Blick ins Buch

Romane

Unter Null

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Über das Buch

Gerade 20 Jahre alt, schreibt 1984 ein amerikanischer Student namens Bret Easton Ellis die Abschlußarbeit für einen Creative-writing-Kurs. Der Schriftsteller Joe McGinnis, sein Lehrer, ist so begeistert, daß er das Manuskript einem angesehenen New Yorker Verlag schickt, wo es unter dem Titel Less Than Zero tatsächlich erscheint.

Unter Null entwickelt sich zum Kultbuch. Die jungen Amerikaner finden sich wieder in B.E. Ellis´ Geschichte von Clay und seinen Freunden im Los Angeles der 80er Jahre, diese Kinder reicher, aber gelangweilter Eltern, die ihrem mondänen Leben zwischen Partys, Sex, Drogen und Gewalt kaum noch einen Kick, geschweige denn einen Sinn abgewinnen können.

»Lindsey und ich gehen die Treppe rauf zur Toilette und ziehen uns auf dem Klo ein bißchen Koks rein. Über dem Waschbecken, auf dem Spiegel, steht in großen schwarzen Buchstaben: “Das Reich des Stumpfsinns”.«

Editionen (2)

ISBN9783462037005
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum16.01.06
Seitenzahl208

Merkmale

1 Bewertungen

LangsamEinfachUngewöhnlichGlaubwürdigNachdenklichEntwickelnd

Rezensionen & Bewertungen

75 Bewertungen

14 Rezensionen

3,6

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  • 4,0

    Eines der meistbeachteten und wichtigsten Debüts der 80er Jahre 🤩

    Ein gerade mal einundzwanzigjähriger Student, ein Seminar "creative writing" und ein dazugehöriger Tutor, der den jungen Schreiberling dazu ermutigt, das jüngst verfasste Werk zu veröffentlichen. Der Autor: Bret Easton Ellis. Der Roman "Less than zero" (bzw. "Unter Null") ist im Deutschen bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Eine triviale, beinahe schon naive Entstehungsgeschichte, eines der meistbeachteten und wichtigsten Debüts der 80er Jahre. In "Unter Null" nach einer Handlung im klassischen Sinn zu suchen, ist meines Erachtens nach müßig. Die Aneinanderreihung von Partybeschreibungen, Familientragödien, Exzessen und Reminiszenen (zusammengefaßt im Rahmen heißer Winterferien in L.A.) hat nur eine Aufgabe: die Beschreibung der totalen Einsamkeit Clays unter vielen, gelebt in aktiver Passivität, in selbstverständlicher Dekadenz und unbegrenztem Konsumhedonisums. Die Entfremdung des Protagonisten vom Freundeskreis, von der Familie, ja von sich selbst - ist Begleiterscheinung dieses abgehobenen Lebensstils. Was Clay aber von den anderen Mitcharakteren unterscheidet, ist das Wissen um das Unglück, das zu einem nicht unbeträchtlichen Teil seiner Passivität und Oberflächlichkeit zuzuschreiben ist. Und genau dieses Wissen verbunden mit der Ohnmacht, kein Mittel gegen die Depression zu haben, macht ihn noch verstörter. Was das Buch meiner Meinung nach so gut macht, ist die Nachvollziehbarkeit der emotionalen Strukturen und Verhaltensmuster, die Clay prägen. Diese lassen sich ohne weiteres auch auf andere Gruppen in anderen sozialen Schichten umlegen. Unverständnis in der Familie und im Freundeskreis, Shoppingwut, Drogenkonsum, Selbstzweifel etc. beschränken sich nicht nur auf die High society, die in diesem Buch als abstrahiertes Abziehbild der Gesellschaft gesehen werden kann. "Unter Null" ist die Momentaufnahme eines Winters, die keine "Handlung" benötigt, um die Verlorenheit des Einzelnen in der Gruppe, die Oberflächlichkeiten einer Gesellschaft zu zeigen. Die hemmungslos übertriebene, fast surreale Dekadenz dieser Luxusgesellschaft kann uns das nur noch besser vor Augen führen.

