John of John
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Description
'This book is special' - Colm Tóibín
'Passionate, liberating, and gorgeous' - Min Jin Lee
'Brilliant and rare' - Ann Patchett
'A masterpiece' - Elaine Feeney
'A fierce, glorious sting of a novel' - Lauren Groff
Out of money and with little to show for his art school education, John-Calum Macleod takes the ferry home to the island of Harris to find that not much has changed except for him. In the windswept croft where he grew up, Cal resumes his old life, caught between the two poles of his childhood: his father John, a sheep farmer, weaver, and pillar of their local Presbyterian church, and his Glaswegian grandmother Ella, who has kept a faltering peace with her son-in-law for decades.
While Cal wonders if any lonely men might be found on the barren hillsides of home, John is dismayed by his son's long hair and how he seems unwilling to be Saved. As the seasons pass, everything is poised to change as the threads holding together the fragile community become increasingly entangled.
John of John is the heartbreaking story of a young man's return home and how the bonds of family life are torn by the weight of expectation. It confirms Douglas Stuart as one of the great British writers at work today.
Book Information
Posts
Tiefgründiger, tragischer, großartiger Roman. John of John von Douglas Stuart aus Hanser Berlin Verlag ist ein eindringlicher, atmosphärisch dichter Roman, der weit stärker von seinen Figuren und ihrer inneren Zerrissenheit lebt als von äußerer Handlung. Die Geschichte spielt auf der abgelegenen schottischen Insel - einer rauen, religiös geprägten Gegend, in der Tradition, Arbeit und Glaube das Leben bestimmen. Im Mittelpunkt steht der 22-jährige John-Calum Macleod, meist nur Cal genannt, der nach einem Studium für Kunst und Textilverarbeitung in Edinburgh mittellos nach Hause zurückkehrt. Dort landet er erneut in dem erstickenden Umfeld seiner Kindheit: auf dem kleinen Familienhof seines Vaters John, zwischen Schafen, Webstühlen und strengen presbyterianischen Glaubensregeln. Der Roman entfaltet seine Stärke besonders über die komplizierte Beziehung zwischen Cal und seinem Vater. John ist Schafzüchter, Tweed-Weber und zugleich eine angesehene religiöse Autorität innerhalb der Inselgemeinschaft. Nach außen verkörpert er Härte, Disziplin und religiöse Strenge, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Mann, der sein gesamtes Leben gegen die eigene Identität geführt hat. Cal wiederum versucht verzweifelt, seiner Herkunft zu entkommen, bleibt aber emotional und traditionsbehaftet an die Insel gebunden. Dadurch entsteht zwischen Vater und Sohn eine intensive Spannung: Beide tragen ähnliche Sehnsüchte und Ängste in sich, können aber kaum offen miteinander sprechen. Stuart zeigt eindrucksvoll, wie Schweigen und Scham über Generationen hinweg weitergegeben werden. Auch die Nebenfiguren sind außergewöhnlich präzise gezeichnet. Besonders Ella, Cals Großmutter, bleibt im Gedächtnis. Sie stammt ursprünglich aus Glasgow, wirkt direkter und lebensnäher als die übrigen Inselbewohner und bringt trotz ihrer Schroffheit Wärme und Humor in die oft melancholische Geschichte. Zwischen ihr und dem Vater von Cal herrscht seit Jahren eine unterschwellige Feindseligkeit. Gleichzeitig verbindet die beiden jedoch auch die gemeinsame Sorge um Cal. Hinzu kommen Figuren wie Innes MacInnes, Johns engster Freund, oder Cals Jugendfreund Doll Macdonald, deren Beziehungen nach und nach die verdrängten Geheimnisse der Insel offenlegen. Besonders beeindruckend ist, wie detailreich Douglas Stuart das Leben auf der Insel beschreibt. Die Arbeit am schweren Webstuhl, die Schafhaltung, die gälische Sprache und die strengen religiösen Rituale verleihen dem Roman eine fast greifbare Atmosphäre. Gleichzeitig zeigt Stuart eine Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt und Abweichungen kaum verziehen werden. Diese Enge macht Cals Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung umso schmerzhafter. Was John of John letztlich so außergewöhnlich macht, ist die emotionale Präzision. Stuart schreibt mit großer Sensibilität über Einsamkeit, verdrängte queere Identität und das Gefühl, zwischen Herkunft und eigenem Leben zerrieben zu werden. Der Roman ist ruhig erzählt und nimmt sich viel Zeit für Stimmungen, Gespräche und unausgesprochene Konflikte. Gerade dadurch entfaltet die Geschichte eine enorme Wucht. Die Figuren wirken nie konstruiert, sondern schmerzhaft real – voller Fehler, Sehnsucht und unterdrückter Gefühle. Douglas Stuart gelingt damit erneut ein literarisch anspruchsvoller und tief berührender Roman, der lange nachhallt und zu seinen stärksten Werken zählt. Eine unangeschränkte und begeisterte Empfehlung.
