Krummes Holz

Krummes Holz

Hardback
3.8119

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Description

Ausgezeichnet mit dem ZDF-Aspekte-Literaturpreis 2024

»Krummes Holz« entwickelt einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Unbedingte Leseempfehlung!« Florian Valerius

Es ist ein drückend schwüler Sommer, in dem Jirka an den Hof seiner Eltern im Krummen Holz zurückkehrt. Mehrfach hat er die Bitte seiner älteren Schwester Malene ignoriert, ihr gegen den Vater beizustehen. Als Jirka jetzt auf dem heruntergewirtschafteten Gutshof eintrifft, scheint keiner mehr auf ihn zu warten. Vom Vater findet sich keine Spur, und von seiner dementen Großmutter und seiner unversöhnlichen Schwester schlägt ihm eine Wand des Schweigens entgegen. Nur einer spricht mit ihm – Leander, der Sohn des letzten Verwalters. Doch obwohl die Feindseligkeit seiner Schwester kaum auszuhalten ist, lässt sich mit Leanders Nähe noch schwerer umgehen. Zu intensiv sind die Erinnerungen, die sich mit jedem neuen Tag in den Vordergrund drängen. »Krummes Holz« erzählt mit flirrender Intensität von der Kraft eines Geschwisterbandes in einer glücklosen Kindheit und darüber, wie zwischen all den enttäuschten Hoffnungen die Liebe zu finden ist.

Die Jury des ZDF-aspekte-Literaturpreises:

»Nichts wächst einfach und gerade in Julja Linhofs fesselndem Anti-Heimatroman 'Krummes Holz'. In einem Alter, in dem andere von zu Hause weggehen, um fürs Leben zu lernen, kommt der 19-jährige Jirka aus dem Internat auf den Hof seiner Familie zurück. Es ist ein Zuhause, in dem niemand auf ihn wartet. In dem alten Bauernhaus dominieren Gefühlskälte und Schweigen. Die depressive Mutter ist verstorben, vom gewalttätigen Vater fehlt jede Spur, Jirkas Schwester Malene redet nicht mehr mit ihm. Und mit dem älteren Verwaltersohn Leander verbindet ihn ein Geheimnis …«

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
272
Price
22.70 €

Author Description

Julja Linhof, geboren 1991, wuchs in Westfalen zwischen Hellwegbörde und Arnsberger Wald auf. Von 2012 bis 2015 studierte sie in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut. Seit sie die Stadt 2015 für ihr Illustrationsstudium verlassen hat, lebt und arbeitet sie in Hamburg.

Posts

37
All
5

Gefühlt, habe ich in diesem Jahr hauptsächlich Debütromane von Frauen gelesen. Auch dieser hier ist so einer. Einer der mich von der ersten Seite an gefangen genommen und umgehauen hat, mich tief in die Geschichte eingesogen hat. Dieses unglaublich atmosphärische, diese Tiefe in dem ganzen Ungesagten. Aus der Sicht von Georg, genannt Jirka, wird die Geschichte seiner Kindheit auf einem heruntergewirtschafteten Hof im Sauerland erzählt, die mich von Anfang an betroffen macht. Georg, genannt nach seinem Vater, so wie dieser nach seinem Vater benannt wurde. "Ich hatte nur einen Namen. Und der gehörte nicht mal mir, sondern meinem Vater. So wie auf den Höfen der Gegend alle erstgeborenen Söhne die Namen ihrer Väter trugen. Und die Erwartungen." Doch die Erwartungen seines Vaters kann Jirka nicht erfüllen. Weder als Sohn noch als Schüler. Als Jirka,aus Scham, nicht am Schwimmunterricht teilnehmen will, damit niemand die vielen blauen Flecken sieht, wirft ihn sein Vater ins hofeigene Wasserbecken, drückt ihn immer wieder zurück, ertränkt ihn fast. Wenn ihm sonst sein Sohn quer kommt, schließt er ihn in der Hundezwinger ein. Nur Vilém, der Vater von Leander, Flüchtlingsseele aus Sudetendeutschland und letzter Hofverwalter, hilft Jirka und gibt ihm einen eigenen Namen. Mit seiner Schwester Malene hatte er als Kind eine innige Beziehung. In Leander war er verliebt. Die Mutter früh verstorben. Als Jirka jetzt, nach 5 Jahren Internat zurück auf den Hof kommt, gibt es nur noch Leander Malene und die demente Oma Agnes, die nie eine liebende, sondern eine harte, strenge Großmutter war. "Agnes verschränkt die Arme vor der Brust. Diese Arme, die so vieles stemmen und halten. Aber nichts, gar nichts von Trost wissen." Und es gibt diese ganzen ungesagten Gefühle und Verletzungen. Dinge die der Vater tat und die hier nur fragmentarisch erwähnt werden. Doch jetzt ist der Vater verschwunden und niemand beantwortet Jirkas Fragen nach dessen Verbleib. Beklemmend folge ich der Geschichte dieser drei jungen Menschen, die in den 80iger Jahren spielt und ich rechne nach und merke, Jirka muss mit seinen 19 Jahren, mein Jahrgang sein. Ich höre dieses "woll", was mein Vater, aus dem Sauerland stammend, auch immer benutzt hat und das jetzt so fehlt. Es bewegt mich so sehr, dass Jirka seine Gefühle zu Leander nicht zu äußern wagt, diese Beschähmung eine "scheiß Schwuchtel" zu sein. Die Sprünge in den Zeiten, die für andere lese-hemmend wirkten, haben für mich dem Ganzen noch mehr Tiefe gegeben. Für mich ein ganz großartiges, melancholisches und schwermütiges Buch, was ich regelrecht verschlungen habe und was sicherlich noch lange nachwirken wird.

