Radio Sarajevo

Radio Sarajevo

Ebook
4.4401

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Description

„Eine Jugend zwischen Blauhelmen und Bon Jovi. Tijan Sila erzählt rau, verletzlich, unverstellt.“ (Micky Beisenherz). Brutal ehrlich beschreibt er das Leben und Überleben im belagerten Sarajevo. Preisträger Ingeborg-Bachmann-Preis 2024 „Dies ist die Geschichte meiner Kindheit und meines Kriegs.“ Als im April 1992 der Krieg beginnt, ist Tijan Sila nur zehn Jahre alt, doch bis heute kann er sich an den Geruch von gezündetem Sprengstoff erinnern. Während Sarajevo in Flammen steht, wird aus dem Jungen, der er damals war, ein junger Mann. Er streift durch die Ruinen der ausgebombten Stadt und sammelt Dinge, die von den Geflohenen und Gestorbenen zurückgeblieben sind, um sie auf dem Schwarzmarkt gegen Essen zu tauschen. Er lernt zu überleben, und er akzeptiert die grausame neue Normalität, doch zu welchem Preis? Seine Geschichte ist eine Geschichte des Unerwarteten. Sie erzählt davon, wie Dichter zu Mördern werden und Mörder zu Helden. Sie erzählt von Menschen, denen jede Menschlichkeit jäh genommen wurde, und von den Spreißeln, die der Krieg im Hirn jedes Überlebenden hinterlässt.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Ebook
Pages
176
Price
13.99 €

Author Description

Tijan Sila, geboren 1981 in Sarajevo, kam 1994 als Kriegsflüchtling nach Deutschland. Er studierte Germanistik und Anglistik in Heidelberg. 2017 erschien sein erster Roman "Tierchen Unlimited", 2018 folgte "Die Fahne der Wünsche", 2021 "Krach". Zuletzt erschien sein autobiographisches Buch "Radio Sarajevo" (2023) bei Hanser Berlin. Darüber hinaus veröffentlichte er Essays in der ZEIT, der TAZ und dem FREITAG. 2024 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis. Tijan Sila lebt in Kaiserslautern.

Posts

75
All
4

64/2026 Radio Sarajevo

Der Autor und ich sind beinahe ein Jahrgang. Natürlich habe ich damals auch mitbekommen, dass in Jugoslawien ein bzw mehrere Kriege ausgebrochen sind. Aber als Kind/Jugendliche in Deutschland hatte man wenig Vorstellung davon, was das bedeutet... Es wurde Zeit für dieses Buch! Harte Kost, aber wichtig. Print

64/2026 Radio Sarajevo
5

Schonungslose Schilderungen einer Kindheit in den 1990er Jahre in Sarajevo zu Beginn des Bosnienkrieges

Tijan Sila schildert auf nur ca. 170 Seiten seine Erfahrungen als Heranwachsender in Sarajevo. Es beginnt mit dem Ausbruch des Bosnienkrieges und endet mit der Flucht seiner Familie nach Deutschland ca. 3 Jahre später. Was er, seine Eltern, sein Bruder und seine Freunde in der Zwischenzeit erleben wird kompromisslos erzählt. Die Kälte des Winters, der Hunger, das Abstumpfen bei heftigem Beschuss, aber auch die Angst sind deutlich spürbar. Das nachfolgende Zitat gibt einen kurzen Einblick: Sarajevo kam mir vor wie ein schwarzer Wald, der Tod als ein Jäger, und ich fühlte zum ersten Mal das, was ich erst Jahre später, in Deutschland, in Worte zu fassen schaffte: Ich fühlte, dass zu leben vor allem bedeutete, Grauen auszuhalten. Mich hat das Buch sehr berührt, insbesondere auch die Schilderungen, was der Krieg und die tägliche Gewalt, die Angst und die Flucht in Drogen den Kinderseelen angetan haben. Gleichzeitig musste ich daran denken, dass es auf der Welt gerade zahlreiche kriegerische und gewaltvolle Auseinandersetzungen gibt und täglich Kinder dem Wahnsinn, verursacht durch Erwachsene, täglich ausgesetzt sind. Ich gebe eine Leseempfehlung, weiße aber explizit darauf hin, dass gewaltvolle Szenen und sexualisierte Gewalt dargestellt werden.

3.5

Interessant, zu lesen, wie ein Kind den Krieg erlebt, was es mit ihm macht. Ich weiß das Buch für mich jedoch nicht richtig einzuschätzen. Ich habe es gelesen, aber es klingt so gar nicht nach. Es lässt mich nicht über das gelesene nachdenken.

4.5

Schonungsloser Kriegsbericht eines Kindes

„Radio Sarajevo“ ist eine literarisch verdichtete autobiografische Erzählung über die Jahre zwischen dem Kriegsausbruch in Sarajevo 1992 und der Flucht der Familie Sila nach Deutschland 1994. Tijan Silas erzählt in seinem Roman authentisch, unmittelbar, klug und lebensnah. Mit dem kleinen Ausschnitt seiner Lebenswelt, als Kind in der Plattenbausiedlung in Sarajevo, schafft er es die ganze widerliche Ungeheuerlichkeit des Krieges zu erfassen und zu vermitteln. So wird dem Leser die Verrohung im Krieg und die Auswirkungen auf den Alltag und die Lebenswelt durch kurze Erzählungen näher gebracht: Mit seinen Freunden pirscht Tijan durch ausgebrannte Autowracks, ­Kiosks oder Gebäudeteile, auf der Suche nach Pornoheften, die sie bei den UN-Soldaten gegen Essbares oder Bargeld eintauschen können. Die Sorge, neue Batterien zu besorgen ist größer, als die um Essen, da das Comic lesen auf dem Klo mit der Taschenlampe -aus Sicherheitsgründen- kurz die Tristes und Brutalität des Krieges verblassen lässt. Details wie diese bestimmten die Wahrnehmung des Autors inmitten der Kriegshölle. Und sie kennzeichnen auch das Buch «Radio Sarajevo»: Es bietet keine historisch umfassende Darstellung der Belagerung. Und es verzichtet darauf, die damaligen Täter auf der serbischen Seite anzuklagen. Ich konnte mich schnell in die Gedankenwelt und das Erlebte einfühlen. Groß ist Silas Erzählung aber nicht wegen der Präsenz der Gewalt, sondern weil der Ausschnitt, den er zum Erzählen wählt, klein ist. Dieses Buch berührt, erzählt kurzweilig und eröffnet schonungslos mit Härte und auch Witz eine kindliche Perspektive auf den Bosnienkrieg und die Traumata, die er hinterlässt.

