Sieben Sekunden Luft

Sieben Sekunden Luft

Hardback
3.846

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Die Komplexität des Menschseins Wie existieren in einem System, das ein Durchatmen beinahe unmöglich macht? Wie jeden Morgen sitzt Selah auf der Veranda und wartet in die Stille hinein. Drei Monate sind vergangen, seit Selah sich krankgemeldet hat, um zu verschwinden. Doch die gewünschte Einsamkeit wird unerwartet zur Triebfeder für Vergangenes und Verdrängtes: Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, ist Selahs Beziehung zur Mutter von Erwartungsdruck, Schweigen und Scham geprägt – sie begleiten Selah bis ins Erwachsenenalter hinein. Als die Mutter im Sterben liegt und Selah längst ein Leben mit der eigenen Familie führt, werden die noch immer klaffenden Wunden offenbar. Da sind ungewollte Erlebnisse und Entscheidungen, die wie Phantome an der Haut kleben. Eine Bringschuld, auch wenn Selah gar nicht weiß, wem gegenüber eigentlich. Und Glaubenssätze, die so tief verankert sind, dass deren Abschütteln Lebensaufgabe ist. Ein polyphoner Roman von der Suche nach der eigenen Geschichte Wie verhält man sich, wenn das ganze Universum versucht, einem die Existenz abzusprechen? Wenn man erst lernen muss, mit sich selbst umzugehen, aber auch mit allem Geschehenen, den eigenen Erinnerungen, denen man fast nicht trauen kann. Und das unter den gesellschaftlichen Bedingungen von Misogynie, Heteronormativität, Queerfeindlichkeit, von sozialem und finanziellem Druck? Luca Mael Milsch schreibt von Fragilität, die zur Stärke wird, von einer Welt voller Ambivalenzen, von der Sehnsucht nach einer selbstbestimmten Verortung in einer starren Struktur. Und darüber, was von uns übrigbleibt, wenn alles andere verschwindet.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Miscellaneous
Format
Hardback
Pages
264
Price
22.90 €

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
78%
N/A
N/A
N/A
N/A
N/A
N/A
61%
4%
67%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
49%
73%
58%
39%

Pace

Fast0%
Slow0%
Moderate0%
Variable100%

Writing Style

Simple100%
Complex0%
Moderate0%
Poetisch (100%)

Posts

12
All
4

Vor allem geht es um eine Mutter-Kind-Beziehung, die auf verschiedenen Zeitebenen beschrieben wird: Selah als Kind in den 90ern, auf ihr lastet der Erwartungsdruck ihrer Mutter, gleichzeitig findet sie oft keine Möglichkeit ihre Sorgen mitzuteilen und sie fühlt sich nicht verstanden, nicht gesehen. Selah 2006 im Studium, konfliktreiche Begegnungen mit ihrer Mutter, auch mit ihrem Umfeld, sie versteht sich nicht und fühlt sich nicht verstanden. 2017, Selah nimmt eine Auszeit aus ihrem Job, sie kann nicht mehr. Eine Mischung aus weglaufen und dem Versuch, zu sich zu finden. 2023. Inzwischen ist sie in einer anderen Stadt, Beziehung, Therapie, begegnet ihrer Mutter im Hospiz und einiges wurde immer noch nicht ausgesprochen, aber manches hat sie verstanden. Die verschiedenen Zeitebenen werden parallel eingeführt und vor allem im aktuellsten Handlungsstrang war mir nicht immer direkt klar, was gerade los ist. Mich erinnert das Buch vor allem daran, meinem Kind zuzuhören und aufmerksam zu sein, wenn sie etwas bewegt, und außerdem Themen mit meiner Mutter zu klären, bevor es irgendwann zu spät ist.

