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Ich hab „Radio Sarajevo“ gelesen und sehr geliebt, weshalb ich den Vorgänger „Krach“ endlich von meinem SuB befreit habe. Tijan Sila als Person finde ich echt cool. Er spricht immer klar und direkt aus, was ihn stört, manchmal sogar etwas zu klar. Doch ich lieb’s. Deswegen war mir schon beim Aussuchen der Lektüre klar, dass „Krach“ einen ähnlich rotzigen Ton haben könnte und ich durch den Roman die Möglichkeit hatte, in eine mir unbekannte Welt einzutauchen. Und ja, was soll ich sagen, es ist nicht nur ziemlich direkt und frech, sondern leider auch etwas überladen mit Gewalt. Ja, es mag sein, dass in der Punkszene der 90er diese sinnlose Brutalität alltäglich war, aber ich konnte es einfach nicht verstehen, warum Gansi und seine Bandkollegen sich so sinnlos prügelten. Natürlich geh ich noch voll mit, dass man den Nazis eine in die Fresse gibt, auch wenn ich Gewalt nicht für die Lösung halte. Aber ich wollte ja genau diese Realität kennenlernen. Allerdings, wenn dann wirklich jeder „scheiße“ ist und nur noch Gewalt für alles die Lösung ist, dann ist das so fern von meiner eigenen Lebenserfahrung, dass es mir zu viel wurde und ich gar kein Verständnis mehr dafür hatte. Leider entsprach es für mich nicht dem Coming-of-Age-Roman nach meinem Geschmack. Hätte ich dieses Buch nicht im Urlaub gelesen, hätte ich es vielleicht abgebrochen. So hab ich es dank genügend Lesezeit durchgezogen und die ganze Zeit gehofft, es kommt noch irgendeine tiefere Erklärung für diese Gewalt. Leider hab ich keine bekommen. Hier und da schien ein wenig Erklärung aufzublitzen, aber für meinen Geschmack zu wenig. Ich denke, es gibt bestimmt die richtigen Leser*innen für dieses Buch, die sich mit seinem Inhalt identifizieren können. Ich glaube, ich bin entweder zu alt oder zu friedlich, oder vielleicht war ich zu sehr Hip-Hop-Girl in den 90ern, um diese Brutalität nicht als stumpfsinnig zu empfinden. Schade, aber ich werde es auf jeden Fall nochmal mit Tijan Sila probieren, denn schreiben kann er. S.48 „Hikmet war einer der vielen bosnischen Flüchtlinge, die während des Kriegs in Deutschland strandeten. Serben hatten seinen Vater und älteren Bruder im Wald mit einigen anderen bosnischen Männern in einen Container für Bauschutt gepfercht, mit Benzin übergossen und lebendig verbrannt; Hikmets Mutter Fatima hatten sie vergewaltigt. Das verrieten mir meine Eltern damals, damit ich vor den beiden darauf achtete, was ich von mir gab.“ S.156 „Während der Fahrt nach Heidelberg sprachen meine Eltern kein Wort mit mir. Der Liebesentzug: Nie fühlte ich mich in Deutschland so dermaßen als Ausländer, wie wenn meine Eltern ihre kommunistischen Erziehungsmethoden auspackten. Als Kind hatte mich ihr strafendes Schweigen stets zermürbt, inzwischen war es mir egal, denn ich fühlte mich immer im Recht.“ S.220 „Für ihn war die Hölle kein Ort - trotzdem hätte er in Deutschland bleiben sollen. Hier konnte man genesen und Punkrock werden. Oder Raver. Hikmet wäre am Ende bestimmt ein Goth geworden - auch egal. Hier gab es normale Jungs und Mädchen, die keinen Krieg erlebt hatten und mit denen man in Abenteuer hätte ziehen können.“
Jan 3, 2026
Ich hab „Radio Sarajevo“ gelesen und sehr geliebt, weshalb ich den Vorgänger „Krach“ endlich von meinem SuB befreit habe. Tijan Sila als Person finde ich echt cool. Er spricht immer klar und direkt aus, was ihn stört, manchmal sogar etwas zu klar. Doch ich lieb’s. Deswegen war mir schon beim Aussuchen der Lektüre klar, dass „Krach“ einen ähnlich rotzigen Ton haben könnte und ich durch den Roman die Möglichkeit hatte, in eine mir unbekannte Welt einzutauchen. Und ja, was soll ich sagen, es ist nicht nur ziemlich direkt und frech, sondern leider auch etwas überladen mit Gewalt. Ja, es mag sein, dass in der Punkszene der 90er diese sinnlose Brutalität alltäglich war, aber ich konnte es einfach nicht verstehen, warum Gansi und seine Bandkollegen sich so sinnlos prügelten. Natürlich geh ich noch voll mit, dass man den Nazis eine in die Fresse gibt, auch wenn ich Gewalt nicht für die Lösung halte. Aber ich wollte ja genau diese Realität kennenlernen. Allerdings, wenn dann wirklich jeder „scheiße“ ist und nur noch Gewalt für alles die Lösung ist, dann ist das so fern von meiner eigenen Lebenserfahrung, dass es mir zu viel wurde und ich gar kein Verständnis mehr dafür hatte. Leider entsprach es für mich nicht dem Coming-of-Age-Roman nach meinem Geschmack. Hätte ich dieses Buch nicht im Urlaub gelesen, hätte ich es vielleicht abgebrochen. So hab ich es dank genügend Lesezeit durchgezogen und die ganze Zeit gehofft, es kommt noch irgendeine tiefere Erklärung für diese Gewalt. Leider hab ich keine bekommen. Hier und da schien ein wenig Erklärung aufzublitzen, aber für meinen Geschmack zu wenig. Ich denke, es gibt bestimmt die richtigen Leser*innen für dieses Buch, die sich mit seinem Inhalt identifizieren können. Ich glaube, ich bin entweder zu alt oder zu friedlich, oder vielleicht war ich zu sehr Hip-Hop-Girl in den 90ern, um diese Brutalität nicht als stumpfsinnig zu empfinden. Schade, aber ich werde es auf jeden Fall nochmal mit Tijan Sila probieren, denn schreiben kann er. S.48 „Hikmet war einer der vielen bosnischen Flüchtlinge, die während des Kriegs in Deutschland strandeten. Serben hatten seinen Vater und älteren Bruder im Wald mit einigen anderen bosnischen Männern in einen Container für Bauschutt gepfercht, mit Benzin übergossen und lebendig verbrannt; Hikmets Mutter Fatima hatten sie vergewaltigt. Das verrieten mir meine Eltern damals, damit ich vor den beiden darauf achtete, was ich von mir gab.“ S.156 „Während der Fahrt nach Heidelberg sprachen meine Eltern kein Wort mit mir. Der Liebesentzug: Nie fühlte ich mich in Deutschland so dermaßen als Ausländer, wie wenn meine Eltern ihre kommunistischen Erziehungsmethoden auspackten. Als Kind hatte mich ihr strafendes Schweigen stets zermürbt, inzwischen war es mir egal, denn ich fühlte mich immer im Recht.“ S.220 „Für ihn war die Hölle kein Ort - trotzdem hätte er in Deutschland bleiben sollen. Hier konnte man genesen und Punkrock werden. Oder Raver. Hikmet wäre am Ende bestimmt ein Goth geworden - auch egal. Hier gab es normale Jungs und Mädchen, die keinen Krieg erlebt hatten und mit denen man in Abenteuer hätte ziehen können.“
Jan 3, 2026