3

Sehr einfühlsam

Ich habe das Buch schon vor ein paar Tagen beendet, brauchte aber Zeit zum Nachspüren. Georg kommt nach Jahren im Internat zurück auf den Hof seiner Eltern. Der Empfang ist nicht sehr herzlich, die Mutter schon lang verstorben. Der Vater abwesend. Georgs Schwester, die den Vater, auf dem Hof unterstützt, weiß nicht, wie sie mit ihrem Bruder umgehen soll. In Rückblenden und in der Gegenwart schafft es die Autorin sehr leise und einfühlsam zu beschreiben, was Einsamkeit in der Familie, unterdrückte Trauer und Gefühle mit den Protagonisten machen.

4

Eine zerbrochene Familie, die sich Stück für Stück wieder zusammen setzt. Nicht leicht zu lesen, aber berührend.

4

Eindringliche Familiengeschichte

Sauerland Ende 80er Jahre, der 19-Jährige Jirka kehrt nach 5 Jahren auf den elterlichen Gutshof zurück. Er ist vom Internat zu Besuch da, doch seine Schwester Malena, die ihn zuvor mehrfach vergeblich gebeten hatte zu kommen, reagiert nun unterkühlt. Nachdem die Mutter nach Depression und Aufenthalt in der Heilanstalt, früh verstorben ist, hatten die beiden Geschwister zusammengehalten gegen den gewalttätigen Vater und die gefühlskalte Großmutter. Nun ist der Vater verschwunden und die Großmutter auf dem Weg in die Demenz, nur Leander, der Sohn des ehemaligen Verwalters gibt sich zugänglicher. Wie in einem abgedunkelten Raum, in dem man sich zunächst orientieren muss, offenbaren sich die Geheimnisse und Geschehnisse in diesem schwülen Sommer erst nach und nach, alte Verletzungen kommen an die Oberfläche und legen eine Familiengeschichte frei, in der oft die Worte und die Liebe fehlten. Mit einer wunderbar passenden bildhaften Sprache zieht das Buch die Leser in seinen Bann - eine lohnende Lektüre.

3.5

Es gibt so Bücher, die dümpeln vor sich hin, schenken einem eine ganz besondere Atmosphäre, erzählen nicht viel und doch einiges, haben ganz viel Leerzeilen zum Füllen, können sich nicht entscheiden, ob sie in Fahrt kommen, lassen einen manchmal im Nebel stehen, haben einen besonderen Moment und dann catchen sie einen doch. Schenken einem einige wunderschöne Szenen, lassen einige Gefühle spüren, da vieles ungesagt bleibt, regen an Vermutungen anzustellen und Szenen zu analysieren, dann schließt man das Buch und denkt sich „Hach, irgendwie war es besonders“. Genau so war „Krummes Holz“ für mich. Speziell und sehr atmosphärisch. Ich hab gebraucht, um in diese Erzählweise reinzukommen. Dieses Springen zwischen Jetzt und Vergangenem hat mich etwas verwirrt, bis ich den Dreh raushatte. Ich hab ganz viele unausgesprochene Emotionen gefühlt, sehr viel weites Land geahnt und ganz viel Hitze gespürt. Ich mochte die Hauptfiguren, besonders Leander. Ich hätte so gern alle geschüttelt und gesagt „So sprecht doch endlich miteinander!“. Aber hab bemerkt, dass es nicht möglich ist. Wenn immer geschwiegen wird und alles verdrängt, ist es schwer, über seinen Schatten zu springen. Ich hab es gern gelesen und kann mir vorstellen, dass es sich besonders gut im Sommer liest. „Sie antwortet nicht. Hinter ihrer Stirn mahlen die Mühlen. Stück für Stück zerreiben sie die Erinnerung und lassen nur grauen Staub zurück. Ich sehe, wie er ihr durch die Finger rinnt, wie sie nach einer Antwort sucht und keine findet.“ (S.68) „Viele dieser Streitszenen bevölkern Malenes Jugend. Die meisten entgehen mir, weil ich das Geschrei umschiffe, mich davor verstecke, die eigenen Hilferufe ersticke, bevor sie sich offenbaren. Ich lerne durch Malenes Aufbäumen, selbst still zu bleiben, den Kern zu schützen. Ohne Schichten. Stattdessen bleibe ich mein Leben lang auf der Flucht vor Konflikten.“ (S.236)

3.5

Ein Buch voller Schweiß, Schmutz und Qual. In brütender Hitze ist die Rückkehr von Georg (Jirka) auf den elterlichen Hof eine einzige Überwindung von Angst, Scham und Ekel Ich habe mit dem Buch von Anfang bis Ende gekämpft, vermutlich genauso lange wie die Erinnerungen und Eingeständnisse gebraucht haben, um sich an die Oberfläche von Jirkas Bewusstsein zu kämpfen. Ich kann nicht sagen, dass es mir gefallen hat, dafür war mein Widerwille gegen einige Inhalte zu groß und die Art des Transports zu widerlich. Bis auf die Sprache, diese ist wirklich großartig ist.