Schonungsloser Kriegsbericht eines Kindes
3

Der Autor erzählt die wahre Geschichte seiner Kindheit während des Bosnienkrieges. Wie aus kleinen Jungs, die einfach gerne Musik hörten, verrohte Teenager wurden, die sich an ein Leben vor dem Krieg fast nicht mehr erinnern konnten. Trotz des schweren Themas war das Buch nicht so emotional geschrieben, wie ich es erwartet hatte. Irgendwie war es distanziert. Aber vielleicht muss der Autor auch distanziert sein, um nicht wieder in den Sog der Traumata gerissen zu werden. Ich hätte gerne noch mehr vom Neuanfang in Deutschland gelesen. Das war mir zu kurz.

3.5

Der Roman „Radio Sarajevo“ von Tijan Sila verhandelt die Zeit des Bosnienkrieges (1992-1995) aus einer bestimmten Perspektive. Es geht um das Erwachsenwerden des Protagonisten, seine familiäre Situation, es geht um die militärische Situation rund um Sarajevo und die reale Bedrohung, der die Bevölkerung ausgesetzt ist. Und es geht auch um Freundschaft, Heimat, Freiheit, Träume und Zukunft. Ich habe das Hörbuch, gelesen vom Autor, gerne gehört und mich in die Beziehungen und die Schwierigkeiten total gerne reingedacht. Ich mochte total gern, dass im Roman neben all der Schwere auch eine gute Portion Humor einfließt. Außerdem fand ich die beschreibende/informative historische Ebene hilfreich, um sich noch besser auf den Roman einlassen zu können. Mir ist nur aufgefallen, dass die Audio-Qualität nicht ganz einwandfrei war.

5

Sehr bewegend

Unvorstellbar so etwas zu erleben und zu überleben. Tief beeindruckt und berührt lässt mich diese wahre Geschichte zurück.

4

"Sarajewo kam mir vor wie ein schwarzer Wald, der Tod als ein Jäger, und ich fühlte zum ersten Mal das, was ich erst Jahre später, in Deutschland, in Worte zu fassen schaffte: Ich fühlte, dass zu leben vor allem bedeutete, Grauen auszuhalten." (S. 74) Erinnerungen an dieses Grauen des Bosnienkrieges während seiner Kindheit durchziehen den Roman Radio Sarajevo von Tijan Sila. In kurzen Szenen erzählt der Autor vom Aufwachsen im belagerten Sarajevo, von Angst, Alltagsmomenten und dem Überleben zwischen Granaten, Banden und nach Pornoheften gierenden UNO-Soldaten. Für mich zeigt das Buch direkt, unprätentiös und eindringlich, wie Krieg sich ins Leben der Betroffenen einschreibt. Zunächst schien mir der Umgang mit den Kriegserlebnissen etwas zu banal dargestellt, aber bis zum Ende mochte ich das Buch mit seinen unterschiedlichen Figuren immer mehr.

Post image
4

Pragmatisch, kindlich naiv und schonungslos

April 1992, der Bosnienkrieg beginnt. Tijan ist erst 10 Jahre alt während in Sarajevo die Bomben fallen und geschossen wird. Seine Eltern sind Außenseiter im Viertel, weil sie Akademiker sind. Für sie ist die Situation schwierig und 1994 flieht die Familie nach Deutschland. 📻 Tijan Sila erzählt autofiktional vom Bosnienkrieg. Dabei bleibt er recht pragmatisch und gleichzeitig bringt er ein bisschen Humor mit rein. Das ganze Buch ist geprägt durch ein bedrückendes und beklemmendes Gefühl. Schonungslos und mit einer kindlichen Naivität erzählt er von den damaligen Ereignissen. Nur ganz ehrlich, wie soll man auch sonst davon berichten? Ich denke, er hat hier die richtige Erzählweise gewählt und sie ist sehr passend und besonders. Manchmal hatte ich das Gefühl mit ihm an einem Tisch zu sitzen und er erzählt verschiedene Episoden aus dieser Zeit. So wie früher, wenn die Großeltern vom 2. Weltkrieg erzählt haben. Eigentlich sollten Tijans Eltern für die Kinder da sein, sie in dieser neuen Situation beschützen, aber die beiden sind komplett überfordert. Ohne den besten Freund des Vaters würden sie nicht wirklich klar kommen. Das neue Leben in Deutschland, welches alles besser machen sollte, ist für sie vielleicht doch nicht die Rettung. Ich hätte mir hier mehr Seiten gewünscht, mehr über die Zeit in Deutschland. Leider bekommen wir nur einen kleinen Einblick. Es ist zwar nur ein Nebenthema, aber ich finde es schlimm, dass es anscheinend ganz normal war zu dieser Zeit, dass Eltern ihre Kinder schlagen. Einfach Teil des Alltags. Dieses Buch ist aktueller den je und sollte jedem, der pro Krieg eingestellt ist, in die Hand gedrückt werden! Respekt, dass Tijan Sila seine Erlebnisse mit uns teilt! 📻 Pragmatisch, kindlich naiv und schonungslos

Pragmatisch, kindlich naiv und schonungslos
5

Krieg aus der Sicht eines Kindes

Er ist über 30 Jahre her und doch ruft dieser Roman den Balkankrieg wieder hervor, als wäre man dabei. Was zu Zeiten Jugoslawiens noch funktionierte, funktionierte nun nicht mehr - ein Zusammenleben dreier Nationen. Aufschlussreich, emotional und erschütternd beschreibt Sila den Krieg, wie er und Tausende ihn erlebte(n).

