die Erinnerungen an diese und über gescheiterte und toxische (Liebes-)Beziehungen und Freundschaften, sowie familiäre Brüche. Die Themen sind sowohl ernst als auch wichtig und trotzdem fehlt es der Story nicht an (teilweise makaberen) Witz (das mag ich ja) und man fliegt nur so durch die Seiten. Ich habe mich lange Zeit sehr auf dieses Buch gefreut und konnte mich dann beim lesen teilweise gut in die Lage der frisch gebackenen Mutter versetzen, auch wenn ich mittlerweile in einem anderen Lebensabschnitt angekommen bin. Miryam war definitiv eine authentische Protagonistin, die auf der Suche nach ihrem persönlichen (Familien-)Glück schwer an ihrem Vergangenheitspäckchen zu tragen hat. Es gab jedoch auch Dinge, die mich immens gestört haben. A) Die Entwicklung des Kindes im Buch passt definitiv nicht zu den Altersangaben. B) diese (nervigen) englischen Begriffe andauernd. Reden jüngere Leute heute wirklich so? Ich hoffe nicht. Davon abgesehen habe ich es aber sehr gerne gelesen.

Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Miryam ist dreißig Jahre alt und vor einigen Monaten Mutter geworden. Auf der Party einer alten Bekannten strahlt sie mit ihrem weißen T-Shirt um die Wette. Aber ist wirklich alles gut? Seit der Geburt ihres Kindes ist Miryam von Selbstzweifeln geplagt. Sie kann nicht stillen, leidet an postnatalen Depressionen und versucht trotzdem alles richtig zu machen. Getrieben von der Scham über ihre Herkunftsfamilie und aus Angst, ihre gewaltvolle Kindheit zu wiederholen, tut sie alles, um so heil zu wirken wie die Mütter aus ihrem Umfeld und Instagram-Feed. Sie postet weichgefilterte Selfies von sich und ihrem Kind, informiert sich zu bedürfnisorientierter Erziehung und gesunden Beikost-Snacks. Doch Miryam zieht sich immer mehr zurück. Auch online findet sie keinen richtigen Austausch. In den sozialen Medien wird zwar vieles besprochen, nicht aber die eigenen Familientraumata, die möglicherweise wieder auftauchen, sobald man selbst Mutter wird. Sie fühlt sich immer stärker überfordert, auch ihre Partnerschaft geht zu Bruch, doch schließlich findet sie ihren ganz eigenen Weg aus der Krise - und damit doch noch zu sich selbst. Dem Roman gelingt es, mit ironisch-humorvollem Ton die Emanzipation einer jungen Mutter von familiär erlernten, destruktiven Mustern zu erzählen und ihren Weg in die Selbstbestimmtheit aufzuzeigen. Der Roman widmet sich den wichtigen Themen Mutterschaft und familiäre Gewalt mit viel Ironie und Eindringlichkeit. Zwischen Fläschchen und Instagram-Filtern: Im Prinzip ist alles okay zeichnet ein Porträt einer jungen Mutter, die Elternrollen und ihre eigene Kindheit hinterfragt. Das gleichnamige Hörbuch erscheint als Download bei GOYALiT.
Book Information
Author Description
Yasmin Polat wuchs in Berlin auf. Schon während ihres Studiums begann sie, für verschiedene Medien zu schreiben, zum Beispiel für den Tagesspiegel, danach schrieb sie u. a. für die taz und zuletzt für das Focus Magazin. 2017 wurde sie zudem vom Medium Magazin in die "Top 30 unter 30"-Liste gewählt. Heute arbeitet sie als Moderatorin, Autorin und Podcast-Host, zum Beispiel bei "Verdammt Berühmt". Im Prinzip ist alles okay ist ihr erster Roman.
Posts
Ein stilles, ehrliches und überraschend tiefgehendes Buch, das gerade durch seine Unaufgeregtheit so lange nachwirkt
„Im Prinzip ist alles okay“ ist eines dieser Bücher, die sich leise anschleichen – und dann plötzlich mitten ins Herz treffen. Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, nicht einfach nur eine Geschichte zu lesen, sondern jemandem beim ehrlichen Nachdenken über das Leben zuzuhören. Es ist kein lautes Buch, kein dramatisches Feuerwerk an Ereignissen. Stattdessen wirkt es wie ein ruhiges Gespräch an einem späten Abend, wenn die Welt draußen langsamer wird und man beginnt, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Was mich besonders berührt hat, ist diese feine, fast schmerzhafte Balance zwischen „alles ist okay“ und dem unterschwelligen Wissen, dass eben nicht alles okay ist. Genau darin liegt die große Stärke des Buches: Es zeigt die Grauzonen des Lebens. Diese Momente, in denen man funktioniert, lächelt, weitermacht – und gleichzeitig innerlich Fragen mit sich herumträgt, für die es keine einfachen Antworten gibt. Die Figuren wirken dabei unglaublich nahbar. Nicht perfekt, nicht überzeichnet, sondern echt. Man erkennt sich selbst in kleinen Gedanken wieder, in Unsicherheiten, in Entscheidungen, die man trifft oder eben nicht trifft. Es sind diese stillen Parallelen, die das Lesen so intensiv machen. Man liest – und denkt plötzlich: „Das bin ich.“ Sprachlich ist das Buch zurückhaltend, fast minimalistisch, und genau dadurch so wirkungsvoll. Kein unnötiger Ballast, keine überladenen Beschreibungen – stattdessen klare, ehrliche Sätze, die Raum lassen für eigene Gefühle. Es ist diese Art von Sprache, die nicht versucht zu beeindrucken, sondern zu erreichen. Und das gelingt. Was bleibt, ist kein klassisches „Wow, was für eine Story“, sondern eher ein leises Nachhallen. Gedanken, die einen noch Tage später begleiten. Fragen, die sich festsetzen. Und vielleicht auch ein kleines bisschen mehr Verständnis für sich selbst und andere. „Im Prinzip ist alles okay“ ist kein Buch, das man einfach konsumiert. Es ist eines, das man fühlt. Und manchmal auch eines, das einen dabei erwischt, wie man innehält und sich fragt, ob bei einem selbst wirklich alles okay ist – oder ob man es sich nur oft genug gesagt hat. Ein stilles, ehrliches und überraschend tiefgehendes Buch, das gerade durch seine Unaufgeregtheit so lange nachwirkt.
