Hundesohn

Hundesohn

Hardback
4.0319

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Description

Dies ist eine Liebesgeschichte. Sie spielt im Juni, im Juli, im August in Adana, dreitausend Kilometer weit weg von Berlin. In Berlin lebt Zeko. Hier trifft er Männer in Parks und Cafés, auf Dating-Apps und vor der Moschee. Doch jedes Mal, wenn sich ihre Lippen berühren, reißen ihn die Gedanken zurück zu Hassan, dem Nachbarsjungen in Adana, den Dede, sein Großvater, immer nur »Hundesohn« nennt. Zeko kennt das laute Viertel, den Staub in den Gassen nur aus den Sommerferien. Dann stirbt Dede an einem Herzinfarkt. Aber Zeko will nicht vergessen, nicht den Großvater, der alten Männern die Sorgen aus dem Bart schnitt und auf Arabisch sang, nicht die religiösen Rituale und den Geschmack von Bamya. Und vor allem nicht Hassan.
»In neun Tagen werde ich Hassan wiedersehen«, wiederholt er wie ein Mantra: beim Freitagsgebet, in der Therapiesitzung, im Prinzenbad, beim Mittagessen mit seiner besten Freundin Pari. Aber etwas ist geschehen, als Zeko und Hassan sich das letzte Mal sahen. Etwas, das immer heftiger heraufdrängt, je näher der Tag seiner Abreise kommt.

Hundesohn erzählt radikal und poetisch von Liebe und Begehren. Von der Euphorie und Verletzlichkeit, der Angst und dem Glück, wenn man liebt. Vom leisen Schrei und lauten Flüstern: am Küchentisch, in fremden Betten und im Gebet. Und vermisst dabei unsere zerrissene Gegenwart, über alle Grenzen von Ländern, Sprache und Körper hinweg.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
219
Price
24.70 €

Author Description

Ozan Zakariya Keskinkılıç, geboren 1989, studierte Politikwissenschaften in Wien, Berlin und Cambridge. 2022 erschien sein Lyrikdebüt Prinzenbad im Elif Verlag, 2023 das Sachbuch Muslimaniac. Die Karriere eines Feindbildes im Verbrecher Verlag. Seine Texte wurden in Zeitschriften und Anthologien (u. a. anders bleiben, Rowohlt 2023) veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt. 2025 wurde er u.a. mit dem ZDF-»aspekte«-Literaturpreis und dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis ausgezeichnet. Hundesohn ist sein erster Roman.

Characteristics

5 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
44%
48%
5%
44%
33%
37%
32%
70%
38%
31%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
61%
71%
54%
72%

Pace

Fast0%
Slow40%
Moderate20%
Variable40%

Writing Style

Simple0%
Complex60%
Moderate40%
Bildhaft (60%)Poetisch (100%)Außergewöhnlich (20%)

Posts

47
All
4

Ein sehr poetischer, metaphorischer Schreibstil trifft auf eine manchmal recht raue, direkt und unverblümte Wortwahl.

Ein stiller Roman und dennoch schreit er vor Schmerz und Unsicherheit (jedenfalls ist so meine Empfindung). Sich nirgendwo zugehörig zu fühlen. Die Zerrissenheit bezüglich der Herkunft, der Heimat, des Geburtslandes. Vorurteilen begegnen. Ablehnung. Fremd sein. Einsamkeit. Missverstanden zu werden. Gefangen im eigenen Kopf, der Seele, der Emotionen jeglicher Art. Sich selbst nicht kennen. Sich selbst verleugnen. Immer nur das Leben anderer betrachten, als Außenstehender, der nie gesehen wird. Sich anbieten, um die Einsamkeit zu füllen, Sehnsucht zu stillen, Schmerz zu lindern, gesehen zu werden und dennoch übersehen zu werden. Ein Grinder-Date nach dem anderen, was die Sehnsucht, Einsamkeit und das Gefühl des "ich bin nicht richtig" weiterhin anschürt. Freundschaft, wahre Freundschaft. Verständnisvolle Freundschaft. Platonische Liebe. Und immer wieder der Gedanke an eine Person, mit der alles und jeder verglichen wird. Nichts und niemand kann dieser einen Person das Wasser reichen, ist ihr ebenbürtig... Fazit: Ein völlig anderes Buch im Vergleich zu denen, die ich in der Vergangenheit gelesen habe. Poetisch, lyrisch, anders. Nichts für nebenbei. Und der häufige Wechsel der Sprachen (Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Französisch, Elbisch...hab ich eine vergessen?) ja, ich kam damit zurecht, obwohl ich lediglich das Englische übersetzen konnte. Ich hatte anderes erwartet, aber es hat mich dennoch erreicht und zum Nachdenken gebracht UND ... jetzt hab ich Lust auf Kafka bekommen...

5

"Ich weiß, dieses Buch ist die Axt für das gefrorene Meer in dir, sagte Pari." Derb und poetisch, voll absurd schön ausformulierter Sprachbilder und voller Sehnsucht.

5

Queere Migra Kids checken

Wenn ich mir paar Rezensionen durchlese kriege ich ne Gänsehaut, wenn das Wort "Liebesgeschichte" auftaucht. Nicht im positiven Sinne. Ja es wird die liebevolle platonische Liebe zwischen dem Protagonisten und seiner Besten Freundin dargestellt, aber viel mehr zeigt dieses Buch die Hürden und Opfer die man bringt, wenn man garnicht man selbst sein kann bzw darf und bei jedem Menschen eine "andere Version" von sich selbst ist und man am Ende garnicht mehr weiß wer man selbst ist... die Existenz von Abhängigkeit und das Verlangen nach Anerkennung die hervorgerufen wurden durch verschiedene Ereignisse im Leben des Protagonisten sind sehr poetisch und verletztlich geschrieben. Grandioses Buch Kafka's Wiedergeburt ‼️‼️‼️

