Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an

Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an

Hardback
4.429

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

"Das Vaterbuch ist ein Text über Krankheit, Verlust und Verzweiflung. Wie in ‚Frausein‘ geht es um Abschied. Und um den Witz als Widerstand." Mely Kiyak Was bleibt, wenn einem der Vater durch die Finger rieselt? Herr Kiyak, ein fabelhafter Geschichtenerzähler, bekommt Krebs und will sterben. Aber er hat eine Tochter – und was für eine: Sie macht sein Schicksal zu ihrem und lässt ihn nicht ziehen. Immerhin hat man nur einen Vater. Mely Kiyak erzählt von einer Zeit, in der es um alles geht. Von Herrn Kiyaks Überlebenskampf in Berlin und seinen Cowboystorys aus Bingöl. Von unendlichem Schabernack und großem Kummer. Sie erzählt wahrhaftig, schön und eigensinnig von Vaterliebe und Tochterangst und davon, dass es die Geschichten sind, die bleiben. Und natürlich von seinen berühmten Zwei-Zeilen-Briefen: „Ich küsse dich mein Kind. Dein Vater.“ „Das Vaterbuch ist ein Text über Krankheit, Verlust und Verzweiflung. Wie in "Frausein" geht es um Abschied. Und um den Witz als Widerstand. "Frausein" und das Vaterbuch sind zwei Texte, aber ein Erzählkörper. Ein Leid, ein Lachen, ein Sterben.“ Mely Kiyak

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Literary Essays
Format
Hardback
Pages
224
Price
23.70 €

Author Description

Mely Kiyak ist Autorin von Büchern und Theatertexten. Bei Zeit Online erscheint ihre Serie „Gute Momente“, für das Gorki-Theater schreibt sie „Kiyaks Theater Kolumne“. Für ihre Arbeit wurde Mely Kiyak vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Kurt-Tucholsky-Preis. Zuletzt erschienen bei Hanser „Frausein“ (2020) und „Werden sie uns mit FlixBus deportieren?“ (2022).

Posts

6
All
5

„Und draußen? Treiben die Äste Knospen.“ (S.46)

Das habe ich sehr gerne gelesen. Frau Kiyak schreibt Theatertexte und, soweit ich das beurteilen kann, merkt man das hier an ihrem Stil. Das mochte ich sehr gerne.

5

Ihr Vater hatte bereits die Flugtickets für seine Heimreise zu seiner Liebsten in die Türkei gebucht, er dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an, als er aufgrund von zunehmendem Husten und Luftnot in ein Krankenhaus bei Berlin muss. Herr Kiyak hat Lungenkrebs, zunächst soll er operiert werden, doch der Tumor wächst so schnell, dass doch erst eine Chemotherapie gemacht werden muss. Seine Tochter begleitet ihn durch seinen Alltag im Krankenhaus, sie spricht mit Ärzt*innen und Pflegepersonen, sie kümmert sich – und hat Angst. Angst um ihren lieben Vater, diesen Gefühlsmenschen, der so viel lacht und weint, und der als Gastarbeiter jahrelang in Deutschland in Schicht gearbeitet hat. Mely Kiyaks Roman "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an" erschien bereits 2013 im S. Fischer Verlag und wurde nun, von der Autorin überarbeitet, im Hanser Literaturverlag neu herausgegeben. Mir ging dieses Buch unglaublich nahe, mein Herz wurde schwer bei den Schilderungen des Wesens von Mely Kiyaks Vater; die Liebe, die aus jeder Zeile für den Vater spricht, hat mich sehr bewegt. Es ist ein Abschied in Buchform und dabei etwas, das überdauert, denn es sind die Geschichten, die bleiben. So auch die, die Herr Kiyak seiner Tochter immer wieder von seiner Heimat Bingöl erzählt, von seiner Familie, die er dort zurücklassen musste, als er als Gastarbeiter nach Deutschland kam. Neben den Geschichten aus der Vergangenheit des Vaters ist die Gegenwart auch geprägt von einem Krankenhaussystem, das kühl und steril wirkt, das nicht auf Einzelne eingeht und organisatorischen Aufgaben wie die Wohnungssuche für den Vater, die an bürokratischen Hindernissen scheitern. "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an" ist ein wunderschöner und tieftrauriger, aber nie seinen Witz verlierender Roman über Krankheit, Verlust und die tiefe Liebe zwischen Kindern und ihren Eltern, den ich von Herzen empfehle.