5

In "Radio Sarajavo" berichtet Tijan Sila über seine Zeit in den Anfängen des Bosnienkrieges bis zu seiner Flucht nach Deutschland in den Jahren 1992 bis 1994. Als der Krieg im April 1992 beginnt ist der Autor 10 Jahre alt. Nach dem ersten Angriff ändert sich sein komplettes Leben schlagartig. Er berichtet eindrücklich, ungeschönt und ehrlich vom anfänglichen Schock und der Hoffnung bis hin zur beginnenden Gewöhnung und dem Kampf ums Überleben. Auch die Auswirkungen des Krieges auf ihn und seine Familie, aber auch alle anderen Menschen, werden deutlich dargestellt. Es ist bedrückend, ernüchternd und kaum vorstellbar. Im Jahr 1994 gelingt seiner Familie die Flucht. Angekommen in Deutschland erwartet ihn die nächste Herausforderung. Tijan Silas ist es gelungen echte und nachvollziehbare Einblicke in das Leben im Krieg zu geben, die einem nahegehen und zum Nachdenken anregen, aber auch aufrütteln. Auch die Folgen, die Mensch und Umgebung betreffen sowie die Schwierigkeiten in einem neuen Land als Migrant, für sich als auch seine Eltern, wurden von ihm gut aufgezeigt. Von mir eine große Empfehlung!

4.5

Bewegend, brutal ehrlich und überraschend witzig

Ich habe Radio Sarajevo als Hörbuch gehört, eingesprochen von Tijan Sila selbst, und allein das war schon ein echtes Highlight. Er bringt seine eigene Geschichte so lebendig und direkt rüber, dass man das Gefühl hat, neben ihm zu sitzen, während er erzählt. Im Buch geht es um seine Kindheit während des Krieges in Bosnien, um den Alltag zwischen Angst, Mangel und Gewalt und darum, wie seine Familie schließlich nach Deutschland kam. Was ich wirklich beeindruckend fand: Trotz des unfassbaren Traumas, das in jedem Kapitel spürbar ist, erzählt Sila mit einer unglaublichen Portion Humor. Seine Sprache ist frech, ehrlich, manchmal richtig dreist, aber genau das macht das Ganze so menschlich. Ich musste mehrmals laut lachen, obwohl die Situationen eigentlich bitterernst waren. Diese Mischung trifft einfach ins Herz. Ich habe das Hörbuch praktisch am Stück durchgehört, es hat mich komplett gepackt. Es ist bewegend, brutal, traurig, aber gleichzeitig voller Leben und Witz. Und es hat definitiv mein Interesse an der Geschichte des Bosnienkriegs weiter geweckt.

5

Ich empfehle ausdrücklich auch die Hörbuch-Version, die vom Autor selbst gelesen wird!

Eine Rezension der Geschichte fühlt sich falsch und übergriffig an. Es ist Tijan Silas Geschichte - die eines Jungen, der seine Kindheit in Sarajevo verbringt, im Krieg aufwächst: „Dass der Mensch sich an jede Qual gewöhnt, stimmt nämlich. Es stimmt jedoch auch, dass es eine Qual ist, sich wieder zu entwöhnen.“(S. 22) Ein paar meiner Gedanken teile ich, ohne werten zu wollen. Es ist ein Buch voller Gegensätze. Das zeigt sich schon in den geschriebenen Zeilen, mehr noch in Silas gelesenen Worten - bildungsbürgerliches Deutsch mit Dialekt - die für mich als in Friedenszeiten aufgewachsene weiße Deutsche unvorstellbar klingen. Die Traumata, die solch eine Kindheit im Krieg und häuslicher Gewalt unweigerlich erscheinen, entfalten sich auf den allerletzten Seiten erst ansatzweise, als Tijan Sila von der ersten Zeit nach der Flucht nach Deutschland berichtet. „Auch wir verließen unseren Krieg mit Fremdkörpern im Schädel.“, so liest es Sila im Epilog des Hörbuchs. Damit verweist er auf die Kriegserlebnisse des Großvaters aus dem ersten Weltkrieg, sowie die paranoide Schizophrenie seiner Mutter, promovierte Germanistin und gewiss auch die eigenen Traumata; „dann sagte Sead [ein Kindheits- und Jugendfreund aus Sarajevo 2019 bei Silas erster Rückkehr nach Sarajevo nach 25 Jahren ]: „Du kannst es dir wahrscheinlich nicht vorstellen, aber der Krieg hat niemals aufgehört.“ „Du irrst dich“, sagte ich. „Ich weiß genau, was du meinst.“ Die Version meines Taschenbuches strotzt nur vor Unterstreichungen und Anmerkungen. Ich habe kaum Worte für diese Tiefe, die Tijan Sila in solch „erträgliche“ Leichtigkeit übersetzt. Danke für diesen autobiografischen Roman, der fragt: „Wie soll man den Bosnien-Krieg erklären?“

4

Dieses Buch ist eine kleine Wucht. Es erzählt von einem fast vergessenen Krieg und einer vergessenen Generation. Vielleicht hat es mich deshalb so beeindruckt und bewegt, weil ich mit diesem Krieg Gesichter und Namen verbinde. Weil es mich in meine Kindheit zurück gebracht hat. Nun verstehe ich vieles besser. Verhaltensmuster, versteckte Traumata, über die niemand geredet hat. Die niemanden interessiert hat. Die Kinder von damals werden nun erwachsen und brechen ihr Schweigen. So wie es Tijan Sila getan hat. Er erzählt von seiner Kindheit in Sarajevo. Davon, mit Bomben gross zu werden. In der Ausnahmesituation zur Schule zu gehen oder eben nicht. Das eigene Überleben zu sichern und wenn es heisst, Pornohefte gegen Süssigkeiten zu tauschen. Freunde zu verlieren auf eine oder andere Art und Weise. Sila zeigt uns, was es heisst, zu flüchten. Flüchten zu müssen. Und bricht somit die Mär, die wir uns über Geflüchtete erzählen. Hier erfahren wir, was Menschen wirklich dazu bewegt, ihr Land zu verlassen. Es ist keine schöne Geschichte und genau deshalb muss sie erzählt werden. Damit wir nicht länger vergessen und uns erinnern. Und weiter daran denken und vielleicht dieses Wissen mit in die Zukunft nehmen.

4.5

Ich wollte nicht mehr aufhören.