Die Geschichte von Miryam wird ausschließlich von der Protagonistin erzählt. Gegenwart und Vergangenheit wechseln dabei. Die lakonisch Sprache hat mich irgendwie auf Distanz gehalten. Das Bemühen alles richtig und die Versuche sich irgendwie verständlich zu machen ist spürbar, Mirys Isolation greifbar. Ein gelungener Roman.
Werden tut weh.
Der Weg aus einem Trauma. Für mich als Mutter phasenweise schwer zu ertragen aber auch wenn ihr Weg nicht meiner wäre, hat sie am Ende einen für sie und ihre Tochter gangbaren Weg gefunden. Das Buch zeigt deutlich dass man sich eben im eigenen Leben wiederfinden muss auch wenn man dadurch vielleicht nicht den gängigen idealen entspricht.
Hat mich umgehauen
Warum können wir nicht aus unserer Haut? Sind wir am Ende alle dazu verdammt, die selben Fehler zu machen, wie unsere Eltern? Kann man erst glücklich werden, wenn man bedingungslos verziehen hat? Muss man verzeihen? Ist Blut dicker als Wasser? Und wohin mit all der Wut? Was ist eine gute Mutter? Machen wir unsere Kinder kaputt? Müssten wir es nicht eigentlich besser machen? Im Prinzip ist alles okay versucht gar nicht erst universelle Antworten auf diese Fragen zu finden. Man begleitet als Leserin Miryam, die versucht sich durchs Erwachsenenleben zu navigieren. Mit dabei hat sie einen ziemlich klassischen Rucksack aus Glaubenssätzen, gesellschaftlichen Erwartungen und transgenerationalen Traumata, der sie regelmäßig aus der Bahn wirft. Yasmin Polat erzählt keine flockige Erfolgsgeschichte. Kein 7-Punkteplan „So kriegst du dein Leben in den Griff“. Und trotzdem lässt mich das Buch optimistisch zurück. Wir sind nicht okay. Aber es besteht Hoffnung.
„In all den Bemühungen, heile zu werden, habe ich gar nicht gemerkt, dass ich mich nur noch kaputter mache.“
Wow wow wow. Ich kann gar nicht glauben, dass dieses Buch hier einfach das Debüt der Autorin sein soll? Es ist unfassbar toll geschrieben- die Art und Weise wie sie eine so traumatische Geschichte voller Gewalt in so einer schönen und sensiblen Sprache verpackt, hat mich absolut beeindruckt. Hab hier wirklich ganz viel markiert und jede Seite, jeder Satz hatte seine Daseins-Berechtigung. Einfach wow. Aber: bitte dringend die TW zu häuslicher Gewalt beachten :)

Ein Buch, das unter die Haut geht und lange nachwirkt
„Im Prinzip ist alles okay“ ist ein Buch, das mich emotional sehr mitgenommen hat. Die Geschichte wird aus der Sicht der Protagonistin erzählt und fühlt sich dadurch unglaublich nah und echt an. Ich wollte sie so oft einfach in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles gut wird und dass sie ihren eigenen Weg gehen darf. Gleichzeitig hat mich Robert teilweise wahnsinnig gemacht. Ich wollte ihn mehr als einmal anschreien und das sagt eigentlich schon alles. Die Geschichte regt stark zum Nachdenken an über Familie, Freundschaften, Erwartungen und über sich selbst. Sie hat mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig. Ich habe das Buch zusätzlich als Hörbuch gehört und fand es sehr gut eingesprochen. Die Emotionen wurden richtig transportiert und haben die Geschichte noch intensiver gemacht. Wichtig: Bitte unbedingt die Triggerwarnung lesen. Ein starkes, ehrliches Buch, das berührt und zum Nachdenken anregt.
Traurig, großartig und heilsam
Was für ein grandioser Debütroman. Wunderbar einfühlsam aber auch sehr direkt geschrieben. Wie eine traumatische Kindheit doch das Selbstwertgefühl und die Selbstliebe prägen kann und auch zukünftige Beziehungen ist hier toll eingefangen. Dieser Roman hatte eine absolute Sogwirkung auf mich. Geht eigentlich ganz ruhig los aber nach und nach erfahren wir immer mehr über Miris Leben. Da konnte ich das Buch dann nicht mehr weglegen, auch wenn es oft richtig weh tat das alles zu lesen. Eine ganz große Leseempfehlung!
'In Prinzip ist alles okay'...da ist die Grundessenz des Romans von der Autorin Yasmin Polat 'eigentlich' schon im Titel enthalten. Es muss alles okay sein, alle denken es ist okay, es darf nicht nicht okay sein... Miryam Topal schlägt sich genau damit rum. Ihr wird suggeriert, mal mehr mal weniger direkt, das Sie sich nicht so anstellen soll. Die Traumatische Kindheit vergessen, noch besser vergeben. Den brutalen und übergriffigen Ex Freund, die toxische Ehe mit einem notorischen Lügner. Miryam ist nun schließlich mittlerweile schon dreißig Jahre alt und Mutter. Blöd nur wenn zu allen anderen schweren Päckchen, den Selbstzweifeln, der früheren Depression jetzt auch noch eine postnatale Depression dazukommt. Ein Roman der beim lesen weh tut und unterschiedliche Gefühle in einem weckt. Ich muss zugeben das ich Miri hin und wieder auch echt nervig fand und dann wiederum total mit ihr gelitten habe. Wie schwer es ist wenn von einem erwartet wird gefälligst glücklich zu sein oder wenigstens zufrieden. Aber jeder Augenblick fällt schwer und Tage kann man nur durchstehen, indem man sie einteilt und Schritt für Schritt 'abarbeitet'. Aber sicher auch nicht einfach mit jemanden zusammen zu leben der diese Probleme hat. Das wurde recht gut dargestellt, wobei Miris Partner nun nicht gerade das Paradebeispiel eines Ehemanns ist. Ich mochte dieses Buch wirklich gerne lesen und vorallem das Ende fand ich sehr gelungen. Wer also Lust auf ein forderndes Lesevergnügen hat, sollte gerne zu 'Im Prinzip ist alles okay' greifen.