4

Sieben Sekunden Luft ist für mich ein Buch vom Suchen nach sich selbst und dem damit verbunden Chaos im Innern. Ich bin gut in die Geschichte reingekommen und befinde mich gleich mit Selah am Meer, um Ruhe zu finden. Zeit ohne Aufgaben, ohne Verpflichtungen. Aber ich spüre auch eine schwere, melancholische und bedrückende Stimmung. „Noch immer hofft sie, dass in der Einsamkeit etwas liegt, das ihr irgendwie offenbart, was kommen wird. Dafür ist sie hergekommen, dafür macht sie ihre Rücken- und Entspannungsübungen, dafür verzichtet sie derzeit auf Alkohol, wie jämmerlich würde es auch aussehen, alleine zu trinken, dafür hält sie die Ruhe aus, schafft es sogar an den meisten Tagen, sich eine warme Mahlzeit zu kochen und lediglich eine einzige Tasse Kaffee zu trinken.“ (S.19) Gleich darauf werd ich in die Kindheit geworfen. Ich bekomme mit, wie Selahs Kindheit geprägt ist von Anforderungen und Erwartungen der alleinerziehenden Mutter, die sich ihre Tochter als berühmte Klavierspielerin wünscht und es schafft allein mit ihren Blicken Selah zu kontrollieren. „Oder würde sie dich einfach nur angucken mit ihrem Blick, dieser Blick, der nur für dich reserviert ist und den auch nur du lesen und verstehen kannst“ (S. 150) Und dann lerne ich Selah zur WG Zeit als junge Erwachsene kennen. Studium abgebrochen, ziemlich verloren, wütend und lebt ihr Leben sehr exzessiv. Im ersten Abschnitt des Buches lerne ich auf drei Zeitebenen Selah immer näher kennen. Sehr intensiv, voller Emotionen und absolut konfus. Ich komme ihr so nahe, habe das Gefühl mich in ihrem Kopf zu befinden. Jeder Lebensabschnitt hat seine eigene Erzählstimme mit ihrem eigenen Grundton. Durch die verschiedenen Erzählperspektiven - sie, du ich- versteh ich Selahs Verwirrung immer besser, verstehe ihre Wut und fühle die Zerrissenheit und das Verlorensein. Im zweiten Abschnitt sind wir im Heute und mit Selah wieder beim „Ich“. Dieser Teil hat mich am meisten berührt und bewegt. Sieben Sekunden Luft ist definitiv kein leicht zu lesendes Buch. Ich habe es mehrmals zur Seite legen müssen, Luft holen, etwas Distanz schaffen, um weiterzulesen. Der Schreibstil ist angenehm und einfach zu lesen, aber die Dichte an Gefühlen rauben einem die Luft. Mit der Kinderperspektive hatte ich ein wenig meine Schwierigkeiten und manche Erwähnungen in der Geschichte haben mich irritiert, aber im ganzen war es ein beeindruckender Roman und für mich eine intensive und bereichernde Leseerfahrung. Ich würde es jedem Empfehlen, der gerne schwierige Mutter-Kind Beziehung liest oder sich mit der Komplexität des Menschseins auseinander setzen möchte.

4.5

Eine sehr eindrückliche und außergewöhnlich geschriebene Geschichte über das Sich finden und dass, was andere Menschen in uns auslösen können. Hat mich überzeugt! Rezension folgt auf meinem Instagramaccount seelich_buchliebe

4

Im Zentrum der Handlung stehen die Beziehung der Hauptfigur Selah zu Selahs Mutter, Selahs Selbstfindung und die Aufarbeitung von Trauma auf eine Weise, bei der diese Themen oft eher unterschwellig behandelt werden und auch Aspekte wie Queerness und Klassismus aufgegriffen werden. Insbesondere die komplizierte Beziehung zu der Mutter, die Selah durch jahrelang erfahrener emotionaler Gewalt hat, fand ich sehr gut in den verschiedenen Facetten umgesetzt. Die Handlung springt zwischen verschiedenen Zeitebenen, verschiedenen Momenten in Selahs Leben, und ich fand es großartig, wie dabei unterschiedliche Erzählperspektiven eingenommen werden - mal Ich-Person, mal Du-Person - und dabei auch rüberkommt, wie sehr sich Selah gerade von sich selbst entfernt. Das verbunden mit einem einnehmenden Schreibstil sorgte dafür, dasss ich Selahs Geschichte immer weiter verfolgen wollte.

