Der Mann meines Bruders 1
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Description
Der überraschende Besuch von Onkel Mike in dem beschaulichen japanischen Städtchen entzückt seine Nichte Kana, wirft den alleinerziehenden Vater Yaichi aber vollends aus den wohlgeordneten Bahnen seines Lebens. Denn der Kanadier Mike Flanagan ist der hinterbliebene Ehemann von Yaichis verstorbenen Zwillingsbruder Ryoji, der als Erwachsener die Akzeptanz seiner Sexualität im Ausland suchte. Mike will mit seinem Besuch endlich die japanische Verwandschaft kennenlernen und seine Trauer um Ryoji teilen, während Yaichi sich gedanklich seinem Zwillingsbruder erst wieder annähern muss. Hat er damals seinen Bruder genügend unterstützt, als der ihm seine Homosexualität gebeichtet hat? Oder fühlte sich Ryoji von ihm im Stich gelassen? Die ganze Nachbarschaft bebt unter Mikes Besuch, denn einen großen bärtigen Kanadier haben die wenigsten bisher in ihrem Zuhause gesehen und wer weiß schon, was alles passieren kann, wenn man mit der "Invasion des Fremden" konfrontiert wird!!
Book Information
Author Description
Der studierte Grafiker kam schon 1982 zum Manga zeichnen. In „Der Mann meines Bruders“ war es ihm als offen lebender Homosexueller ein Bedürfnis, seine Mitbürger für die Rechte von Schwulen und Lesen zu sensibilisieren. Dies ist seine erste All-Age-Serie, die einem breiten Publikum bekannt wurde.
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Der Mann meines Bruders Band 1 / Die Invasion des Fremden
Als ich den ersten Band der Manga-Reihe "Der Mann meines Bruders" von Gengoroh Tagame aufschlug, war ich zunächst unsicher, was mich erwarten würde. Der Titel und das Cover hatten mich neugierig gemacht, aber ich wusste nicht viel über die Geschichte oder die thematischen Schwerpunkte. Doch bereits nach den ersten Seiten wurde mir klar, dass ich etwas Besonderes in den Händen hielt. Die Geschichte beginnt mit Yaichi, einem alleinerziehenden Vater, der in Japan lebt. Sein Alltag wird auf den Kopf gestellt, als Mike, der kanadische Ehemann seines kürzlich verstorbenen Zwillingsbruders Ryoji, plötzlich vor seiner Tür steht. Yaichi hat Mühe, mit den neuen, unerwarteten Emotionen und Vorurteilen umzugehen, die Mikes Auftauchen in ihm auslöst. Tagames Zeichenstil hat mich sofort begeistert. Die klare Linienführung und die detaillierten Hintergründe bringen die Figuren und ihre Umgebung lebendig zur Geltung. Besonders beeindruckend fand ich, wie es Tagame gelingt, die Emotionen der Charaktere einzufangen. Yaichis innere Konflikte und Mikes sanfte, freundliche Art sind durch die Mimik und Körpersprache wunderbar dargestellt. Inhaltlich überzeugt der Manga durch seine sensible Herangehensweise an das Thema Homosexualität und Vorurteile in der japanischen Gesellschaft. Durch Yaichis Perspektive bekomme ich einen Einblick in die alltäglichen Herausforderungen und den langsamen Prozess des Umdenkens. Besonders berührend fand ich die Szenen, in denen Yaichis Tochter Kana offen und neugierig auf Mike zugeht. Sie akzeptiert ihn bedingungslos und stellt damit einen Kontrast zu ihrem Vater dar, der erst lernen muss, seine eigenen Vorurteile zu überwinden. Was diesen Manga für mich besonders wertvoll macht, ist seine Fähigkeit, Empathie zu fördern. Während ich Yaichis Entwicklung verfolge, werde ich dazu angeregt, meine eigenen Ansichten zu hinterfragen und mich in die Lage anderer Menschen zu versetzen. Tagame schafft es, schwierige Themen wie Verlust, Akzeptanz und die Bedeutung von Familie auf eine Weise zu behandeln, die sowohl zum Nachdenken anregt als auch Hoffnung vermittelt. Insgesamt hat mich der erste Band von "Der Mann meines Bruders" tief bewegt und ich bin gespannt darauf, wie sich die Geschichte in den folgenden Bänden weiterentwickelt. Gengoroh Tagame hat hier ein Werk geschaffen, das nicht nur durch seine kunstvolle Darstellung, sondern auch durch seine menschliche Wärme und Tiefe beeindruckt.

