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Shōgun lag so lange auf meiner Warteliste, weil ich irgendwie Respekt vor der Länge des Buchs hatte - zurecht, wie ich schnell merkte. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so lange an einem Buch gesessen habe. Inhaltlich durchaus reizvoll, aber auch wahnsinnig gehaltvoll. Durch die über 1100 Seiten der englischen Fassung (natürlich in winziger Schrift) bekommen sowohl die Figuren als auch das Setting eine glaubwürdige Tiefe - vor allem die Figuren und deren Entwicklung, auf denen klar der Fokus liegt. Es gibt erstaunlich wenig Längen in der Erzählung, wenngleich ich am Anfang einige Zeit gebraucht habe, um mich auf das Buch einlassen zu können. Das Dranbleiben hat sich allerdings gelohnt. Der Schreibstil ist interessant - häufig wird die Perspektive zwischen Figuren fließend gewechselt. Oft geschieht dies mitten in einem Dialog zwischen zwei Figuren. Wir betreten den Dialog aus Sicht einer Person (mit zugehöriger Gedankenoffenlegung) und enden den Dialog plötzlich als die andere Person und mit deren Gedanken. Spannendes Stilmittel. Besonders gut gefallen hat mir die Gegenüberstellung der traditionellen japanischen Lebensweise mit der eindringenden europäischen (vor allem katholischen). In wie weit dies historisch akkurat abgelaufen ist, sollen andere bewerten, aber für mich ist diese Gegendarstellung überaus gelungen. Auch die Charaktere mit ihrer Vielschichtigkeit haben mir sehr gefallen und das etwas offene und keinesfalls klassische "Happy" End sind für mich gelungen. Am faszinierendsten war definitiv Toranaga für mich, der vom Autor bewusst unnahbar und erhöht dargestellt wurde und an dessen Innensicht bzw Gedanken wir uns erst ziemlich spät im Buch erfreuen konnten - für mich eine gute Art, die Spannung aufrechtzuerhalten und offene Erzählstränge am Ende zu lösen. Lohnt sich wirklich, allerdings sollte man wirklich viel Zeit einplanen für diesen Brecher.
Jun 7, 2026
Shōgun lag so lange auf meiner Warteliste, weil ich irgendwie Respekt vor der Länge des Buchs hatte - zurecht, wie ich schnell merkte. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so lange an einem Buch gesessen habe. Inhaltlich durchaus reizvoll, aber auch wahnsinnig gehaltvoll. Durch die über 1100 Seiten der englischen Fassung (natürlich in winziger Schrift) bekommen sowohl die Figuren als auch das Setting eine glaubwürdige Tiefe - vor allem die Figuren und deren Entwicklung, auf denen klar der Fokus liegt. Es gibt erstaunlich wenig Längen in der Erzählung, wenngleich ich am Anfang einige Zeit gebraucht habe, um mich auf das Buch einlassen zu können. Das Dranbleiben hat sich allerdings gelohnt. Der Schreibstil ist interessant - häufig wird die Perspektive zwischen Figuren fließend gewechselt. Oft geschieht dies mitten in einem Dialog zwischen zwei Figuren. Wir betreten den Dialog aus Sicht einer Person (mit zugehöriger Gedankenoffenlegung) und enden den Dialog plötzlich als die andere Person und mit deren Gedanken. Spannendes Stilmittel. Besonders gut gefallen hat mir die Gegenüberstellung der traditionellen japanischen Lebensweise mit der eindringenden europäischen (vor allem katholischen). In wie weit dies historisch akkurat abgelaufen ist, sollen andere bewerten, aber für mich ist diese Gegendarstellung überaus gelungen. Auch die Charaktere mit ihrer Vielschichtigkeit haben mir sehr gefallen und das etwas offene und keinesfalls klassische "Happy" End sind für mich gelungen. Am faszinierendsten war definitiv Toranaga für mich, der vom Autor bewusst unnahbar und erhöht dargestellt wurde und an dessen Innensicht bzw Gedanken wir uns erst ziemlich spät im Buch erfreuen konnten - für mich eine gute Art, die Spannung aufrechtzuerhalten und offene Erzählstränge am Ende zu lösen. Lohnt sich wirklich, allerdings sollte man wirklich viel Zeit einplanen für diesen Brecher.
Jun 7, 2026