Zwei Männer im Regen
Und wieder hat er es geschafft! Douglas Stuart schreibt Bücher, die so traurig und tragisch sind, und dennoch möchte man, dass sie nie nie nie zu Ende gehen. In diesem Roman steht diesmal die Vater-Sohn-Beziehung im Mittelpunkt. Der „verlorene Sohn“ kehrt nach dem Studium zurück auf die Insel, auf der nicht viel mehr auf ihn wartet als der grimmige Vater und die Großmutter mütterlicherseits, die dem Vater schon lange ein Dorn im Auge bzw. im Haus ist. Ich möchte nicht zu viel der Geschichte verraten, aber es geht hier um Religion, Tradition, Armut, Homosexualität und die Gesellschaft auf den abgelegenen und unwirtlichen Inseln von Schottland. Mein liebster Charakter ist, trotz der Männer im Mittelpunkt, dennoch die einzige Frau, die eine große Rolle in der Geschichte einnimmt – die Großmutter Ella. Sie stammt eigentlich aus Glasgow und so musste sie auf der Insel immer kämpfen, um angenommen zu werden. Aber gurl, sie ist einfach ne coole Socke 🧦 Was ich im dritten Buch von Douglas Stuart schön fand, ist, dass es zwar tragisch ist, aber gleichzeitig nicht ganz so unerträglich wie seine beiden Vorgänger Romane, in denen die Lage so unglaublich aussichtslos erschien. In John of John hat man hin und wieder kleine Hoffnungsschimmer, dass sich etwas zum Guten wenden könnte (wenn auch sehr kleine Schimmer). Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt jeder Person. Es ist einfach schön und traurig und auch wenn ich nicht genau beschreiben kann warum, will man einfach immer und immer weiterlesen. TW: Häusliche Gewalt ------------ "Er dachte an sich selbst als junger Mann, als er fünfzehn war und sich zum ersten mal verliebte. Damals schien es möglich, sowohl Gott als auch [...] zu lieben und ein ruhiges, halbes Leben zu führen. Er konnte nicht wissen, wie viele Lügen nötig waren oder wie tief die Lügen wurzeln würden, dass sie ständiger Pflege bedurften, Dornen bekamen und alle, die ihn liebten, überwucherten, bis alles zu einem riesigen Gestrüpp wurde. Es kam ihm wie ein grausamer Witz vor, dass er zwar um sich herum Salz ausstreute, aber seine Lügen waren die üppigsten Früchte, die diese Felsen je hervorbringen konnten." ----------- "Früher hatte Cal gebettelt, dass sein Vater beim Einschlafen seine Hand hielt. Seine perfekt kleine Hand. John hatte abgelehnt und ihm erklärt, er müsse ein großer Junge sein und allein einschlafen, aber insgeheim hatte er sich gefreut, wenn Cal nicht lockerließ und seine kleine Hand wie eine Spinne über die Decke krabbelte. Wenn er morgens aufwachte und Cals Hand in seiner fand, war er glücklich gewesen."
Die 90er voll mit Tweed und voller schönen Charakteren !