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3

Verwirrender Start - Überraschende Wendung

Jirka kehrt nach fünf Jahren, mehr oder weniger freiwillig, zurück nach Hause auf den Hof seiner Familie. Wie viel sich in dieser Zeit verändert hat, merkt er immer wieder an den kleinen Situationen des Alltags, an denen er keinen Anteil mehr hat, an der Stille zwischen ihm und seine Schwester. Umso länger er da bleibt, desto stärker kommen Erinnerungen wieder hoch, die er so lange verdrängt hat. Krummes Holz ist eine sehr einnehmende Familiengeschichte, die viel Unausgesprochenes und Bedrückendes enthält. Was mich sehr berührt hat, waren die Zwischentöne in der Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Geschwistern. Wie sie sich auseinander gelebt haben, voneinander entfernt, obwohl sie sich doch einst so nah waren, fand ich sehr gut ausgearbeitet. Wütend und fassungslos machten mich die vielen Grausamkeiten, die die Geschwister in ihrer Kindheit ertragen mussten und die damit einhergehenden Traumata. Wie tief solche Erfahrungen sitzen und welch elendig langen Einfluss sie auf die Opfer haben, ist so unfair und tiefgreifend - die Machtlosigkeit, das Ausgeliefertsein ist schwer zu verdauen. An anderen Stellen hätte ich mir mehr Ausarbeitung, mehr Tiefe gewünscht: Die Todesumstände der Mutter, die Bedeutung der Heila und auch die Rolle des Vaters, der nicht zu Wort kommt, ließen viele Fragen und damit auch Zusammenhänge offen, die definitiv interessant gewesen wären und für mich zu viel Raum zur Interpretation gelassen haben. Beim Aufbau selbst war mir manchmal nicht ganz klar, wann ich mich in einer Rückblende und wann in der Gegenwart befinde. Auch wäre es schön gewesen, wäre grade in der ersten Hälfte der ein oder andere Handlungsstrang etwas früher aufgemacht worden. In seiner jetzigen Form ist es schwer, in diesen Roman reinzukommen und manch einen Zusammenhang zu greifen. Der zweite Teil hingegen ist stark und birgt eine Wendung, mit der ich tatsächlich überhaupt nicht gerechnet hätte.

4

Der 19-jährige Jirka kehrt nach 5 Jahren im Internat auf den elterlichen Hof im Sauerland zurück. Die Mutter ist schon vor längerer Zeit verstorben, doch nun ist auch noch der Vater verschwunden, die Großmutter ist dement und Jirkas Schwester Malene ist abweisend, obwohl sie Jirka vor Kurzem noch gebeten hat, zurück zu kommen. Es ist eine sehr schwierige Geschwisterbeziehung, denn beide haben sehr unter ihrer Familie gelitten, aber auf ganz unterschiedliche Art. Es fiel ihnen schon immer schwer, für die Situation des jeweils anderen Verständnis aufzubringen. Ich finde, die Autorin hat die verschiedenen zwischenmenschlichen Probleme sehr feinfühlig beschrieben und nachvollziehbar gemacht.

3.5

Bin zu Anfang nicht gut reingekommen aber dann nimmt es irgendwann eine unglaubliche Tiefe an. Die Grundstimmung ist für mich eher bedrückend gewesen. Die Unsicherheit eines heranwachsenden Mannes. Ich fand’s sehr gut und bildhaft geschrieben, hat mich am Ende leider aber nicht komplett erreicht.

Bin zu Anfang nicht gut reingekommen aber dann nimmt es irgendwann eine unglaubliche Tiefe an. Die Grundstimmung ist für mich eher bedrückend gewesen. Die Unsicherheit eines heranwachsenden Mannes. Ich fand’s sehr gut und bildhaft geschrieben, hat mich am Ende leider aber nicht komplett erreicht.
3

Leider konnte mich das Buch nicht überzeugen. Ich habe mich schwer getan richtig in diese Geschichte hineinzufinden und auch konnte ich keinen wirklichen Bezug zu den Charakteren herstellen. Zudem sprang die Geschichte zu sehr zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, sodass es mir teils schwer fiel, in welcher Zeit wir uns gerade befinden.

4.5

Die Geschichte zweier Geschwister

Nach fünf Jahren kehrt Jirka zurück auf den Hof. Seine Schwester Malene hat ihn zuvor mehrmals gebeten zurückzukommen. Jetzt ist er da und sie will ihn nicht zurück. Eine Wand des Schweigens schlägt ihm entgegen. Was ist passiert in dieser langen Zeit seiner Abwesenheit? Wo ist der Vater Georg und warum spricht nur Leander mit Jirka? Herausfordern, spannend und fesselnd geschrieben. Das sprunghafte ist etwas ungewohnt aber verständlich. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

4.5

Ein sehr gelungenes Debüt! Atmosphärische und melancholische Geschichte über Geschwister, Familie, den Hof und erste Liebe.

4

Überzeugende Leerstellen

Jirka kommt nach 5 Jahren zurück auf den Hof seiner Familie. Dort trifft er auf die Schatten seiner Vergangenheit. Das angespannte Verhältnis zu seiner Schwester, die demente Großmutter. Alles hängt wie ein schwerer Nebel über ihm. Der Roman baut sich sehr langsam auf, was es mir erschwert hat mich einzufinden bei den Menschen, auf dem Hof und in Jirkas Geschichte. Und genau darin liegt womöglich auch der Reiz - sich als Leser ein bisschen wie Jirka zu fühlen.. verloren und irgendwie fehl am Platz. Nach und nach werden Bruchstücke aus Jirkas Vergangenheit in Teilen zusammengesetzt und ergeben gemeinsam mit dem Gefühl, das mehr durch Leerstellen als durch Geschriebenes ausgelöst wird, ein stimmiges Bild. In der Gesamtschau ein Bild, das mich auf vielen Ebenen überzeugen konnte. Ein Buch über allzu menschliche Beziehungen, über Grenzüberschreitungen und das Verstehen des eigenen Selbst.

