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Mord in Mesopotamien ist kein Buch, das einen an die Hand nimmt. Eher im Gegenteil: Es wirft einem Hinweise hin, zuckt mit den Schultern und denkt sich „mach was draus“. Und genau das macht den Reiz aus – oder den Frust, je nachdem, wie sehr man bereit ist mitzudenken. Relativ früh hatte ich das Gefühl, dass hier einiges nicht so eindeutig ist, wie es zunächst wirkt. Dinge, die eigentlich klar sein sollten, sind plötzlich… überraschend dehnbar. Aussagen haben kleine Risse, Details fühlen sich nicht ganz stimmig an, und man merkt schnell: Wenn man hier einfach nur mitläuft, verpasst man die Hälfte. Mrs. Leidner ist dabei ein schönes kleines Mysterium für sich. Sie wirkt auf jede Figur anders, und ich hatte nie das Gefühl, sie wirklich greifen zu können. Mal denkt man, man hat sie verstanden – zwei Seiten später darf man das direkt wieder überdenken. Sehr angenehm irritierend. Die Konstruktion des Falls ist insgesamt ziemlich stark. Viele mögliche Verbindungen, viele Ansatzpunkte für eigene Theorien, aber gleichzeitig alles so begrenzt, dass man sich nicht einfach in endlosen Möglichkeiten verlieren kann. Man muss sich schon entscheiden – und liegt dabei gerne auch mal daneben. Und dann ist da Poirot. Ich sag’s mal so: Er ist da. Er funktioniert. Er löst den Fall. Aber dieser typische Poirot – der leicht sarkastische, selbstzufriedene, ein bisschen nervige kleine Belgier, den man irgendwie genau dafür mag – bleibt erstaunlich blass. Stattdessen wirkt er hier fast wie ein gut eingebautes Analyse-Tool. Effektiv, aber austauschbar. Und das hätte ich bei einem Poirot-Fall so nicht erwartet. Unterm Strich bleibt ein wirklich clever konstruierter Krimi, der Spaß macht, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und aktiv mitzudenken. Aber eben auch einer, bei dem die eigentliche Hauptfigur sich überraschend stark im Hintergrund hält. 4 von 5 Sternen – für den Fall. Poirot bekommt diesmal eher ein höfliches Nicken.
Apr 14, 2026
Mord in Mesopotamien ist kein Buch, das einen an die Hand nimmt. Eher im Gegenteil: Es wirft einem Hinweise hin, zuckt mit den Schultern und denkt sich „mach was draus“. Und genau das macht den Reiz aus – oder den Frust, je nachdem, wie sehr man bereit ist mitzudenken. Relativ früh hatte ich das Gefühl, dass hier einiges nicht so eindeutig ist, wie es zunächst wirkt. Dinge, die eigentlich klar sein sollten, sind plötzlich… überraschend dehnbar. Aussagen haben kleine Risse, Details fühlen sich nicht ganz stimmig an, und man merkt schnell: Wenn man hier einfach nur mitläuft, verpasst man die Hälfte. Mrs. Leidner ist dabei ein schönes kleines Mysterium für sich. Sie wirkt auf jede Figur anders, und ich hatte nie das Gefühl, sie wirklich greifen zu können. Mal denkt man, man hat sie verstanden – zwei Seiten später darf man das direkt wieder überdenken. Sehr angenehm irritierend. Die Konstruktion des Falls ist insgesamt ziemlich stark. Viele mögliche Verbindungen, viele Ansatzpunkte für eigene Theorien, aber gleichzeitig alles so begrenzt, dass man sich nicht einfach in endlosen Möglichkeiten verlieren kann. Man muss sich schon entscheiden – und liegt dabei gerne auch mal daneben. Und dann ist da Poirot. Ich sag’s mal so: Er ist da. Er funktioniert. Er löst den Fall. Aber dieser typische Poirot – der leicht sarkastische, selbstzufriedene, ein bisschen nervige kleine Belgier, den man irgendwie genau dafür mag – bleibt erstaunlich blass. Stattdessen wirkt er hier fast wie ein gut eingebautes Analyse-Tool. Effektiv, aber austauschbar. Und das hätte ich bei einem Poirot-Fall so nicht erwartet. Unterm Strich bleibt ein wirklich clever konstruierter Krimi, der Spaß macht, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und aktiv mitzudenken. Aber eben auch einer, bei dem die eigentliche Hauptfigur sich überraschend stark im Hintergrund hält. 4 von 5 Sternen – für den Fall. Poirot bekommt diesmal eher ein höfliches Nicken.
Apr 14, 2026