Yaichi ist dezent überfordert, als eines Tages Mike vor seiner Tür steht. Der Mann, seines kürzlich verstorbenen Zwillingsbruders Ryoji. Die Zwillinge entfernten sich nach Ryojis Coming Out voneinander und Ryoji ging vor zehn Jahren nach Kanada. Yaichi ist es unangenehm, er weiß nicht, wie er mit Mike umgehen soll und würde ihn am liebsten so schnell wie möglich wieder los werden. Wäre da nicht Kana, Yaichis Tochter, die völlig begeistert von Onkel Mike ist. Kana nimmt es ohne zu hinterfragen als etwas andernorts völlig normales auf, dass zwei Männer heiraten. Allerdings sei erwähnt, dass Kana auch völlig überrumpelt ist, als ihre Freundin einem gemeinsamen Freund sagt, die beiden hätten geheiratet, weil sie sich liebten, denn Kana weiß nicht, was Liebe eigentlich ist. Durch Kanas offene und überhaupt nicht zurückhaltende Art und Mikes Antworten sieht Yaichi sich immer wieder mit seinem eigenen Unwissen und seinen Vorurteilen konfrontiert und denkt schneller drüber nach, als ich für möglich gehalten hätte. Außerdem fängt er ganz langsam an, sich damit auseinanderzusetzen, dass er keinen Kontakt zu seinem Bruder hatte und viele Seiten von ihm gat nicht kannte. Ich denke, Yaichi und Mike werden sich gegenseitig beim Trauern helfen können. Der Zeichenstil ist sicher nicht jedermanns Sache und die Story keine actiongeladene Romanze. Gengoroh Tagames Zeichenstil verortet sich im Bara Genre - idealisierte Maskulinität, die sich durch starke Körperbehaarung, Beleibtheit und Muskolosität auszeichnet, im Falle dieses Mangas jedoch die Erotik außen vor lässt. Hier geht es nicht um dramatische und erotische Romanzen, sondern einfach nur um die Tatsache, dass es auch gleichgeschlechtliche Paare gibt, um die Akzeptanz dieser, um Familie und den Verlust eines geliebten Menschen. Und ich finde, für den ersten Band war das schon wundervoll. Emotional und trotzdem unaufgeregt. Den ersten Band halte ich persönlich für jüngere Leser ebenso geeignet wie für ältere. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und ob Yaichi sich mit Mikes (und Kanas) Hilfe seinem verstorbenen Zwillingsbruder gedanklich wieder annähern und um ihn trauern kann.