Douglas Stuart hat mich diesmal nicht erschlagen, sondern mitgenommen. John of John ist spürbar sanfter als Shuggie Bain und Young Mungo. Die Armut, die katholische Strenge, die Insel – alles da, aber ohne der erdrückende Schwere von den letzten Romanen - fast schon ein raues, salziges Insel‑Romantik‑Setting, was den Figuren auch Raum lässt sich zu entfalten, sie zu lieben… Die Telefonzelle am Anfang. Zack, zurück in die 90er. Meine Jahre. Die Musik die er einfließen lässt, die Medien mit der es abgespielt hat wurde - alles so kurz eingeflossen soviel Entfaltung gehabt ! Die Figuren sind zugänglich, verletzlich, aber nicht gebrochen. Stuart schreibt hier weniger hart, dafür menschlicher, fast schon zärtlich. Ein anderer Ton, aber dennoch er. Es passiert wenig und doch viel - kein Spannungsbogen- kein großes Drama - keine harten Worte und vielleicht genau deswegen hätte der Roman noch viele Seiten vertragen können ! Das Ende kam irgendwie plötzlich obwohl das ein oder andere Kapitel seine „kurzen Längen„ hatte und nichts desto trotz ist es ein Ende das traurig und schön zu gleich ist. Freu mich jetzt schon auf seinen 4. Roman !

Sternebewertung fiktiv
Viele werden bei diesem Buch vermutlich zuerst auf die Seitenzahl schauen und denken, was ein Wälzer! Und trotzdem war John of John für mich zu keiner Zeit langweilig oder langatmig. Im Gegenteil. Douglas Stuart schreibt leise, ruhig und beinahe melancholisch, aber genau darin liegt die Stärke dieses Romans. Ich habe das Buch parallel gelesen und als Hörbuch gehört und kann wirklich beides empfehlen. Gerade das Hörbuch transportiert diese besondere Stimmung unglaublich gut. Es ist ein Roman für graue Tage, Regen am Fenster und dieses Gefühl, sich komplett in eine andere Welt fallen zu lassen. Die Geschichte beginnt mit Cals Rückkehr auf die schottische Insel Harris. Eigentlich hat er gerade sein Studium in Edinburgh mit Auszeichnung abgeschlossen, doch statt eines Neubeginns wartet zuhause Stillstand auf ihn. Seine Großmutter ist schwer krank, sein Vater John holt ihn zurück auf die Insel. Und dort gelten noch immer dieselben Regeln wie früher: Tradition, Anpassung und vor allem Schweigen. Die Insel wirkt beim Lesen fast farblos. Grau, rau und eng. Die Menschen leben von Schafwolle, Weberei und harter Arbeit, doch die wirtschaftliche Lage wird schwieriger und mit ihr wächst auch der Druck auf die Bewohner. Besonders auf Männer. Cal war immer anders. Er wollte weg. Raus aus diesem engen Weltbild. In Edinburgh konnte er zumindest anfangen, sich selbst näherzukommen. Auf Harris hingegen scheint seine Homosexualität etwas zu sein, das keinen Platz haben darf. Sein Vater John lebt nach klaren Regeln: keine Schwäche, keine Gefühle, kein Anderssein. Und trotzdem merkt man schnell, dass gerade John selbst ein Geheimnis mit sich trägt. Etwas, das eng mit einem Nachbarn verbunden ist und zeigt, wie viel Verdrängung in diesem Dorf herrscht. Douglas Stuart hat für mich ein unglaubliches Talent dafür, Figuren zu erschaffen, die vollkommen echt wirken. Nichts fühlt sich künstlich oder konstruiert an. Man hat eher das Gefühl, echte Menschen zu begleiten, mit all ihren Verletzungen, Ängsten und Sehnsüchten. Besonders gelungen fand ich, wie stark die Umgebung auf die Stimmung der Figuren wirkt. Beim Lesen hatte ich ständig dieses Bild von grauen Landschaften im Kopf und mittendrin Cal mit seinen auffälligen Kleidern, seiner Frisur und allem, was ihn von dieser Welt unterscheidet. Trotz der vielen Seiten bin ich unglaublich schnell durch das Buch gekommen. Gerade weil Douglas Stuart keine laute Geschichte erzählen muss, um zu berühren. Für mich war das ein intensiver Roman über Herkunft, Familie, Männlichkeit, Einsamkeit und darüber, wie schwer es sein kann, man selbst zu sein, wenn die eigene Umgebung dafür keinen Raum lässt. Zuletzt bleibt zu sagen, wie kommt man auf die Idee mit dem ausgestopften Strick Penis. Musste richtig laut lachen.

