Moskau, 1936. Die deutsche Kommunistin Charlotte ist der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gerade noch entkommen. Im Spätsommer bricht sie mit ihrem Mann Wilhelm und der jungen Britin Jill auf zu einer mehrwöchigen Reise durch die neue Heimat Sowjetunion. Alle drei sind Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der Komintern, wo Kommunisten aller Länder beschäftigt sind. Umso schwerer wiegt, dass unter den "Volksfeinden", denen gerade in Moskau der Prozess gemacht wird, einer ist, den Lotte besser kennt, als ihr lieb sein kann. Nach dem internationalen Erfolg von 'In Zeiten des abnehmenden Lichts' kehrt Eugen Ruge zurück zur Geschichte seiner Familie. Metropol folgt drei Menschen auf dem schmalen Grat zwischen Überzeugung und Wissen, Loyalität und Gehorsam, Verdächtigung und Verrat.
Verwirrend am Anfang und dann überraschend spannend 🧐 😎 sehr lesenswert 👍🏻
Eugen Ruge erzählt die Geschichte seiner Großmutter im stalinistischen Russland. Partei, Geheimdienst, Verhaftungen, Heimlichkeiten, Eliten und Menschen die Schlange stehen um etwas Essen zu kaufen…Ich konnte mir vieles sehr gut vorstellen, da ich derartige Geschichten auch von meinen Großeltern kenne.
28. Aug. 2024
4,0
Verwirrend am Anfang und dann überraschend spannend 🧐 😎 sehr lesenswert 👍🏻
Eugen Ruge erzählt die Geschichte seiner Großmutter im stalinistischen Russland. Partei, Geheimdienst, Verhaftungen, Heimlichkeiten, Eliten und Menschen die Schlange stehen um etwas Essen zu kaufen…Ich konnte mir vieles sehr gut vorstellen, da ich derartige Geschichten auch von meinen Großeltern kenne.
Eintauchen in Ruges Familiengeschichte, besonders spannend durch echte Dokumente aus dem russ. Staatsarchiv, kongenial gelesen von Noethen.
Wieviel Recherchearbeit Eugen Ruge in seinen Roman Metropol gesteckt hat, ist von Anfang an durch die immer wieder eingeschobenen Auszüge aus dem russischen Staatsarchiv spürbar und wird durch den Epilog, der die Entstehungsgeschichte dieses biographisch fundierten Romans nachzeichnet, noch ersichtlicher.
"Dies ist die Geschichte, die du nie erzählt hast" wendet sich der Erzähler/Autor an seine bereits verstorbene Großmutter, die nach der Machtergreifung der Nazis als deutsche Kommunistin viereinhalb Jahre in Moskau gelebt hat. Und lässt uns dann - gestützt auf Angaben aus ihrer Kaderakte - nach Russland in das Jahr 1936 reisen, wo Charlotte für den "Außengeheimdienst" der Sowjetunion, den OMS, tätig ist.
Im Laufe des Romans führt uns der Autor die Absurdität von Stalins Parteisäuberungen vor Augen und zeigt uns auch (aus unterschiedlichen Perspektiven), was es heißt, tagtäglich an diesem Ort zu dieser Zeit gelebt zu haben.
Ruge liefert viele Details aus dem Alltag seiner Protagonisten, beschreibt ihre Gedankengänge, Handlungen und Gefühle. Dadurch wurde die Geschichte insgesamt sehr lebendig, fühlte sich für mich gen Ende hin - als ich zusammen mit den Protagonisten voller Ungewissheit warten, warten, warten musste - aber auch ein ganz klein wenig langatmig an. Im Grunde kann aber auch das als Pluspunkt des Romans genannt werden und als Beweis für die lebendige Schilderung des Geschehenen herangezogen werden.
