Mit der Faust in die Welt schlagen

Mit der Faust in die Welt schlagen

Softcover
3.6116
PegidaNationalsozialismusSchamottewerkProvinz

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Die Brüder Philipp und Tobias wachsen in der sächsischen Provinz auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Als die Eltern ein eigenes Haus bauen, scheint dies der Aufbruch der Familie in ein neues Leben zu sein. Doch umgeben von industriellen Hinterlassenschaften vergangener Zeiten wird die Angst vor dem Verlust von Zukunftsperspektiven, Zugehörigkeit und Heimat immer spürbarer. Als Flüchtlinge im Ort aufgenommen werden sollen und es zu bedrohlichen Protestmärschen im Land kommt, eskaliert die Situation: Einer der Brüder zieht sich in sich selbst zurück, der andere lässt seiner Wut freien Lauf. Die Chronik eines Zusammenbruchs. Eine spannende, hochaktuelle Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land.

Book Information

Main Genre
Young Adult Books
Sub Genre
Educational material
Format
Softcover
Pages
195
Price
10.10 €

Posts

18
All
2

2 ⭐️⭐️

Zwei Brüder, ein Dorf in Sachsen und eine Wut, die immer größer wird. Das Buch war überhaupt nicht mein Stil. Ich fand es vom Schreibstil furchtbar und habe mich eigentlich nur durch gequält.

3.5

Jung, ostdeutsch, rechtsradikal

Ich hatte das Hörbuch vor Jahren schon einmal begonnen und abgebrochen, weil sehr lange nicht wirklich viel passiert. Man begleitet die Familie und die beiden Brüder Tobias und Philipp durch ihre Kindheit in einer sächsischen Kleinstadt. Ihr Aufwachsen geprägt von den Auswirkungen der Wiedervereinigung und Missständen in der Region. Die Geschicht führt uns bis ins fremdenfeindliche Mileu, aber eigentlich sind es doch nur dumme Jungen. Irgendwas hat mich gestört. Bis zuletzt fand ich die Art, wie die Gedanken, aber auch Taten der Jungen erzählt wurden, eher störend, denn nirgends findet sich Kritik daran. Es ist ein neutraler Bericht und fremdenfeindliche Vorurteile werden reproduziert, aber nie eingeordnet oder widerlegt. Das muss das Buch auch nicht, es ist ein Roman. Dennoch hätte ich mir das gewünscht, oder wenigstens einen Lerneffekt, eine stärkere Charakterentwicklung. Der Roman stellt dar, was mit vielen Jugendlichen der 90er Jahre in ostdeutschen Städten geschieht, nicht mehr und nicht weniger.

3.5

Ein Buch über das Aufwachsen zweier Brüder in der ostsächsischen Provinz während der 2000er-Jahre. Der Autor deutet vieles nur an. Dennoch kann dieses Buch dabei helfen, Ostdeutschland besser zu verstehen. Wer sich dafür interessiert, kann es also gerne mit dem Roman versuchen.

4

Eine gnadenlose ehrliche, brutale und kaum auszuhaltende Beschreibung der Lebenssituation der beiden Brüder in Ostsachsen. Ich bin völlig fertig. Man möchte Philipp und Tobi schütteln, sie in den Arm nehmen und ihnen Lebensfreude und Zuversicht schenken. An diesem Buch werde ich noch lange zu knabbern haben.

5

Bedrückend, ehrlich und sprachlich großartig

Dieser Roman ist keine leichte Lektüre und hat bei mir die Stimmung etwas gedrückt. Trotzdem ist das Buch eines der besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe: nicht nur ist der Erzählstil eine sprachliche Meisterleistung, die mit wenig Dialog und dichten Beschreibungen eine packende Atmosphäre schafft. Sondern auch inhaltlich bietet der Roman einen Einblick in die Hintergründe der ostdeutschen Verdrossenheit, der vieles der Wut und Skepsis gegenüber Neuem nicht rechtfertigt aber sinnvoll erklärt. Die Entwicklung von Tobias und Philipp vom naiven, unwissenden Schulkind hin zu wütenden Radikalen ist spannend zu verfolgen und lässt einen die verschiedenen Fehler, die zur Situation der Gegenwart geführt haben, erahnen. Dieses Buch sollte Schullektüre werden. Großartig!