John of John ❤️ Mit großen Erwartungen begann ich diesen Roman, der so ganz anders ist als Shuggie Bain und Young Mungo und trotzdem mein bisheriger Liebling des Autors. Im Außen passiert wenig. Keine großen Wendungen, kein lautes Drama. Und trotzdem entfaltet sich eine enorme Intensität. Douglas Stuart lebt Atmosphäre. Er entwirft Menschen, die sind wie das Land: rau und schön, üppig und karg zugleich. Seine Figuren tragen beides in sich – menschliche Abgründe und feinste, zarte Gefühle. Und genau in dieser Spannung entsteht die Kraft dieses Romans. Es geht um Konventionen. Um Grenzen, die wir uns selbst setzen – in unserem Erleben, Wünschen und im Glauben, in dem, was wir für richtig halten. Grenzen, die Halt geben und gleichzeitig gefangen halten. Und es geht um Wandel. Leise, zart – und manchmal doch brutal. Ein Wandel, der oft Generationen braucht, um überhaupt sichtbar zu werden. Ich las dieses Buch und dachte zwischendurch: Es passiert gar nicht so viel. Und gleichzeitig passiert alles. Für mich ist das große Literatur: unaufgeregt, präzise, tief. Auf Papier gedrucktes Menschsein.

Nähe und Fremdheit
Der neue Roman des Booker-Preisträgers Douglas Stuart, John of John, entführt uns auf die abgelegenen, rauen Hebriden. Auf einer kargen Insel lebt John, ein strenger und verschlossener Tweed-Weber, dessen Leben von Härte und Einsamkeit geprägt ist. Zu seinem Sohn Cal verbindet ihn kaum Nähe – dieser ist einst nach Edinburgh geflohen, kehrt jedoch auf Wunsch des Vaters zurück. Doch die erhoffte Annäherung bleibt aus. Zwischen Vater und Sohn herrscht eine spannungsgeladene Mischung aus Sehnsucht und Abstoßung, aus Liebe und Fremdheit. Cal entspricht nicht den Erwartungen seines Vaters – schon seine langen Haare sind John ein Dorn im Auge. Dass Cal sich zu Männern hingezogen fühlt, bleibt vorerst unausgesprochen und deutet doch an, wie tief die Kluft zwischen ihnen wirklich ist. Gleichzeitig trägt auch der Vater ein eigenes Geheimnis mit sich. Douglas Stuart gelingt es meisterhaft, diese komplexe Beziehung mit großer Intensität und sprachlicher Feinheit zu zeichnen. Besonders eindrucksvoll ist sein bildhafter Stil, mit dem er die raue, unwirtliche Atmosphäre der Hebriden lebendig werden lässt. John of John ist ein kraftvoller, emotional dichter Roman, der lange nachwirkt und tief beeindruckt.
Zwischen Schafen, Pints und Selbstfindung
Stuart bleibt mit seinem dritten Werk in Schottland aber wechselt vom harten Plattenbau Glasgows zu einem rauen Insel-Setting. Ähnlich wie bei Shuggie Bain und Young Mungo geht es auch bei John wieder um Missbrauch, Queerness, Sucht und Einsamkeit. Leider hat mich das Werk insgesamt weniger abgeholt als die vorherigen Bücher. Die Hauptfiguren hätten mehr Tiefe vertragen und wirkten für mich leider an einigen Stellen sehr unsympatisch. Von den spannenden Nebenfiguren wie Ella, Doll und Innes hätte ich dagegen gerne noch viel mehr erfahren!