Story: Das Leben des alleinerziehenden Yaichi besteht vorwiegend aus Hausarbeit, der Arbeit als Immobilienverwalter und des Großziehens seiner kleinen Tochter Kana. Das ändert sich, als eines Tages er Kanadier Mike vor seiner Tür steht – der Mann seines verstorbenen Zwillingsbruders Ryoji. Mike möchte das Land und die Familie seiner großen Liebe kennenlernen. Nach anfänglicher Skepsis nimmt Yaichi seinen Schwager bei sich auf, unsicher, wie er mit der Situation umgehen soll und wie er Kana erklären soll, dass ihr Onkel schwul war und nach Kanada geflohen ist, um sein eigenes Leben zu leben … Eigene Meinung: Mit dem vielfach ausgezeichneten Bara Manga „Der Mann meines Bruders“ legt Carlsen erstmals eine Reihe der offen schwulen Künstlers Gengoroh Tagame vor. Frühere, teils explizitere Werke des Mangaka erschienen beim Bruno Gmünder Verlags in englischer Sprache und bestechen durch sehr maskuline Figuren und einem hohen Maß an BDSM-Erotik. Mit „Der Mann meines Bruders“ beschreitet der Künstler erstmals andere Wege und legt eine All Age Mangareihe vor, die sich an das breite Publikum richtet und Homosexualität realistisch darstellen will. Dabei greift er Vorurteile und Klischees auf, zeigt aber auch auf realistische Weise, wie das Leben von Homosexuellen im Westen aussieht. Eine wirklich spannende, actionreiche Geschichte kann man entsprechend des Themas nicht erwarten, denn die Handlung konzentriert sich komplett auf die Figurenkonstallation und den daraus entstehenden Problemen. Der ruhige homosexuelle Mike, der in die Heimat seines Mannes reist, um dessen unerwarteten Tod zu verarbeiten und Ryojis Zwillingsbruder kennen zu lernen; der neutrale Yaichi, dem es schwerfällt, den riesigen Mike bei sich willkommen zu heißen und der sich mit seiner Vergangenheit und seinen Vorurteilen gegenüber Homosexuellen auseinandersetzen muss; und die quirlige Kana, die in ihrer kindlichen Naivität keine Probleme damit hat, dass Mike der Mann ihres Onkels hat und diesen überschwänglich willkommen heißt. Sie ist oftmals das treibende Element, da sie offen Fragen stellt ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob dies gesellschaftlich in Ordnung ist – was ihrem prüden Vater zumeist weniger gefällt. Er steht sinnbildlich für die größte Gruppe der japanischen Bevölkerung: der skeptisch neutralen, die nur wenig über das Thema wissen und sich vorwiegend auf Vorurteile stützen, ohne bewerten zu wollen. Mike wiederrum ist geduldig und gibt bereitwillig Auskunft über das Leben in Kanada und die Hintergründe zu seinem Leben mit Ryoji. Dabei erhält der (Japanische) Mangaleser erstmals ein realistisches Bild auf das schwule Leben, denn die romantisierten Darstellungen im Boys Love Genre entsprechen selten der Wirklichkeit. Die Figuren sind, wie bereits beschrieben sehr realistisch und gut nachvollziehbar. Man kann sich sowohl mit Mike, als auch mit Yaichi oder Kana identifizieren und versteht ihre Handlungen. Da der Manga aus Yaichis Sicht erzählt wird (nur einmal wechselt die Geschichte zu Kana), erfährt man über den alleinerziehenden Vater am meisten, insbesondere wenn es um seine Vergangenheit und die Erinnerungen an seinen Bruder geht. Dabei bleibt Mike ein wenig blass, doch vielleicht bekommt er in den Folgebänden eine stärkere Stimme. Stilistisch hebt sich Gengoroh Tagame stark von den typischen Boys Love Mangas ab, da er im Bara-Stil zuhause ist, der für große, breite und muskulöse Männer steht, oftmals mit Bauchansatz versehen. Diese Bears zeichnen Mangas des Genres aus und der Künstler macht dabei keine Ausnahme – insbesondere in der Darstellung von Mike, der überhaupt nicht dem typischen Mangaklischee des gut aussehenden Tops entspricht. Das ist auch gut so, denn der Künstler will eine realistische Geschichte erzählen, in der authentische Figuren vorkommen und alltägliche Situationen gezeigt werden. Im Gegensatz zu seinen üblichen Werken verzichtet Gengoroh Tagame natürlich auch gänzlich auf Erotik – man kann davon ausgehen, dass die Geschichte auch nie in diese Richtung gehen wird, denn „Der Mann meines Bruders“ will keine Beziehungsgeschichte erzählen, sondern über das queere Leben informieren. Fazit: „Der Mann meines Bruders“ ist ein gelungener Manga für jede Altersklasse, der durch eine spannende Ausgangssituation, sympathische, authentische Charaktere und eine sehr ruhige, unspektakuläre Handlung besticht. Gengoroh Tagame transportiert das Thema geleichgeschlechtliche Liebe und Partnerschaft mit Leichtigkeit und Humor, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Zu empfehlen.