Es ist ein autobiographischen Buch, liest sich aber wie in Roman. Tijan Sila erzählt aus seiner Kindheit in Sarajevo im Krieg. Erschreckend, traurig und liebevoll.

5

Es ist ein Buch das einen mitten ins Herz trifft. Tijan Sila erzählt von seiner Kindheit im belagerten Sarajevo (Bomben, Hunger, Angst) aber auch von kleinen Momenten voller Hoffnung, Mut und sogar Humor. Was das Buch so besonders macht: Es ist keine trockene Geschichtsstunde, sondern ein sehr persönlicher, ehrlicher Blick aus den Augen eines Kindes. Man spürt beim Lesen, wie stark Erinnerung sein kann manchmal schwer wie Blei, manchmal das Einzige, was trägt. Silas Sprache ist klar, direkt und gleichzeitig voller Poesie. Radio Sarajevo ist kein Buch, das man schnell weglegt. Es bleibt hängen, macht nachdenklich und zeigt, wie wichtig es ist, dass Geschichten von Krieg und Flucht nicht vergessen werden.

5

Mitreißend und mitfühlend 🤯🥺

Unbedingt lesen! 🤍

5

Ich habe zunächst das Buch gelesen und mich dann entscheiden, es nochmal parallel als Hörbuch zu hören - gelesen vom Autor selbst wurde die ohnehin schon intensive Story nochmal greifbarer. Schockierend, berührend, tragisch und doch voller Humor. Ich empfehle es ausdrücklich auch als Hörbuch!

Eine Rezension der Geschichte fühlt sich falsch und übergriffig an. Es ist Tijan Silas Geschichte - die eines Jungen, der seine Kindheit in Sarajevo verbringt, im Krieg aufwächst: „Dass der Mensch sich an jede Qual gewöhnt, stimmt nämlich. Es stimmt jedoch auch, dass es eine Qual ist, sich wieder zu entwöhnen.“(S. 22) Ein paar meiner Gedanken teile ich, ohne werten zu wollen. Es ist ein Buch voller Gegensätze. Das zeigt sich schon in den geschriebenen Zeilen, mehr noch in Silas gelesenen Worten - bildungsbürgerliches Deutsch mit Dialekt - die für mich als in Friedenszeiten aufgewachsene weiße Deutsche unvorstellbar klingen. Die Traumata, die solch eine Kindheit im Krieg und häuslicher Gewalt unweigerlich erscheinen, entfalten sich auf den allerletzten Seiten erst ansatzweise, als Tijan Sila von der ersten Zeit nach der Flucht nach Deutschland berichtet. „Auch wir verließen unseren Krieg mit Fremdkörpern im Schädel.“, so liest es Sila im Epilog des Hörbuchs. Damit verweist er auf die Kriegserlebnisse des Großvaters aus dem ersten Weltkrieg, sowie die paranoide Schizophrenie seiner Mutter, promovierte Germanistin und gewiss auch die eigenen Traumata; „dann sagte Sead [ein Kindheits- und Jugendfreund aus Sarajevo 2019 bei Silas erster Rückkehr nach Sarajevo nach 25 Jahren ]: „Du kannst es dir wahrscheinlich nicht vorstellen, aber der Krieg hat niemals aufgehört.“ „Du irrst dich“, sagte ich. „Ich weiß genau, was du meinst.“ Die Version meines Taschenbuches strotzt nur vor Unterstreichungen und Anmerkungen. Ich habe kaum Worte für diese Tiefe, die Tijan Sila in solch „erträgliche“ Leichtigkeit übersetzt. Danke für diesen autobiografischen Roman, der fragt: „Wie soll man den Bosnien-Krieg erklären?“

Ich habe zunächst das Buch gelesen und mich dann entscheiden, es nochmal parallel als Hörbuch zu hören - gelesen vom Autor selbst wurde die ohnehin schon intensive Story nochmal greifbarer. Schockierend, berührend, tragisch und doch voller Humor. 
Ich empfehle es ausdrücklich auch als Hörbuch!
4.5

Eine autobiographisch inspirierte Geschichte über das Leben in Bosnien während des Krieges. Sehr eindringliche Beschreibung über die Schrecken und gleichzeitige Normalität von Krieg. Gerade für Kinder sind diese Erlebnisse traumatisierten und gleichzeitig nicht greifbar. Auch die Auswirkungen auf das spätere Leben werden angeschnitten. Sehr lesenswert und gut geschrieben. Auch Begriffe und Gegebenheiten werden gut erklärt. Auch gerade wenn man sich mit der Materie nicht so gut auskennt. Es haben mir nur noch manche Erklärungen gefehlt, gerade in Bezug auf die Beziehung zu seinen Jugendfreunden.

5

Ganz große Leseempfehlung. Es ist schlimm, aber da müssen wir durch. Es ist wichtig - und unbegreiflich. 📻

Es ist einfach alles genauso passiert, wie Tijan Sila es in „Radio Sarajevo“ erzählt. 1992 beginnt der Bosnienkrieg und Tijan ist zehn Jahre alt. Gemeinsam mit seinem kleinen Bruder und den anderen Kindern des Mehrfamilienhauses schläft er nachts zwischen den Keller-Verschlägen, während die Wände von einschlagenden Granaten beben. Wochen, Monate und Jahre vergehen - Tijan, seine Familie, seine Freunde, seine Heimat durchleben den Krieg. Bis sie schließlich nach Deutschland fliehen. Was ich nicht begreifen kann: Es ist alles genauso passiert. Es ist unbegreiflich. 📻 Manche Passagen sind so schlimm, dass man es kaum ertragen kann. Auf 208 Seiten rauschen wir durch knapp zwei Jahre Kindheit, die nicht Kindheit genannt werden können. Wirklich schonungslos erleben wir mit, was Tijan zu dieser Zeit im Bosnienkrieg aushalten muss. (Das sage ich so daher als Person, die niemals einen Krieg erleben musste. Denn ich kann mir denken, dass wir Lesenden vielleicht doch geschont werden - dass die ganz schlimmen Passagen vielleicht gar nicht abgedruckt sind.) Lesen kann ich diese Geschichte überhaupt nur, weil Tijan seinen Humor irgendwie behalten, retten konnte. Es ist beeindruckend und beruhigend zugleich, dass eine Kinderstimme erklingt und mir die Geschichte vorliest. Vielleicht wäre es eben doch zu schlimm, wenn ich es alleine lesen müsste. Tröstend möchte ich noch ergänzen, was Thea Dorn auf dem Klappentext sagt. Denn wie schön ist es, dass es Tijan gibt und dass er uns von seinem Leben erzählen kann, dass er diesen Horror überlebt hat, dass er uns warnen kann, dass er mahnen und erinnern kann, dass er uns vor dem Vergessen bewahrt. Es ist alles genauso passiert, ich kann das nicht begreifen.

