Shams Hussein ist ein Überlebenskämpfer. Aus den unvorstellbarsten Situationen versucht er das Beste zu machen oder sich zumindest damit abzufinden. Es bleibt ihm aber auch nicht wirklich eine Wahl. Als seine Familie nach Bagdad zieht, um dort vor den Übergriffen des Regimes sicher zu sein, landen sie in den Slums und müssen sich mühselig ihr Haus selbst zusammenbauen. Die Wasser- und Stromversorgung ist nicht vorhanden und das Geld und Essen eigentlich immer knapp. In dieser Lebenslage findet Shams den Zugang zu Büchern und einem geheimen Treffen mehrere Leute, die den Ort „Palast der Miserablen“ nennt. Der Roman spielt zu Zeiten der Herrschaft Saddam Husseins. Die geschichtlichen Ereignisse werden nur nebenbei thematisiert. In erster Linie dreht sich die Handlung um Shams und seine Entwicklung. Die Schilderung seines (für westliche, privilegierte Augen) ungewohnten Lebens sind zwar interessant, da sie eine andere Lebenswirklichkeit darstellen, aber letztlich eher Alltagsschilderungen. Ihr müsst es euch so vorstellen: Ein Junge wird erwachsen und wir begleiten ihn dabei. Ob das nun in Deutschland spielt oder im Irak, letztlich ist es die Beschreibung des Alltags – ich fand das nicht besonders spannend. Und wisst ihr, was ich auch nicht mag? Inzestuöse Tendenzen. Gerade wenn sie so geschildert werden, als wäre das in Ordnung. Da „geilt“ sich der Junge an seiner älteren Schwester auf, indem er sie durch ein Loch im Badezimmer beobachtet. Oder schmiegt sich ganz nah an sie heran und bewegt sich so, dass er erregt wird. An der Stelle hat mich die Geschichte verloren. Ich kann so was nicht leiden, da meistens männlichen Autoren diese „Fantasien“ niederschreiben. (Letztlich möchte ich dem Autor nicht vorwerfen derartige Wünsche zu hegen, da ich Figur und Autor*in immer noch getrennt betrachte. Dennoch kritisiere ich dies hier, da ich die ungefilterte Darstellung der Sehnsucht des Protagonisten nicht nachvollziehen kann.). Die Handlung wird immer mal wieder durch eine zweite Handlungsebene unterbrochen, in der Shams sich in einer Zelle befindet. Letztlich wird zwar aufgeklärt, wieso er dort gelandet ist, aber das war wirklich nichts Spektakuläres und hat die Geschichte nicht besser gemacht. Die Erzählung zog sich etwas in die Länge und gefiel mir immer weniger, da die Szenen echt langweilig und emotionslos beschrieben worden sind. Der „Tagesspiegel“ schreibt, dass dies „sein bisher bestes Buch“ sei. Und wenn „Palast der Miserablen“ das beste Buch ist, brauche ich die anderen erst gar nicht lesen.
23. Sept. 2022
Shams Hussein ist ein Überlebenskämpfer. Aus den unvorstellbarsten Situationen versucht er das Beste zu machen oder sich zumindest damit abzufinden. Es bleibt ihm aber auch nicht wirklich eine Wahl. Als seine Familie nach Bagdad zieht, um dort vor den Übergriffen des Regimes sicher zu sein, landen sie in den Slums und müssen sich mühselig ihr Haus selbst zusammenbauen. Die Wasser- und Stromversorgung ist nicht vorhanden und das Geld und Essen eigentlich immer knapp. In dieser Lebenslage findet Shams den Zugang zu Büchern und einem geheimen Treffen mehrere Leute, die den Ort „Palast der Miserablen“ nennt. Der Roman spielt zu Zeiten der Herrschaft Saddam Husseins. Die geschichtlichen Ereignisse werden nur nebenbei thematisiert. In erster Linie dreht sich die Handlung um Shams und seine Entwicklung. Die Schilderung seines (für westliche, privilegierte Augen) ungewohnten Lebens sind zwar interessant, da sie eine andere Lebenswirklichkeit darstellen, aber letztlich eher Alltagsschilderungen. Ihr müsst es euch so vorstellen: Ein Junge wird erwachsen und wir begleiten ihn dabei. Ob das nun in Deutschland spielt oder im Irak, letztlich ist es die Beschreibung des Alltags – ich fand das nicht besonders spannend. Und wisst ihr, was ich auch nicht mag? Inzestuöse Tendenzen. Gerade wenn sie so geschildert werden, als wäre das in Ordnung. Da „geilt“ sich der Junge an seiner älteren Schwester auf, indem er sie durch ein Loch im Badezimmer beobachtet. Oder schmiegt sich ganz nah an sie heran und bewegt sich so, dass er erregt wird. An der Stelle hat mich die Geschichte verloren. Ich kann so was nicht leiden, da meistens männlichen Autoren diese „Fantasien“ niederschreiben. (Letztlich möchte ich dem Autor nicht vorwerfen derartige Wünsche zu hegen, da ich Figur und Autor*in immer noch getrennt betrachte. Dennoch kritisiere ich dies hier, da ich die ungefilterte Darstellung der Sehnsucht des Protagonisten nicht nachvollziehen kann.). Die Handlung wird immer mal wieder durch eine zweite Handlungsebene unterbrochen, in der Shams sich in einer Zelle befindet. Letztlich wird zwar aufgeklärt, wieso er dort gelandet ist, aber das war wirklich nichts Spektakuläres und hat die Geschichte nicht besser gemacht. Die Erzählung zog sich etwas in die Länge und gefiel mir immer weniger, da die Szenen echt langweilig und emotionslos beschrieben worden sind. Der „Tagesspiegel“ schreibt, dass dies „sein bisher bestes Buch“ sei. Und wenn „Palast der Miserablen“ das beste Buch ist, brauche ich die anderen erst gar nicht lesen.
23. Sept. 2022







