John of John

John of John

Hardback
4.559

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Description

Der neue Roman von Booker-Preisträger Douglas Stuart: »Menschliche Wärme, die seltsam schöne Atmosphäre eines unwirtlichen Insellebens, eine große innere Spannung: Ein Roman, wie er nur alle zehn, fünfzehn Jahre vorkommt.« (Daniel Schreiber) Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig – blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund ... Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
560
Price
26.80 €

Author Description

Douglas Stuart, geboren und aufgewachsen in Glasgow, studierte am Royal College of Art in London. Nach seinem Abschluss zog er nach New York, wo er als Modedesigner arbeitete. Für seinen ersten Roman "Shuggie Bain", der in 40 Ländern erschien und zum Weltbestseller wurde, erhielt er den Booker Prize 2020. Zuletzt erschien von ihm "Young Mungo" (2023).

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
25%
8%
N/A
N/A
67%
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15%
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9%
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Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
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89%
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95%

Pace

Fast0%
Slow100%
Moderate0%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex0%
Moderate100%
Bildhaft (100%)Minimalistisch (100%)Poetisch (100%)

Posts

19
All
5

Anfang 1990er Jahre. Hebriden Insel. John Calum MacLeod, ist der Sohn von John MacLeod, kurz genannt Cal. Auf der Insel ist Cal wieder John of John. Seine Rückkehr ist geplant. Zur Beruhigung nimmt er 1 Ecstasy-Pille. Er wohnt in dem Haus bei seinem Vater & Oma; Ella. Cal´s Alltag: Schafe hüten & weben. Warum ist Cal zurückgekehrt? ********* „John of John“ von Douglas Stuart ist sein 3.Buch. Was bedeutet Herkunft? Kann man ihr entkommen? Edinburgh war eine Flucht. Cal ging auf eine Modeschule, ist schwul, trägt jetzt grüne Haare & nimmt Drogen. Er kehrt auf die fiktive Insel Falabay zurück. Cal ist für John eine Schande, jedoch nimmt er ihn bei sich auf. In welche Beziehung stehen sie zueinander? Die Vater-Sohn Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Liebe, Geheimnisse & Identität sind die wesentlichen Bestandteile zwischen ihnen. Sie versuchen miteinander klar zukommen & nähern sich an. John ist gegenüber Cal oft handgreiflich. Ein unsichtbares Band hält sie zusammen. Wie der Webstuhl der für den Unterhalt sorgt. Identität & Sexualität gehören nicht auf die Insel. Frau & Mann = Gottespaar. Schwulsein wird nicht akzeptiert & verstößt gegen das Weltbild. Cal ist schwul. John? Er trägt ein Geheimnis mit sich, welches im Laufe des Buches offenbart wird. Stuart hat ein atmosphärisches, düsteres, emotionales Buch geschrieben & gibt wenig Hoffnung auf Besserung. In einem ungewöhnlichen Setting. Er gibt ein Blick auf Handwerk & Tradition. Die Personen kann man nicht mögen, am Ende des Romanes tuen sie mir leid. Ich verstehe warum Cal von der Insel wegwollte. Die Figuren sind sehr reif. Leichte Schmunzler sind zwischen den harten Worten vertreten. Beim Lesen bin ich durch die Seiten geflogen & zum Ende des Buches nimmt die Geschwindigkeit zu. Es liest sich gut, man bleibt an der Story, trotz der harten Sequenzen. Es ist ein Buch über eine Vater-Sohn Beziehung, Identität, Liebe, Sehnsucht & Zugehörigkeit. Am Ende war ich traurig, dass der Roman zu Ende war.