„Werden tut weh“ Ein sehr emotionaler Roman über eine junge Mutter, die versucht den Schmerz ihrer Herkunftsfamilie zu durchbrechen und mit schweren Traumata im Gepäck, ihren Weg zu sich selbst und ihrer Rolle als Mutter zu finden. „Im Prinzip ist alles okay. Auch, wenn das von außen bestimmt anders aussieht“
Dieser Debütroman von Yasmin Polat ist einfach gut und behandelt so viele Themen gleichzeitig, dass es einem als LeserIn vor lauter Mitgefühl Zeitweilen richtig schwer ums Herz wird. Zu Anfang hatte ich noch leichte Schwierigkeiten mit dem Sprachstil der Protagonistin (bzw. Autorin), realisierte dann aber recht schnell, dass gerade diese ehrliche Sprache, der Story vollkommene Authentizität verleiht. Vorsicht - folgend ggf. leichte Spoiler: Die 30 jährige Miryam Topas hat leider einen ganzen Rucksack voller emotionalem Ballast zu schultern. Aufgewachsen mit zwei narzisstischen Eltern in einem gewalttätigen Elternhaus, zwingt sie eine Depression in ihren 20ern, sich mit ihren Traumata der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ihr großer Wunsch ist es, irgendwann einmal eine eigene Familie zu gründen, um alles besser zu machen. Als sie jedoch nach der Geburt Ihrer Tochter in eine postnatale Depression rutscht und sich in einer toxischen Beziehung wiederfindet, wird sie erneut mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert. Neben all diesen schwerwiegenden psychischen Belastungen, zeigt die Autorin auch auf, wie schwer es für Betroffene in der aktuellen Zeit ist, Hilfe in Form eines Therapieplatzes zu erhalten oder auch wie groß die Rolle der sozialen Medien hinsichtlich Anerkennung & Abgrenzung für junge Menschen ist. Süchte (ob Alkohol, Handy oder Shopping), Bodyshaming oder auch Mom-Bashing sind hier nur die „kleineren, alltäglichen Hürden“, welche sich Miryiam als junge Frau stellen muss, um den Kreislauf Ihres Familientraumas zu durchbrechen, um zu sich selbst zu finden. Dieser Roman hat mich sehr berührt. Zum einen, weil einem das Schicksal der Protagonistin nahe geht. Zum anderen, weil es einfach so realitätsnah geschrieben ist und ich (als junge Mutter) doch auch ab und an über diese schonungslose gesellschaftliche Offenlegung schmunzeln musste. „Ich sehe Posts von ehemaligen Freundinnen, im Urlaub, in Cafés. Ich sehe Werbung für Periodenunterwäsche, Spucktücher, Baby-Tragen, die ein halbes Vermögen kosten, weil sie mit Leoprint angeboten werden. Ich hätte auch gerne so eine. Kaufen scheint mir Teil der Lösung zu sein, um meine Identitätskrise zu mildern. Ich kaufe, also bin ich. Ich scrolle, also fühle ich nicht.“ (S.116)

Am Anfang war ich von dem Buch eher enttäuscht. Gerade die Kapitel, in denen die Protagonistin ihre Mutterrolle beschreibt, sind so dermaßen negativ und „leidend“ formuliert, dass es irgendwie schon fast nervig ist. Versteht mich nicht falsch, natürlich ist das Muttersein ein harter Job, aber wieso die Autorin in jedem Kapitel erneut all die negativen Dinge hervorhebt, war mir schleierhaft. Die Rückblenden auf ihre Vergangenheit, in der die Protagonistin emotionale und körperliche Gewalt erlebt, empfand ich als sehr greifbar und realistisch beschrieben. Das Ende war dann sehr schön und wie ein Befreiungsschlag, wo ich dann nochmal dachte: Gott sei dank hat sie die Kurve gekriegt.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und am Anfang bin ich irgendwie nicht reingekommen, bin aber froh das ich weitergehört habe! Ich habe sehr mitgefühlt mit der Protagonistin und mich in sehr vielen Punkten selbst wiedergefunden. Ihren Mann hätte ich teilweise echt umklatschen können, so viel Wut hatte ich beim Hören.
Miryam ist eine junge Mutter, die Schwierigkeiten mit der Mutterrolle hat. Auch ihre Beziehung zu Robert gestaltet sich schwierig. In Rückblenden erfährt man, dass Miryam eine schwierige Kindheit mit einem gewalttätigen Vater und einer Mutter, die die Kinder nicht wirklich schützen konnte, hatte. Ich persönlich stehe dem Buch etwas ambivalent gegenüber. Einiges fand ich sehr gelungen, etwa die Beschreibungen, wie sehr sich Miryam mit dem Muttersein schwertut und wie sie gesellschaftliche Idealvorstellungen vom Muttersein beeinflussen. Anderes hat mir (rein subjektiv) nicht gefallen. Das Ende fand ich irgendwie zu versöhnlich, und dass Miryam gleich zur Kindheitsaufarbeitungsinfluencerin wird, war irgendwie auch nicht so meins (und auch wenn es ein kleines Detail ist, aber die Sprachfähigkeiten ihrer Tochter fand ich selbst angesichts der Erwähnung, dass sie schlau sei und für ihr Alter sehr gut sprechen können, etwas too much). Insgesamt ein gutes Buch, ein halber Punkt Abzug von der Bestnote nur wegen meiner subjektiven Schwierigkeiten mit manchen Aspekten und Passagen.
Werden tut weh.
Das war das beste Buch, was ich dieses Jahr gelesen habe und ich konnte es nicht aus der Hand legen! Es war so fesselnd und nahbar geschrieben. Ich konnte Miryam sehr gut verstehen! Das Buch regt definitiv zum Nachdenken an und leistet einen tollen Beitrag zum Feminismus, Mensch-sein, Eltern-Kind-Beziehungen und vieles mehr! Spannend fand ich, dass hauptsächlich von „das Baby“ oder „das Kind“ gesprochen wurde.