4

Ein tolles Buch über eine komplizierte Mutter-Kind-Beziehung die geprägt ist von Vernachlässigung und Leistungsdruck. Erzählt auf mehreren Zeitebenen mit passenden stilistischen Mitteln wird die Identitätssuche und das zu sich finden beschrieben. Sehr gelungene Umsetzung mit einer guten Portion Gesellschaftskritik. Im Schlussteil etwas zu langatmig, aber sehr lesenswert.

4

Tolles Buch mit kleinen Schwächen

Der Anfang hatte mich total angesprochen und ich bin gut in das Buch reingekommen. Den Stil fand ich toll und die geschilderten Erlebnisse der Protagonistin nachvollziehbar und eindrücklich. Das Buch greift deren Erfahrungen zu vier unterschiedlichen Zeiten auf, wobei der Wechsel zwischen den Zeiten für mich keinen großen Mehrwert gebracht hat. Nach dem einleitenden Kapitel hätte dear Rest auch chronologisch erzählt werden können. Insbesondere die Kindheitsebene war heftig und ich konnte gut mitfühlen. Einzig schwierig für mich war, die unterschiedlichen Zeitebenen zu einem Leben zu verbinden. Für mich war nicht ersichtlich, wie diese miteinander zusammenhängen, wie diese aufeinander aufbauen. Klar, schwierige Kindheit führt zu schwieriger Jugend führt zu schwierigem Erwachsenenleben. Aber die Zusammenhänge waren für mich nicht wirklich ersichtlich. Es hätten auch ganz unterschiedliche Personen sein können. Insbesondere das Ende hat für mich nicht zum Rest der Erzählung gepasst. Dennoch lesenswert!

4.5

Herausragend gut 👍

Dieser Roman ist wie für mich geschrieben gewesen. Ich hätte nicht gedacht, dass man so viel Ähnlichkeiten auch in anderen Mutter-Kind-Beziehungen finden kann. Die Autorin erzählt von Identitätsfindung, eine ausgesprochen intensiven Hyperviganz und wie es das Leben so schwierig macht. Auch Themen wie Aushalten, emotionaler Missbrauch und eine ungeheure Einsamkeit werden angesprochen. Die enorme Bedeutung von Details muss ich dabei im hohen Maße loben. Es ist ein Akt der Befreiung immer wieder Bücher zu lesen, die sich im Loslassen und freimachen üben. Einfach eine riesen Leseempfehlung für dieses Buch. 4,5 Sterne von mir