3.5

Schöner Schreibstil, tolles Setting und zu Anfang auch super spannend. Die Charaktere und die Atmosphäre des Hofes ist sehr gut dargestellt, jedoch ab Mitte ist es mir zu langweilig gewesen. Der Spannungsbogen war weg, die Darstellung der Geschehnisse waren für mich eher zu sehr konstruiert und dann auch nicht wirklich befriedigend. Schade:(

4

Traurige Familiengeschichte

Eine Geschichte über eine lieblose und traurige Kindheit, in der Vater und Großmutter die Kinder demütigen und mit Gewalt und Unverständnis aufziehen. Es wird aus der Sicht von Jirka geschrieben und da ist es manchmal nicht so ganz leicht zu folgen. Da gibt es ständig Sprünge zwischen Gegenwart und der Vergangenheit, in der sich Jirka ab und zu verliert. So erfahren wir zwar wie er und seine Schwester aufgewachsen sind aber die Sprünge waren teilweise etwas zu extrem und auch nicht zu Ende gedacht. Da gab es oft nur Andeutungen. Die Atmosphäre hat mir hier allerdings sehr gut gefallen auf dem alten Gutshof in Jirkas Heimat. Von der Großmutter hätte ich gern noch etwas mehr erfahren, da fehlte mir etwas die Tiefe, die bei den anderen Charakteren aber durchaus gegeben war. Das Ende konnte mich leider auch nicht ganz überzeugen, war mir doch etwas unrealistisch. Trotz den kleinen Schwächen aber ein lesenswerter Roman.

4

KRUMMES HOLZ Julja Linhof Vor fünf Jahren hatte man Jirka auf ein Internat abgeschoben. Er schwor sich, nie wieder auf den Hof zurückzukehren, ins krumme Holz - Vaters Hof in Südwestfalen. Diverse Male hatte ihn seine Schwester Malene um Unterstützung gebeten, ihn ermutigt, endlich nach Hause zu kommen, denn Vater Georg wollte den Hof verkaufen. Malene hätte zu gerne den Hof geerbt. Sie hatte eine landwirtschaftliche Lehre absolviert, doch das bedeutete noch lange nicht, dass der Vater ihr den Hof vermachen würde. Dann fährt Jirka doch nach Hause - zu seiner Familie. Familie. Das Wort steht für emotionale Kälte. Für Unausgesprochenes. Für Gewalt. Kurz vor Mutters Tod zog die Großmutter ein. Kalt und hart war sie. Liebe konnte sie keine schenken. Arbeiten musste man - jeden Tag. Von dem Vater gab es mehr Schläge als Worte. „Ich weiß sofort, dass es der Anruf gewesen sein muss. […] Ich springe vom Stuhl. Doch Georg packt mich im Genick, bevor ich loslaufen kann. Die Wucht, mit der er nach mir greift, wirft mich mit der Brust gegen den Tisch. […] Er hatte unrecht. Ich will schwimmen lernen. Ich hätte liebend gerne schwimmen gelernt, aber auch mit neun Jahren weiß ich schon, was Scham ist. Während die anderen Jungen sich in der Umkleidekabine ohne Umschweife die Kleider abstreifen, fühle ich mich wie gelähmt. In einer Badehose kann ich vor niemanden verstecken, was zu Hause passiert. Und nichts will ich lieber, als mich verstecken. Unsichtbar sein vor den Augen meiner Mitschüler". (S. 116) Als Jirka dann auch noch feststellt, dass er sich zu seinem eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, kann er mit der Scham kaum noch leben. Es ist die Geschichte eines Geschwisterpaares, das ohne Liebe und Zuwendung aufwächst. Julja Linhof hat für ihr Debüt eine wunderschöne poetische Sprache gewählt, die fast im Widerspruch zu dieser bitteren, melancholischen Atmosphäre steht. Die Charaktere und die Landschaftsbeschreibungen sind so wunderschön und zart herausgearbeitet, dass ich fast das Gefühl hatte, mitten im Geschehen zu sein. Auch der Erzählstil ist besonders und gefiel mir sehr. Fazit: Ein feines Debüt, das beim Lesen ein wenig schmerzt, aber absolut beeindruckend ist. Ich wünsche Julja Linhof eine große Leserschaft und hoffe, dass wir noch viel von ihr lesen werden. 4/ 5