Brett an Debütroman
Tag in Slots einteilen, immer das Gefühl zu haben von Menschen gejudge zu werden, sich nicht gesehn fühle, aber eig ist alles okay. Denn eig solltest du dankbar sein, anderen Leuten geht es viel schlechter. Dein Freund kümmert sich ums Baby, was willst du eig mehr. Miryam du hast mich gepackt. Wie du über dein Leben erzählst so gottlos ehrlich und verwunderlich. Hast mich mit in den sog gezogen, teils eig viel zu viel, sodass ich ne Pause hätte gebrauchen können, aber dann hätte ich ja nicht gewusst wie es weiter geht, wie du dich fühlst und was du machst. So lies ich deine Geschichte, in quasi, einen rutsch durch. Nicht mal 24st später war ich verfertigt. Keine Slots, kein Schlumpfeis, kein Moscota von Lidel, kein Robert oder Martha (darüber bin ich wirklich froh, denn den beiden möchte ich echt die Meinung mal sagen). Nur leider auch keine Miryam mehr, die versucht ihre Kindheit hinter sich zu lassen und eine gute Mutter für ihr Kind zu sein, was auch immer das bedeutet. Ach Miryam, zu gerne würde ich mit dir in die Drogerie gehen. Jedes Regal durchstöbern und dir sagen, wie unfassbar stolz und mutig ich dich finde. Dir Kraft geben, den Babywagen abnehmen und schieben, damit du kurz das Gefühl hast nicht alle Augen auf dich zu spüren. Du lässt mich nicht los, brichst Kreise auf und findest Wege für dich die funktionieren. Aber bei Gotte, falls du mal willst, dass Leute in deinem Umfeld ne Klatschen verdienen haben *HUST* Rober or Martha or Daniz *HUST* Gib Bescheid! Um 12 aufem Bolzplatz ohne Zuschauer*innen. Jaja, ich weiß Gewalt keine Lösung. Aber DIGGA ihr habt keine Ahnung, was bei den falsch ist🤬 Oh boy, über den Vater müssen wa übrigens gar nicht reden. Mit Geld kannst du auch keine Person darzubringen, dass sie dir verzeiht oder liebt 🤷🏼♀️ Ps: Brett, Yasmin Polat hat mehr als nur n büschen mit ihrem Debütroman überzeugt! Nur liest bitte auf jeden Fall die TW durch und Therapie absolut IMMER ne fucking gute Idee! 4,75/5⭐️
☽ ℑ𝔪 𝔓𝔯𝔦𝔫𝔷𝔦𝔭 𝔦𝔰𝔱 𝔞𝔩𝔩𝔢𝔰 𝔬𝔨𝔞𝔶 ☾ 𝑺𝒕𝒂𝒓𝒔: 5+ / 5 🅠🅤🅞🅣🅔🅢: „[…] ich könnte Papa verzeihen, […] und endlich eine Familie werden. […] Und er hat ja nicht nur schlechte Seiten. Er hat sogar echt viele gute Eigenschaften: Er ist zum Beispiel großzügig. Er hat mir eine Wohnung besorgt und mir geholfen, von meinem schlimmen Exfreund freizukommen. Er will mich eigentlich immer vor allem Übel beschützen (bis auf vor sich selbst). […]“ „Robert sei doch auch nur fertig gewesen, weil ich es ihm mit meinen Launen, meiner Depression so schwer gemacht habe. Sein „Handeln“ sei nur ein Hilfeschrei gewesen, den ich hätte erhören müssen. Es gehe so vielen Frauen auf der Welt so viel schlechter als mir.“ „Ich würde Robert in diesen Momenten so gern so richtig eine aufs Maul geben. Und dass ich das gern tun würde, macht mir Angst. […] Mein gesamter Zustand beschämt mich.“ „Und Robert ist gut im Lügen. Jeder andere Mensch würde ihm glauben. Aber ich habe nicht nur Traumata, sondern auch Skills aus meiner Kindheit mitgenommen.“ "So schlecht er auch mit mir umging - ein Teil von mir war überzeugt, ihn zu brauchen. Es gab eine Art Sicherheit in seiner Gewalt für mich, die ich mir nicht erklären konnte." "Ich glaube nicht, dass ich dramatisch, zu sensibel bin oder sonst eine dieser Eigenschaften habe." ___ Ich möchte gar nicht zu viele Worte verlieren. Ich glaube die Zitate aus dem Buch sprechen für sich. Für mich ein absolutes 𝙻𝚎𝚋𝚎𝚗𝚜𝚕𝚎𝚜𝚎𝚑𝚒𝚐𝚑𝚕𝚒𝚐𝚑𝚝. Noch nie habe ich mich so sehr in einer Geschichte wiedererkannt. Ich war fast schon schockiert darüber, wie viele Parallelen es zu meinem eigenen Leben gibt. Ein sehr emotionaler Roman, der das leben einer jungen, depressiven und traumatisierten Mutter sehr eindrücklich vermittelt. ❤️🩹 Ein sehr starkes Debüt welches keine leichte Kost beinhaltet. Getreu dem Motto: 𝓓𝓪𝓼 𝓫𝓮𝓼𝓽𝓮 𝓾𝓷𝓭 𝓰𝓵𝓮𝓲𝓬𝓱𝔃𝓮𝓲𝓽𝓲𝓰 𝓭𝓪𝓼 𝓼𝓬𝓱𝓵𝓲𝓶𝓶𝓼𝓽𝓮 𝓑𝓾𝓬𝓱 𝔀𝓪𝓼 𝓲𝓬𝓱 𝓳𝓮 𝓰𝓮𝓵𝓮𝓼𝓮𝓷 𝓱𝓪𝓫𝓮. ___

Das Buch war wortwörtlich "Im Prinzip ganz okay"
Der schreibstil war gut, jedoch ging das Lesen nicht so schnell voran. Irgendwie war es etwas langatmig. Ich empfand es als sehr schwer, die Geschichte zu lesen, da die Thematik eher bedrückend war. Es war alles sehr negativ und sollte das natürlich auch darstellen. Ich fand es aber alles ein wenig too much und irgendwann waren für mich alle Personen und Einstellungen total nervig. Erst die letzten 50 Seiten empfand ich im Buch als eher interessant und emotional. Das Ende war eigentlich ganz gut bis auf den letzten Satz, weil es am ende doch eher offen gehalten wurde. Ich hätte mir einen richtigen Abschluss gewünscht, der auch anderen Personen, die in derselben Lage sind, deutlich machen, wie man sein Leben positiv und langfristig verändern kann. Man kanns mal lesen, aber hab mir das irgendwie ein wenig anders vorgestellt.