5

Ozan Zakariya hat die Poesie aus dem queeren Leben gequetscht

Zeko ist queer. Zeko ist Migra Kind. Zeko lebt in Berlin. Zeko reist einmal im Jahr in die Türkei. Zeko verzehrt sich nach Hassan. Zeko hat Grindr Dates. Zeko hat viele Grindr Dates. Zeko liebt Hassan seit er klein war. Zeko fühlt sich nirgends heimisch. Zeko sucht Liebe bei Männern. Zeko sucht Bestätigung bei Männern. Zeko hat eine tolle Freundin. Zeko trifft Hassan in 7 Tagen. Zeko begehrt Hassan. Zeko liebt Kafka. Zeko hat die beste Freundin. Zeko trifft Hassan in 3 Tagen. Zeko sehnt sich nach Hassan. Zeko trifft Hassan in 2 Tagen. Zeko idealisiert Hassan. Zeko trifft... Hundesohn ist keine klassische Erzählung. Es besteht aus Momentaufnahmen, aus rohen Szenen, aus Grindr Chats, aus sinnlichen Passagen, aus traurigen Rückblicken und aus prägende Momente. Man will immer weiterlesen. Und ich werde es definitiv wieder lesen. Zakariya schreibt radikal ehrlich über Sinnlichkeit und Einsamkeit, über Heimat oder das fehlen davon und von Freundschaft, Liebe und Nähe - und über Sprache, Herkunft und Religion. Und er beschreibt Dinge so poetisch und metaphorisch, von denen man glauben würde, dass niemand je so schön über sie schreiben könnte: "Ein Jahr überleben sie ohne Blut, ein Jahr träumen sie vom nächsten Biss in deinen Nacken. Wusstest du das? Keiner trauert so lange um einen Liebhaber wie eine Bettwanze, keiner hungert so leidenschaftlich, keiner dürstet so sehr nach deiner Haut wie sie."

4

Queer, innovativ und kontrastreich Welch eine sprachliche Vielfalt, deutsch, arabisch, türkisch und englisch und häufig mit Übersetzung und teilweise auch nicht. Auf gute Weise herausfordernd und lehrreich. Was für ein Kontrastprogramm, leidenschaftliche, emotionale und poetische Phasen wechseln sich ab mit sexuellen, vulgären Sequenzen. Inhaltlich sehr divers, das Leben als homosexueller Moslem, die Zerrissenheit als Migrant , die Suche des Protagonisten nach Liebe. Er ist ihr auf der Spur, jedoch auch meilenweit entfernt. Große Begeisterung für den Schreibstil, irgendwie neu und anders, obwohl ich ab und an auch etwas schockiert war.

4

Beeindruckend - poetisch und rau zugleich - vom Leben zwischen zwei Welten

5

Keine Wörter können diesem Buch gerecht werden. Deswegen nur ein Wort: Banger. 6 von 5 Sternen.

3

Man spürt auf jeder Seite, dass der Autor aus der Lyrik kommt, dementsprechend eingängig und poetisch ist die Sprache, auch den Kontrast zwischen Religion, Herkunft und expliziten Szenen mochte ich. Den Aufbau der Geschichte fand ich leider pointless, deshalb gemischte Gefühle und eine gemischte Bewertung.

5

Sprachlich eine absolute Wucht! Ich bin komplett in dem poetische Schreibstil versunken. Dabei ist der Roman so facettenreich, dass man bei einem reread mit Sicherheit immer etwas Neues entdecken wird.

4.5

"Ich wünschte, ich wäre auch ein dreckiger Hundesohn. Dann würde mir das alles nicht so nahegehen.“ (S.188)

Zeko, türkisch-arabischer Abstammung, in Deutschland geboren, ist auf der Suche nach sich selbst, denn er fühlt sich als Fremder, sowohl in seinem Geburtsland als auch dem Heimatland seiner Eltern. Dazu kommt, dass er als homosexueller muslimischer Mann nicht so frei sein kann wie er möchte. Während er auf das Treffen mit seiner Jugendliebe Hassan in der Türkei hin fiebert, berichtet er von seinem Leben. Dabei werden einige Themen aufgegriffen: Die Liebe zur Familie, Bedeutung und Wert einer Sprache, die Suche nach einem Zugehörigkeitsgefühl, Traditionen und Werte, Kultur, Religion, Vorurteile, Selbstfindung und die (scheiternde) Suche nach einer Beziehungsperson. Der Erzählstil ist sehr bildhaft, symbolisch und poetisch. Es werden viele türkische Redewendungen und Wörter verwendet, was mich häufig im Lesefluss gestört hat. Das Ende habe ich so nicht erwartet und es hat mich etwas irritiert zurückgelassen. Nichtsdestotrotz hat mich der Roman komplett in seinen Bann gezogen, er beinhaltet viele schöne Aussagen, aber auch solche die einen zum Nachdenken anregen. Ich kann ihn somit jedem ans Herz legen, denn kulturelle Vielfalt ist heutzutage allgegenwärtig. „Hassan, komm heraus und stell dich! Weißt du, wie es ist, wenn dein Körper alle Erwartungen unterläuft, wenn du aussiehst wie ein Fremder und sprichst wie jeder von dort, und wenn du aussiehst wie einer von hier und sprichst wie ein Fremder? Hassan, weißt du, wie es sich anfühlt, der Grammatik deines Körpers zu misstrauen? Wenigstens führst du keinen Kampf gegen deine Haut, deine Haare, deine Zunge. Das bisschen Türkei in mir reicht für einen Karnevalsbesuch, mehr taugt diese Kostümierung nicht. Hassan! Wahrheit, alles, was dein Körper schreit ist Wahrheit, und ich bin eine wandernde Lüge. Das schwarze Haar, die braune Haut, die dunklen Augen hängen wie eine Verkleidung über dem Gerüst. Mein Haar glänzt wie das aller hier, die Augen funkeln, die Haut brutzelt. Aber öffne ich den Mund, fliegt der Trick auf, da wechselt das Gemüt, die Augen stellen Fragen. Ich kann den Fragen nicht entkommen, Hassan! An keinem Ort dieser Welt bleiben mir die Fragen erspart. Immer gibt es etwas, das mich verrät, immer bleibe ich ein Dritter im Leben der anderen.“ (S.182-183)

4.5

Kein klassischer Roman – und das ist seine Stärke

Ich habe Hundesohn sehr gerne gelesen, auch wenn es kein Buch ist, das sich leicht einordnen oder nebenbei konsumieren lässt. Es hat mich weniger über eine klassische Handlung gepackt als über Stimmung, Sprache und Rhythmus. Gerade der wiederholende, stark rhythmische Stil hat für mich schnell funktioniert und dem Text einen eigenen Sog gegeben. Die derbe, offen sexuelle Sprache und die entsprechenden Szenen wirkten auf mich nie provokant. Sie bilden die schwule Grindr-Szene sehr authentisch ab und passen zur inneren Verfassung der Figur wie auch zu den Themen des Buches. Wer eine klassische Liebesgeschichte erwartet, wird hier eher nicht fündig. Im Zentrum stehen Obsession, Identität und Begehren – roh, widersprüchlich und oft ohne klare Auflösung. Ich kann gut verstehen, dass diese Form nicht jede:n abholt. Für mich war es aber genau diese Eigenwilligkeit, die das Buch sehr besonders gemacht hat.