Bedrückend, ehrlich und sprachlich großartig
4

Wie aus dem Wunsch nach Anerkennung Hass wird

„Mit der Faust in die Welt schlagen“ begleitet zwei Brüder in der Lausitz durch ihre Jugend. Dem Autor gelingt es dabei sehr gut, die Unsicherheiten der Jungen vor dem Hintergrund ihrer nicht ganz idealen Familienverhältnisse zu zeichnen. Aus dem Wunsch nach sozialer Anerkennung werden sie zu Mitläufern und übernehmen äußert kritische Denkweisen scheinbar ohne sie zu hinterfragen. Das Buch hat mich ziemlich bewegt, da es die Beweggründe der rechtsextremistischen Bewegungen der letzten Jahre greifbarer machen konnte. Wäre das auch in einem anderen sozialen Umfeld passiert?

Wie aus dem Wunsch nach Anerkennung Hass wird
5

Poetisch. Brutal. Brillant.

„Mit der Faust in die Welt schlagen“ von Lukas Rietzschel tut weh. Nicht nur, weil es im Titel steht, sondern weil der Schreibstil gleichermaßen roh wie poetisch ist. Ich hab lange gebraucht, um das Buch überhaupt fertig zu lesen, weil es zum einen sprachlich deftig ist und zum anderen den zeitgenössischen Geist bebildert. Die Wut aus den Zeilen springt förmlich aus den selbigen. Der Stil in kurzen Hauptsätzen, oft ohne „korrekte“ Grammatik eines Satzes mit Subjekt, Objekt, Verb wird zur performativen Wucht und Ohnmacht, in der sich die beiden Brüder von Buch zu Buch (ingesamt drei in der Zeitspanne von 2000-20185) entwickeln, während sie in einer sächsischen Provinz aufwachsen. Sie leben im schatten der DDR-Diktatur durch Nachbarn und Familie und deren Verstrickungen und Biografien, sie sehen, wie die Region ausblutet. Leerstand. Orientierungslosigkeit. Keine echte Perspektive in Sicht. Hoffnungslosigkeit. Ratlosigkeit über das eigene Dasein und das Leben, wie es sich entwickelt hat. Nichts hilft da so sehr wie die Aggression, um in Aktion zu kommen. Und diese Aktionen werden immer radikaler. Die Figuren entwickeln sich mit vielen inneren (und äußeren) Konflikten. Und genau das macht’s am Ende so nahbar und brutal. Das auszuhalten, ist mir in manchem Kapitel schwergefallen. Aber das ist doch letztlich das, was zählt: hinsehen und aushalten, verstehen oder zumindest nachvollziehen und wahrnehmen. Psychodynamisch ist dieser Roman ein populäres Lehrbuch. Es offenbart ehrlich und brutal: Es ist kein Ost-West-Gefälle und Problem. Es zeigt die Risse, die ursprünglich für Radikalität und damit brandgefährlich sind; es ist die klaffende Wunde der Ohnmacht. Und die ist ortlos.

5

Rietzschel zeigt in Mit der Faust in die Welt schlagen eindringlich Tristesse, Sprachlosigkeit und gebrochene Biografien. Der Roman analysiert Rassismus nicht, sondern macht nachvollziehbar, wie Menschen in solche Denkmuster hineinwachsen – und wirkt gerade dadurch authentisch.

Lukas Rietzschel hat mit seinem Werk all die Dinge eingefangen, die sich nur durch beobachten zeigen. Vielfach habe ich mich in meine eigene Zeit, in mein eigenes Elternhaus zurück gesetzt gefühlt. All das Schweigen, all die Tristesse, fehlende Perspektiven, Verfall, Verlust und fehlende Erklärungen. "Mit der Faust in die Welt schlagen" wirkt dadurch in hohem Maße realistisch. Im Vordergrund steht eine episodenhafte Alltagsbeobachtung, nicht die sich zuspitzende Handlung. Eine Einordnung oder kritische Auseinandersetzung mit Rassismus kann in diesem Buch nicht stattfinden, damit würde der Sinn des Werkes nicht erfüllt. Kluge Leser erkennen dass es hier primär um den Weg geht, der in diese Denkmuster führt. Reproduziert werden meines Erachtens nach lediglich die gebrochenen Biographien wie man sie (bzw ich) zuhauf aus der eigenen Vergangenheit kennt.

