Blick ins Buch

Und Nietzsche weinte

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Über das Buch

Wien, 1882: Mit einer ungewöhnlichen Bitte kommt die junge Lou Salomé zu Josef Breuer, dem angesehenen Internisten und Mentor Sigmund Freuds: Er soll ihren Freund Friedrich Nietzsche von seiner selbstzerstörerischen Obsession für sie kurieren. Breuer willigt ein und unterzieht Nietzsche einer neuartigen Heilungsmethode, deren Ausgang für beide völlig unerwartet ist - 'Yalom beweist, das ist Stoff für die großartigste und einfallsreichste Belletristik.' The New York Times

Editionen (8)

ISBN9783492045599
VerlagPiper
Erscheinungsdatum30.09.03
Seitenzahl463

Rezensionen & Bewertungen

149 Bewertungen

19 Rezensionen

4,2

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  • readingjane
    readingjane

    380 Follower

    4,0

    Im Jahr 1882 ist Dr. Josef Breuer ein angesehener Allgemeinarzt in Wien. Berühmt wurde er vor allem durch den Fall Anna O., bei der er unter anderem eine Art Psychotherapie angewandt hat, die es damals noch gar nicht gab. Er erkannte in ihren Beschwerden jedenfalls einen Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen. Eines Tages sucht ihn deshalb Lou Salomé auf, die ihn bittet, ihren Freund Friedrich Nietzsche von dessen Selbstmordgedanken zu heilen. Und tatsächlich kommt Nietzsche in Breuers Praxis, obwohl er seine schwere Not leugnet und nicht über sich selbst sprechen möchte. Da bietet Breuer ihm an, dass zunächst der Philosoph Nietzsche ihn von seiner Besessenheit und seinen schlechten Gedanken heilen soll. Eigentlich ein Trick, um Nietzsche zum Reden zu bringen, doch während der Gespräche merkt Breuer erst, wie sehr er tatsächlich selbst Hilfe brauchte. Teilweise stört der sich aufdrängende Eindruck, dass Yalom (Professor für Psychiatrie) einfach nur seine persönlichen Weisheiten weitergeben möchte und dafür die Romanform wählt und historische Personen sprechen lässt. Andererseits sind die Dispute und Therapiegespräche zwischen Nietzsche und Breuer sehr angenehm zu lesen, da sie anregend und zugleich warmherzig sind. Vieles in dem Buch beruht auf wahren Begebenheiten, Nietzsche und Breuer sind sich jedoch nie begegnet. Das Buch lag jetzt 10 Jahre auf meinem SuB und ich bin sehr froh, es endlich gelesen zu haben, denn es warten noch weitere Bücher des Autors.

    25. Mai 2026

  • arthurzturm
    arthurzturm

    171 Follower

    4,0

    Philosophie zum Anfassen. Yalom schafft es auf intelligente und faszinierende Art, komplexe Konzepte wie die „Ewige Wiederkunft“ oder den „Übermenschen“ organisch in Dialoge einzubauen, ohne dass es wie eine Vorlesung wirkt. Es ist spannend wie ein Krimi, aber die Tatorte sind die Abgründe des Geistes. Yalom schreibt klar, empathisch und ohne unnötigen Jargon. Wer sich für Psychologie, Philosophie oder einfach nur für verdammt gute Charakterstudien interessiert, kommt an diesem Werk nicht vorbei. ​Nebenbei erlebt man förmlich mit, wie die „Redekur“ (Talking Cure) mühsam aus der Taufe gehoben wird. Nietzsche wird hier nicht als unnahbares Genie dargestellt, sondern als verletzlicher, fast tragischer Mensch, der an seiner eigenen Radikalität zu zerbrechen droht. ​„Werde, der du bist.“ – Dieses zentrale Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch die Sitzungen und zwingt beide Protagonisten (und die Leserschaft), die eigenen Lebenslügen zu hinterfragen. Einziger Abzug gilt dem fiktiven Gefüge, welches hier und da zu künstlich und gezwungen wirkt.

    10. Feb. 2026

  • mephisto
    mephisto

    4 Follower

    4,5

    Ein sehr tiefgründiges Buch. Es übersetzt Nietzsches Philosophie in den Alltag und zeigt gleichzeitig die absolut schönen Seiten von Nietzsches Weltbild, wie auch seine Abgründe. Hinzu gibt es einen Einblick in das Entstehen der Psychoanalyse. Die Dialoge sind so gut geschrieben, dass man an mancher Stelle meint, dass sie diese Begegnung, obwohl sie rein fiktiver Natur ist, genauso zugetragen haben muss. Darüber hinaus zeichnet das Buch Freundschaft sehr ergreifend und nachvollziehbar berührend. Das Frauenbild wird, da es aus den Augen zweier Männer gezeichnet wird, sehr auf eine sexuelle gesellschaftliche Rolle reduziert. Auch hier sind die Abgründe einer patriarchalen Gesellschaft und wie diese auch Prinzipien der Psychoanalyse prägen [schmerzhaft] spürbar. Ich hätte mir gerne mehr weibliche Perspektiven gewünscht, vielleicht durch einzelne Kapitel, die aus den Augen von Lou Salome geschrieben sind. Insgesamt stelle ich für all diejenigen, die sich für die Grundfragen des Lebens interessieren eine große Leseempfehlung aus. Dieses Buch hat das Potential grundsätzliche Sichtweisen auf das Leben zum Positiven zu ändern.

    20. Mai 2026

3 von 19 Rezensionen

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