Ganz große Leseempfehlung. Es ist schlimm, aber da müssen wir durch. Es ist wichtig - und unbegreiflich. 📻
5

Leseempfehlung

Tatsächlich sind es 207 Seiten und absolut empfehlenswert. Wenn man mehr zur Geschichte des Krieges in Bosnien erfahren möchte, ist man hier genau richtig. Und dazu noch sehr schön geschrieben.

4

Tijan Sila hat einen berührenden Roman verfasst, der mich direkt in meine Grundschulzeit zurückversetzt hat. Denn dort lernte ich meine spätere beste Freundin kennen, die mit ihren Eltern vor dem Krieg nach Deutschland flüchtete. Für uns Kinder war es damals ein unbekanntes Terrain, denn es wurde nie offen über den Bosnienkrieg gesprochen, vieles blieb für uns Kinder verborgen. Tijan Sila nimmt uns mit, bringt uns das Kriegsgrauen näher und erschafft dabei Figuren, die einem zu Herzen gehen und die uns aufzeigen, dass wir andere Menschen und ihre Taten nicht allzuschnell be- und verurteilen sollten. 173 Seiten die ich quasi in einem Rutsch gelesen habe und eine Geschichte, die mir noch länger im Kopf bleiben wird. Lesen!

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5

Ein sehr berührendes Buch - gerade deshalb, weil es so nüchtern, manchmal sogar humorvoll aus der Sicht eines ca. 11-jährigen Jungen die Zeit des Bosnienkriegs beschreibt. Und in dem Wissen, dass es ein autofiktionales Werk ist umso beklemmender - ganz große Erzählkunst!

3.5

Der autobiografische Roman 'Radio Sarajevo' erzählt wie der Krieg Menschen verändert und Leben zeichnet. Er beschreibt, wie Freundschaften zu losen Fäden werden und ein Radio trotz der vernichtenden Kraft von Gewalt und Armut für immer verbindet. Dabei gibt er Einblick in die raue Sprache Bosniens und erzählt von genauso derben Erziehungsansichten jener Zeit. Schlicht und klar berichtet Tijan Sila wie sich der Bosnienkrieg in die unbeschwerte Kindheit einer Generation gefressen hat und die Seelen seiner Eltern sowie die Kindheit der Kinder aus seinem Viertel nachhaltig zerstört hat. Ich konnte nur schwer in der eigentlich erschütternden Erzählung versinken. Der schlichte Stil schien auf Distanz zu halten, was im Angesicht des geschilderten Traumas nachvollziehbar ist. Zunehmend rückte die Zerstörung der Kindheit näher und die Wirkung entfaltete sich eindrücklich.

3.5

wichtiges Thema - das Buch für mich leider dennoch nicht ganz zu fassen

mein Vater ist auch im damaligen Jugoslawien aufgewachsen und als Jugendlicher nach Deutschland gekommen. Leider ist er schon verstorben, weswegen ich ihn nicht mehr fragen kann wie es für ihn war hierher zu kommen und neu zu starten. Das Buch gibt einen interessanten Einblick in das Leben von Einwanderern und der Leben der im Krieg groß gewordenen Kinder. Aber dennoch konnte ich das Buch nicht so wirklich fassen und wäre es nicht so ein interessantes und wichtiges Thema (auch für mich persönlich), hätte ich es wohl nicht so schnell beendet obwohl es nur knapp über 200 Seiten hat.

5

Sarajevo ~ eine Jugend zwischen Blauhelmen und Bon Jovi.

Tijan Sila erzählt in seinem Buch "Radio Sarajevo" von seiner Kindheit in Sarajevo, die vom grausamen Krieg geprägt wurde. Kein Mensch, besonders kein Kind, sollte jemals solch traumatische Erfahrungen machen müssen. Während meiner Schulzeit war dieser Krieg der erste, den ich wirklich "erlebt" habe. Wir recherchierten im Unterricht, wo sich Sarajevo befindet. Zudem kam ein Mädchen in unsere Klasse, das aus Sarajevo geflohen war und heute wieder in ihrer Heimat lebt. Liebe Lana, immer mal wieder denke ich an dich und hoffe von Herzen dass du glücklich bist ❤️

5

Tijan Sila wurde 1981 in Sarajevo geboren und er erzählt hier ohne jede Larmoyanz, sondern immer wieder mit Humor, ergreifend und mitreißend von einer Kindheit und Jugend im Krieg. Er liest sein Buch selbst vor. Ein ausgesprochen tolles Hörerlebnis. Gerade als Hörbuch sehr empfehlenswert!

3

Eine autobiografische Erzählung über die Kindheit des Autors in Bosnien-Herzegowina während des Krieges und wie er nach Deutschland kam. Sie gibt Einblicke über das Leben und das Sterben. Doch sie plätschert so ein bisschen dahin. Es gibt sicherlich einiges Schmerzhafte, Schwere, das der Autor ausgelassen hat. Das fehlt mir ein bisschen. Das wären wahrscheinlich die Ereignisse gewesen, die an den Leser*innen gerüttelt und gezerrt hätten. Das hätte ich lesen wollen. Solche Bücher müssen m.M.n. wehtun. Dieses hier ist leider überwiegend oberflächlich geblieben.