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Der überraschende Besuch von Onkel Mike in dem beschaulichen japanischen Städtchen entzückt seine Nichte Kana, wirft den alleinerziehenden Vater Yaichi aber vollends aus den wohlgeordneten Bahnen seines Lebens. Denn der Kanadier Mike Flanagan ist der hinterbliebene Ehemann von Yaichis verstorbenen Zwillingsbruder Ryoji, der als Erwachsener die Akzeptanz seiner Sexualität im Ausland suchte. Mike will mit seinem Besuch endlich die japanische Verwandschaft kennenlernen und seine Trauer um Ryoji teilen, während Yaichi sich gedanklich seinem Zwillingsbruder erst wieder annähern muss. Hat er damals seinen Bruder genügend unterstützt, als der ihm seine Homosexualität gebeichtet hat? Oder fühlte sich Ryoji von ihm im Stich gelassen? Die ganze Nachbarschaft bebt unter Mikes Besuch, denn einen großen bärtigen Kanadier haben die wenigsten bisher in ihrem Zuhause gesehen und wer weiß schon, was alles passieren kann, wenn man mit der "Invasion des Fremden" konfrontiert wird!!
Book Information
Author Description
Der studierte Grafiker kam schon 1982 zum Manga zeichnen. In „Der Mann meines Bruders“ war es ihm als offen lebender Homosexueller ein Bedürfnis, seine Mitbürger für die Rechte von Schwulen und Lesen zu sensibilisieren. Dies ist seine erste All-Age-Serie, die einem breiten Publikum bekannt wurde.
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Der Mann meines Bruders Band 1 / Die Invasion des Fremden
Als ich den ersten Band der Manga-Reihe "Der Mann meines Bruders" von Gengoroh Tagame aufschlug, war ich zunächst unsicher, was mich erwarten würde. Der Titel und das Cover hatten mich neugierig gemacht, aber ich wusste nicht viel über die Geschichte oder die thematischen Schwerpunkte. Doch bereits nach den ersten Seiten wurde mir klar, dass ich etwas Besonderes in den Händen hielt. Die Geschichte beginnt mit Yaichi, einem alleinerziehenden Vater, der in Japan lebt. Sein Alltag wird auf den Kopf gestellt, als Mike, der kanadische Ehemann seines kürzlich verstorbenen Zwillingsbruders Ryoji, plötzlich vor seiner Tür steht. Yaichi hat Mühe, mit den neuen, unerwarteten Emotionen und Vorurteilen umzugehen, die Mikes Auftauchen in ihm auslöst. Tagames Zeichenstil hat mich sofort begeistert. Die klare Linienführung und die detaillierten Hintergründe bringen die Figuren und ihre Umgebung lebendig zur Geltung. Besonders beeindruckend fand ich, wie es Tagame gelingt, die Emotionen der Charaktere einzufangen. Yaichis innere Konflikte und Mikes sanfte, freundliche Art sind durch die Mimik und Körpersprache wunderbar dargestellt. Inhaltlich überzeugt der Manga durch seine sensible Herangehensweise an das Thema Homosexualität und Vorurteile in der japanischen Gesellschaft. Durch Yaichis Perspektive bekomme ich einen Einblick in die alltäglichen Herausforderungen und den langsamen Prozess des Umdenkens. Besonders berührend fand ich die Szenen, in denen Yaichis Tochter Kana offen und neugierig auf Mike zugeht. Sie akzeptiert ihn bedingungslos und stellt damit einen Kontrast zu ihrem Vater dar, der erst lernen muss, seine eigenen Vorurteile zu überwinden. Was diesen Manga für mich besonders wertvoll macht, ist seine Fähigkeit, Empathie zu fördern. Während ich Yaichis Entwicklung verfolge, werde ich dazu angeregt, meine eigenen Ansichten zu hinterfragen und mich in die Lage anderer Menschen zu versetzen. Tagame schafft es, schwierige Themen wie Verlust, Akzeptanz und die Bedeutung von Familie auf eine Weise zu behandeln, die sowohl zum Nachdenken anregt als auch Hoffnung vermittelt. Insgesamt hat mich der erste Band von "Der Mann meines Bruders" tief bewegt und ich bin gespannt darauf, wie sich die Geschichte in den folgenden Bänden weiterentwickelt. Gengoroh Tagame hat hier ein Werk geschaffen, das nicht nur durch seine kunstvolle Darstellung, sondern auch durch seine menschliche Wärme und Tiefe beeindruckt.

