Monster

Monster

Hardcover
4.127
ErinnerungTraumaGeschichteBelzec

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Beschreibung

Am Ende des Romans steht eine Eskalation: Ein israelischer Tourguide streckt im Konzentrationslager von Treblinka einen deutschen Dokumentarfilmer mit einem Faustschlag nieder. Wie kam es dazu? In einem Bericht an seinen ehemaligen Chef schildert der Mann, wie er jahrelang Schulklassen, Soldaten und Touristen durch NS-Gedenkstätten geführt hat und wie unterschiedlich diese mit der Erinnerung an den Holocaust umgehen. Nach und nach zeigt sich, dass seine Arbeit nicht
spurlos an dem jungen Familienvater vorübergeht – die Grauen der Geschichte entwickeln einen Sog, gegen den keine akademische Distanz ankommt. Gleichzeitig wächst sein Frust über die eigene familiäre und berufliche Situation. Am Ende wollen alle in erster Linie aus dem Holocaust – und dem Gedenken daran – einen Nutzen für sich selbst ziehen. Als der Erzähler das erkennt, wird er vom Beobachter zum Akteur, und der Kreislauf der Gewalt vollendet sich.
Yishai Sarid, einer der bekanntesten Autoren Israels, wirft in seinem Roman ein neues Licht auf die Erinnerungskultur, wagt sich an vermeintlich unantastbare Fragen und stellt in stillem, unaufgeregtem Ton eingefahrene Denkmuster infrage.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
176
Preis
22.70 €

Autorenbeschreibung

Yishai Sarid wurde 1965 in Tel Aviv geboren, wo er bis heute lebt. Nachdem er als Nachrichtenoffizier tätig war, studierte er in Jerusalem und an der Harvard University und arbeitete später als Staatsanwalt. Heute arbeitet er als Rechtsanwalt und veröffentlicht Artikel in diversen Zeitungen. Bei Kein & Aber erschienen bislang seine Romane Limassol (2010), Alles andere als ein Kinderspiel (2014), Monster (2019), Siegerin (2021) und zuletzt Schwachstellen (2023).

Beiträge

3
Alle
5

ein großartiges, tiefgreifendes buch mit sogwirkung

monster erzählt davon, wie die geschichte einen auffressen kann. nicht die eigene. nicht ganz. sondern das fach geschichte, das studium, das beschäftigen mit genozid. der ich-erzähler will das eigentlich gar nicht, aber ihm bleibt letztlich nichts anderes übrig, als seine doktorarbeit über die "verschiedenen methoden der vernichtung in nationalsozialistischen konezntrationslagern" zu schreiben. am anfang läuft es gut. er wird bei yad vashem (internationale holocaust gedenkstätte) angestellt und darf führungen für schulgruppen und israelische soldat•innen machen, während er an seiner doktorarbeit schreibt. er sieht die vernichtungslager in polen fast jeden tag. kennt sie auswendig. all die fakten. und er bemüht sich zu beginn, emotionalität auszusparen, das will er nicht. aber es sind fragwürdige aussagen von schulgruppen, menschen, die trauern und zugleich das leben feiern wollen - denn sie sind noch hier, weil ihre großeltern den holocaust überlebt haben - die den protagonisten zunehmend verwirren. hier geht es um vernichtung. um mord. nicht um hoffnung oder tanzen mit israelischen flaggen oder good vibes. er gerät immer mehr in schieflage. Seine gedanken hetzen einen durch den roman, der eigentlich ein brief ist, den er als entschuldigung an den direktor von yad vashem schreibt. der brief endet wirr und lässt viel offen. mich hat die geschichte erschrocken, weil ich das kenne, weil ein prof an der uni mal davor gewarnt hat, wie wesentlich es ist, immer wieder distanz zu gewinnen, denn es kommt immer der punkt, an dem mensch sich klar sagen muss: das, was passiert ist, ist nicht meine geschichte und nicht mein leben. wir sind historiker•innen, wir behüten die erinnerung, wir zeigen auf, wir analysieren, wir hinterfragen. und es ist eine fast gruselige erfahrung und in monster von yishai sarid richtig gut dargestellt: was passiert, wenn du dich vom monster der erinnerung verspeisen lässt, weil du nicht mehr sehen kannst, was zu dir gehört und was nicht, wenn die vergangenheit dich untergräbt und du den wissenschaftlichen zugang zum thema verlierst, weil du plötzlich persönlich involviert bist. und mitten in der geschichte stehst. ein wirklich großartiges buch mit sogwirkung.

4.5

Eine gewagte, aber gelungene neue Perspektive auf das Thema Erinnerungskultur. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

4

Für mich ist dieses Buch fesselnd und sehr beeindruckend. Der Roman regt zum Nachdenken kann, ist ehrlich und stark, geht aber auch unter die Haut. Wir begegnen hier dem Ich-Erzähler, der als Guide Führungen durch Gedenkstätten des Holocausts durchführt. Der Ich-Erzähler schreibt einen Brief an seinen Chef, darin versucht er zu erklären, wie er zu dem Job kam, aber auch, wieso er am Ende im Lager Treblinka einen deutschen Regisseur mit einem Faustschlag niederstreckt. Der Schreibstil und der Aufbau des Briefs ist unglaublich fesselnd. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Mit „Monster“ sind die Monster der Vergangenheit gemeint, die aber auch bis in die aktuelle Gegenwart hineinreichen und ihr Werk treiben. Sarid stellt offene, mutige Fragen, die in Israel hinter vorgehaltener Hand nur gestellt werden. Z.B. was ist die Verbindung zwischen vernichtenden Juden damals und den Israelis heute? Mit seiner direkten, offenen Art trifft er auch bei mir, der deutschsprachigen Leserin, mitten ins Herz. Ich bin mir sicher, dass dieses Buch in Israel für einige Diskussionen/Debatten gesorgt hat.

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