Herausragend gut 👍
5

Luca Mael Milsch erzählt in “Sieben Sekunden Luft” die aufwühlende Geschichte einer toxischen Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich einander nicht ausgesucht haben und doch für immer verbunden sind: Mutter und Tochter: “…egal, wie weit du weglaufen willst und wirst. Sie bleibt.” (S. 150) Gemeint ist die Mutter. Von Ex-Partner:innen kann man sich trennen, so etwas wie eine Ex-Mutter gibt es nicht. Die Tochter ist Selah, die Mutter wird nur “Mama” genannt, den Schritt zur Individuation der Mutter-Figur durch die Gabe eines Namens geht die Erzählinstanz nicht. Das passt ins Gefüge des Textes, denn die Mutter ist übermächtig-gottgleich in dieser Beziehung und das Göttliche hat - ich spreche hier nur für den westlichen Kulturkreis - ja auch keinen Namen außer der Bezeichnung selbst. Wir bekommen Selahs Leben in vier Zeitebenen erzählt. 1995: Die Stimme des 11-jährigen Kindes Selah, die bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufwächst. Die Mutter hat einen Bürojob und wechselnde Männerbekanntschaften. Sie lässt ihre Tochter spüren, dass es nicht einfach ist, ein Kind ohne Unterstützung durch den Selah unbekannten Vater, der keine Alimente zahlt, durchzubringen. Ohne Zweifel hat sie narzisstische Züge, sie verlangt von ihrer Tochter Gehorsam und vor allem, dass Selah keine Probleme macht, als Persönlichkeit quasi unsichtbar ist und in der Schule sowie im Klavierunterricht brilliert. Selah macht sich klein, bekommt eine Essstörung, wird gemobbt, sexuell angegriffen und homophob beleidigt, denn sie kleidet sich nicht typisch mädchenhaft. Von all dem bekommt die Mutter nichts mit. 2006: Selah als junge Frau im Studium, das sie nicht ernst nehmen kann, orientierungslos. Sie lebt in einem WG-Zimmer und immer noch mit den Geistern der Vergangenheit zusammen. Die Beziehung zur Mutter: Schwierig und distanziert. 2017: Selah auf einer dreimonatigen Auszeit an der Ostsee mit Hund, ihr Job in der Pflege hat sie aufgerieben, die Vergangenheit reflektierend. 2023: Selah ist in einer festen Beziehung mit Ava, sie haben ein Pflegekind. Selah ist Musikerin und glücklich in einem familiären Umfeld. Allerdings steht die durch den Tod einzig mögliche Trennung von der Mutter bevor, die unheilbar an COPD erkrankt ist. Ein langsamer und nochmal alles aufwühlender Abschied. Was mir sofort aufgefallen ist, ist die unglaublich authentische Erzählstimme. So würde ein echter Mensch tatsächlich denken, habe ich mir sehr oft gedacht, als ich Selahs innerem Monolog lauschen durfte. In diesen Worten steckt keinerlei Künstlichkeit, obwohl sie überaus kunstvoll gewählt sind. Hier ist kein Satz, keine Aussage überflüssig. In Selahs Worten manifestiert sich all das Ungesagte, all das, was gegenüber ihrer Mutter nicht artikuliert werden durfte. Selahs Mutter hat gegenüber ihrer Tochter nur eine Meinung gelten lassen - und das ist ihre eigene. Die Tochter musste sich unterordnen, Dinge machen, die ihrem Wesen zutiefst gegen den Strich gingen. Ich spreche hier nicht davon, die Spülmaschine auszuräumen, wenn man keinen Bock darauf hat. Selah wurde als Individuum nicht gesehen. Und das schlägt sich auf die Psyche eines Kindes nieder und gipfelt in mangelndem Selbstbewusstsein und Schlimmerem. Vieles, was hier geschrieben wurde, hat Allgemeingültigkeit. Selahs Reflektionen sind starke Aussagen und ich habe mir viele Sätze rausgeschrieben, weil sie so unglaublich wahr und gut sind. Zum Beispiel diesen Abschnitt: “das gegenseitige Verletzen, versehrte Körper unter einem Dach, sich gegenseitig versehrende Menschen, eine Familie.” (S. 202) Oder: "Du hast nie verstanden, warum Menschen nicht ihre Ruhe haben wollen, und bist erschrocken, wie sehr du es an manchen Tagen schaffst, so zu tun, als seist du einer von ihnen." (S. 134) Ich habe oft mit Selah mitgeführt, weil ich viele ihrer Gedanken sehr gut nachvollziehen kann. Das Motiv des Luftholens zieht sich leitmotivisch durch den Roman und ist auch in die formale Gestaltung des Textes eingeflossen (S. 175-182). Nach einem Leben voller äußerer Zwänge und teilweisen Fremdbestimmung, ist da der Wunsch bzw. vielmehr der Drang, einmal ganz bei sich zu sein und einfach mal tief durchatmen, “aufatmen”, wie sie es nennt, zu können - und wenn es nur für sieben Sekunden ist. Das versöhnliche Ende dieses Romans macht Hoffnung und auch wenn Selah nur eine Romanfigur ist, so freue ich mir diesen Menschen, der sich am Ende des Textes endlich selbst gefunden hat und nun freier atmen kann. Dieses Buch ist ein Debütroman und als solcher von höchster literarischer Qualität. Ich würde mich schwer über die Jury wundern, wenn er nicht zumindest auf die Longlist des Deutschen Buchpreises kommen würde. Ein absolut perfekter Roman, an dem es nichts, aber auch gar nichts auszusetzen gibt. Dennoch möchte ich auf die zahlreichen sensiblen Inhalte in diesem Roman hinweisen. Triggerwarnungen: Homophobie/Queerfeindlichkeit, toxische Eltern-Kind-Beziehung, psychische Erkrankungen, Vergewaltigung, Mobbing, Essstörung, Krankheit/Sterben

