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"The Franchise Affair", wie "Nur der Mond war Zeuge" im Original heißt, wurde im Jahr 1948 geschrieben und 1990 von der Crime Writer's Association zum 11. besten Kriminalroman aller Zeiten gewählt. Für viele Krimifans ist dieses Buch bereits ein Schatz und nach dem Lesen, kann ich mich dieser Meinung nur anschließen. Robert Blair ist Anwalt in einer englischen Kleinstadt und gewohnt, sich mit Testamenten, Grundstücksübertragungen und anderen kleinstädtischen Rechtsangelegenheiten zu befassen. Mit Anfang 40 ist er Junggeselle und lebt bei seiner Tante Lin, die sich liebevoll um ihn kümmert. Als eines Tages ein Anruf in der Kanzlei eingeht und die ihm vom Sehen her bekannte Marion Sharp um Hilfe bittet, zeigt er sich zunächst abgeneigt, da der Fall nicht zu seinem herkömmlichen Tagesgeschäft passt - denn Marion und ihre Mutter stehen in Verdacht ein 15-jähriges Mädchen entführt und auf dem Dachboden ihres Hauses eingesperrt und geschlagen zu haben. Aus einem Bauchgefühl heraus beschließt Robert jedoch kurze Zeit später den Fall vorerst zu übernehmen. Die Sharps bestreiten jegliche Beteiligung, doch die detaillierte Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers ist absolut stimmig und glaubwürdig. Es folgen Zeitungsskandale, polizeiliche Ermittlungen und schließlich eine Anklage, als weitere Beweise auftauchen. Doch wer erzählt die Wahrheit? ➸ Was für eine spannende und gut erzählte Geschichte hat hier all die Jahre auf mich gewartet? Ganz ehrlich? Ich habe absolut jede Seite dieses Krimis geliebt, denn nicht nur die Interaktionen zwischen den einzelnen Figuren waren hervorragend geschrieben, auch deren Tiefe und die psychologischen Dimensionen haben mich sehr beeindruckt. Glaubt man auf Seite 40 noch einen Charakter endlich zu begreifen, änderte sich meine Meinung bereits auf Seite 42 wieder und ich glaube, dass genau das auch am genialen Schreibstil der Autorin lag. Sie kennt ihre Figuren in- und auswendig, keiner gleicht dem anderen und sie alle haben ihre ganz eigene Stimme. Bis zum Ende hin sorgt Josephine Tey dafür, dass der Leser einfach nicht weiß, ob die Sharpes nun schuldig sind oder nicht, und da man so viel Zeit mit ihnen verbringt, wachsen sie einem immer mehr ans Herz, was einen möglichen Schuldspruch fast unerträglich werden lässt. Auch die englische Öffentlichkeit von damals wird hier unter die Lupe genommen, denn die Tendenz der Leser von Boulevardzeitungen alles zu glauben, was sie lesen und dementsprechend Urteile zu fällen, trifft den Nerv dieser Zeit sehr präzise (wahrscheinlich auch der der heutigen mehr denn je). Die Ermittlungen selbst sind realistisch und gut durchdacht und Teys Gespür fürs Timing ist nahezu perfekt - sie weiß genau, wann sie uns etwas verrät und wann sie uns weiter im Dunklen tappen lässt. Selbst der Prozess am Ende war eindrucksvoll ausgearbeitet und nicht nur plausibel, sondern auch auf eine gewisse Art befriedigend. Fazit: Ein must-read für Krimifans! In meinen Augen ein Klassiker, der durch den lebendigen und gelegentlich auch witzigen Schreibstil der Autorin einzigartig ist. Mit diesem Buch hier war ich von Anfang an per Du.
3. Nov. 2024
"The Franchise Affair", wie "Nur der Mond war Zeuge" im Original heißt, wurde im Jahr 1948 geschrieben und 1990 von der Crime Writer's Association zum 11. besten Kriminalroman aller Zeiten gewählt. Für viele Krimifans ist dieses Buch bereits ein Schatz und nach dem Lesen, kann ich mich dieser Meinung nur anschließen. Robert Blair ist Anwalt in einer englischen Kleinstadt und gewohnt, sich mit Testamenten, Grundstücksübertragungen und anderen kleinstädtischen Rechtsangelegenheiten zu befassen. Mit Anfang 40 ist er Junggeselle und lebt bei seiner Tante Lin, die sich liebevoll um ihn kümmert. Als eines Tages ein Anruf in der Kanzlei eingeht und die ihm vom Sehen her bekannte Marion Sharp um Hilfe bittet, zeigt er sich zunächst abgeneigt, da der Fall nicht zu seinem herkömmlichen Tagesgeschäft passt - denn Marion und ihre Mutter stehen in Verdacht ein 15-jähriges Mädchen entführt und auf dem Dachboden ihres Hauses eingesperrt und geschlagen zu haben. Aus einem Bauchgefühl heraus beschließt Robert jedoch kurze Zeit später den Fall vorerst zu übernehmen. Die Sharps bestreiten jegliche Beteiligung, doch die detaillierte Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers ist absolut stimmig und glaubwürdig. Es folgen Zeitungsskandale, polizeiliche Ermittlungen und schließlich eine Anklage, als weitere Beweise auftauchen. Doch wer erzählt die Wahrheit? ➸ Was für eine spannende und gut erzählte Geschichte hat hier all die Jahre auf mich gewartet? Ganz ehrlich? Ich habe absolut jede Seite dieses Krimis geliebt, denn nicht nur die Interaktionen zwischen den einzelnen Figuren waren hervorragend geschrieben, auch deren Tiefe und die psychologischen Dimensionen haben mich sehr beeindruckt. Glaubt man auf Seite 40 noch einen Charakter endlich zu begreifen, änderte sich meine Meinung bereits auf Seite 42 wieder und ich glaube, dass genau das auch am genialen Schreibstil der Autorin lag. Sie kennt ihre Figuren in- und auswendig, keiner gleicht dem anderen und sie alle haben ihre ganz eigene Stimme. Bis zum Ende hin sorgt Josephine Tey dafür, dass der Leser einfach nicht weiß, ob die Sharpes nun schuldig sind oder nicht, und da man so viel Zeit mit ihnen verbringt, wachsen sie einem immer mehr ans Herz, was einen möglichen Schuldspruch fast unerträglich werden lässt. Auch die englische Öffentlichkeit von damals wird hier unter die Lupe genommen, denn die Tendenz der Leser von Boulevardzeitungen alles zu glauben, was sie lesen und dementsprechend Urteile zu fällen, trifft den Nerv dieser Zeit sehr präzise (wahrscheinlich auch der der heutigen mehr denn je). Die Ermittlungen selbst sind realistisch und gut durchdacht und Teys Gespür fürs Timing ist nahezu perfekt - sie weiß genau, wann sie uns etwas verrät und wann sie uns weiter im Dunklen tappen lässt. Selbst der Prozess am Ende war eindrucksvoll ausgearbeitet und nicht nur plausibel, sondern auch auf eine gewisse Art befriedigend. Fazit: Ein must-read für Krimifans! In meinen Augen ein Klassiker, der durch den lebendigen und gelegentlich auch witzigen Schreibstil der Autorin einzigartig ist. Mit diesem Buch hier war ich von Anfang an per Du.
3. Nov. 2024