Description
'This book is special' - Colm Tóibín
'Passionate, liberating, and gorgeous' - Min Jin Lee
'Brilliant and rare' - Ann Patchett
'A masterpiece' - Elaine Feeney
'A fierce, glorious sting of a novel' - Lauren Groff
Out of money and with little to show for his art school education, John-Calum Macleod takes the ferry home to the island of Harris to find that not much has changed except for him. In the windswept croft where he grew up, Cal resumes his old life, caught between the two poles of his childhood: his father John, a sheep farmer, weaver, and pillar of their local Presbyterian church, and his Glaswegian grandmother Ella, who has kept a faltering peace with her son-in-law for decades.
While Cal wonders if any lonely men might be found on the barren hillsides of home, John is dismayed by his son's long hair and how he seems unwilling to be Saved. As the seasons pass, everything is poised to change as the threads holding together the fragile community become increasingly entangled.
John of John is the heartbreaking story of a young man's return home and how the bonds of family life are torn by the weight of expectation. It confirms Douglas Stuart as one of the great British writers at work today.
Book Information
Posts
Tiefgründiger, tragischer, großartiger Roman. John of John von Douglas Stuart aus Hanser Berlin Verlag ist ein eindringlicher, atmosphärisch dichter Roman, der weit stärker von seinen Figuren und ihrer inneren Zerrissenheit lebt als von äußerer Handlung. Die Geschichte spielt auf der abgelegenen schottischen Insel - einer rauen, religiös geprägten Gegend, in der Tradition, Arbeit und Glaube das Leben bestimmen. Im Mittelpunkt steht der 22-jährige John-Calum Macleod, meist nur Cal genannt, der nach einem Studium für Kunst und Textilverarbeitung in Edinburgh mittellos nach Hause zurückkehrt. Dort landet er erneut in dem erstickenden Umfeld seiner Kindheit: auf dem kleinen Familienhof seines Vaters John, zwischen Schafen, Webstühlen und strengen presbyterianischen Glaubensregeln. Der Roman entfaltet seine Stärke besonders über die komplizierte Beziehung zwischen Cal und seinem Vater. John ist Schafzüchter, Tweed-Weber und zugleich eine angesehene religiöse Autorität innerhalb der Inselgemeinschaft. Nach außen verkörpert er Härte, Disziplin und religiöse Strenge, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Mann, der sein gesamtes Leben gegen die eigene Identität geführt hat. Cal wiederum versucht verzweifelt, seiner Herkunft zu entkommen, bleibt aber emotional und traditionsbehaftet an die Insel gebunden. Dadurch entsteht zwischen Vater und Sohn eine intensive Spannung: Beide tragen ähnliche Sehnsüchte und Ängste in sich, können aber kaum offen miteinander sprechen. Stuart zeigt eindrucksvoll, wie Schweigen und Scham über Generationen hinweg weitergegeben werden. Auch die Nebenfiguren sind außergewöhnlich präzise gezeichnet. Besonders Ella, Cals Großmutter, bleibt im Gedächtnis. Sie stammt ursprünglich aus Glasgow, wirkt direkter und lebensnäher als die übrigen Inselbewohner und bringt trotz ihrer Schroffheit Wärme und Humor in die oft melancholische Geschichte. Zwischen ihr und dem Vater von Cal herrscht seit Jahren eine unterschwellige Feindseligkeit. Gleichzeitig verbindet die beiden jedoch auch die gemeinsame Sorge um Cal. Hinzu kommen Figuren wie Innes MacInnes, Johns engster Freund, oder Cals Jugendfreund Doll Macdonald, deren Beziehungen nach und nach die verdrängten Geheimnisse der Insel offenlegen. Besonders beeindruckend ist, wie detailreich Douglas Stuart das Leben auf der Insel beschreibt. Die Arbeit am schweren Webstuhl, die Schafhaltung, die gälische Sprache und die strengen religiösen Rituale verleihen dem Roman eine fast greifbare Atmosphäre. Gleichzeitig zeigt Stuart eine Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt und Abweichungen kaum verziehen werden. Diese Enge macht Cals Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung umso schmerzhafter. Was John of John letztlich so außergewöhnlich macht, ist die emotionale Präzision. Stuart schreibt mit großer Sensibilität über Einsamkeit, verdrängte queere Identität und das Gefühl, zwischen Herkunft und eigenem Leben zerrieben zu werden. Der Roman ist ruhig erzählt und nimmt sich viel Zeit für Stimmungen, Gespräche und unausgesprochene Konflikte. Gerade dadurch entfaltet die Geschichte eine enorme Wucht. Die Figuren wirken nie konstruiert, sondern schmerzhaft real – voller Fehler, Sehnsucht und unterdrückter Gefühle. Douglas Stuart gelingt damit erneut ein literarisch anspruchsvoller und tief berührender Roman, der lange nachhallt und zu seinen stärksten Werken zählt. Eine unangeschränkte und begeisterte Empfehlung.
