Blick ins Buch

Krimis

Nur der Mond war Zeuge

3,7(57)
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Deutsch
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Über das Buch

Milford ist ein Provinznest in England, in dem nie etwas passiert. In der einzigen Anwaltskanzlei führt der junge Robert Blair in 41. Generation die Geschäfte. Seine einzige Abwechslung sind die Kekse, die täglich zur tea time gereicht werden - bis eines Abends das Telefon klingelt. Marion Sharpe und ihre Mutter, die ein abgelegenes Herrenhaus bewohnen, haben Besuch von Scotland Yard. Ein junges Mädchen behauptet, von den beiden entführt und in ihr Haus verschleppt worden zu sein. Einen Monat lang wurde die 15-Jährige dort festgehalten, sagt sie, und musste als Haushälterin arbeiten, ehe ihr schließlich die Flucht gelang. Eine unerhörte Behauptung, eine Unverschämtheit! Allerdings: Das Mädchen kann jedes Detail im Innern des Hauses beschreiben. Der Anwalt, der sonst nur Testamente aufsetzt (für eine schrullige alte Dame jede zweite Woche ein neues), steht vor einer großen Herausforderung: Er soll die Unschuld der Frauen beweisen.

Editionen (3)

ISBN9783311300250
VerlagOKTOPUS bei Kampa
Erscheinungsdatum27.01.22
Seitenzahl432

Rezensionen & Bewertungen

57 Bewertungen

9 Rezensionen

3,7

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  • miss_mandrake
    miss_mandrake

    290 Follower

    5,0

    "The Franchise Affair", wie "Nur der Mond war Zeuge" im Original heißt, wurde im Jahr 1948 geschrieben und 1990 von der Crime Writer's Association zum 11. besten Kriminalroman aller Zeiten gewählt. Für viele Krimifans ist dieses Buch bereits ein Schatz und nach dem Lesen, kann ich mich dieser Meinung nur anschließen. Robert Blair ist Anwalt in einer englischen Kleinstadt und gewohnt, sich mit Testamenten, Grundstücksübertragungen und anderen kleinstädtischen Rechtsangelegenheiten zu befassen. Mit Anfang 40 ist er Junggeselle und lebt bei seiner Tante Lin, die sich liebevoll um ihn kümmert. Als eines Tages ein Anruf in der Kanzlei eingeht und die ihm vom Sehen her bekannte Marion Sharp um Hilfe bittet, zeigt er sich zunächst abgeneigt, da der Fall nicht zu seinem herkömmlichen Tagesgeschäft passt - denn Marion und ihre Mutter stehen in Verdacht ein 15-jähriges Mädchen entführt und auf dem Dachboden ihres Hauses eingesperrt und geschlagen zu haben. Aus einem Bauchgefühl heraus beschließt Robert jedoch kurze Zeit später den Fall vorerst zu übernehmen. Die Sharps bestreiten jegliche Beteiligung, doch die detaillierte Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers ist absolut stimmig und glaubwürdig. Es folgen Zeitungsskandale, polizeiliche Ermittlungen und schließlich eine Anklage, als weitere Beweise auftauchen. Doch wer erzählt die Wahrheit? ➸ Was für eine spannende und gut erzählte Geschichte hat hier all die Jahre auf mich gewartet? Ganz ehrlich? Ich habe absolut jede Seite dieses Krimis geliebt, denn nicht nur die Interaktionen zwischen den einzelnen Figuren waren hervorragend geschrieben, auch deren Tiefe und die psychologischen Dimensionen haben mich sehr beeindruckt. Glaubt man auf Seite 40 noch einen Charakter endlich zu begreifen, änderte sich meine Meinung bereits auf Seite 42 wieder und ich glaube, dass genau das auch am genialen Schreibstil der Autorin lag. Sie kennt ihre Figuren in- und auswendig, keiner gleicht dem anderen und sie alle haben ihre ganz eigene Stimme. Bis zum Ende hin sorgt Josephine Tey dafür, dass der Leser einfach nicht weiß, ob die Sharpes nun schuldig sind oder nicht, und da man so viel Zeit mit ihnen verbringt, wachsen sie einem immer mehr ans Herz, was einen möglichen Schuldspruch fast unerträglich werden lässt. Auch die englische Öffentlichkeit von damals wird hier unter die Lupe genommen, denn die Tendenz der Leser von Boulevardzeitungen alles zu glauben, was sie lesen und dementsprechend Urteile zu fällen, trifft den Nerv dieser Zeit sehr präzise (wahrscheinlich auch der der heutigen mehr denn je). Die Ermittlungen selbst sind realistisch und gut durchdacht und Teys Gespür fürs Timing ist nahezu perfekt - sie weiß genau, wann sie uns etwas verrät und wann sie uns weiter im Dunklen tappen lässt. Selbst der Prozess am Ende war eindrucksvoll ausgearbeitet und nicht nur plausibel, sondern auch auf eine gewisse Art befriedigend. Fazit: Ein must-read für Krimifans! In meinen Augen ein Klassiker, der durch den lebendigen und gelegentlich auch witzigen Schreibstil der Autorin einzigartig ist. Mit diesem Buch hier war ich von Anfang an per Du.

    3. Nov. 2024

  • marinrin
    marinrin

    54 Follower

    5,0

    Wunderbares Buch und welch tolles Ende!

    30. Apr. 2025

  • sannemarie
    sannemarie

    23 Follower

    4,0

    Ein bemerkenswerter Fall, ein Anwalt in einer Kleinstadt irgendwann in den 50er Jahren, Telefon noch mit Vermittlung. Eine ruhige Kriminalgeschichte, die zeigt, wie schnell Menschen vorverurteilt werden. Aber auch eine Geschichte, die durchgehend eine gewisse Spannung hält, da man nie sicher sein kann, wer die Wahrheit sagt. Mal was anderes.

    22. Aug. 2025

3 von 9 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Josephine Tey

Josephine Tey ist das Pseudonym der schottischen Autorin Elizabeth MacKintosh (1896–1952), die vor allem für ihre Kriminalromane bekannt geworden ist. Mit dem Schreiben begann sie, nachdem sie ihre Arbeit als Sportlehrerin aufgeben musste, um ihre Mutter zu pflegen, die an Krebs erkrankt war. Nach deren Tod kümmerte sich Tey um den Vater und blieb auch danach in ihrem Elternhaus wohnen. Tey lebte sehr zurückgezogen, mied Interviews und öffentliche Auftritte. Sie starb im Alter von 55 Jahren während einer Reise nach London. Ihr Roman Alibi für einen König wurde von der englischen Autorenvereinigung Crime Writers’ Association zum besten Kriminalroman aller Zeiten gewählt und 1969 mit dem Grand prix de littérature policière ausgezeichnet.

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