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5

Julja Linhof konnte mich mit ihrem Romandebüt direkt überzeugen. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und hat zur Thematik perfekt gepasst. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich anfangs Schwierigkeiten hatte, zu verstehen, was Gegenwart und was Vergangenheit ist. Glücklicherweise bin ich in den Genuss einer Lesung mit Werkstattgespräch zwischen der Autorin und ihrer Lektorin gekommen. Dort habe ich vieles über den Entstehungsprozess erfahren. Die unangekündigten Erinnerungen des Protagonisten Jirka, sind gewollt. Denn Erinnerungen kündigen sich meist nicht vorher an. Eine Situation, ein Geruch, oder eine Person lösen die Gedanken an eine vergangene Zeit, plötzlich aus. Als Leser*in des Romans merkt man nicht immer sofort, dass man wieder in der Erinnerung Jirkas angekommen ist. Erzählt wird aus der Ich Perspektive Jirka's, dem 19- Jährigen Protagonisten, der nach 5 Jahren die er auf einem Internat verbracht hat, wieder an den Hof seines Vaters, zurückkehrt. Es fällt mir schwer den besonderen Schreibstil zu beschreiben. Es wird immer nur so viel wie nötig gesagt. Manches kann man nur erahnen. Dennoch hat mich die Vergangenheit Jirkas oft tief berührt. Vor allem ab der zweiten Hälfte war ich voll im Geschehen angekommen. Jirka war mir direkt sympathisch. Mit seiner Schwester Malene wurde ich nicht sofort warm. Krummes Holz ist keine leichte Kost. Auch wenn nicht alles so deutlich ausgesprochen wird, hat Jirka in seiner Kindheit und Jugend viel Schlimmes erlebt. Nun ist er an den Hof zurück gekehrt, doch seine Rückkehr verläuft anders, als erhofft. Verdrängte Erinnerungen kommen hoch, auch Angst spielt eine Rolle. Und die Wiedersehensfreude ist nicht bei allen wie gedacht. Manches ist noch immer wie vor 5 Jahren im Krummen Holz. Doch einiges hat sich auch verändert. Genau wie Jirka. Auch er ist nicht mehr der 14 jährige, der er war, als er den Hof verlassen hat. Für Fans von ruhigen, ausdrucksstarken Romanen über Familie, Verlust, Selbstfindung, Vergebung, über die Vergangenheit und die Gegenwart. Ein toller Roman, der sich in kein fixes Genre zwängen lässt.

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3

Nette Geschichte und Wiederheimkommen und unerledigte Dinge zu erledigen

3

Eine heißer Sommer ohne viel Worte…

•Buchrezi• 🤐 Zum Inhalt: Jirka kehrt nach fünf Jahren zurück auf den Hof seines Vaters. Die Erinnerungen an seine Kindheit sind alles andere als liebevoll. Kaum eingetroffen, entdeckt er seine Großmutter Agnes, die an Demenz erkrankt ist. Seine Schwester Malene ist unterwegs und von seinem Vater fehlt jede Spur… nur der Sohn vom verstorbenen Verwalter Leander kann Jirka Auskunft geben. Kurze Zeit später taucht Malene auf und sie schweigt, hat Jirka schon vor Monaten gebeten nach Hause zu kommen, ihn nach Hilfe gefragt, denn Malene möchte den Hof übernehmen, doch der Vater möchte das nicht. Und somit herrscht zwischen den beiden Stille. Jirka verbringt seine Tage mit Nichtstun, bis Leander ihm klar macht, dass er entweder anpacken, oder gehen muss. Doch als die beiden mehr und mehr Zeit miteinander verbringen kommen Erinnerungen wieder hoch, die Jirka am liebsten vergessen hätte. Mein Fazit: Furchtbar muss die Kindheit von Jirka und Malene gewesen sein. Der Vater ist aggressiv, löst Probleme nicht mit Worten, sondern mit Gewalt. Die Mutter verlieren die beiden Kinder früh. Nun ist Jirka zurück, aber warum? Ja, warum eigentlich? Reden hilft! Würde ich sagen. Dass es sich in diesem Buch nicht nur um eine tragische Familiengeschichte handelt, war mir zu Beginn nicht klar. Es handelt zum Großteil von einer Dreiecksbeziehung und Missbrauch, was die Kurzbeschreibung überhaupt nicht andeutet. Das Buch spielt sehr wahrscheinlich in den 60ern, die Nachkriegszeit ist noch sehr präsent. Es ist ein drückender Sommer, das Schweigen, die Hitze, die ganze Atmosphäre kam sehr gut rüber. Der Anfang des Buches ist ziemlich stark und hat geradezu eine Sogwirkung bei mir ausgelöst, doch ab circa der Hälfte hat es mich verloren. Die Stille und die wenige Aufklärung der Situationen sind mir zu langatmig gewesen. Bis kurz vorm Ende, da wurde es nochmal spannend. Das Buch springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit ohne Absätze, ohne neue Kapitel, das hat mich total verwirrt. Atmosphärisch gut, aber langatmig. Von mir gibt es 🧑‍🌾🧑‍🌾🧑‍🌾 von fünf 🧑‍🌾!

5

„Krummes Holz“ von Julia Linhof hat mir sehr gut gefallen. Nachdem ich auf einer Lesung mit Werkstattgespräch sein durfte, habe ich schon einen kleinen Vorgeschmack auf das Buch bekommen und war auch bereits vorgewarnt, dass die Autorin manches Mal zwischen Vergangenem und Jetzt hin und her springt, ohne „Vorwarnung“- ganz so, wie es Erinnerungen eben auch tun. Sie blitzen auf, manchmal völlig unerwartet. Linhof hat einen schlichten, gleichwohl angenehmen und interessanten Schreibstil. Sie beschreibt manches sehr genau, so dass man sich mitten im Geschehen ahnt, manches Mal bleiben Dinge eher vage, und die eigene Fantasie wird angeregt. Gleichwohl hatte ich immer das Gefühl, mich gut im Plot zurecht zu finden. Es geht um Jirka, der, nachdem er einige Jahre im Internat verbracht hat, plötzlich wieder zurück auf den Hof kommt, auf dem er aufgewachsen ist. Dort trifft er auf seine Schwester Malene, die Großmutter Agnes und auf Leander. Es gibt einiges aufzuarbeiten und die Rückkehr läuft anders als erwartet. Themen wie Familie, Gewalt, Freundschaft, besondere Liebe auf dem Land, Selbstfindung und sich auf Dinge und Menschen einlassen, Gefühle zuzulassen machen den Roman aus. Kein einfaches Potpourri, was Julia Linhof beeindruckend leicht präsentiert. Ich hoffe, dass es ganz bald mehr von ihr zu lesen gibt. Die Geschichte hat mich sehr gefesselt- und nicht zu letzt feiere ich den Hühnerstempel! Wer Julia Linhof noch nicht kennt sollte sie unbedingt kennen lernen!

