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›Wenn ich dich anschaue, sehe ich eine Kriegerin vor mir. Ich sehe eine Frau, die stolz, voller Ehrgefühl und mutig ist. Und in meinen Augen bist du wunderschön.‹ ›Das hat … noch nie jemand zu mir gesagt.‹ ›Dann wird es Zeit, dass du es endlich hörst. Und siehst.‹
Manchmal greift man zu einem Buch, weil es schon viel zu lange ungelesen auf der TBR liegt – und wird dann vollkommen abgeholt. Klingenherz war für mich genau so ein Buch. Die anfängliche Skepsis, ob eine Geschichte mit einem Schwert als zentralem Protagonisten wirklich funktionieren kann, war schnell vergessen. Asuka Lionera beweist hier eindrucksvoll, dass ungewöhnliche Konzepte nicht nur tragfähig sind, sondern der Geschichte sogar eine besondere emotionale Tiefe verleihen können. Im Zentrum steht Delmira, eine Protagonistin, die wohltuend mit klassischen Fantasy-Klischees bricht. Sie ist weder zierlich noch geheimnisvoll-adelig, sondern eine ausgebildete Ritterin mit muskulösem Körper, klaren Prinzipien und einer rauen Direktheit. Besonders stark fand ich ihren inneren Konflikt mit ihrem Geschlecht: Mira ist überzeugt, dass sie als Frau niemals wirklich als Ritter ernst genommen wird. Sie versteckt ihren Körper, verflucht dessen Sichtbarkeit und versucht, sich einer Rolle anzupassen, die ihr Schutz verspricht, sie aber gleichzeitig einengt. Dieser Aspekt wird sensibel, glaubwürdig und ohne Sensationslust erzählt und macht Mira zu einer der greifbarsten Fantasy-Figuren, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Garreth bildet dazu einen spannenden Gegenpol. Als Heiler ohne Kampferfahrung ist er freundlich, loyal und von einer fast schon stillen Stärke geprägt. Auch er ist auf der Suche nach seinem Schicksalsgebundenen – der Prinzessin von Valencia –, und genau diese Suche führt ihn zu Mira. Besonders mochte ich, dass Garreth nicht als klassischer „nutzloser Sidekick“ dargestellt wird. Seine emotionale Unterstützung, seine Loyalität und seine Menschlichkeit machen ihn zu einer wichtigen Säule der Geschichte. Zwischen ihm und Mira entwickelt sich eine echte Freundschaft, die der Handlung viel Wärme gibt. Das Herzstück der Geschichte ist jedoch Varyan – der Prinz, dessen Geist im Schwert Caligram gefangen ist. Was auf dem Papier leicht gimmickhaft wirken könnte, entfaltet sich im Roman als überraschend vielschichtige Figur. Varyan ist abweisend, rechthaberisch und oft sarkastisch, doch unter dieser Oberfläche verbirgt sich Schmerz, Angst und Schuld. Seine Vergangenheit, der Handel mit der Seehexe und die grausame Strafe machen ihn tragisch und nachvollziehbar zugleich. Besonders berührend ist, dass er Miras Berührungen genießt, weil sie frei von Besitzanspruch oder Gier sind – ein Detail, das seine Isolation umso deutlicher macht. Das Worldbuilding ist klar strukturiert und dennoch reich an Details. Die vier Reiche, allen voran das hungernde Bellvor und das fruchtbare Lerthau, setzen starke Kontraste. Die Hexen mit ihren Elementen, der Rote Tod und die daraus entstandene Ödnis sowie das religiöse Konzept der Schicksalsgebundenen geben der Welt Tiefe und kulturelle Schwere. Schicksal ist hier keine romantische Idee, sondern ein gesellschaftliches Dogma – und genau das macht die Konflikte so spannend. Auch der Plot überzeugt durch eine gelungene Mischung aus klassischer Quest und emotionaler Eskalation. Was als einfacher Auftrag beginnt – ein Schwert aus dem Stein zu ziehen –, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte über freien Willen, Schuld, göttliche Ordnung und Selbstbestimmung. Besonders stark ist, dass Spannung nicht nur durch äußere Gefahren entsteht, sondern durch moralische Entscheidungen. Varyans bewusste Irreführung aus Angst vor weiterer Qual verleiht der Handlung Grauzonen, die man als Leser*in nicht einfach verurteilen kann. Der Romance-Anteil ist dabei überraschend intensiv. Wer glaubt, eine Geschichte über ein Schwert könne keine echte Romantik enthalten, wird hier eines Besseren belehrt. Die emotionale Annäherung ist langsam, organisch und lebt von Vertrauen, Gesprächen und Nähe – nicht von schnellen Gesten. Gerade diese Zurückhaltung macht die Beziehung so wirkungsvoll. Der Schreibstil ist eine absolute Stärke. Die Seiten fliegen nur so dahin, ohne dass Tiefe oder Atmosphäre verloren gehen. Dialoge wirken lebendig, Emotionen kommen an, und selbst ruhigere Passagen tragen die Geschichte mühelos. Das Ende schließlich ist ein klassischer, schmerzhafter Cliffhanger – genau an der Stelle, an der man unbedingt weiterlesen will. Dass es sich um eine abgeschlossene Dilogie handelt, ist hier wirklich ein Segen. Klingenherz ist für mich ein echtes Fantasy-Highlight: mutig im Konzept, stark in den Figuren, emotional, spannend und hervorragend umgesetzt. Ein Buch, das zeigt, wie frisch klassische Fantasy sein kann, wenn man bekannte Elemente neu denkt.