Mir hat der reale Bezug imponiert, und vor allem, dass der Autor es geschafft hat, das in den Auszügen aus der Kaderakte Angedeutete so gut zum Leben zu erwecken. Ich konnte zum Beispiel genau nachempfinden, auf welche sprachlichen Probleme die Protagonisten in ihrer neuen Heimat stießen, welche planwirtschaftsbedingten Probleme ihren Alltag erschwerten, welche elementare Hoffnung und welche tiefgehenden Ängste sie begleiteten, welche große Macht der stalinsche Terrorapparat hatte und wie sich das konkret zeigte.
Fazit:
Ein großer Roman, der ein Stück unglaublicher (Familien-)Geschichte lebendig nacherzählt. Kongenial gelesen von Ulrich Noethen, der sogar die Aussprache der russischen Namen und Begriffe gut gemeistert hat.
15. Feb. 2023
5,0
Eintauchen in Ruges Familiengeschichte, besonders spannend durch echte Dokumente aus dem russ. Staatsarchiv, kongenial gelesen von Noethen.
Wieviel Recherchearbeit Eugen Ruge in seinen Roman Metropol gesteckt hat, ist von Anfang an durch die immer wieder eingeschobenen Auszüge aus dem russischen Staatsarchiv spürbar und wird durch den Epilog, der die Entstehungsgeschichte dieses biographisch fundierten Romans nachzeichnet, noch ersichtlicher.
"Dies ist die Geschichte, die du nie erzählt hast" wendet sich der Erzähler/Autor an seine bereits verstorbene Großmutter, die nach der Machtergreifung der Nazis als deutsche Kommunistin viereinhalb Jahre in Moskau gelebt hat. Und lässt uns dann - gestützt auf Angaben aus ihrer Kaderakte - nach Russland in das Jahr 1936 reisen, wo Charlotte für den "Außengeheimdienst" der Sowjetunion, den OMS, tätig ist.
Im Laufe des Romans führt uns der Autor die Absurdität von Stalins Parteisäuberungen vor Augen und zeigt uns auch (aus unterschiedlichen Perspektiven), was es heißt, tagtäglich an diesem Ort zu dieser Zeit gelebt zu haben.
Ruge liefert viele Details aus dem Alltag seiner Protagonisten, beschreibt ihre Gedankengänge, Handlungen und Gefühle. Dadurch wurde die Geschichte insgesamt sehr lebendig, fühlte sich für mich gen Ende hin - als ich zusammen mit den Protagonisten voller Ungewissheit warten, warten, warten musste - aber auch ein ganz klein wenig langatmig an. Im Grunde kann aber auch das als Pluspunkt des Romans genannt werden und als Beweis für die lebendige Schilderung des Geschehenen herangezogen werden.
Mir hat der reale Bezug imponiert, und vor allem, dass der Autor es geschafft hat, das in den Auszügen aus der Kaderakte Angedeutete so gut zum Leben zu erwecken. Ich konnte zum Beispiel genau nachempfinden, auf welche sprachlichen Probleme die Protagonisten in ihrer neuen Heimat stießen, welche planwirtschaftsbedingten Probleme ihren Alltag erschwerten, welche elementare Hoffnung und welche tiefgehenden Ängste sie begleiteten, welche große Macht der stalinsche Terrorapparat hatte und wie sich das konkret zeigte.
Fazit:
Ein großer Roman, der ein Stück unglaublicher (Familien-)Geschichte lebendig nacherzählt. Kongenial gelesen von Ulrich Noethen, der sogar die Aussprache der russischen Namen und Begriffe gut gemeistert hat.
Sehr emotionale Geschichte. Ich konnte mich sehr gut in die Akteure hineinversetzen. Unglaublich ehrliche Sprache. Dieses Buch wird mit jedem Leser etwas machen
8. Feb. 2025
4,5
Sehr emotionale Geschichte. Ich konnte mich sehr gut in die Akteure hineinversetzen. Unglaublich ehrliche Sprache. Dieses Buch wird mit jedem Leser etwas machen