Humor

Meister und Margarita. Michail Bulgakow

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Über das Buch

Der Meister und Margarita - Bulgakows Roman zwischen Satire, Magie und Liebe

Moskau, 1930er Jahre: Ein geheimnisvoller Fremder tritt auf - Woland, ein Teufel in Gestalt eines eleganten Reisenden. Mit ihm erscheinen ein sprechender Kater, eine Hexe und groteske Begleiter. Sie bringen die Ordnung der Stadt ins Wanken, entlarven Gier, Heuchelei und Feigheit. Bulgakow zeigt eine Gesellschaft, die Gott vergessen hat - und in der das Menschliche auf eine harte Probe gestellt wird. Doch inmitten von Spott und Chaos steht die Geschichte zweier Liebender: der "Meister", ein verfolgter Schriftsteller, und Margarita, die alles wagt, um ihn zu retten. Ihre Liebe ist kein sentimentales Ideal, sondern ein Widerstand gegen Zensur, Angst und Resignation.

Bulgakow verwebt diese Moskauer Farce mit einer zweiten Ebene: der Begegnung zwischen Pontius Pilatus und Jeschua. Hier fällt einer der eindringlichsten Sätze des Buches: "Die Feigheit ist das schlimmste Laster." Es ist eine Wahrheit, die Pilatus zerstört - und die zugleich in die Gegenwart spricht. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, in dem Angst, Macht und Verrat das Leben bestimmen. Und doch klingt ein anderes Wort als Gegenkraft auf: "Manuskripte brennen nicht." Ein Satz, der den Glauben an die Unzerstörbarkeit von Kunst und Wahrheit verkörpert. Was geschrieben, was gedacht ist, lässt sich nicht vernichten. Es lebt - selbst gegen Unterdrückung und Zensur.

"Der Meister und Margarita" ist damit kein gewöhnlicher Roman. Er ist Satire, Mythos, Liebesgeschichte, politische Parabel und metaphysische Allegorie zugleich. Ein Buch, das in den dunkelsten Zeiten entstanden ist - und gerade deshalb von Freiheit, Liebe und Unzerstörbarkeit spricht.

Das Werk gilt heute als einer der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts. Geschrieben im Schatten der stalinistischen Zensur, blieb das Werk zu Bulgakows Lebzeiten unveröffentlicht und erschien erst in den 1960er Jahren - zunächst in verstümmelter Form, dann vollständig. Sein verspätetes Erscheinen machte es sofort zu einer literarischen Sensation. Heute steht Bulgakows Werk auf einer Stufe mit den großen Klassikern der russischen Literatur - Dostojewski, Tolstoi, Gogol - und hat weltweit Schriftsteller, Künstler und Musiker inspiriert. Kaum ein anderer Roman verbindet politische Anklage, metaphysische Reflexion und phantastische Erzählkunst so kraftvoll und unvergänglich.

Editionen (22)

ISBN9783965451087
Verlagaionas Verlag
Erscheinungsdatum04.09.25
Seitenzahl360

Rezensionen & Bewertungen

350 Bewertungen

48 Rezensionen

4,0

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  • east
    east

    830 Follower

    4,5

    Ein Teil jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft

    Seltsame Dinge geschehen in Moskau. Zunächst kommt ein Zeitschriftenvorsitzender unter einigermaßen rätselhaften Bedingungen ums Leben, dann trifft es immer mehr Menschen: Unerklärliche Dinge geschehen, Menschen verlieren den Verstand oder gehen ganz verloren. Den wenigen, die versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, glaubt niemand ein einziges Wort, nur einer, der Meister, ein Schriftsteller in Schwierigkeiten, erkennt, was wirklich passiert: Der Teufel ist in der Stadt… Michail Bulgakow lädt den Leser mit seinem Hauptwerk, „Meister und Margarita“, auf eine Reise ins Moskau der 1930er Jahre ein. Zwischen Realität und Fantasie baut er eine Brücke, um der Gesellschaft seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten. Kein Wunder also, dass das Werk in Russland erst Jahrzehnte später veröffentlicht wurde. Inspiriert wurde Bulgakow wohl von Faust und anderen Erzählungen über das Wirken des Teufels, doch er fügt dem ganzen einen ganz neuen Ton bei. Bitterböse sarkastisch betrachtet er die Moskauer Gesellschaft und nimmt die Politik der Zeit aufs Korn, kritisiert Zensur und das Leben in Angst unter Stalin und dem Sowjetregime, spart dabei nicht mit schwarzem Humor. Erzählt wird auf drei verschiedenen Ebenen, das Bild, das der Autor wohl im Kopf hatte, setzt sich allerdings erst ganz zum Schluss zusammen. Vorher kann das Buch einigermaßen verwirrend sein. Genau darin liegt aber auch sein Charme, es geschehen unzählige absolut absurde (und auf jeder Seite moralisch fragwürdige) Dinge, die dem Leser auf erstaunlich unterhaltsame Weise nähergebracht werden. Trotz all seiner möglichen Interpretationsebenen, seinem bewusst chaotischen und zunächst zusammenhanglos wirkenden Erzählstil, trotz sehr vieler verschiedener Charaktere und Perspektiven erweist sich der Roman als auch erstaunlich einsteigerfreundlicher Klassiker mit lockerem und auf seine ganz eigene Weise mitreißenden Schreibstil. Es stört bei diesem Buch gar nicht, wenn man keine Ahnung hat, wo die Reise enden soll, der Weg ist das Ziel und der wiederum ist ein äußerst wilder Ritt, der noch lange nach dem Beenden des Buches als fasziniertes Fragezeichen nachhallt.