Im Fokus steht Myriam, die nicht nur mit einer postpartalen Depression und den Dämonen ihrer Kindheit zu kämpfen hat. Stets unter Druck, die perfekte Mutter zu sein, mit der perfekten kleinen Familie, zerbröckelt die Fassade. Das Buch erzählt Myriams Geschichte von Kindesalter an. Dabei leidet die ganze Familie unter ihrem gewalttätigen Vater. Kann sich Myriam von den Schrecken der Vergangenheit losreißen und sich von dem lösen, was ihr nicht gut tut? Mitreißend, pointiert und absolut schonungslos nimmt Yasmin Polat uns auf eine Reise. Das Buch hat mich sehr berührt. Ich kann kaum glauben, dass dies ein Debüt ist. Die Autorin hat für mich einen perfekten Roman erschaffen, den jeder lesen sollte. 💜

Heulen, schreien, um mich schlagen
„Im Prinzip ist alles okay“ hat mich so umgehauen: der Schreibstil, die Themen, der Umgang, die Geschichte. Einfach alles. Ich liebe, liebe, liebe den Schreibstil der Autorin und wie sie mit solch wichtigen Themen in ihrem Roman (schonungslos) umgeht! Ich habe es hin und wieder so sehr gefühlt, ich wollte am liebsten selber direkt los heulen. Klare Empfehlung!!!
Der Debütroman von Yasmin Polat berührt.
Der Debütroman “Im Prinzip ist alles okay” von Yasmin Polat überzeugt in vollem Umfang. “Vertrauen ist die Basis für alles im Leben. Und das Gute ist: Vertrauen kann man trainieren, wie einen Muskel.” Miryam Topal ist dreißig Jahre alt, voller Selbstzweifel, leidet an postnatalen Depressionen und ist Mutter der kleinen Kaya. Sie hat unglaublichen Druck, eine perfekte Mutter zu sein, kommt Miryam doch selbst aus einer gewalttätigen Familie. Und in den sozialen Medien gibt es nur perfekte Mütter mit perfekten Kindern. Auch Miryam wirkt annähernd perfekt, mit Bildbearbeitung und Make-up Tricks ist vieles möglich. Miryam hat ein unglaubliches Bedürfnis nach Bestätigung. Sei es bei der Zubereitung eines Salats zur Selbstliebehochzeit ihrer Freundin oder durch die Wahrnehmung von Männern auf der Straße. Und doch fühlt sie sich wie „ein menschlicher Laternenpfahl“, dem man auf dem Gehweg ausweichen muss, jedoch keine Beachtung schenkt. Die Autorin schreibt in der Ich-Form über die schrecklichen Kindheitsszenarien in der Familie Topal. Die häusliche Gewalt prägt Miryam und ihren kleinen Bruder Deniz. Jedoch versucht jeder auf seine Weise dieses gewalt- und angstvolle Traumata zu verarbeiten. Miryam versucht mit psychologischer Hilfe ihren Eltern zu verzeihen und wartet darauf, dass sie sich alle in den Armen liegen und endlich eine Familie werden können. Ihr Psychologe meint, dass man nicht immer verzeihen muss, um zu heilen. Miryam ist hier ausnahmsweise nicht seiner Meinung. Seit der Geburt ihrer Tochter hat ihr Partner Robert seinen Drogenkonsum eingestellt, hofft sie und doch ist Robert ein Lügner. Solange sie seine Lügen erträgt, weiß er, dass sie ihn liebt. Dies ist keine Basis für Miryam, die bereits das Vertrauen in die Menschen verloren hat. Ihre Beziehung geht in die Brüche, wo doch Miryam versucht alles besser und anders zu machen als ihre Eltern. Liegt es wirklich nur an ihrer verkorksten Art? Oder lügt Robert wieder? Alles entgleitet Miryam und auch ihr kleiner Bruder entwickelt sich in eine Richtung, der sie nicht folgen kann. Seine Worte “Einmal die Vergangenheit hinter dir lassen, dann läuft es sich leichter auf dem vernünftigen Weg” passen zum Dalai Lama aber nicht zu ihrem kleinen Bruder Deniz. Was passiert mit ihm? Angst vor der Mutterschaft und vor allem, mit ihrer Tochter alleine zu sein begleiten Miryam. Sie weiß nichts mit dem Baby anzufangen und sitzt dissoziiert neben dem Kind. So benimmt sich doch keine gute Mutter. Ihr Alltag ist grauenvoll und doch versucht sie täglich mit ihrem Leben klarzukommen. Die Autorin zeichnet die Gefühlslage der jungen, traumatisierten Mutter unglaublich intensiv. Der einfache Schreibstil spricht mich als Leser an, ebenso die Höhen und Tiefen der Protagonisten. Die Hauptprotagonistin versucht, sich aus alten Mustern zu befreien, ihre familiäre Beziehung zu kitten funktioniert leider nicht, auflösen jedoch genau so wenig. Aufarbeitung und Annäherung stellen sich trotz ihrer Bemühungen nicht ein. Miryam kann nicht mehr in diesem Alltag leben, sie braucht Selbstliebe und vor allem Raum für sich. Die Autorin wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, bis zuletzt die Erzählstränge zusammengefügt werden. Die Hoffnung, Selbstzweifel und die Misserfolge der Protagonistin berühren. “Alles ist Gewöhnungssache, auch das Glück”. Eine Leseempfehlung für diesen Debütroman.
Emotional, schonungslos und wahnsinnig wichtig
"Werden tut weh" Zeigt eindrucksvoll wie sich dysfunktionale Familiendynamiken über Generationen wiederholen und wie man sich daraus entwickeln kann. Der Schreibstil ist an manchen Stellen etwas holprig, oft eher umgangssprachlich - und gerade das hat es mir als Leserin sehr leicht gemacht die Perspektive der Ich-Erzählerin nachvollziehen zu können. Mir ging das Buch persönlich sehr nah und es trifft mich bei vielen Themen, vor allem die Aspekte zur Mutterschaft betreffend, auf ungewohnt ungefilterte Weise. Und ehrlich - ich vermute allerspätestens in dieser Lebensphase kämpfen fast alle Frauen auf die eine oder andere Art mit eigenen und fremden Erwartungshaltungen und auch mit den Strukturen der eigenen Herkunftsfamilie - meiner Erfahrung nach ist der Austausch darüber allerdings gar nicht so gewöhnlich, wie es wichtig wäre, um eben dies zu normalisieren. In diesem Buch geht es jedoch auch um sehr viele Dinge, die keinesfalls normalisiert werden sollten, aber dennoch als Thema unbedingt enttabuiisiert gehören.
