
198 Follower
Ein bizarrer und vielschichtiger Roman über eine Figur, die sich moralischen und gesellschftlichen Kategorien entzieht
Beim Betrachten des Buchcovers glaubte ich zunächst, einen puren, rasanten Horrorthriller in den Händen zu halten, doch »Mein Name ist Maeve Fly« ist deutlich mehr als das – ein erstaunlich vielschichtiges Porträt einer Figur, die sich einfachen moralischen und gesellschaftlichen Kategorien entzieht. Wir begleiten Maeve ein Stück auf ihrem Lebensweg, und ohne Frage: Vieles, was ich dabei miterleben durfte, ist bizarr, brutal und blutig. Doch Maeve allein auf diese Attribute zu reduzieren, würde dieser Figur nicht gerecht werden. Die 27-jährige Maeve arbeitet in einem Freizeitpark als Eiskönigin – auch ihre beste Freundin Kate arbeitet dort. Als Maeve Kates kleinen Bruder Gideon kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden eine sehr eigentümliche und intime Form von Nähe. Fortan muss sie sich nicht nur mit den Regeln ihrer Vorgesetzten im Freizeitpark und der Pflegerin ihrer geliebten Großmutter Tallulah auseinandersetzen. Aus der leidenschaftlichen Beziehung zu Gideon entwickeln sich zudem bizarre Ereignisse, deren Ursprung tief in Maeves Innerem verborgen liegt. Diese »Nebenschauplätze« sorgen dafür, dass Maeves Geschichte und ihre Figur so viel Tiefe erlangen. Abseits der zentralen Handlung rund um Gideon tritt besonders Maeves innige Beziehung zu ihrer Großmutter und zu ihrem Kater Lester hervor. Beide sind für sie der Mittelpunkt ihrer Welt und zeigen Maeve von ihrer fürsorglichen, liebevollen Seite. Der Freizeitpark wiederum zeigt eine weitere Facette von Maeve: Zwischen den Regeln ihrer Vorgesetzten, Konflikten mit Kollegen, den Erwartungen der Gäste und der künstlich-fröhlichen Kulisse wirkt sie oft verloren, beinahe fremd in einer Welt, in der sie zwar eine Rolle spielt, aber nie wirklich anzukommen scheint. Was zwischen Maeve und Gideon zunächst wie eine leidenschaftliche Beziehung wirkt, verschiebt sich zunehmend in etwas Dunkleres und Brutaleres. Zugleich lebt Maeve an der Seite von Gideon auf, und mit ihm vergisst sie alles um sich herum. Sie spürt »weder Wut noch Bosheit, weder Angst noch Schmerz«. Maeve beschreibt dieses Gefühl mit lyrischen Worten: »Es dehnt sich aus und drückt und zerrt an meinem Innern und erhellt mich von innen heraus. Es ist auf eine ganz eigene Weise zugleich herrlich und schmerzhaft, und es verzehrt alles und erregt alles. Dieser Mann weckt es in mir. Seinetwegen bin ich so lebendig.« (S. 319). »Mein Name ist Maeve Fly« hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte wird durchgängig aus der Ich-Perspektive erzählt, was mich noch tiefer in die Figur eintauchen ließ. Die teils sehr kurzen Kapitel sorgten für einen zügigen Lesefluss, sodass zu keiner Zeit Langeweile aufkam. Es gibt einige Spice-Szenen, die CJ Leede sehr intensiv inszeniert hat. Für mich war das ein intensiver, ungewöhnlicher und überraschend vielschichtiger Roman – und ich hoffe sehr, dass noch weitere Werke von ihr ins Deutsche übersetzt werden.

2 Tage vor
Ein bizarrer und vielschichtiger Roman über eine Figur, die sich moralischen und gesellschftlichen Kategorien entzieht
Beim Betrachten des Buchcovers glaubte ich zunächst, einen puren, rasanten Horrorthriller in den Händen zu halten, doch »Mein Name ist Maeve Fly« ist deutlich mehr als das – ein erstaunlich vielschichtiges Porträt einer Figur, die sich einfachen moralischen und gesellschaftlichen Kategorien entzieht. Wir begleiten Maeve ein Stück auf ihrem Lebensweg, und ohne Frage: Vieles, was ich dabei miterleben durfte, ist bizarr, brutal und blutig. Doch Maeve allein auf diese Attribute zu reduzieren, würde dieser Figur nicht gerecht werden. Die 27-jährige Maeve arbeitet in einem Freizeitpark als Eiskönigin – auch ihre beste Freundin Kate arbeitet dort. Als Maeve Kates kleinen Bruder Gideon kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden eine sehr eigentümliche und intime Form von Nähe. Fortan muss sie sich nicht nur mit den Regeln ihrer Vorgesetzten im Freizeitpark und der Pflegerin ihrer geliebten Großmutter Tallulah auseinandersetzen. Aus der leidenschaftlichen Beziehung zu Gideon entwickeln sich zudem bizarre Ereignisse, deren Ursprung tief in Maeves Innerem verborgen liegt. Diese »Nebenschauplätze« sorgen dafür, dass Maeves Geschichte und ihre Figur so viel Tiefe erlangen. Abseits der zentralen Handlung rund um Gideon tritt besonders Maeves innige Beziehung zu ihrer Großmutter und zu ihrem Kater Lester hervor. Beide sind für sie der Mittelpunkt ihrer Welt und zeigen Maeve von ihrer fürsorglichen, liebevollen Seite. Der Freizeitpark wiederum zeigt eine weitere Facette von Maeve: Zwischen den Regeln ihrer Vorgesetzten, Konflikten mit Kollegen, den Erwartungen der Gäste und der künstlich-fröhlichen Kulisse wirkt sie oft verloren, beinahe fremd in einer Welt, in der sie zwar eine Rolle spielt, aber nie wirklich anzukommen scheint. Was zwischen Maeve und Gideon zunächst wie eine leidenschaftliche Beziehung wirkt, verschiebt sich zunehmend in etwas Dunkleres und Brutaleres. Zugleich lebt Maeve an der Seite von Gideon auf, und mit ihm vergisst sie alles um sich herum. Sie spürt »weder Wut noch Bosheit, weder Angst noch Schmerz«. Maeve beschreibt dieses Gefühl mit lyrischen Worten: »Es dehnt sich aus und drückt und zerrt an meinem Innern und erhellt mich von innen heraus. Es ist auf eine ganz eigene Weise zugleich herrlich und schmerzhaft, und es verzehrt alles und erregt alles. Dieser Mann weckt es in mir. Seinetwegen bin ich so lebendig.« (S. 319). »Mein Name ist Maeve Fly« hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte wird durchgängig aus der Ich-Perspektive erzählt, was mich noch tiefer in die Figur eintauchen ließ. Die teils sehr kurzen Kapitel sorgten für einen zügigen Lesefluss, sodass zu keiner Zeit Langeweile aufkam. Es gibt einige Spice-Szenen, die CJ Leede sehr intensiv inszeniert hat. Für mich war das ein intensiver, ungewöhnlicher und überraschend vielschichtiger Roman – und ich hoffe sehr, dass noch weitere Werke von ihr ins Deutsche übersetzt werden.
2 Tage vor