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5

Tiefgründiger, tragischer, großartiger Roman. John of John von Douglas Stuart aus Hanser Berlin Verlag ist ein eindringlicher, atmosphärisch dichter Roman, der weit stärker von seinen Figuren und ihrer inneren Zerrissenheit lebt als von äußerer Handlung. Die Geschichte spielt auf der abgelegenen schottischen Insel - einer rauen, religiös geprägten Gegend, in der Tradition, Arbeit und Glaube das Leben bestimmen. Im Mittelpunkt steht der 22-jährige John-Calum Macleod, meist nur Cal genannt, der nach einem Studium für Kunst und Textilverarbeitung in Edinburgh mittellos nach Hause zurückkehrt. Dort landet er erneut in dem erstickenden Umfeld seiner Kindheit: auf dem kleinen Familienhof seines Vaters John, zwischen Schafen, Webstühlen und strengen presbyterianischen Glaubensregeln. Der Roman entfaltet seine Stärke besonders über die komplizierte Beziehung zwischen Cal und seinem Vater. John ist Schafzüchter, Tweed-Weber und zugleich eine angesehene religiöse Autorität innerhalb der Inselgemeinschaft. Nach außen verkörpert er Härte, Disziplin und religiöse Strenge, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Mann, der sein gesamtes Leben gegen die eigene Identität geführt hat. Cal wiederum versucht verzweifelt, seiner Herkunft zu entkommen, bleibt aber emotional und traditionsbehaftet an die Insel gebunden. Dadurch entsteht zwischen Vater und Sohn eine intensive Spannung: Beide tragen ähnliche Sehnsüchte und Ängste in sich, können aber kaum offen miteinander sprechen. Stuart zeigt eindrucksvoll, wie Schweigen und Scham über Generationen hinweg weitergegeben werden. Auch die Nebenfiguren sind außergewöhnlich präzise gezeichnet. Besonders Ella, Cals Großmutter, bleibt im Gedächtnis. Sie stammt ursprünglich aus Glasgow, wirkt direkter und lebensnäher als die übrigen Inselbewohner und bringt trotz ihrer Schroffheit Wärme und Humor in die oft melancholische Geschichte. Zwischen ihr und dem Vater von Cal herrscht seit Jahren eine unterschwellige Feindseligkeit. Gleichzeitig verbindet die beiden jedoch auch die gemeinsame Sorge um Cal. Hinzu kommen Figuren wie Innes MacInnes, Johns engster Freund, oder Cals Jugendfreund Doll Macdonald, deren Beziehungen nach und nach die verdrängten Geheimnisse der Insel offenlegen. Besonders beeindruckend ist, wie detailreich Douglas Stuart das Leben auf der Insel beschreibt. Die Arbeit am schweren Webstuhl, die Schafhaltung, die gälische Sprache und die strengen religiösen Rituale verleihen dem Roman eine fast greifbare Atmosphäre. Gleichzeitig zeigt Stuart eine Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt und Abweichungen kaum verziehen werden. Diese Enge macht Cals Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung umso schmerzhafter. Was John of John letztlich so außergewöhnlich macht, ist die emotionale Präzision. Stuart schreibt mit großer Sensibilität über Einsamkeit, verdrängte queere Identität und das Gefühl, zwischen Herkunft und eigenem Leben zerrieben zu werden. Der Roman ist ruhig erzählt und nimmt sich viel Zeit für Stimmungen, Gespräche und unausgesprochene Konflikte. Gerade dadurch entfaltet die Geschichte eine enorme Wucht. Die Figuren wirken nie konstruiert, sondern schmerzhaft real – voller Fehler, Sehnsucht und unterdrückter Gefühle. Douglas Stuart gelingt damit erneut ein literarisch anspruchsvoller und tief berührender Roman, der lange nachhallt und zu seinen stärksten Werken zählt. Eine unangeschränkte und begeisterte Empfehlung.