Zwei Männer im Regen
Und wieder hat er es geschafft! Douglas Stuart schreibt Bücher, die so traurig und tragisch sind, und dennoch möchte man, dass sie nie nie nie zu Ende gehen. In diesem Roman steht diesmal die Vater-Sohn-Beziehung im Mittelpunkt. Der „verlorene Sohn“ kehrt nach dem Studium zurück auf die Insel, auf der nicht viel mehr auf ihn wartet als der grimmige Vater und die Großmutter mütterlicherseits, die dem Vater schon lange ein Dorn im Auge bzw. im Haus ist. Ich möchte nicht zu viel der Geschichte verraten, aber es geht hier um Religion, Tradition, Armut, Homosexualität und die Gesellschaft auf den abgelegenen und unwirtlichen Inseln von Schottland. Mein liebster Charakter ist, trotz der Männer im Mittelpunkt, dennoch die einzige Frau, die eine große Rolle in der Geschichte einnimmt – die Großmutter Ella. Sie stammt eigentlich aus Glasgow und so musste sie auf der Insel immer kämpfen, um angenommen zu werden. Aber gurl, sie ist einfach ne coole Socke 🧦 Was ich im dritten Buch von Douglas Stuart schön fand, ist, dass es zwar tragisch ist, aber gleichzeitig nicht ganz so unerträglich wie seine beiden Vorgänger Romane, in denen die Lage so unglaublich aussichtslos erschien. In John of John hat man hin und wieder kleine Hoffnungsschimmer, dass sich etwas zum Guten wenden könnte (wenn auch sehr kleine Schimmer). Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt jeder Person. Es ist einfach schön und traurig und auch wenn ich nicht genau beschreiben kann warum, will man einfach immer und immer weiterlesen. TW: Häusliche Gewalt ------------ "Er dachte an sich selbst als junger Mann, als er fünfzehn war und sich zum ersten mal verliebte. Damals schien es möglich, sowohl Gott als auch [...] zu lieben und ein ruhiges, halbes Leben zu führen. Er konnte nicht wissen, wie viele Lügen nötig waren oder wie tief die Lügen wurzeln würden, dass sie ständiger Pflege bedurften, Dornen bekamen und alle, die ihn liebten, überwucherten, bis alles zu einem riesigen Gestrüpp wurde. Es kam ihm wie ein grausamer Witz vor, dass er zwar um sich herum Salz ausstreute, aber seine Lügen waren die üppigsten Früchte, die diese Felsen je hervorbringen konnten." ----------- "Früher hatte Cal gebettelt, dass sein Vater beim Einschlafen seine Hand hielt. Seine perfekt kleine Hand. John hatte abgelehnt und ihm erklärt, er müsse ein großer Junge sein und allein einschlafen, aber insgeheim hatte er sich gefreut, wenn Cal nicht lockerließ und seine kleine Hand wie eine Spinne über die Decke krabbelte. Wenn er morgens aufwachte und Cals Hand in seiner fand, war er glücklich gewesen."
Die 90er voll mit Tweed und voller schönen Charakteren !