4

Die Atmosphäre des Buches ist sehr eindrücklich, die Melancholie des Ostens wird durch einen dichten, stimmungsvollen Sprachstil in jeder Faser bzw. Zeile spürbar. Das Buch lässt mich in die Zeit des Aufwachsens im Osten zurückversetzen, die der Nachwendezeit.

Die Melancholie erdrückt einen förmlich. Das Gefühl von Perspektivlosigkeit und den Drang, dem zu entfliehen, kenne ich als Nachwendekind genauso. Das Buch lässt mich in die Zeit des Aufwachsens im Osten zurückversetzen. Gleichzeitig bedeutet Osten nicht, dass er überall gleich ist. Etwa habe ich eine andere Lebenswelt erlebt, als die Brüder im Buch. Meine Bubble hat sich eher nicht radikalisiert. Der Roman greift jedoch die Stimmung realistisch auf. Die Wut keimt langsam auf. Die Faust kommt nicht direkt und nicht gleich „in your face“, aber dennoch mit Wucht. So habe ich mir während des Lesens zwar mehr Action gewünscht, mehr Spannungsbogen: Ich langweilte mich streckenweise etwas. Doch womöglich sollte ich mich mit Absicht langweilen? Die Melancholie greift so weit, dass ich aus der Geschichte raus möchte. Erneut möchte ich – ähnlich wie in der Jugend – weg und fühle mich ertappt. Kann ich nun doch nachspüren, warum heutzutage so viele in der Heimat Protest wählen? Denn sie suchen noch mehr ein Ventil für die Wut, entspringend aus der ausweglosen Situation, aus dem perspektivlosen Alltag.

Die Atmosphäre des Buches ist sehr eindrücklich, die Melancholie des Ostens wird durch einen dichten, stimmungsvollen Sprachstil in jeder Faser bzw. Zeile spürbar. Das Buch lässt mich in die Zeit des Aufwachsens im Osten zurückversetzen, die der Nachwendezeit.
3

Ich mochte das es in Sachsen spielt auch wenn ich um die Zeit wo es spielt nicht mehr dort gelebt habe und nicht ganz nachvollziehen kann wie weit das der Realität entspricht ich hätte mit mehr gerechnet was die Gruppe betrifft das war mir zu harmlos. Es war OK man kann's lesen verpasst aber auch nix wenn man es nicht liest

4

Zwei heranwachsende Brüder in einem Dorf im Osten Sachsens, der Oberlausitz. Das Buch spielt zwischen den Jahren 2000 und 2015. Die Baseballschläger aus den 90ern stehen angestaubt aber griffbereit in der Ecke. Die rassistische Gewalt in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen werden im Buch am Rande erwähnt. Ich selbst bin ein paar Jahre älter als der Autor, habe meine Kindheit und Jugend in einem Dorf in Ostdeutschland verbracht und kann Parallelen im Buch finden. Ich lese das Buch im August 2024. Ein Freund, der wieder in die Oberlausitz zurückgekehrt ist, hat es mir geschenkt. August 2024: In Bautzen und Leipzig finden CSD-Demos statt, für die Rechte von queeren Menschen. Anders als in anderen Städten gibt es hier Gegendemonstrationen. Sie sind also aktuell wieder sehr gut sichtbar: Jugendliche und junge Erwachsene, die u.a. angestachelt vom politischen Diskurs, offen auf der Straße ihren Hass zeigen. Wer sich die Frage stellt, warum vor allem in Ostdeutschland Jugendliche zu Neonazis werden. Im Buch werden Ansätze skizziert: Junge Männer die keine Liebe erfahren, weder vom Elternhaus noch vom persönlichen Umfeld. Alltagsrassismus. Fehlende Fähigkeiten der Kommunikation. Alkoholismus und Trostlosigkeit. „Strebermädchen“ die in den Westen gehen. Die Erwachsenen haben nach der Wende ihre eigenen Probleme. Mir hat der Schreibstil gut gefallen. Leider packt einen die Geschichte erst im hinteren Drittel des Buches. Was bleibt am Ende? Die Radikalisierung schreitet außerhalb des Buches voran, mal wieder. Die Probleme waren nie weg.

