Nackt in die DDR. Mein Urgroßonkel Willi Sitte und was die ganze Geschichte mit mir zu tun hat

Nackt in die DDR. Mein Urgroßonkel Willi Sitte und was die ganze Geschichte mit mir zu tun hat

Hardcover
4.47

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Beschreibung

Lieber vom Leben gezeichnet als von Sitte gemalt?

Willi Sitte – Künstler, überzeugter Kommunist, Funktionär, Machtmensch. Er gilt als einer der einflussreichsten und umstrittensten Maler der DDR. Aron Boks ist sein Urgroßneffe und hat sich bisher kaum für seinen berühmten Verwandten interessiert. Bis bei einem Familientreffen plötzlich ein Gemälde auftaucht: Die Heilige Familie. Aron beginnt, Fragen zu stellen: Wer war Willi Sitte wirklich, was trieb ihn an?

Das Gemälde wird zum Ausgangspunkt seiner biografischen Recherche, die ihn mit Geschehnissen während und nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders mit den Jahren vor und nach der » Wende« konfrontiert. Irgendwann wird ihm klar, dass die Beschäftigung mit seiner Familie und der DDR auch zu einer Beschäftigung mit sich selbst wird. Aron sammelt, fragt nach und fügt Ereignisse zusammen, die Willi Sitte auf seinem Lebensweg prägten. Zu den Zeitzeugen, mit denen er spricht, gehören neben Ingrid Sitte auch Wolf Biermann, Gerhard Wolf und Volker Braun.

Für Aron, der die DDR selbst nicht mehr erlebt hat, zeigt sich der Maler Willi Sitte als Mensch in all seiner Zerrissenheit. Zwischen Ideologie und Idealismus, Ruhm, Macht, Kunst und Anerkennung. Eine Suche, die uns zu den wichtigsten Fragen der jüngsten Vergangenheit Deutschlands führt.


»Eine Spurensuche, bei der Aron Erinnerungen von Zeitzeugen und aktuelle Ereignisse dokumentarisch miteinander verwebt. Dabei herausgekommen ist seine ganz eigene Geschichte. Eine großartige Annäherung an ein Land, das es nicht mehr gibt, aber unsere Gegenwart weiterhin prägt.«

Alexander Kluge

»Es gibt viele Bücher Nachgeborener über die DDR, viele Bücher über die Suche nach diesem untergegangenen Land und der Frage danach, was das mit der eigenen Biografie zu tun hat. Aron Boks gelingt, was viele nur vortäuschen: Er hat ernsthaftes Interesse. Empathisch, kritisch, feinfühlig legt er die Ambivalenzen offen, die sich ergeben, wenn man sich mit ›der DDR‹ beschäftigt. Chapeau!«

Lukas Rietzschel, Autor des Bestsellers Raumfahrer

Buchinformationen

Haupt-Genre
Fachbücher
Sub-Genre
Kunst
Format
Hardcover
Seitenzahl
400
Preis
24.70 €

Autorenbeschreibung

ARON BOKS wurde 1997 in Wernigerode geboren und lebt als Autor, Slam Poet und Moderator in Berlin-Charlottenburg. 2019 erhielt er den Klopstock-Förderpreis für Neue Literatur. Seit 2021 schreibt er vor allem für die taz und die taz.FUTURZWEI-Kolumne »Stimme meiner Generation«. 2023 erschien sein Buch »Nackt in die DDR«, in dem er sich auf die Lebensspuren seines Urgroßonkels, dem Künstler und Funktionär Willi Sitte begibt. Das Buch fand großes Medienecho. Aron Boks selbst hat die DDR nie erlebt. Die Recherche und Arbeit am Buch bedeuteten für ihn auch den Zugang in die verstärkte Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Geschichte und ihrer Bedeutung für die Gegenwart. Neben seiner Schreibtätigkeit moderiert Boks zu diesem Thema Literatur- und Gesprächsveranstaltungen mit Nachwendekindern aus Ost- und Westdeutschland.

Beiträge

1
Alle
4.5

Aron Boks gelingt es, die vielen Facetten Willi Sittes deutlich zu machen, die Ambivalenzen und Vielschichtigkeit herauszuarbeiten, wo die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen liegt.

„Lieber vom Leben zeichnet als von Sitte gemalt.“ – ein Spruch der mir nicht nur einmal begegnet ist, als ich Personen in meinem Umfeld von dem Buch „Nackt in der DDR“ erzählt habe und mit dem ich im ersten Moment nichts anfangen konnte. Der umstrittene Künstler Willi Sitte war für mich, bevor ich das Buch gelesen habe, ein unbeschriebenes Blatt, da ich mich nie mit Kunst aus der DDR beschäftigt habe. Doch wer war Willi Sitte eigentlich? Künstler? Kommunist? Funktionär?  Partisane? Dieser Frage geht Aron Boks, Urgroßneffe von Willi Sitte, in seinem neuen Buch „Nackt in die DDR“ nach. Der Autor hat die DDR selbst nicht miterlebt, macht sich aber auf die Spurensucher innerhalb seiner Familiengeschichte. Wir verfolgen Aron Boks wie er versucht, mehr über seine Familie und Willi Sitte herauszufinden. Er führt Gespräche mit Familienmitgliedern, Künstlern, Historikern, Kuratoren, Stasi und vielen mehr und beginnt die Lebensgeschichte seines Urgroßonkels und gleichzeitig seiner Familie nachzuzeichnen. Mich konnte die Offenheit, mit der Aron Boks in die Gespräche geht, begeistern. Er fragt nach, neugierig, empathisch, aber auch kritisch. Anhand der Biografie von Willi Sitte wird auch der Umgang der SED mit Kunst und Kultur in der DDR deutlich. Liberalisierungsperioden und Phasen starker Einschränkungen. Es ergibt sich ein Bild von Willi Sitte, bei dem immer neue Farbschichten auftauchen, entfernt man die Oberste. Ein Bild von Zerrissenheit zwischen ideologischer Überzeugung und der Realität der DDR. Zwischen Kritik am sozialistischen Realismus, Wunsch nach Raum für größere künstlerische Freiheit und seinem Aufstieg als Funktionär in der SED. Aron Boks gelingt es, die vielen Facetten Willi Sittes deutlich zu machen, die Ambivalenzen und Vielschichtigkeit herauszuarbeiten, wo die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen liegt.

Aron Boks gelingt es, die vielen Facetten Willi Sittes deutlich zu machen, die Ambivalenzen und Vielschichtigkeit herauszuarbeiten, wo die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen liegt.
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