5

Grauenhaft, ehrlich, erschreckend und wichtig

Als vor zwei Jahren der russische Krieg auf die Ukraine los gegangen ist, titelten viele Nachrichtensendungen „der erste Krieg seit 70 Jahren in Europa“, und ich saß immer da und dachte „und was ist mit dem Balkankrieg?“ Meine Großeltern sind bereits in den 1970ern als Gastarbeiter aus Sarajevo nach Deutschland gekommen, den Krieg haben sie zwar mitbekommen, aber aus Deutschland. Nichtsdestotrotz haben wir Familie verloren und meine Großeltern ihr damaliges Haus. Ich bin damit aufgewachsen, im Sommer in Bosnien zu sein, die Häuser mit den Einschusslöchern zu sehen, ich war im Tunnel, in den Museen, habe mich mit der nahen Vergangenheit des Heimatlandes meines Vaters beschäftigt, aber das Buch führt die Grausamkeit des Krieges damals noch viel viel besser vor Augen. Jeder der sollte es meiner Meinung nach mal gelesen haben und Vorallem die Leute, deren flapsiger Kommentar zu irgendwelches Streitigkeiten in Ländern lautet „Ach wir brauchen nur mal einen ordentlichen Krieg“. Wir brauchen vieles, aber ganz bestimmt keinen Krieg. Tijan Sila beschreibt den Schrecken sehr nahbar, beschönigt damit nichts . Das Buch ist keine leichte Kost

5

»1992 wusste kein Mensch in Sarajevo, dass ein Krieg niemals endet. Wir wussten bloß, dass uns das Essen ausging und irgendwoher besorgt werden musste.« (S.33) In »Radio Sarajevo« 📻 schreibt der deutsche Schriftsteller Tijan Sila (*1981) autofiktional über seine Kindheit in Sarajevo, die schlagartig mit dem Ausbruch des Bosnienkrieg* im April 1992 endete. Eindrücklich schildert Tijan am Beispiel seiner eigenen Familie und Jugendzeit, was Krieg mit Menschen machen kann und, wie sich alle bemühen - trotz allgegenwärtiger Gefahren wie Bombadierungen, Angriffe Gewalt und Gräueltaten - ein Alltagsleben aufrecht zu erhalten. So erzählt er in »Radio Sarajevo« wahre Begebenheiten aus seinem Leben: Von der frühen Verantwortung auf seinen jüngeren Bruder aufzupassen, während seine Mutter an ihrer Promotion arbeitete; der große Wunsch nach Batterien für sein Radio 📻, um im Krieg Musik hören zu können; die Freundschaft innerhalb der Raja, die im Buch verdichtet wird zu zwei zentralen Freunden: Sead & Rafik, mit denen er in der brennenden Stadt spielt, bei Soldaten Süßigkeiten ertauscht und auch, warum Kaugummi keinen Nutzen im Krieg hat. 1994 fliehen seine Eltern mit Tijan und seinem jüngeren Bruder vor dem Krieg nach Deutschland, um dort ein neues Leben aufzubauen. Dabei wird deutlich, dass mensch das Kriegsgebiet verlassen kann, aber der Krieg damit nicht zwangsläufig endet: »Meine Eltern hatten den Krieg zwar überlebt, und doch vernichtete er sie am Ende.« (S. 75) 💔 Der autofiktionale Roman »Radio Sarajevo« 📻 zeigt eindringlich und bewegend, welche unvorstellbaren Auswirkungen Krieg auf die Zivilbevölkerung hat. Umso schmerzhafter ist der Gedanke, wie aktuell diese Schilderungen in den heutigen Zeiten sind und wie universell Kriegsgeschichte ist. Es ist Wahnsinn. Ich bewundere sehr, wie es der Autor schafft, seine eigene Geschichte so ergreifend, intelligent und literarisch zu einem Roman zu schreiben und, wie und welche Emotionen und Bilder er damit transportiert. Ein sehr wichtiges Buch, das ich sehr ans Herz lege. 🤍🕊️ _______________________ *Als Bosnienkrieg wird der Krieg in Bosnien und Herzegowina von 1992 bis 1995 im Rahmen der Jugoslawienkriege bezeichnet. Dieser Krieg forderte 100.000 Menschenleben, wovon allein in Sarajevo rund 11.000 Menschen starben.

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5

Ein eindringliches Buch über eine Kindheit und Jugend im Krieg. Deutlich zeigt Tijan Silas auf, was das mit einer Gesellschaft und ihren Menschen macht. Und das er den Ingeborg Bachmann Preis gewonnen hat, war doch ein mehr als guter Grund, das Buch endlich vom SUB zu befreien.

5

Eine Jugend im Krieg, die unter die Haut geht.

Eine Jugend im Krieg, die unter die Haut geht.
5

Ein Buch über die Vergessenen.

Der Autor erzählt von seiner Kindheit während des Bosnienkriegs, der 1992 begann. Er hat von dem Leben, seinen Freunden und dem Alltag während des Kriegs berichtet. Ich fand es sehr ansprechend und auch interessant ohne, dass meine Stimmung aufgrund von Kriegserzählungen sank. Ich kin dankbar, dass man durch solche Bücher einen Einblick in die Leben und Erfahrungen anderer bekommt. Ein besonderes Buch, sowohl aufgrund der Geschichte als auch für mich, da es Schicksal war, wie ich zu diesem Buch gekommen war.

5

💔[Werbung, selbstgekauft.] gelesen mit der lieben Livia @froschknutscher 🤍 „Radio Sarajevo“ hat mich nachhaltig beeindruckt. Tijan Sila schreibt über seine eigenen Erfahrungen als Kind, wie er den Ausbruch des Bosnien-Kriegs erlebt und auch überlebt hat. Welche schrecklichen Dinge mussten die Kinder aushalten, was für traumatische Erlebnisse mussten sie erfahren? Auch die Erwachsenen sind nicht unbeschadet aus dem Krieg gekommen… Und dennoch gab es kleine Freuden in dem tristen Alltag des Kriegs. Tijan und seine Freunde haben mit den Blauhelmen Tauschgeschäfte gemacht und es wird sich auf den ersten Schultag nach Kriegsausbruch gefreut. Ich möchte eigentlich gar nicht so viel zu dem Buch schreiben, außer dass ich es gerne an euch alle empfehlen möchte. Es ist eindringlich, hallt lange nach und bringt zum Nachdenken. Und die Augen bleiben definitiv nicht trocken. Dringende Leseempfehlung!