Kein klassischer Roman – und das ist seine Stärke
5

Selten reizt ein Roman zur Wiederlektüre. „Hundesohn“ tut genau das.

Ich-Erzähler Zeko führt uns durch seinen Berliner Alltag: zwischen U-Bahn-Fahrten, der besten Freundin Pari, flirrenden Erinnerungen und der rastlosen Jagd nach Dates. Über allem liegt ein stiller Countdown: das Warten auf ein Wiedersehen mit Hassan. Diese Erwartung bildet den leisen, aber stetigen Puls des Romans. Wie sein Protagonist wechselt auch Autor Ozan Zakariya Keskinkılıç mühelos zwischen Tonlagen und Erzählformen, Ländern und Sprachen. Sein Stil ist sprunghaft, collageartig, manchmal herausfordernd – und gerade deshalb so faszinierend. Nach einer kurzen Phase der Orientierung entfaltet sich ein Sog, der den Text zunehmend schwer aus der Hand legen lässt. „Hundesohn“ verspricht eine Liebesgeschichte, liefert aber keine klassische Romanze. Stattdessen begegnen den Leser*innen Zerrissenheit, Ungewissheit, Sinnlichkeit, Sehnsucht – und eine gnadenlose Offenheit, die immer wieder schmerzt. Keskinkılıç zeichnet die Erfahrungen queerer und schwuler Männer in einer Gegenwart, die zwar freier scheint, aber noch immer voller Brüche ist. Besonders eindrücklich wird der Roman, wenn Zekos queere Identität mit seinem muslimischen Hintergrund in Spannung gerät. In diesen Momenten wird deutlich, wie Identitätsschichten aufeinanderprallen, sich durchdringen, widersprechen – und wie schwer es ist, inmitten dieser Überlagerungen einen eigenen Platz zu finden. Selten reizt ein Roman zur Wiederlektüre. „Hundesohn“ tut genau das. Zu dicht, zu vielschichtig, zu präzise ist die Sprache, um sie beim ersten Lesen ganz zu erfassen. Beim zweiten Mal, so scheint es, entdeckt man nicht nur neue Formulierungen und Chiffren – sondern auch neue Facetten von Zeko selbst.

5

Verletzlichkeit, Selbstfindung und Poesie

Was ein starker Debütroman! Ich habe in verschlungen. In etwa so wie der Protagonist Zeko seine zahlreichen sexuellen Begegnungen. Der Plot des Buches besteht aus der Gedankenwelt von Zeko. Dieser lebt in Berlin und wir begleiten ihn bei seinen Dating-Erfahrungen, seiner Freundschaft zu Pari und seiner großen Sehnsucht: Hassan. Ebenso zentral sind die Themen Migration und Identität. Das Beste für mich: die Mischung aus harten, rohen Tönen und zarten, verletzlichen und so poetischen Momenten. Ozan Zakariya Keskinkılıçs zeigt wahrhaftig sein sprachliches Können. Er schreibt innovativ, poetisch, lyrisch, konsequent und voller Bilder. Kein Gefühl bleibt unverstanden, wenn auch nicht immer ausgesprochen. Sätze wie „An manchen Tagen fühle ich mich wie eine Topfpflanze in Gefangenschaft.“ haben mich emotional an Zeko gebunden. Bilder wie „Manche Zungen sind eingelegt in Olivenöl, andere in Maschinenöl.“ zeigen die Kluft und zugleich Verbundenheit der Herkunftskulturen so eindringlich und sprachgewandt. Dieses Stück Literatur ist wie ein Feuerwerk: ein glitzerndes, funkelndes. In tiefer, schwarzer Nacht. Klare Empfehlung für alle, die Lust darauf haben, etwas ganz anderes zu lesen, keine klassische Storyline brauchen und Bock auf Zekos Gedanken haben.

Verletzlichkeit, Selbstfindung und Poesie
4.5

Queere Texte sind - wenn man so will - mein täglich geistig Brot, mit dem türkischen Kulturraum hatte ich aber bislang wenig Berührungspunkte. “Hundesohn” ist daher für mich eine Mischung aus Vertrautem und Unbekanntem gewesen. Am Anfang des Textes habe ich gedacht: Aha, Filzläuse - die “Downsides of Casual Dating” und dann das Schwärmen von diesem Hassan aus der Türkei - Adana, dreitausend Kilometer von ihm entfernt - den der deutsch-türkische Ich-Erzähler scheinbar liebt. Etwas experimentell, viel Sprachspiel (Deutsch - Türkisch - Arabisch - Englisch - Französisch - Slang, etc etc), viel Religiosität, Multi- und Interkulturalität. Und natürlich: Berlin, Berlin. Ich habe mit einem soliden 4-Sterne-Buch gerechnet - am Anfang, weil es mich etwas verwirrt hat. Doch dann hat mich diese spröde, moderne, witzige, intime Geschichte dieses Mittzwanzigers, der wie so viele Mittzwanziger in der Literatur etwas “lost” wirkt, immer mehr gefesselt: das welpenhaft Verspielte, das hundeschnäuzig Kalte, das Kafkaeske, das Echte. Ich habe mit dem - aufgrund der Namensgleichheit mit dem Autor wahrscheinlich autofiktional inspirierten - Zakariya mitgefiebert. Ich habe den Hassan-Countdown” mitgezählt, den Orangen-und-Salz-Geruch seiner (Hassans) Achselhöhlen in mich aufgesogen. Ich bin mit Pari beim Mäcci gesessen und habe mir Pommes, Intellektuelles und Zotiges mit ihr reingezogen. Überhaupt Pari, sie ist wirklich toll *schwärm*. Jeder queere Mann und jede Frau braucht eine solche Freundin. Ist dieses Buch eine kafkaeske Parabel, ein Gleichnis? Kafka ist gleichzeitig Leitmotiv und gebetsmühlenhafte Versicherung eines literarischen Erbes, das der Ich-Erzähler wie einen intertextuellen Regenschirm über sich und sein Buch spannt. So wie Kafkas Werke fordert auch “Hundesohn” eine mehrfache Lektüre geradezu heraus - bei jedem Lesen werden sich neue Bedeutungen erschließen, werden den Lesenden neue Dinge auffallen: Was bedeutet das Einverleiben von Hassan mittels seines Schamhaares? Sind die Sonnenblumenkerne, die Dede zwischen seinen Zähnen zermalmt, eine Allegorie auf die interkulturelle Sinnsuche des Protagonisten? Die vielen Gerichte, die Nene kocht, ein Sinnbild für die verschiedenen Religionen und der Hunger des Ich-Erzählers steht dafür, dass es nur einen Gott gibt? Ein Text, der viel Anlass zum Weiterdenken gibt und sowas ist immer feiernswert. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für alle, die leicht “verrückte”, verklausulierte Texte und Kafka mögen. Und für alle, die nicht prüde sind und nichts gegen Körperlichkeit haben.