Douglas Stuart hat mich diesmal nicht erschlagen, sondern mitgenommen. John of John ist spürbar sanfter als Shuggie Bain und Young Mungo. Die Armut, die katholische Strenge, die Insel – alles da, aber ohne der erdrückende Schwere von den letzten Romanen - fast schon ein raues, salziges Insel‑Romantik‑Setting, was den Figuren auch Raum lässt sich zu entfalten, sie zu lieben… Die Telefonzelle am Anfang. Zack, zurück in die 90er. Meine Jahre. Die Musik die er einfließen lässt, die Medien mit der es abgespielt hat wurde - alles so kurz eingeflossen soviel Entfaltung gehabt ! Die Figuren sind zugänglich, verletzlich, aber nicht gebrochen. Stuart schreibt hier weniger hart, dafür menschlicher, fast schon zärtlich. Ein anderer Ton, aber dennoch er. Es passiert wenig und doch viel - kein Spannungsbogen- kein großes Drama - keine harten Worte und vielleicht genau deswegen hätte der Roman noch viele Seiten vertragen können ! Das Ende kam irgendwie plötzlich obwohl das ein oder andere Kapitel seine „kurzen Längen„ hatte und nichts desto trotz ist es ein Ende das traurig und schön zu gleich ist. Freu mich jetzt schon auf seinen 4. Roman !

Sternebewertung fiktiv
Viele werden bei diesem Buch vermutlich zuerst auf die Seitenzahl schauen und denken, was ein Wälzer! Und trotzdem war John of John für mich zu keiner Zeit langweilig oder langatmig. Im Gegenteil. Douglas Stuart schreibt leise, ruhig und beinahe melancholisch, aber genau darin liegt die Stärke dieses Romans. Ich habe das Buch parallel gelesen und als Hörbuch gehört und kann wirklich beides empfehlen. Gerade das Hörbuch transportiert diese besondere Stimmung unglaublich gut. Es ist ein Roman für graue Tage, Regen am Fenster und dieses Gefühl, sich komplett in eine andere Welt fallen zu lassen. Die Geschichte beginnt mit Cals Rückkehr auf die schottische Insel Harris. Eigentlich hat er gerade sein Studium in Edinburgh mit Auszeichnung abgeschlossen, doch statt eines Neubeginns wartet zuhause Stillstand auf ihn. Seine Großmutter ist schwer krank, sein Vater John holt ihn zurück auf die Insel. Und dort gelten noch immer dieselben Regeln wie früher: Tradition, Anpassung und vor allem Schweigen. Die Insel wirkt beim Lesen fast farblos. Grau, rau und eng. Die Menschen leben von Schafwolle, Weberei und harter Arbeit, doch die wirtschaftliche Lage wird schwieriger und mit ihr wächst auch der Druck auf die Bewohner. Besonders auf Männer. Cal war immer anders. Er wollte weg. Raus aus diesem engen Weltbild. In Edinburgh konnte er zumindest anfangen, sich selbst näherzukommen. Auf Harris hingegen scheint seine Homosexualität etwas zu sein, das keinen Platz haben darf. Sein Vater John lebt nach klaren Regeln: keine Schwäche, keine Gefühle, kein Anderssein. Und trotzdem merkt man schnell, dass gerade John selbst ein Geheimnis mit sich trägt. Etwas, das eng mit einem Nachbarn verbunden ist und zeigt, wie viel Verdrängung in diesem Dorf herrscht. Douglas Stuart hat für mich ein unglaubliches Talent dafür, Figuren zu erschaffen, die vollkommen echt wirken. Nichts fühlt sich künstlich oder konstruiert an. Man hat eher das Gefühl, echte Menschen zu begleiten, mit all ihren Verletzungen, Ängsten und Sehnsüchten. Besonders gelungen fand ich, wie stark die Umgebung auf die Stimmung der Figuren wirkt. Beim Lesen hatte ich ständig dieses Bild von grauen Landschaften im Kopf und mittendrin Cal mit seinen auffälligen Kleidern, seiner Frisur und allem, was ihn von dieser Welt unterscheidet. Trotz der vielen Seiten bin ich unglaublich schnell durch das Buch gekommen. Gerade weil Douglas Stuart keine laute Geschichte erzählen muss, um zu berühren. Für mich war das ein intensiver Roman über Herkunft, Familie, Männlichkeit, Einsamkeit und darüber, wie schwer es sein kann, man selbst zu sein, wenn die eigene Umgebung dafür keinen Raum lässt. Zuletzt bleibt zu sagen, wie kommt man auf die Idee mit dem ausgestopften Strick Penis. Musste richtig laut lachen.