3

Das große Finale, auf das die Story lange zuzulaufen schien, blieb irgendwie aus …

4.5

Eine atmosphärische, tiefgründige und verletzte Familiengeschichte

Georg kommt nach einigen Jahren zurück aus dem Internat auf den Hof seiner Familie. In absolut atmosphärischer Stimmung werden Dorf, Hof und Sommer erzählt und die Charaktere Stück für Stück greifbarer. Tiefe Verletzungen werden sprachlich bebildert oder bleiben in vorsichtiger Distanz. Umso weiter das Buch voran geht, desto mehr greift alles ineinander und macht Sinn. Eine Geschichte über Familie, Ablehnung, Bedürfnisse, Landleben, Erwachsenwerden, Sehnsüchte, tiefe Verletzungen und Geheimnisse.

3.5

😳

"Ich starre auf die Wand neben meinem Kopfkissen. Sieben Striche. Sieben in einer Reihe, jeder von der Größe eines Streichholzes. Streichholztage, die bedeutungslos abbrennen, während ich nichts tue."

3.5

Nett für zwischendurch

Ich habe das Buch ziemlich schnell durchgelesen und fand die Geschichte auch sehr gut. Eine Familie, mit geheimnissen und Problemen, ein Nachhausekommen. Ich fand die Charaktere sehr interessant und auch das Setting, dieses Dorfleben.

3.5

Liebe spielt in diesem Roman die tragende Rolle. Liebe in der Familie, Liebe zwischen Geschwistern und eine heimliche Liebe, um nur ein paar Formen zu nennen. Die Andersartigkeiten der Liebe konnte die Autorin gut umsetzen. Auch das Setting fand ich gut gelungen. Man spürte den schwülen Sommer im Krummen Holz förmlich. Für mich nicht ganz so gut eingefangen, waren die Charaktere. Sie blieben mir weitestgehend fern und ich schaute nur von oben auf sie herunter, statt neben ihnen zu stehen. Der Schreibstil war sehr bildlich. Leider konnte ich den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit nicht immer gut erkennen und der Lesefluss wurde dadurch gehemmt. Äußerlich ein ganz wunderbares Buch, gern möchte man direkt in das Cover klettern. Innerlich hat die Geschichte ein paar Schwächen, aber lesenswert ist es trotzdem. Julia Linhof werde ich weiterhin im Kopf behalten.

5

Wow! Rezi folgt zum ET

5

Sommer: Jirka kehrt auf den heruntergewirtschafteten Hof seiner Eltern im Krummen Holz zurück. Mehrfach hatte seine Schwestern Marlene ihn gebeten, ihr gegen den tyrannischen Vater beizustehen. Mehrfach hatte er ihre Bitte ignoriert. Nun, da er sich endlich dazu überwinden konnte, entgegnet ihm seine Schwester nichts als Schweigen. Sein Vater ist unauffindbar, seine Großmutter Agnes dement. Einzig Leander spricht mit ihm, der Sohn des ehemaligen Gutsverwalters, mit dem ihn alles durchdringende Erinnerungen und tiefe Gefühle verbinden. Wie wird es mit dem Hof weitergehen und wo ist der Vater?   Dieses Buch steckt voller intensiver Gefühle, die mich überwältigt haben. Die Geschwisterbeziehung. Die Beziehung der Kinder zum Vater. Die Einsamkeit. Die Unsicherheit, über die Vorstellung einer Zukunft und die eigenen Gefühle. Aber auch die Hoffnung, irgendwo Liebe zu finden, obwohl man so oft enttäuscht wurde.   Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie gut mir dieses Buch gefallen hat. Für mich ist das ein grandioses Debüt der Autorin und steht in meinem persönlichen Rennen um das beste Buch des Jahres jetzt schon ganz oben.