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5

»Er wird mich vergessen, so wie er mich jedes Mal vergisst, nachdem er mich erst verschlungen und dann ausgespuckt und wiedergekäut hat, wenn ihm langweilig ist und er jemanden braucht, der ihn braucht. Und er weiß, ich brauche ihn. Niemand ist ihm gleich.« (S.16) Wenn Zeko in Berlin Männer kennenlernt, zur Uni / Therapie / Moschee / Kirche geht, seine beste Freundin Pari trifft, Kafka liest oder in seiner Wohnung masturbiert, denkt er jedes Mal an diesen EINEN: Hassan, der über 3.000 km entfernt in Adana (Türkei) lebt, und den sein Dede immer nur »Hundesohn« nannte. Wie ein Mantra sagt sich Zero während des gesamten Sommers, dass er Hassan in wenigen Tagen wiedersehen wird: »In neun Tagen werde ich Hassan wiedertreffen, diesen Hundesohn. Beim letzten Mal haben wir uns gegenseitig die Leberflecken gezählt, das ist ein Jahr her.« (S. 13) Dazwischen erinnert er sich an seine Eltern, seine Kindheit, das Aufwachsen in Berlin 🐻🪩 und die Sommer in Adana 🇹🇷 — der Heimat der Eltern — , in denen er die Zeit mit seinem Jugendfreund Hassan verbringt. »HUNDESOHN« 🐕🐺 von Ozan Zakariya Keskinkılıç ist eine krasse Lovestory, die ihren ganz eigenen Sound und Plottwists hat. Ein hervorragendes Spiel mit Sprache, Erinnerungen und Wiederholungen, das sich so leicht liest, dass es anders hittet ist 🥵 Was da zwischen dem Verzehren nach Hassen, zwischen den Zeilen von Alltagsrassismus, Ausgrenzung, Homophobie, Zugehörigkeit oder Fremdheit, Zerrissenheit, Sehnsucht, Freundschaft, Kultur, Sprache und Sprachverlust erzählt wird. »Baba sagt immer, bir lisan, bir insan. Iki lisan, iki insan. Eine Sprache, ein Mensch. Zwei Sprachen, zwei Menschen. Das bedeutet, je mehr Sprachen du sprichst, desto größer ist deine Welt, desto mehr bist du.« (S. 24) »HUNDESOHN« ist eine Liebesgeschichte, die so viel mehr ist: Eine Liebeserklärung an die beste Freundin Pari, eine Suche nach der eigenen Zugehörigkeit & Sprache, eine queere Lovestory mit einer Zerrissenheit, die auf jeder Seite spürbar ist (💔), ein Erinnern und Sehnsucht einer großen Liebe. Herzensempfehlung für diesen Roman, der mich sehr berührt hat und in dem ich mir so viele Sätze angestrichen habe 🔥 P.S.: Fans von Kafka 🪲 werden die Anspielungen und Bezüge lieben 🫰🏼

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4

Ist es eine Liebegeschichte?

Mit „Hundesohn“ von Ozan Zakariya Keskinkılıç ist sein erster Roman erschienen. Es ist eine Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte unter Männern. Eine Liebesgeschichte zwischen besten Freund*Innen. Eine Liebesgeschichte nach der Suche der Liebe. Ist es eine Liebesgeschichte? Ja, es ist nicht nur 1, sondern mehrere ineinander verwoben. Keskinkılıç Hauptprotagonist Zeko sucht nach der Liebe. Er zählt mantraartig die Tage runter bis er Hassan wiedertrifft. Es stellt sich beim Lesen die Frage: Wer ist Hassan? Solange vertreibt Zeko seine Zeit mit Dating. Keskinkılıç beschreibt, öfters oberflächlich und über mehrere Seiten wie queeres Dating im 21.Jahrhundert abläuft. Sind alle Schwulen nur auf das Eine aus? Es geht in dem Buch auch über Identitätssuche, Dazugehören und über die Herkunft. Was denken die Menschen über mein Verhalten. Es gibt Reviews in die Vergangenheit, Einblicke in die Familie und dies ist eine gelungene Abwechslung. Eine wichtige Beziehung ist zwischen Zeko und seiner besten Freundin Pari. Sie haben (fast) keine Geheimnisse voreinander und dies ähnelt einer Liebesgeschichte. Wenn man dieses Buch lesen möchte, muss sich u.a. in den Chats über eine vulgäre Sprache anfreunden. Zudem kommt öfters hinzu, dass viele Textstellen auf Türkisch/Englisch sind. „Hundesohn“ ist ein moderner Roman. Sein Sprachstil ist ein Mix aus Poetik, Klassiker (Kafka) und Radikalität. Die Verletzlichkeit der Menschen untereinander zeigt er bildlich. Dieses Buch sollten Menschen lesen, die noch nicht verstanden haben, wie man miteinander umgeht & auch die Personen lesen die eine außergewöhnliche Liebesgeschichte mit einem überraschenden Ende erleben wollen.

Ist es eine Liebegeschichte?
3

Ein wichtiges, mutiges und eigenwilliges Buch, das ich respektiere, auch wenn es mich als Leser:in nicht überzeugt hat.