[CN: Depression, physische + psychische Gewalt]
»So schlecht er auch mit mir umging - ein Teil von mir war überzeugt, ihn zu brauche. Es gab eine Art Sicherheit in seiner Gewalt für mich, die ich mir nicht erklären konnte.« (S.39) 💔 Miryam ist dreißig Jahre alt, Mutter einer kleinen Tochter und hat Depressionen. Diese hat sie nicht ernst seit der Geburt ihres Babys, wie im Verlaufe des Buches deutlich wird, aber werden dadurch erneut präsenter. Schnell wird deutlich, dass Miryam und ihr jüngerer Bruder Deniz in einem von Gewalt geprägten Elternhaus aufgewachsen sind und die Gewalt auch ihre eigenen Beziehungen prägte. Lange war sie in Therapie, um die familiär-erlernten destruktiven Muster und ihre Depression zu bearbeiten. Jetzt als Mutter will sie vor allem eins: Es besser machen als ihre Eltern. Doch in ihrer aktuellen Lage - isoliert durch Kontaktabbrüche von ihr wichtigen Menschen sowie beeinflusst durch die perfekte Instagram-Sicht von Momfluencern - redet sie sich ein, dass nicht einmal ihr Kind sie mögen würde und deswegen den Vater immer bevorzugen würde. Durch den achronistischen Schreibstil setzt sich das Gesamtbild der Protagonistin mit jedem Kapitel wie bei einem Puzzle mehr und mehr zusammen, und es wird deutlich, warum das Leben für Miryam alles andere als OKAY ist. Zum Ende des Buches laufen die zeitlichen Abstände zwischen den Kapiteln immer stärker zusammen, so dass Lesende am Ende im ‚Jetzt‘ mit Miryam angekommen sind. Der Autorin gelingt es hervorragend, Miryam’s unangenehmen Gefühle zu transportieren. Ich habe mich beim Lesen sehr unwohl gefühlt und jedes Mal, wenn der jungen Frau Undankbarkeit vorgeworfen worden ist, sie aufgefordert wird die Vergangenheit einfach sein zu lassen oder das Patriachariat personifiziert durch ihren Partner, Eltern und Bruder (»Ich glaube nicht, dass ich dramatisch, zu sensibel bin oder sonst eine dieser Eigenschaften habe […]« (S.258) ) ihr einen weiteren Stoß versetzen, hätte ich sie am liebsten umarmt und ihr klargemacht, dass sie das nicht verdient hat. Dass sie sich - für mich als Lesende - zu wenig zur Wehr setzt ist als Ausdruck der Krankheit aber auch der weiblichen Sozialisation sehr gut geschrieben. Es tut nahezu weh, zu lesen, wie sehr Miryam struggelt. 💔 Ihr Scheitern fühlt sich so viel schlimmer an, weil man weiß, wie sehr sie es besser machen wollte In ihren Debütroman »Im Prinzip ist alles okay« schreibt die Journalistin und Autorin Yasmin Polat über die Emanzipation einer jungen Mutter 💜, Gewalterfahrung innerhalb der Familie, Generationentraumata und Mutterschaft. Ein emotionaler Roman, der die Gefühlslage und Situation einer jungen, depressiven und traumatisierten Mutter sehr eindrücklich vermittelt. Ich empfehle ihnen allen Personen, die sich mit Mutterschaft, Generationsttraumata und Selbstbestimmung aus einer dieser Perspektive auseinander setzen möchten und können. 💜
![[CN: Depression, physische + psychische Gewalt]](https://social-cdn.read-o.com/images/1695975642413-55.jpg)
Der Titel beschreibt die Gesellschaft so gut
„Im Prinzip ist alles okay“ war für mich am Anfang etwas schwer reinzukommen. Der Stil, die Struktur, die Stimmung, es hat ein bisschen gedauert, bis ich wirklich drin war. Aber sobald der Knoten geplatzt ist, hat mir das Buch richtig gut gefallen. Die Thematik ist unglaublich wichtig, und die Art, wie Traumata, innere Verletzungen und das Weiterfunktionieren im Alltag erzählt werden, hat mich sehr berührt. Es ist leise, aber eindringlich. Und es zeigt, wie viel man mit sich herumtragen kann, ohne dass jemand es wirklich sieht. Auch der Bezug zu sozial Media und der Druck der durch diese entsteht, finde ich sehr gut! Der Titel passt perfekt: Man sagt ständig „Im Prinzip ist alles okay“, obwohl es das oft nicht ist – und genau dieses Spannungsfeld fängt das Buch so ehrlich ein. Insgesamt ein wichtiges, sensibles Buch, das bleibt.

Das Debüt ist nichts für schwache Nerven. Die Rückblenden zeigen die tief verwurzelten Ursachen der Depression real auf und sind inhaltlich lesenswert. Die Gegenwartsebene empfand ich als anstrengend. Auch sprachlich hatte ich große Probleme. Vorallem eine Passage sehe ich fachlich äußerst kritisch. Die Protagonistin ist unglaublich nervig, zeigt aber, wie stark depressive Menschen mit ihren ewigen Selbstzweifeln ihr soziales Umfeld belasten.
TW: häusliche Gewalt, Depression Miryam ist dreißig Jahre alt und frisch gebackene Mutter. Ihr Leben mit Baby und Partner könnte perfekt sein. So wie es von all den Mami-Bloggerinnen präsentiert wird, welchen sie auf Social Media folgt. Doch die Realität sieht anders aus. Muttersein ist gar nicht so einfach. Und in der Beziehung läuft es aktuell auch nicht rosig. Immer mehr keimen alte Erinnerungen aus ihrer Kindheit auf, welche sie nur noch mehr zurückwerfen lässt und ein schwarzes Loch zieht — dabei wollte sie genau das verhindern. Sie möchte ihrer Tochter eine bessere Kindheit schenken. Was für ein unglaublich starkes Debüt! Ich habe noch ungefähr neunzig Seiten zu lesen, aber ich bin absolut (positiv) sprachlos. Die Erzählweise von Frau Polat ist schonungslos ehrlich, dennoch schafft sie es, in den passenden Situationen für einen Lacher zu sorgen. Sollte man „Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwick| @the_zuckergoscherl mit Begeisterung gelesen haben, dann wird dieses Buch auch definitiv passend sein.
Mir hat das Buch und der Umgang mit der Thematik "häusliche Gewalt, insbesondere in der Kindheit" sehr gut gefallen. Auch, wenn ich solche Dinge nicht erlebt habe, waren Miryams Reaktionen und Gedanken vollkommen nachvollziehbar. Auch die Selbstzweifel, die sie dann hat, als sie Mutter geworden ist. Ich denke, auch Frauen ohne so eine Vergangenheit können sich damit identifizieren. Der Prozess der Heilung und des Loslassens ist sehr schwer, aber in kleinen Schritten möglich. Auch das wird hier aufgezeigt und ist sicherlich hilfreich für Betroffene. Lediglich die Jugendsprache, gerade in dem Alter der Protagonistin, fand ich ein wenig überzogen.
