Romane

Kaskaden

4,2(44)
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Über das Buch

Ein großes neues Erzähltalent, das entdeckt werden will: Louise Böhms Debüt verhandelt Freundschaft und Herkunft, wie man es noch nicht gelesen hat.

Wenn Jojo ihre Herkunft einfach ausradieren könnte, würde sie es tun. An der Uni hat sie ständig Angst, jemand könnte herausfinden, dass sie gar nicht hierhergehört, und ihre Eltern verstehen sowieso nicht, was sie da eigentlich macht im Labor. Doch ein Lebenszeichen von ihrer ehemals besten Freundin Yara zwingt Jojo, sich mit ihrem Aufwachsen im Beton, in der Kleinstadt, aus der sie schon immer wegwollte, auseinanderzusetzen. Mit der innigen, raumgreifenden Freundschaft zur strahlenden Yara, die ihr Halt gegeben hat wie niemand sonst – Yara mit den grünen Turnschuhen, die nie um eine Antwort verlegen war und Jojo stets beschützt hat vor einer Welt, in der Mädchen keinen Platz haben. Bis heute weiß Jojo nicht, warum Yara sie nach dem Abi hat fallen lassen. Und noch immer versucht sie zu ergründen, wer sie sein kann ohne Yara.

Als ein Flirt mit ihrem Tutor Jakob und akute Geldsorgen Jojos Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt erfordern, muss sie sich entscheiden, wie viel Macht sie der Vergangenheit zugestehen will.

Federleicht und voller Klugheit erzählt Louise Böhm die Geschichte einer besonderen Freundschaft, die alle Kategorien sprengt.

Covermotiv: © Mark Tennant, WINDOWSILL, 2022

Ungekürzte Lesung mit Chantal Busse
7h 12min

Editionen (2)

ISBN9783844556506
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum13.07.26

Rezensionen & Bewertungen

44 Bewertungen

12 Rezensionen

4,2

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  • 5,0

    HIGHLIGHT!

    Ich dachte am Anfang echt, dass Kaskaden einfach ein schönes Debüt über Freundinnenschaft wird. Aber wow, dieses Buch geht so viel tiefer. Ich hab Jojo so schnell ins Herz geschlossen, weil sie sich einfach unglaublich echt anfühlt. Wie sie mit ihren Freunden redet, wie sie ständig das Gefühl hat, an der Uni nicht dazuzugehören, weil sie aus einer Familie kommt, in der Studieren eben nicht selbstverständlich ist: das war alles so nahbar und nachvollziehbar. Ich konnte ihre Selbstzweifel total verstehen und hab beim Lesen einfach die ganze Zeit gehofft, dass sie irgendwann erkennt, wie toll sie eigentlich ist. Auch wie sie darunter leidet, dass ihre beste Freundin sie einfach verlassen hat, hat mich echt mitgenommen. Dass sie deshalb Mauern hochzieht, fühlt sich überhaupt nicht konstruiert an, sondern einfach menschlich. Genauso ihre Zwänge, die aus diesen Unsicherheiten heraus entstehen. Die sind so authentisch beschrieben, dass man richtig merkt, wie gefangen sie in ihren Gedanken ist und wie schwer es ist, aus diesem Kreislauf auszubrechen. Und dann dieser Schreibstil. Der liest sich so leicht und trotzdem steckt so viel darin. So viele Sätze, bei denen ich kurz innehalten musste, und so viel Empathie für die Figuren. Über allem steht immer wieder diese Frage, die man sich selbst doch auch ständig stellt: Bin ich genug? Wo gehöre ich hin? Werde ich irgendwann wieder verlassen? Ein Roman der unglaublich stark zeigt, was es bedeutet zu studieren, wenn man aus armen Verhältnissen kommt. Wie sehr die Kindheit einen prägt, selbst wenn man versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. ein Buch das von Freundschaft, Verlust, Herkunft und Selbstzweifeln erzählt, ohne jemals belehrend zu sein. Alles fühlt sich echt an – und genau das macht dieses Buch für mich so besonders.

    HIGHLIGHT!