"Hundesohn" von Ozan Zakariya Keskinkılıç ist ein Roman, der bei mir gemischte Gefühle hinterlassen hat. Es ist ein Buch, das ich als wichtig empfinde, auch wenn mir das Lesen nicht wirklich Freude bereitet hat. Erzählt wird der intensive innere Monolog eines jungen homosexuellen Mannes mit Migrationsgeschichte. Der Erzähler richtet sich gedanklich an Hassan, einen Mann aus seiner Vergangenheit in der Türkei – eine große, schmerzhafte Liebe, die von Zurückweisung, Gewalt, Scham und gleichzeitiger Nähe geprägt war. Dieses imaginäre Gespräch wird von einem Countdown begleitet: „Ich sehe dich in sieben Tagen, in sechs Tagen, in fünf Tagen, …“, der sich wie ein unausweichlicher Sog durch den Text zieht und eine latente Spannung aufbaut. Thematisch verhandelt der Roman sehr viel: queere Identität, migrantisches Aufwachsen, internalisierte Scham, sexuelle Abhängigkeit, Einsamkeit und das Gefühl, weder kulturell noch emotional jemals wirklich anzukommen. Gerade aus einer eher privilegierten, heteronormativen Leser*innenperspektive war dieser Einblick für mich wertvoll. Die queere und migrantische Perspektive eröffnet Erfahrungsräume, die man sonst selten so kompromisslos erzählt bekommt und allein dafür halte ich dieses Buch für wichtig und relevant. Sprachlich schwankt "Hundesohn" stark zwischen poetischer Verdichtung und drastischer Beschreibung se*ueller Handlungen. Beides beherrscht der Autor ohne Zweifel und trotzdem haben beide Modi mich oft auf Distanz gehalten. In den poetischen Passagen hatte ich häufig das Gefühl, dass etwas Wichtiges gesagt werden soll, sich aber auf einer Metaebene verliert und emotional nicht ganz bei mir ankommt. Die vulgären, expliziten Stellen waren für mich ebenfalls schwer zugänglich. Stilistisch und inhaltlich ist diese Erzählweise konsequent, aber nicht unbedingt einladend. Was mir persönlich gefehlt hat, ist ein bisschen Plot oder gelegentliche Perspektivwechsel. Der Roman bleibt fast vollständig in diesem inneren Monolog gefangen. Wir erleben einen Mann, der sich in Sex, Begierde und Selbstzerstörung verliert, weil er nie das Gefühl hatte, richtig zu sein – weder in seinem kulturellen Umfeld noch in seiner Sexualität. Ich hätte mir gewünscht, ab und zu aus dieser Intensität des inneren Monologs herauszoomen zu dürfen, vielleicht durch eine andere Erzählfigur wie seine Freundin Pari, um dem Ganzen mehr erzählerische Dynamik zu geben. Hinzu kommen viele Wiederholungen und Variationen ähnlicher Gedanken, die einerseits den obsessiven Charakter der Erzählstimme unterstreichen, andererseits meinen Lesefluss zunehmend gebremst haben. Auch die Mehrsprachigkeit des Textes – inhaltlich spannend und authentisch – trägt dazu bei, dass das Lesen stellenweise anstrengend ist. Am Ende bleibt für mich ein Roman, der literarisch ambitioniert ist, wichtige Themen verhandelt und das große Potenzial seines Autors zeigt. Einzelne Passagen sind sprachlich sehr scharf, klug und eindrucksvoll. Als Gesamtwerk hat mich "Hundesohn" jedoch emotional nicht erreicht und nur bedingt unterhalten – auch wenn mir bewusst ist, dass dieses Buch vermutlich gar nicht unterhalten möchte. Daher gibt es von mir nur 3 von 5 Sternen.

Ein wichtiges, mutiges und eigenwilliges Buch, das ich respektiere, auch wenn es mich als Leser:in nicht überzeugt hat.
4.5

Das Hörbuch hat hier eine besondere Qualität. Es geht hier nicht nur um das Finden einer Sprache für die eigene Identität, sondern auch das Finden einer Stimme in aller Mehrsprachig- und Mehrstimmigkeit. Und das macht er hier verführerisch-tastend schön. Der Roman ist ein Warten auf Hassan, ein Wenden und und Winden in schönen fluoreszierenden literarischen Bildern. Mit eines der Jahreshighlights.

4.5

Ganz tolles Buch!

5

🐶 Beste Buch 2025 🪬

Wow. Habe dieses Buch wirklich in drei Tagen weggesnackt und bin für jede Seite dankbar. Die Sprache ist so krass schön, dass ich mir wirklich richtig Zeit für die Zeilen gelassen habe, die in mir verschiedenstes ausgelöst haben. Als schwule Person Mitte 30 konnte ich mich mit vielen Situationen und Gedankengängen, oft mit einzelnen Phrasen identifizieren. Über die Erweiterung des Blickwinkels einer gleichzeitig queeren und muslimischen Person bin ich sehr dankbar. Es ist eines dieser Bücher, die man schon beim Lesen irgendwie fühlt. Und das Gefühl hat mir gut gefallen. Mein Lesejahr 2025 ist jetzt fast vorbei. Und das war am Ende nochmal richtig schön 🫰

4

Überraschend!! Viele haben es empfohlen und trotzdem war es vollkommen anders als erwartet. Es ist philosophisch und pornografisch, melancholisch und animalisch, romantisch und desillusioniert und vor allem intersektional

Nichts kann diesen Schreibstil beschreiben und es ist ein wilder Ritt in die Gedanken eines jungen Mannes, der zwischen Welten, Menschen und Erwartungen schwankt. Der Autor beschreibt unglaublich gut wie Sprache, Herkunft und Religion menschliche Identität beeinflussen und wie Sexualität, Bildung und Freundschaft diese in Spannung versetzen. So viel habe ich selten in einem Buch gelernt, dass mich nicht belehren will. Wahnsinn.

5

Bin geflasht

Es ist KUNST. Poetik pur. Die Erzählung fesselte mich und machte mich immer neugieriger,je länger ich zuhören. Es sind einerseits hotte Begegnungen, flüchtige Geschichten zwischen Männern. Andererseits Erinnerungen an den Großvater, dessen Weisheiten. Der Erzähler hinterfragt kritisch das Weltbild, stellt Vergleiche an,die ich sehr ungewöhnlich, jedoch interessant finde. Die Wirkung dieser Literatur als Hörbuch ist unvergesslich,süchtig machend. Der Autor hat eine Wahnsinns- Erzählstimme!!!! Absolut PERFEKT. Er wechselt die Sprachen, als wären sie alle seine Muttersprache. WOW. Hier würde ich beim selber lesen wohl jedesmal stocken und dann ist die Wirkung des Textes futsch. Meine ABSOLUTE, in diesem Fall ausschließlich, HÖR Empfehlung!!!!!!!! Wobei ich es demnächst trotzdem auch noch selbst lesen werde. Um die Wirkung NOCH mehr auszukosten! Ich bin ABSOLUT BEGEISTERT.

Bin geflasht
4.5

Vulgär und poetisch zugleich.

5

Ich hab es sehr sehr geliebt! Tolle Sprache, oft explizit aber ich habe mich in seinen Worten oft verloren.