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4

Neulich habe ich in einem Feuilleton-Artikel gelesen, dass Romane, deren Handlung in einer ländlichen Gegend bzw. der Provinz angesiedelt ist, derzeit einen Boom erfahren würden. Erzähler:innen hätten die Natur und die rurale Umgebung als Schauplatz wiederentdeckt. Das Stichwort Heimatroman ist seit jeher eher negativ behaftet, erlebt aber im Bereich der Belletristik eine intellektuelle Umwidmung. Die Probleme und Traumata, die ein Aufwachsen auf dem Land neben der räumlichen Weite, die es bietet, auch bedeuten können, sind dann oft Gegenstand solcher Romane. Auch Julja Linhof hat sich in ihrem Debütroman "Krummes Holz (benannt nach einem Zitat von Kant, das sie ihrem Buch voranstellt), an das Thema Land herangewagt. Die Handlung spielt völlig im ländlichen Nordrhein-Westfalen. Zum erzählten Zeitraum später mehr. Es geht um den 19-jährigen Jirka (eigentlich Georg). Der Internatsschüler war seit fünf Jahren nicht auf dem elterlichen Hof, auf dem sein Vater Georg, die demente Großmutter Agnes und die Schwester Malene leben. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Jirkas Familie wird vor allem Getreide angebaut, das Anbauen von Obst im großen Stil ist allerdings gescheitert. Neben Georg, Malene und - zumindest früher- wechselnden Saisonarbeitern, arbeitet auch der knapp zehn Jahre ältere Leander auf dem Hof, der Sohn des ehemaligen Verwalters. Was zwischen Jirka und Leander in der Vergangenheit vorgefallen ist, erfahren wir stückchenweise. Auch die jeweils mit großen Problemen und gegenseitigen Verletzungen behaftete Beziehung Jirkas zu seinen Familienmitgliedern wird nach und nach deutlich. Erzählt wird die Geschichte einzig aus der Perspektive Jirkas. Die Gegenwartshandlung wird unterbrochen von Flashbacks, in denen der Protagonist gedanklich die Vergangenheit heraufbeschwört. Es sind Dinge, Orte, Räume und die Umgebung rund um das elterliche Haus, die diese Erinnerungen jeweils triggern und zum Vorschein bringen. Zeit wird fluide und was gestern oder heute ist und war wird immer mehr zu einem Ganzen: “Ich starre in den offenen Kühlschrank, während Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen und eins werden.” (S. 203) Was mich etwas stört, sind die nicht vorhandenen Zeitangaben bzw. der kryptische Umgang damit. Ich bin kein großer Fan davon, wenn man sich in Romanen als Leser*in mühsam erarbeiten muss, in welchem Jahr oder gar Jahrzehnt man sich befindet. Natürlich gibt es versteckte Hinweise im Setting, die auf die 1980er Jahre hindeuten: Walkman, Wählscheibentelefone, Neue Deutsche Welle im Radio, Zwanzigmarkscheine im Geldbeutel. Aber es wird nicht eine Jahreszahl direkt genannt. Die demente Großmutter wird einmal von Jirka gefragt, welches Jahr wir haben, aber sie antwortet nicht. Warum solche Infos, die den Lesenden zur Orientierung dienen würden, ausgelassen werden, verstehe ich nicht. Warum um den Zeitpunkt der Handlung so ein Geheimnis machen? Thematisiert wird, dass Jirkas Vater im Krieg war und damit die Generation der Kriegsheimkehrer, die ihre Traumata nicht aufarbeiten konnten oder durften und stattdessen ihre Familie tyrannisierten. Gegessen darf nur, solange der Hausherr isst. Solche Sachen, die heute jeder als Psychoterror erkennt. Dass mit Jirka ein queerer Protagonist erzählt wird, ist ein großes Plus dieses Romans. Auch hier wäre es interessant gewesen, etwas näher auf die gesamtgesellschaftliche Situation der Zeit einzugehen, schließlich wurden homosexuelle Beziehungen auf dem Land vor 30,40 Jahren noch anders gelebt als heute. Bildgewaltig ist dieser Roman, auch wenn die Metaphorik manchmal etwas über das Ziel hinausschießt, was bei einem Debütroman nicht unüblich ist. Die Atmosphäre auf dem Land zur Erntezeit im Sommer wird sehr schön wiedergegeben, auch die Spannungen unter den Charakteren werden anschaulich ausgearbeitet. Das Buch hat einen spröden Charme, der sich für mich erst im letzten Drittel vollends entfalten konnte. Vor allem die Beziehung zwischen Jirka und Leander hat mir sehr gut gefallen, leider endet der Roman genau an dem Punkt, wo es interessant geworden wäre. Das Ende in Bezug auf Georg hat dem ganzen Roman einen leicht grotesk-unrealistischen Anstrich verliehen, den ich nicht unbedingt gebraucht hätte. Im Ganzen hat mir die Geschichte aber etwas gegeben und ich kann sie allen empfehlen, denen die Themen queere Liebe, Heimkehr und Provinzsetting am Herzen liegen.

2.5

Mich hat die Story inhaltlich leider nicht abholen können und die Protagonisten fand ich durchweg unsympathisch.

📌 "Beide Kinder folgten nicht ihren vorgegebenen Pfaden." - S. 85 Jirka kehrt wegen eines Musterungsbescheids zurück auf den elterlichen Hof, den er einst froh war verlassen zu können, denn unter dem strengen Regime des Vaters war das Leben kein Leichtes. Seine Schwester, die während seiner Abwesenheit zuhause die Stellung hielt, begegnet ihm feindselig, fühlte sie sich doch im Stich gelassen, als sie sich alleine um die demente Großmutter und den elterlichen Hof kümmern musste. Ihre Unterstützung wurde vom Vater missbilligend "geduldet", Mädchen taugen schließlich nicht für Landarbeit. Doch Jirka, der feinfühlige, künstlerisch Begabte hatte nie vor den elterlichen Hof zu übernehmen, was ihn weiter in der Gunst des Vaters sinken ließ und mit zum Bruch führte. Und dann ist da auch noch Leander, der in Jirka Erinnerungen und Gefühle hervorruft, die er nicht bereit ist sich einzugestehen und die er bis dato zu verdrängen versucht hat. Um als Bruder seiner Schwester endlich beizustehen, möchte Jirka das klärende Gespräch mit seinem Vater suchen, doch dieser ist seit Tagen schon ausserhäusig und nicht greifbar. Ich selbst hatte ziemlich schnell eine Vermutung, was hinter der Abwesenheit des Vaters steckt, so dass der Überraschungseffekt für mich leider ausblieb. Julja Linhof nutzt die leisen Töne um Laut zu geben. Laut, über familiäre Misshandlungen, über Intoleranz bezüglich Homosexualität, über fehlende Gleichberechtigung, Alkoholismus etc. Aktuelle Themen wurden hier aufgegriffen und miteinander verknüpft . Die Umsetzung gelingt ihr sprachlich sehr gut, jedoch muss ich gestehen, dass ich oftmals verwirrt war, wenn ich festgestellt habe, dass ich gerade wieder aus der Vergangenheit lese, obwohl ich davor noch in der Gegenwart zugegen war. Das hat mir meine Lesefreude etwas geschmälert, zumal mir für mein dürftig ausgestattetes Namensgedächtnis auch noch zu viele (Neben-)Protagonisten vorkamen. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich vermutlich weniger begeistert bin, als andere Leser/innen da mir persönlich die Erzählstimme nicht so gut gefallen hat - ich bin mit Jirka leider bis zum Ende nicht warm geworden. Des weiteren war es für mich befremdlich und nicht unbedingt nachvollziehbar aus der Feder einer Frau eine männliche und dann auch noch queere Sichtweise zu lesen - mich hat die Story leider nicht abgeholt - aber das ist natürlich wie immer reine Geschmackssache.