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4.5

Ein sehr persönliches Buch aus der Perspektive des Autors. Es vermittelt einen sehr glaubwürdigen Eindruck der Erfahrungen des Autors, welcher die Situation weder überdramatisiert, noch beschönigt. Ich hätte mir noch ein bisschen mehr Kontext außen herum gewünscht. Auf jeden Fall lesenswert! Als Hörbuch gehört, gelesen vom Autor.

4

Sila beschreibt die kindliche Perspektive auf den Bosnienkrieg. Von den Schrecken am Anfang des Krieges die dann im Laufe der Zeit schon zur Normalität geworden scheinen, bis hin zur Flucht nach Deutschland, wo Sila erstaunt feststellen musste, wie sehr er den 'Luxus, von zum Beispiel fließendem Wasser, das es in Bosnien ja auch mal gab, vergessen und verdrängt hat. Aus Sicht des heute erwachsenen Tijan kommen seine Erzählungen, über seine Kindheit und Jugend während des Krieges, scheinbar mit Leichtigkeit und humorvoll daher, doch man merkt schon, wie sehr Krieg eine Kinderseele prägt. Ein durchaus wichtiges Buch

4.5

„Als sie Ermins Leiche von der Front zurückbrachten - in eine Decke gewickelt, man sah aber dennoch, wie wenig vom Schädel übrig war -, vergaß ich, wo ich stand, ich sah nichts mehr; ich zog mich in unser Haustor zurück, setzte mich auf die Treppe und verfiel zum ersten Mal seit Monaten wieder in jene Trance. Nach einer Weile kam ich wieder zu Bewusstsein, es war, wie verklebt aus einem riesigen Tintenfass zu klettern. Ich erinnerte mich, dass die Decke dort einsank, wo sich Ermins Schädel hätte befinden sollen.“ S. 61 Abschnitte wie diese ließen mich innehalten und brachten mir beim lesen von „Radio Sarajevo“ wieder ins Bewusstsein, dass ich kein Abenteuerroman lese, sondern die grausame Wahrheit und das Leben eines Kindes im Krieg. Denn teilweise hab ich die Geschichte wie eine groteske Abenteuergeschichte gelesen und hat mir aufgezeigt, wie Anpassungsfähig Kinder sind. Wenn der friedliche Alltag nicht mehr existiert, kein unbesorgtes Spielen auf der Straße, keine Schule, Hunger und Kälte dein Leben bestimmen, will man als Kind ein wenig Alltag zurück. Tijan erlebt diesen grausamen Alltag mit seinen Freunden in Bosnienkrieg als 10jährige Junge. Er streift mit seiner Raja durch das zerbombte Sarajevo, auf der Suche nach Dingen zum tauschen gegen Essen, Batterien für die Musik oder eine Pepsi auf dem Schwarzmarkt. Ja, es ist noch eine Bosnienkrieg Geschichte und ich kenne schon einige Perspektiven, aber diese Geschichte hat mich wirklich berührt. Denn ich hab bis jetzt keine Geschichte aus der Sicht eines kleinen Jungens gelesen. Abenteuer und Schmerz so nah beieinander. Absolut empfehlenswert.

4

Ich wusste bisher sehr wenig über den bosnischen Krieg und es war dringend nötig, mal mehr darüber zu erfahren. Wir sehen, wie es den Familien in der Hauptstadt während dem Krieg geht. Tijan fängt die beklemmende Situation durch seine kindlichen Augen gut ein und beitet so eine spannende Perspektive. 

5

In “Radio Sarajevo” berichtet Tijan Sila vom ersten Tag des Bosnienkrieges 1992 in seiner Heimatstadt Sarajevo bis zur Ankunft in Deutschland als Flüchtling ein paar Jahre später. Dabei lässt er das Grauen Revue passieren, das diese Zeit seiner Kindheit geprägt hat und zur Normalität wurde, ebenso wie Freundschaften und den Alltagskampf ums Überleben mit einer Familie, die eher geistig als praktisch veranlagt war. So erhält man einen bewegenden und erschütternden Blick auf diesen Krieg, der angesichts der aktuellen Weltlage Beklemmungen bei den Lesenden auslöst. Mir gefiel auch der Schreibstil des Autors sehr gut, der es schafft, die Ausnahmezustände in einer Leichtigkeit und Beiläufigkeit zu schildern, die man bei diesem Thema nie vermuten würde, aber gerade dadurch einen besonderen Impact entwickelt.

5

Sehr interessante, doch traurige Geschichte

4

„Auf Bosnisch reimt sich das.“

Schon beschämend wie wenig ich über das ehemalige Jugoslawien und den Krieg weiss dort. Ich erinnere auch nicht, dass wir in der Schule damals darüber gesprochen hätten. Rückblickend bereue ich es auch, mich nicht mehr für die Leben meiner serbischen und kroatischen Mitschüler:innen interessiert und wirklich danach gefragt zu haben. Dieses Buch jedenfalls hat mir einen lebhaften ersten Eindruck vermittelt und den Wunsch geweckt meine Wissenslücken ein wenig zu schließen.

5

Ich habe dieses Buch nicht weglegen können und bin ganz ergriffen. Was ich als Kind vor dem Fernseher nicht verstanden habe, ist durch das Buch greifbar geworden.

5

Zwischen Kindheit und Krieg

Radio Sarajevo ist ein zutiefst bewegendes Buch, das mich von der ersten Seite an gepackt hat. In einer kurzweiligen und klaren Sprache begleitet man Tijan durch eine nahezu unvorstellbare Zeit – den Krieg, erlebt aus der Perspektive eines Kindes. Gerade diese naive, kindliche Gedankenwelt macht die Geschichte so eindringlich und besonders. Schritt für Schritt spürt man, wie diese Unbeschwertheit im Laufe des Krieges immer mehr schwindet und einer bedrückenden Realität weicht. Tijan Sila gelingt es eindrucksvoll, die Leser*innen emotional mitzunehmen.

4.5

Bedrückendes Buch über eine Jugend in Sarajevo während des Krieges.