4

Liebs

Beim Lesen bin ich regelrecht durch das Buch geflogen. Der Schreibstil macht es leicht, schnell voranzukommen – man setzt sich nur kurz hin, um ein wenig zu lesen, und plötzlich sind 60 Seiten vorbei. Auch wenn das Buch aus eher kurzen Geschichten besteht, findet man sich schnell darin wieder und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht, besonders in Bezug auf Hassan. Ich muss zugeben, dass ich nicht alles sofort verstanden habe, aber vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Stattdessen kann man vieles auf seine eigene Weise interpretieren. Das Buch spricht viele wichtige Themen an, wie Sexualität, Identität und Religion. Meiner Meinung nach geht der Autor sehr sensibel und überzeugend mit diesen Themen um, und man konnte sich gut in den Protagonisten hineinversetzen. Insgesamt würde ich das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

4.5

Orangen und Meersalz

Ein queerer Roman, eine Liebesgeschichte, und doch noch sehr viel mehr! In „Hundesohn“ von Ozan Zakariya Keskinkiliç begleiten wir Zeko - Deutschtürke, Muslim, schwul - durch einige Tage eines Sommers in Berlin. Zwischen dem Alltag in Berlin, Treffen mit seiner besten Freundin Pari und Grindr-Sexdates mit fremden Männern sinniert und träumt Zeko immer wieder vom Wiedersehen mit Hassan, seiner großen Liebe, den er seit seiner Jugend kennt und immer in den jährlichen Familien-Sommerurlauben in der Türkei getroffen hat. „In neun Tagen werde ich Hassan wiedersehen…“ Aber das Buch ist so viel mehr als ein Liebesroman. Ozan Zakariya Keskinkiliç schreibt so poetisch über das Verlangen, das Begehren und das Suchen nach Liebe, nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. Und nicht immer ist diese Suche mit Erfolg gekrönt - oft ist das Leben der Weg, den man auf der Suche gehen muss… Der Schreibstil ist sinnlich und radikal direkt - man kann die beschriebenen Orangen und das Meersalz fast schmecken, aber auch die Gerüche und das durchwühlte Bettlaken des One-Night-Stands wahrnehmen… so nah lässt uns dieser Roman heran. Sicherlich nichts für jeden, ein queerer Roman mit viel Sex und schwulem Begehren, aber eben auch sinnlich, poetisch und viel Tiefe… Besonders gefallen haben mir die Passagen, in denen Zeko beschreibt, wie es ist, zwischen den Stühlen zu stehen, zwischen zwei Kulturen, zwischen den Sprachen, zwischen Berlin und Adana - und wie er sich als schwuler, muslimischer Mann behaupten muss. Es ist auch ein Familienroman - und zeigt wie Großvater, Großmutter, die Eltern Zeko‘s Leben bestimmt haben und beeinflussen. Ein wirklich starker Roman und großartiges Debüt!

Orangen und Meersalz
4

Ich bin genug, ich bin wertvoll - Fast hätte ich es geglaubt.

In Hundesohn erzählt Ozan Zakariya poetisch, roh und intensiv von Liebe, Begehren und inneren Zerreißproben. Zwischen Berlin und Adana folgt man Zeko, einem jungen Mann zwischen Sehnsucht, Erinnerung und Identitätssuche. Die Sprache ist kraftvoll, voller Gefühl und absolut ungeschönt – eine eindringliche Reflexion über Herkunft, Sexualität und familiäre Prägung. Auch wenn Zekos Gedanken und Handlungen nicht immer greifbar für mich waren, bleibt seine Geschichte lange im Herzen – schmerzhaft, schön und berührend. Ein Roman, der nachhallt wie ein Flüstern, das nicht verstummen will.

5

Wow! Wow! Wow! Was für ein grandioser Debütroman! Ich bin zutiefst beeindruckt von der sprachlichen Kraft dieses Romans. Ein Jahres- und Lebenshighlight.

4.5

Grandioses Buch, das mit seiner ganz eigenen Sprache in den Bann zieht.

Am liebsten hätte ich "Hundesohn" gar nicht mehr beiseite gelegt. Auf eine ganz sanfte, poetische und gleichzeitig sprachlich roughe Art nimmt uns das Buch mit in den Kopf und das Herz der Protagonisten, dem ich mich schnell sehr nah gefühlt habe. Eine großartige Geschicht über queeres Begehren, Struggles mit der eigenen Identität, eine liebevolle Freund*innenschaft und das Leben im Allgemeinen.

4

Schöne und tiefe Worte, gefühlvoll und melancholisch. Muss noch weiter drüber nachdenken.

5

Ich habe Hassan entgegengefiebert & jetzt schmerzt mein Herz. Ich brauche jetzt einen großen Teller Bamya von Baba. Danke für dieses unglaubliche Buch, ich werde es im Herzen tragen <3 Ma'a salama.

3.5

„Wie zwei Stühle übereinandergestellt, still wie das Glas auf dem Tisch, wie das Kissen auf dem Bett, wie der Kühlschrank über den Fliesen, doch unter der Oberfläche tobt ein Sturm. Ich frage mich, wie oft tobt ein Sturm unter den Dingen der Welt.“ S.126

5

Das Buch dreht sich um die Aussicht auf ein Treffen zwischen dem Erzähler Zeko und seinem alten Freund Hassan aus der Türkei. Was als Freundschaft im Kindesalter begann, wurde für den Protagonisten mit den Jahren immer mehr. Romantische Gefühle überziehen mittlerweile seinerseits die Freundschaft vollends. Die Idee von der Person Hassan wird im Kopf des Erzählers zum idealen Männerbild und auch zur Projektionsfläche für jegliche Liebes- und Glückssehnsüchte. Alle anderen Männer werden mit ihm verglichen und können immer nur unzureichender Ersatz sein, für den vermeintlichen Wunschpartner. Das Buch ist mit großer Zärtlichkeit geschrieben, selbst wenn es oft explizit die knallharte Realität des modernen (Online-)Dating Lebens zeigt. Die menschliche Suche nach Nähe und dessen permanentes Scheitern wird gnadenlos beleuchtet, ohne dass ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit entsteht. Denn funktionierender zwischenmenschlicher Beziehung wird in dem Buch ebenfalls Raum gegeben, in Form von einer stabilen Freundschaft zwischen Zeko und Pari. Diese zeichnet sich durch Verlässlichkeit, Nachsicht und das Annehmen des anderen wie er/sie ist aus. Ein anrührendes, zeitgeistiges Buch, das ich sehr gerne weiter empfehlen möchte!