    7 Tage vor

  • litera.lina
    litera.lina

    204 Follower

    5,0

    Louise K. Böhm schreibt nicht über den spektakulären Bildungsaufstieg. Sie schreibt über das Davor und Danach: über die Scham, den eigenen Dialekt zu kontrollieren, über die Angst, als »nicht zugehörig« erkannt zu werden, über das ständige Beobachten der eigenen Gesten und Worte. Klassismus erscheint hier nicht als großer Fachbegriff, der theoretisch umrissen wird , sondern als etwas, das sich in den kleinsten Momenten zeigt. Ein Satz wie »Das wären sieben Filterkaffee beim Ranzkiosk« erzählt mehr über soziale Ungleichheit als viele theoretische Abhandlungen. Besonders berührt hat mich, dass dieser Roman meine Generation ernst nimmt. Louise K. Böhm schreibt über junge Erwachsene, deren Referenzen, Sehnsüchte und Unsicherheiten sich nicht nostalgisch anfühlen, sondern gegenwärtig. Als Leserin, die fast im gleichen Alter ist wie die Autorin und selbst als Akademikerin aus einem Arbeiter*innenhaushalt kommt, habe ich mich selten so gesehen gefühlt. Nicht, weil unsere Lebensläufe identisch wären, sondern weil Kaskaden ein Gefühl beschreibt, das in der Literatur erstaunlich selten Raum bekommt: Bildungsaufstieg bedeutet nicht, die eigene Herkunft hinter sich zu lassen. Man nimmt sie mit. Immer. Jojo ist deshalb eine faszinierende Protagonistin. Sie kämpft nicht nur gegen äußere Zuschreibungen, sondern auch gegen den Blick, den sie längst auf sich selbst verinnerlicht hat. Ihre Selbstbeobachtung wird zum Ausdruck eines Klassismus, der sich tief in das eigene Denken eingeschrieben hat. Die Vergangenheit kehrt dabei nicht als Erinnerung zurück, sondern als Struktur. Als etwas, das selbst dann weiterwirkt, wenn der Ort längst verlassen wurde. Auch die Freundschaft zu Yara liest sich für mich weniger als romantisierte Seelenverwandtschaft denn als gegenseitige Überlebensstrategie. Die beiden halten sich aneinander fest, weil ihre Lebensrealität ihnen kaum andere Möglichkeiten eröffnet. Gerade dadurch wird ihre Verbindung so intensiv und gleichzeitig so schmerzhaft. Bemerkenswert ist außerdem, dass der Roman Liebe nicht hierarchisiert. Weder romantische Beziehungen noch Freundschaft erhalten eindeutige Vorrangstellungen; Liebe erscheint vielmehr als bewusste Entscheidung füreinander. Und genau darin liegt für mich die politische Kraft dieses Debüts. Kaskaden macht sichtbar, wie eng Herkunft, Klasse und Zugehörigkeit miteinander verwoben sind. Es erzählt von einer jungen Frau, die sich aus einer bildungsfernen, faschistisch geprägten Umgebung emanzipiert – ohne je behaupten zu wollen, dass Emanzipation ein geradliniger Prozess sei. Das Buch widerspricht der bequemen Erzählung, man müsse seine Vergangenheit nur hinter sich lassen. Es zeigt stattdessen: Herkunft verschwindet nicht. Man kann nur lernen, mit ihr zu leben. Ich bin diesem Roman vor allem für eines dankbar. Dafür, dass er einer Generation und einer sozialen Erfahrung eine literarische Stimme gibt, die viel zu selten gehört wird. Nicht laut, nicht pathetisch, sondern mit einer Sprache, die sich anfühlt, als würde das eigene Herz sprechen.

    7 Tage vor

  • alinahe
    alinahe

    43 Follower

    5,0

    Ich fand es wirklich ganz ganz toll! Bin mit 0 Erwartungen rein und hab am Ende nur geheult

    2 Tage vor

3 von 12 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

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dvnkelgray
dvnkelgray28. Juni 2026

Irgendwie erscheinen mir die Unterhaltungen zwischen Jojo und Jakob immer so künstlich, so aufgesetzt. Es ist in einem Maße klischeehaft, dass es nicht süß und nicht ironisch ist. Es wirkt für mich einfach so anorganisch. Und auch die typische Stellung von Außenseiterin, die sich selbst auch aktiv in diese Position bringt und dem beliebten, coolen Typen, der sich dann nur noch für sie interessiert. Mit 15 hat mir das gefallen, aber nicht mit 25.

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Autorin / Autor

Über Louise K. Böhm

Louise K. Böhm, geb. 2000 in Berlin, studierte nach einem ersten Studium im Medienbereich Literarisches Schreiben, Kulturjournalismus und Kulturpolitik in Hildesheim, bevor es sie beruflich in die Musikbranche und privat nach Hamburg verschlagen hat. Ihre Texte erscheinen in verschiedenen Literaturmagazinen und Anthologien. Auf Social Media teilt sie als @louschreibt_ Literaturempfehlungen, gibt Einblicke in ihren Alltag als Autorin und klärt über Klassismus in der Kulturbranche auf. »Kaskaden« ist ihr erster Roman.

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