John of John ❤️ Mit großen Erwartungen begann ich diesen Roman, der so ganz anders ist als Shuggie Bain und Young Mungo und trotzdem mein bisheriger Liebling des Autors. Im Außen passiert wenig. Keine großen Wendungen, kein lautes Drama. Und trotzdem entfaltet sich eine enorme Intensität. Douglas Stuart lebt Atmosphäre. Er entwirft Menschen, die sind wie das Land: rau und schön, üppig und karg zugleich. Seine Figuren tragen beides in sich – menschliche Abgründe und feinste, zarte Gefühle. Und genau in dieser Spannung entsteht die Kraft dieses Romans. Es geht um Konventionen. Um Grenzen, die wir uns selbst setzen – in unserem Erleben, Wünschen und im Glauben, in dem, was wir für richtig halten. Grenzen, die Halt geben und gleichzeitig gefangen halten. Und es geht um Wandel. Leise, zart – und manchmal doch brutal. Ein Wandel, der oft Generationen braucht, um überhaupt sichtbar zu werden. Ich las dieses Buch und dachte zwischendurch: Es passiert gar nicht so viel. Und gleichzeitig passiert alles. Für mich ist das große Literatur: unaufgeregt, präzise, tief. Auf Papier gedrucktes Menschsein.

Nähe und Fremdheit
Der neue Roman des Booker-Preisträgers Douglas Stuart, John of John, entführt uns auf die abgelegenen, rauen Hebriden. Auf einer kargen Insel lebt John, ein strenger und verschlossener Tweed-Weber, dessen Leben von Härte und Einsamkeit geprägt ist. Zu seinem Sohn Cal verbindet ihn kaum Nähe – dieser ist einst nach Edinburgh geflohen, kehrt jedoch auf Wunsch des Vaters zurück. Doch die erhoffte Annäherung bleibt aus. Zwischen Vater und Sohn herrscht eine spannungsgeladene Mischung aus Sehnsucht und Abstoßung, aus Liebe und Fremdheit. Cal entspricht nicht den Erwartungen seines Vaters – schon seine langen Haare sind John ein Dorn im Auge. Dass Cal sich zu Männern hingezogen fühlt, bleibt vorerst unausgesprochen und deutet doch an, wie tief die Kluft zwischen ihnen wirklich ist. Gleichzeitig trägt auch der Vater ein eigenes Geheimnis mit sich. Douglas Stuart gelingt es meisterhaft, diese komplexe Beziehung mit großer Intensität und sprachlicher Feinheit zu zeichnen. Besonders eindrucksvoll ist sein bildhafter Stil, mit dem er die raue, unwirtliche Atmosphäre der Hebriden lebendig werden lässt. John of John ist ein kraftvoller, emotional dichter Roman, der lange nachwirkt und tief beeindruckt.
Zwischen Schafen, Pints und Selbstfindung
Stuart bleibt mit seinem dritten Werk in Schottland aber wechselt vom harten Plattenbau Glasgows zu einem rauen Insel-Setting. Ähnlich wie bei Shuggie Bain und Young Mungo geht es auch bei John wieder um Missbrauch, Queerness, Sucht und Einsamkeit. Leider hat mich das Werk insgesamt weniger abgeholt als die vorherigen Bücher. Die Hauptfiguren hätten mehr Tiefe vertragen und wirkten für mich leider an einigen Stellen sehr unsympatisch. Von den spannenden Nebenfiguren wie Ella, Doll und Innes hätte ich dagegen gerne noch viel mehr erfahren!