5

"Ich kann selbst das Wortefehlen nicht in Worte fassen. Da ist ein dunkler Ball, ein Nichts, das laut schreit, das mich auffrisst, an das ich aber nicht herankomme. Sosehr ich mich anstrenge, ich kriege nicht heraus, was sich dort versteckt, und ich werde langsam müde, weiter danach zu suchen. Vielleicht ist da auch nichts." So wie Selah, der Hauptfigur des Buchs, oftmals die Worte fehlen, um die eigenen Emotionen zu beschreiben, fehlten mir ganz lange die Worte, um dieses Buch zu beschreiben. Über verschiedene zeitliche Ebenen hinweg erzählt Luca Mael Milsch die Geschichte von Selah, einer Person, die sich mal nah und mal sehr weit weg fühlt von sich selbst und den Menschen in Selahs Umgebung - was sich aus in den Erzählperspektiven deutlich zeigt. Selah durchlebt das, was man wohl eine "schwierige Kindheit" nennen würde, obwohl es in dieser Zeit noch die meisten positiven Erinnerungen gibt. Doch ein sehr komplexes, kaputtes Verhältnis zur Mutter, traumatische Erlebnisse und das Gefühl, niemals richtig zu sein, führen Selah in neue schwierige Verhältnisse, vor allem zu sich selbst. Unfassbar sprachbegabt, mit einer dichten, kunstvollen aber auch lebensnahen Sprache hat Luca Mael Milsch einen Roman geschrieben, der mich sehr eingenommen und berührt hat. Es ist kein Feelgood-Roman, keine "leichte Kost", aber es ist auch kein hoffnungsloses Buch. Für mich zeigt es sehr gut die Komplexität und Ambiguität von Emotionen und Erinnerungen auf, die es auf der einen Seite oft so schwer machen, auf der anderen Seite aber auch so menschlich und bedeutsam sind. Ohne Spoilern zu wollen: es gibt in der Geschichte einen Erzählstrang, in der eine Person stirbt - was oft in anderen Romanen genutzt wird, um sich Probleme zu entledigen und Entwicklungen zu überspringen. Bei Luca Mael Milsch ist das nicht der Fall - der Sterbeprozess wird intensiv eingewoben und ist wichtig für die Story, ist aber weder Lösung noch ausschlaggebend für das Problem, was mir sehr gefallen hat. CN: B0dyshaming, Alkoh0lkonsum, Es$störung, Ras$ismus, selbstv3rletzendes Verhalten, G3walt, M0bbing, s3xueller Übergriff, Verg3waltigung, Homof3indlichkeit, Krankheit, T0d, Suiz1d

Post image
3.5

"Selig sind die Unwissenden" Sieben Sekunden Luft von Luca Mael Milsch, abgeschlossen 09/24. "Denn sie fragt sich ja trotzdem und immer noch, warum du so bist, woher du das haben könntest, auch deine Art, das käme nicht von ihr. Sie stellt diese Fragen schon dein ganzes Leben, mal stiller, mal lauter, mal in deinem Beisein und bestimmt noch öfter allein."