Post image
5

Mely Kiyak schreibt die beste Tatsachebprosa des Landes. Niemand ist besser. Hab es im RE zu Ende gelesen und geweint. Es ist nicht so gut, weil es „echt“ ist; ihre Kunstfertigkeit ist besser als jede Wahrheit. Zusammen mit „Frausein“ ist eines der wichtigsten Texte der letzten Jahre.

3.5

Geht tief unter die Haut und tut unglaublich weh.

„Warum ist das, was ich erlebe, für mich so katastrophal? Es leben so viele Menschen mit so vielen Schicksalen und schaffen es, normal zu bleiben. Ich aber habe einen Kampf aufgenommen und muss ihn gewinnen. Gleichzeitig bin ich so müde.“ Als älteste Tochter meines verstorbenen Papas hat mich diese Geschichte sehr berührt und getroffen. Trotz ganz unterschiedlicher Umstände, haben mich Kiyaks Passagen über den Umgang mit dem Tod und der lähmende Kontrollverlust sehr mitgenommen. „Herr Kiyak ist doch ihr Vater? Ja, Herr Kiyak ist mein Vater. Noch hab ich einen.“ Trauer lähmt und ist so unglaublich schmerzhaft, dass es uns in den Wahnsinn treibt. Egal wie sehr man versucht den Menschen bei sich zu halten, gegen den Tod ist man machtlos.

4.5

»Wie geht es Herrn Kiyak, will der Psychologe wissen. Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an, umschreibe ich vorsichtig Papas Lage. So eine Nachricht platzt immer überraschend rein, erklärt er mir. Ist das so?, frage ich. Krankheit kommt in den Plänen der meisten Menschen nicht vor, meint der Psychologe, wenn es eintritt, wirft es alle aus der Bahn. Bei uns, fange ich zögerlich an, legt man sich einfach hin, richtet letzte Grüße aus und stirbt.« (S. 88) In ihrem neusten Buch »Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an« nimmt die Autorin & Journalistin Mely Kiyak die Krebserkrankung ihres Vaters zum Anlass, um über die gemeinsame Vater-Tochter-Beziehung zu schreiben. Dabei erzählt sie Anekdoten & Berichte aus dem Leben ihres Vaters, der als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland kam; kritisiert das deutsche Gesundheitssystem und den Umgang mit Gastarbeiter*innen; und zeigt, dass einfach Krankheiten elendig ungerecht sind und, wie sehr Krankheit Betroffene und Angehörige treffen kann. Der Roman ist sehr vielschichtig und facettenreich, aber dabei keineswegs überfrachtet. Die abwechselnden Erzählungen und insbesondere der Schreibstil machen dieses Buch so besonders. »Der Gastarbeiter hat die Dämpfe tief in seine Lunge eingeatmet und sich über die Jahre einen schönen Krebs als Gastgeschenk erarbeitet.« (S. 123) Doch trotz all dieser ernsten, schweren und wichtigen Themen gelingt es der Autorin mit einer scheinbaren Leichtigkeit, dies alles in Worte zu fassen und so zu formulieren, dass mensch abwechselnd weinen und lachen möchte. Ein unglaublich berührender Roman, der direkt ins Herz geht. ❤️‍🩹 Der Roman hat mich an das Buch »Das Leben ist ein vorübergehender Zustand« von Gabriele von Arnim erinnert und diese Thematik aus der Perspektive einer Tochter widergespiegelt. Ganz ganz große Leseempfehlung — ebenso für ihr biografisches Buch »FRAUSEIN«. 🖤

Post image
4.5

Im dem Roman treffen tiefe Verzweiflung – „Man gewöhnt sich an Menschen, liebt sie, und am Horizont winkt bereits der Tod. Man fragt sich doch, worin der Sinn des Lebens besteht, wenn am Ende gestorben wird.“ – auf eine innige, glückliche und witzige Vater-Tochter Beziehung, sodass das Lesen ein Auf und Ab zwischen verdrückten Tränen und lautem Lachen war.

”Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an“ von Mely Kiyak ist ein Roman über Krankheit und Verlust, aber insbesondere auch über eine bewegende Vater-Tochter-Beziehung. Abwechselnd erzählt Kiyak von der Zeit im Krankenhaus mit ihrem Vater, nachdem dieser seine Krebsdiagnose erhalten hat und gibt Geschichten aus dem Leben ihres Vaters und seiner Familie wieder, die er ihr am Krankenbett erzählt hat. Besonders gut, wenngleich auch besonders frustrierend, haben mir auch die Passagen über das deutsche Gesundheitssystem gefallen, in denen Kiyaks Verzweiflung an und ihre Fassungslosigkeit über dieses System deutlich wurden.

Create Post