Yaichi ist dezent überfordert, als eines Tages Mike vor seiner Tür steht. Der Mann, seines kürzlich verstorbenen Zwillingsbruders Ryoji. Die Zwillinge entfernten sich nach Ryojis Coming Out voneinander und Ryoji ging vor zehn Jahren nach Kanada. Yaichi ist es unangenehm, er weiß nicht, wie er mit Mike umgehen soll und würde ihn am liebsten so schnell wie möglich wieder los werden. Wäre da nicht Kana, Yaichis Tochter, die völlig begeistert von Onkel Mike ist. Kana nimmt es ohne zu hinterfragen als etwas andernorts völlig normales auf, dass zwei Männer heiraten. Allerdings sei erwähnt, dass Kana auch völlig überrumpelt ist, als ihre Freundin einem gemeinsamen Freund sagt, die beiden hätten geheiratet, weil sie sich liebten, denn Kana weiß nicht, was Liebe eigentlich ist. Durch Kanas offene und überhaupt nicht zurückhaltende Art und Mikes Antworten sieht Yaichi sich immer wieder mit seinem eigenen Unwissen und seinen Vorurteilen konfrontiert und denkt schneller drüber nach, als ich für möglich gehalten hätte. Außerdem fängt er ganz langsam an, sich damit auseinanderzusetzen, dass er keinen Kontakt zu seinem Bruder hatte und viele Seiten von ihm gat nicht kannte. Ich denke, Yaichi und Mike werden sich gegenseitig beim Trauern helfen können. Der Zeichenstil ist sicher nicht jedermanns Sache und die Story keine actiongeladene Romanze. Gengoroh Tagames Zeichenstil verortet sich im Bara Genre - idealisierte Maskulinität, die sich durch starke Körperbehaarung, Beleibtheit und Muskolosität auszeichnet, im Falle dieses Mangas jedoch die Erotik außen vor lässt. Hier geht es nicht um dramatische und erotische Romanzen, sondern einfach nur um die Tatsache, dass es auch gleichgeschlechtliche Paare gibt, um die Akzeptanz dieser, um Familie und den Verlust eines geliebten Menschen. Und ich finde, für den ersten Band war das schon wundervoll. Emotional und trotzdem unaufgeregt. Den ersten Band halte ich persönlich für jüngere Leser ebenso geeignet wie für ältere. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und ob Yaichi sich mit Mikes (und Kanas) Hilfe seinem verstorbenen Zwillingsbruder gedanklich wieder annähern und um ihn trauern kann.