5

Zwei Männer im Regen

Und wieder hat er es geschafft! Douglas Stuart schreibt Bücher, die so traurig und tragisch sind, und dennoch möchte man, dass sie nie nie nie zu Ende gehen. In diesem Roman steht diesmal die Vater-Sohn-Beziehung im Mittelpunkt. Der „verlorene Sohn“ kehrt nach dem Studium zurück auf die Insel, auf der nicht viel mehr auf ihn wartet als der grimmige Vater und die Großmutter mütterlicherseits, die dem Vater schon lange ein Dorn im Auge bzw. im Haus ist. Ich möchte nicht zu viel der Geschichte verraten, aber es geht hier um Religion, Tradition, Armut, Homosexualität und die Gesellschaft auf den abgelegenen und unwirtlichen Inseln von Schottland. Mein liebster Charakter ist, trotz der Männer im Mittelpunkt, dennoch die einzige Frau, die eine große Rolle in der Geschichte einnimmt – die Großmutter Ella. Sie stammt eigentlich aus Glasgow und so musste sie auf der Insel immer kämpfen, um angenommen zu werden. Aber gurl, sie ist einfach ne coole Socke 🧦 Was ich im dritten Buch von Douglas Stuart schön fand, ist, dass es zwar tragisch ist, aber gleichzeitig nicht ganz so unerträglich wie seine beiden Vorgänger Romane, in denen die Lage so unglaublich aussichtslos erschien. In John of John hat man hin und wieder kleine Hoffnungsschimmer, dass sich etwas zum Guten wenden könnte (wenn auch sehr kleine Schimmer). Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt jeder Person. Es ist einfach schön und traurig und auch wenn ich nicht genau beschreiben kann warum, will man einfach immer und immer weiterlesen. TW: Häusliche Gewalt ------------ "Er dachte an sich selbst als junger Mann, als er fünfzehn war und sich zum ersten mal verliebte. Damals schien es möglich, sowohl Gott als auch [...] zu lieben und ein ruhiges, halbes Leben zu führen. Er konnte nicht wissen, wie viele Lügen nötig waren oder wie tief die Lügen wurzeln würden, dass sie ständiger Pflege bedurften, Dornen bekamen und alle, die ihn liebten, überwucherten, bis alles zu einem riesigen Gestrüpp wurde. Es kam ihm wie ein grausamer Witz vor, dass er zwar um sich herum Salz ausstreute, aber seine Lügen waren die üppigsten Früchte, die diese Felsen je hervorbringen konnten." ----------- "Früher hatte Cal gebettelt, dass sein Vater beim Einschlafen seine Hand hielt. Seine perfekt kleine Hand. John hatte abgelehnt und ihm erklärt, er müsse ein großer Junge sein und allein einschlafen, aber insgeheim hatte er sich gefreut, wenn Cal nicht lockerließ und seine kleine Hand wie eine Spinne über die Decke krabbelte. Wenn er morgens aufwachte und Cals Hand in seiner fand, war er glücklich gewesen."

4.5

Ein fantastischer Roman über Liebe in all ihren Facetten. Ich habe die Sprache und die eigenwilligen Charaktere geliebt.