5

Ein Roman, über Liebe und Zugehörigkeit, geschrieben als episches Gedicht

Hundesohn ist so viel mehr als nur ein Roman, er ist geschrieben wie ein episches Gedicht, ein lyrischer Roman, wie ein mitreißender Poetryslam-Text. Keskinkılıç schafft es den bewegenden Inhalt seines Buches auf eine wundervolle Weise zu vermitteln. Es geht um Zakariya, einem schwulen Deutschen mit türkischen Wurzeln und um Hassan, seinen Jugendfreund, den Hundesohn, den er konstant vermisst und die Tage bis zum Wiedersehen runterzählt. Zakaryia verbringt zu viel Zeit auf Grindr und trifft sich mit immer wieder anderen Männern, die ihn jedoch alle nicht glücklich machen. Gleichzeitig geht es auch darum, wie schwierig es für ihn mit seinen Wurzeln ist schwul zu sein und dass er sich nirgendwo richtig zugehörig fühlt, weder in Deutschland noch in der Türkei. Keskinkılıç schafft es mit passenden Metaphern, Andeutungen und Sätzen, die immer wieder auftauchen, diese Inhalte auf eine interessante und ganz andere Art als die meisten Romane zu vermitteln. Der Schreibstil wird mit Sicherheit nicht jedem gefallen, aber ich fand das Buch absolut empfehlenswert.

4.5

Eigen, besonders, sehr gut, sehr lyrisch, sehr literarisch, die verschiedenen Sprachen die integriert wurden fantastisch, tolles Leseerlebnis, sprachgewaltig, bildgewaltig, manchmal befremdlich. In einem Artikel über diesen Roman wurde ein Vergleich mit Ocean Vuong vorgenommen und das seh ich absolut, nur das ganze in kurzweiliger, intensiver und auch etwas oberflächlicher. Wir folgen unserem Protagonisten durch Höhen, Tiefen, Alltag Lust und Erlebnisse, bis er Hassan seine große Liebe aus der Türkei der alles andere in den Schatten stellt wiedersehen kann. Oder auch nicht. Wir kommen an keinem Ziel an aber das denke ich mal der Sinn dahinter. Nur dieser vollständige Zugang blieb bei mir am Ende aus. An einem Tag verschlungen, lohnt sich sehr.

5

Ein Buch, dass sich ehrlich macht

Das Buch ist nicht jedermanns Sache, da die schwule Dating-Welt in all seiner unverblümten Schönheit dargestellt wird und einen nicht unerheblichen Teil des Inhalts ausmacht. Ähnlich wie damals Feuchtgebiete beschreibt der Autor mit einer herrlichen Direktheit das, was sein Protagonist denkt und erwartet. Alles eingebettet in eine Sehnsucht nach dem Wiedersehen mit seiner großen Liebe. Und Geschichten des Autors, aus der eigenen Vergangenheit, die sehr stark mit dem Thema Identität zu tun haben. Insgesamt ein sehr unterhaltsames, tiefgründiges Buch.

5

"Du bist wie Kafka und du bist es nicht"

Wow, das war eine wilde und gleichzeitig ruhige Reise. Die wenigen Effekte im Hörbuch sind so gut gesetzt. Die Sprache, oder vielmehr die Sprachen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, einfach pure Poesie. Das ist wirklich Poesie aber es ist auch derb, erotisch, echt, wunderschön. Die Intersektionalität in den Themen aber auch in den Sprachen, die queer-migrantische Perspektive, es ist so bereichernd. Und die vielen Bilder, die der Autor entstehen lässt. Mensch treibt einfach mit beim Hören. Und trotzdem ist so vieles harte Realität. Die Einsamkeit, die Filzläuse, die schnellen Begegnungen, die Suche nach dir selbst, der Duft nach Orangen & Salz. Aber die Realität kann auch schön sein, wenn echte Verbundenheit entsteht über eine Pillendose mit Pistazien. Die letzte halbe Stunde hat sich über mir ergossen und mich weggeschwemmt. Und es war wunderbar!

5

Ich habe es sehr geliebt!

3.5

Dieses Buch ist schön geschrieben, manchmal sehr poetisch, dann wieder sehr explizit. Und auch wenn wir der Handlung und den Gefühlen des Charakters in dem Buch folgen, steht eher die Sprache und die Message im Fokus..

5

Ich hab mich wahnsinnig gefreut, dass ich dieses Buch lesen durfte. Die Leseprobe hatte mich schon komplett abgeholt.&nbsp;Der Autor hat einen wunderschönen Umgang mit Sprache und schafft es immer wieder Vergleiche und sprachliche Bilder zu erzeugen, die das Gefühl des Protagonisten perfekt einfangen und vor allem erlebbar machen.&nbsp;Zudem liebe ich es wie die unterschiedlichen Sprachen sich in den Text einfügen und gleichzeitig nicht stören und man das Bedürfnis hat die Übersetzung zu googlen.&nbsp;Insgesamt fand ich die Entwicklung, die der Protagonist macht, sehr nachvollziehbar. Es war eine moderne Liebesgeschichte, die das heutige Dating gut einfängt und gleichzeitig auch die Sehnsüchte, Ängste und Zwiespälte, die sich damit auftun, widerspiegelt. Das Ende hat, wenn auch überraschend, mir sehr gut gefallen und ich finde, dass es schlussendlich das Buch gut abrundet.&nbsp;Für mich ist das auf jeden Fall ein Anwärter für den deutschen Buchpreis!&nbsp;&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;

3.5

Das beste sind die letzten 3-4 Kapitel

Liest sich wie ein poetisch geschriebenes Tagebuch, ein durchgehender innerer Monolog. Vllt muss man dafür in der Stimmung sein.

4.5

Zeko zählt die Tage. Die Tage, bis er Hassan wiedersieht, in den er seit so langer Zeit unglücklich verliebt ist. Um die Wartezeit und seine Gefühle zu verdrängen, verbringt Zeko seine Zeit auf Grindr, ghostet, wird geghostet, hat schlechte bis semi gute Dates, die ihm jedoch nie das zu geben scheinen, was er wirklich will. Auf der Rückseite des Buches steht groß: „Dies ist eine Liebesgeschichte“ — gemeint ist die zwischen Zeko und Hassan. Für mich persönlich war sie aber die zwischen Zeko und seiner besten Freundin Pari. Sie ist die einzige Figur im Roman, die Zeko wirklich nahe zu stehen scheint und die in ihn hineinsehen kann. Jede Passage mit ihr hab ich geliebt, weil der Umgang der beiden miteinander so schön ist. Neben der Liebesgeschichte handelt der Roman vor allem von Herkunft, Zerrissenheit und (Nicht-)Dazugehören. Um Identitätssuche, Begehren, modernes Dating in unstetigen, unsicheren Zeiten, in denen sich niemand auf irgendwas festlegen will. Und wenn euch das alles nicht interessiert, dann lest das Buch zumindest für den Sprachstil, spätestens der wird euch nämlich wirklich in den Bann ziehen. Selten habe ich so einen sprachgewaltigen Roman gelesen, der gleichzeitig so poetisch geschrieben ist.