3. Jan. 2026
›Wenn ich dich anschaue, sehe ich eine Kriegerin vor mir. Ich sehe eine Frau, die stolz, voller Ehrgefühl und mutig ist. Und in meinen Augen bist du wunderschön.‹ ›Das hat … noch nie jemand zu mir gesagt.‹ ›Dann wird es Zeit, dass du es endlich hörst. Und siehst.‹
Manchmal greift man zu einem Buch, weil es schon viel zu lange ungelesen auf der TBR liegt – und wird dann vollkommen abgeholt. Klingenherz war für mich genau so ein Buch. Die anfängliche Skepsis, ob eine Geschichte mit einem Schwert als zentralem Protagonisten wirklich funktionieren kann, war schnell vergessen. Asuka Lionera beweist hier eindrucksvoll, dass ungewöhnliche Konzepte nicht nur tragfähig sind, sondern der Geschichte sogar eine besondere emotionale Tiefe verleihen können. Im Zentrum steht Delmira, eine Protagonistin, die wohltuend mit klassischen Fantasy-Klischees bricht. Sie ist weder zierlich noch geheimnisvoll-adelig, sondern eine ausgebildete Ritterin mit muskulösem Körper, klaren Prinzipien und einer rauen Direktheit. Besonders stark fand ich ihren inneren Konflikt mit ihrem Geschlecht: Mira ist überzeugt, dass sie als Frau niemals wirklich als Ritter ernst genommen wird. Sie versteckt ihren Körper, verflucht dessen Sichtbarkeit und versucht, sich einer Rolle anzupassen, die ihr Schutz verspricht, sie aber gleichzeitig einengt. Dieser Aspekt wird sensibel, glaubwürdig und ohne Sensationslust erzählt und macht Mira zu einer der greifbarsten Fantasy-Figuren, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Garreth bildet dazu einen spannenden Gegenpol. Als Heiler ohne Kampferfahrung ist er freundlich, loyal und von einer fast schon stillen Stärke geprägt. Auch er ist auf der Suche nach seinem Schicksalsgebundenen – der Prinzessin von Valencia –, und genau diese Suche führt ihn zu Mira. Besonders mochte ich, dass Garreth nicht als klassischer „nutzloser Sidekick“ dargestellt wird. Seine emotionale Unterstützung, seine Loyalität und seine Menschlichkeit machen ihn zu einer wichtigen Säule der Geschichte. Zwischen ihm und Mira entwickelt sich eine echte Freundschaft, die der Handlung viel Wärme gibt. Das Herzstück der Geschichte ist jedoch Varyan – der Prinz, dessen Geist im Schwert Caligram gefangen ist. Was auf dem Papier leicht gimmickhaft wirken könnte, entfaltet sich im Roman als überraschend vielschichtige Figur. Varyan ist abweisend, rechthaberisch und oft sarkastisch, doch unter dieser Oberfläche verbirgt sich Schmerz, Angst und Schuld. Seine Vergangenheit, der Handel mit der Seehexe und die grausame Strafe machen ihn tragisch und nachvollziehbar zugleich. Besonders berührend ist, dass er Miras Berührungen genießt, weil sie frei von Besitzanspruch oder Gier sind – ein Detail, das seine Isolation umso deutlicher macht. Das Worldbuilding ist klar strukturiert und dennoch reich an Details. Die vier Reiche, allen voran das hungernde Bellvor und das fruchtbare Lerthau, setzen starke Kontraste. Die Hexen mit ihren Elementen, der Rote Tod und die daraus entstandene Ödnis sowie das religiöse Konzept der Schicksalsgebundenen geben der Welt Tiefe und kulturelle Schwere. Schicksal ist hier keine romantische Idee, sondern ein gesellschaftliches Dogma – und genau das macht die Konflikte so spannend. Auch der Plot überzeugt durch eine gelungene Mischung aus klassischer Quest und emotionaler Eskalation. Was als einfacher Auftrag beginnt – ein Schwert aus dem Stein zu ziehen –, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte über freien Willen, Schuld, göttliche Ordnung und Selbstbestimmung. Besonders stark ist, dass Spannung nicht nur durch äußere Gefahren entsteht, sondern durch moralische Entscheidungen. Varyans bewusste Irreführung aus Angst vor weiterer Qual verleiht der Handlung Grauzonen, die man als Leser*in nicht einfach verurteilen kann. Der Romance-Anteil ist dabei überraschend intensiv. Wer glaubt, eine Geschichte über ein Schwert könne keine echte Romantik enthalten, wird hier eines Besseren belehrt. Die emotionale Annäherung ist langsam, organisch und lebt von Vertrauen, Gesprächen und Nähe – nicht von schnellen Gesten. Gerade diese Zurückhaltung macht die Beziehung so wirkungsvoll. Der Schreibstil ist eine absolute Stärke. Die Seiten fliegen nur so dahin, ohne dass Tiefe oder Atmosphäre verloren gehen. Dialoge wirken lebendig, Emotionen kommen an, und selbst ruhigere Passagen tragen die Geschichte mühelos. Das Ende schließlich ist ein klassischer, schmerzhafter Cliffhanger – genau an der Stelle, an der man unbedingt weiterlesen will. Dass es sich um eine abgeschlossene Dilogie handelt, ist hier wirklich ein Segen. Klingenherz ist für mich ein echtes Fantasy-Highlight: mutig im Konzept, stark in den Figuren, emotional, spannend und hervorragend umgesetzt. Ein Buch, das zeigt, wie frisch klassische Fantasy sein kann, wenn man bekannte Elemente neu denkt.
3. Jan. 2026