    29. Apr. 2024

  • jochenstein81
    jochenstein81

    71 Follower

    5,0

    Sex, Drugs und Musik

    Heftig! Aber, wenn man schon andere Bücher von Bret Easton Ellis gelesen hat, ist man das gewohnt. Ich habe mich lange um das Buch herum gedrückt, aber dann doch gelesen. Auf den 200 Seiten geht es gut zur Sache, auch etwas verwirrend, aber man bleibt im Fluss. Kann das Buch echt empfehlen!

    4. Sept. 2024

  • henvondra
    henvondra

    79 Follower

    2,0

    „Es ist anstrengend, Mitgefühl für jemand aufzubringen, dem alles ist egal ist.“ „So?“, frage ich. „Was interessiert dich denn überhaupt? Was macht dir Freude?“ „Nichts! Nichts macht mir Freude. Ich mag gar nichts“, erkläre ich ihr. Dieser kurzer Dialog zwischen der 18-jährigen Hauptfigur Clay und seiner Freundin Blair ist sehr bezeichnend für den Adoleszenzroman „Unter Null“. Wir befinden uns im L.A. der 80er Jahre. Die Figuren sind, aus meiner Sicht völlig wohlstandvserwahrloste, Rich Kids um die 18 Jahre. Clay, der Ich-Erzähler des Romans, kommt für Semesterferien von der Highschool nach Hause. Diese Semesterferien und ein paar Erinnerungen teilt er mit den Leser*innen und sie bestehen aus: Nichts! Oder noch weniger? Unter Null? Clay und seine Mitmenschen leben die völlige Belanglosigkeit! Sie treiben völlig passiv umher. Die Beziehungen sind mehr als oberflächlich. Es geht nur um Betäubung, um den gemeinsamen Konsum und um Sex. Dabei spielt auch keine Rolle, ob dieser Sex heterosexuell, homosexuell oder im Bereich der Vergewaltigung liegt. Es ist einfach alles einerlei! Die Dialoge verbleiben auf einer Oberflächlichkeit, die mir so noch nie eindrücklich begegnet ist. Der eingangs zitierte Dialog war der mit Abstand tiefgründigste im ganzen Roman. Die Emotionen der Figuren verbleiben unter Null. Sie suchen nichts und sie finden nichts, nicht mal in der Betäubung finden sie irgendeine Form von Freude oder Gefühl. Clay macht ab und zu explizit, dass er die Katastrophe sucht, um zumindest etwas zu fühlen, doch nicht mal das gelingt ihm. „Unter Null“ ist ein schrecklich tristes schwer zu ertragendes Buch, welches ich nicht gerne gelesen habe. Begegnet ist es mir in meinem Literaturstudium in einem Seminar über Adoleszenzromane. Hier wurde es als amerikanischer Klassiker eben dieses Genres angepriesen. Ich kann schon verstehen, warum. Das Bild das Ellis zeichnet, dass (junge) Menschen gleichgültig werden, sich nur noch betäuben und die Beziehungen immer oberflächlicher werden, ist leider ein zeitloses. Besonders weh tut, dass den adoleszenten Figuren jegliche erwachsene Vorbilder fehlen, denn auch die Eltern, Lehrer und sogar Clays Psychiater leben ihnen Oberflächlichkeit und den Hang zur Betäubung vor. „Unter Null“ ist vielleicht so aktuell wie nie zuvor. Trotzdem würde ich es niemandem empfehlen. Es ist zu destruktiv in seiner extremen, übersteigerten Belanglosigkeit. Gegen Ende wird es dann auch wirklich ekelhaft und unmoralisch. Ein Schwanken zwischen einem und vier Sternen…

    8. Sept. 2025

3 von 14 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Bret Easton Ellis

Bret Easton Ellis wurde 1964 in Los Angeles geboren. Er besuchte die private Buckley School und begann 1986 ein Musikstudium am Bennington College in Vermont. Schon während seiner Highschool-Zeit bis in die Anfänge der 80er-Jahre spielte Ellis Keyboard in diversen New-Wave-Bands und wollte ursprünglich Musiker werden. Im Laufe des Studiums zog es ihn jedoch immer mehr zum Schreiben. Mit 21 Jahren veröffentlichte Ellis das Debüt »Unter Null« und zog zwei Jahre später nach New York City. 1991 erschien »American Psycho«, der Roman machte ihn endgültig zum Kultautor. Seit 2006 lebt er wieder in Los Angeles, in der Nähe von Beverly Hills.

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