5

Zwischen Tradition und Selbstfindung

Mit John of John hat Douglas Stuart es mal wieder geschafft: ein trauriges, tragisches und tiefgründiges Buch zu schreiben, das gleichzeitig so zärtlich und schön ist. Ich bin ehrlich: Als ich gesehen habe, wie dick das Buch ist, hatte ich erstmal Respekt davor. Ich habe es normalerweise nicht so mit sehr umfangreichen Romanen. Aber diese Sorge war komplett unnötig. Mir war keine einzige Seite zu lang. Am allerbesten haben mir die Figuren gefallen. Auch wenn sie einem manchmal alles abverlangen, sind sie so zart und feinfühlig gezeichnet, dass man sie einfach nicht loslassen will. Man schließt wirklich alle ins Herz. Da ist zum Beispiel Kel. Er hat in Edinburgh Textilverarbeitung studiert und kehrt nun mittellos auf seine Heimatinsel zurück. Dort erwarten ihn sein Vater und seine Großmutter in der Enge des Elternhauses, in dem es eigentlich nichts gibt außer Schafen, einem Webstuhl und sehr strengen presbyterianischen Glaubensregeln. Dazu kommt, dass Kel homosexuell ist und seine wahre Identität verstecken muss. Sein Vater John ist ein sehr strenger und gläubiger Mann. Unter dieser harten Schale steckt aber auch ein unglaublich zarter Mensch, der selbst sehr mit dem Leben kämpft und vieles andere leichter sein kann als er selbst. Ich habe alle Figuren geliebt, aber meine absolute Lieblingsfigur war Ella, die Großmutter. Sie ist einfach eine wahnsinnig coole Socke. Ella kam vor vielen Jahren mit ihrem Mann auf die Insel und gilt dort trotzdem immer noch als Außenseiterin. Weil sie kein Gälisch spricht, wird sie immer wieder ausgeschlossen und gehört nie ganz dazu. Trotzdem begegnet sie der Welt mit einer großen Portion Coolness und sehr viel Witz. Man muss sie einfach erleben. Das Buch ist insgesamt ganz ruhig erzählt. Handlungsmäßig passiert eigentlich gar nicht so viel und gleichzeitig passiert unglaublich viel. Eben in den Figuren, den Beziehungen und dem Miteinander. Mit jeder Seite wünscht man sich für diese Menschen mehr, dass sie irgendwie ihr Happy End bekommen. Außerdem kann ich auch das Hörbuch sehr empfehlen. Charly Hübner spricht die Figuren mit so viel Gefühl, dass er dieser Geschichte vollkommen gerecht wird.

5

Zärtlich-rohe Atmosphäre in einem ebenso wunderschönen wie erschütternden Vater-Sohn-Drama über verdrängte Liebe und scham-/schmerzhafte Sühne - ganz große Erzählkunst!

5

Ganz großes Highlight

Gute Geschichte, starke Charaktere, sprachlich toll: Das ist große Erzählkunst!

5

🌈 Was für ein tolles Buch!! Was genau hat es mit John of John auf sich? Douglas Stuart erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte von Cal, der nach Jahren in Edinburgh auf die abgelegenen Hebriden, einer Inselgruppe vor der Nordwestküste Schottlands, zurückkehrt. Harte Arbeit, strenge Traditionen, Religion und eine sehr enge Gemeinschaft bestimmen hier den Alltag. Die Beziehung von Cal zu seinem Vater John ist schwierig. Cal ist unangepasst, verbirgt seine sexuelle Orientierung. Cal ist schwul 🌈Es gibt immer wieder Auseinandersetzungen mit dem disziplinierten und streng katholischen Vater, der aber auch sein eigenes Geheimnis hat. Ella, Cals Großmutter mütterlicherseits, die mit im Haus lebt, versucht immer wieder zwischen ihnen zu vermitteln. Cal sucht auch auch die Nähe zu Innes, dem besten Freund von John. Stuart erzählt von Menschen, die sich lieben, verletzen, ihre Geheimnisse haben. Von einer Gemeinschaft die Halt gibt und zugleich erstickt. Er zeigt die Traditionen, die Scham und die Sehnsucht der Menschen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es gern weiter. Denn jeder sollte lieben wen er lieben will 🌈

5

Die 90er voll mit Tweed und voller schönen Charakteren !

Douglas Stuart hat mich diesmal nicht erschlagen, sondern mitgenommen. John of John ist spürbar sanfter als Shuggie Bain und Young Mungo. Die Armut, die katholische Strenge, die Insel – alles da, aber ohne der erdrückende Schwere von den letzten Romanen - fast schon ein raues, salziges Insel‑Romantik‑Setting, was den Figuren auch Raum lässt sich zu entfalten, sie zu lieben… Die Telefonzelle am Anfang. Zack, zurück in die 90er. Meine Jahre. Die Musik die er einfließen lässt, die Medien mit der es abgespielt hat wurde - alles so kurz eingeflossen soviel Entfaltung gehabt ! Die Figuren sind zugänglich, verletzlich, aber nicht gebrochen. Stuart schreibt hier weniger hart, dafür menschlicher, fast schon zärtlich. Ein anderer Ton, aber dennoch er. Es passiert wenig und doch viel - kein Spannungsbogen- kein großes Drama - keine harten Worte und vielleicht genau deswegen hätte der Roman noch viele Seiten vertragen können ! Das Ende kam irgendwie plötzlich obwohl das ein oder andere Kapitel seine „kurzen Längen„ hatte und nichts desto trotz ist es ein Ende das traurig und schön zu gleich ist. Freu mich jetzt schon auf seinen 4. Roman !