Post image
2.5

»Manchmal hast du solche Anwandlungen. Eigentlich zerdenkst du alles und jeden, machst dir vorher Notizen, beredest jede Fehlentscheidung, jede Beziehung, jeden bösen Blick, in schlaflosen Nächten mit dir selbst, versuchst, durchs Listenmachen und Durchdenken all jene Gefühle zu verhindern, die dich so leer zurücklassen. Aber manchmal, da geht dir was durch.« (S. 87) Die Protagonistin Selah befindet sich permanent in ihrem Gedankenkarussell. 💭🎢 Stellvertretend für die Protagonistin Selah umarme ich diesen Roman. ❤️‍🩹 She’s so broke. Im ersten Teil dieses Romans wird in drei Zeitabschnitten — Kindheit (1995), Jung-Erwachsene (2006) und Erwachsene (2017) — Selahs Leben erzählt. Schnell wird durch die Rückblicke in ihre Kindheit klar, dass diese alles andere als leicht war. Selah hat früh gelernt, die Launen der Mutter aus deren non-verbaler Kommunikation zu lesen und ihre Armut zu kaschieren. Sie verbiegt sich, um ihrer Mutter zu gefallen und schafft es trotzdem nicht. Es zerbricht einem das Herz 💔 Auch später hat Selah permanent das Gefühl, nicht dazu zu passen, sich selbst nicht zu finden, ganz zu schweigen, von zu genügen. In ihrer Studienzeit ertränkt sie ihre Gedanken mit Alkohol und versucht so, vor sich selbst zu fliehen. Dass das zum Scheitern verurteilt ist, ist keine Überraschung. In der dritten Zeitebene des ersten Teils spricht Selah zu ihrem imaginären Hund Meier und hat sich in einer Auszeit von allem zurückgezogen. Aus all diesen Perspektiven geht vor allem eins hervor: Der Schmerz, die Fragilität und der Kummer der jungen Person. Nach 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 & 8 Sekunden wird im zweiten Teil des Romans radikal auf das Jetzt (2023) umgeschwenkt und damit wird ein krasser Sprung - zeitlich wie inhaltlich - vollzogen. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. »Sieben Sekunden Luft« ist das Debüt von Luca Mael Milsch — freie*r Übersetzer*in, Lektor*in, Kurator*in, Moderator*in & Autor*in. Nach der Lektüre des Romans war ich sehr unentschlossen, was ich von diesem denken soll und kann es auch noch immer nicht ganz festlegen. Ich war sehr froh, dass Nica und ich den Roman gemeinsam als Buddy Read gelesen und uns intensiv dazu ausgetauscht haben. (Milles mercis 🫶🏼) Auf der einen Seite wird die Zerrissenheit, Fragilität und Schmerz der Protagonistin deutlich, auf der anderen Seite ist mir nicht klar, was die Message sein soll. Es werden Themen, Vorfälle und Krankheiten aus dem Nichts gedroppt (z. B. HPV (S. 87) oder die WHO-Bezeichnung der Krankheit der Mutter), aber nicht weiter darauf eingegangen und auch nicht in den verschiedenen Erzählsträngen in einen Kontext gestellt. Es werden Situationen zusammenhangslos geschildert, — bspw. ist die Armut und Klassismus ein großes Thema für Kind Selah, aber wird thematisch quasi nicht mehr mitgedacht, wenn sie sich als Erwachsene einfach eine Auszeit nimmt. Viele Dinge passen für mich hier nicht zusammen und es ergibt sich für mich kein passendes Gesamtbild bzw. es fehlt mir der ‚rote‘ Faden 🧶, der alles verbindet. Ich fand einzelne Passagen sehr gut formuliert, habe mir Dinge angestrichen, aber insgesamt konnte mich der Roman nicht catchen. 😮‍💨 Vielleicht liegt es an mir und ich verstehe die Message nicht? Vielleicht liegt es auch daran, dass in diesem Roman das Thema ‚Emesis‘ (bewusst so fachlich ausgedrückt 🤝🏼) wahnsinnig oft beschrieben wird und mir das too much war (auch wenn ich verstehe, dass damit zum Ausdruck gebracht werden soll, wie schlecht es ihr geht — hätte ich auch ohne dies verstanden). Vielleicht hat es einfach nicht gepasst, mit mir und diesem Roman. 👉🏼👈🏼 Sehr gelungen fand ich vor allem, wie unterschiedlich die verschiedenen Zeitebenen auch stilistisch gestaltet waren. Mir bleibt nur zu sagen: Wenn Euch die Beschreibung des Romans anspricht, macht Euch Euer eigenes Bild von diesem Roman. 💜 Ich bin sehr gespannt auf Eure Gedanken dazu 💭🩵 Habt Ihr diesen Roman gelesen und wie erging es Euch damit? 📖

Post image
3

Der Inhalt war gut, wenn auch bedrückend, aber es war mir etwas zu chaotisch und manchmal nicht ganz greifbar.

Create Post