Myriam ist 30. Sie ist gerade Mutter geworden, liebt ihr Kind über alles, lebt mit ihrem Freund zusammen, der ein liebe- und verantwortungsvoller Vater ist und sollte eigentlich rundum glücklich sein. Zumindest redet sie sich das ein. Im Prinzip ist ja alles ok… die Realität allerdings ist eine Andere: sie leidet an postnataler Depression, fühlt sich von allem überfordert und als schlechte Mutter. Sie hat Angst mit ihrem Kind allein zu sein, denk sogar, dass ihr Kind sie gar nicht leiden kann, weiß nicht, wie sie die Tage füllen soll, rutscht mehr und mehr in die Isolation ab und ihre Vergangenheit holt sie immer wieder ein. Aufgewachsen mit zwei narzisstisch anmutenden Elternteilen, fällt es ihr nicht leicht ihren eigenen Wert zu sehen. Sie hat starke Selbstzweifel, möchte jedem gefallen, geht damit stark über ihre Grenzen (die sie wahrscheinlich selbst gar nicht so recht benennen kann). Die Beziehung der Eltern war geprägt von Gewalt, Myriam selbst hat davon zwar nichts (körperliches) abbekommen, dennoch aber feine Sensoren entwickelt. Auch ihre Beziehungen zu Männern sind überaus toxisch. Ihr erster Freund schlägt sie, ist permanent eifersüchtig und kontrollierend. Ihr jetziger Freund trägt selbst viele unbewusste Narben aus der Kindheit mit sich herum, was immer wieder großes Eskalationspotential bietet. - „Im Prinzip ist alles ok“ ist ein Debüt… und was für eins. Es hat mich nachhaltig beeindruckt, wie die Autorin hier verschiedene Lebenswege erfasst und vor allem wie tief sie gerade bei Myriam dabei geht. Schon der Titel hat bei mir für Aufmerksamkeit gesorgt, denn ich finde damit ist alles gesagt. Was bedeutet es „ok“ zu sein? Und was bedeutet in diesem Zusammenhang „im Prinzip“? Solch eine Formulierung sagt so viel über das Gegenüber aus: am Ende das genaue Gegenteil. Es ist ein Zustand in dem man gerade so funktioniert, manchmal besser, manchmal schlechter, aber eben nie darüber hinaus. Es hat nichts mit leben zu tun, ist auf das Nötigste beschränkt und fühlt sich besch… an. Am Beispiel von Myriam wird sehr deutlich bewusst, was es für ein Kind und die spätere Erwachsene bedeutet, Gewalt ausgesetzt zu sein, sich nicht gesehen zu fühlen, die eigene Wahrnehmung angezweifelt zu bekommen. Auch fehlende Unterstützung ist ein Problem. Trotz vorheriger Therapie und Abspaltung von der Familie, wird ihr immer wieder suggeriert nicht gut genug zu sein, undankbar zu sein, zu emotional zu sein… was dazu führt, dass sie in alte Muster zurück fällt. Sie will eine heile Familie, wobei sich dieser Wunsch sowohl auf die derzeitige, als auch auf die Herkunftsfamilie bezieht. Dies ist utopisch, zumindest wenn man die Schuld nur bei sich selbst sucht. Es ist schwer einzusehen, dass man andere Menschen nicht ändern kann und es fühlt sich erstmal egoistisch an, auf sich selbst zu schauen, aber manchmal ist das der einzige Weg sich zu retten. Auch die Frage, was seine gute Mutter ausmacht, ob Liebe bedingungslos und auf Knopfdruck funktioniert, steht im Raum. Darf eine Mutter überfordert und traurig sein? Darf eine Mutter sich um sich selbst kümmern? Darf eine Mutter Angst vor ihrem Kind haben? In Myriams Fall wird schnell klar, wie schädlich das allseits akzeptierte und propagierte Bild einer Mutter ist. Denn dies schürt Druck, vermehrt Selbstzweifel und ist nun mal auch schlichtweg falsch. Jede Mutter weiß, dass Babys und Kleinkinder anstrengend sein können, das man an seine Grenzen stößt, manchmal auch einfach nur am Boden ist, weil man nicht weiter weiß und es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dies auch auszusprechen. Yasmin Polat verarbeitet hier so viele wichtige Themen, angefangen mit einem realistischen Blick auf Mutterschaft und postnatale Depression. Themen die gern tabuisiert werden… auch toxische Familiengebilde werden analysiert, Grenzen und Bedürfnisse ausgelotet. Es wird nicht beschönigt, dafür ist dieser Roman auch nicht gedacht. Es ist kein Wohlfühlbuch, es tut teilweise weh es zu lesen und trotzdem ist es eine sehr große Empfehlung von mir. Ich finde wichtig, dass darüber geschrieben und gesprochen wird, einige werden sich sicher wiederfinden und damit vielleicht auch ein bisschen verstanden fühlen, anderen hilft es vielleicht das Gegenüber besser zu verstehen, wieder anderen wird klar, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.
Ein Buch über eine junge Mutter, die komplett an den Anforderungen des Mutterseins zerschellt. Myriam steht in Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis, eine gute Mutter zu sein und auf gar keinen Fall die Fehler ihrer Eltern zu wiederholen, den Erwartungen der Mitmenschen, wie eine gute Mutter zu sein hat und ihren eigenen Traumata aus vergangenen Beziehungen und Kindheit. Unter diesem Druck kann sie nicht bestehen und driftet in eine Postnatale Depression ab. Myriam kann sich nicht mehr um ihr Kind kümmern. Sie ist als Mutter gescheitert. Ihr Umfeld redet ihr das ein und sie denkt das auch. So wie Myriam geht es wahrscheinlich vielen Müttern, eine stumme Dunkelziffer von Frauen, die aus Angst verurteilt zu werden nicht darüber sprechen. Genau deshalb ist dieses Buch unglaublich wichtig. Es zeigt, dass Mutterschaft sehr von toxischen Vorstellungen und Konventionen zerfressen ist. Eine "perfekte Mutter" in den Augen der Gesellschaft zu sein ist schlichtweg unmöglich. Man verliert sich damit selbst und vor allem die Kinder. Keine Elternschaft ist gleich. Für manche Eltern ist es vielleicht einfacher, getrennt zu leben. Manche erziehen ihr Kind komplett allein. Nur wenn man selbst gesund und glücklich ist, hat man eine Chance, eine gute Mutter/Vater zu sein.