Die 90er voll mit Tweed und voller schönen Charakteren !
4.5

Ui ihr Lieben Bookies. Wartet mal bitte kurz. Ich muss mir erst einmal die Regenjacke und die Gummistiefel ausziehen. Ich war gerade für ein paar Tage im nördlichsten Zipfel von Schottland, in Falabay, und ich kann euch sagen: Es hat tagelang gestürmt, ich bin nass bis auf die Knochen geworden und erlebt habe ich dort auch so einiges … JOHN OF JOHN Douglas Stuart ET: 21.04.26 Cal wächst bei seinem Vater und seiner mütterlichen Großmutter auf den nördlichen Hebriden auf. Sie leben in einem kleinen, alten Haus, das niemals richtig warm wird und in das es an allen möglichen Stellen hineinregnet. Sein Vater arbeitet als Tweed-Weber — an einem Webstuhl, der noch mit den Füßen betrieben wird. Eine alte Tradition, auf die die Inselbewohner stolz sind, die aber kaum noch Geld einbringt, weil maschinell hergestellte Stoffe aus China deutlich günstiger sind. Für kurze Zeit glaubte Cal, der Strenge seines presbyterianischen Vaters und der Enge der kleinen Inselgemeinschaft entkommen zu sein. Doch nach seinem Studium in Edinburgh wird er von seinem Vater zurück auf die Insel zitiert. Die Rückkehr fällt ihm schwer. Die Beziehung zwischen den beiden war schon vor seiner Abreise belastet und offen zu seiner Homosexualität zu stehen, käme in den Augen seines Vaters wohl einer Todsünde gleich. Wenn ich euch jetzt allerdings erzähle, wie es weitergeht, müsste ich zu viel verraten. Deshalb mein Vorschlag: Holt euren Ostfriesennerz aus dem Schrank, zieht die Gummistiefel an und verbringt selbst ein paar stürmische Tage auf den Äußeren Hebriden … Was für ein atmosphärisches Buch. Douglas Stuart erzählt hier eine ganz andere Liebesgeschichte. Vielleicht nicht ganz so berührend wie seine beiden vorherigen Bücher, aber deshalb keineswegs weniger feinfühlig. Dieses Buch lebt von seinen detailreichen Beschreibungen der Insel, ihrer Bewohner, der herrlich unkonventionellen Großmutter, unserem liebenswerten Cal — und natürlich von den gefühlt hundert Variationen von nasskaltem Wetter. Als Hamburgerin würde ich vermutlich einfach Schietwedder dazu sagen. Fazit: Feinste atmosphärische Unterhaltung. 4½/5 Lieblingszitat: "Ein ganzer Kontinent war zu bequem geworden, um sich ordentlich anzuziehen. Alles musste billig sein, schnell gehen, und während ihre Körper verfetteten, entwickelten sie die Obsession, ihre Schwabbeligkeit in Labberigkeit einzuhüllen."