Bedrückendes Buch  über eine Jugend in Sarajevo während des Krieges.
5

»Das ist die Geschichte meiner Kindheit und meines Kriegs.« Tijan Sila ist zehn Jahre alt, als in Sarajevo 1992 die ersten Bomben fallen und in seiner Heimat der Krieg beginnt. Er lernt zu überleben und während die Stadt in Flammen steht, wird aus dem Kind ein Jugendlicher. In »Radio Sarajevo« teilt Sila seine Geschichte mit uns. Fragmentarisch und autofiktional erzählt Sila uns von den Jahren im belagerten Sarajevo während des Bosnienkriegs bis hin zur Flucht nach Deutschland. Auf gerade mal 172 Seiten vermittelt er sehr eindringlich, wie der Krieg aus der Perspektive eines Kindes wahrgenommen und erlebt wird. Jahre voller Angst, Gewalt, Wut, Hunger und Kälte. Aber ebenso geprägt von Freundschaft, Zusammenhalt und vom Erwachsenwerden. 1994 kommt Sila mit seiner Familie als Kriegsflüchtling nach Deutschland. Doch während der Körper zumindest physisch in Sicherheit ist, tobt der Krieg im Kopf weiter, lässt sich nicht so einfach vergessen. Was macht Krieg mit einem Menschen? »Radio Sarajevo« ist ein wichtiges Zeitzeugnis. Intensiv, roh und bildgewaltig erzählt uns Sila seine Geschichte - Es die Geschichte einer Kindheit, einer belagerten Stadt, eines Kriegs. Und doch könnte es die Geschichte von so vielen Menschen sein. Der Bosnienkrieg forderte rund 100.000 Tote. Während der mehrjährigen Belagerung von Sarajevo starben allein über 11.000 Menschen. Zwischen 1992 und 1995 kam es zu schrecklichen Kriegsverbrechen und Völkermorden, die zu den grausamsten seit Ende des Zweiten Weltkriegs zählen.

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5

Mir ging ein Buch noch nie so nah

Radio Sarajevo“ – eine Reise in die Vergangenheit😢💔❤️‍🩹 Man denkt, man kennt die Geschichten. Ich komme selbst – beziehungsweise meine Eltern – aus dem ehemaligen Jugoslawien. Ich habe vieles gehört, vieles gesehen. Aber dieses Buch… es zeigt einen Blick, der weh tut. Mehrmals musste ich die Tränen zurückhalten. Ich dachte mir nur: Alter, fuck… was haben meine Eltern eigentlich alles miterlebt? Tijan Sila beschreibt sein Leben , seine Unterdrückung durch die Serben – und das erinnert mich so sehr an das Leid, das auch wir kannten. Es ist wirklich schockierend, was in dieser Zeit passiert ist. Meine Eltern haben mir vieles erzählt, aber dieses Buch zeigt die nackte Wahrheit – ungeschönt, unbarmherzig, real. Die Wahrheit darüber, wie junge Menschen getötet wurden. Wie junge Mädchen zur Prostitution gezwungen wurden. Wie Soldaten ihre Menschlichkeit verkauften, sich Mädchen nahmen, mit jungen Leuten handelten. Wie der Schwarzmarkt boomte, während es niemanden interessierte, wer hungerte und wer nicht. Für mich ist das nicht nur ein Roman, sondern ein Stück Erinnerungskultur. Ehrlich: Ich würde dieses Buch in Schulen als Pflichtlektüre einsetzen. Damit man nicht vergisst. Nicht vergisst, was damals geschehen ist. Nicht vergisst, was „Ruhe“ bedeutet. Nicht vergisst, dass es nicht nur ein Volk getroffen hat, sondern viele – nur weil sie einer anderen Religion angehörten. Und hier geht’s nicht wirklich um Religion, sondern um Politik. Um die, die ihre Macht missbrauchen – und das sehen wir leider heute wieder überall. Russland. Israel. Palästina.Ukranie. Am Ende ist es immer die Politik, die Schuld trägt. Tijan Sila schreibt so, dass es unter die Haut geht. Ein Buch, das weh tut – aber genau deshalb gelesen werden muss. Dieses Buch verdient keine Bewertung – es ist eine Erinnerung. An jeden Menschen, der seine Stimme verloren hat. An alle, die im jugoslawischen Krieg jemanden verloren haben – egal ob Albaner, Bosnier oder Kroaten. Dieses Buch steht für uns alle, die unterdrückt wurden.❤️‍🩹 #tijansila #jugoslavija #jugo #balkankrieg

Mir ging ein Buch noch nie so nah
5

Kindheit im Krieg

Tijan Sila erzählt rückblickend über seine Kindheit in Sarajewo. Krieg, Hunger, Gewalt und dass solche Traumata ihn bis heute begleiten. Zum Teil sprachlich derb wenn er von früher schreibt, sonst sprachlich sehr gewandt und auf den Punkt. Besonders!

4

„Meine Generation aber hat keinen Spitznamen, wir sind die Vergessenen.“

Mit diesem Vorletzten Satz seines Buches fasst Tijan Sila die Geschehnisse des Balkankriegs in den 90er Jahren auf eine Weise sehr passend zusammen. Erst dachte ich, es wird die typische Auswanderer-wie-sind-wir-in-Deutschland-zurecht-gekommen-Story (was mich auch sehr interessiert hätte), aber der Autor hat tatsächlich ausschließlich nahbar und einfach von seinen Erfahrungen im Balkankrieg (genauer: in Sarajevo) erzählt. Eine bewegende Geschichte!

4

zwischen Angst und Alltag

„Radio Sarajevo“ hat mich von der ersten Seite an gefesselt. In knapp 200 Seiten gibt der Autor einen eindrucksvollen, sehr persönlichen Einblick in sein Leben während des Krieges – zwischen Angst, Hoffnung und dem alltäglichen Überleben. Besonders berührend fand ich die ehrliche Darstellung seiner Familie und der kleinen Momente, die trotz allem Menschlichkeit bewahren. Der Schreibstil ist direkt, bewegend und so mitreißend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Ich hätte gern noch mehr gelesen und kann es allen empfehlen, die sich für persönliche Geschichten hinter historischen Ereignissen interessieren. Ein stilles, starkes Buch, das zum Nachdenken anregt.

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