4.5

Viel zu realistisch.

Die Geschichte zweier Brüder, die sich verloren, zurückgelassen und vernachlässigt fühlen. Sowohl von Eltern, Politik oder einander. Ein toll gezeichnetes Bild über den Verfall ehemaliger Orte der DDR und der Perspektivlosigkeit junger Menschen. Beeindruckend geschrieben und teilweise für mich schwer zu lesen, da die Aussagen und Handlungen der Figuren mich sehr wütend gemacht haben. Starker Roman.

3

Rietzschels Erzählung über zwei Brüder, die in der Oberlausitz groß werden ist ja ein großer Erfolg gewesen, sodass ich das Buch schon lange auf der Liste hatte, gerade da ich oft in der Region bin und zu Ostdeutschland forsche. Leider war es dann eher eine Enttäuschung. Das Buch hat starke, mitunter sehr starke Momente, vor allem dann, wenn die Sprachlosigkeit zwischen den Protagonist:innen, das nicht Ausgesprochene, was aber alles belastet, thematisiert wird. Das ist mitunter äußerst beklemmend, was aber für Rietzschels literarische Fähigkeiten spricht. Leider hält das Buch dieses Niveau über weite Strecken nicht. Die Figuren sind zu flach und der Schreibstil mitunter unausgegoren, sodass keine dichten Szenerien entstehen, in denen man sich verlieren kann. Ich hatte beim Lesen öfter das Problem, einfach nicht so richtig eintauchen zu können, weil es sprachlich für mich nicht funktioniert hat. Ich würde daher behaupten, dass das Buch das Glück hatte, zur rechten Zeit zu kommen: Junger Ostdeutscher schreibt schonungslos über Ostdeutschland. Das passt(e). Isoliert betrachtet, halte ich das Buch für Durchschnitt mit starken Momenten.

3

Grundsätzlich ein wichtiges Thema… Ich empfand das Buch aber etwas langatmig

5

Sehr gutes Buch über das Ringen nach Aufmerksamkeit und das Aufwachsen zweier Brüder in einem deutsch-sorbischen Dorf. Der Autor schlägt mit sehr kurzen Sätzen in erstaunlich poetische Tiefe und erzählt vom Verfall ostdeutscher Räume, von stummen, sprachlosen Menschen und Gewaltphantasien inmitten von Perspektivlosigkeit. Verstörend authentisch, großartig.

2.5

Ich finde das Buch zieht sich sehr, ohne,dass wirklich viel passiert. Vielleicht war es einfach nicht mein Thema?!

ein wichtiger, gut geschriebener und beobachteter roman, der mich nicht komplett packen konnte. ich mochte, dass der autor nicht wertet und, dass sich alles unbequem real anfühlt. mir hat trotzdem irgendwas gefehlt, um mich den figuren näher zu fühlen und in der mitte habe ich kurz das interesse verloren. allerdings habe ich schon das gefühl, etwas gelernt zu haben und würde das buch deshalb weiter empfehlen.

3

Aktueller könnte ein Buch momentan gerade kaum sein. Darum war ich sehr gespannt auf die Lektüre. Leider hat es mir der Schreibstil nicht leicht gemacht. Lange, lange dauerte es, bis ich überhaupt einmal in der Geschichte drin war. Als reiner "Unterhaltungsroman" fand ich es zu sperrig, ich kann mir allerdings vorstellen, dass es v.a. in der Oberstufe eine fantastische Klassenlektüre abgibt, denn die Thematik wird schnörkellos und wertfrei erzählt.

Create Post