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Sternebewertung fiktiv

Viele werden bei diesem Buch vermutlich zuerst auf die Seitenzahl schauen und denken, was ein Wälzer! Und trotzdem war John of John für mich zu keiner Zeit langweilig oder langatmig. Im Gegenteil. Douglas Stuart schreibt leise, ruhig und beinahe melancholisch, aber genau darin liegt die Stärke dieses Romans. Ich habe das Buch parallel gelesen und als Hörbuch gehört und kann wirklich beides empfehlen. Gerade das Hörbuch transportiert diese besondere Stimmung unglaublich gut. Es ist ein Roman für graue Tage, Regen am Fenster und dieses Gefühl, sich komplett in eine andere Welt fallen zu lassen. Die Geschichte beginnt mit Cals Rückkehr auf die schottische Insel Harris. Eigentlich hat er gerade sein Studium in Edinburgh mit Auszeichnung abgeschlossen, doch statt eines Neubeginns wartet zuhause Stillstand auf ihn. Seine Großmutter ist schwer krank, sein Vater John holt ihn zurück auf die Insel. Und dort gelten noch immer dieselben Regeln wie früher: Tradition, Anpassung und vor allem Schweigen. Die Insel wirkt beim Lesen fast farblos. Grau, rau und eng. Die Menschen leben von Schafwolle, Weberei und harter Arbeit, doch die wirtschaftliche Lage wird schwieriger und mit ihr wächst auch der Druck auf die Bewohner. Besonders auf Männer. Cal war immer anders. Er wollte weg. Raus aus diesem engen Weltbild. In Edinburgh konnte er zumindest anfangen, sich selbst näherzukommen. Auf Harris hingegen scheint seine Homosexualität etwas zu sein, das keinen Platz haben darf. Sein Vater John lebt nach klaren Regeln: keine Schwäche, keine Gefühle, kein Anderssein. Und trotzdem merkt man schnell, dass gerade John selbst ein Geheimnis mit sich trägt. Etwas, das eng mit einem Nachbarn verbunden ist und zeigt, wie viel Verdrängung in diesem Dorf herrscht. Douglas Stuart hat für mich ein unglaubliches Talent dafür, Figuren zu erschaffen, die vollkommen echt wirken. Nichts fühlt sich künstlich oder konstruiert an. Man hat eher das Gefühl, echte Menschen zu begleiten, mit all ihren Verletzungen, Ängsten und Sehnsüchten. Besonders gelungen fand ich, wie stark die Umgebung auf die Stimmung der Figuren wirkt. Beim Lesen hatte ich ständig dieses Bild von grauen Landschaften im Kopf und mittendrin Cal mit seinen auffälligen Kleidern, seiner Frisur und allem, was ihn von dieser Welt unterscheidet. Trotz der vielen Seiten bin ich unglaublich schnell durch das Buch gekommen. Gerade weil Douglas Stuart keine laute Geschichte erzählen muss, um zu berühren. Für mich war das ein intensiver Roman über Herkunft, Familie, Männlichkeit, Einsamkeit und darüber, wie schwer es sein kann, man selbst zu sein, wenn die eigene Umgebung dafür keinen Raum lässt. Zuletzt bleibt zu sagen, wie kommt man auf die Idee mit dem ausgestopften Strick Penis. Musste richtig laut lachen.

Sternebewertung fiktiv
5

Jahreshighlight

Ich habe die Geschichte rund um Cal, John und Ella geliebt! Was für fantastische Charaktere, was für ein Schreibstil! Jedes Wort sitzt perfekt und besitzt eine gewisse Bitterkeit. Besonders gut hat mir die raue Natur Schottlands gefallen und die Geheimnisse und Geschichten, sie sich in einer vermeintlich langweiligen Gegend abspielen.