    Ein Teil jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft

    8. März 2026

  • wedalou
    wedalou

    82 Follower

    5,0

    Meisterhafter Klassiker! Auch beim erneuten Lesen überfällt mich die gleiche oder auch erweiterte Faszination. Welch wilder Ritt, tanzend durch die Genres, konfrontiert mit dem Guten und Bösen, mit Spiritualität und Teufel, mit scharfer Kritik und unbändiger Liebe. Ein ironisch-satirischer Blick auf Moskau, samt Politik, Bürokratie und Stalin selbst. Wer sich diese Kombination vorstellen kann, gepaart mit viel Magie und skurrilen Ideen, es mag zu recherchieren, weil hinter jedem Satz, eine gewichtige Bedeutung stecken könnte, sollte unbedingt diesen Roman lesen! Auch sehr empfehlenswert innerhalb einer Leserunde, viel Stoff zum Diskutieren ✨

    9. März 2026

  • arthurzturm
    arthurzturm

    175 Follower

    5,0

    Michail Bulgakows "Der Meister und Margarita" ist nicht nur ein Roman, es ist ein literarisches Phänomen, ein tiefschwarzes, funkelndes Juwel der Weltliteratur. Dieses posthum (und zunächst zensiert) veröffentlichte Werk ist eine einzigartige Mischung aus grotesker Satire, philosophischer Tiefe und einer zärtlichen, unzerstörbaren Liebesgeschichte. ​Die Genialität des Romans liegt in seiner Struktur, die auf drei Ebenen operiert und sie meisterhaft miteinander Verknüpft. ​Die Moskauer Satire: Im Zentrum steht der Besuch des Teufels Woland und seines anarchischen Gefolges – allen voran der riesige Kater Behemoth – im atheistischen Moskau der 1930er Jahre. Diese Ebene ist eine beißende und oft urkomische Abrechnung mit der sowjetischen Bürokratie, dem Opportunismus der Literaten und der Korruption der Wohnungsverwaltung. Wolands "magische" Auftritte dienen als diabolische Abrechnung, bei der die Lügen und die Gier der Moskowiter auf spektakuläre Weise entlarvt werden. ​Der Meister und Margarita: Hier entfaltet sich die herzzerreißende Liebesgeschichte zwischen dem namenlosen, verzweifelten Autor (dem Meister), der seinen Roman verbrennt und in der Psychiatrie landet, und seiner tapferen Geliebten (Margarita). Ihr Bund, der „wahre, ewige Liebe“ beweist, wird zum moralischen Kern der Geschichte. Margaritas Teufelspakt und ihre Verwandlung in eine Hexe, um den Meister und sein Werk zu retten, bilden den dramatischen Höhepunkt. ​Der Roman im Roman: Eingestreut in die Hauptgeschichte ist der Roman des Meisters über Pontius Pilatus und die Kreuzigung von Jeschua Ha-Notsri (Jesus). Diese tiefgründige, dramatische Erzählung stellt Fragen nach Feigheit, Macht und Gewissen. Sie dient nicht nur als thematischer Spiegel zur Moskauer Geschichte, sondern ist auch der Schlüssel zur Erlösung der Hauptfiguren. ​Fazit ​Bulgakow hat mit diesem Werk ein mutiges Denkmal gegen den Totalitarismus gesetzt. Er thematisiert, wie Kunst unterdrückt wird ("Manuskripte brennen nicht!"), wie Feigheit die größte aller Sünden ist und wie wahre Liebe selbst den Teufel erweichen und über den Tod hinaus wirken kann. ​"Der Meister und Margarita" ist ein Buch, das man nicht nur liest, sondern erlebt. Es fordert heraus, amüsiert und rührt tief. Es ist ein Meisterwerk des Magischen Realismus, das seine Relevanz niemals verlieren wird. ​Bewertung: Ein Muss für jeden Liebhaber der Weltliteratur. Ein Chaos voller Witz, Wunder und Weisheit.

    7. Okt. 2025

3 von 48 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Michail Bulgakow

Michail Bulgakow (1891-1940) gilt als einer der größten russischen Satiriker. Sein Roman »Der Meister und Margarita« zählt zu den bedeutendsten Werken des 20. Jahrhunderts. Nach dem Studium der Medizin arbeitete der gebürtige Kiewer zunächst als Landarzt. Im Russischen Bürgerkrieg war er als Militärarzt in verschiedenen Armeen beteiligt.1921 zog er nach Moskau und arbeitete für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen, für die er Reportagen, Essays sowie Kolumnen und vereinzelt Prosastücke verfasste. Zeit seines Lebens hatte er unter der stalinistischen Zensur zu leiden. Seine großen Prosawerke, darunter »Der Meister und Margarita«, »Die weiße Garde« und »Hundeherz«, wurden erst nach seinem Tod in Russland veröffentlicht. Auch seine Theaterstücke verschwanden von den Spielplänen russischer Bühnen.

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