Story: Das Leben des alleinerziehenden Yaichi besteht vorwiegend aus Hausarbeit, der Arbeit als Immobilienverwalter und des Großziehens seiner kleinen Tochter Kana. Das ändert sich, als eines Tages er Kanadier Mike vor seiner Tür steht – der Mann seines verstorbenen Zwillingsbruders Ryoji. Mike möchte das Land und die Familie seiner großen Liebe kennenlernen. Nach anfänglicher Skepsis nimmt Yaichi seinen Schwager bei sich auf, unsicher, wie er mit der Situation umgehen soll und wie er Kana erklären soll, dass ihr Onkel schwul war und nach Kanada geflohen ist, um sein eigenes Leben zu leben … Eigene Meinung: Mit dem vielfach ausgezeichneten Bara Manga „Der Mann meines Bruders“ legt Carlsen erstmals eine Reihe der offen schwulen Künstlers Gengoroh Tagame vor. Frühere, teils explizitere Werke des Mangaka erschienen beim Bruno Gmünder Verlags in englischer Sprache und bestechen durch sehr maskuline Figuren und einem hohen Maß an BDSM-Erotik. Mit „Der Mann meines Bruders“ beschreitet der Künstler erstmals andere Wege und legt eine All Age Mangareihe vor, die sich an das breite Publikum richtet und Homosexualität realistisch darstellen will. Dabei greift er Vorurteile und Klischees auf, zeigt aber auch auf realistische Weise, wie das Leben von Homosexuellen im Westen aussieht. Eine wirklich spannende, actionreiche Geschichte kann man entsprechend des Themas nicht erwarten, denn die Handlung konzentriert sich komplett auf die Figurenkonstallation und den daraus entstehenden Problemen. Der ruhige homosexuelle Mike, der in die Heimat seines Mannes reist, um dessen unerwarteten Tod zu verarbeiten und Ryojis Zwillingsbruder kennen zu lernen; der neutrale Yaichi, dem es schwerfällt, den riesigen Mike bei sich willkommen zu heißen und der sich mit seiner Vergangenheit und seinen Vorurteilen gegenüber Homosexuellen auseinandersetzen muss; und die quirlige Kana, die in ihrer kindlichen Naivität keine Probleme damit hat, dass Mike der Mann ihres Onkels hat und diesen überschwänglich willkommen heißt. Sie ist oftmals das treibende Element, da sie offen Fragen stellt ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob dies gesellschaftlich in Ordnung ist – was ihrem prüden Vater zumeist weniger gefällt. Er steht sinnbildlich für die größte Gruppe der japanischen Bevölkerung: der skeptisch neutralen, die nur wenig über das Thema wissen und sich vorwiegend auf Vorurteile stützen, ohne bewerten zu wollen. Mike wiederrum ist geduldig und gibt bereitwillig Auskunft über das Leben in Kanada und die Hintergründe zu seinem Leben mit Ryoji. Dabei erhält der (Japanische) Mangaleser erstmals ein realistisches Bild auf das schwule Leben, denn die romantisierten Darstellungen im Boys Love Genre entsprechen selten der Wirklichkeit. Die Figuren sind, wie bereits beschrieben sehr realistisch und gut nachvollziehbar. Man kann sich sowohl mit Mike, als auch mit Yaichi oder Kana identifizieren und versteht ihre Handlungen. Da der Manga aus Yaichis Sicht erzählt wird (nur einmal wechselt die Geschichte zu Kana), erfährt man über den alleinerziehenden Vater am meisten, insbesondere wenn es um seine Vergangenheit und die Erinnerungen an seinen Bruder geht. Dabei bleibt Mike ein wenig blass, doch vielleicht bekommt er in den Folgebänden eine stärkere Stimme. Stilistisch hebt sich Gengoroh Tagame stark von den typischen Boys Love Mangas ab, da er im Bara-Stil zuhause ist, der für große, breite und muskulöse Männer steht, oftmals mit Bauchansatz versehen. Diese Bears zeichnen Mangas des Genres aus und der Künstler macht dabei keine Ausnahme – insbesondere in der Darstellung von Mike, der überhaupt nicht dem typischen Mangaklischee des gut aussehenden Tops entspricht. Das ist auch gut so, denn der Künstler will eine realistische Geschichte erzählen, in der authentische Figuren vorkommen und alltägliche Situationen gezeigt werden. Im Gegensatz zu seinen üblichen Werken verzichtet Gengoroh Tagame natürlich auch gänzlich auf Erotik – man kann davon ausgehen, dass die Geschichte auch nie in diese Richtung gehen wird, denn „Der Mann meines Bruders“ will keine Beziehungsgeschichte erzählen, sondern über das queere Leben informieren. Fazit: „Der Mann meines Bruders“ ist ein gelungener Manga für jede Altersklasse, der durch eine spannende Ausgangssituation, sympathische, authentische Charaktere und eine sehr ruhige, unspektakuläre Handlung besticht. Gengoroh Tagame transportiert das Thema geleichgeschlechtliche Liebe und Partnerschaft mit Leichtigkeit und Humor, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Zu empfehlen.

