Mich hat die Story inhaltlich leider nicht abholen können und die Protagonisten fand ich durchweg unsympathisch.
3

Nicht dafür gemacht everybody's Darling zu sein und meins war's leider auch nicht :/

Das Buch hat für mich mit der Widmung "Aus so krummem Holze, woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden", einem Zitat von Immanuel Kant, äußerst vielversprechend angefangen, da mich das Zitat einfach total angesprochen hat. Leider konnte das Buch selbst nicht ansprechen. Es liegt wahrscheinlich zum Einen daran, dass ich mich nicht so gut in die Zeit hineinversetzen konnte in der es gespielt hatte (Dass das Buch nicht in der Gegenwart gespielt hat, hat die Handlung für mich nur unnötig verkompliziert und meiner Meinung auch nichts zu Message des Buchs beigetragen.) aber auch keine Beziehung zu den Charakteren aufbauen konnte. Viele Entscheidungen und Handlungsweisen konnte ich leider nicht nachvollziehen, sodass mich die Handlung ziemlich kalt gelassen hat...

3.5

Nach Startschwierigkeiten ein gutes Sommerbuch.

Krummes Holz ist für mich ein absolutes Sommerbuch. Drückend und schwer, wie ein heißer Sommer ohne Regen. Cover passt perfekt zum Inhalt. Anfangs viel es mir schwer es zu lesen, ich habe mich immer wieder zwischen den Zeilen und den Zeitsprüngen verheddert. Nach knapp der Hälfte konnte ich es dann besser ordnen und kam immer besser in die Geschichte hinein. Die Zeit fließt sehr träge dahin, genauso die Geschichte. Vieles wird nur angedeutet und lässt viel Raum zur Interpretation. Generell ist ein wichtiges Thema die Bezeichnung der Charaktere zum Protagonisten, die Schwester, die Oma und der letzte Hofmitarbeiter. Alle verbindet sehr tief etwas, und doch kann es keiner der vier Personen wirklich packen. Es ist verworren und undurchsichtig, doch mit der Zeit kommt immer mehr Licht hinein. Man entdeckt kleine, wichtige Details die das Gesamtbild immer mehr zusammensetzen. Die Charaktere bleiben dabei aber immer etwas entrückt, nicht richtig greifbar. Fast wie ein Flimmern auf heißem Asphalt im Hochsommer. Mit dem Ende hatte ich so gar nicht gerechnet. Mir hat es gut gefallen, im Sommer kommt die Stimmung vermutlich sogar nochmal besser rüber.

Nach Startschwierigkeiten ein gutes Sommerbuch.
5

neues lieblingsbuch

1

Habe deutlich mehr erwartet... langweilt mich, deshalb habe ich es abgebrochen

3

Meine ausführliche Meinung zu dem Buch könnt ihr am 09.11. in der nächsten Folge von lesen.mp3 hören!

5

Starkes Debüt

Das Buch hat mich völlig mitgerissen. Diese Frau hat ein Talent fürs Schreiben. Ein wahnsinnig gutes Debüt. Die Stimmung kommt gut rüber und zieht sich durch das gesamte Buch. Ich hab mich gefühlt, als wäre ich wirklich dabei. Starke wenn auch beklemmende Familiengeschichte.

3

Dass es sich in diesem Buch keine leichtfüßige Sommergeschichte verbirgt deutet schon der Klappentext an, eine Missbrauchswarnung hätte ich dennoch gerne vorher gelesen. Die Stimmung, die die Autorin kreiert ist drückend, beinah greifbar und zu Beginn definitiv fesselnd. Dass es sich um die Annäherung zweier Geschwister dreht, stimmt zwar grob abstrahiert, die Intention des Protagonisten die Beziehung wiederzubeleben bleibt den Roman lang aber eher verborgen. Im Verlauf habe ich etwas den Atem verloren, zu viele offene, nicht ganz ausgesprochene Andeutungen, die nie ganz aufgeklärt werden. Insgesamt sprachlich ein besonderes, lesenswertes Buch, allerdings nichts, was die Stimmung hebt. Ich bin dennoch gespannt auf mehr Romane der Autorin!

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