5

Eine ruhige emotionale Story mit wunderbaren Charakteren -

Die Geschichte von Cal, ist eine eher ruhige Geschichte, trotzdem hat sie mich so gefesselt, dass ich immer weiterlesen wollte und traurig war als sie vorbei war, weil ich die Charaktere gerne länger begleitet hätte. Douglas Stuart versteht es Menschen gleichzeitig rau und verletzlich zu schreiben, sodass ich mich in alle reinfühlen konnte und ihre Hoffnung und ihren Schmerz spüren konnte. Besonders Cals Großmutter Ella, fand ich toll. Ich mochte es wie im Verlauf der Geschichte immer mehr offenbart wird, aber trotzdem manches frei für die eigene Interpretation bleibt. Auch die Szenerie, die raue, schroffe Welt der nordischen Insel, auf der manche Einstellungen noch etwas veraltet sind und die Kirche eine große Rolle spielt, wird gut vorstellbar beschrieben. Ich habe die Story um Cal und seine Rückkehr auf die Insel, die schwierige Beziehung zu seinem Vater sowie die Rolle alter Freunde geliebt und kann sie jedem nur ans Herz legen.

5

John of John ❤️ Mit großen Erwartungen begann ich diesen Roman, der so ganz anders ist als Shuggie Bain und Young Mungo und trotzdem mein bisheriger Liebling des Autors. Im Außen passiert wenig. Keine großen Wendungen, kein lautes Drama. Und trotzdem entfaltet sich eine enorme Intensität. Douglas Stuart lebt Atmosphäre. Er entwirft Menschen, die sind wie das Land: rau und schön, üppig und karg zugleich. Seine Figuren tragen beides in sich – menschliche Abgründe und feinste, zarte Gefühle. Und genau in dieser Spannung entsteht die Kraft dieses Romans. Es geht um Konventionen. Um Grenzen, die wir uns selbst setzen – in unserem Erleben, Wünschen und im Glauben, in dem, was wir für richtig halten. Grenzen, die Halt geben und gleichzeitig gefangen halten. Und es geht um Wandel. Leise, zart – und manchmal doch brutal. Ein Wandel, der oft Generationen braucht, um überhaupt sichtbar zu werden. Ich las dieses Buch und dachte zwischendurch: Es passiert gar nicht so viel. Und gleichzeitig passiert alles. Für mich ist das große Literatur: unaufgeregt, präzise, tief. Auf Papier gedrucktes Menschsein.

Post image
3

Nähe und Fremdheit

Der neue Roman des Booker-Preisträgers Douglas Stuart, John of John, entführt uns auf die abgelegenen, rauen Hebriden. Auf einer kargen Insel lebt John, ein strenger und verschlossener Tweed-Weber, dessen Leben von Härte und Einsamkeit geprägt ist. Zu seinem Sohn Cal verbindet ihn kaum Nähe – dieser ist einst nach Edinburgh geflohen, kehrt jedoch auf Wunsch des Vaters zurück. Doch die erhoffte Annäherung bleibt aus. Zwischen Vater und Sohn herrscht eine spannungsgeladene Mischung aus Sehnsucht und Abstoßung, aus Liebe und Fremdheit. Cal entspricht nicht den Erwartungen seines Vaters – schon seine langen Haare sind John ein Dorn im Auge. Dass Cal sich zu Männern hingezogen fühlt, bleibt vorerst unausgesprochen und deutet doch an, wie tief die Kluft zwischen ihnen wirklich ist. Gleichzeitig trägt auch der Vater ein eigenes Geheimnis mit sich. Douglas Stuart gelingt es meisterhaft, diese komplexe Beziehung mit großer Intensität und sprachlicher Feinheit zu zeichnen. Besonders eindrucksvoll ist sein bildhafter Stil, mit dem er die raue, unwirtliche Atmosphäre der Hebriden lebendig werden lässt. John of John ist ein kraftvoller, emotional dichter Roman, der lange nachwirkt und tief beeindruckt.