4

Eine radikale, poetische Liebesgeschichte über Begehren, Verletzlichkeit und die Suche nach Zugehörigkeit: Mit Hundesohn legt Ozan Zakariya Keskinkılıç seinen ersten Roman vor. Der 1989 geborene Autor ist Politikwissenschaftler, Lyriker und Essayist, veröffentlichte bereits das Lyrikdebüt Prinzenbad (2022) und das Sachbuch Muslimaniac (2023). Seine Texte wurden mehrfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Mit Hundesohn wagt er nun den Schritt in die literarische Prosa. Worum geht’s genau? Zeko lebt in Berlin. Er trifft Männer in Cafés, auf Grindr oder im Park, aber immer wieder reißen ihn die Gedanken zurück zu Hassan, dem Nachbarsjungen aus Adana, den sein Großvater Dede stets „Hundesohn“ nennt. Die Sommerferien, die er dort verbrachte, prägen ihn bis heute. Ebenso wie Dedes Rituale, Gesänge und Erinnerungen. Nach Dedes Tod holen Zeko Sehnsucht und Erinnerungen ein. In neun Tagen will er Hassan wiedersehen und zählt die Zeit herunter: beim Gebet, beim Essen mit seiner besten Freundin Pari, bei jeder Begegnung mit fremden Männern. Doch etwas ist zwischen Zeko und Hassan geschehen, etwas, das tiefer liegt und sich wie ein Schatten durch das Buch zieht. Meine Meinung "Hundesohn" hat mich von Beginn an mit seiner Sprache gepackt – fragmentarisch, fast wie ein innerer Monolog, kurze Kapitel, die sich lesen, als blättere man in einem wirren Tagebuch. Manchmal poetisch zart und dann aber wieder roh und schockierend direkt. Schon auf den ersten Seiten wird klar, wie radikal offen Keskinkılıç schreibt: „Gegen Filzläuse, du Wichser, hätte ich gerne gesagt. Ge­gen Pthirus pubis, sage ich stattdessen und bezahle 14,95 Euro…“ (S. 12). Diese Mischung aus Humor, Scham und Körperlichkeit zieht sich durch das ganze Buch. Es geht um Gefühle, Zerrissenheit, Befriedigung, kurzfristig wie langfristig. Um Rohheit und Lust, um Zärtlichkeit, um Angst und um den Wunsch nach Nähe. Besonders gut gelungen fand ich die Darstellung des Protagonisten Zeko mit seiner Verletzlichkeit und seiner Verlorenheit. Immer wieder bricht die Angst vor Zurückweisung oder Gewalt durch, wie in der Szene: „Ich habe Angst vor Männern, weil ich mich in Arme begehre, die mich jederzeit vernichten können.“ (S. 193). Gleichzeitig gibt es Passagen, die voller Wärme sind, etwa in der Freundschaft mit Pari, die ihm Halt gibt und deren Gespräche zu den berührendsten Momenten gehören. Die Sprache spielt dabei eine zentrale Rolle. Keskinkılıç verwebt Deutsch, Türkisch und Englisch und thematisiert Identität über Wörter selbst: „Zunge heißt auf Türkisch dil, es ist das gleiche Wort wie für Sprache“ (S. 23). Diese Stellen haben mir besonders zugesagt, weil sie die Vielschichtigkeit von Herkunft und Sprache greifbar machen und mich das Thema sehr interessiert. Für alle denen dieses Thema auch am herzen liegt - lest unbedingt "Sprache und Sein" von Kübra Gümüşay. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, hatte ich auch Momente, in denen mich die fragmentarische Erzählweise schlichtweg überfordert hat. Manche Kapitel wirken wie Gedankenfetzen, die weniger Handlung als Stimmung transportieren. Das ist künstlerisch stark, war aber auch anstrengend zu lesen (für mich). Gleichzeitig zwischen Faszination und Abstoßung zu schwanken scheint jedoch Teil des Konzepts des Autors zu sein. Fazit "Hundesohn" will keine glatte Geschichte erzählen, sondern ein Kaleidoskop von Begehren, Selbstzweifel, Rassismus, Queerness und Identität entwerfen. Es ist ein Buch, das mich gleichermaßen gefesselt und abgestoßen hat. Empfehlenswert für Leser:innen, die sprachlich experimentelle, fragmentarische Romane mögen und bereit sind, sich auf radikale Offenheit einzulassen. Weniger geeignet für alle, die eine klare, stringent erzählte Handlung erwarten. Danke an Vorablesen & den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar!

4

Überraschend gut .

Ich mochte die Sprache und den Sprachswechsel. Als Hörbuch fand ich es wirklich kurzweilig und lustig und aber auch emotional. Als Buch hätte es mich sicherlich überfordert

1

Angefangen nochmal angefangen weggelegt

Weder sprachlich, noch literarisch, noch inhaltlich ein Buch, das sich mir erschließt. Selten, aber ich konnte nicht weiterlesen.

3

Bei Büchern aus dem Suhrkamp-Verlag bin ich meist etwas vorsichtig, da mir die Lektüre oft schwerfällt – so leider auch bei diesem Roman. Trotzdem wollte ich mir den hochgelobten Debütroman nicht entgehen lassen. Das fast Mantra-artige „In x Tagen sehe ich dich wieder“ sowie andere Wiederholungen verleiht dem Roman eine poetische Sprache. Genau diese metaphernreiche Sprache war mir stellenweise aber etwas zu verschleiert. Für die Anspielungen auf Kafka und die Bibel fehlt mir das Hintergrundwissen. Als ich jedoch las, dass Keskinkiliç Lyriker ist, ergab vieles mehr Sinn. Die nicht lineare Erzählung wird dabei geschmückt von Erinnerungen und Gedanken, die mir teilweise etwas zu fragmentarisch waren. Trotzdem vermittelt der Roman eindrücklich, wie es sich anfühlt, im 21. Jahrhundert queer zu daten, nach Identität innerhalb der eigenen Familie, aber auch im zugewanderten Land zu suchen, die Gefühle zu einer frühen Liebschaft zu sortieren und eine Verbindung zur Heimat zu haben. Hundesohn war für mich nicht durchgehend zugänglich, ist aber dennoch ein tolles Kunstwerk und außerhalb meiner Lesegewohnheit. Empfehlenswert für alle, die sich für türkisch-deutsche Identität und queeres Dating interessieren.

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