Im Prinzip ein unterhaltsames Buch, das einen guten Einblick in die Psyche der Protagonistin, ihre schwierige Kindheit und ihre Probleme im Erwachsenenalter als Frau und Mutter liefert. Sprachlich hat es mich nicht ganz überzeugt. Außerdem waren manche Szenen und Dialoge für meinen Geschmack zu übertrieben und wirkten konstruiert.
Schonungslos, sprachgewaltig
Anhand des Klappentextes habe ich die verschiedenen, sehr tiefgehenden Themen gar nicht erwartet und war froh, es nicht während des Wochenbetts gelesen zu haben. Der Inhalt ist wirklich harte Kost, der Schreibstil war anfangs gewöhnungsbedürftig, da wirklich so schonungslos, auch der Protagonistin selbst gegenüber. Bin dann doch schnell reingekommen und konnte das Buch nur noch schwer aus der Hand legen. Auch im Nachgang hat es mich noch lange beschäftigt.
Intensiv
Es tut einem innerlich weh das Buch zu lesen. Die Gedanken der Protagonistin sind sehr hart gegenüber sich selbst und die Personen in Ihrem Leben (außer einer Ausnahme), scheinen wenig Empathie für sie zu haben. Ich finde die Dynamiken zwischen den Personen sehr eindrücklich beschrieben. Teilweise hat man die Situationen lebhaft vor Augen. Man fiebert mit bis zur letzten Seite, ob wohl im Prinzip noch alles okay wird :)
Miryam hat in ihrem Leben schon viel durchgemacht. Doch auch als frischgebackene Mutter ist es schwer für sie, ihr Glück zu finden. Im Roman werden, aus der Perspektive der Protagonistin, verschiedene Momente ihres verkorksten Lebens aufgegriffen. Wir erfahren, wie sie von einem schwierigen Elternhaus in die nächste toxische Beziehung torkelt und schließlich bei dem Vater ihres Kindes landet. Wenn man den so reden hört, kann man auch hier nicht auf ein respekt- oder gar liebevolles Miteinander schließen: „Nur weil dein Vater scheiße war, nervst du jetzt alle. Geh mal lieber in die Wanne, Miryam, du musst mal deine Psychosen einweichen und uns hier in Ruhe frühstücken lassen.“ Ich habe mich von der anfänglichen Eloquenz der Ich-Erzählerin einwickeln lassen und war schnell von den niveaulosen Dialogen genervt. Sie wird beispielsweise als „Du Opfer“ angesprochen und lässt das ohne weitere Gedanken oder Reaktionen so stehen. Es wird klar, dass sie es im Leben schwerhatte, und ich verstehe, dass sie daran zu knabbern hat. Doch, wie dies vermittelt wird, ist übertrieben (alle Menschen sind fies zu ihr, sogar die Chefin, die gar nichts zur Sache tut) oder realitätsfern (selbst ein Psychologe verurteilt sie beim ersten Gespräch). „Im Prinzip ist alles okay“, aber ein Lesegenuss wollte sich bei mir nicht einstellen.
miriyam erlebt in ihrer kindheit häusliche gewalt. der vater wird regelmäßig gegenüber ihrer mutter handgreiflich. und die kleine miriyam denkt, sie ist daran schuld. viele jahre später ist sie mutter einer kleinen tochter und steckt in einer tiefen depression. doch das zu erkennen ist gar nicht so leicht. schon gar nicht, wenn das umfeld nicht wie gewünscht reagiert. und so handelt das buch von der inneren verzweiflung der protagonistin, die versucht auszubrechen, alles besser zu machen und sich einzureden, dass im prinzip alles okay ist. mich hat das buch sehr berührt. es hat beim lesen geschmerzt, weil es einen nerv in mir getroffen hat. ich konnte so gut mit ihr mitfühlen, auch ohne, ihre erfahrungen zu teilen. es hat mein herz zuschnüren lassen und ich musste einige lesepausen einlegen & gleichzeitig wollte ich wissen wie es weitergeht. ❤️🩹 die sprache, der schreibstil und die kunst, das buch so lebendig und echt wirken zu lassen, machen yasmin polats debüt einzigartig. großartig einzigartig.
Im Prinzip ists ganz okay.
📌 "Ich wollte immer eine Familie, in der ich es besser mache als meine Eltern. Warum also weine ich seit Monaten?" (S. 98) Miryam leidet an postnataler Depression und versucht Tag für Tag ihr neues Leben als Mutter zu bewältigen. Die Tage hat sie dazu in drei Zeitslots eingeteilt, durch die sie sich hangelt und an denen sie sich orientiert. Erfüllter Kinderwunsch oder ungeplante Schwangerschaft hin oder her, das Leben als junge Mutter ist nun mal nicht nur eitel Sonnenschein und Glückseligkeit, sondern auch purer Streß und Verlust der eigenen Identität - und Figur. Darüber hat Yasmin Polat schonungslos ehrlich diesen Roman geschrieben. Und über eine traumatische Kindheit, die Erinnerungen an diese und über gescheiterte und toxische (Liebes-)Beziehungen und Freundschaften, sowie familiäre Brüche. Die Themen sind sowohl ernst als auch wichtig und trotzdem fehlt es der Story nicht an (teilweise makaberen) Witz (das mag ich ja) und man fliegt nur so durch die Seiten. Ich habe mich lange Zeit sehr auf dieses Buch gefreut und konnte mich dann beim lesen teilweise gut in die Lage der frisch gebackenen Mutter versetzen, auch wenn ich mittlerweile in einem anderen Lebensabschnitt angekommen bin. Miryam war definitiv eine authentische Protagonistin, die auf der Suche nach ihrem persönlichen (Familien-)Glück schwer an ihrem Vergangenheitspäckchen zu tragen hat. Es gab jedoch auch Dinge, die mich immens gestört haben. A) Die Entwicklung des Kindes im Buch passt definitiv nicht zu den Altersangaben. B) diese (nervigen) englischen Begriffe andauernd. Reden jüngere Leute heute wirklich so? Ich hoffe nicht. Davon abgesehen habe ich es aber sehr gerne gelesen.





















