5

So viel Unausgesprochenes, ich als Leserin die stille Mitwisserin

Cal hält es auf der kleinen schottischen Insel nicht mehr aus, obwohl er ihre raue Schönheit liebt. Wenn er dort bleiben will, muss er sich verstellen und die maßlose Strenge seines Vaters ertragen, die er nicht versteht. Das Zitat „Ihre Gespräche waren immer zensiert, ließen die Dinge, über die sie nicht reden konnten, unausgesprochen.“ fasst den Roman perfekt zusammen. Ich habe mich sofort auf die schottischen Hebriden versetzt gefühlt, obwohl ich noch nie dort war. Die Sprache so bildhaft, die Farben, Landschaften und Charaktere zum Greifen nah. Eine Vater-Sohn-Geschichte, die eigentlich ein iconic Slow-Burn ist. So viel Unausgesprochenes; ich als Leserin die stille Mitwisserin. Ein verstecktes Leben auf einer Insel, auf der jeder von allen alles zu wissen scheint, außer vielleicht das wichtigste Detail. Ein unglaublich guter Roman mit Tiefgang!

5

One of the books that left me absolutely head over heels in love with it 😌

I stumbled across the book in the English section of a Thalia bookshop a couple of weeks ago right after I‘d got back from my trip to South Korea. I bought a book there (yet to be read) „I went to see my father“, and here was „John of John“ with a similar motif - revisiting your past, facing yourself reflected in those you‘ve left behind, and that all on an island with nowhere to run. I thought it was a sign (I don’t believe in signs, but when I see one I do), plus the book smelled like heaven and was this perfect size - slightly bigger than a typical paperback. The atmosphere, the simplicity of life, the depth of the drama - all was top-notch and in right amounts. I definitely feel like something inside of me healed ❤️

One of the books that left me absolutely head over heels in love with it 😌
3.5

Zwischen Schafen, Pints und Selbstfindung

Stuart bleibt mit seinem dritten Werk in Schottland aber wechselt vom harten Plattenbau Glasgows zu einem rauen Insel-Setting. Ähnlich wie bei Shuggie Bain und Young Mungo geht es auch bei John wieder um Missbrauch, Queerness, Sucht und Einsamkeit. Leider hat mich das Werk insgesamt weniger abgeholt als die vorherigen Bücher. Die Hauptfiguren hätten mehr Tiefe vertragen und wirkten für mich leider an einigen Stellen sehr unsympatisch. Von den spannenden Nebenfiguren wie Ella, Doll und Innes hätte ich dagegen gerne noch viel mehr erfahren!

3

Highland Drama

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so richtig, wie ich dieses Buch bewerten soll, weil ich einfach etwas komplett anderes erwartet habe. Nach den ersten Seiten dachte ich, ich bekomme einen Roman in den schottischen Highlands mit viel Stimmung, Natur und vielleicht etwas emotionaler Tiefe. Stattdessen ging es sehr schnell in Richtung Familien und Beziehungsdrama, mit vielen Konflikten und Spannungen zwischen den Figuren. Teilweise fiel es mir dadurch sogar schwer, richtig mitzukommen, weil ständig neue Dispute entstanden sind und ich irgendwann den Überblick verloren habe, wer jetzt eigentlich mit wem im Konflikt steht. Dabei muss ich aber trotzdem sagen, dass der Autor wirklich gut schreibt. Denn obwohl mich die eigentliche Story thematisch überhaupt nicht abgeholt hat, ließ sich das Buch dennoch sehr flüssig lesen. Und das schaffen nicht viele Bücher, wenn man eigentlich merkt, dass die Handlung gar nicht den eigenen Geschmack trifft. Würde ich nur nach meinem persönlichen Leseerlebnis gehen, wären es vermutlich eher 2 Sterne geworden, weil ich das Buch einfach nicht wirklich genießen konnte. Betrachtet man aber den Schreibstil und die Art zu erzählen, würde ich eher bei 3 bis 4 Sternen landen. Ich glaube einfach, dass dieses Buch genau die richtigen Leser finden wird besonders, wenn man Familiendrama, Beziehungschaos und emotionale Konflikte in dieser rauen Highlands Atmosphäre mag. Für mich persönlich war es auf Dauer allerdings einfach zu viel Drama und zu wenig von dem, was ich mir ursprünglich erhofft hatte.

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